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Polen - 2004-2

Städte, Landschaften und Begegnungen

28.8. bis 11.9.2004
--------- Reisebuchnotizen von Monika Ambos-----Bilder Peter Ambos


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Samstag, 28.8.

Direkt von der Caravanmesse in Düsseldorf fahren wir nach dem Frühstück nach Leipzig. Peter und ich sind nicht allein auf Reisen, wir haben meine Mutter (75 Jahre) dabei. Sie soll uns in Masuren die Plätze ihrer Kinder- und Jugendzeit zeigen. Mit einigen Staus erreichen wir am späten Nachmittag über die neue A 38 den Ort Dreiskau-Muckern bei Leipzig. Hier im ehemaligen Gebiet des Braunkohleabbaus hat meine Großmutter von 1946 bis 1980 gelebt. Wiederholt haben wir dieses kleine Dorf aufgesucht. Was hat sich nicht alles in dem beschaulichen Ort geändert: Straßen und Bürgersteige sind mit Verbundpflaster versehen, die einst schäbigen, kleinen Häuser sind hübsch renoviert. So ein rechtes Dorf für Wochenendtouristen, denn hier in den ehemaligen Gruben soll die größte Seenlandschaft mit Freizeitmöglichkeiten südlich von Leipzig entstehen. Wir parken mit dem Mobil bei einer Streuobstwiese und machen unseren Rundgang durch den Ort. Übernachtung auf der Wiese.

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Sonntag, 29.8.

Zuerst sehen wir uns das neue Freizeitgelände an. Es ist schon recht viel Wasser in die ehemalige Abbaustelle (Braunkohle wurde hier im Tageabbau gefördert) gelaufen. Voraussichtlich 2006 soll alles fertig sein. Am späten Vormittag fahren wir weiter in die sächsische Schweiz, nach Rathen. Hier parken wir auf dem großen Parkplatz in Niederrahten, direkt an der Elbe. Das schöne Wetter lädt zum Spazieren ein. Mit der Personenfähre setzen wir, meine Mutter und ich, nach Rathen über und wandern zur Felsenbühne. Heute Nachmittag spielt man hier den Zigeunerbaron. Die vielen Lokale mit ihren Biergärten machen es uns schwer die richtige Entscheidung für Kaffee und Kuchen zu treffen. Ein gemütlicher, längerer Spaziergang an der Elbe Richtung Wehlen beendet diesen schönen Nachmittag. Bänke an der Elbe laden zum Verweilen ein, man kann den Ausflugsdampfern und Paddelbooten auf der Elbe zusehen. An der Fähre erwartet uns Peter, der hat Formel 1 gesehen und mit ihm gehen wir zurück in den Ort und essen eine Kleinigkeit. Die Gerichte sind preiswert und gut (3 Personen € 26). Zurück bei unserem Stellplatz lauschen wir der Musik auf der „Klangterrasse“. Die untergehende Sonne lässt die Gebäude und Felsen auf der anderen Elbseite erstrahlen. Bemerkung: Auch wenn auf dem Parkplatz-Hinweisschild übernachten von Wohnmobilen nicht erwünscht ist, so wir es doch gestattet. Mit uns standen etliche Mobile auf der Wiese am Parkplatzende, Übernachtung für uns € 5.50.

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Montag, 30.8.

Durch die sächsische Schweiz geht es mit einigen Umleitungen (Straßenbauarbeiten) Richtung Autobahn A 4 und dann nach Görlitz. Hier an der polnischen Grenze ist Geldumtausch nicht möglich, so fahren wir weiter über Landstraßen bis Jelenia Gora. Bis zum früheren Hirschberg, im schlesischen Riesengebirge, sind es nur 58 km. Die Altstadt von J.G. ist recht schön: renovierte, farbige Giebelhäuser und viele kleine Restaurants. In einer der vielen Wechselstuben tauschen wir Geld. 1 Euro = 4,3 Zloty. Wir essen zu dritt zu Mittag, 41 Zloty. Durch das Hirschberger Tal fahren wir nach Karpacz im Riesengebirge. Die Schneekoppe ist hier der höchste Berg mit 1602 m und es gibt viele schöne Wanderwege. Die Hauptsraße zieht sich über viele Kilometer bergan, gesäumt von vielen Hotels und Restaurants. In diesem Wintersportort sind viele Häuser so um 1900 gebaut worden, mit viel Holz und teilweise im Alpenländerstil. Der Campingplatz befindet sich nur wenige 100 m abseits der Hauptstraße. Ausstattung einfach, aber mit Duschen für € 36 pro Tag (3 Personen). Nach dem Kaffee, Eierschecke aus Dresden, laufen wir ein gutes Stück die Hauptstraße bergauf und trinken im Ort ein Bier. Ein Regenguss, es prasselt wie verrückt, hält uns vom Heimweg ab. Doch schließlich erreichen wir trockenen Fußes das Mobil.

Dienstag, 31.8.

Gegen 8.30 Uhr verlassen wir Karpacz, das ehemalige Krummhübel. Leider hat die Zeit für die Stabkirche (1844 von Norwegen nach Deutschland gebracht) nicht gereicht. Wie immer wollen wir auch abseits der Straße etwas sehen, z.B. eine protestantische Kirche mit viel Prunk in Swidnica (Schweidwitz).- Die wir leider, da nicht ausgeschildert, finden. - Aber wir sehen aus der Ferne das berühmte Schloss Fürstenstein. Der Umweg hat uns mindest. 1 Stunde gekostet, so kommen wir erst mittags (12 h) in Wroclaw (Breslau) an. Die Straßen in die Altstadt sind katastrophal, mit ganz vielen Schlaglöchern. Wir fahren nicht weit vom Zentrum einen großen Parkplatz an, der kaum Parkmöglichkeiten für große Mobile hat. Aber mit Hilfe eines deutschsprechenden Bauleiters quetschen wir uns in eine Baulücke. –Auf einer weiteren Fahrt im Okt. 2004 durch Polen haben wir einen Campingplatz, nur 20 Gehminuten zum Zentrum Breslaus, ausfindig gemacht. Nur wenige Schritte sind es von diesem Parkplatz in die Altstadt, Mittelpunkt ist der historische Marktplatz. Hier reihen sich schön restaurierte Giebelhäuser rund um das alte Rathaus. Breslau war 1945 zu 75% zerstört. Die Elisabethkirche, Kirche mit dem höchsten Turm, ist im gotischen Stil mehr schlicht gehalten. Dafür ist die alte Jesuitenkirche an der alten Universität sehr prunkvoll. Sehenswert ist in der alten Uni das Portal und der Saal der Leopoltina. Für € 4,50 kann man sich den Saal ansehen, hier werden Doktoren und Prof. geehrt. Unser Weg führt uns weiter über die A 4 nach Krakau. Diese Strecke, fast alles Autobahn, soll bis Sommer 2005 fertiggestellt sein. –Maut für unser Mobil zurzeit - 22 Zloty. Trotz Autobahn (in Katowice müssen wir über Umgehungsstraßen durch die Stadt) kommen wir erst gegen Abend auf einem Campingplatz in Wieliczka an. Hier stehen wir auf dem nachts abgeschlossenen Motelparkplatz, die Campingeinfahrt war für unser Mobil zu eng. Übernachtung auf dem Motelparkplatz € 25.

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Mittwoch, 1.9.

In Wieliczka befindet sich Polens größtes Salzbergwerk, sehr sehenswert. Gegen 9 Uhr kommen wir auf dem bewachten Parkplatz (Zloty 22) an. Die nächste deutschsprachige Salzbergführung soll erst 10.45 h beginnen. Es gibt auch individuelle Touren ab 35 Personen, doch die sind in der Nachsaison nur schwer zusammenzubekommen und so müssen wir warten. Busgruppen haben es da einfacher, die haben vorgebucht. Anschluss von „Außenseitern“ ist nicht möglich. Wir erwerben ein Buch in deutscher Erklärung und starten dann gegen 10 Uhr mit einer Tour in poln. Sprache. In dem Salzbergwerk wird seit 700 Jahren Salz gewonnen. 2 km Netzwerks unterirdischer Stollen sind öffentlich zugänglich und liegen bis zum 135 m tief, Temperaturen 13-14° C. Sehr sehenswert ist die Kapelle St. Kinga, mit ihren Lüstern und Skulpturen aus Salz. (Hallenausmaße 54 m lang und 12 m hoch). In dieser Kathedrale finden auch Konzerte und Gottesdienste statt. Nach ca. 2 Stunden ist diese eindrucksvolle Führung beendet. Wir fahren weiter, unser heutiges Tagesziel ist Zakopane. Wir nehmen die Strecke über Chochotow, hier stehen die traditionellen Holzhäuser aus dem 16. Jh. Unsere Fahrt geht durchs Mittelgebirge, die Region heißt hier Podhale. Auf den Feldern sehen wir Bauern bei der Feldarbeit. Grasmähen mit Pferd und Heuernte von Hand, hier scheint die Zeit wie vor 50 Jahren stehen geblieben zu sein. Männer tragen an Festtagen besticke Filzhosen und Westen und einen runden schwarzen Filzhut. Gegen 16 Uhr kommen wir auf dem Campingplatz (in Nähe der Skisprungschanze) an. Zakopane liegt 900 m hoch und soll 2006 Austragungsort der Winterolympiade sein -es gibt noch viel zu tun-. Von hier hat man einen Blick auf die Tatra, dem höchsten Gebirge Mitteleuropas. Nicht weit vom Campingplatz befindet sich die Fußgängerzone, die Krupowski. Hier tobt der Bär, unzählige Restaurant, Bars, Schmuck- und exklusive Bekleidungsshops reihen sich aneinander. Dazwischen immer wieder Stände mit Schaffellen und geschnitzten Holzgegenständen. Essengehen ist hier etwas teuerer, Zloty 100 für Essen und Getränke. Gebühren für Übernachtung, 1 Fahrzeug, 3 Personen Zloty 55.

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Donnerstag, 2.9.

Wir fahren nach Nowy Targ, hier ist jeden Donnerstag ein großer Bauernmarkt. Nicht nur Gemüse wird angeboten, sondern auch Bekleidung, Haushaltswaren, Holzschnitzereien, Möbel (ganze Wohnzimmereinrichtungen) und Tiere wie: Kühe, Pferde und Schweine. Auch wir erledigen unsere Einkäufe. Gegen Mittag fahren wir zu den Flößern am Dunajek. Dieser Grenzfluss im Pieniny- Gebirge wird für eine große touristische Attraktion genutzt. Mit Flößen werden bis zu 12 Personen in Begleitung von 2 Flößern ca. 20 Km flussabwärts befördert. Mal ist das Wasser ruhig, mal stark bewegt. Und an den Stromschnellen werden einige nass. Der Spaß kostet einschl. Rücktransport mit dem Bus Zloty 40 pro Person. An der Ausstiegsstelle essen wir Forelle für umgerechnet € 4.50 pro Pers. Auf unserem Weg Richtung Krakau sehen wir uns die Holzkirche in Debno an. Leider ist der Pfarrer weggefahren, so kommen wir nicht an den Schlüssel um die Kirche aufzusperren. Vor der Kirche verkaufen 2 keine Mädchen Postkarten, sie sprechen etwas deutsch. Über Nowy Targ, der Markt ist inzwischen abgeräumt, fahren wir auf den Campingplatz Smok in Krakow.

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Freitag, 3.9.

Heute steht Krakow auf dem Besichtigungsprogramm. Mit Bus und Straßenbahn fahren wir ins Zentrum. Die Sehenswürdigkeiten liegen nicht weit auseinander. Collegium Maius (alte Universität) hier hat Kopernikus studiert, die Universitätskirche St. Annen, die Barbakane, das Florianstor mit der Stadtmauer, den größten mittelalterlichen Marktplatz Europas mit seinen Tuchhallen aus dem 12+13 Jh., gotische Marienkirche mit Kreuz und Marienaltar von Veit Stoß (der Nürnberger Meister hat hier 12 Jahre am Alter gearbeitet). Stündlich ertönt vom Kirchturm der Marienkirche eine Trompetenmelodie, die urplötzlich abbricht. Sie soll an den Tatarenüberfall erinnern, wo der Turmbläser von einem Pfeil tödlich getroffen wurde. In den malerischen Bürgerhäusern um den historischen Marktplatz kann man die Vielfalt der polnischen und internationalen Küche genießen und seine Eindrücke über Krakau Revue passieren lassen. Wer noch Lust hat kann zur nahen Peter und Paul Kirche und dann auf den Wawel Hügel mit dem Königsschloss spazieren. Hier ist viel zu sehen: die Kathedrale (Grabmäler von Königen u. Nationalhelden), die Renaissancearkaden und dem Arrazzi, (wo übergroße Bildteppiche flämischer Meister ausgestellt werden). Mit öffentlichen Verkehrmitteln geht es fußmüde zum Campingplatz zurück. Inzwischen ist eine Wohnmobilreisegruppe von WEBO eingetroffen. Wir kommen mit einigen ins Gespräch und tauschen Reiseerfahrungen aus. Abends fahren Peter und ich in die Altstadt, bedauerlicherweise fahren gegen 20 h die Busse nicht so oft.

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Samstag, 4.9.

Für 2 Tage Übernachtung, 3 Personen und 1 Mobil, zahlen wir Zloty 130. Weiterfahrt über die Bundesstr. 79 nach Sandomierz (186 km). Unterwegs Einkauf bei einem kleinen Dorfkrämer. Hier ein kleiner Preisvergleich: 1kg Kartoffeln, 2 rote Paprika 1,30 Zloty, 1 großes Weizenbrot und je 1 Mohn- und Quarkschnitte 2,50 Zloty, beim Metzger je 200g Salami, gek. Schinken und Leberwurst 4 Zloty. Umrechnungskurs: 4,38 Zloty = 1 €. Dann fast „Abzocke“ die Parkgeb. auf dem neuen Parkplatz vor dem Gemeindehaus, 1 Zloty !!Die Straße befindet sich in einem sehr schlechten Zustand, wir kommen nur auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h. Einen Abstecher in das schöne bemalte Dorf Zalipie ist nicht möglich, Fährenbenutzung nur bis 5 t. In Sandomierz, einer kleinen Stadt an der Weichsel, machen wir Mittagspause. Vom Parkplatz erreicht man über 164 Stufen die in sich geschlossene Altstadt. Wir staunen über die Kathedrale, wer erwartet so etwas gewaltiges in einem so kleinen Ort? Schöne, restaurierte Häuser um Rathaus und Marktplatz. Es soll auch eine Führung der 400 m unterirdischen Wein- und Getreidelager möglich sein. Wir fahren weiter auf recht schlechter Strecke nach Lublin und haben vor in Höhe von Radzyn Podlaski zu übernachten. Auf einer Tankstelle fragen wir nach einem Campingplatz, dieser soll sich in der Nähe von Siemiatycze befinden. Allmählich wird es dunkel, doch den Campingplatz finden wir nicht! So entschließen wir uns für eine Tankstelle mit angrenzendem Parkplatz als Übernachtungsplatz. Meine Mutter hat gemischte Gefühle.

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Sonntag, 5. 9.

Am Stadtrand vom Siemiatycze wir haben unerwartet gut geschlafen. Erst gegen Morgen wird es durch die nahe Straße etwas lauter. Weiter auf der 19 nach Bialystok. Hier befindet sich ein weitläufiges, waldiges Naturschutzgebiet. Heute am Sonntag sind viele Pilzsammler unterwegs. Auf dem Markt in B. kaufen wir für 20 Zloty einen Vorrat an Pilzen und einen 5 Kg-Sack mit Paprika (13 Zloty).In einem kleinen Supermarkt kaufen wir Koteletts, Salami, Brötchen und Kuchen. Die Bedienung ist freundlich und hilfsbereit. Gegen Mittag erreichen wir Grajewo. In einer Pizzeria kehren wir ein. Am Nachmittag sind wir in Elk (Lyck). In dieser Stadt ist meine Mutter konfirmiert worden. Die Kirche ist jetzt katholisch und man kann sie besichtigen. Wir bummeln durch die Stadt zum See, mit dem neugestalteten Ufer. Viele kleine Restaurants und Hotels befinden sich an der Seeseite, über einen Holzsteg erreicht man ein Cafe auf dem See. Die Sonne scheint und alles sieht so freundlich aus, in der Stadt selbst ist noch viel zu renovieren. Nach einem Kaffee machen wir uns auf die Suche nach Moldzie (früher Mulden). In dem Ort wurde meine Mutter vor 75 Jahren geboren und mit 17 hat sie Ende Jan 1945 ihre Heimat verlassen müssen. Über eine Allee erreichen wir den kleinen Ort. Die jetzigen Bewohner und Besitzer vom Haus meiner Großeltern heißen uns herzlich willkommen. Mit meiner Mutter sind wir jetzt bereits zum 3. Mal in diesem Ort. Wir werden zum Kaffee ins Haus eingeladen. Schade, dass wir uns sprachlich so schlecht verständigen können. Ein kleiner Spaziergang durch den Ort und Einkehr bei der Nachbarin Barbara, sie spricht etwas deutsch. Heute ist ihre Tochter Beata aus Elk zu Besuch und die spricht gut deutsch (Deutschunterricht in der Schule). Unser Auto ist so etwas wie eine Sensation, ich schäme mich fast für so viel Prunk in dieser ärmlichen Gegend. Alle besichtigen sie unser Auto, so etwas haben sie noch nicht gesehen. Abends bereiten wir die Pilze zu und übernachten im Mobil auf dem Bauernhof von Barbara.

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Montag, 6.9.

Alle auf die Räder, die Sonne scheint! Wir verlassen unseren Privatparkplatz. Mit den Fahrrädern fahren wir über Guzki nach Rogale. Bis Grabnik (hier wurde die Mutter meiner Mutter geboren), sind es 14 km. Die Kirche wurde erst vor kurzem mit Spenden der ehemaligen Flüchtlinge renoviert. Den Rückweg nehmen wir querfeldein, 4 km bis Lepaki. Der Weg ist durch die Regenfälle der letzten Wochen stellenweise schwer passierbar. In Lepaki, gegenüber Moldzie, baden Peter und ich im angenehm warmen See. Zurück am Auto, es parkt jetzt bei der alten Schule, machen wir eine kleine Rast. Am Nachmittag sind wir im ehemaligen Wohnhaus meiner Mutter zum Kaffee eingeladen. Wir nehmen die Fahrräder, denn anschließend wollen wir noch nach Talusy, dem Kriegerfriedhof von 1918. Unterhaltung ist recht schwer, da wir kein polnisch sprechen. So tauschen wir Gastgeschenke aus und sehen uns alte Bilder an. Nach dem Kaffee fahren wir mit den Rädern nach Talusy. Peter hat seine eigene Tour unternommen, ihm stand nicht der Sinn nach „Flohkaffee“. Wir müssen uns sputen, denn um 19 Uhr sind wir bei Barbara zum Abendbrot eingeladen. Sie tischt uns viele selbstzubereitete Speisen auf, lecker und reichlich. Da ihr Vater(kommt aus Malinken) gut deutsch sprach, spricht Barbara auch etwas deutsch. So bekommen wir viele Antworten auf unsere Fragen. Auf dem Nachbarhof Segan hat er damals mit seinen Eltern nach 1945 gewohnt und dann mit Barbara dieses kleine Wohnhaus gekauft. (Barbara hat mit ihrem Mann, so wie so viele Polen, einige Monate in Deutschland gearbeitet. Sie erzählt uns noch einiges über Verdienst und Preise in Polen, z.B.: für 1 Liter Milch erhalten sie 1 Zloty. Sie erwirtschaften 250 l Milch am Tag.

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Dienstag, 7.9.

Nach dem Frühstück regnet es. Wir können uns nicht so recht entscheiden. Radtour nach Kluzy (Klaussen) oder mit dem Auto nach Elk (Lyck)? Radtour ist angesagt. Über Rosenheide fahren wir nach Kluzy, aus diesem Ort stammte mein Großvater. Leider wissen wir nicht in welchem Haus er gewohnt hat. Über Feldwege fahren wir zum Gut Rogale. Die Landschaft ist wunderschön, an einigen Stellen blüht der Mohn. Meine Mutter weiß vieles an Geschichten zu berichten. Nach einer Mittagsrast ernten wir noch Äpfel aus herrenlosen Gärten und verabschieden uns von den Leuten im Ort. Wir treffen noch andere Deutsche im Ort auf „Spurensuche“. Namen von früheren Bewohnern werden ausgetauscht. Wer wird sich für das alles interessieren, wenn die letzten Verbindungen, die Eltern, gestorben sind? Mit dem Auto fahren wir nach Elk zum Wasserturm, hier hat eine deutsche Minderheit den Turm wieder renoviert Sie vermieten Gästezimmer und betreiben ein Cafe. Man zeigt uns die kleine Museumsausstellung (Ostpreußen vor 1945) und wir besteigen dann den Turm. Die Frau, die uns herumführt, spricht gut deutsch. So können wir viele Fragen an sie richten. Wir können auf dem eingezäunten Platz vor dem Wasserturm gegen eine kleine Spende übernachten und Frischwasser bunkern. Man gibt uns einen Schlüssel für das große Gartentor. Den angeketteten Wachhund auf dem Gelände hat meine Mutter mit Leberwurstbroten bestochen, er soll auf das Auto gut aufpassen. Für den nächsten Tag hat sie ihm weitere Brote versprochen. Wir machen einen Bummel durch die Kleinstadt und essen in einem Restaurant an der Uferpromenade. Wir vergeben die Note 4. Speisekarte auf deutsch. Bestellung auf englisch und die Speisen werden total durcheinander serviert.

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Mittwoch, 8.9.

Der Hund hat seine Aufgabe gut gemacht, denn wir haben sehr gut geschlafen. Als wir den Parkplatz vom Wasserturm zwecks Einkäufe verlassen, fängt es kräftig an zu regnen. Bei Beata in Fischgeschäft kaufen wir Seezungenfilets und beim Kaufmann nebenan Brot und Schokoladenspezialitäten aus Polen. Über Orzys (Arys) fahren wir nach Mikotajki (Nikolaiken). Inzwischen ist Wind aufgekommen, für eine längere Schiffstour auf dem Sniardwy See ist das Wetter uns zu ungemütlich. Im Ort reihen sich Restaurants, Cafes und Schmuckläden (Bernstein) aneinander. Ich denke für alle Mazuren-Reisende ist Nikolaiken ein Muss! Auch wir kehren ein. Auf dem nahen Parkplatz dürfen Reisemobile übernachten. Wir fahren nach Wojnawo (in der Nähe von Ukta), hier siedelten Philipponen, eine Sekte der russ.-orth.Kirche. Man kann Kirche und Kloster im Ort besichtigen, Ikonen und silberne Kronleuchter. Wir finden die Holzkirche (1927), orth. Kirche und gehört den Jedinowiercy, sehenswerter. Das Gebiet um Krutyn (Krutinnen) ist für viele Touristen Pflicht. Man macht hier Stakfahrten in kleinen Booten auf der Krutinna (ähnlich wie im Spreewald). Sehenswert sind auch die vielen hübschen Holzhäuser. Bis nach Szczytno (Ortelsburg) ist es nicht mehr weit. In Romany, nördlich von S., hat eine Nachbarin aus Glinde ihre Kindheit verbracht. Im kleinen Ort reihen sich alte Häuser um den Dorfteich. Landschaft auch hier: Hügel Wälder und Seen. Kurz vor Olsztyn (Allenstein) fahren wir auf einen Campingplatz. Doch dieser ist bereits (2 Busse) von Jugendlichen belegt. So eine Übernachtung kann laut werden. So fahren wir bis in die Stadt, unser Reiseführer weist hier einen Reisemobilstellplatz aus. Doch wo ist das „Hohe Tor“? Peter und ich machen uns zu Fuß auf die Suche und haben Glück. Direkt am Hohen Tor befindet sich ein bewachter Parkplatz. Für unser Mobil kostet 1 Tag 30 Zloty. Wir parken um und kochen in Schräglage.

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Donnerstag, 9.9.

Schon morgens starten die hier geparkten Kleinlaster und gehen ihrer Arbeit nach. Es wird recht laut. So stehen auch wir zeitig auf und Peter holt uns frische Brötchen zum Frühstück. Dann gehen wir in die nahe Altstadt. Schön restaurierte Giebelhäuser, Kirche und Burg. In der Burg sehen wir uns das dort befindliche Museum mit der Kopernikusausstellung an. Dann gönnen wir uns ein Abendkleid (Salon Barbara) für die nächste Ballsaison. Wir zahlen 270 Zloty, so viel kostet bei uns schon eine Bluse. In einem der vielen Restaurants essen wir zu Mittag. Dann geht es weiter Richtung Grudziadz (Graudenz), ca. 160 km. Der Straßenbelag ist katastrophal, denn die Hauptstraße besteht aus vielen Schlaglöchern. Heute bleibt für G. nur Zeit für ein Foto, wir wollen weiter nach Swiecie und dort übernachten. Der Campingplatz ist recht einfach und befindet sich außerhalb der Stadt nahe einer Burg.

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Freitag, 10.9.

Es ist morgens schon merklich kühler. Wir entschließen uns Chemzla (Kulm), die noch gut erhaltene Stadt aus dem Mittelalter mit Stadtring anzusehen. Sehenswert die Marienkirche und das Rathaus. Heute ist auf dem Rathausplatz Markttag. Mit einem Plan aus der Touristeninformation machen wir einen Rundgang durch die Stadt, so kommen wir an allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Gegen Mittag Weiterfahrt nach Torun (Thorn)an der Weichsel. Großer Parkplatz gleich an der Altstadt bei der Katharinenkirche, wir müssen die Parkgebühr von 14 Zloty für 3 Stunden gleich im Voraus bezahlen. In der Altstadt gibt es viel anzusehen: Rathaus, Denkmal von Kopernikus (hier 19.2.1473 geb.), alte Stadtmauer, Schiefer Turm, Marienkirche, St. Johanniskirche und Jacobuskirche. Wir kaufen bei Kopernik die „echten“ Thorner Pfefferkuchen – die Katarzynki-. Man sieht viele Touristen in der Stadt. Am Alten Markt laden vor den Lokalen viele Tische und Stühle zum Verweilen ein, weiter in den Nebenstraßen kann man wunderbar und preiswert essen. Für die ca. nur 250 km bis zur Grenze benötigen wir 5 Stunden. Die Bundesstraße 15 bis Pozan (Posen) und die 2 Richtung Frankfurt/Oder ist so von Spurrillen ausgewaschen, so dass wir uns nicht trauen schneller als 50 zu fahren. Wir übernachten auf einem bewachten Hotelparkplatz in Swiebodzin, 15 Zloty die Nacht. Der Übernachtungsplatz war durch die nahe Transitstrecke und die vielen LKWs recht laut.

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Samstag, 11.9.

Auf dem Polenmarkt in Stubice kaufen wir für unsere letzten Zlotys ein. Doch die Lebensmittel sind um ein vielfaches teurer als im Landesinneren. Vieles ist auch schon in Euro ausgezeichnet. Für die letzten 363 km bis nach Hamburg benötigen wir mit Pausen 6 ½ Stunden, endlich wieder Autobahn und guter Bodenbelag unter den Reifen.

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