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Ungarn - 2000-2

Donnerstag, 14.9.

Wir wollen recht früh starten –so gegen 7.30 Uhr, aber die Fahrzeugpapiere (Zulassung) sind verschwunden. Peter hat schon alles auf den „Kopf gestellt“ und nun fange auch ich an zu suchen. Die einzige Möglichkeit, wenn wir sie nicht finden, ist den Kfz-Brief aus dem Bankschließfach zu holen. Die Bank öffnet erst gegen 9 Uhr. Schließlich zum? mal schauen wir zusammen in die Schublade: Schlüssel und Papiere und was finden wir da? 8.15 Uhr jetzt geht’s los! Über die A 24 Richtung Berlin, das Wetter ist nicht berauschend. Vor Leipzig wird es besser. Wir finden nahe der Altstadt gegen 13.30 Uhr einen Doppelparkplatz und bestücken die Parkuhr für 3 Stunden. Mit Reiseführer „Ostdeutschland individuell“ starten wir den Rundgang „rückwärts“. Besonders gefallen mir die alten Giebelhäuser und das „Barfußgässchen“. Es reicht noch die Zeit für einen Cappuccino hinter dem alten Rathaus im Freien. Gegen 17 Uhr suchen wir die A 2 Richtung Süden. Wir wollen einen Zwischenstopp in Muckern-Dreiskau südlich von Leipzig machen. Hier hat meine Großmutter viele Jahre gelebt und liegt auf einem Friedhof im Nachbarort begraben. Das letzte Mal war ich 1993 hier. Der Ort sollte 93 „abgebaggert“ werden –rundherum ist Braunkohleabbau. Die restlichen Dorfbewohner haben sich gewehrt (damals 52) und so blieb das Dorf erhalten. Man hat die alten Häuser wunderschön renoviert und den Dorfcharakter erhalten. Viele junge Familien haben hier ein zu Hause gefunden. (350 Einwohner 1999, Durchschnittsalter 30 Jahre). Wir essen in der einzigen Gaststätte im Ort recht preiswert. Am Wegende vom Dorf übernachten wir in unserem Mobil. Vorher haben wir noch einen langen Spaziergang durch Muckern bis zum Braunkohleabbau gemacht. Der Abbau ist gestoppt, man füllt lediglich einige Krater mit Erde auf. Bis 2013 ist hier eine künstliche Seenlandschaft „Störmthaler See“ mit Segelhafen geplant. Dann werden sicherlich die Grundstückspreise explodieren!

Freitag, 15.9.

Wir wachen gegen 7 Uhr auf und haben ungestört und gut geschlafen. Nach dem Frühstück fahren wir zum Grab meiner Oma nach Pötschau. Die Kirche wurde noch nicht renoviert. Über Grimma (Kreisstadt) fahren wir auf die Autobahn Richtung Dresden. Hier hat man landschaftlich schon einen kleinen Einblick in die sächsische Schweiz. Wir müssen durch die halbe Stadt und dann die „Weinstraße“ an der Elbe entlang über Pillnitz nach Pirna. Hier überqueren wir die Elbe und fahren bis Oberrathen. Auf dem Parkplatz an der Fähre dürfen wir parken und auch übernachten (Anfrage beim Fährmann). Auf dem Parkplatz stehen auch viele andere Autos, da Niederrathen überwiegend „autofrei“ ist. Wir ziehen unsere Wanderstiefel an und nehmen die Personenfähre zur gegenüberliegenden Seite. Dann wandern wir zum Amselsee und zum nahen Amselwasserfall. Danach nehmen wir den Weg zur Bastei über die „Schwedenlöcher“, Anstieg über Stufen in ca. 45 Min. Oben angekommen, herrscht dort großer Rummel. Es gibt Hotels und Restaurants und dementsprechend viele Touristen. Die Strecke zur Brücke geht an vielen Aussichtspunkten vorbei. Wir schließen uns einer Führung an und besichtigen so auch noch die alte Burganlage. Man hat von dort sehr gute Sicht auf die umliegenden Tafelberge. Rückweg bis Rathen ca. ½ Std. Am Stellplatz angekommen, fahren wir mit dem Roller bis zum Tafelberg Lilienstein. Vom Parkplatz sind es über die Nordseite 30 Min. Aufstieg. Oben gibt es ein großes Plateau und viele Aussichtsmöglichkeiten. Wir steigen noch höher auf den Mulattenkopf. Es ist mittlerweile 18 Uhr und mit uns sind noch viele Touristen unterwegs. Über die Südseite steigen wir ab. Mit dem Roller ist es bis Niederrathen nicht weit. Obwohl wir im Ort nicht fahren dürfen (Fahrverbot) kämpfen wir uns bis zur Fähre mit teilweise 18% Gefälle durch. Der Fährmann will uns zuerst nicht mitnehmen und das hätte einen Wahnsinnsumweg bedeutet. Zuletzt lässt er sich doch „breitschlagen“, so sind wir gegen 19 Uhr am Wohnmobil. Ich koche für uns im Mobil und „halbstündlich“ hören wir die schöne Musik von der Klangterrasse. Bei Kerzenlicht und Federweißer lassen wir den Tag ausklingen.

Samstag, 16.9.

In der Nacht regnet es. Am Morgen überlegen wir wie wir den heutigen Tag verbringen wollen: 1. Festung Königstein oder 2. Wanderung Hohenstein-Polenztal (Zeitdauer 4-5 Stunden). Wir entschließen uns für die Wanderung. Gegen 14 Uhr müssen wir zurück in Rathen sein, wir haben Karten für die Felsenbühne. Man spielt „Buratino, nach einer Geschichte von Pinoccio. Unsere Fähre um 8.15 Uhr lässt sich Zeit, auf der anderen Seite warten viele „Weißhosen“. Wie sich bei ihrer Ankunft herausstellt, sind die Weißhosen ein Männer-Chantychor aus Hamburg. Sie sollen heute in Dresden singen. Kurz nach 9Uhr nehmen wir den Füllhölzelweg und wollen Richtung Brand und von dort nach Hohenstein über das Polenztal nach Rathen zurück. Leider ist der direkte Wanderweg Richtung Brand gesperrt, so nehmen wir den Wanderweg an den Felsen nach Hohenstein. Unterwegs kurzes Gewitter und Regenschauer. Doch wir gehen weiter, umkehren können wir immer noch. Kurz vor dem Aufstieg nach Hohenstein treffen wir Wanderer aus Dresden (sprachlich einwandfrei erkannt). Diese raten uns den Weg über den Hockstein, Pionierweg und Knotenweg (ca. 1 ½ Std.) nach Rathen zu nehmen. Unterwegs, nicht weit, soll es eine Gaststätte geben. Kaum haben wir diese erreicht, fängt es kräftig an zu regnen. Also kehren wir ein und stärken uns mit einer warmen Suppe. Ich trockne mit dem Handföhn in der Toilette meine nasse Bluse. Es kann weitergehen. Der Aufstieg auf die Hocksteine führt durch die Wolfsschlucht, ganz schmaler Aufstieg über Metallstufen. Hier darf uns niemand entgegenkommen, wer geht zurück? Oben sehr guter Blick nach Hohenstein und Richtung Polenztal. Abstieg über die Teufelsbrücke. Der restliche Wanderweg ist steinig, aber breit. Wir schaffen es zeitlich nicht mehr uns für das Theater umzuziehen, aber wir haben ohnehin alles dabei: Sitzkissen, Karten, Regenzeug und jede Menge gute Laune. Der Anstieg zu Felsenbühne ist etwas beschwerlich, da er sehr steil ist. Im Theater gibt es für die 14 Uhr Vorstellung noch viele freie Sitzplätze. Mir hat am besten die Schildkröte Tschiripacha gefallen. Um 16.15 Uhr ist die Aufführung beendet. Wir hatten Glück, keinen Regen während der Vorstellung. Nach einer Kaffeepause im Ort informieren wir uns über Schiffstouren nach Wehlen. Peter nutzt die 45 Min. bis zur Abfahrt zum Umziehen, ich zum Lesen der Reiseinformationen. So überrasche ich ihn, als er mit der Fähre zurückkommt, dass Pirna für einen Ausflug viel interessanter ist. Auf nach Pirna! Eine Tour mit dem Schiff kostet DM 16, Rückfahrt 1/2stündlich mit dem Zug möglich. Gegen 18.25 Uhr kommen wir in Pirna an. Auf dem Marktplatz ist eine Bühne aufgebaut und schon von weitem kann man die Musik (nicht unser Fall) hören. So sehen wir uns die Stadt an. Auf dem Weg zum Bahnhof gibt es leider keine Restaurants, die waren nur in der Altstadt, hungrig nehmen wir den Zug nach Rahten. Aus dem Zug haben wir nochmals einen Blick auf die Bastei. Gleich am Bahnhof befindet sich eine Gaststätte. Wir kehren ein und so brauche ich nicht zu kochen. Das Essen ist vorzüglich und bis zu unserem Reisemobilstellplatz ist es nicht weit. Müde im Bett lauschen wir noch einmal der Musik von der Klangterrasse und schauen auf die Elbe. Morgen geht’s weiter Richtung Tschechei nach Ungarn.

Sonntag, 17.9.

Schon früh sind wir wach, so dass wir gegen 8 Uhr starten: Bad Schandau, Grenzübergang Hrensko, Üsti, Prag, Brno und Bratislava lassen wir ohne Probleme hinter uns. Gegen 17 Uhr kommen wir in Lipot, einem kleinen Ort in Ungarn mit Thermalbad, an (ca. 30 km vor Györ). Da das Thermalbad schon um 18 Uhr schließt, machen wir nur einen Rundgang durch das Dorf. Es gibt 3 Gaststätten und man kann recht preiswert essen.

Montag, 18.9.

Das Thermalbad öffnet erst um 10 Uhr, so lassen wir uns Zeit mit dem Frühstück und lesen. Brötchen „Marke Luftikus“ im Supermarkt kosten umgerechnet Stück DM -,10. Um 11 Uhr betreten wir das Thermalbad, Eintritt pro Person DM 2.80. Wir können beliebig unterbrechen und auf dem Campingplatz pausieren. Das Thermalbad besteht aus 4 Becken, im wärmsten (angeschrieben) herrscht der größte Andrang (ca. 10 Personen). Auch wir gehen dort hinein, doch nach 40 Min. ist unsere Haut völlig aufgeweicht, wie machen es die anderen Badegäste? Um 14 Uhr haben wir uns für eine Massage angemeldet (Forint 2000 p. Pers.) Die einstündige Massage habe ich sehr genossen. Und weil die Masseurin etwas deutsch spricht, erfahre ich etwas über ihre Lebensumstände. Sie heißt Charlotte ist etwa genau so alt wie ich und hat zwei erwachsene Töchter. Ihre Ausbildung hat sie in Györ in einem Krankenhaus gemacht, sie dauerte 2 Jahre. Ihr Mann ist schon seit 6 Jahren tot und ihr kleiner Lebensmittelladen an der Kirche hat Konkurrenz bekommen, schöner und größer als der ihrige. Das Thermalbad sei total veraltet, seit 10 Jahren wurde hier nichts mehr investiert und Gäste kommen auch immer weniger. Von ihren Ersparnissen möchte sie sich gern in ihrem Haus ein Massagezimmer und Sonnenstudio einrichten. Sie wird von den Einheimischen nur Forint 1000 für die Massage nehmen und wenn die Mundpropaganda floriert, dann kann sie sich so ein Geschäft aufbauen (Stundenlohn DM 8.00).

Dienstag, 19.9.

Gegen 9 Uhr reisen wir ab, immer noch kein Sonnenschein. Wir fahren die Nebenstrecke bis Györ, verfahren uns unterwegs wegen einer Baustelle und landen an der Donau, hier ist kein LKW-Verkehr erlaubt. Györ soll eine der besterhaltenen Städte Ungarns sein, also schauen wir uns die Altstadt an. Alle Sehenswürdigkeiten erreichen wir zu Fuß, nicht weit von unserem Parkplatz entfernt. Der Straßenbelag besteht aus Kopfsteinpflaster und es gibt viele Bekleidungsgeschäfte (mod. Outfit für Frauen keine DM 200) und Souvenirläden. Immer an der Donau entlang fahren wir die Nebenstrecke bis Esztergom, den Dom haben wir uns schon beim letzten Mal angesehen. In Visegard fahren wir auf die alte Burg, von dort hat man einen großartigen Blick auf das „Donauknie“. Die Burg ist in einigen kleinen Abschnitten wieder hergestellt und man kann sich Ausstellungen wie: „Leben auf der Burg und Folterkammer Wachsfigurenkabinett“ ansehen. Unser nächster Ort ist Szentendre. Hier haben sich viele Künstler niedergelassen und verkaufen ihre Ware in kleinen Geschäften. Es geht schon auf 18 Uhr und es ist etwas ruhiger (die Touristenbusse sind weg). An Käufen sind wir nicht interessiert und begnügen uns mit einem Kaffee und sehr süßem Gebäck. Die restlichen 18 km bis zum Campingplatz vor Budapest schaffen wir in gut 30 Min. Wir beschließen noch mit dem Roller nach Budapest zu fahren. Wir wollen nach „Pest“ in die Fußgängerzonen, etwas bummeln und essen. Vor dem Hotel Kempinski parken wir unseren Roller und schlendern durch die noch belebten Fußgängerzonen. Geben 21 Uhr fahren wir noch rüber nach Buda auf die Fischerbastei, um von dort den Blick auf Pest zu genießen. Unterwegs fängt es an ein wenig zu regnen. Der Blick bei Nacht ist grandios und jetzt wird es Zeit für den Heimweg. Wir finden leider nicht den Rückweg zur Bundesstr. 11: mal dürfen wir nicht abbiegen, mal entfernen wir uns zu weit, so dass dort unmöglich eine Querverbindung besteht. Der Regen wird kräftiger und wir „rollen“ noch immer bergauf und bergab, im Dunkeln sieht alles ganz anders aus! Wieder über die Brücke – Wende- und wieder die richtige Abfahrt verfehlt. Schließlich, wir haben es schon fast aufgegeben, finden wir den Heimweg. Am Platz angekommen, wird der Regen noch stärker. Gott sei dank, wir sind im Wohnmobil!

Mittwoch, 20.9.

Nachts sehr kräftiger Regen, morgens bewölkt und trocken. Wir starten nach Budapest. Jetzt am Tage können wir die Probleme des Vorabends nicht begreifen. Vor dem Hotel wird wieder geparkt. Besichtigung der St. Stephan Basilika die zurzeit renoviert wird. Prachtvoller Bau, Bauzeit (1851-1905) 54! Jahre. Ich möchte gerne ins jüdische Viertel (ganz in der Nähe) und mir die Synagoge und Museum ansehen. Wir nehmen Besichtigung ohne Führung, schnappen aber von einem Reiseleiter einige Daten auf. Diese Synagoge an der Dohany von 1854 hat 3000 Sitzplätze. Das Museum wurde 1993 total ausgeraubt, aber man hat wieder einiges, wie die Thorarollen, zusammengetragen. Eine Ausstellung gibt Zeugnis über die Zeit 1944/45. Am gewaltigsten ist aber auf einem kleinen Hof die Metall-Trauerweide vom ungarischen Künstler Varga. Auf den Blättern aus Eisen sind die Namen der Deportierten aus Budapest verewigt. Ich habe kein Verständnis für Touristen, die sich mit der Trauerweide fotografieren lassen. Die Personen, von denen die Namen auf den Blättern stehen, sind ausgelöscht. Es könnten auch unsere Großeltern sein. Wir schlendern die Andrassy Ut rauf und runter, mit einem Blick in die Oper. Zurück am Roller fahren wir einige Punkte der Stadtrundfahrt ab und stoppen bei den Markthallen in der südlichen Innenstadt. Hier kann man in einen Kaufrausch geraden, leider sind die Transportmöglichkeiten auf einem Roller sehr begrenzt. So fahren wir 16.30 Uhr voll beladen zum Stellplatz zurück. Jetzt in der Nachsaison stehen mit uns nur 7 Autos auf dem Campingplatz

Donnerstag, 21.9.

Wir verlassen Budapest schon um 9 Uhr in südliche Richtung, vielleicht scheint dort die Sonne. Wir nehmen die Nebenstrecke entlang der Donau (wofür haben wir die Vignette gekauft?).Die Landschaft bis Kiskörbis ist eher langweilig -Gemüseanbau. Bis Kiskummajsa dann viele Freilandgehege mit Gänsezucht, kommen etwa unsere Weihnachtsgänse hier her? Das Thermalbad liegt etwas außerhalb, der Campingplatz Jonathermal unmittelbar davor. Der Platz ist trotz Nachsaison recht voll, überwiegend Deutsche und Österreicher. Wir stellen uns auf eine freie Wiese und sind recht bald im Gespräch mit unseren Anwohnern. Wir haben „Späteingang“ ab 15 Uhr gebucht (Forint 200 p. Pers.). Es gibt zurzeit nur ein Außenbecken und mehrere Thermalbecken innen. Für Campinggäste ist das Bad schon morgens ab 7.30 Uhr geöffnet und mittags kann man das Bad verlassen, um dann am Nachmittag wieder bis 19 Uhr zu baden. Auch hier sind überwiegend ältere Gäste. Abends gehen wir im Vitalas essen. Das kleine Restaurant befindet sich in einer kleinen Wohnanlage und für 2 Essen mit Nachtisch und 1 Flasche Wein bezahlen wir 3000 Forint. Der Wirt spricht etwas deutsch und berichtet, dass hier überwiegend nur Wochenend- oder Urlaubsgäste sind. Es gibt auch komfortable Häuser zu kaufen, ca. DM 80.000 mit Grundstück. Rotweinbeschwingt treten wir den Heimweg an.

Freitag, 22.9.

Immer noch keine Sonne. Wir müssen wie die anderen Tage auch im Reisemobil frühstücken. Brötchen gibt es nach Vorbestellung am Platz. Nach dem Frühstück beschließen wir mit dem Roller nach Kiskummajsa zu fahren, heute ist Markttag. Nach mehreren Anläufen finden wir den Markt mit vielen Obst- und Gemüseständen. Es gibt Bauern die nur wenig Ware ausgebreitet haben, alles das was in ihren Gärten wächst. Seitlich gibt es Stände mit Haushaltswaren und Bekleidung (viel Unterwäsche). Wir haben leider nicht an Transporttaschen gedacht, so müssen wir welche kaufen. Nur bei großen Einkaufsmengen gibt es ganz dünne Taschen gratis. Gegen Mittag sind wir am Platz zurück. Ab 14 Uhr haben wir Massagen gebucht, vorher wärmen wir uns noch im Bad auf. Peters Massage (von einem Mann ausgeführt) kostet Forint 1000 und dauert nur 15 Min., auch meine ist nicht viel länger. Das nennen wir Touristenabfertigung. Am Nachmittag sehen wir uns ausführlich den Campingplatz an. Heute gehen wir in einem anderen Restaurant essen, hier sind überraschend viele Gäste. Wir kommen mit einem älteren Ehepaar aus Heidelberg ins Gespräch. Sie mieten sich schon seit vielen Jahren hier am Bad ein Ferienhaus (DM 40,00 pro Tag). Sie wissen zu berichten, dass man hier oft noch Ende Oktober sommerliche Temperaturen bis 30°C. herrschen. Nur mit uns hat es das Wetter nicht so gut gemeint. Auch in diesem Restaurant war das Essen super (Forint 3000). Im Reisemobil lesen wir noch bis uns die Augen zufallen. Nachts ist Gewitter angesagt und wie unsere Nachbarn meinen: auch mit heftigen Regenfällen. Doch es regnet nur leicht in der Nacht.

Samstag, 23.9.

Schon früh am Vormittag fahren wir südlich Richtung Kiskumhalas. Sonnabends großer Markt. 1 kg Weintrauben für 100 Forint, Äpfel 50 F, getrockneter Paprika ½ kg 900 F. Ich kaufe noch preiswert Holzlöffel und Schaufeln. In einem Laden erstehen wir noch heiße Quarktaschen. Das Spitzenmuseum können wir nicht finden und beschließen über Kalocza weiterzufahren. Hier in der Gegend von Szeged wird der meiste Paprika angebaut. Die Frauen von K. haben sogar Paprikapulver unter die Farbe gemischt und ihre Häuser damit angestrichen. Blumenmotive auf dem Bahnhof in K. und auch das Folklorehaus im Ort sind mit schönen leuchtenden Farben bemalt. Wir sehen uns noch die barocke Kathedrale an und wollen dann mit einer Fähre, ca. 8 km südlich über die Donau setzen. Der Weg zum Anleger ist sehr steil und wir vermuten, dass wir aufsetzen werden. So entscheiden wir uns für den Rückweg (Umweg) über Baja zu fahren. Gleich an der Fähre gibt es ein kleines Folklorelokal, es stehen auch schon 2 Busse mit auf dem Parkplatz (1 mit SE Kennzeichen).Wir nehmen auf der überdachten Terrasse platz mit Blick auf die Bühne. Ein paar Männer stimmen ihre Musikinstrumente und bald erscheinen ein paar ältere Frauen in wunderschönen Trachten. Sie führen Tänze auf und singen. Uns werden die Trachten erklärt: unter dem plissierten Rock tragen sie 3 weitere Unterröcke und 1 engen Rock, das erklärt auch das weite Abstehen der Röcke. Die Blusen und Schürzen sind bunt handbestickt und die Häubchen zeigen den Familienstand (ledig/verh./Witwe) Wir essen das 1. Mal in Ungarn Gulaschsuppe, zum Nachtisch Mohngebäck. Wir lernen noch eine Frau aus der Reisegruppe kennen. Für nur DM 395,-- hat sie 5 Tage Ungarn als Verkaufsfahrt gebucht – Busfahrt, Übernachtungen, Essen, Besichtigungen u. Vorführungen incl. Gestern waren sie in Budapest, heute in der Bugac- Pusta mit Schaureiten, jetzt hier das Folklore-Programm und Dienstag ist Abreise. Man muss schon sagen, dass sie für ihr Geld viel geboten bekommen! An riesigen Paprikafeldern entlang fahren wir Richtung Baja und hier über die Donau. Nach Bonyhäd Hinweis über eine Brückendurchfahrt mit nur 3.10 m Höhe. So suchen wir über Nebenwege Dombovar zu erreichen. Mit dem Ergebnis, dass in Izmeny die Fahrt auf dem Marktplatz zu Ende ist. So müssen wir wohl doch den Umweg über Pecs nehmen. Eine junge Frau sieht uns Kartenlesen und kommt auf uns zu. Sie spricht sehr gut deutsch und erklärt uns eine Umgehung des Tunnels (nur für Einheimische). Die Strecke ist zwar „hundsmiserabel“, aber wir ersparen uns min. 10 km Umweg. So kommen wir ohne weitere Probleme gegen 18 Uhr auf dem Campingplatz in Dombovar an. Für das Thermalbad ist es heute zu spät. Zum Abendessen gibt es nur einen Salat. Peter hat Kopfschmerzen und geht früh schlafen, ich lese noch etwas. Dann ab 10 Uhr setzt laute Musik, aus dem Camping-Restaurant, ein. Die Discomusik wird immer lauter, so bis ½ 5 Uhr. Wir bekommen kein Auge zu und fahren weg, wir parken in einer ruhigen Seitenstraße.

Sonntag 24.9.

Den Rest der Nacht schlafen wir gut und suchen dann den gestrigen Campingplatz auf. Wir weigern uns für so einen lauten Stellplatz etwas zu bezahlen, der Platzwart akzeptiert das. Wir besuchen bis mittags das angrenzende Thermalbad. Heute ist es recht voll und im Hallenbad ist es sehr laut. Auf Nebenstrecke fahren wir nach Igal. Mit F 450 ist der Eintritt ins Thermalbad mit Abstand der Teuerste. Auch hier sind heute viele Einheimische, man sitzt zusammen wie in einer „großen Wanne“. Am späten Nachmittag reisen wir Richtung Mernye- Somogygeszti. Hier 3 km Feldweg bis Alsobogat, die Strecke bis zur Hauptstraße ist dann wieder gut befahrbar. In Lengyeltoti fahren wir nach Buzsak. Im Ort sehen wir viele Leute in Trachten und Omnibusse. Wir entscheiden uns erst später in die Csisztapuszta aufzubrechen. Das Warten hat sich gelohnt, wir sehen in einer sehr schönen Mehrzweckhalle 1 1/2Str. Folkloreprogramm. Es tanzen junge Leute in Trachten viele verschiedene Tänze, die älteren Frauen tanzen einen Flaschentanz (dabei wird eine halbvolle Flasche beim Tanzen auf dem Kopf balanciert. Immer werden die Tänze mit Live-Musik und Gesang begleitet. Gegen 19 Uhr, es ist schon dunkel, suchen wir den Campingplatz beim Thermalbad Csisztapuszta auf. Eine schöne Wiese mit 6 Reisemobilen erwartet uns. Diese Nacht wird bestimmt ruhiger als die vorherige. Weil hier keine Restaurants mehr geöffnet haben, fahren wir mit Roller ins Restaurant Piroska. Mit diesem Restaurant hat sich eine Deutsche mit ihrem Mann einen Lebenstraum erfüllt. Sie haben in Ungarn eine Pension mit Restaurant eröffnet. Das Essen ist gut und preiswert und im Gästeraum können wir sogar „Formel 1“ sehen. Bodennebel als wir mit dem Roller heimkehren.

Montag, 25.9.

Der Nebel ist immer noch vorhanden. Um 8.20 Uhr sind wir ohne Frühstück schon im Bad. (Eintritt vom Campingplatz möglich) Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Roller in die Weinberge. Die alten Häuser stehen noch und viele sind zu verkaufen (mit Weinberg). Wir fragen nach Peter aus Augsburg, mit ihm haben wir vor Jahren hier eine lustige Weinprobe unternommen. Leider ist er schon vor einer Woche abgereist. In Buzsak sehen wir uns das Museum an und essen eine Kleinigkeit Die Sonne kommt endlich raus und so faulenzen wir am Mobil und trocknen mal endlich alle Handtücher. Massage im Bad, F 1600 p. Pers. Im Bad anregendes Gespräch über ungarische Stundenlöhne mit einem Deutschen der mit einer ungarischen Lehrerin in Ungarn lebt.

Dienstag, 26.9.

Nach dem Frühstück ganz viel Sonne, wir gammeln total. Peter fährt mit dem Roller zum Plattensee und kauft eine deutsche Zeitung und kommt mit Kuchen zurück, darunter einer mit Kraut gefüllt. Abendessen im Stammrestaurant, Grillplatte F 2.600

Mittwoch, 27.9.

Nach dem Bad und Frühstück fahren wir zum Markt. Hinweg kurzer, aber unebener Sandweg mit dem Roller. In Fondeyd kaufen wir Paprika, Weintrauben und Reiseproviant ein. Rückweg über die Straße. Da wir beliebig oft vom Campingplatz ins Bad können, genießen wir am Abend ein warmes Bad unter Sternenhimmel. Krönung ein Schlückchen Rotwein.

Donnerstag, 28.9.

Abreise, schon um 7 Uhr gehen wir ins Bad. Gegen 8 Uhr wollen wir abreisen, aber es kommt anders. Im Bad treffe ich einen Zittauer, alle anderen sind das warme Hallenbad gegangen. Er erzählt über seine neue Hüfte und wie gut ihm 2 x im Jahr das Bad bekommt. Er hat wie wir auch eine kleine Kfz-Werkstatt und kann immer nur kurz Urlaub machen, wenn sein Sohn ihn vertritt. Seine Werkstatt ist nahe der tschech./poln.Grenze (4000 Einwohner) und 5 Mitbewerber vor Ort. Viel Arbeitslosigkeit und die preiswerte Konkurrenz der Nachbarländer zwingen ihn einen Stundenverrechnungssatz von nur DM 42,50 zu nehmen. (wir DM 98) Schade, dass wir das alles erst heute erfahren, wir müssen abreisen. 9 Uhr startklar, wir fahren Richtung Balaton, dann bis Balatonkeresztür und hier verfahren wir uns. Als wir es merken sind wir südlich, kurz vor Nagykanizsa. Es waren 60 km Umweg, aber durch landschaftlich schöne Gegend. Mittags sind wir kurz vor Sopron. Auf der österreich. Autobahn gibt es Probleme mit dem Vignettenkauf, wenn man ohne erwischt wird gibt es saftige Strafe. Linz-Passau, Regensburg-Nürnberg-Schwabach, kurz nach 21 Uhr kommen wir auf der Tankstelle bei unserem Freund Gunter an. Durch den Tankwart lassen wir Gunter mit der folgenden Bemerkung holen: Kunde hat Reisemobil voll getankt und kein Geld zum Bezahlen dabei, was soll er machen? Als Gunter aufgebracht herunterkommt muss er doch über unsern Scherz lachen. Wir wecken Ingrid, die schon im Bett liegt und klönen bis 23 Uhr über Tankstellen und Probleme, unser gemeinsames Lieblingsthema. Rückfahrt über Caravan-Messe in Düsseldorf

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