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Baltikum - 2007-2

Ein Wunsch wird wahr

Ein Wunsch wird war

Tagebuchnotizen 26.5.07-25.6.07 Monika Ambos....... Bilder Peter Ambos

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Samstag, 26. Mai

Dieses Jahr wird mein Wunsch wahr: Eine Reise ins Baltikum.
Mit uns sind noch zwei weitere Paare unterwegs: Anke und Harald vom Reisemobilstammtisch Glinde und ihre Freunde: Sylvia und Arno. Wir treffen uns auf dem Parkplatz Hahnheide an der A 24. Bis Templin, unserer heutigen Tagesetappe, sind es 280 km, überwiegend Autobahn. Das Wetter meint es gut mit uns. Die Sonne scheint vom blauen Himmel. Die Wiesen und Bäume sind sattgrün, das Getreide steht hoch und am Feldrand blühen unzählige Blumen. Rot leuchtet der Mohn uns schon vom weitem entgegen. In Templin sind außer uns noch zwei weitere Reisemobile auf dem Stellplatz. Wir relaxen ein wenig in der Sonne, über uns schwül-warme Gewitterluft. Ein kleiner Rundgang entlang der 1.5 km langen Stadtmauer gibt Eindrücke wie es früher einmal ausgesehen haben mag. Gegen 18 Uhr entlädt sich über Templin ein starkes Gewitter mit heftigen Regenfällen – unser Grillen fällt sprichwörtlich „ins Wasser“. Nach dem Regen Umtrunk vor den Mobilen. Wir trinken als Einstimmung auf den Urlaub: Baltikum-Bowle und verziehen uns früh in die Mobile – Mückenplage.


Mein Rezept für die Baltikum-Bowle:
½ Liter Orangensaft –eiskalt-
1 Schnapsglas Wodka –eiskalt-
3 Kugeln Vanilleeis
Orangensaft und Wodka in ein
gr. Glasgefäß füllen, Vanilleeis dazugeben.
Wenn das Eis angeschmolzen ist,
in Trinkgläsern mit Strohhalm servieren!



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Sonntag, 27. Mai

Heute haben wir eine längere Fahrstrecke vor uns. 460 Kilometer, davon überwiegend Landstrasse in Polen. Wir benötigen bis zur Grenze Pomellen /Stettin mehr als 1 Stunde. Gleich hinter Stettin hört die Autobahn auf und wir nehmen die Bundesstrasse 10 Richtung Bromberg (Bydgoszcz). Die gut ausgebaute Strasse führt uns durch die Pommersche Seenplatte und an riesigen Getreidefeldern vorbei. Es ist schwül und unsere Freunde ohne Klimaanlage schwitzen hinter ihren Lenkrädern kräftig. Auf einer der vielen Tankstellen tanken wir Diesel, für umgerechnet 97 Cent pro Liter. In der anliegenden Raststätte kehren wir ein. Die Bedienung versteht kein Wort deutsch, so müssen wir im Wörterbuch nachschlagen. Wir essen alle „Rote-Beete-Suppe“. Diese sieht mehr aus wie eine rote Brühe, aber schmeckt trotzdem vorzüglich. Nach der Pause setzen Anke und ich uns ans Steuer unserer Mobile. Ich muss mich mit dem Schalten wieder vertraut machen, in den kleinen Ortschaften darf nur 50 und manchmal weniger gefahren werden. Heute am Pfingstsonntag haben sich die polnischen Frauen schön gemacht: Sie tragen Sommerkleider und Pumps. Auf den Straßen herrscht Ausflugsverkehr, kaum LKWs. Kurz nach 17 Uhr machen wir auf meinen Wunsch noch einen Abstecher nach Kulm (Chelmno). Im historischen Stadtkern steht als Mittelpunkt das Rathaus, es wurde im italienischen. Stil erbaut. Die Stadt strahlt südliches Flair aus, auf schattigen Plätzen laden Stühle und Tische zum Verweilen ein. Nach der Besichtung von Kulm benötigen wir noch eine gute Stunde bis Graudenz (Grudziadz), unserem heutigen Ziel. Am „vertrauten“ Stellplatz vor den Toren der Stadt, am Weichselufer, bereiten wir gemeinsam das Abendbrot zu. Das können wir in der warmen Abendsonne vor den Mobilen genießen und einige Absacker geben uns die nötige Bettschwere. Meine größte Sorge: Hoffentlich rollt unser Mobil des Nachts nicht in die Weichsel. Wir haben direkt auf dem abschüssigen Fähranleger geparkt.

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Montag, 28. Mai

Alles ging gut – ruhige Nacht – ohne Erwachen in der Weichsel. Peter und ich machen vor dem Frühstück einen längeren Spaziergang am Fluss. Hinter unseren geparkten Mobilen steht ein LKW und etliche Pkws. Etliche Männer sind dabei in Plastiksäcken kleine Fische in die Weichsel auszusetzen, oder in Pkws umzuladen. Ein Reporterteam befragt zwei Teilnehmer, wir können uns auf die ganze Sache keinen Reim machen. Mit den anderen Mobilfahrern können wir in der Sonne frühstücken. Dann wartet ein Stadtrundgang auf uns. Heute ist in Polen kein Feiertag, fast alle Geschäfte öffnen um 10 Uhr – wir fahren nach einigen Einkäufen weiter. Der Straßenbelag wird schlechter und viele LKWs begegnen uns. Felder, Wälder und Seen bestimmen die Landschaft, nur mühsam schaffen wir die Strecke. Gegen Mittag sind wir in Allenstein. Mit viel Glück, und mit drei Mobilen einmal durch die ganze Stadt, ergattern wir auf einem bewachten Parkplatz drei große Stellplätze – für 5 Zloty die Stunde. Nur wenige Schritte sind es bis in die Altstadt und das Laufen fällt uns schwer, es ist drückend heiß. Ein kleiner Rundgang bis zum alten Rathaus, vorbei an schön renovierten Giebelhäusern, gibt einen Überblick wie es früher einmal in Allenstein ausgesehen haben mag. Wir essen Piroggi in einem der vielen Restaurants am Markt. Für die Restlichen 90 Kilometer bis zum Spirding-See (Jezioro Sniardwy) benötigen wir fast zwei Stunden. In Nikolaiken, inmitten der großen masurischen Seenplatte, finden wir einen Stellplatz unweit des Zentrums. Unzählige Restaurants, Schmuckgeschäfte mit Bernstein und Souvenirgeschäfte reihen sich entlang der kleinen Pflasterstraßen. Nikolaiken ist für die vielen „Heimwehbesucher“ ein Muss! Ein Bummel entlang der Promenade lässt bei uns das Gefühl aufkommen: Wir sind in Italien –so warm, so romantisch. Wir beschließen in einem der vielen Lokale zu essen. Die Auswahl ist riesig. Außer Peter entscheiden wir uns alle für Fisch (umgerechnet für 7 Euro die Portion). Ein kaltes Bier vor den Mobilen beendet diesen schönen Tag in Masuren. Wälder, Seen, Störche, Felder, leichte Hügel – eine Luft wie Samt und Seide.


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Dienstag, 29. Mai

Gleich um 9 Uhr starten wir zu einer Schiffstour auf dem Spirding-See. Wir sind nur wenige Fahrgäste und haben Glück, denn erst ab 10 Personen soll die Fahrt stattfinden. Vom Nikolaiken-See geht es in den Spirding-See (13 km breit und 24 km lang), angeblich so groß wie der Bodensee. Die Sonne meint es gut mit uns, das Sonnenlicht spiegelt silbern auf den Wellen, viele Segelboote sind unterwegs. Nach 1 ½ Stunden ist die Fahrt beendet und wir machen uns mit unseren Mobilen startklar. Unser nächstes Ziel ist der Heimatort meiner Mutter, Mulden jetzt Moldzie. Von der Hauptstrasse führt eine einspurige, sandige Alleenstr. in den kleinen Ort. In Mulden angekommen, blockieren wir mit unseren drei Fahrzeugen fast die ganze Dorfstrasse. Barbara ist im Garten und kommt uns begrüßen. Dann lädt sie uns zum Kaffee ein. Während sie in ihrem Haus damit beschäftigt ist, gehen wir zum Haus meiner Großeltern. Familie Dombrowska sitzt in der Küche und kommt uns begrüßen, als wir vor der Haustür stehen. Wie vor drei Jahren ist unser polnisch noch immer ungenügend und Familie Dombrowska spricht kein deutsch. So geben wir nur unsere Gastgeschenke ab und gehen zu Barbara. Im Pavillon auf dem Hof hat sie bereits den Kaffeetisch gedeckt: Gebäck, Eis, Kaffee und Erfischungsgetränke stehen für uns bereit. Inzwischen trifft auch Barbaras Ehemann ein, er hat Heu gewendet. Im Stall stehen jetzt nur noch Jungkühe, die Milchkühe machten zu viel Arbeit erklärt sie uns. Gemeinsam reden wir mit Händen und Füßen über dies und das. Sie berichtet von ihren Kindern. Besonders interessiert mich was ihre Tochter Beata macht. Diese hat sechs Jahre in der Schule Deutschunterricht gehabt und arbeitet jetzt als Schulsekretärin und Dolmetscherin. Ein kurzer Abstecher zum See. Wir machen mit den Füßen den Badetest – es wäre jetzt angenehm zum Schwimmen. Herzlich verabschieden wir uns von dieser gastfreundlichen Familie und Barbara lädt uns ein 2008 mit meiner Mutter wieder vorbeizukommen. Später unterhalten wir uns über die zwei polnischen Familien. Unterschiedlicher können die Haushalte nicht geführt werden: im Großelternhaus „polnische Wirtschaft“ und bei Barbara alles „pikobello“. Bis Lyck (Elk) sind es 10 km. Wir parken unsere Reisemobile beim Wasserturm. Hier befindet sich das Zentrum der deutschen Minderheit. Sofort bietet man uns Kaffee und Kuchen und eine Führung durch das Museum an. Auch gestattet man uns auf dem Gelände zu übernachten. Ein älterer, deutschsprachiger Herr zeigt uns das Museum mit zusammengetragenen Einrichtungsgegenständen und erklärt uns alles ganz ausführlich. Inzwischen ist der Kaffee fertig. Auf der überdachten Terrasse sitzen außer uns noch andere deutschsprachige Gäste – Heimwehurlauber. Ein plötzlich aufkommender Gewittersturm zwingt uns von unseren Plätzen aufzuspringen, die ausgefahrenen Markisen an den Mobilen drohen sich selbständig zu machen. So schnell wie der Sturm kam, so schnell ist er wieder vergangen. Wir erkunden die Stadt mit ihren jetzt 170 000 Einwohnern. 1970 hatte Elk 17 000 Einwohner, seit 1974 dient der Wasserturm als Museum. Abends grillen wir gemeinsam vor den Mobilen. Gegen 22 Uhr vertreiben uns die Mücken in die Reisemobile.


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Mittwoch, 30. Mai

Es war eine laute Nacht. Der nahe Straßenlärm, vom späten Abend bis zum frühen Morgen, treibt uns schon früh aus dem Bett. Ein schnelles Frühstück vor den Mobilen und um 9 Uhr sind wir alle startklar. Die Bundesstrasse 16 führt uns nach Augustowo. Die Landschaft wird jetzt hügeliger. Wir sehen viele Störche am Wegesrand und kurze gelbe Blumen geben einen schönen Kontrast zu dem vielen Grün. Gegen Mittag erreichen wir Ogrodniki, die Grenze nach Litauen. Die Abwicklung verläuft zügig. Die Landschaft die wir jetzt zu sehen bekommen, mit ihren Birken- und Tannenwäldern, ähnelt sehr der skandinavischen. Die Straßen sind breiter als die in Polen und Schlaglöcher sind Mangelware. Die Holzhäuser sind teilweise farbig angestrichen. Sie sind überwiegend in einem schlechten Zustand, Dächer und Fenster sind reparaturbedürftig. Kurz nach Druskininkai biegen wir ab in den Grutas-Park, der Volksmund auch „Stalins Welt“ genannt wird. Ausgemusterte Skulpturen von Marx, Engels, Lenin und anderen sowjetischen Persönlichkeiten stehen hier im Park beieinander. Diese Denkmäler wären bald nach der Selbstständigkeit der baltischen Länder (1991) „vom Sockel“ gestürzt worden und werden so durch einen Sammler der Nachwelt erhalten. Bis Vilnius sind es 120 km auf gut ausgebauter Straße. Wir können in unser Navi die Straße vom Campingplatz eingeben und so finden wir leicht die Straße. Nur der Campingplatz lässt sich nicht finden. Mit der Landkarte in der Hand fragen wir Passanten, doch alle Wege führen nicht zum gewünschten Ziel. Schließlich, ein junges Mädchen aus einem Restaurant (sie spricht sehr gut englisch) hilft uns weiter und ruft auf unseren Wunsch ein Taxi. Dieses bringt uns zur gewünschten Adresse, auf einen Messe-Parkplatz. Hier soll in der Sommerzeit ein Campingplatz betrieben werden. Der Besitzer ist am Platz und erklärt uns in gutem deutsch: der Platz öffnet offiziell erst zum Wochenende. Bis dahin will man Strom, Duschen und Rezeption fertig gestellt haben. Wir können aber über Nacht bleiben und morgen von hier aus die Stadtbesichtigung von Vilnius unternehmen.


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Donnerstag, 31. Mai

Mit der Taxitelefonnummer (hat uns der Campingplatzbesitzer gestern rausgesucht) erreichen wir nichts. Sobald ich mich melde und nach einem Taxi frage wird aufgelegt. Wir suchen Hilfe. Der Pförtner der LITEXPO hilft uns weiter und ruft zwei Taxis. Mit diesen geht es in die Stadt. Zuerst schauen wir uns gemeinsam die große Kathedrale aus dem 18. Jh. an. Älter ist die Kapelle des hl. Kasimir, wunderschönes Frühbarock mit Marmor ausgekleidet und geschnitzten und versilberten Figuren lit. Großfürsten. Über den Haupteinkaufsboulevard Gedemino machen wir uns auf die Suche zur Touristeninformation. Hier buchen wir für den frühen Nachmittag eine deutschsprach. Führung durch Vilnius. Die verbleibenden 4 Stunden bis zur Führung wollen wir getrennt nutzen, um uns einen kleinen Überblick von der Hauptstadt Litauens zu verschaffen. Ein starker Regenguss zwingt Peter und mich ein Cafe aufzusuchen und wir nutzen die Zeit und studieren unseren Reiseführer. Der Regen wird weniger und mit dem neu erworbenen Schirm machen wir uns auf den Weg. In die Künstlerrepublik Uzupis mit ihren eigenen Gesetzen und Verfassungen (41 Artikel). So, hat man das Recht auf Glück – aber – auch auf Unglück. Peter und ich sind etwas enttäuscht über das Viertel. Weiter steht in unserem Reiseführer: wollte man alle Kirchen in Vilnius ausführlich besichtigen, so bräuchte man einige Tage für die 41 Kirchen und 18 Klöster. Wir sehen uns nur die an, die auf unserem Weg liegen. Das gotische Viertel gefällt mir mit seinen schmalen Gassen und kleinen Geschäften, Restaurants und Cafes in seiner Aufmachung am Besten. Pünktlich um 14 Uhr sind wir am vereinbarten Treffpunkt. Unsere Fremdenführerin ist eine junge Frau von 33 Jahren und führt uns in 2 Stunden durch Vilnius. Durch ihre lockere Art weiß sie uns Vilnius Geschichte, Baudenkmäler, Kirchen, Plätze und Straßen näher zu bringen. Die Zeit mit ihr ist uns viel zu schnell vergangen. Im Cafe „Double“ schlemmt unsere kleine Reisegruppe bei Kaffee und heißen Waffeln und hält Rückblick auf das Gesehene. Mit einem „Großtaxi“ geht’s zum Campingplatz zurück. Wir steigen beim Supermarkt aus und tätigen einige Einkäufe. An den Mobilen beratschlagen wir über unsere Abreise. Uns allen ist klar: das hier ist noch kein Campingplatz! Es gab weder Wasser, noch Duschen und keine Möglichkeit zu Ver- und Entsorgung. Wir Frauen regeln das mit dem Besitzer: 5 Euro pro Reisemobil. Danke – Sylvia und Anke! Etwa 24 km außerhalb von Vilnius liegt der Europa-Park. Auf seinem Parkplatz wollen wir übernachten. Der Weg dorthin wird die letzen 6 Kilometer recht schmal und ist durch die heutigen Regenfälle stark aufgeweicht. Jetzt stehen 3 Reisemobile einsam und verlassen auf dem Parkplatz vor dem Europa-Park. Wir alle sind müde vom Stadtbummel und nach einem Schlummertrunk - verschwinden alle in ihre Mobile – Punkt.


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Freitag, 1. Juni

Gleich nach Öffnung der Kasse, um 8.30 Uhr, gehen wir in den Europapark. Für die Übernachtung auf dem Parkplatz möchte man 40 Litas pro Mobil von uns haben. Die Dame an der Kasse spricht etwas englisch und so können wir ihr klarmachen, dass wir erst gestern Abend nach Kassenschluss eingetroffen sind und man uns über die Übernachtungsgebühren nicht informiert hat. Sie reduziert den Betrag und erklärt sie sich mit 10 Litas einverstanden, Eintritt 21 Litas pro Pers. und Fotoerlaubnis kostet extra. Mit einem Übersichtsplan der Skulpturen ausgerüstet, machen wir uns getrennt auf den Weg. Der Park wurde von dem lit. Künstler Gintaras Karosas eingerichtet und zurzeit kann man dort 92 Skulpturen von Künstlern aus der ganzen Welt besichtigen. Materialen wie: Holz, Eisen, Stein oder Kunststoff wurden verwendet. Viele ungewöhnliche Objektnamen lassen auf die Phantasie der Künstler schließen. Peter und ich benötigen fast 2 Stunden für den Rundgang und haben dennoch einiges nicht gesehen. Um zur Hauptstrasse zu gelangen, müssen wir die 6 km schlechte Wegstrecke wieder zurück. Nicht mehr weit ist es zum geographischen Mittelpunkt Europas, 54° 54’ nördlicher Breite 25° 19’ östlicher Länge Außer uns trifft noch eine kleine Reisemobilgruppe (4 Fahrzeuge) aus den Niederlanden ein. Wir kommen ins Gespräch. Sie wollen über Litauen, Lettland und Estland, Finnland und Schweden zum Nordkap. 6 bis 8 Wochen will sich die Gruppe, mit Teilnehmern so um die 70 Jahre, Zeit lassen. Wir fahren über Nebenstrecke 108 und 107 (Harald und Anke haben erstklassige Straßenkarten) nach Trakai. Aus dem Reiseführer zur Inselburg Trakai: Die einmalig schön gelegene Feste von Trakai war die mittelalterliche Residenz der litauischen Herzöge. Lange verfallen und eine unscheinbare Ruine, präsentiert sich die von Großfürst Vytautas erbaute Burg heute wie zur Zeit ihrer Blüte. Die Wasserburg wurde im 14. Jh. errichtet und 1655 im Krieg gegen Russland zerstört. Heute ist in der wieder aufgebauten Festung das historische Museum. Der Campingplatz liegt 6 Kilometer vor dem Wasserschloss. Wir finden ein schönes Plätzchen und gehen der üblichen Beschäftigung aller Reisemobile nach: „Ver- und Entsorgung“. Die Campingplatzbetreiberin erzählt uns von der Möglichkeit mit einem Schiff vom nahen Anleger zum Wasserschloss zu fahren und nennt uns die Abfahrzeiten. Doch Peter muss vorerst die Probleme mit unserer Treppe lösen (Treppe fährt nicht selbsttätig rein). Reparatur geglückt, helle Hose „im Eimer“. Der 2. Anlauf mit dem Schiff klappt. Als uns der Kapitän (ein jüngerer Mann der gut englisch spricht) auf dem Anleger entdeckt, dreht er bei und legt an. Die Überfahrt bei gutem Wetter dauert nicht lang, mit uns sind viele Schulkinder an Bord. Heute ist ihr letzter Schultag, dann beginnen 3 Monate Ferien. Als wir die Eintrittskarten lösen haben wir Glück, denn mit uns betritt eine deutsche Reisegruppe das Schloss. Ich frage den Reiseleiter ob wir uns anschließen dürfen. Wir dürfen, sie warten nur noch auf die lit. Führerin. Als diese erscheint, erzählt sie alles Wissenswerte auf russisch und der Reiseleiter übersetzt fließend auf deutsch. Europa – welche Möglichkeiten! Die Führung durch die Festung dauert 30 Minuten, den anderen Teil des Museums besichtigen wir allein. Diese Ausstellung, mit Gegenständen der letzten 300 Jahre, hat mir am besten gefallen. Unser Kapitän bringt uns zum Campingplatz zurück (20 Litas Hin/Rücktour pro Person). Auf dem Oberdeck feiert die „bessere Gesellschaft“ von Litauen einen Kindergeburtstag mit Kindersekt, Geburtstagstorte und Champagner für die Erwachsenen. Der stolze Vater hält alles auf Video fest. Am Fähranleger ausgestiegen, singen wir Frauen dem Geburtstagskind ein deutsches Geburtstagslied und winken zum Abschied mit unseren Taschentüchern. Auf dem Campingplatz können wir bis 21 Uhr noch vor den Mobilen sitzen, dann kommen dunkle Wolken und es wird merklich kühler.



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Samstag, 2. Juni

Zum Frühstücken ist es draußen heute mit 13° C zu kühl. Pünktlich um 9 Uhr verlassen wir den Platz. Unser heutiges Ziel ist der Berg der Kreuze und ein Kloster in Kaunas. Im Kloster wollen wir Spenden der katholischen Kirchengemeinde Glinde abgeben, auch wir haben eifrig gesammelt. Bis Kaunas führt uns die A 1. Im Ort fahren wir einen großen Supermarkt an. Hier haben wir „Einkaufserlebnis pur“. Außer dem großen Supermarkt sind noch einige Boutiquen und hochwertige Fachgeschäfte im Gebäude untergebracht. Als wir nach einer Stunde weiterfahren, ist unser Kühlschrank reich gefüllt. Auf dem Weg zum Kloster müssen wir einige Male nach dem Weg fragen. Dann stehen wir mittags endlich vor einem unscheinbaren Gebäude, das so gar nicht nach Kloster aussieht. Auf unser Klingeln öffnet uns eine modisch gekleidete jüngere Frau. Sie spricht weder deutsch noch englisch, winkt dann aber eine Art „Oberin herbei. Diese ruft auf ihrem Handy Schwester Jolanta an, diese spricht deutsch. Ich erkläre Jolanta, dass wir Geschenke aus Glinde dabei haben und diese gerne abgeben möchten. Jolanta veranlasst alles an ihre Schwestern und diese fahren mit der Schubkarre die reichlichen Spenden ins Kloster. In Kaunas steuern wir einen Parkplatz an. Von hier sind es nur wenige Schritte in die Altstadt. In der Burg steigen wir auf den Turm, leider ist die Aussicht keinesfalls so prächtig wie es in unserem Reiseführer steht. Das Rathaus hat heute besonderen Zulauf. Viele Brautpaare lassen sich trauen – im Viertelstunden- Takt. Der Parkplatz um das Gebäude ist voll von „Stretchlimousinen“, aus denen steigt dann die kleine Hochzeitsgesellschaft. Die Bräute tragen überwiegend weiß und die schönen Brautjungfern stehlen, in ihren modischen kurzen Kleidchen, der Braut die Show. Aber auch einige ältere Frauen in litauischer Tracht, die sich auf dem Marktplatz einfinden, sind unbedingt ein Foto wert. Stark ist der Kontrast zwischen alt und modern. In der nahen Kathedrale Peter und Paul soll eine Trauung stattfinden. Wir aber wollen nicht länger warten und verlassen bald die Kirche. Der Platz um das Rathaus, Jesuitenkirche und Kathedale ist renoviert. Die Häusergiebel mit ihren unterschiedlichen Fassaden und der viele Baumbestand auf dem Platz (Kastanien und Linden) laden ein, vor den Restaurants zu verweilen. Doch wir müssen weiter. Wir benötigen noch fast 2 Stunden Fahrzeit, dann sind wir am Berg der Kreuze, auf litauisch: Kryziukalnas. Über 15 000 Kreuze stehen hier dicht an dicht, aus Metall und Holz, geschnitzt und gedrechselt. Die ersten wurden 1831 nach Aufständen gegen den Zaren aufgestellt. Der Berg entwickelte sich zum Wallfahrtsort der Litauer. Auch hier begegnen wir einigen Brautpaaren mit ihren Gästen. Auf einem nahen Parkplatz finden wir mit unseren Mobilen ein Plätzchen für die Nacht. Außer uns parkten hier schon 3 weitere Reisemobile


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Sonntag, 3. Juni

Gestern habe ich vorgeschlagen, dass einmal ein anderes Paar die Gruppe führt. Heute sind es Anke und Harald. Eine von Peter ausgesuchte Nebenstrecke (Bauska-Sigulda) erweist sich als „Piste“. Trotzdem meistert Anke als Fahrerin alles mit Bravour. Wir benötigen 1 ½ Stunden bis zur Grenze nach Lettland und finden heute am Sonntag keine Möglichkeit zum Geldtausch. Im Schloss Rundale können wir den Eintritt mit Kreditkarte bezahlen. Führung in deutsch ist nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung möglich. So machen wir uns ohne Führung auf den Weg. Das Schloss wurde als Sommerschloss um 1736 in 4 Jahren erbaut. Mit seinen 138 Räumen nimmt es durchaus zaristische Dimensionen an und eifert in Pracht und Prunk dem französischen Vorbild Versailles nach. Die letzten Jahrzehnte hat man es und den Garten aufwendig restauriert. In etlichen Zimmern liegt die Beschreibung des Inventars in engl. Sprache aus, so können wir einiges nachlesen. Bis zur Ordensburg Bauska ist es nicht mehr weit. Die 1443-50 auf einer Felsnase am Zusammenfluss von Memele und Musa errichtete Burg nutze der letzte Großmeister des Ordens Gotthard Kettler als Residenz. Im nordischen Krieg 1706 zerstört, hat man bei der Restaurierung versucht die Burg wieder in ihren mittelalterlichen Originalzustand zu versetzen. Für wenig Eintrittsgeld kann man den Burgturm besteigen und von dort weit ins Land schauen. Auch gibt ein kleines Museum mit Einblick in das Leben um 1450. Bis Sigulda wollen wir Nebenstrecke fahren, doch leider erweist sich die Strasse als Staubpiste. Nach einer Stunde nerviger Fahrzeit entschließen wir uns einen anderen Weg zu nehmen. So kommen wir völlig staubig um 17 Uhr in Sigulda an. Im Winter „tobt hier der Bär“. Es gibt eine Bobbahn und etliche Skilifte. Der Campingplatz ist Fehlanzeige, er ist vielmehr ein asphaltierter Parkplatz, aber mit Duschen und Entsorgungsmöglichkeiten. Wir bleiben und sehen uns die Bobbahn und eine Sommerrodelbahn an. Auf der letzteren ist viel Betrieb. Wir versorgen uns mit Frischwasser und grillen anschließend vor den Mobilen. Am Abend machen Peter und ich noch einen längeren Spaziergang am Fluss entlang. Es gibt viele Wandermöglichkeiten im Gaujas Nationalpark. Abends wird es selbst um Mitternacht nicht richtig dunkel.

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Montag, 4. Juni

Gegen 9 Uhr öffnen die Banken. Peter und ich fahren in den Ort zurück und tauschen für alle Geld. Heute wollen wir uns die Burg Turaida ansehen. Die imposante Anlage mit ihren5 Wehrtürmen wurde 1214 als Residenz des Bischofs von Riga errichtet. Die Innenräume wurden im Stil des Mittelalters wieder hergerichtet und geben einen Einblick in die Wohnkultur der damaligen Zeit. Vom Turm öffnen sich schönste Ausblicke in die Landschaft der Gauja. Ein schön angelegter Spazierweg führt vom Kassenhäuschen an einer kleinen romantischen Holzkirche vorbei zur Linde von Turaida-Rose. Einer Legende nach soll ein junges Mädchen von einem Ritter ermordet worden sein, weil sie seine Liebe verschmähte. Ihr Freund, der Gärtner, hat sie dann unter dieser Linde begraben. Heute legen Bräute ihren Brautstrauß unter der Linde nieder. Die Burganlage wurde im 20. Jh. umfangreich restauriert. Den mehrstöckigen „Watchtower“ erklimmen wir mehr oder weniger schnaufend. Um das ganze Gelände gibt es einen schönen Park, in diesem stehen überlebensgroße Steinfiguren. Nach der Besichtigung reicht die Zeit für einen Abstecher nach Cecis. Cecis gewann bereits im 13. Jh. große Bedeutung als Hansestadt. Sie lag am wichtigen Handelsweg von Riga nach Pskow. Vom damaligen Reichtum der Stadt zeugen einige noch gut erhaltene gotische Kaufmannshäuser. Auch machte sich Cesis mit seiner Brauerei Cesu Alus landesweit einen Namen. Wir schlendern durch die altertümlichen Straßen und sehen uns die Burgüberreste an. Originell sind die Holzlaternen mit Kerzenlicht, die man uns am Burgeingang in die Hand drückt. Nach all den vielen Besichtigungen verspüren wir nun Hunger. Wir essen „gutbürgerlich“ und trinken einheimisches Bier zu zivilen Preisen. Auf der Bundesstrasse 2 fahren wir Richtung Estland, Landschaft und Häuser erinnern an Schweden. Als wir die Grenze nach Estland passieren, wird die Landschaft noch hügeliger und die Häuser anschaulicher. Die Sonne lacht vom blauen Himmel und wir beschließen den Tag an einem See mit Baden ausklingen zu lassen. In Vörn suchen wir eine Bank auf um Geld umzutauschen, wieder eine neue Währung. Der von uns angesteuerte Campingplatz am Pühajärvs ist leider nicht zu finden. Dieser See mit seinen romantischen Buchten und verwunschenen Badeplätzen gilt als der schönste des Landes. So fahren wir die 8 km zurück, dort haben wir an der Hauptstraße einen Hinweis mit B&B gesehen. Dort angekommen, weist man uns einen Platz auf der oberen Weise zu. Die junge Frau spricht gut deutsch, sie ist Deutschlehrerin. Der große Rasen ums Haus ist gemäht, die roten Holzhäuser für die B&B –Gäste sehen einladend aus und es gibt einen kleinen See auf dem Gelände. Sofort streifen wir unsere Badeanzüge über und springen ins Wasser. Die Oberfläche ist angenehm warm, nur in der Tiefe ist es kälter. Nach dieser Erfrischung wird es Zeit fürs Abendbrot. Die ersten Mücken tauchen auf und vertreiben fast alle in die Mobile. Ich erkunde das Gelände. Es gibt einen zweiten kleinen See und am Ufer steht eine kleine Blockhütte. Durch die Fenster schaue ich in die Hütte, eine Sauna und ein kleiner Raum mit Kamin befinden sich darin. Am liebsten würde ich jetzt ein heißes Saunabad nehmen und dann zum Abkühlen in den See springen! Auf der großen Holzschaukel am See lasse ich den Tag Revue passieren. Es ist so ein lauer Sommerabend, den sollte man draußen verbringen. Die Vögel zwitschern, ein Storch klappert und nur wenige Autos lärmen von der nahen Straße. Sooo habe ich mir den Urlaub vorgestellt! Nur schade, dass alle anderen in ihren Mobilen sitzen. Es scheint gar nicht dunkel werden zu wollen. Selbst um 23 Uhr kann ich draußen noch Tagebuch schreiben


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Dienstag, 5. Juni

Um 7 Uhr schleicht Anke zum See. Schnell ziehe ich meinen Badeanzug an und laufe nach. Ein wenig Überwindung und dann ist es herrlich, so einsam am frühen Morgen zu schwimmen. Wir sind keine guten Schwimmerinnen und versprechen uns: Wir retten uns gegenseitig, falls uns die Kräfte verlassen. Unsere Männer machen derweil das Frühstück. Auf der Wiese in der Sonne lässt es sich bei 13° frühstücken. Für die Übernachtung zahlen wir 5 Euro pro Mobil. Auf Nebenstrecke geht es bis Tartu – nun wir sehen einige Campingplätze – schade! In Tartu parken wir vor der Markthalle und decken uns auch gleich mit frischen Vorräten ein. Unweit vom Parkplatz liegt die Altstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten. Tartu ist mit fast 100 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Estlands. 1280 wurde die Stadt Mitglied der Hanse. Politisch waren die Zeiten weniger glücklich. Tartu fiel immer neuen Erobern in die Hände – Russen, Polen, Schweden. Bei der Touristinfo holen wir uns Unterlagen für einen Rundgang: Rathausplatz, Schiefes Haus, Universität und Domberg. Alles ist in deutscher Sprache erklärt. Einmalig ist die Backsteinkirche mit ihren über 1000 Terrakottafiguren. In den Straßen der Altstadt herrscht ein reges Treiben. Viele junge Menschen, modisch gekleidet, flanieren durch die Gassen. Auch wir ruhen unsere müden Füße in einem Straßencafe aus. In der Nähe vom Mobil ist ein modernes Einkaufszentrum. So können noch verschiedene Kleineinkäufe getätigt werden. Unsere Parkuhr ist schon seit einer Stunde abgelaufen als wir losfahren. Unser heutiges Ziel ist der Finnische Meerbusen und nördlich der Stadt Jöhvi wollen wir ans Meer auf einen Campingplatz. Bald nach Tartu verlassen wir die A3 und nehmen die 43 bis Kallaste. Die eingezeichneten Badeplätze am Peipsi Järv sind Fehlanzeige – wir finden sie nicht. Der Peipsi Järv ist der größte See des Baltikums und durchschnittlich nur 8 m tief. Allerdings verläuft durch seine Mitte die Grenze zu Russland. Später können wir über einen Feldweg zum See abbiegen. Das Ufer ist steinig und es liegen und schwimmen viele tote Fische am Uferrand. Das lädt nicht zum Schwimmen ein. Aber ein wenig auf Campingstühlen in der Sonne dösen kann auch recht schön sein. 16 Uhr Startpfiff! Bis zu unserem Ziel Toila benötigen wir noch 1 ½ Stunden. Der Campingplatz, mit seinen kleinen Blockhütten und Stellplätzen auf der Wiese, gefällt allen auf Anhieb. Übernachtung incl. Strom erfreulich preiswert, umgerechnet 7.20 Euro. Das Meer ist ganz nah, wir hören es rauschen – über 100 Stufen führen von der Steilküste hinab. Drüben liegt Finnland und ca. 45 km östlich Russland. Mit einem Gläschen Wein lassen wir den Tag vor den Mobilen ausklingen.


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Mittwoch, 6. Juni

Mir gefällt Estland zunehmend besser: die Landschaft, die Häuser, die kleinen Orte und es ist Sommer. Die Sonne strahlt und es geht uns gut. Heute fahren wir in den Lahemaa Nationalpark. Zuerst sehen wir uns das Herrenhaus in Palmse an. Zu den schönsten estnischen Gutsanlagen gehört Palmse, das bis 1923 im Besitz der deutschbaltischen Adelsfamilie von Pahlen war. Als die Familie nach einer Reform ihren Besitz (es gibt 38 km Wanderwege in dem Park!) verlassen und es stattlich genutzt wurde, verfielen die Gebäude. Vor gut 20 Jahren hat man begonnen das großartige Haus historisch zu renovieren. Jetzt ist es ein regelrechtes Schmuckstück geworden. Am besten hat mir die Musikanlage im Damenzimmer gefallen – eine Art Musikbox, 150 Jahre alt. Über Walzen und mit Hilfe einer Drehkurbel konnten verschiedene Lieder gespielt werden. Wir bekommen eine kleine Kostprobe, es hört sich an wie ein kleines Orchester. Im einstigen Badehaus ist ein kleines Cafe, in historischer Bekleidung lassen wir uns einen kleinen Imbiss servieren. Bis zum kleinen pittoresken Hafen Käsmu sind es nur wenige Kilometer. In diesem kleinen Fischerort stehen schmucke kleine Holzhäuser an schmalen Straßen, von denen noch schmalere Wege bis zum Wasser führen. Sylvia und ich machen mit den Füßen den Wassertest – es ist noch schrecklich kalt jetzt im Juni. Bis Tallinn sind es knapp 100 Kilometer. Unser Navi führt uns ratz-fatz zum City-Camping. Der Prospekt hat mehr versprochen. Eine große holländische Caravangruppe belegt die meisten Stellplätze. Wir stehen dicht an dicht auf einem Messegelände mit wenig Grün für ca. 20 Euro pro Nacht. Der Stellplatz ist keinesfalls stadtnah und zu Fuß ist die Altstadt nicht in 15 Minuten zu erreichen. Doch die Stadtbesichtigung wollen wir erst morgen vornehmen. Wir sitzen, weil es so warm und hell ist, bis Mitternacht vor den Mobilen.



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Donnerstag, 7. Juni

Heute ist Stadtbesichtigung von Tallinn (ehemals Reval) angesagt. Mit dem Linienbus geht es innerhalb von 15 Minuten in die Innenstadt. Wir suchen die Touristeninformation auf. Eine Angestellte gibt bereitwillig in deutsch Auskunft auf alle unsere Fragen. Wir entschließen ohne Guide mit unserer deutschen Reisemappe die Stadttour zu unternehmen. Unsere kleine Gruppe trennt sich, so kann jeder dort verweilen, wo es für ihn interessant ist. In der Alexander-Nevski Kathedrale wird zurzeit ein russ.-orthodox. Gottesdienst abgehalten. Der für uns ungewohnte Gesang ist beeindruckend. Gleich gegenüber befindet sich im alten Schloss heute das Parlament. Hier oben auf dem Domberg haben sich bei Gründung der Stadt die Adeligen angesiedelt und eine Mauer von 2,35 km und 40 Türmen um sie gezogen. Heute gibt es nur noch 1,85 km Mauer und 26 Türme. Die Auer ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Unterstadt besteht aus vielen Handwerks- und Kaufmannshäusern. Interessant sind die Außenfassaden der Häuser: Schwarzhäupterbruderschaft (Junggesellenverein), Olai-Gilde, Kanuti-Gilde und große Gilde. Der Olai-Kirchturm war mit 159 m im 15. Jh. mit das höchste höchste Bauwerk der damaligen Welt. Der Turm fungierte auch als Seezeichen. Wir besteigen den Turm (258 Stufen) und genießen den großartigen Blick über die Altstadt. Gegen Mittag treffen wir uns mit der Gruppe auf dem Marktplatz und stärken uns in einer Brauerei. Dann trennen sich unsere Wege, um 17 Uhr wollen wir alle wieder am Campingplatz sein. Es gibt so viel zu sehen. Besonders gefällt mit das Flair um den Rathausplatz. Viele Restaurants laden ihren Außenterrassen die vielen Touristen zum Verweilen ein. Die Giebel der herumliegenden Häuser sind renoviert und viele Souvenirgeschäfte mit dem begehrten „Baltik-Amber“ sind im Erdgeschoss (hier der 1. Stock) untergebracht. Gegen 19 Uhr fahren wir alle mit dem Bus nochmals in die Stadt. Wir wollen im Restaurant „Olde Hanse“ essen, ein Tipp von Anke. Auf dem Marktplatz herrscht buntes Treiben, viele Touristen sitzen in den Straßencafes und junge einheimische Paare tanzen vor dem Rathaus „Slasa“. Alles hat die Leichtigkeit des Südens. Im Restaurant angekommen, gibt es noch freie Plätze für uns. Normalerweise hätten wir vorbestellen müssen, denn viele Gruppen werden erwartet. Wie man uns später auf unsere Fragen erklärt, können bis zu 400 Gäste Platz finden. In den rustikalen Sälen auf den 3 Etagen gibt es nur Kerzenlicht. An langen Holztischen und auf einfachen Holzbänken nimmt man Platz. Kellner/innen in historischen Trachten servieren uns die Getränke und Gerichte. Wir trinken Honigbier und essen Gerichte mit den unbekannten Namen wie: übernacht. Schwein, arabisch. Ochsenbraten und Bergener Fischtopf. Das Klo aber ist das i-Tüpfelchen. Wie zu alten Zeiten. Wenn man die einfache Holztür öffnet, sieht man einen „Donnerbalken“ mit versteckter Wasserspülung. Auch hier nur Kerzenlicht und zum Händewaschen Wasser aus der Kupfer-Schwenkkanne. Da das Honigbier sehr gewöhnungsbedürftig ist, trinken wir noch ein kühles „Blondes“ in der Brauerei. Gegen 23 Uhr liege ich „total Scholle“ im Bett. Heute wird nichts mehr mit Tagebuchnotizen.


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Freitag, 8. Juni

Nochmals Stadtgang bis zu Mittag. Dann wollen wir zum Freilichtmuseum aufbrechen. Nochmals schlendern wir durch die Altstadtgassen und durch das modere Einkaufszentrum. Heute haben auf dem Rathausplatz viele Marktbeschicker ihre Stände aufgebaut. Traditionelle Holzspielwaren, Strickwaren, Tischdecken und Haushaltsgegenstände aus Holz kann man für wenig Geld erwerben. Das Freilichtmuseum liegt vor der Stadt am Wasser, im hübschen Ort Rocca al Mare. Infoblatt des Museums: Hier befindet sich eine Art Dorf, wo man Einblick in die ländliche Architektur und das tägliche Leben Estlands im 18. bis 20. Jh. nehmen kann. Wie es sich für ein richtiges Dorf gehört, gibt es hier eine Kirche, eine Kneipe, ein Schulhaus, Mühlen, ein Spritzenhaus und direkt am Meer Netzhäuser der Fischer. Auf den 12 Bauernhöfen des Freilichtmuseums erfahren wir, wie Familien (mit unterschiedlichen Einkommensverhältnissen) in früheren Zeiten wohnten. Hier kann man zu jeder Jahreszeit von der Weisheit vergangener Generationen lernen. Wir benötigen 4 ½ Stunden für den informativen Rundgang, die kleine Gaststätte hält schmackhafte Gerichte bereit.



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Samstag, 9. Juni

Wir haben auf dem Parkplatz vom Freilichtmuseum übernachtet und starten schon früh. Unser erstes Ziel ist ein Supermarkt, die Vorräte müssen aufgefüllt werden. Es gibt fast alles was das Herz begehrt. Nun geht es weiter über die 9 und 10 südlich bis Virtsu, wir wollen auf die Insel Saaremaa. Estlands größte Insel liegt vor der Rigaer Bucht. Ein Damm verbindet sie mit der Nachbarinsel Muhu, zu der eine Fähre vom Festland führt. Nach dem zweiten Weltkrieg war Saaremaa lange militärisches Sperrgebiet, einer der Gründe, warum sich ihre verträumte Ursprünglichkeit bewahrt hat. Für Reisemobile über 6,5 t kostet die Überfahrt umgerechnet 22 Euro, in einer knappen ½ Stunde sind wir auf der der Insel Muhu. Auf unserer Strecke befindet sich ein kleines Freilichtmuseumsdorf. Diese Häuser werden z. T. noch bewohnt, aber die Landflucht hat auch hier eingesetzt. Das letzte Kind wurde vor 20 Jahren geboren. Alles gibt nochmals einen kleinen Überblick wie alte Höfe und Häuser früher angeordnet waren. Oft umgab eine Feldsteinmauer den Hof. Ein Damm führt hinüber nach Saaremaa, hier beabsichtigen wir das Wochenende zu verbringen. Bei Kaali gibt es einen Krater, der vor knapp 3000 Jahren durch Meteoriteneinschläge entstanden ist. Der mit Wasser gefüllte Krater hat einen Durchmesser von mehr als 100 m und ist 26 m tief. Jetzt um die Mittagszeit aber ist uns allen sehr warm und uns steht der Sinn nach einem Bad im Meer. Kurz nach Kuressaare (Arensburg) fahren wir auf den Campingplatz Märmajala. Das junge Mädchen an der Rezeption erklärt uns freundlich den Stellplatz für Camper anhand einer Karte, aber vor der Schranke müssen wir noch bezahlen. Dann fahren wir los - durch die Schranke – in den Wald. Der Weg hört im Sand am Sportplatz auf. Um auf den Stellplatz zu kommen, müssen wir die Sandstrecke überqueren. Tückisch, denn solche Wege waren für unser schweres Mobil stets kritisch! Zu Fuß erkunden wir die Stellplatzmöglichkeiten im nahen Kiefernwäldchen. Auch hier Sand und bei unserer Mobilhöhe von 3.50 m hätten wir Probleme unter den Bäumen zu parken. So parken vor einem kleinen Restaurant auf einem Waldparkplatz. Das Restaurant ist noch nicht geöffnet, nur eine Putzfrau schrubbt emsig. Sie scheint von unserem Einparken nicht erfreut zu sein, immer wieder blickt sie unfreundlich zu uns herüber. Als ich in der Rezeption der Angestellten von unserem „Sandfahrproblem“ berichte, erscheint auch die Putzfrau recht wütend (wie ich aus ihren Gesichtszügen) entnehme und redet in estisch was von Carawan. Man erlaubt uns dort zu parken, aber es gibt für uns keine Ver- und Entsorgung auf dem Platz. Wir nutzen das nahe Wasser und gehen baden. Es geht flach, von mehreren Sandbänken unterbrochen, ins Meer. Abends vertreiben uns die vielen Mücken ins Mobil. Peter und ich machen noch einen langen Strandspaziergang, immer der lauten Musik nach. Die spielt in einem großen Zelt vor einem Hotel. Im Zelt stehen blau eingedeckte Tische und Stühle mit weißen Hussen. Junge Leute in festlicher Garderobe trinken Sekt aus langstieligen Gläsern, Kellner tragen eine riesige Geburtstagstorte auf das Büfett. Hier scheint die bessere Gesellschaft Estlands einen Geburtstag zu feiern, die geparkten Pkws sind mehr als nur Mittelklassewagen.

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Sonntag, 10 Juni

Heute kann jeder ausschlafen, so lange er will. Peter und ich wachen zur gewohnten Zeit auf und ich gehe schon mal vor dem Frühstück baden. Leider hat der Wind über Nacht gedreht, jetzt ist das Wasser eiskalt. So tauche ich nur ein paar Mal unter. Peter hat inzwischen das Frühstück bereitet und nach und nach kommen auch die anderen aus ihren Mobilen. Gegen 10 Uhr schwingen wir uns auf die Fahrräder. Bis zur Hauptstadt der Insel, Kuresaare, sind es ca. 10 km Landstrasse. Unser Geld reicht just noch für die Besichtigung der Burg (besterhaltene Burganlage des Baltikum). Es gibt interessante Ausstellungen wie: Vogelwelt, Tiere, Fauna, Ritterausstellungen, eine Bischhofwohnung, moderne Bilder, rundum es gibt viel anzusehen. Der Ort wirkt beschaulich mit seinem kleinen Marktplatz und gepflegten Häusern, kleine Familienhäuser mit bunten Blumenvorgärten. Selbst am Sonntag haben wir die Möglichkeit unsere „Geldvorräte“ aufzufüllen. Sofort schlagen wir zu und kaufen uns ein Eis. Wir entdecken einen Reisemobilstellplatz am Hafen, hier stehen bereits 3 Mobile. Der Hafenmeister erklärt uns in einen reizenden deutsch/englisch: Frischwasser und Entsorgung gratis, für Duschen nimmt er einen kleinen Obolus und ansonsten 9,70 Euro die Nacht. Wir beschließen noch heute umzuparken. Mit reichlich Sonne von oben geht es zu den Mobilen zurück. Baden und dann von mir serviert – Erdbeertorte mit Sprühsahne, weil es Sonntag ist. Schnell ist alles zusammengepackt und am Stellplatz am Hafen weht eine leichte Brise vom Meer, dadurch kommen die Mücken heute Abend erst später.

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Montag, 11. Juni

Gestern Abend haben wir unsere verbleibende Reisezeit durchgerechnet, wir können durchaus noch einen Tag auf dieser wunderschönen Insel radeln. Wir treffen folgende Entscheidung: bei Sonnenschein bleiben wir. – Als wir erwachen, scheint auch an unserem 17. Reisetag die Sonne. Wir nehmen die Räder und radeln auf verkehrberuhigter Nebenstrecke Richtung Kailuka. Blühende Wiesen mit rotem Mohn, Wiesenschaumkraut und blauer Akelei geben uns ein Sommer-Naturerlebnis. Blockhütten im Neubau, schmucke Holzhäuser – alles sieht einladend aus. Wir erreichen Suure-Rootsi und machen einen Abstecher zum Wasser. Schon bald erreichen wir einen abgelegenen Hof. Als wir unsere Räder in einer Art Innenhof abstellen, nähert sich der Besitzer. Er versteht uns nicht und denkt wir wollen ein Zimmer mieten. Er holt seine Frau, die spricht etwas englisch. Sie erklärt uns dann den Weg zum Wasser. Vorher bitten wir sie noch uns ihre Gästezimmer zu zeigen, die Familie betreibt hier eine Gästepension. In einem alten Holzgebäude (ehemaliger Bauernhof), der von außen mit alten Gerätschaften schön dekoriert ist, liegen die geschmackvoll eingerichteten, komfortablen Gästezimmer. Eine Übernachtung kostet pro Person und Frühstück 20 Euro. Um die anderen kleinen Einzelhäuser blühen Sommerblumen in allen Farben. Mit „tänan“ (danke) verabschieden wir uns herzlich und fahren wir dann den beschriebenen Weg bis zum Meer. Eine Schilfbucht mit sandigem, flachen Strand und vorgelagerten Felsen lädt uns zum Baden ein. Puh, ist das Wasser kalt, nur Harald ist mutig und taucht unter. Mit einem kleinen Umweg erreichen wir wieder die Hauptstrasse. 40 Kilometer sind wir heute geradelt, mir tut ganz schön der Popo weh ! Den Rest des Nachmittags relaxen wir in der Sonne. Abends ist italienischer Abend angesagt, mit Kleidervorschrift. Die Frauen im Rock – und die Männer mit Krawatte. Wir machen ein gemeinschaftliches Essen: Sylvia bereitet die Vorspeise, ich koche Spaghetti Arrabiata und Anke macht den Nachtisch. Vorher veranstalten wir mit viel Gelächter Modenschau. In meiner Second-Hand-Kiste (Spenden für eine kirchliche Einrichtung in Klaipeda) ist für die Frauen reichlich Auswahl an Röcken und Oberbekleidung. Die Herren basteln sich phantasiereiche Krawatten. Wir starten mit einem Begrüßungscoktail und ein freundlicher Nachbar fotografiert uns alle in unserem Outfit. Zum Essen fließt reichlich Rotwein. Es wird ein feuchtfröhlicher Abend und zum Abschluss trinken wir Baltikum-Bowle. Peter und ich machen noch einen Abendspaziergang durch die keineswegs unbelebte Kleinstadt. Es ist bereits 23 Uhr und noch viele Menschen sitzen vor den Lokalen – speisen und trinken.



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Dienstag, 12. Juni

Heute verlassen wir Saaremaa – leider müssen wir an der Fähre eine Stunde warten. Bis Pärnu, unserem heutigen Etappenziel, sind es nur 175 km. Die alte Hansestadt hat viele alte, restaurierte Häuser. Wir holen uns bei der Touristeninformation einen Stadtplan, wo alles Wissenswerte aufgelistet ist. Nach diesem machen wir gemeinsam unsere Runde: Katharinenkirche, Rathaus, roter Turm, Tallinner Tor, Gerichtsgebäude und Schulen. Etliche Restaurants und Cafes laden zum Verweilen ein. Harald, Peter und ich besuchen ein Kunstmuseum. Von der Ausstellung hätten wir mehr erwartet, die Malereien sind z. T. sehr laienhaft. Nach 3 Stunden verlassen wir Pärnu um bei Uulu einen Strand aufzusuchen – Fehlanzeige! Wir fahren weiter und finden einen netten Strandparkplatz unweit vom Wasser. Es soll lt. Reiseführer hier die höchsten Dünen Eslands geben (für Esten vielleicht hoch, wir haben was anderes erwartet). Zu Fuß machen wir uns am Strand auf die Suche nach einem erwähnten Campingplatz und finden ihn nicht. So werden wir hier übernachten. Nach einem gemeinsamen Abendessen – Nudelpfannkuchen Gemeinschaftswerk- machen wir noch einen Abendspaziergang durch Kabli. Leider haben um 21 Uhr die „Tante Emma Läden“ und Bars geschlossen. Unterwegs kommt uns die Idee mit einem Sonnenwendfeuer an unserem Stellplatz. Sofort sammeln wir Tannenzapfen und trockene Holzzweige. Unweit vom Stellplatz richten wir uns eine Feuerstelle ein. Zwei rustikale Holzbänke und Tische funktionieren wir als Bar um – Arno spendiert Whisky-Cola mit Eis. Es werden Lieder gesungen und Kartoffeln ins Feuer gelegt – fast so wie zu Pfadfinderzeiten. Erst spät fallen wir „verraucht“ in unsere Betten. Das war ein schöner, unser letzter Abend in Estland. Einem Land, das unbedingt eine Reise wert ist mit seinen: Landschaften, alten Städten, Burgen, einsamen Inseln, Sandstränden und den überaus netten Bewohnern. Morgen Mittag wollen wir die letzten 20 km Strandstrasse bis zur Grenze von Estland und dann nochmals 170 km bis Riga in Lettland fahren.



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Mittwoch, 13. Juni

Der Vormittag hat individuelle Zeiteinteilung für Jedermann. Wir Frauen starten zum Einkaufserlebnis im kleinen Supermarkt in Kabli. Die junge Frau an der Kasse spricht sogar deutsch. Auf unsere Frage wo sie die Sprache gelernt hat antwortet sie: vom Fernsehen. Wir nehmen an mit Videocasette - nein – vom Comic-Fernsehen. Sie spricht vier Sprachen, ihr Bruder sogar sieben. Schade, dass hier solche Sprachtalente in der Provinz verkümmern müssen. Zum Abschied machen Peter und ich machen noch einen langen Strandspaziergang, vielleicht finden wir Bernstein? Das Wasser ist immer noch recht frisch. Am Morgen, vor dem Frühstück, waren Anke, Harald und ich schon im Wasser. Es hat uns sehr viel Überwindung gekostet, aber wir waren drin! Gegen 13 Uhr brechen wir auf Richtung Grenze. Nach einigen Kilometern sehen wir den Hinweis zum Campingplatz. Auch nach der Grenze sehen wir von der Straße den Strand. Es gibt viele schöne Strände mit Parkmöglichkeiten, doch wir wollen noch heute in Riga ankommen. Unser Navi führt uns sicher durch die Stadt. Der Campingplatz liegt auf einer Insel – in der Nähe der „Seilbrücke“. Ab Brücke gibt es Ausschilderungen zum Camping/Messehallen. Der Platz ist recht einfach, aber wir können auf Rasenflächen stehen. Nach einer kleinen Erholungspause gehen wir ins nahe Einkaufszentrum. Im großen Supermarkt erstehen wir einige Lebensmittel, wieder einmal zu viel zum Tragen. Abends gehe ich früh schlafen – die „Feuerfeier“ mit Whisky vom Vorabend steckt mir noch „in den Knochen“.



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Donnerstag, 14. Juni

Heute ist die Stadtbesichtigung von Riga angesagt. Mit den Rädern fahren wir in die Altstadt. Riga kam als Mitglied der Hanse schon im Mittelalter zu Wohlstand. Zwischen den Weltkriegen wir die lettische Hauptstadt eine kosmopolitische Stadt wie St. Petersburg und Berlin. Vom Glanz zu Anfang des 20. Jh. zeugen die vielen Jugendstilhäuser in der Neustadt. In der Nähe vom Schloss ketten wir die Räder am Straßenrand an ein Absperrgitter. Nur wenige Schritte, dann sind wir auf dem Rathausmarkt. Zwischen Petrikirche und Fluss liegt das nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute Herz der Stadt, mit Rathaus und Schwarzhäupterhaus (neu seit 2002). Bei der Touristeninformation buchen wir eine Führung in deutscher Sprache, für uns sechs kann sie sofort beginnen (Kostenpunkt 10 Euro pro Person). Auch ist eine Bustour durch die Neustadt, mit ihren vielen Jugendstilhäusern, möglich. Wir entscheiden uns für die Fußtour. Unsere Reiseleitung „Selga“ macht ihre Sache gut – sie erklärt neben den Bauwerken auch kleine Geschichten zu diesen. Wir sehen von außen: die Petrikirche, Johanniskirche, große und kleine Gilde, den Dom, das Schloss und die Häuser der drei Brüder. Zum Abschluss gibt es ein Gläschen „Black Balsam“, einen Kräuterschnaps, aus Riga. Bis die Bustour startet, sehen wir uns noch im Schwarzhäupterhaus die schön restaurierten Säle im 1. Stock und das Museum im Keller an. Hier hat man die Überreste, die nach der Zerstörung 1941 gefunden wurden, ausgestellt. Die Bustour in die Neustadt beginnt um 12 Uhr. Vorher können wir noch dem Glockenspiel vom Rathaus zuhören. Selga erklärt uns die Arten des Jugendstils. Ende des 19. Jh. wurde Riga Zentrum des Jugendstils, zu sehen in der Altstadt und in der Neustadt. Mietshäuser des Architekten Michail Eisenstein in der Alberta iela sind Musterbeispiele des dekorativen Jugendstils. Geschwungene Formen treffen auf geometrische Ornamente, angereichert mit Tier- und Medusenköpfen. Spätere Architekten der nationalromantischen Variante verwendeten zur Gliederung Elemente traditioneller Architektur wie Erker oder Ecktürme. Zu Fuß laufen wir einige Straßen mit schönen Bauwerken ab. Nach einer Stunde bringt uns der Bus zum Ausgangspunkt zurück. Wir benötigen Lats. In einer Wechselstube entdecken wir im Schaufenster einen guten Kurs. Doch als das Mädchen uns die Währung mit Abrechnung zuschiebt sind wir entrüstet. Statt 70,25 bekommen wir nur 62,26. Nun entwickelt sich eine Diskussion, denn Peter ist nicht bereit den schlechten Kurs zu akzeptieren. Er will seine 50 Euro zurück. Das Mädchen weigert sich, stellt sich stur. Mit der Abrechnungsquittung marschieren wir zu nahen Touristinformation. Die junge Angestellte ist sofort bereit mit uns die Angelegenheit Vorort zu klären, doch auch sie erreicht nichts in der Wechselstube. Sie meint nun auch: das ist eine Angelegenheit für die Polizei und ruft diese von ihrem Diensttelefon. Im benachbarten Cafe trinken wir einstweilen einen Kaffee. Es dauert ½ Stunde bis die Polizei erscheint – was ist nur bei Notfällen? Die junge Polizistin spricht englisch und lässt sich von uns den Fall schildern, dann regelt sie alles. Zwar muss Peter seinen Ausweis vorlegen, bekommt aber dann sein deutsches Geld zurück. In der nahen Bank erhalten wir dann offiziell 68,75. Merke: willst du kein Risiko, dann tausche dein Geld bei der Bank.. Zu Fuß machen wir uns auf private Besichtigungstour. Nun schauen wir uns die Petrikirche und Johanniskirche von innen an., marschieren zur russischen Kirche und zum Denkmal „Mutter Heimat“. Vom nahen Hotel haben wir vom Panoramacafe im 26. Stock eine grandiose Aussicht, kostenlos. Die Reiseführerin hat nicht zu viel versprochen und uns noch ein typisches lettisches Restaurant, ganz in der Nähe, empfohlen. Die Preise sind zivil, das Essen ist gut zubereitet und das Bier süffig. Es ist immer noch recht warm draußen, als wir uns auf den Rückweg zu unseren Rädern machen. Auf dem Rathausplatz werde ich von hinten unsanft angerempelt und als ich zu meiner Handtasche greife – ist die Handytasche leer! Aufgeregt rufe ich: „Peter mein Handy, mein Handy ist weg“, und weise auf zwei junge Leute vor uns. Zu der jungen Frau sage ich: „Geben sie mir mein Handy wieder“, sie dreht sich um und überreicht mir verblüfft mein Handy. Peter baut sich drohend vor der Frau auf und „knallt“ ihr eine rechts und links „an die Backen“, er ist empört über so viel Dreistigkeit. Ihren Begleiter, einen jungen Mann, fährt er auch an. Der zeigt eingeschüchtert nur ein paar Lats, die er aus seinen Hosentaschen zieht. Oh Schreck – das ist noch einmal gut gegangen! Jetzt müssen wir Anke, Harald, Sylvia und Arno von dem Raub berichten. Sie waren unmittelbar neben uns und haben von dem Vorfall nichts mitbekommen. Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir mit den Rädern den Campingplatz.



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Freitag, 15. Juni

Heute wollen Peter und ich uns ausführlich die Jugendstilvillen in der Neustadt ansehen. Es stehen hier, trotz des 2. Weltkriegs und seinen Zerstörungen noch westlich mehr als in Budapest, Prag oder Wien. Besonders die um 1890 – 1914 entstanden Gebäude haben diese interessante Fassade. Mit ihren floralen Motiven, den Monumenten am Torbogen, den Ornamenten am Fenster, oft mit Sonnenmotiven „es geht aufwärts“ oder den übergroßen Tiergestalten wie: Bär, Hund, Fledermaus, Drache lassen uns immer wieder einen Stopp einlegen. In der Altstadt besichtigen wir den Dom von innen – leider ist die sehenswerte Orgel eingerüstet. Am frühen Nachmittag treffen wir uns mit den anderen und besuchen die großen Markthallen (einmalig auf der Welt), die früheren Zeppelinhallen. Schwer bepackt kehren wir zu unseren Rädern zurück. Wir müssen dennoch den Supermarkt aufsuchen, denn auf dem Markt haben wir keine frische Dorade zum Grillen bekommen. Im Supermarkt wollen wir nur Fisch und Brot kaufen. Aber als wir den Supermarkt verlassen, hat jeder eine volle Einkaufstüte in der Hand. Abends frischt der Wind stark auf, lange können wir nicht draußen sitzen. Was ist, soll nun das schöne Wetter für uns vorbei sein?



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Samstag, 16. Juni

Riga – Jürmala, bekannt durch schöne, alte Holzhäuser und seinem über 30 Kilometer langen, flachen Sandstrand. Der Ort fordert einen Lat Durchfahrgebühr von jeder Person. Parkplätze für Dickschiffe sind Mangelware und so finden wir erst nach Jürmala einen strandnahen Parkplatz. Durch einen kleinen Kiefernwald und „schwupps“ breitet sich vor uns der auch hier weite Sandstrand aus. Man könnte kilometerweit gehen ohne einer Menschseele zu begegnen. Inzwischen ist es aufgeklart, aber für ein Bad zu frisch. So fahren wir weiter, unsere nächste Etappe ist Talsi, eine kleine Stadt auf 9 Hügeln. In der Touristinformation kann man uns auf deutsch den Weg zu den wenigen Sehenswürdigkeiten erklären. Durch die Altstadt steigen wir die Stufen zur Kirche und besichtigen diese. Andere Gebäude in der Neustadt sind noch nicht renoviert und ähneln sehr den DDR-Gebäuden kurz vor der Wende. Ich kaufe an einem Stand frische Erdbeeren das Kilo für 1.50 Lats. Der junge Mann erklärt mir in perfektem deutsch, er habe 1 Jahr in Bremen gearbeitet. Und ich kann nur: ja, nein, bitte, danke und auf Wiedersehen in seiner Landessprache. Bis Kuldiga sind es knapp 60 km. Am Ortseingang treffen wir auf den breitesten Wasserfall und der längsten Ziegelsteinbrücke Europas. Bei dem schönen Sommerwetter genießen viele Personen Badefreuden am Wasserfall. Im Ort hat die Information heute geschlossen, dafür kann eine alte Dame (sie spricht deutsch) in der Weberei nach einigem hin und her den Weg zur Sandhöhle beschreiben. Wir nehmen den 4 km langen Schotterweg, er schlängelt sich durch überwiegend Wald- und Wiesengelände. Auf dem großen Parkplatz machen wir eine Kaffeepause, denn just vor uns ist ein Reisebus eingetroffen. Beim Eintrittshäuschen zur Sandhöhle heißt es dann nochmals warten, da der Einlass nur mit „Führer“ und bei Kerzenlicht möglich ist. Vor dem Höhleneingang erscheint alsbald eine als Teufel und ganz in rot gekleidete Frau – sie stellt sich als Rita vor und spricht ein deutsch-englisch Sprachgemisch. Wir erhalten viele spaßige Informationen. Als sie erklärt, dass wir ein Stück Strecke in der Höhle kriechend und im Dunkeln zurücklegen müssen, will ich nicht mehr mit. Rita überredet mich dann und so geht unsere ca. 20 Personen-Gruppe, jede 3. Person bekommt eine brennende Kerze, in den Stollen. Die Höhlen liegen 20 Meter unter der Erde, haben eine Temperatur von 8 ° C und die Gesamtlänge der Gänge beträgt 200 Meter. Wir können kaum aufrecht gehen – so kommen wir in den ersten Raum. Er ist mit Brautsträußen geschmückt. Bei den Temperaturen in der Höhle halten sich Blumen bis zu 2 Monate frisch. Im feinkörnigen, weißen Sand sollen wir nach einem Steinchen suchen – diesen über unseren Kopf halten und uns etwas wünschen. Nun übergibt Rita unsere Gruppe einer Studentin. Sie spricht lettisch und englisch, für unsere Gruppe soll ich übersetzen. So gehen wir weiter durch das Höhlenlabyrinth, Raum für Raum, Gang für Gang. In jedem Raum müssen wir eine Aufgabe lösen. Der letzte Raum stellt eine große Herausforderung, denn nun müssen wir alle für eine Weile das Kerzenlicht löschen. Als alle Kerzen wieder brennen, begegnen wir Rita mit einem Brautpaar. Das muss sich in der Liebehöhle ewige Treue versprechen. Die Letten singen dem Paar ein altes Lied und auch wir sind aufgefordert in unserer Sprache zu singen. Das tun wir doch gerne. Oben, am Tageslicht wieder angekommen, bedanken wir uns bei Rita für diese originelle Führung. Als sie uns fragt wo wir als nächstes hinwollen, und wir antworten „auf dem Parkplatz in unseren Mobilen übernachten“, lädt sie uns kurz entschlossen zu sich auf die Viking-Farm ein ( 25 m von hier entfernt). Das Angebot nehmen wir gerne an. Auf ihrem Grundstück können wir separat, in der Nähe vom Fluss, stehen. Peter springt in den warmen Fluss, wir anderen bereiten alles fürs Grillen vor. Rita hat hier am Fluss einen überdachten Grillplatz eingerichtet. Außer einem Grill gibt es auch Tische und Sitzbänke. Unsere Gastgeberin haben wir auf einen Drink eingeladen. Sie erscheint pünktlich zu verabredeten Zeit, mit Erdbeeren und Blumen als Gastgeschenk. Von Rita erfahren wir mehr über den Sandabbau. Die Höhle ist privat und ihre Großeltern haben bereits mit dem Abbau begonnen. Den Sand benötigte man für die Glasherstellung. Rita möchte kein Geld für die Übernachtung, wir schenken ihr Deutschen Kaffee und Kekse. Sie freut sich aufrichtig und lädt uns am nächsten Morgen 9 Uhr in ihr Haus ein.



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Sonntag, 17. Juni

Nachts hat es kräftig geregnet und schon vor dem Frühstück waren Anke und ich im Fluss zum Schwimmen. Dieser ist die ersten Meter flach und hat selbst am frühen Morgen eine angenehme Temperatur. Wie versprochen, treffen wir um 9 Uhr bei Ritas Wohnhaus ein. Sie zeigt uns ihre Gästezimmer und weist geheimnisvoll auf eine verschlossene kleine Tür. Zum Spaß muss sich Anke im Nebenzimmer verkleiden. Wir anderen sollen alle unsere Augen verschließen. Als Rita die kleine Tür öffnet, da glauben wir unseren Augen kaum, vor uns liegt Anke in einem – Sarg -! Wir lachen zwar alle über Ritas „Spaß“, aber so witzig wie sie finden wir es nicht. Auf Wiedersehen und danke, denn das nächste Ziel ruft - ein Spaziergang durch Kuldiga. Der Ort ist recht beschaulich, aber am Sonntagmorgen wie ausgestorben. Peter und ich rechnen die Zeit hoch. Wenn wir heute noch einen Abstecher nach Leipäja und Palanga unternehmen wollen, wird es knapp mit Klaipeda. Liepäja (Liebau) einen Besuch abzustatten lohnt sich allemal. In der ehemaligen Flottenbasis und Industriestadt reizen Spaziergänge am kilometerlangen Sandstrand und in der hübschen Altstadt mit ihren historischen Speicherhäusern. In der Annenkiche aus dem 16. Jh. ist ein über 10 m hoher Holzaltar zu bewundern. In der protestantischen Dreifaltigkeitskirche fällt im barocken Inneren die riesige Orgel mit ihren 7000 Pfeifen auf. Als wir die Kirche betreten, findet gerade ein Taufgottesdienst statt, so kommen wir in den Genuss diese Orgel zu hören. Die Besucher singen nach der Melodie: „Alle Jahre wieder“ ein Kirchenlied. Was sie singen, das können wir nicht verstehen. Wir schauen uns nur schmunzelnd an und singen den Test von unserem deutschen Weihnachtslied. Weiter geht es zu Fuß, selbst heute am Sonntag haben die Markthallen geöffnet. Die Touristeninformation hat sich mit dem deutschsprachigen Rundgang alle Mühe gegeben, und die Wege sind nicht zu verfehlen, sie sind mit Notenschlüsseln markiert. Bald nach diesem Abstecher sitzen wir wieder in unseren Mobilen. Der Bernsteinstrand Palanga ist unser Ziel. Unweit des großes Parks, in dem das Bernsteinmuseum liegt, parken wir die Autos. 1824 hat Graf Tiskiewicz den Ort Palanga gekauft und sich in einem großzügigen Park ein kleines Schloss gebaut. Er hat über 25000 Exponate aus „Baltischem Gold“ gesammelt und in seinem Schloss, jetzt Museum, kann man diese bewundern. Palanga ist der beliebteste Bade- und Kurort Litauens. Bei einem Bummel am Abend kommt uns der ganze Ort wie ein einziger Rummelplatz vor. Unzählige Restaurants, Bars mit lauter Musik, drehende Karussells und viele bunte Neonlampen wirken auf uns eher abschreckend. Über Nacht bleiben wir auf dem Parkplatz, ich koche für alle türkisch.


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Montag, 18. Juni

Keine 20 Kilometer und wir sind in Klaipeda (Memel). Mit der Fähre wollen wir übersetzen zur Kurischen Nehrung. Leider ist diese Fähre nicht so gut ausgeschildert. Wir sind nicht die einzigen, die nochmals wenden und zurückfahren müssen. Die Überfahrt kostet 33 Euro., für den Eintritt auf die Nehrung (jetzt Nationalpark) sind nochmals 10 Euro fällig. Die Kurische Nehrung trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Noch im 18. Jh. wuchs auf den Dünen der Nehrung dichter Wald. Im siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde er zum Bau von Schiffen und als Bennholz geschlagen. Die Dünen, nun zu Wanderdünen geworden, begruben ganze Dörfer. Nida bildet mit den Fischerdörfern Juodkrante, Pervalka und Preila zusammen die Stadt Neringa. Der südliche Teil der Nehrung gehört zum Königsberger Gebiet und damit zur russischen Förderation (für den Besuch ist ein Visum nötig).Unser 1. Stopp ist in Juodkrante. Wir parken am Hafen und sehen uns den nahen Hexenpark an. Dort stehen über 100 Holzfiguren, Hexen und Teufel, die aus litauischen Märchen und Legenden stammen. Im kleinen Cafe an der Hafenmole legen wir eine Pause ein. Wir sitzen in der Sonne, über uns blauer Himmel mit weißen Wölkchen. Wellen glitzern, ein Segelboot auf dem Haff, leise Musik, Cappuccino, eine Kleinigkeit zum Essen – wer holt mich hier in 7 Tagen wieder ab? Doch die Reise geht weiter, bis Nida sind es 30 km. An unserer Strecke befindet sich ein Reservat, das Gebiet der „toten Dünen“. Ein Holzweg schlängelt sich durch die Dünen. Um 1760 wurden durch die Wanderdünen drei Dörfer begraben. Wir haben einen eindrucksvollen Ausblick auf die Ostsee, das Kurische Haff und das Nemunas-Delta. Diesen Ort nennen die Litauer die Litauische Sahara. Gleich hinter Nida verläuft die russische Grenze. Der Ort Nida, so romantisch er mit seinen Fischerhäusern aussehen mag, er läuft fast über von Touristen. Überall hören wir deutsche Stimmen. An der Hafenpromenade hat man einige der traditionellen Wetterfahnen aufgestellt. Die rotbraunen Fischerhäuser mit ihren blauweißen Giebeln, den weißen Fensterrahmen und bunten Sommerblumenvorgärten, Nida- ein Ort zum Verlieben! 18 Uhr, jetzt wird es Zeit einen Platz für die Nacht zu suchen. Der einzige Campingplatz auf der Nehrung nimmt über 25 Euro die Nacht. Bei Pervalka gibt es einen Strandparkplatz und auf diesem stehen schon einige Mobile. Wir stellen uns dazu. Und weil die Sonne noch so traumhaft scheint, machen wir alle einen ausgedehnten Strandspaziergang. Anke ist mutig und stürzt sich in die nur 13° C warme Ostsee. Nach dem Abendbrot gehen wir ins „Bierzelt“ am Platz. Eine Lehrerin (42 Jahre) betreibt dieses kleine Lokal im Sommer als Imbiss. Sie spricht seit 3 Monaten (Crashkurs in Abendstunden) etwas englisch und ein wenig deutsch. Ihre kleine Speisekarte erklärt sie uns in englisch und wir sind überrascht: Schollenfilet mit Beilagen für nur 4 Euro. Wenn wir doch nur früher die Speisekarte studiert hätten, so wäre bei den „Spottpreisen „ unsere Küche sauber geblieben! Die sympathische Lehrerin setzt sich zu uns und wir fragen so dies und das. Zum Beispiel, wo sie gerne ihren Urlaub verbringt. Sie entgegnet: „im Roten Meer in Ägypten beim Schnorcheln“ und schwärmerisch berichtet sie von den vielen bunten Fischen. Das war mal wieder ein interessanter Abend, den nächsten Tag wollen wir bis Mittag am Strand verbringen.



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Dienstag, 19. Juni

Um 7 Uhr sind Anke und ich zum Schwimmen verabredet. Oh Schreck, ich wache erst um 7.15 Uhr auf! Schnell den Badeanzug übergezogen und los. Anke ist noch auf dem Holzweg. Um die Dünen zu schützen, wurden vom Parkplatz bis zum Strand Holzbretterwege angelegt. So bleiben die vielen Füße auf dem Weg und zertreten nicht das Dünengras. Die Wassertemperatur (wir schätzen 13° C) lässt es durch die starke Brandung keinesfalls kalt erscheinen. Ich mache eine Geschmacksprobe – das Wasser schmeckt nicht salzig! Heute ist das Wetter bewölkt, so ist nur Spazierengehen angesagt. Auf dem Rückweg zur Fähre wollen wir uns die Kormoransiedlung ansehen. Als wir den Aussichtpunkt erreichen, sehen wir hunderte von nistenden Kormoranen. Durch den Kost dieser Vögel sind die Bäume blattlos – und haben auch keine Zweige. Es ist ein wildes Geschrei und Gekrächze. Als wir die Fähre erreichen , ist für uns 3 Mobile noch ein Plätzchen frei und in 8 Minuten sind wir in Klaipeda. Hier suchen wir die Turgans-Gasse, wir wollen beim Diakonischen Zentrum der evangelischen Kirche unsere letzten gebrauchten Kleidungsstücke abgeben. In Estland haben andere deutsche Reisemobilfahrer uns diese Adresse genannt und den Tipp gegeben bei der Kirche auf dem Innenhof zu übernachten, wir sollen nach dem Diakon Andreas fragen. Sie hatten auf ihrer Stadtbesichtigung „Betty“ kennen gelernt, eine ältere Frau mit guten Deutschkenntnissen, die in der „Suppenküche“ der Kirche arbeitet. Als wir an der Tür klingeln und nach dem Diakon Andreas fragen, kennen die zwei Frauen (eine von den Frauen spricht etwas englisch) diesen nicht. Doch als wir nach „Betty“ fragen, nicken sie zustimmend und geben uns zu verstehen, dass „Betty“ ausgegangen ist und in zwei Stunden zurückkommt. Wir erklären ihnen, dass wir inzwischen uns die Stadt ansehen und noch einmal nachfragen werden. Gleich hinter dem Gebäude liegt an einem Flussarm der Memel ein altes Segelschiff, jetzt Restaurant. Wir beschließen dort heute zu Mittag zu essen. Just als wir alle bestellt haben, ziehen Regenwolken auf. Wir begeben uns unter Deck. Für zwei schmackhafte Essen mit Bier bezahlen wir 11 Euro. Wieder am Kai, begeben wir uns auf Besichtigungstour. Klaipeda )ist die drittgrößte Stadt von Litauen. Memel war der Geburtsort des Barockdichters Simon Dach. Dieser soll das Hochzeitslied „Ännchen von Tharau“ geschieben haben. Die Angesungene findet sich auf dem Simon-Dach Brunnen auf dem Theaterplatz verewigt. Der Theaterplatz liegt in der Altstadt, in deren engen Gassen einige historische Speicher erhalten sind. Zurück bei den Mobilen packen wir die „Beleidungsspenden“ zusammen und gehen damit ins Diakonische Zentrum. Wir haben Glück, denn gerade will man die Tür zusperren. Die ältere Dame spricht deutsch und nimmt gerne unsere Spenden an. Sie erzählt uns, dass diese kirchliche Einrichtung zweimal die Woche Bekleidung an Bedürftige und werktags zwischen 11 und 13 Uhr an ca. 40 Personen eine warme Suppe austeilt. Das die Not hier so groß ist, hätten wir nicht erwartet, denn die junge Bevölkerung ist hochmodisch gekleidet. Wir fahren noch 30 km bis Vente, einem Vogelschutzgebiet. Von dem dortigen Campingplatz kann man über das Haff auf die Kurische Nehrung schauen.



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Mittwoch, 20. Juni

Heute wollen wir die 141 an der Memel entlang bis Kaunas fahren und uns einige Schlösser an unserer Wegstrecke ansehen. Bis Smalininkai verläuft die Grenze mittig mit der Memel. Vom Deich können wir das andere Ufer, Russland, erblicken. In einem kleinen Dorfladen erstehe ich Memelkäse – und weil wir hier in der Nähe von Tilsit sind, denke ich an würzigen Tilsiter Käse. Wir probieren ihn bald und er schmeckt wie ein gewöhnlicher Butterkäse – aber gut! Ein Streckenteil geht nur durch Wald- und Wiesengelände. Mir gefällt die Landschaft ab Jurbarkas besser, denn nun fließt rechts neben uns die Memel. Die Häuser sind größtenteils aus Holz und oft heruntergekommen, nur wenige sind farbig angestrichen, mit neuen Fenstern und Türen. Selbst am Wochentag sehen wir viele Männer am Straßenrand stehen – Urlaub, arbeitslos? Die kleinen Ortschaften wirken wie ausgestorben. Auf den Feldern macht man Heu, Frauen transportieren auf Fahrrädern Milchkannen, Kühe werden auf der Wiese gemolken und im Hausgarten wird gehackt und gejätet. Es sieht so aus, wie bei uns vor 50 Jahren auf dem Dorf. Wir machen einen Abstecher zur Burg/Schloss Panemune und Raudonespilis. Beim 2. Schloss kann nur der Turm bestiegen werden und gibt Blick auf die Memel. Bei Seredzius steigen wir auf einen Aussichtspunkt und zur Kirche (leider verschlossen) hinauf. Im Ort kommen Harald und Peter mit einem jungen Mann ins Gespräch. Er arbeitet schon seit 12 Jahren in Deutschland und hat sich hier, auf dem Grundstück seiner Eltern ein Häuschen gebaut. Auf dem Gelände vom Schloss Raudondvaris (8 km vor Kaunas) übernachten wir mit Erlaubnis des Museumsdirektors. Das große Eisentor am Eingang wird nachts zugesperrt. Und nur die wenigen Personen die hier wohnen, haben mit eigenem Schlüssel Zutritt.

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Donnerstag, 21. Juni

Heute verlassen wir Litauen. Bis zur polnischen Grenze ist die Straße gut befahrbar – sie wird in nächster Zeit noch besser – EU Ausbaumaßnahmen. Unsere Strecke für heute in Polen ist folgendermaßen geplant: Sulwalki – Olecko – Gizycko – Wolfsschanze. Eine typische masurische Landschaft mit Alleen, Wiesen, blinkenden Seen, Kornfeldern (am Rand blühen Mohn und Kamille), blauer Himmel mit weißen Wölkchen, Bauerhöfe. Ab und zu einen Hinweis: Restaurant. Gerne würde ich in einen der vielen Seen springen – doch wo finden wir für 3 große Mobile einen geeigneten Parkplatz? Beim Ort Wydminy an der 592 sehen wir ein Restaurant, „Victoria“. Das Grundstück vom Restaurant liegt an einem See. Auf der großen Tankstelle, gleich gegenüber, dürfen wir für 2 Stunden parken und können dort auch gleich Gas tanken. Wir raffen schnell unsere Badesachen zusammen und ab geht’s zum See. Außer uns sind noch ein paar Jugendliche am Badesteg. Das Wasser ist angenehm warm und erfrischend. Noch beim Baden lade ich Peter auf einen kleinen Imbiss ins Restaurant ein – die anderen schließen sich an. Wir sind wieder einmal über die Preise angenehm überrascht. Peter und ich zahlen für 2 Getränke und Essen nicht einmal 7 Euro. Auf der Terrasse sitzt noch ein anderes deutsches Ehepaar. Während wir aufs Essen warten, setze ich mich zu ihnen. Sie haben 4 Wochen Urlaub an der Memel gemacht und schildern uns ihre Eindrücke – wie unsere, nur positiv! – Bis zum ehemaligen Lötzen sind es 30 km. Wir machen einen Stopp und suchen ein Cafe – Fehlanzeige. So fragen wir die Einheimischen und bestellen dann Kaffee, Eis und Waffeln und können unsere Erfrischungen draußen auf dem Boulevard genießen. Bis unsere Parkzeit abläuft, haben wir 25 Minuten Zeit, wir Frauen starten zum Einkaufsbummel. Anke geht zielstrebig in eine Boutique, dort hat sie in im Schaufenster etwas nettes gesehen. Ich habe gleichfalls in einem anderen Geschäft einen Rock gesehen. Sylvia und Peter kommen als Beratung mit. Da es nur eine Umkleidekabine gibt, machen Sylvia und ich „fliegenden Wechsel“. Zum Schluss hat jede von uns etwas passendes gefunden – und dazu noch recht preisgünstig. Jetzt wird es Zeit den Parkplatz aufzusuchen, denn wir wollen heute noch die Wolfschanze bei Ketrzyn erreichen. Die nach Kriegsende zum Großteil gesprengte Bunkerstadt war Hitlers größtes Kriegsquartier.Als wir dort ankommen haben unsere 4 Reisebegleitungen Glück, sie bekommen, jetzt um 17 Uhr, noch eine deutsche Führung – über 2 Stunden. Peter und ich machen es uns derweil vor dem Mobil bequem, denn die Wolfsschanze haben wir uns bereits schon zweimal angesehen

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Freitag, 22. Juni

Heute ist Frühstück vor den Mobilen nicht möglich, denn es regnet. So sind wir alle zeitiger fertig. Gut so, denn um 9.30 Uhr beginnt in Swiefa Lipka (Heiligelinde) ein kleines Orgelkonzert. Diese prunkvolle Kirche des Spätbarocks versetzt die zahlreichen Besucher in Staunen. Beim Orgelkonzert drehen sich Glockenräder, Figuren geraten in Bewegung. Der Pfarrer hält eine kleine Andacht (polnisch/deutsch) und stimmt dann ein Kirchenlied in deutscher Sprache an. In seiner Abschlussrede bittet er um Spenden für die Renovierung. So, erzählt man sich, kommen mehr Gelder zusammen, als wenn Eintritt verlangt werden würde. Zuletzt haben wir diese Kirche vor 10 Jahren besucht – inzwischen ist der Innenraum komplett renoviert. Alles erstrahlt in wundervollen Farben und das Licht bricht sich in den vielen Vergoldungen. Ohne nennenswerten Stopp geht es jetzt durch die Landschaft Masurens nach Torun (Thorn). Die Stadt wurde Anfang des 13. Jh. gegründet und 1997 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt, denn mit seinen Bürgerhäusern, Kirchen und dem Rathaus gehört diese Stadt zu den besten erhaltenen mittelalterlichen Städten Nordeuropas. Mit einem kleinen Boot kann man für 3 Zlotty pro Person (unweit vom Campingplatz) sich direkt vor die Tore der Altstadt absetzen lassen. Diese Stadt verzaubert uns mit den vielen schönen alten Bauten. Im einheimischen Restaurant, Oberzha - Ul Rabiusanska 9, essen wir gut und preiswert. Im stilvoll restaurierten Artushof genießen wir den Nachtisch. Viel zu schnell vergeht die Zeit und es ist fast dunkel, als wir zu Fuß wieder beim Campingplatz auf der anderen Seite der Weichsel ankommen. Am Platz brennen mehrere Lagerfeuer. Junge Polen genießen den warmen Sommerabend feuchtfröhlich. Ein Feuerwerk in Torun –von hier sehr gut zu beobachten- ist ein wunderbarer Tagesabschluss. Noch nie so deutlich bemerkt wie hier: Lindenblütenduft in der Luft – da möchte man tausend Nasen haben!

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Samstag, 23. Juni

Heute erwartet uns eine längere Strecke – es regnet schon seit den frühen Morgenstunden. Bald verziehen sich die Regenwolken und die Landschaft ist besser zu erkennen: kleine hügelige Erhebungen, Getreidefelder soweit das Auge reicht. Wir sind jetzt in Pommern, der ehemaligen Kornkammer von Deutschland. Seen, kleine Dörfer mit großen Kirchen. Ab Bromberg ist uns die Wegstrecke von der Hinfahrt vertraut. Da wir durch Deutschland die A 20 nehmen und abends auf einen Stellplatz in Neubrandenburg übernachten wollen, müssen wir durch Stettin und berühren auch die Altstadt. Ich lese nach und ein Bummel wäre schon angebracht, doch das Problem ist immer: wo finden wir drei große Parkplätze? Kurz vor der deutschen Grenze gibt es einen großen „Polenmarkt“. Wir schweifen für ein Stündchen - jeder für sich – zum Einkaufen aus. Schwer bepackt kehren wir mit: Brot, Erdbeeren, Spargel, Wurst und einigen Bekleidungsstücken zu den Mobilen zurück. Wieder zurück in Deutschland beginnt bald die Autobahn, die uns nach Neubrandenburg führt. Übernachtung am Jachthafen.



Sonntag, 24.Juni

Letzter Tag, ein letztes Bad mit Anke im Tollensesee. Frühstück draußen. Die A 20 lässt uns fast schwerelos nach Hause schweben. Regen und Sonnenschein wechseln sich ab, mit 17° C Außentemperatur fast ein wenig zu kalt. Was uns alle wohl nach 29 Tagen Abwesenheit zu Hause erwartet?



Meine schönsten Eindrücke dieser Baltikum-Reise:

Fast unberührte Landschafen - historische Altstädte - überall Sommer mit bunten Blumenwiesen - blinkende blaue Seen, die mit ihren angenehmen Temperaturen zum Baden einladen - Lindenblütenduft - das Baltikmeer, mit seinen unendlichen Sandstränden - würzige Seeluft – Meeresrauschen – Steinstrände, aber niemals Bernstein gefunden .- farbige Holzhäuser, mal ärmlich und mal herausgeputzt - wenn Begegnungen mit der Bevölkerung, dann hilfsbereit und außerordentlich nett – außerhalb von Touristenansammlungen essen und trinken sehr preiswert - wir fühlten uns nie bedroht (das mit meinem Handy war grob fahrlässig von mir und hätte auch in Hamburg passieren können) Manchmal wäre ich gerne irgendwo ein paar Tage länger geblieben. Mein Wahlspruch: Hier könnt ihr mich in einer Woche abholen! Wir sind auf überwiegend guten Straßen 5300 Kilometer gefahren, davon in Deutschland 700, Polen 1600 und 3000 haben wir für die Rundreise durchs Baltikum benötigt.
Übernachtungen auf Campingplätzen (8 bis 10 €, in Städten teuerer (z.B. Tallin 20 €, viele Stellplätze abseits möglich (ohne Bezahlung)
Kraftstoff (Diesel) mit umgerechnet 80 Cent, deutlich preiswerter als hier.



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