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Sizilien - 2007-3

Sizilien im Herbst 2007

Tagebuchnotizen Monika Ambos................ Bilder Peter Ambos.





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25.09. bis 30.09.

Anreise über Besuche in Hanau, kulinarischem Herbst in Bad Windsheim (Köche von sechs Restaurants aus Bad Windsheim zeigten ihr ganzes können, -einsame Spitze), Reparatur vom Heki in Schlüsselfeld und Besuch unserer Tochter am Wochenende in Zürich.



Montag, 1. Oktober

Als wir am späten Nachmittag bei Sonnenschein den Fährhafen von Genua erreichen, müssen wir uns erst einmal um die Tickets bemühen. Zwar hatten wir schon in Deutschland die Preise studiert, waren aber sehr zuversichtlich sie hier etwas preiswerter zu erhalten. Wir schlucken, als uns die Dame im Kassenhäuschen den Preis nennt: 630 €, wir hatten 530 € errechnet. Teurer bei Spontanbuchern? Wir überschlagen die Preise für 1500 Kilometer Landreise: Kraftstoff – Maut – Camping – Fähre Messina und mindestens 3 Tage Anreise (wir wollen reisen nicht rasen). So bleibt nur noch eine Differenz von etwa 100 €. Wir bezahlen die Tickets: Doppelbettzimmer außen 254 €, Fahrzeug 8m Länge 280 € und Tax 96 €. Diese Gebühren (Kleingedrucktes auf dem Prospekt) hatten wir total übersehen. Unsere Fähre, die La Suprema, startet um 22 Uhr, einchecken ab 20 Uhr. So bleibt uns noch Zeit ein Abendessen einzunehmen und die Taschen für die Überfahrt zu packen. Am Hafen weht ein kühler Wind. Wir schauen beim Beladen zu: zuerst die Aufleger der LKWs, später die PKWs und dann, wie sollte es auch anders sein: ein Stoßstange an Stoßstange Gewühl bis zur Schiffsrampe. Beifahrer werden aufgefordert zu Fuß das Schiff zu betreten. Peter und das Mobil verschwinden im großen Laderaum - abwärts. Ich erwarte ihn vor den Fahrstühlen, unsere Kabine befindet sich im 8. Stock (über dem 10. ist nur noch der Himmel). Die Kabinenausstattung ist optimal und wir beschließen gleich einen Rundgang zu unternehmen. Die Restaurants haben geöffnet und so können wir im SB-Restaurant die Preise studieren. Ein Blick auf das Kassendisplay sagt alles: kein Essen mit Getränken unter 25 €. Wir beschließen nochmals das Auto in der Garage aufzusuchen und einen kleinen Imbiss für den morgigen Mittag einzupacken. Mit etwas Verspätung läuft die Fähre aus. Vom großen Fenster der Kabine lassen wir Genua bei Nacht an uns vorbei gleiten. Die Nacht ist relativ ruhig – das Meer und die Passagiere.

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Dienstag, 2. Oktober

Sonnenschein weckt uns. Wir genießen die warme Dusche mit reichlich Wasser. Dann geht es in den Frühstücksraum. Es gibt kein Frühstücksbüfett – sondern eine Auswahl an Speisen mit Tablett am Tresen. Bis wir an der Zahlstelle ankommen, ist der Kaffee nur noch lauwarm. Die Brötchen sind ein Witz, nicht größer als Partybrötchen. In der Bar trinken wir (ohne Wartezeit) noch schnell einen Cappuccino aus einem Pappbecher. Dabei hätte der Kassierer genügend Zeit den Abwasch so nebenbei zu erledigen. Doch wir sind nicht in Deutschland, wir sind in Italien und da ist alles ein wenig anders. Auf dem Sonnendeck (Deck 9) lässt es ich wunderbar in der warmen Sonne aushalten. Nur die Berechnung der Stühle geht nicht auf. Ich schätze, dass auf 100 Fahrgäste 2 Stühle kommen. Mittags verziehen wir uns zur Siesta in die Kabine. Bis 16.15 Uhr sollen die Kabinen geräumt sein, Einlaufen der Fähre im Hafen von Palermo ca. 18 Uhr. Den weiteren Nachmittag verbringen wir an Deck. Bald sehen wir „linker Hand“ eine bewohnte Insel. Wer lebt hier und von was? Die Passagiere werden bis zur Ausschiffung in verschiedenen Salons zum Warten aufgefordert. So haben wir Zeit die unterschiedlichsten Reisenden zu beobachten. Pauschaltouristen mit dem Bus in 10 Tagen durch Sizilien ? – Familien mit Kleinkindern. Die Mütter schnattern, die Väter spielen mit ihren Handys – nur um die Kinder kümmert sich niemand. Ist das die neue Armut der mangelnden Geborgenheit und Aufmerksamkeit - keine Spiele, kein Vorlesen??? Dann endlich kann mit der Ausschiffung begonnen werden. Italien scheint da seine eigenen Regeln zu haben: zuerst die Fußgänger, Busreisende und erst dann die Autofahrer. Wir haben am Fahrstuhl eine Familie aus der Schweiz getroffen, sie ist auf Stellplatzsuche. Den Reiseführer haben sie im Reisemobil vergessen, so nennen wir ihnen unseren Stellplatz für die Nacht. Im Hafen stehen sie mit ihrem Mobil (ein Ehepaar mit 2 Kindern und einem großen Hund) hinter uns und fragen uns ob sie sich uns spontan anschließen dürfen - sie dürfen. Der Straßenverkehr ist irre: alle fahren kreuz und quer, dazwischen die vielen Motorroller (die scheinen überhaupt keine Regeln zu kennen – kommen uns als Geisterfahrer entgegen). Doch unser Navi führt uns fast problemlos zum Stellplatz auf dem Gelände eines Omnibusbahnhofs. Zuerst müssen wir die Übernachtungsgebühr bezahlen (18 €, das beinhaltet Ver- und Entsorgung und zwei Tageskarten für die Buslinien der Stadt) und dürfen dann auf den eingezäunten Platz fahren. Abends um 22 Uhr haben wir noch eine Außentemperatur von 24 Grad.

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Mittwoch, 3. Oktober

Mit unseren Gratisfahrkarten steigen wir schon gegen 9 Uhr in den Bus 102 Richtung Innenstadt. Vorher haben wir der Familie aus der Schweiz noch einen weiteren Stellplatztipp mit auf den Weg gegeben. An der Oper (mit 1300 Sitzplätzen drittgrößte Oper Europas, nach Wien und Paris) steigen wir aus dem Bus. Nur wenige Schritte sind es bis zum Piazza Quattro Canti. Hauptmerkmal: An den 4 Eckgebäuden zum Platz stehen von oben nach unten jeweils die Figuren einer Stadtheiligen, eines spanischen Königs und die Symbolfigur einer Jahreszeit. Auf dem Weg zum Palazzo reale o dei Normanni werfen wir einen Blick in die Kirche San Guiseppe die Teatini. Diese Kirche hat auffallend schöne Deckengemälde. Die Kapelle Cappella Palatina im Normanni Palazzo ist zweifellos das schönste Schmuckkästchen Palermos. Leider ist wegen Renovierung nur ein geringer Teil der märchenhaften Pracht (Goldmosaiken) zu sehen. Der Normanni Palast ist gleichzeitig Regierungsgebäude und heute am Mittwoch nicht zu besichtigen. Weiterhin konnten wir San Giovanni degli Eremiti und Chiesa del Gesu nicht besichtigen (Renovierung). Die große Cattedrale kostet keinen Eintritt und im Inneren recht schlicht gehalten. Von außen wirkt sie sehr gewaltig. In der Nähe der Kathedrale entdecken wir in einem schönen Innenhof eine Töpferei. In der Werkstatt werden naturgetreue Krippenfiguren hergestellt und nach dem Brennen bemalt und mit Stoff bekleidet. Wir können nur staunen, welche talentierten Künstler hier in der Werkstatt am Werk sind. Danach kommen wir zu einem weiteren Prunkstück von Palermo, dem Brunnen Fontana Pretoria. Er hat einen Umfang von 130 m und war ursprünglich für Florenz bestimmt, doch die lehnten ab. Seit 1574 steht nun der mit vielen übergroßen Marmorfiguren geschmückte Brunnen auf diesem Platz und wurde im Volksmund „Platz der Schande“ genannt. Nachdem wiederholt „edle Körperteile“ abgeschlagen wurden, hat man um den Brunnen einen Gitterzaun errichtet. Unsere zahlreichen Besichtigungen unterbrechen wir, indem wir wiederholt in einem Straßencafe, einem Schnellimbiss, oder einer Trattoria einkehren. Die Preise überraschen uns angenehm. Das Museo ArcheologicaRegionale mit seinen hochinteressanten Sammlungen macht von 13 bis 15 Uhr Mittagspause, so müssen wir uns mit der Besichtigung beeilen. Auch der Mercato Vucciria wirkt, außer ein paar Fischständen, recht überschaubar. Die kleinen Seitenstraßen Richtung Hafen sind malerisch, nur der Straßenverkehr ist ein wenig verrückt – selbst Einheimische fahren in Einbahnstraßen in verkehrte Richtungen. Manchmal passt ein Auto zwischen in zweier Reihen geparkten Fahrzeugen so mal eben durch. Roller scheinen hier das Fortbewegungsmittel schlechthin zu sein. Am Zentralbahnhof nehmen wir, mit einmal umsteigen, den Bus zum Monte Pellegrino (610 m hoch). In 430 m Höhe liegt das Heiligtum der Santa Rosalia, eine 25 m tiefe Grotte hinter einem Barockeingang. Rosalia ist in der Grotte als Einsiedlerin gestorben. Der Legende nach ist sie anderen Einsiedlerin erschienen und hat ihnen den Weg hierher gewiesen. Man brachte ihre Gebeine nach Palermo, worauf die Pest, die gerade in der Stadt wütete, gebannt war. Seither liegen ihre sterblichen Überreste in der Kathedrale von Palermo begraben. Der Kleinbus der Linie 812 bringt uns im mörderischen Tempo in 20 Minuten zur Grotte. Vor jeder Kehre hupt der Fahrer mehrmals verrückt - typisch Italien!!! Auf dieser Serpentinenstrasse hat man immer wieder ein grandioses Panorama vor Augen. Oben angekommen, erwartet uns nicht nur die Grotte, sondern auch eine größere Anzahl von Souvenirständen mit allerhand Kitsch. Die Besichtigung der Grotte reicht gerade aus, um dann den gleichen Bus für die Rücktour zu nehmen. Am Piazza Castelnuovo steigen wir um in die Linie zum Stellplatz. Wir können noch lange bei sommerlichen Temperaturen vor dem Mobil sitzen. Leider liegt der Stellplatz an recht stark befahrenen Strassen. Auch scheint der Busparkplatz am Abend Verkehrsübungsplatz zu sein. Bin ich froh, wenn wir morgen Mittag weiterfahren!!!
Palermo: laut – chaotischer Verkehr – Baugerüste allerorts


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Donnerstag, 4. Oktober

War das eine laute Nacht! Peter kennt des Rätsels Lösung: Müllumschlagplatz. Ab 2 Uhr morgens bringen kleine Müllwagen (wegen der Enge der Strassen) den Müll hierher, um ihnin die großen Müllwagen umzuladen. Durch den nächtlichen Lärm kommen wir erst spät „in die Hufe“, 9.30 Uhr nehmen wir den Bus Richtung Centrum. Mit unserer Bustageskarte können wir den 389er Richtung Monreale nehmen. Die Straßen sind, wie bislang fast alle Straßen von Palermo, von parkenden Autos fast zugeparkt. Wir sind heilfroh, dass wir nicht mit unserem Mobil (8.90 m lang und 2,35 m breit) die Anreise gewagt haben. In knapp 30 Minuten bringt uns der Bus bis fast zum Dom. Normannenkönig Wilhelm II (Wilhelm der Gute) ließ die mächtige Kathedrale im 12. Jh. in nur wenigen Jahren erbauen. Der Anlass soll eine Marienerscheinung gewesen sein, die ihm das Versteck eines Schatzes seines Vaters (Wilhelm der Böse) zeigte – mit der Bitte, das Vermögen für gottesfürchtige Zwecke auszugeben. Gelungen – der Dom ist die größte Kirche Siziliens. Das Kircheninnere ist beeindruckend. Die dreischiffige Kirche ist über und über mit goldglänzenden Mosaikbildern (gesamt über 6000 qm) ausgestattet. Gedacht war die Bilderpracht als eine Art Bibel in Comic-Form, verständlich auch für das „einfache Volk“. Mit einem Opernglas lassen sich die biblischen Bilder noch besser erkennen, besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke: Verwunderung – Furcht – Trauer. Selbst ohne Führung könnte man fürs Anschauen Stunden verbringen. Gleich neben dem Dom gibt es noch Sehenswürdigkeit, den weltberühmten Kreuzgang. An den vier etwa 50 m langen Gängen sind die steinernen Säulen die größte Attraktion. Sie sind übersät mit filigranen Mustern und Figuren. Kein Säulenpaar gleicht dem anderen. Mit dem Bus geht es zurück nach Palermo, an der Piazza Indipendenza müssen wir nicht lange auf den Anschlussbus zum Stellplatz warten. Wir versorgen das Mobil mit Frischwasser und machen uns dann auf den Weg nach Porticello, dort soll es einen kostenlosen Stellplatz direkt am Meer geben. Bis Bagheria nehmen wir die A 19, kämpfen uns dann mit dem Navi durch den Ort (verdammt enge Gassen) und biegen auf die SS 113 nach Santa Flavia ab. Nicht weniger eng sind die Straßen in Porticello für Mobile unserer Größenordnung. Wie kommen wir ans Meer – Come arrivo a mare? Ein freundlicher Mann, mit Obststand an der Straße, versucht per Handzeichen uns den Weg zu erklären. Wir müssen erst einmal eine Wendemöglichkeit finden. Als wir ein 2. Mal „recht dumm“ vorbeikommen, schickt er kurzerhand seine Frau mit PKW als Fremdenführerin voraus. Mille grazie – tausend Dank! Wo gibt es so etwas bei uns in Deutschland? Wir stehen am Meer und nutzen dieses für eine kleine Abkühlung – herrlich! Dieser Stellplatz scheint am Abend der Aufenthaltsort aller Einheimischen zu sein. Wir kommen uns fast vor wie auf einem Präsentierteller. Doch nachdem wir um Mitternacht unseren PC (Reiseberichte). ausschalten, ist auch draußen Ruhe eingekehrt. Das Meer wirft kleine Wellen auf den Kiesstrand, beleuchtete Fischerboote tuckern leise in der Bucht – fehlt nur noch leise italienische Musik und Rotwein.

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Freitag, 5. Oktober

Wir blicken aus dem Alkovenfenster, morgens um 7 Uhr steigt die Sonne aus dem Meer empor. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand stehen wir an der Brüstung zum Meer, es ist fast zu schön um Aufzubrechen. Enna, unser heutiges Ziel, liegt 931m hoch und hatte im Altertum eine äußerst wichtige strategische Bedeutung. Wir nehmen die Anfahrtsbeschreibung aus unserem Reiseführer und gelangen so, ohne Probleme, auf den Parkplatz am Castello. Dort erklimmen wir den Torre Pisana. Das Panorama ist unvergleichlich schön, in der Ferne können wir sogar den Etna sehen. Wir spazieren leicht bergab die Via Lombarga und Via Roma hinunter in die Stadt. Der Dom, Chiesa Madre, wurde nach einem Großbrand 1446 in 200 Jahren neu aufgebaut, eine Besichtigung ist lohnenswert. Wir schlendern noch ein wenig durch das alte Enna und fahren dann zu den Mosaiken von Villa Romana del Casale. Wir passieren die Stadt Piazza Amerina und erreichen wenige Kilometer außerhalb des Ortes die Ausgrabungsstätten. Ein großer Parkplatz befindet sich unmittelbar am Eingang. Bei der Villa Casale handelt es sich um kein prächtiges Gebäude, sondern um die Überreste eines luxuriösen Wohnhauses um 330 n. Chr. erbaut. Erst vor 50 Jahren wurden phantastische Mosaikböden freigelegt. Von Emporen kann man die Überreste anschauen – Restaurateure sind immer noch am arbeiten. Leider sind dadurch viele Motive abgedeckt. Man rätselt noch heute, wer sich damals diese Villa erbaute. War es ein Großwildjäger, der seltene gefährliche Tiere von Afrika nach Rom importierte? Um die Mittagszeit ist diese „Unterglasausstellung“ nicht anzuraten. Uns steht jetzt der Sinn nach Entspannung. Wir folgen dem Hinweis zum Campingplatz: Coop. Agricasale Agriturismo (einem lachenden Fuchs) und landen nach 15 Kilometern in der „Walachei“. Als wir auf dem großen Bauernhof eintreffen, stehen hier bereits zwei Reisemobile von Kuga-Tours, man erwartet noch 10 weitere Mobile. Für den heutigen Abend buche ich für uns 2 Abendessen (20 Euro pro Person incl. Wein). Nach und nach treffen die restlichen Fahrzeuge ein. Die Stimmung in der Gruppe ist gut. Wie wir erfahren, bekommt jedes Fahrzeug morgens bei Abfahrt die Unterlagen für den ganzen Tag und gestaltet dann die Fahrt individuell. Um 19.30 Uhr ist das Abendessen angesagt. Wir bekommen ein separates Tischchen abseits der Gruppe und kommen so mit den anderen Gästen nicht ins Gespräch. Neben dem Gedeck sind Wein, Wasser und Brot schon aufgetischt. Dann bringt die Bedienung flott 12 verschiedene Vorspeisen. Wir haben Mühe alles zu probieren. 2. Gang: Nudeln nach zweierlei Art. 3. Gang: geschmortes Lamm und Rosmarinbraten mit grünem Salat. 4. Gang: Fruchtdessert mit Gebäck und zum Abschluss einen Limonenschnaps. Als wir nach diesem schönen Essen den Raum verlassen, sitzt vor dem Lokal der Reiseleiter mit einem Teilnehmer. Wir tauschen Erfahrungen über Gruppenreisen und Einzelreisende aus – und diskutieren über die Vor- und Nachteile.

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Samstag, 6. Oktober

Es ist noch dunkel, als uns Hahnengeschrei weckt. Die Hähne lassen nicht locker – krähen bis 7 Uhr. Dann wird es Zeit zum Aufstehen. Leider kalte Duschen – so dusche ich nochmals im Mobil. Haarwäsche mit kaltem Wasser ist nicht so ganz mein Fall. Gegen 8.30 Uhr verabschiedet sich die Gruppe, sie wollen heute die Mosaiken in der Villa Romana besichtigen und dann weiter ans Meer. Wir nehmen den Weg zurück Richtung Enna. Fahren über schmale Landstrassen bis Leonforte und dann auf der 117 bis Nicosia. Das Gebirge (1000 m) rundherum ist sehr fruchtbar. Wir sehen riesige abgeerntete Weizenfelder, Obstplantagen und Olivenbäume. Bauern sind dabei den Boden für den nahen Winter vorzubereiten. Die größeren Städte haben zum Teil schon eine Umgehungsstrasse. In den kleinen Städten nehmen wir die Hauptstrasse, das scheint uns der „sicherste“ Weg zu sein. Nach Nicosia nehmen wir die 120 Richtung Randazzo. Der Ort Cerami hat seine Häuser bis an den Berghang gebaut. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen bergauf und bergab. Der Blick auf die schöne Landschaft entschädigt und immer haben wir den Etna, den die Sizilianer „Montebello“ nennen, vor Augen. In Languaglossa stärken wir uns mit einem kleinen Kaffee und leckeren Keksen und nehmen dann die Nebenstrecke, vorbei an Weinbergen, Eßkastanienwäldern und kleinen Ausflugslokalen nach Zafferana Etnea. Von hier führt eine Serpentinenstrasse zum Parkplatz Rifugio Sapienza. Der Parkplatz ist ganzjährig geöffnet und Reisemobile dürfen dort auch übernachten. Links und rechts vom Weg sehen wir schon gewaltige Anhäufungen von Lavasteinen – von grau bis schwarz, je nach dem wann diese Steine vom Etna „ausgespuckt“ wurden. Die Natur braucht 200 Jahre um Lavasteine in fruchtbaren Boden zu verwandeln. Oben auf dem Parkplatz empfängt uns am Spätnachmittag ein eisiger Wind. Heute können wir nicht mehr mit Seilbahn und Jeeps auf den Etna, denn um 17 Uhr fuhr die letzte Bahn. So machen wir zu Fuß einen kleinen Abstecher zum nahen Krater Silvantino. Es sollen die Nebenkrater sein, die „Feuer“ spucken.

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Sonntag, 7. Oktober

Der Wind nimmt nachts gewaltig zu. Die ital. Reisemobile stehen dicht beieinander. Wir stehen abseits und bekommen den Wind in voller Breite. Das Wetter war seit unserer Ankunft auf Sizilien bislang immer schön, jetzt das erste Mal Regen. Es ist schon dunkel und wir liegen im Bett, als ich durch ein dumpfes Grollen und Rollen geweckt werde. Grad so wie bei einem entfernten Feuerwerk. Ich öffne die Rollos, doch sehen kann ich nur das Lichtermeer von Catania. Was ist jetzt los? Bricht der Etna aus? Peter mag ich nicht weckener schläft sanft. So rolle ich mich auf die andere Seite und versuche auch zu schlafen. Bald trommelt starker Regen auf das Dach und der Wind nimmt Orkanstärke an, wenig später haben wir Gewitter mit heftigem Donner und grellen Blitzen. So geht es bis zum Tagesanbruch. Völlig zerschlagen sitze ich am Frühstückstisch und wir beratschlagen den heutigen Tag. Wird bei starkem Wind (der Regen hat aufgehört), die Seilbahn fahren? Der Gipfel vom Etna ist im Nebel eingehüllt. Doch dann, gegen 9 Uhr, macht sich eine Bergsteigergruppe mit Führer zu Fuß auf den Weg. Nun ziehen auch wir unsere Wanderbekleidung an und gehen zur Seilbahnstation. Dort heißt es: heute nur mit Jeeps (wegen der Wetterbedingungen) bis zur Bergstation Montagnola. Der Kraterrand kann nicht besichtigt werden. Dann heißt es wieder: die Seilbahn fährt doch, die Jeeps aber fahren oben nicht. Wir lassen uns überraschen. Mit einer Gondel (6 Personen) werden wir auf 2504 m Höhe gebracht. Von den Gondeln haben wir schon einen hervorragenden Blick auf das Lavafeld unter uns – so gewaltig hatte ich es mir nicht vorgestellt! Vom Endpunkt der Seilbahn gehen wir, und mit uns einige andere Touristen, ein Stück Richtung Gipfel. Doch schon bald kehren wir um – der Gipfel ist immer noch im Nebel – die Schilder ermahnen in einigen Sprachen: Touren nicht ohne Führer zu unternehmen! Die Seilbahn bringt uns sicher zum Stellplatz – von oben beobachten wir eine Autocaravane die Serpentinen zum Rifugio fahren. Wie sich später beim näheren Betrachten herausstellt, sind es alles Fiats 500 (älteres Baujahr) die heute ein Etna Treffen veranstalten. Ob so ein kleiner 500 in unsere Parkgarage ohne weiteres hereinpasst? Den Weg vom Parkplatz fahren wir weiter Richtung Nicolosi. An vielen Stellen bergab gibt es Parkmöglichkeiten, um die Aussicht auf die Lavafelder zu betrachten. Wir beschließen einen Stopp in Catania zu machen. Heute am Sonntag ist die Aussicht auf einen Parkplatz sicherlich gegeben. Und so finden wir auch einen in der Nähe vom Bahnhof. Mit unserem Reiseführer machen wir uns auf den Weg, die recht nah beieinander liegenden Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Am Platz Duomo steht eine kleine „Bimmelbahn“ und für 5 Euro pro Person fährt sie uns in der Mittagshitze an den sehenswerten Gebäuden ohne Anstrengung vorbei. Erklärungen bekommen wir auf ital. und engl. Der Dom öffnet erst um 16 Uhr, das ist in über 1 1/2 Stunden. Doch selbst nach einem Kaffee müssen wir immer noch ½ Stunde überbrücken und entscheiden den Dom uns bei einem Wiederholungsbesuch anzusehen. Wir fahren zum Campingplatz Baia del Silenzio am Cap Compolato. In der Nachsaison 18 Euro pro Tag incl. Strom und warme Duschen. Hier am Platz gibt es viele Dauercamper unter schattigen Überdachungen, für Reisemobile ist ein sonniger Extraplatz am Meer eingerichtet. Das Ufer ist felsig und über angelegte Stege und Leitern kann man zum Baden ins Wasser gelangen. Als wir am Stellplatz eintreffen, steht dort schon ein PhoeniX-Mobil aus Hamburg. Wir kommen sofort ins Gespräch und tauschen unsere Erfahrungen aus. Es stellt sich heraus dass wir seinen Bruder und Schwägerin (Heinz und Mimi) kennen, ebenfalls PhoeniX- Fahrer aus Hamburg. Dann richten wir es uns „häuslich“ ein. Von unserem Platz sehen wir aufs Meer, in der Ferne Catania und den Etna. Vielleicht sollten wir uns und unserem Mobil ein paar Ruhetage gönnen und die Umgebung und anderes mit dem Roller erkundigen.

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Montag, 8. Oktober

Ruhetag: Tagebuch schreiben, sonnen, klönen mit den anderen Reisemobilfahrern, Spaziergang in den kleinen Ort Brucoli. Abends kommen Rotel-Tours. Oh, die auch hier? Aber, wo die hin fahren ist es immer topp.

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Dienstag, 9. Oktober

Mit dem Roller geht es zum Einkaufen nach Augusta. Wir landen direkt in der Altstadt – doch Supermärkte haben wir bislang keinen entdeckt. So kaufen wir auf dem Markt frische Ware ein: Salate, Obst und Fisch. Im Alimentari: Joghurt und Milch. Schwer beladen geht es zum Mobil zurück. Am frühen Nachmittag nehmen wir den Roller und fahren über den Cocouzzi Ogliastri (416 m) nach Sortino und Ferla. Wir umfahren eine gewaltige Schlucht mit grandiosen Ausblicken. Am Ende der Schlucht befindet sich die Necropoli di Pantalica, mit ihren über 3000 Jahre alten Felsengräbern (über 5000 Stück). Vom kleinen Wanderparkplatz (für PKWs) steigen wir hinab ins Flusstal. Von verschiedenen Aussichtspunkten sind nur noch die Grabhöhlen zu sehen. Auf dem gleichen Weg geht es zurück durchs Gebirge. Peter fröstelt es in seiner Weste und kurzärmligen Hemd, und ich leide unter den vielen Schlaglöchern der Straße. Am Platz empfängt man uns mit Kaffee. – Für heute ist mein Hunger an Rollerfahren gestillt – das war doch etwas zu lang! Am Müllcontainer am Platz schart sich der Katzennachwuchs. Wir können sie kaum zählen und schätzen so 10 bis 14 junge Kätzchen. Wer mag für sie sorgen, wenn die Touristen nichts mehr in die Mülleimer werfen?

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Mittwoch, 10. Oktober

Wir holen uns von anderen Wohnmobilfahrern Tipps über Stellplätze für unsere weitere Route. Sie meinen wir werden noch häufig einsam stehen, da viele Stell- und Campingplätze bereits geschlossen haben. Heute ist mit dem Roller Siracusa auf dem Programm. Siracusa (Syrakus) die bedeutendste Stadt des antiken Sizilien, konzentriert sich für die Touristen fast ausschließlich auf Ortygia, die durch einen Damm mit dem Festland verbundene vorgelagerte Insel: enge Gassen, malerische Plätze, alte Kirchen und Palazzi und dazwischen immer wieder Spuren aus griechischer Zeit. Wir parken am Hafen. Unsere Besichtigung führt uns auf die Insel Ortygia. Wir schlendern durch die Gassen und kommen zum Piazza Duomu. Der Duomu hat eine Barockfassade nach römischen Vorbildern. Früher stand an dieser Stelle, als Erinnerung an eine siegreiche Schlacht, der Tempel der Athena. Im 6. Jh. n. Chr. wurde er, unter Verwendung der dorischen Säulen, in eine dreischiffige Basilika umgewandelt. Ein beliebter Weg ist die Flaniermeile Forto Italico. Auf diesem Weg kommt man an der Süßwasserquelle: Fonte Aretusa vorbei. Wie immer ist auch diese Quelle von griech. Sagen umwoben. In einem der zahlreichen Cafes stärken wir uns mit einem Kaffee Lungi und auf dem Weg zum Roller kommen wir über den Wochenmarkt, überrascht sind wir über die Vielfalt der frischen Fische. Wir kommen in die Neustadt, Neapoli. Denn schon bald erwies sich im Altertum die Insel Ortygia als zu klein für die rasch anwachsende antike Stadt. So entstanden auf dem Festland neue Viertel. In Neapoli liegt der Parco Archeologio, das umfangreiche Grabungsgelände von Syrakus mit Monumenten aus griech. und röm. Zeit. Dort schauen wir uns das im 5. Jh. v. Chr. erbaute Teatro Greco an. Tausende von Sklaven schlugen den gigantischen Zuschauerraum mit seinen 61 Sitzreihen aus hartem Fels. Es entstand das größte Theater der griech. Welt mit einem Durchmesser von 138 m für 15000 Zuschauer. In röm. Zeit wurde das Theater umgestaltet. Jeden Sommer aber wird das Theater belebt, wenn die Spettacoli Classici aufgeführt werden. Das Baumaterial für Theater und die anderen Bauten des Grabungsgeländes kam aus den nahe gelegenen Steinbrüchen, heute unter dem Namen Latomia del Paradiso. Inmitten einer blühenden Parklandschaft erinnert nicht mehr daran, dass hier einst, nach der Niederlage der Athener 413 v. Chr. Tausende von Kriegsgefangenen unter unmenschlichen Bedingungen Steine klopfen mussten. Sehenswert ist das Orecchiodo Dionisio (Ohr das Dionysios). Es überrascht durch seine unglaubliche Akustik. Gleich in der Nähe befinden sich auch das Anfiteatro Romano und die Ara di Ierone II. Wir verzichten auf die Besichtigung des Archeol. Museums (waren bereits dort in Palermo) und marschieren zur Kirche Santuario della Madonna delle Lacrime. In diesem Gebäude, wie ein überdimensionales Zelt wirkend (über 80m hoch), befindet sich das Heiligtum der weinenden Madonna. Sie soll schon viele Wunderheilungen vollbracht haben. Uns aber geht es im Moment gut, so setzen wir unseren Weg fort. Für heute haben wir genug gesehen. Mit leckerem Mandelgebäck in der Tasche brausen wir in 45 Min. zurück zum Campingplatz. Abends grillen wir Doraden frisch vom Markt und sitzen dann in gemütlicher Runde mit netten Reisemobilfahrern (Brigitte und Ägidius) bei einem Gläschen Wein und tauschen Erfahrungen aus.

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Donnerstag 11. Oktober

Ein Tag mal nur zum Faullenzen und einfach nichts tun. Wir baden bei 24 Grad Wassertemperatur, leider gibt es ein paar Quallen und der Kontakt mit ihnen ist nicht so angenehm. Am Abend treffen noch Freunde aus unserem Glinder Wohnmobilstammtisch ein (Ulla und Horst). Die Freude des Wiedersehens ist groß und gemeinsam mit Brigitte und Ägidius machen wir uns einen schönen Abend mit Grappa und Rotwein.

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Freitag 12. Oktober

Wir haben beschlossen noch einen Tag gemeinsam mit Ulla und Horst hier zu verbringen. Heute ist es ein wenig bedeckt, aber wir wollen nicht meckern, denn bis jetzt hat es der Wettergott sehr gut mit uns gemeint. Am Vormittag habe ich Muffins gebacken und am Nachmittag laden wir Ulla und Horst zu Kaffee und Kuchen ein. Wir lassen sie uns schmecken und zu viert unternehmen wir einen Spaziergang nach Brucoli - sogar Eddi (ihr Dackel) schafft die Strecke. Im Ort hat ein ortsansässiger Künstler viele Hausfassaden mit schönen Landschaftsbildern verziert. Als wir um 19 Uhr den Platz wieder erreichen, ist es bereits dunkel. Abends fällt unser gemeinsames Beisammen sitzen „ ins Wasser“, dem Hund geht es nicht gut.

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Sonnabend 13. Oktober

Zusammenpacken – ver/entsorgen – bezahlen und tschüss – Ein großer Supermarkt befindet sich am Ortseingang von Augusta. Mit gefülltem Kühlschrank (reicht bestimmt für 5 Tage) ist Noto unser nächstes Ziel. Wir parken ca. 2 Kilometer außerhalb vom Zentrum. Noto ist eine beeindruckende Barockstadt und wurde mit 8 weiteren Städten 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Geschichte: Im Januar 1693 erschütterte ein Erdbeben den Osten Siziliens und zerstörte auch das alte Noto. Der Reichtum von Noto ermöglichte einen relativ raschen Neubau der Stadt – 15 Km südöstlich der alten Ansiedlung. So wurde auf dem Reißbrett eine prächtige Barockstadt mit großzügigen Plätzen, zahlreichen Kirchen, Klöstern und Palästen entworfen und innerhalb weniger Jahrzehnte verwirklicht. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten Notos liegen zwischen den beiden Hauptstrassen Corso Vittorio Emanuelle und der Via Cavour. Wichtig für Besichtigungen: fast alle Sehenswürdigkeiten sind von 12.30 bis 16.00 Uhr geschlossen. Wir sind zeitig da und haben Glück, denn wir können die wichtigsten Gebäude von innen betrachten. Über Rosolini und Ispica fahren wir nach Pozallo ans Meer. Hier stehen wir auf einem kleinen Strandparkplatz (Tipp Reiseführer) Lido Othello. Außer uns steht hier noch ein weiteres Mobil (aus Österreich) und einige PKWs. Der Parkplatz gehört zu einem größeren Gebäude, welches bereits geschlossen ist. Wir schätzen dass hier in den Sommermonaten eine Bar und Disco betrieben wird. Das Wasser lädt zum Baden ein, es ist noch angenehm warm (schätzungsweise 24 Grad).

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Sonntag, 14.Oktober

In der Nacht starke Regengüsse. Morgens ist der Himmel bedeckt, aber trocken. Wir gehen zu Fuß nach Pozallo, immer der Straße (S 67) nach, - 6 Kilometer, an vielen Villen (schon im Winterschlaf) vorbei. Auf der Straße sind noch große Pfützen von den Regenfällen der Nacht, durch die brausen die PKWs. Wir müssen uns oft mit einem Sprung zur Seite retten. Dann, kurz vor Pozalla, hält ein PKW und ein älterer Fahrer fragt: „Wollen Sie nach Pozallo?“ Wir nehmen sein Angebot gerne an. Im Centrum setzt er uns ab. Unterhaltung ist kaum möglich, denn wir sprechen kein italienisch und er kein deutsch. Doch es war eine nette Geste uns mitzunehmen. Der kleine Ort wirkt wie ausgestorben – auf den Bürgersteigen nur kleine Grüppchen von Männern. Der Rest vom Ort ist in der Kirche – wie wir ein wenig später feststellen. Wir schlendern die Haupteinkaufstrasse hinunter und eine Querstr. zurück, trinken in einem Cafe am Markt einen Kaffee Lungo. Dann geht es zu Fuß zurück – wie war doch noch der Weg mit dem Auto? Prompt verlaufen wir uns und müssen nochmals ins Centrum zurück. Der nächste Anlauf klappt dann! Doch den gesamten Weg bis zum Stellplatz müssen wir zu Fuß zurücklegen – kein Anhalter erbarmt sich unser. Im Mobil (es geht immer noch ein frischer Wind) ruhen wir die müden Glieder aus. Gegen 17 Uhr treffen Brigitte und Ägidius mit ihrem Mobil ein. Auf dem Parkplatz klönen wir mit ihnen und den Österreichern. Oratio, der Sicherheitsangestellte vom Gebäude, gesellt sich zu uns. Oratio spricht recht gut deutsch aus seiner Arbeitszeit in Deutschland. Als es kühler wird, lädt er uns spontan auf einen Drink in seine Bar ein. Es geht recht lustig zu und wir Frauen verspüren so gar keine Lust zum Kochen. Oratio macht uns den Vorschlag in eine nahe Pizzeria zum Essen zu gehen. Schnell haben wir uns umgezogen und schon geht es zu siebt (Oratio ist unser Gast) zur nahen Pizzeria. Jetzt, um 20 Uhr, sind wir die einzigen Gäste und setzen uns spontan in den Raum ohne TV. Doch das ändert sich bald: es kommen mehr Gäste (Einheimische) und die setzen sich zu uns in den Raum. Der Wirt schaltet in unserem Raum das TV an. Nun können wir beobachten, wie die Gäste während ihres Essens gebannt auf den Bildschirm starren und sich köstlich amüsieren, es läuft die Sendung „dumm gelaufen“. Wir lassen uns nicht stören und verzehren unsere leckeren, großen Pizzas (überaus preiswert). Wir verleben einen netten Abend.

Montag, 15. Oktober

Den Tag beginnen wir mit einem langen Strandspaziergang, dann Sonnenbaden –es geht ein sehr starker Wind (Sandsturm). Am Nachmittag gibt’s frische Rohrnudeln aus unserem Backofen und Kaffee. Abends Beisammensein in unserem Mobil – es fängt an zu regnen. Am späten Abend heftiger Regen und Sturm. Die Klagenfurter (Gerti und Klaus) stellen sich um – haben bedenken, dass der weiche, nasse Sand sie am Morgen beim Wegfahren hindert.

Dienstag, 16. Oktober

Als wir aufwachen, steht der ganze Platz unter Wasser, das Wetter ist bedeckt und dunkle Regenwolken jagen über den grauen Himmel. Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf zu den Cava d’Ispeca, 5 Kilometer östlich von Modica. Hunderte, zum Teil mehrgeschossige Grotten, wurden hier in den Fels geschlagen. Die Höhlen dienten abwechselnd als Wohn- und Begräbnisstätten. Interessant, und durchaus einen Besuch wert, ist eine nahe gelegene alte Wassermühle (jetzt Museum). Eine junge Frau begleitet uns durch die liebevoll ausgestatteten Museumsräume und per Audio-Guide übersetzt sie uns alles Sehenswerte. So können wir sehen, wie eine Müllerfamilie vor 200 Jahren gearbeitet und gelebt hat. Neben der Mühlenkonstruktion selbst, einst angetrieben durch Wasser aus einem einen Kilometer langen Kanal, der auch der Bewässerung diente (die Mühle arbeitete 6 Tage rund um die Uhr, am 7. wurden die Felder bewässert, gibt es mehrere schön restaurierte, Jahrhunderte lang genutzte Räumlichkeiten zu sehen: L’Abitacolo, ein mit teilweise originalen Requisiten ausstaffiertes Wohn- und Schlafzimmer, die Wäscherei, die das Mühlwasser auf ihre Art nutzte, einen ins Gebäude integrierten Stall. Auch wird uns heute gezeigt, wie damals das Getreide gemahlen wurde. Wir kaufen frisch gemahlenes Mehl. Nicht weit haben wir es bis Modica und parken unser Mobil auf dem großen Parkplatz beim Bahnhof. Modica, dramatisch am Schnittpunkt zweier Schluchten platziert. Enge Treppengassen und dicht gestaffelte Häuserreihen, die sich bis auf 450 m Höhe die Hänge hinauf ziehen. Reich geworden ist die Stadt durch Getreidehandel und konnte so nach dem Erdbeben von 1693 die Stadt prunkvoll aufbauen. Sehenswert ist die barocke Kathedrale San Giorgio. Man erreicht die Kirche mit ihrer breiten reich verzierten Fassade über eine 250 Stufen zählende Freitreppe. Fünf Portale leiten in das fünfschiffige, basilikale Kircheninnere über. Außer dieser punkvollen Kathedrale gibt es noch andere schönen Kirchen, in die man einen Blick werfen sollte und etliche reich verzierte Palazzo Fassaden. Von einer Art Belvedere hat man einen schönen Blick auf die Alt- und Neustadt. Wir nutzen die verkehrsruhige Mittagszeit und fahren sogleich in die Provinzhauptstadt Ragusa. Unten im Tal gibt einen neuen großen Parkplatz. Auf den stellen wir unser Mobil neben drei andere geparkte Mobile und machen zuerst die Besichtigung von Ragusa Ibla. Auf einer Höhe von 385 m, liegt das etwas verschlafen wirkende Ragusa Ibla, westlich (auf 498 m) die lebhafte, im 18. Jh. entstandene Oberstadt Ragusa. Eine tiefe Schlucht trennt die beiden Bezirke voneinander ab. Ragusa Ibla, die seit der Antike besiedelte Altstadt, wurde nach dem Erdbeben 1693 wieder aufgebaut. Inmitten enger, mittelalterlicher Gassen ragt ein barockes Meisterwerk empor, die Basilika San Giorgio. Über eine monumentale Freitreppe gelangt man in den Dom. Beeindruckend auf uns sind aber die vielen engen Gassen, Treppenwege und die wie an den Hang „geklebten Häuser“. Die Oberstadt besitzt ebenfalls ein barockes Gesicht. Das Zentrum liegt um die Piazza San Giovanni mit seinen belebten Einkaufsstrassen. Hier pulsiert das Leben. Das bedeutendste Bauwerk dieses Viertels ist der Duomo San Giovanni. Abends gehen wir nochmals in die Oberstadt. Mir ihren chicen Boutiquen fühlt man sich fast wie in Hamburg oder Wien. Als wir erschöpft zum Stellplatz zurückkommen, steht dort schon - welch eine Überraschung – das Mobil von Ägidius und Brigitte. Sie berichten von einer sizilianischen Hochzeit am Nachmittag in Modica. Sie waren anwesend, als eine Hamburgerin mit einem Sizilianer in der Kirche San Pietro getraut wurden - welche Zufälle! Abends ruhiges Übernachten auf dem Parkplatz.

Kleine Begebenheit am Rande: Unser Reisemobil stand am Rand vom Parkplatz an einer Mauer, oberhalb verlief eine Strasse. Was ich nicht sehen konnte war, dass Fußgänger von oben einen Blick durch die unverschlossenen Hekifenster werfen konnten. Besonders in der Dunkelheit, wenn im Mobil Licht brannte, saßen wir wie auf einem Präsentierteller. Ich ging ins Bad, zog mich aus und stand nur leicht bekleidet vor dem Waschtisch um mir die Zähne zu putzen. Laute Stimmen und Gelächter, es dauerte ziemlich lange bis ich begriff: Ich war der beleuchtete Mittelpunkt. Oh Schreck lass nach – Peter, mach schnell das Licht aus!!!


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Mittwoch, 17.Oktober

Abschied von Freunden – unsere Wegen trennen sich mal wieder. Wir steuern das wenige Kilometer entfernte Schloss Donnafugata an. Um 1960 haben die französischen Eigentümer (alter Adel) das Schloss an Sizilien verkauft. Heute wird das Schloss als Museum und für Konzerte genutzt. Von den 122 Zimmern können 28 besichtigt werden (als Rundgang). Besonders gefallen mir die bemalten Tapeten, z. Bsp die Tabakspfeifen auf den Tapeten im Raucherzimmer oder, in dem einen Schlafzimmer sehen die Tapeten aus wie Tüllspitzendeckchen auf leuchtend blauem Untergrund. Einige Zimmerdecken der hohen Räume geben einen Blick auf Engelsfiguren die himmelwärts schweben. Die Räume sind alle liebevoll mit Möbeln, Gardinen, Lampen und Bildern ausgestattet. Im Spiegelsaal (Nachahmung von Versailles) würde ich gerne bei Kerzenschein ein klassisches Konzert hören. Tipp: ein Besuch ist lohnenswert Wir wollen jetzt ans Meer und suchen einen im Reiseführer erwähnten Stellplatz in Marina de Modica. Nach einigem hin- und herfahren und die Einbahnstrassen rauf und runter, sehen wir im Ort auf einem gepflasterten Platz mit Meeresblick einige Reisemobile stehen, u. a. das Mobil der Österreicher von Gerti und Klaus. Der Küstenstreifen hier ist felsig und eine starke Brandung schlägt auf die Uferabgrenzung. Draußen hat es wenig Sinn zu sitzen, die lästigen Fliegen fressen uns fast auf. So laufen wir ein wenig die Uferpromenade Richtung breiter Sandstrand, heute (trotz 21 Grad) nur wenige Badegäste. Nachts nimmt der Wind zu – flacht dann gegen Morgen ab.

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Donnerstag, 18. Oktober

Ein langer Spaziergang in die Bucht Richtung P. Religione bringt es ans Licht: der Campingplatz, der hier einmal existierte, ist aufgelassen. Nur am Cap steht einsam und verlassen ein Reisemobil. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Häuser von Marina di Modica, davor das türkisblaue Meer. In diesem Bereich der Bucht ist das Wasser ruhiger und wir sehen einige Personen im Wasser baden. Schade, unsere Badesachen liegen im Mobil. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen (hinter dem Mobil haben wir ein windgeschütztes Plätzchen) und erkunden den verschlafenen Ort. Wir treffen auf einen älteren Italiener und grüßen mit: guten Abend. In einem recht guten deutsch berichtet uns dieser, dass er vor 45 Jahren in Deutschland arbeitete und jetzt die Zutaten (er zeigt auf eine Handvoll wilden Spargel) für das Abendessen gesammelt hat. Von seinen vier Kindern lebt eines verheiratet in Österreich. Abends sitzen wir mit Gerti und Klaus zum Kartenspielen beisammen. „Hallo Klaus, für dich alles Gute. Wir hoffen, dass bei deiner OP im Dezember alles gut verläuft“ An manchen Tagen im Urlaub wird uns bewusst wie gut es uns doch geht. Danke, lieber Gott!

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Freitag, 19.Oktober

Wir haben lange geschlafen und stehen erst um 9 Uhr auf. Das Wetter ist bedeckt und so unternehmen wir einen Spaziergang nach Sampieri. Eine Art Feldweg führt, immer in Meeresnähe an einer stillgelegten Fabrik, einer langen Sandbucht und einem schattigen Picknickplatz vorbei, in den kleinen Ort Sampieri (schätzungsweise 4 km). Alle Geschäfte (bis auf eins) an der Uferpromenade haben schon geschlossen. Der einzige offene Laden bietet außer Erfrischungen und Eis, auch Souvenirs und so alles für den Strandbedarf an. Inzwischen brennt die Sonne erbarmungslos auf uns herab und wir lechzen nach einem Getränk. Vor dem Laden stehen ein paar Stühle und auf denen machen wir es uns, mit Espresso und Limonade, bequem – Was kann es uns doch gut gehen! Ist am Abend Peter einmal mit Kochen dran – dann gehen wir essen! Eine Pizzeria im Ort haben wir schon gestern beim Rundgang entdeckt. Das Feuer im Ofen brennt bereits– so bekommen wir eine typische Steinofenpizza serviert. Der Speisesaal ist eingerichtet wie in einer ehemaligen Betriebskantine, sehr steril. Wir nehmen platz am Tisch 30 und lassen uns bei Rotwein unsere Pizzas schmecken. Etwas später kommen noch 5 weitere Gäste. Ja, es ist Nachsaison!

Sonnabend, 20. Oktober

Etwas klönen mit den anderen Reisemobilfahrern. Wassertank befüllen und Peter wäscht hier am Platz (das tun hier wohl alle) noch schnell einmal das Mobil. Dann geht unsere Fahrt weiter – Richtung Westen. Mittags ein kurzer Einkaufsstopp in Cava d’Algia und kurz vor Donnalucata finden wir den uns beschriebenen Stellplatz Aziz. Strandparkplatz mit Meeresblick. Wir springen alsbald in die wahrhaft warme Brandung. Die Luft ist heute kälter als das Wasser (gefühlte Temperaturen). Wir und mit uns 5 Katzen (darunter 2 ganz junge) sind die einigen am Platz. Abgesehen von ein paar kurzfristigen PKW-Besuchern, die nicht einmal aussteigen. Gut, dass wir beim letzten Supermarkt Katzenfutter erstanden haben – so hat Peter jetzt eine Aufgabe. Die Katzen verschlingen diese Leckerlis in „Nullkommanichts“ und miauen nach mehr. Von unserem Abendbrot, einem Nudelgericht, fällt leider nichts für sie ab. So koche ich, auf Wunsch von Peter, einen weiteren Topf mit Nudeln. Wir lassen die Nudeln etwas abkühlen und füllen dann die bereits am Platz stehenden Plastikkatzenteller randvoll. Ein kleiner Rest ist für Morgen gedacht, bevor wir weiterreisen. Satt und zufrieden lecken sich die Katzen ihre vier Pfoten. Gegen Abend wieder starkes Wetterleuchten mit heftigem Sturm und Regen.

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Sonntag, 21. Oktober

Morgens, noch vor dem Frühstück, muss Peter aufs Dach. Der Sturm hat das Hekifenster im Alkoven auseinander gerissen (Oberteil/Unterteil) und bei einer Weiterfahrt droht es abzuheben. Dann geht die Fahrt weiter bis zum Campingplatz Due Rocche in Plastikplanen: Tomaten, Paprika, Auberginen und vieles mehr, einige Male im Jahr geerntet. Die Regengüsse der letzten Nacht haben viel fruchtbare Erde auf die Strasse geschwemmt. Dementsprechend (braungesprenkelt) schaut jetzt unser frisch gewaschenes Mobil aus. Links der Straße sehen wir das Meer mit schönen Sandbadestränden und rechts Gebirgsketten (500 m). Wir finden auf Anhieb den Campingplatz und stellen das Mobil bei der Rezeption ab, dann machen wir uns auf die Suche nach unseren Freunden. Die haben ein schattiges Plätzchen zwischen Olivenbäumen und Brigitte ist dabei eine Schokotorte vorzubereiten. Bei einem Kaffee tauschen wir unsere Erlebnisse aus. Anmerkung: Die Platzwarte scheinen den Preis pro Tag nach der Größe des Mobils festzumachen, mit Skonto sollen wir 20 € pro Tag zahlen. Bleiben wir über 1 Woche, reduziert sich der Preis auf 14 €. Wir haben wieder einmal Pech – wahrscheinlich ist unser Mobil zu groß, oder wir nicht „hammerhart“? Ansonsten ist der Platz in der Nachsaison sehr ruhig und das Meer ist ca. 200 m entfernt.

Montag, 22. Oktober

Peter repariert mit Ägiduis’ Klebstoff das Heki, dann kommt die Sonne durch! Mittags heißt es Abschied nehmen. Wir fahren zum Mittagspicknick an den Strand von Marina die Carmen. Der Sturm weht uns fast den Schinken vom Brot und wenn die Sonne einmal hinter den Wolken verschwindet, ist es ungemütlich kalt. 15 Km nördlich von Agrigento gibt es ein Naturschutzgebiet mit Minivulkanen, Vulcanelli di Maccalube. Vom Parkplatz stiefeln wir in das Gebiet der kleinen Vulkane. Das ganze wirkt grau und verkrustet, an einigen erhöhten Stellen „blubbert“ es und der gräuliche Schlamm läuft ins Gelände. Wir schauen uns im Reservat noch etwas um. Die Landschaft ist sanft hügelig, die sehr steinigen Felder sind bereits gepflügt und die schwarzen Oliven hängen erntereif an den Bäumen. Was muss es früher mühevoll gewesen sein diese Felder zu beackern! Wir bleiben auf dem Parkplatz über Nacht.

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Dienstag, 23. Oktober

Heute steht das Valle dei Templi (Tal der Tempel) auf unserem Besichtigungsprogramm. Geschichte: Um 582 v. Chr. gründeten griech. Kolonisten aus dem benachbarten Gela Akragas auf 2 Hügeln. Das fruchtbare Hinterland und die Nähe zum Meer ermöglichten einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Gleich 5 Tempel entstanden innerhalb einer kurzen Blütezeit entlang der antiken Stadtmauer. Der Concordia-Tempel gehört gar zu den imposantesten und besterhaltenen griech. Tempel überhaupt. Wir lassen uns mit der Besichtigung ausgiebig Zeit und nehmen am Nachmittag von unserem Parklatz (unterhalb der Tempelanlage, beim St. Anna Hospital) den Bus in die Altstadt. Wenn die Geschäfte und Kirchen geschlossen sind, ist selbst in so einer schönen Altstadt mit ihren vielen Treppen und Gassen „tote Hose“. Wir streifen ein wenig durch dieses Viertel, gönnen uns einen Eisbecher (es geht nichts über unsere ital. Eisdiele in Hamburg) und nehmen dann einen Bus zurück. Heute Nacht werden wir uns die Tempel bei Nacht von außerhalb ansehen und übernachten so auf dem Parkplatz.

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Mittwoch. 24. Oktober

Kaum zu glauben, in zwei Monaten haben wir Weihnachten und einige Geschäfte in Agrigento hatten schon Weihnachtsschmuck ausgestellt. Uns ist überhaupt nicht weihnachtlich zumute. Bald nach Montallegro biegen wir Richtung Meer ab. Bei Torre de Salsa wollen wir es uns auf einem Campingplatz, der in einem Naturschutzgebiet liegt, für ein paar Tage gemütlich machen. Die deutsche Inhaberin wurde in unserem Reiseführer in den höchsten Tönen gelobt. Als wir eintreffen, ist sie anwesend, führt uns über das Gelände und erklärt uns die Anlage. Die teils überdachten Stellplätze haben Strom und wir zählen fünf deutsche Mobile. Von der Anhöhe hier haben wir einen traumhaften Blick bis Eraclea Minoa, die sandige Meeresbucht und fast bis Siculiana Marina zur anderen Seite. Das Binnenland mit seinen sanften Hügeln, Oliven und Orangenplantagen wollen mit Rollertouren erkundet werden. Wir richten es uns häuslich ein und unternehmen dann einen längeren Spaziergang in die Strandbucht. Zurzeit stehen nur zwei Reisemobile auf dem Weg zum Strandstellplatz. Durch den Regen der letzen Tage ist der Platz unten am Meer zu aufgeweicht. Den Weg zurück nehmen wir am Wasser. – Die Landschaft und der Platz – hier lässt es sich durchaus länger verweilen.

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Donnerstag, 25. Oktober

Das Wetter ist bedeckt, so entschließen wir uns zu Fuß bis zu den Ausgrabungstätten (6. bis 2. Jh. v. Chr.)von Eraclea Minoa zu laufen (6 km). Der Weg führt zuerst am Berg und dann durch einen Eukalyptuswald bis Bona Marina. Hier stehen einige Reisemobile frei – die Strandkioske sind geschlossen – Nachsaison. Beschwerlich ist das letzte Stück von Minoa Strand, steil bergauf zu den Ausgrabungen. Es ist nur noch wenig zu besichtigen, aber der Blick von der Anhöhe auf die Kreidefelsen, Strand und türkisfarbene Meer ist berauschend schön. Auf dem Rückweg scheint bereits die Sonne kräftig auf uns herab. Nach insgesamt vier Stunden Wanderung erreichen wir den Stellplatz. Danach ist Baden angesagt.

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Freitag, 26. Oktober

Ausflug mit dem Roller zu den Thermen von Sciacca. Die Altstadt, reich an kunsthistorisch bedeutsamen Gebäuden, Palästen und Kirchen aus dem Mittelalter und Barock, ist von einer zum Teil noch erhaltenen Stadtmauer aus dem 15. Jh. umgeben. Von den ursprünglich vorhanden 5 Stadttoren sind noch 3 erhalten. Neben seinen berühmten Thermalbädern und einzigartigen, natürlichen Grotten bietet Sciacca noch mehr, wie z.B. Gemüse- u. Fischspezialitäten, das Keramikkunsthandwerk, den Fischerei- und Yachhafen, sowie das Karnevalsfest. Im Zentrum parken wir unseren Roller. In der Touristinformation (schwer zu finden, da ohne i) holen wir uns einen Stadtplan. Mit diesem durchstreifen wir die nette Kleinstadt, vorbei an Kirchen, Palästen, Toren und durch malerische Gassen. Anmerkung: So habe ich mir die kleinen italienischen Städte vorgestellt! Unser nächster Stopp ist: Caltabellotta. Der Blick von hier oben, aus fast 1000 m Höhe, ist schlicht grandios. Caltabellotta hat eine große Vergangenheit. Ende des 2. Jh. v. Chr. war im 2. Sklavenkrieg Caltabellotta Zufluchtstätte römischer Sklaven, die gemeinsam Selbstmord verübten, als keine Hoffnung mehr bestand. Einen erfreulicheren Ausgang hatte 1302 die friedliche Einigung von Franzosen und Spaniern nach dem Volksaufstand „Sizilianische Vesper“. Wir klettern auf den höchsten Aussichtspunkt und genießen den wirklich grandiosen Ausblick. Dann geht es mit dem Roller die vielen Serpentinen abwärts bis Ribera. Im großen Supermarkt (hat auch in Deutschland Filialen) kaufen wir groß ein. Wieder einmal sind wir überrascht, was so alles in einen Roller passt! Schwer beladen kommen wir am späten Nachmittag zum Stellplatz zurück.

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Sonnabend, 27. Oktober

Lange Strandspaziergänge und Brandungsbaden im 22 Grad warmen Meer bestimmen unseren sonnigen Tag. Morgens kommt ein Fischhändler an den Platz – wir kaufen Garnelen und Tintenfische. Diese grillen wir am Abend, 19 Uhr es ist bereits stockdunkel.

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Sonntag, 28. Oktober

Zeitumstellung/Winterzeit, Sonnen am Strand, Spaziergang, Klönen mit Nachbarn

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Montag, 29. Oktober

Große Wäsche (es gibt eine Waschmaschine am Platz). Mit unseren Nachbarn fahren wir in eine nahe Käserei, 1 kg Schafkäse kostet hier 6 €. Über Mittag machen wir einen großen Spaziergang Richtung Siculiana Marina. Die wirklich schönen Badebuchten beginnen erst dort, wo die Wege aufhören und man zu Fuß die Kreidefelsen (bis ans Meer) umrunden muss. In einer Wassermulde, nahe am Strand, sehen wir einen blau schimmernden „Schmetterlingsfisch“ Nach diesem Gewaltmarsch von 14 km erwarten uns Ägidius und Brigitte am Stellplatz. Auch unsere neuen Nachbarn sind bereits eingetroffen (Dauercamper von Nov. bis März). Unsere Wäsche flattert lustig auf ihrem bereits reservierten Stellplatz. - oh pardon, wir hatten sie erst gegen Abend erwartet! Mit unseren Freunden sitzen wir draußen gemeinsam beisammen, bis Dunkelheit und Kälte uns zu folgendem Entschluss veranlassen: Wir fahren nach Montallegro in eine Pizzeria, gesagt – getan. Im Ort angekommen, parken wir in der Ortsmitte und eine Pizzeria ist schnell gefunden. Wir sind die einzigen Gäste und der Pizzabäcker spricht ein wenig deutsch. Mit Rotwein, leckeren Pizzas und netten Gesprächen vergeht die Zeit wie im Fluge. Unsere Freunde wollen noch die ca. 100 km zurück, zu ihrem Platz nach Falconara. Wir rasen mit dem Roller durch die Nacht zu unserem Stellplatz. Das war mal wieder ein sehr netter Abend!

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Dienstag, 30. Oktober

Heute ist Markttag in Montallegro, auf schöner Nebenstrecke geht es mit dem Roller in den Ort. Wir kaufen reichlich Obst, Gemüse und gegrilltes Hähnchen, welches wir am Stellplatz mit Heißhunger verzehren. Am Nachmittag sind wir mit einigen Nachbarn vom Platz zur Orangenernte bei einem Einheimischen (Vincence) verabredet. Am Vormittag haben wir bei ihm 20 Liter kaltgepresstes Olivenöl bestellt. Während Peter das Öl mit dem Roller zum Mobil transportiert, ernte ich faustgroße Orangen. Die Auswahl fällt mir schwer. Auf Vincences Acker wachsen auch die leckeren Kaki-Früchte und wir essen die überreifen Früchte gleich vom Baum – sehr köstlich. Um 16 Uhr Friseurbesuch, die Inhaberin spricht gut deutsch mit schwäbischem Akzent. Als wir sie daraufhin ansprechen erklärt sie uns: Sie ist in Deutschland aufgewachsen und nach ihrer Friseurlehre einen Montallegrer geheiratet, nun lebt sie hier schon seit 22 Jahren. Im kleinen Salon sitzen bereits 2 Kundinnen mit ihren zwei Kleinkindern, wir sollen ein wenig Wartezeit einplanen. Peter ist bald dran, inzwischen können wir den wort- und gestenreichen Gesprächen der einheimischen Frauen lauschen. Wir verstehen kein Wort über was sie sich hier mit einem Redeschwall austauschen. Oh Gott – Peter kann bald einen Kaffee trinken gehen, ich darf noch weiter zuhören. Das gute Ergebnis und der Preis überraschen uns: Herrenhaarschnitt Waschen-Schneiden-Föhnen 5 €, Damen 10 €.

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Mittwoch 31. Oktober

Wetter bedeckt, wir schauen beim Abwasch aus dem Fenster. Unsere neuen Nachbarn (vier stämmige Niederländer und 1 Mobil) haben große Wäsche. Vor ihrem Mobil aufgebaut haben sie: eine kleine Eimerwaschmaschine, Schleuder, 2 große Bottiche zum Spülen, Wäschespinne, diverse Wäscheleinen. Alle Vier sind mehr oder weniger emsig bei der Arbeit. Als alles auf der Leine hängt, fängt es kräftig an zu regnen. Jetzt sitzen sie alle im Mobil und schauen „dumm aus der Wäsche“ (oder besser gesagt: dumm auf die Wäsche). Regen hin – Regen her. Wir machen einen Spaziergang Richtung Torre und siehe – die Sonne kommt raus. Den Hinweg nehmen wir oben an der Küste entlang mit phantastischen Ausblicken auf die Küste unterhalb: das türkisblaue bis violettblaue Meer, den hellgelben Strand, den lichtgrauen Kreidefelsen. Über uns Sonne, blauer Himmel und weiße Wolken. Eukalyptusbäume, Heidebüsche und einige Sträucher säumen unseren Trampelpfad. Bald nach den Resten des Torre gibt es noch eine kleine versteckte Ferienhaussiedlung mit eigenem Zugang zum Meer. Nicht weit davon entfernt liegt das WWF-Haus, leider etwas verfallen. Auf einer provisorischen Bank halten wir Picknick und lassen den Blick von hier oben auf die Landschaft rundherum schweifen – paradiesisch! Wieder geht es über Trampelpfade durch eine Art Pinienwald abwärts zu der uns schon bekannten Flussmündung. Zurück nehmen wir den Weg am Meer. Brandungsbaden und kleine Dünen laden zum geschützten Sonnenbad ein. Gegen 14 Uhr fahren wir nochmals in die Käserei, heute am Nachmittag leider geschlossen. Dafür treffen wir bei einem Fotostopp Vincence in seiner Orangenplantage. Er erinnert uns an die Weinprobe in einer Kelterei um 15 Uhr, zwei Familien vom Platz sind bereits im Anmarsch – so schließen wir uns an. Das Weingut ist seit 3 Jahren im Aufbau und wirkt von außen wie eine Art „Gutshaus“. Durch einen mit Palmen bepflanzten Innenhof gelangen wir in die ebenerdigen Lagerräume. Der gepresste rote und weiße Wein wird in gekühlten 10 – 15tausend-Liter Edelstahltanks gelagert. Wir überschlagen, 35 bis 40 Tanks stehen hier. Den ganz edlen Wein (geringe Menge) lagert man in Holzfässern. Dieser Wein kostet dann im Verkauf an die 7 €. Wir nehmen einen kleinen Vorrat aus den Tanks (1.30 der Liter). Mal sehen, wie er uns zu Hause schmeckt!...

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Donnerstag, 1. November

Heute ist Feiertag in Italien – Allerheiligen – und unser letzter Tag auf dem Platz. In den Morgenstunden gibt es ein kräftiges Gewitter mit Regen. Gewitterregen reinigt die Luft, um 10 Uhr klart es auf. Wir gehen die Abschiedsrunde, den Höhenweg bis ins Flusstal und dann am Wasser zurück. Das Wasser kommt uns heute besonders warm vor, so dass wir uns gleich zweimal in die Fluten stürzen. Um 17 Uhr heizen wir den Grill an, denn jetzt in der Winterzeit ist es bereits um 18 Uhr dunkel. Wir erleben einen sagenhaften Sonnenuntergang und dann, als es stockfinster ist, einen traumhaften Sternhimmel. Noch lange sitzen wir draußen und genießen den Abend.

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Freitag, 2. November

Das Mobil V+E, Stellplatz bezahlen (16 € pro Tag), Abschiednehmen von den anderen Gästen und tschüss – heute wollen wir uns die Ausgrabungen von Selinunte ansehen. Über Nebenstrecke ab Sciacca mit Vorortvillen, Olivenplantagen, duftenden Orangenblüten, bunten Wiesen (jetzt im Herbst?) geht es bergauf und bergab, links liegt das Meer. Geschichte: Das fruchtbare Ackerland war sicher der Grund, warum dorische Griechen aus Megara Hybleia sich um 650 v. Chr. hier, nahe des karthagischen Hoheitsgebiets ansiedelten, Häfen anlegten und durch Export schnell reich wurden. Innerhalb eines Jh. – zwischen 550 und 450 v. Chr. – errichteten sie acht dorische Tempel. Der Wohlstand provozierte Neid und Rivalität und führte immer wieder zu kriegerischen Grenzkonflikten mit Segesta. Als 409 v. Chr. Hannibal den Segestanern zu Hilfe kam, wurde Selinunt erobert und Untertan der Karthager. 250 v. Chr. zerstörten sie die Stadt, um sie dem Zugriff der Römer zu entziehen und siedelten die Bewohner um. Durch ein Erdbeben im 6 Jh. n. Chr. wurden die Spuren Selinunts für lange Zeit ausgelöscht. Wir benötigen 2 ½ Std. um uns die Tempelreste im östlichen Bezirk, die Akropolis und das Heiligtum der Demeter „Malophorus“ anzusehen. Zufall: zwischen den Trümmerresten treffen wir auf ein Ehepaar aus Glinde. 18 Kilometer nordwestlich liegen die antiken Steinbrüche die „Cave di Cusa“. Auf diesem Gelände wurden die Säulen für den Apollon Tempel von Selinunt angefertigt. Die aus Kalkstein gearbeiteten Schäfte und gigantischen Steinreifen sind bis zu 30 Tonnen schwer. Welche Arbeit für Mensch und Tier
diese Säulen anzufertigen und über 18 Kilometer weit zu transportieren. Wir übernachten auf dem Parkplatz auf dem Gelände.

Anmerkung: Eine mit Natursteinen gepflasterte lange Straße, gesäumt von edlen Straßenlaternen, führt in diesen abgelegenen Steinbruch. Gelder wurden von der EU (das besagt ein aufgestelltes Schild) für diesen Zweck bewilligt. (Eine andere Art der Ausbeutung ?)


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Sonnabend, 3. November

Keine 20 km und wir sind in Mazara del Vallo, unser Mobil parken wir am Hafen. Vom Hafen der Kleinstadt läuft eine große Fischfangflotte aus. Fischer waren es auch, die 1998 aus den Meeresfluten der Straße von Sizilien eine archäologische Sensation bargen: Die 2.5 m große und 108 kg schwere Bronzefigur eines tanzenden Satyrs aus dem 4. Jh. v. Chr. Seit Juli 2003 ist sie in der einstigen Kirche Sant’Egidio zu sehen. Von unserem Parkplatz sind es nur wenige Schritte in die Altstadt. Wir werfen einen Blick in die Kathedrale Santissimo Salvatore, im 17. Jh. barock erneuert und schlendern durch kleine Altstadtgassen und das Kasbah-Viertel. Hier leben viele Nordafrikaner. Eine breitere Einkaufsstrasse mit kleinen Boutiquen ist heute Vormittag sehr belebt. Wir sitzen just im Mobil und stärken uns mit Käse, Tomaten und frischem Brot, als ein Unwetter vom Meer heraufzieht. Trotz dunkler Wetterfront fahren wir weiter nach Marsala. Heftiger Regen lässt die Straßen zu kleinen Flüssen werden – die Kanalisation kann die Wassermengen nicht „schlucken“. Am Hafen von Marsala warten wir auf besseres Wetter. Schon bald können wir unser Mobil auf einen stadtnahen Stellplatz (hier stehen bereits 5 Mobile) umparken. Marsala, der Dessertwein hat den Ortsnamen - die Araber nannten ihn Marsa – al Allah, Hafen Gottes – berühmt gemacht. In alten Eichenfässern entsteht der Likörwein mit bis zu 24% Alkoholgehalt nach einer Lagerung von einem bis 10 Jahren. Mit einem Stadtplan der Touristinfo durchstreifen wir das nahe Altstadtzentrum, ruhen danach ein wenig die müden Füße in Mobil aus, um dann nochmals gegen 18 Uhr aufzubrechen. In der Stadt sind Menschenmassen unterwegs. Ich habe noch nie so viele Boutiquen und Cafes (100?) in so wenigen Straßen gesehen. Den edlen modischen Auslagen, kann keine Frau (Mann) widerstehen. Anmerkung: italienische Frauen legen Wert auf ihr modisches Äußeres – sie scheinen einem Modejournal entstiegen zu sein. Die modebewussten italienischen. Frauen sind klein und sehr schlank. Ganz Marsala scheint im Einkaufsrausch zu sein! Peter findet endlich seinen Moskitotennisschläger – verbrennt die Quälgeister schon im Anflug! In einer kleinen Bar am Piazza Repubblica probieren wir ein Gläschen Marsala und kommen mit einem deutschen Ehepaar am Nachbartisch ins Gespräch. Sie machen mit einem Leihwagen eine Rundtour durch Sizilien, Anreise mit einem Billigflieger (noch unter 100 € für 2 Personen) nach Trapani. Wir übernachten auf dem kostenlosen Stellplatz nahe vom Zentrum. Nachts heftiger Regen.

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Sonntag, 4. November

Südlich von Trapani liegen die schneeweißen Salzhügel der „Saline di Trapani e Paceco“. Sie bilden ein Naturschutzgebiet, in dem seltene Vögel leben. In einem privaten Mühlenmuseum, unweit des Ortes Nubia, kann man über das harte Leben der Salzgewinnung (zweimal im Jahr) erfahren. Heute kann man damit nicht mehr reich werden. Hinter dem Museum können wir parken und übernachten, wenn wir hier im kleinen Mühlenrestaurant zu Abend essen. Die Sonne scheint, wir holen den Roller aus der Garage und los geht’s nach Erice. Wie ein Adlernest mit spektakulärem Blick auf die Hafenstadt Trapani hockt Erice 751m hoch über einem Schifffahrtsweg, auf dem sich schon Hellenen und Phönizer begegneten. Erice ist berühmt für seine „Pasta delle Mandole“- Marzipangebäck“. Über Serpentinenstr. geht es hoch hinauf, sogar Reisemobile und Busse können bis zum Parkplatz außerhalb dieser mittelalterlichen Stadt. Ein selbsternannter Parkplatzwärter will sogleich einen Euro kassieren. Wir lehnen ab und schließen den Roller mit dem Drahtseil an. Über mittelalterlich gepflasterten Wegen kann man durch die Stadt laufen. Hotels, Restaurants und Souvenirgeschäfte haben sich auf den Touristenansturm eingestellt. Wir sind noch nicht lange unterwegs, als ein Regenschauer uns zwingt ein kleines Cafe aufzusuchen. Für 4 Kaffee und kleine Stücke trockenen Kuchen bezahlen wir 17 €, der Preis überrascht uns schon. Denn gestern habe ich für eine Jeans im „China Laden“ 16 € bezahlt. Wer verdient sich hier eine goldene Nase? Die Regenwolken verziehen sich und wir können unseren Spaziergang fortsetzen. Von vielen Aussichtspunkten kann man weit ins Land schauen - Aha -, die nächsten Regenwolken nahen schon. Auf den Roller – fertig – los! Und doch erwischt uns der Regen. Das Wasser schießt in Sturzbächen den Hang hinunter und auch wir werden (ich im Regenkombi) recht nass. Irrwitzig - in Trapani hat es nicht geregnet. Im Mobil erwartet uns die gespeicherte Sonnenwärme. Wie praktisch ist doch so ein Mobil mit trockenen Klamotten! Das Abendsessen im Restaurant ist erst ab 20 Uhr möglich. – Für uns Nordeuropäer eigentlich viel zu spät. Wir sind die einzigen Gäste und wählen das Touristmenü, 5 Gänge für 18 €. Es gibt einige uns unbekannte Vorspeisen, wir probieren sie trotzdem.

Hier die Speiseliste des Menüs Pranzu du Mulinaru:
Antipasto: Tris-salato fromaggio primosale-olive-bruschette-caponata
Primo piatto: Spagetti accinghe e mollica
Secondopiatto: Spigola al Sale
Contorno: Insalata Mista
Frutta: Fresca di Stagioni
Dolce: Cassatella di Ricotta
Am besten hat mir der Nachtisch geschmeckt. Für 2 Menüs und einem ½ ltr Rotwein + Wasser bezahlen wir 38 € und sind so satt, dass wir uns in die Mobilpolster plumpsen lassen.


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Montag, 5. November

Traumhafter Sonnenaufgang über den Salinen. Heute wollen wir uns Trapani ansehen. Die kleine Provinzhauptstadt mit gut 70000 Einw. betrachten viele Touristen lediglich als Ausgangshafen zur nahen Inselwelt. Doch ein Bummel durch das barocke Zentrum ist durchaus reizvoll. Rund um den Corso Vittorio Emanuelle mit seinen eleganten Geschäften reiht sich eine gute Trattoria an die andere. Wir parken in Hafennähe an der Viale Regina Elena. Von hier sind es nur wenige Minuten bis in die Altstadt. Bei der Touristinformation besorgen wir uns wie üblich einen Stadtplan mit dt. Erklärungen. Es werden 3 Rundgänge vorgeschlagen. Wir entscheiden uns für die „goldene Mitte“, Tour in 2 ½ Std. Wir werden zu vielen Palazzos, Kirchen und Fußgängerstr. geführt. Es muss noch viel renoviert werden in Trapani. Obwohl heute Vormittag viele Geschäfte geschlossen haben, macht die Stadt auf uns einen lebhaften – sehr sympathischen Eindruck. In der Schaufensterauslage eines kleinen Geschäfts sehen wir einen Keramik-Amboss – so einer fehlt uns noch in unserer Sammlung. Im Geschäft dann entdecken wir so viele nette Weihnachtsgeschenke für unsere Lieben daheim. Weiterfahrt auf der Küstenstr. bis zum Capo San Vito. Die Sonne lässt das Meer türkisblau erstrahlen, die Felsen heben sich bizarr im Hintergrund ab. Um die Mittagszeit der Nachsaison wirkt der Ort San Vito lo Capo wie ausgestorben. Das ist auch unser Glück, denn wir gelangen mit unserem Mobil bis an die Strandpromenade. –Passieren einen gepflasterten schmalen Weg am weißen Strand entlang und kommen wieder auf eine Hauptstrasse. In den Monaten Juli und August „tobt hier der Bär“! Es gibt viele Restaurants, Bars, Pensionen und Hotels. Wir stellen uns auf einen kostenfreien Parkplatz (30 Gehminuten vom Zentrum). Wir sind die einzigen Parker! Bei einem Erkundigungsgang sehen wir dann in direkter Strandnähe ca. 8 Mobile frei stehen – dicht an dicht. Ansonsten wirkt der Ort wie ausgestorben – man ist dabei die Außenplätze der Restaurants abzubauen und einzulagern. Wir übernachten auf dem Parkplatz.

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Dienstag, 6. November

Heute wollen wir das Naturreservat „Zingaro“ am Cap San Vito durchwandern, das Wetter sieht gut aus. Unser Reiseführer schlägt eine leichte 2 ½ Stunden Tour oberhalb vom Meer vor. Um zu dem Südeingang zu gelangen, müssen wir die Straße zurück bis Custonaci und dann Richtung Scopello. Eintritt pro Person 3 €. Mit festen Schuhen an den Füßen, Rucksack, Proviant, Anoraks (man kann ja nie wissen, ob das Wetter umschlägt) und unseren Wanderstöcken marschieren wir los. Unsere Tour müssen wir umplanen, da ein Erdrutsch einen Teil des Küstenwanderweges verschüttet haben soll. Der Parkwärter zeichnet auf einem Plan unsere Route ein, bis Borgo Cusenza sind es 7 Kilometer. 450 Höhenmeter müssen auf Wegen, stetig bergan, überwunden werden, Gehdauer 3 Std. Das Gelände: sanfte Grashänge, mannshohe Gräser, Olivenplantagen, wilde Orchideen, Alpenveilchen und kleinwüchsige Blumen – die wir nicht kennen. Unterwegs überholen wir 6 junge Bergsteiger mit Führer. Wir erreichen die verlassene Siedlung Borgo Cusenza schon nach 2 ½ Std. und entschließen uns einen Umweg über die „Grotta dell Uzzo“ und das dortige kleine Museum nehmen. Das bedeutet: stetiger Abstieg zum Meer und nach der Grotte steiler Aufstieg zur ehemaligen Siedlung Sughero zu laufen. Oben angekommen ist es bereits 4 Uhr nachmittags und wir sind nun über 6 Std. unterwegs – ohne große Pausen. Ab jetzt geht es nur bergab – aber auch hier müssen wir auf unsere Füße achten – mal steiniger Weg, mal feuchter Lehmboden. Noch 1 ¼ Std. dann sind wir beim Parkplatz. Wir haben sogar noch die Energie und gehen in eine nahe Traumbadebucht. Doch so durchgeschwitzt wie wir sind, ist uns nicht nach Baden zumute. Als wir erschöpft unser Mobil erreichen, steht außer uns nur noch 1 PKW am Platz – der Parkplatzwärter hat auch schon Feierabend gemacht. Wir genießen die warme Dusche im Mobil und ziehen Resümee: Wer von uns hätte vor einem Jahr gedacht, dass Peter heute so eine Bergtour meistert, wo er sich nur mit Gehhilfe und unter starken Schmerzen fortbewegen konnte. Abends: Sturm, Gewitter und Regen.

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Mittwoch, 7. November

Unwetter - heute scheint niemand an so einer Bergtour Interesse zu haben, es regnet schon seit Stunden. Wir fahren weiter nach Segesta. Peter schaut sich allein die Ausgrabungen anich falle wegen einer starken Migräne aus. Segesta ist eine von drei durch die Elymer gegründeten Städten und liegt völlig einsam in einer hügeligen Landschaft. Der 430 v. Chr. errichtete dorische Tempel gilt als eines der bekanntesten sizilianischen Symbole griech. Baukunst. Sehenswert ist auch das im 3. Jh. v. Chr. erbaute Theater (1/2 Std. Fußmarsch vom Tempel entfernt). Nach den Besichtigungen wollen wir noch einen weiteren Stopp in Palermo machen. Man hat uns von einem Stellplatz im Zentrum erzählt. (Quarto dei Mille 18 € p. Tg.). Das Navi führt uns sicher und es findet sich neben 4 weiteren Mobilen auch ein Platz für uns – ansonsten sind hier viele PKWs geparkt. In den späten Nachmittagsstd. starten wir unsere Tour durch die „Antiquariatsgasse“ – oder soll man schreiben: durch abbruchreife Garagen? Jeder Ladeninhaber hat mehr oder weniger nur diesen Platz um seine Möbel, Bilder, Geschirr, und Nippes auszustellen. Vor einigen „Läden“ ist man dabei den Möbeln einen neuen Anstrich zu verpassen. Wir sehen nur wenige interessierte Käufer, finden es aber selbst sehr spannend. Wir haben Glück und können einen Blick in die normannsche Kirchen La Martorana und San Cataldo werfen. La Martorana wurde 1143 von Georg von Antiochien, einem Admiral, als griech.- orthodoxes Gotteshaus gestiftet. Sie wird zu den bedeutendsten Werken der normannischen Kunst gezählt, eine Einschätzung die vor allem auf der Qualität der Mosaiken im Inneren beruht. Im 16. und 17. Jh. hat man diese Kirche innen und außen dem barocken Zeitgeschmack angepasst.

Anmerkung: Auf der Suche nach passenden Briefmarken für zwei Geburtstagskarten suchen wir div. Tabaccoläden auf. Man verweist uns auf die nahe Post. Dort reihen wir uns getrennt in 2 Warteschlangen ein. Ich komme als erste. an die Reihe. Zeige auf meine zwei Briefe und frage nach Frankobollo (Briefmarke). Der Angestellte verweist mich an ein Tabaccogeschäft. Doch leider reicht mein ital. nicht aus um im eine passende Antwort zu geben. Nun fragen wir wieder in div. Tabaccoläden nach und immer wieder die Antwort: heute keine Briefmarken – ausverkauft – oder wieder der Verweis an die Post. Wir entwickeln eine andere Taktik: nehmen Postkarten und fragen dann nach Marken und siehe da es klappt. Liebe Geburtstagskinder - ihr wisst gar nicht, wie schwer es war eure Grüsse auf den Weg zu bringen!


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Donnerstag, 8. November

Wir haben auf diesem Stellplatz verhältnismäßig ruhig geschlafen. Bis zum Mittag wollen wir den Gemüsemarkt und die „Gallerie der modernen Art“ besuchen. Der Markt mit seinen Fischständen und wenigen Gemüseangeboten überzeugt uns nicht, da haben wir schon ganz andere Märkte gesehen. Die Galerie hat wirklich schöne Stücke an Bildern und Marmorskulpturen ausgestellt (ital. Künstler). Einige Bilder sind in den Stoffen so naturgetreu dargestellt, greifbar nah. Manche Bilder nehmen fast die ganze Wandbreite ein. Hier könnte ich einige Stunden Studien betreiben. Doch wir wollen bis 14 Uhr abreisen. Zu Fuß ist alles vom Stellplatz gut zu erreichen. Nach V+E geht es über die A20 bis kurz vor Cefalu. Wir peilen den Campingplatz in Pollina (Rais Gerbi) an. Doch schon bald nach Cefalu ist die 113 Richtung Pollina gesperrt. Was nun? Wir müssen eine Lücke im entgegenkommenden Verkehr abwarten und dann auf der Straße wenden. Wir halten uns vorerst an die Ausschilderung Autobahn und finden außerhalb des Ortes einen Wiesenparkplatz. Es ist noch früh am Nachmittag, als wir den Roller rausholen und die wenigen Kilometer nach Cefalu rollen. Mittelalter pur kennzeichnet die engen, schmalen Gassen von Cefalu, die vom großzügig angelegten Domplatz zum Meer führen. Hauptsehenswürdigkeit ist die mit Goldmosaiken ausgestattete Kathedrale aus der Normannenzeit (Baubeginn 1131), die in der Apsis die wohl schönste byzantinische Tradition geschaffene Darstellung Christi als Allherrscher. Wir haben uns schon den Waschplatz aus arab. Zeit den „Lavatoio Medievale“ angesehen. Bis Mitte des 20. Jh. wurde dieser Waschplatz genutzt. Als wir gegen 18.30 Uhr am Stellplatz zurückkommen, den Roller verräumt haben und beschließen hier über Nacht zu bleiben, bekommen wir Besuch von einem Einheimischen. Dieser erklärt uns: hier dürfen wir nicht campieren. Auf unsere Äußerung, dass der Campingplatz im Ort in der Nachsaison bereits geschlossen und der in Finale(10 km von hier) durch die Straßensperre nicht erreichbar ist, sehen wir nur diese eine Übernachtungsmöglichkeit. Morgen (Domani) wollen wir weiter. Er murmelt etwas von Polizei und greift zu seinem Handy. Mir ist ganz flau – und wir suchen nach Erklärungen für die Polizei – die aber nicht erscheint. Glück gehabt?

Anmerkung: In der Türkei wäre uns das nicht passiert. Da hätte man uns willkommen geheißen und zum Tee eingeladen.


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Freitag, 9. November

Wir haben gut geschlafen und sind schon um 8 Uhr auf der Küstenstr. 113 ostwärts. Die Straße führt sehr kurvenreich um den ins Meer ragenden Felsen vorbei durch kleine Orte, oft durch mehrstöckige Häuser verunstaltet. Dieses soll der Küstenabschnitt sein, wo die Italiener im Juli/August bevorzugt ihren Urlaub verbringen. Manchmal müssen wir (da über 6,5 t) die kleinen Orte umfahren. In Brolo machen wir mittags einen Zwischenstopp, sehen und das Zentrum an durch durchstreifen die Altstadt mit ihren schmalen Gassen unterhalb vom Castell. Viele Badebuchten können wir von unserer Straße erblicken. Wie erreicht man diese? Parkplätze sind rar an der Straße und die fast immer am Meer entlang führende Eisenbahnlinie hat oft nicht die für uns benötigte Durchfahrhöhe. Die Ausblicke auf kleine Orte im Gebirge (rechts) und das türkisfarbene Meer (links) sind sagenhaft. In Tindari fahren wir auf einen Großparkplatz unterhalb der Wallfahrtskirche der „schwarzen Muttergottes“. Diese 1950 erbaute Kirche wurde alleine von Spenden der damals bitterarmen Bevölkerung finanziert. Auch wir steigen die 1 1/2 km bergan und warten (da gerade noch Mittagspause) auf Einlass. Um die Madonna gibt es eine Legende. Das Schiff, das sie wahrscheinlich vor dem Bilderstreit in Byzanz (Ablehnung der Bilderverehrung) in Sicherheit gebracht hatte, strandetet an der hiesigen Küste und konnte erst flottgemacht werden, nachdem die Muttergottes von Bord gebracht war – die Madonna hatte ihr Plätzchen gewählt und wollte offenbar in Tyndaris bleiben. Bald kamen die ersten Pilger – und eine Kette von Wundern. Über die nahe A20 fahren wir in den Hafen von Milazzo – hier parken wir (trotz Verbot) im Hafen. Wir wollen uns nach den Fährverbindungen zu den Eolischen Inseln erkundigen. Fährbüros haben bereits geschlossen. Wir fragen mehrere Personen nach einem Stellplatz im Ort und werden in die „Irre“ geführt. Dann endlich stehen wir vor einem mit einem hohen Zaun umgebenen Parkplatz, hier steht bereits ein niederl. Mobil. Es naht auch bald ein Wachdienst und schließt uns auf (muss über den nahen Supermarkt angefordert werden). Ich komme mir vor wie auf einem Gefängnishof – eingesperrt! Für uns die wir oft auch freistehen ist das Sicherheitsverständnis der Italiener (Sizilianer) gewöhnungsbedürftig.

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Sonnabend, 10. November

Nachts haben wir heftigen Sturm und Regen in Orkanstärke, wir werden heftig durchgerüttelt. Schon vor 7 Uhr stehen wir auf, packen die Rucksäcke und stiefeln kurz nach 8 Uhr Richtung Fährbüro. Vor und im Gebäude stehen viele Personen und diskutieren. Den Aushang am Ticketschalter können wir nicht enträtseln. Schließlich hilft uns ein anderer Wartender und klärt uns im gebrochenem englisch: heute kein Fährbetrieb zu den Inseln, wegen starkem Wellengang. Gegen Mittag sollen wir nochmals im Büro nachfragen, mit Glück geht dann eine Fähre. Was ist, wenn wir rüberkommen, der Sturm zulegt und keine Fähre zurück geht? Wir holen uns bei der Touristinfo einen Plan von Mizallo - das Castell und der Duomo öffnen erst 9.30 und dann ist eine Besichtigung auch nur mit Führung möglich. Der Eingang wird pünktlich aufgesperrt und man gibt uns zu verstehen, dass nur der Duomo besichtigt werden kann. Eine Angestellte geht mit uns, aber wir hatten uns die Ausstattung prächtiger vorgestellt. In 15min ist die Führung zu Ende. Auf dem Weg zurück, beschließen wir bei einem Kaffee Lungo uns die Inseln bei einem weiteren Besuch Siziliens anzusehen. Wir reisen gegen Mittag ab und fahren auf der 185 Richtung Süden. Mit vielen Kehren und grandiosen Ausblicken schrauben wir uns durch kleine Bergstädte hoch auf 1125m. Der höchste Punkt ist der Sella Mandrazzi, wegen seiner Ähnlichkeit auch der Mont Blanc von Sizilien genannt. Von Francavilla bis Naxos (unserem heutigen Ziel) ist es nicht mehr weit. Wir bewegen uns just mit dem Mobil abwärts, als wir durch viele auf der Strasse parkender Autos am Weiterfahren gehindert werden. Aus der Ferne hören wir Motorenlärm, welcher schnell näher kommt. Wir parken auch am Straßenrand und sind auf einmal Zuschauer eines Autorennens über die Passstraßen. Die Strasse soll für die nächsten 2-3 Std. gesperrt bleiben - so die Aussage der Polizei, die ab hier die Strecke geschlossen hat. Uns hilft nur abwarten und Kaffee trinken. Dann ab 17.30 Uhr, es ist bereits dunkel, wird die Sperre aufgehoben. Wir aber dürfen nicht auf unserer Strecke (185) Richtung Francavilla weiterfahren, sondern müssen die Rallye Nebenstrecke nehmen, die wesentlich schmaler ist und erstmal wieder bergauf führt. Rechts und links des Weges stehen noch Autos und einige Zuschauer, es ist lausig kalt, etliche Feuer brennen am Wegesrand. Nur mühsam schleichen wir bergab. Die Straße ist sehr eng, kurvenreich und im Dunkeln sind die tief hängenden Äste kaum zu sehen. So erreichen wir den Ort Francavilla (hier war Rallyeende). Wir fragen nach dem Weg Richtung Naxos und man weist uns den Weg durch die Innenstadt. An einigen Stellen kommen wir mit dem Mobil mal so eben an den parkenden PKWs und tief hängenden Balkonen vorbei. Jede Aufforderung vom Navi ist eine neue Herausforderung, man weiß ja nie was an der nächsten Ecke kommt - ich bin reif für einen Ramazotti! Nach der Stadt wird die Strasse breiter, noch 22 km sind es Giardini-Naxos. Von Bekannten haben wir die Adresse von einem Stellplatz fast im Zentrum. Doch wir irren mit dem Mobil in der Dunkelheit durch die Straßen – mal rauf, mal runter. Doch einen Stellplatz finden wir nicht! Als wir zum 2. Mal in einem Laden nach der Straße fragen, fängt uns ein PKW ab. Der Fahrer spricht deutsch und schlägt uns einen ruhigen Platz ganz in der Nähe auf seinem Grundstück vor. Wir sollen hinter seinem PKW hinterher fahren und tatsächlich – auf seinem Platz steht bereits ein Mobil. In dem kleinen einfachen Restaurant kocht seine Frau für uns Penne mit Fleischsoße, dazu gibt es Salat, Käse und Oliven – lecker. Nach der anstrengenden Fahrt sind wir froh abends einfach nur so im Mobil „rumzuhängen“.

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Sonntag, 11. November

Mit dem Roller (ansonsten fährt auch ab Naxos ein Bus) geht es nach Taormina. Das auf einer Terrasse 200 m hoch über dem Meer thronende Städtchen Taormina war schon im 19. Jh. von Europas Geld- und Hochadel dank seiner einzigartigen Lage und seines mildes Klimas als exklusiver Winter-Urlaubsort beliebt. Goethe schwärmte auf seiner Italienreise vom „schönsten Theater der Welt“ dem Teatro Greco aus „griech./röm.Zeit (3. Jh. v. bis 2. Jh. n. Chr.) mit dem mächtigen Etna als grandiose Naturkulisse dahinter. Noch heute wird das Theater im Sommer für Aufführungen genutzt. Fast 1 km lang ist der Corso Umberto I zwischen den beiden alten Stadttoren Porta Messina und Porta Catania, eine Flaniermeile mit netten Cafes und Restaurants, teuren Designer-Boutiquen, exquisiten Antiquitätenläden und billigem Souvenirkitsch. Und ausgerechnet dort treffen wir Norbert und Irina Schicketanz aus Glinde (wir kennen Norbert seit über 30 Jahre). Unser Wiedersehen feiern wir mit O-Saft, Bier und Wasser auf einer sonnigen Terrasse in einem der unzähligen Cafes der Stadt. Nach einer Stunde trennen wir uns, sie haben ein Hotel in Taormina, wir wollen mit dem Roller in das 300 m höher liegende Castelmola. Wie ein Schwalbennest klebt das bezaubernde Castelmola auf steilen Felsen mit atemberaubendem Ausblick. Zurück geht es auf steiler Serpentinenstr. bergab nach Naxos. Im Ort machen wir den Reisemobilstellplatz unweit vom Archäologischen Park ausfindig. Er ist wirklich schwer durch all die Einbahnstr. zu finden.

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Montag, 12. November

Autowäsche – Hausarbeit. Gegen 10 Uhr mit dem Roller zu der 15 km entfernten Gola d’Alcantara, eine spektakuläre, bis zu 20 m tiefe Schlucht, die sich der Alcantara-Fluss über Jahrmillionen gegraben hat. Vom großen Parkplatz geht es per Lift nach unten (3 €) oder über die Steintreppe (in 15 Minuten). Man kann den Canyon aus bizarr geformten Basaltwänden ein ganzes Stück durchwaten. Das Wasser ist auch im Sommer sehr kühl. Wir können in der Nachsaison nur den kurzen Weg in den Canyon wählen, alle anderen sind nur mit Führung möglich (jetzt geschlossen). So ist das nur ein kurzer Ausflug. Wir beschließen dem nahen Fancavilla einen Besuch abzustatten. Leider haben heute am Montagvormittag in der Stadt alle Geschäfte geschlossen - die Stadt, die am Samstag voller Menschen war, ist heute wie ausgestorben. Bei Tagslicht erscheinen uns die Straßen auf einmal gar nicht so unheimlich – liegt das am Roller? Zurück am Platz scheint die Sonne sommerlich warm. Wir wollen ein kleines Stündchen in der Sonne relaxen, doch alles wäre noch schöner ohne die Fliegenplage. Am Nachmittag laufen wir den Lungomare (Straße direkt am Meer). Der Strand ist trotz der angenehmen Luft- und Wassertemperaturen menschenleer. Viele Strandabschnitte sind nur mit Eintritt möglich. – Man kann Schirme, Sonnenliegen, Kabinen mieten und auch für die Parkplätze wird kräftig abgezockt. Die Straßenfront wird von Restaurants und Bars, dicht an dicht, bestimmt. Was wird in der Hauptsaison hier los sein? Jetzt im November: genügend Parkplätze und leere Restaurants. Die Geschäfte liegen überwiegend in den vom Wasser abgewandten Straßen, haben aber um 16.30 Uhr größtenteils noch nicht geöffnet.

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Dienstag, 13. November

Wir bezahlen beim netten deutschsprachigen Stellplatzvermieter. Peter kauft ihm noch eine Steinfigur (Frau) für unseren Garten ab, diese muss nun die ganze Zeit im Gästezimmer transportiert werden. Der Himmel weint ein wenig, als wir Sizilien Richtung Messina verlassen. Wir nehmen die SS 114, sie führt uns durch kleine Orte am Meer entlang. Kurz vor Messina fahren wir auf die Autobahn, die Ausschilderung zum Fährhafen ist perfekt nur der Straßenverkehr ist mal wieder katastrophal – Autos sind in zweier Reihen wild vor den Geschäften geparkt, so dass sich oft nur eine Fahrspur für die vielen Fahrzeuge ergibt. Kurz vor 12 Uhr sind wir beim Terminal und stellen unser Mobil auf einer unbenutzten Fahrspur ab. Wir nutzen die Zeit (etliche herrenlose Hunde passen auf unser Auto auf), um im nahen Zentrum dem Dom einen Besuch abzustatten. Wir sind spät dran, denn um 12 Uhr mittags hält der Campanile eine Touristenüberraschung bereit. Mangels Fahrkarte müssen wir 3 Stationen schwarzfahren. Wir kommen zeitig an und mit uns warten viele Touristen auf das Spektakel. Kurz nach 12 Uhr beginnt es dann: ein goldfarbener Löwe erhebt seinen Schwanz. In der Pfote schwenkt er eine Fahne, er erhebt dann majestätisch den Kopf und brüllt dreimal. Dann kommt der goldene Hahn (Figur darunter) an die Reihe. Er schlägt mit seinen Flügeln und kräht dreimal laut und vernehmlich. Als 3. erscheint ein Schloss, es ertönt das „Ave Maria“ und ein Figurenkreis beginnt sich zu drehen und vor dem Bischoff zu verneigen. Das ganze Spektakel dauert keine 10 Minuten. In unserem Reiseführer waren 20 Min. angegeben, haben wir heute nur die Sparversion gesehen? Zu Fuß gehen wir zur Fähre zurück, kaufen ein Fährticket (Mobil und 2 Personen 31 €) und können sofort auf die Fähre. Nach 20 Minuten legen wir in „Villa San Giovanni“ an. Das Festland empfängt uns mit kräftigen Regengüssen. Über eine „schäbige“ Autobahn mit vielen Baustellen geht es bis zu einem Gratisstellplatz in Campora S. Giovanni, kurz vor Amantea. Es wird früh dunkel, die Luft hat noch angenehme 16 Grad C und die nahe Meeresbrandung hindert mich am Einschlafen. Wir bleiben die einzigen Übernachtungsgäste.

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Mittwoch, 14. November

Regen, Regen, Regen. Wir fahren die Küstenstrasse (SS 18). Die kleineren Orte und die Sandstrände sind menschenleer, nur in den etwas größeren Städten wie Paola und Cetraro sind Einheimische auf der Strasse. Viele schöne Stellplätze (in der Nachsaison ohne Gebühren) gibt es zwischen Diamante und Praia a Mare. Die Altstadt von Scalea soll sehenswert sein, aber bei dem starken Regen haben wir keine rechte Lust auf Stadtbesichtigung. Wir sparen uns die Panoramastrasse von Marina di Maratea bis Sapri für einen späteren Zeitpunkt auf. Mit Blick auf Städte wie Rivello geht es stetig bergan zur A3. Die Autobahn führt mit vielen Brücken übers Gebirge - immer noch Regen. Sollte man umdrehen und wieder nach Sizilien fahren? Dort hat es zumindest nur nachts geregnet! Kurz vor Salerno fahren wir am frühen Nachmittag auf eine Servicestation. Dicht an dicht parken hier die LKWs und PKWs für eine kurze Rast. Wir wollen just wegfahren, da sehen wir Veronika und Michel mit ihrem Reisemobil. Freudige Begrüßung, denn wir haben uns vor 14 Tagen zuletzt am Torre Salsa gesehen. Bei einem Kaffee im Mobil beschließen wir gemeinsam bis Sorrento zu fahren. Dort soll es am Cap einige Campingplätze geben. Die Amalfiküste wollen wir dann morgen (hoffentlich hört der Regen auf) mit dem Pullmann abfahren, gesagt – getan. Ab Autobahnende windet sich die schmale Straße (145) durch die Orte Castellammare, Vico Equense, Meta nach Sorrento. Heute sind, trotz des schlechten Wetters, viele Reiseomnibusse unterwegs. Die zwängen sich wie wir durch die engen Straßen. Manchmal geben Häuserlücken den Blick frei, dann haben wir grandiose Ausblicke aufs Meer. Den Campingplatz Nube d’Argento am Cap können wir, wegen der engen Einfahrt, mal so eben passieren. Michel und Veronika sind mit ihrem La Strada „ratz-fatz“ unten. Wir haben Probleme mit den Kehren, denn der Platz ist terrassenartig am Felsen angelegt. So stehen wir jetzt um 18 Uhr bei Regen und Gewitter am schönsten Fleckchen Italiens!

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Donnerstag, 15. November

Die bezauberndste und meistbefahrene Strecke in Kampanien führt entlang der Südküste der Halbinsel von Sorrent: die Amalfi-Küste. Von Sorrent, einem belebten Ferienort, schlängelt sich die Straße abwärts nach Positano, das sich an einem Abhang hinunter bis zum Meer erstreckt. Der Pullmann fährt um 10.30 Uhr vom Bahnhof in Sorrento. Wir wollen völlig entspannt die Amalfiküste über Postiano bis Amalfi genießen – ohne dem Mobil (wäre auch zu schmal und ist inzwischen für Reisemobile in der Zeit von 6 bis 24 Uhr verboten). Wir sind mit dem Einsteigen spät dran und erwischen die Sitzplätze in hinteren Teil vom Bus. Wir beabsichtigen die 43 km bis Amalfi zu fahren, dann einen Stoppeinlegen und auf der Rücktour einen 2. Stopp in Postiano. Aber – unser Busfahrer fährt die kurvenreiche Strecke wie „eine besengte Sau“. Veronika nennt die Costiera Amalfitana die „Kotzeria Amalfitana“ und dem Peter ist auch so! Nach einer Stunde Höllenfahrt steigen wir schon in Positana aus. Erst einmal tief durchatmen. Wir entscheiden uns für eine vorgezogene Ortsbesichtigung von Positano. Die Pullmann-Haltestelle ist oben am Berg, im Ort selbst verkehren nur kleine Busse. Wir gehen zu Fuß, den Weg bis zum Endpunkt am Meer. An vielen Edelboutiquen, kleinen Bars und Hotels vorbei erreichen wir die kleine Bucht. In der liegen einige Fischerboote am grobsandigen Strand. Wir stärken uns mit einer leckeren Pizza am Stehtresen – Platznehmen nur gegen „gepfefferten“ Aufpreis möglich. Dann wird es Zeit den Bus gegen 13 Uhr, Weiterfahrt nach Amalfi, zu erreichen. Wir haben Glück und können weiter vorne sitzen, denn die jetzige Fahrstrecke ist die mit den grandiosen Ausblicken: auf steile Küste, das blaue Meer und die zauberhaften Orte am Hang. Dieser Fahrer fährt bedeutend angenehmer und wir genießen die 23 km bis Amalfi, hier ist Endhaltestelle. Zu Viert gehen wir auf Entdeckungstour. Amalfi ist die größte Stadt an derKüste. Ihr ganzer Stolz ist ein Dom (10. Jh.) mit einer reich verzierten Fassade (13. Jh.). Amalfi war eine Seemacht, bevor sie 1131 von König Roger von Neapel unterworfen wurde. Der Chiostro del Paradiso (13. Jh.) steht neben dem Dom, dessen Bau die Stadt vom oberen Ende einer langen Freitreppe überblickt. Er ist im lombardisch-normannischen Stil gehalten, im Kreuzgang findet man sarazenische Einflüsse. Der verführerische Duft einer Konditorei lädt uns zur Einkehr ein. Wir schwelgen den Genüssen von vielerlei Kuchen. Spezialität hier die: Delizie di Limone, eine Art Zitronengebäck – lecker! 16.30 Uhr, es ist schon dämmrig – geht es auf dem gleichen Weg mit dem Pullmann zurück. An einigen Stellen hält der Fahrer einen kurzen –Stopp ein, damit die Fahrgäste (überwiegend Touristen) die Aussicht genießen können. Michel und Veronika sitzen hinter dem Fahrer. Michel unterhält sich während der Fahrt mit dem Fahrer auf italienisch, dieser antwortet ihm oft etwas auf englisch und wie sich dann herausstellt, hat er einige Jahre in Deutschland gearbeitet. Der Fahrer meistert die Strecke mit Bravour – oft müssen entgegenkommende Fahrzeuge stoppen, damit an engen Stellen kein Malheur passiert. Der Höhepunkt – Blick auf Positano, wenn bei Dämmerung bereits Lichter brennen. Um 19 Uhr sind wir zurück in Sorrento. Heute gehen wir auch in die interessanten kleinen Nebenstrassen – in die scheint sich kaum ein Tourist zu verirren. Es setzt Regen ein, was hatten wir doch tagsüber für ein Glück mit dem Wetter! Am Abend beschließen wir morgen gemeinsam mit dem Zug nach Napoli (Neapel) zu fahren.

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Freitag, 16. November

Mit dem Bummelzug sind wir in knapp1 ½ Stunden in Neapel. Schon auf dem Weg zum Bahnhof sind wir kräftig nass geworden, jetzt in Neapel ist es noch schlimmer. Innerhalb kürzester Zeit sind wir trotz Schirm pitschnass - so, macht es keinen Spaß einen Altstadtrundgang zu unternehmen! Nachdem wir uns in einem kleinen Cafe aufgewärmt haben, geht es (dank der Sprachkenntnisse von Michel und Veronika) zur Capella Sansevero. Die kleine Kapelle aus dem 16. Jh. ist die Grabstätte der Fürsten von Sangro di Sansevero. Hier findet man sowohl christliche als auch Freimaurersymbolik, was der Kapelle einen merkwürdigen Charakter verleiht. Der verschleierte Christus von Guiseppe Sammartino zeigt atemberaubende Bildhauertechnik. Das Zentrum von Neapel, voll von Palästen, Kirchen und Klöstern, drängt sich um nur wenige Strassen. Wir gehen durch etliche verschachtelte Gassen. Vor den kleinen Geschäften sind die für Neapel so berühmten Weihnachtskrippen ausgestellt. Ich kann die vielen kleinen Einzelheiten nur bewundern: so klein und detailgetreu! Unser nächster Stopp ist der Dom San Gennaro. Er wurde 1294 bis 1323 erbaut, die Fassade aber stammt überwiegend aus dem 19. Jh. Der Dom beherbergt die Reliquien Gennaros, des Schutzheiligen von Neapel, der 305 den Märtyrertod starb. Sehenswert ist das Museo Archeolgico Nationale. Das Gebäude, in dem eines der bedeutendsten archäologischen Museen der Welt untergebracht ist, wurde im 16. Jh. für die königl. Kavallerie erbaut, im frühen 17. Jh. zog die Universität von Neapel ein. Auf fünf Ebenen kann man Skulpturen, Mosaiken, Bilder keram. Gegenstände, Glasvasen und Schmuck besichtigen. Die bedeutendsten Funde aus Pompeji sind hier ausgestellt. Es gibt auch ein Geheimkabinett, mit erotischen Darstellungen aus Pompeji und Heraculeum. Selbst 2 Std. verschaffen nur einen kleinen Überblick. Unbedingt einen Besuch wert sind die Arkaden der Galleria Umberto I (1887 errichtet). Sie waren Treffpunkt der schicken Neapolitaner und sind heute noch hübsch. Gegenüber liegt Italiens größtes und ältestes Opernhaus: Teatro San Carlo. Es wurde 1737 für Karl II erbaut und später umgestaltet. Obwohl es schon dämmert, gehen wir noch zum Castel Nuovo. Die Burg war früher königliche Residenz. Jetzt nimmt ein Teil des Gebäudes das Museo Civico ein. Es ist merklich kühler geworden und der Heimweg benötigt auch noch 2 Std, so heben wir uns die Besichtigung für einen späteren Besuch auf. Mit Regenschirm geht es wieder heimwärts, kleiner Schlummertrunk im Mobil und wir alle vier fallen todmüde in die Betten.

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Sonnabend, 17. November

Regen und Matsch. Michel verhandelt mit der Chefin vom Campingplatz um einen Nachlass, der Platz hat wirklich keine 4 Sterne verdient. Die Toiletten und Duschräume bedürfen einer gründlichen Reinigung und das sagt er ihr auch. Trotz zähen Verhandlungen bezahlen wir 23 € pro Tag. Peter schafft es ohne große Probleme das Mobil die recht steile Auffahrt hinaufzufahren. Durch Sorrento und Meta geht es den Weg über Landstr. nach Pompeji. Am Ortseingang gibt es gleich einige größere Parkplätze (auf denen man gegen Gebühr auch übernachten kann) und einige Campingplätze. Michel hat einen Stellplatz am 2. Eingang ausfindig gemacht. Dazu müssen wir einmal durch Pompeji, mit einigen Einbahnstrassen. Michel muss des Öfteren nachfragen – dank seiner ital. Sprachkenntnisse klappt es vorzüglich und wir gelangen zu einem Hinweis: Sosta Camper. Ein älterer Herr öffnet uns zugleich die eiserne Doppeltür und Michel fährt durch, wir müssen jonglieren mit unserem 2,35 m breiten Mobil. Die Stellplätze im Innenhof haben Kieselsteine oder Asphalt als Untergrund und es stehen Orangenbäume als Begrenzung. Eine sympathische junge Frau stellt sich vor und erklärt uns die Einrichtungen (sie spricht auch englisch). Der Eingang zu den Ausgrabungen ist 500 m entfernt und die Stadt mit ihren Einkaufs- und Shoppingmöglichkeiten ganz nah. Am späten Nachmittag machen wir einen Erkundigungsgang durch die Stadt. Die Wallfahrtskirche Madonna del Rosario steht im Zentrum. Immer wieder überrascht uns die prunkvolle Ausstattung der Kirchen. Es ist kurz vor Gottesdienstbeginn, wir müssen uns mit der Besichtigung sputen und verweilen noch ein wenig in den hinteren Bänken. Der Gottesdienst mitgestaltet von einigen jungen Frauen von den Philippinen(?) Ihre glockenklaren Stimmen sprechen Gebete und stimmen Lieder an – wir sind berührt und auf einmal ganz klein.

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Sonntag, 18. November

Heute besichtigen wir die Ausgrabungen von Pompeji. Gruseln und Staunen angesichts der vom Vesuv 79. n. Chr. mumifizierten Stadt. Asche und Staub konservierten Wohnhäuser, Bordelle, Garküchen, Fresken und Mosaike. Mit unserem ständigen Begleiter der letzten Tage, dem Regenschirm, verbringen wir 5 Std. auf dem Gelände. Viele Wohnungen, darunter die Villa Vettil (Patriziervilla zweier reicher Kaufleute), sind verschlossen. Da wir schon am Freitag einen Großteil der Mosaiken, Malereien und Statuen im Museum in Neapel gesehen haben, vervollständigt sich nun unser Gesamteindruck. Durchgefroren kommen wir bei unserem rollenden Zuhause an. Ein kleiner Schnaps wärmt alle Glieder.

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Montag, 19. November

Schon kurz vor 9.00 Uhr steigen wir Vier in den Zug nach Neapel. Die Stadt hat uns beeindruckt und wir möchten noch einen Tag dort verbringen. Wir haben Glück mit dem Wetter - es ist sonnig. Wir sehen uns einige interessante Kirchen, unter anderem San Lorenzo Maggiore und die Gesu Nuovo an. Die Jesuitenkirche aus dem 16. Jh. mit ihren überschwänglichen Verzierungen im Inneren (17. Jh.), damit wollten die Jesuiten - wie mit dem Theater - die Gläubigen emotional berühren und an sich binden. Von tiefer Religiosität zeugen die vielen Votivtafeln in einer Kapelle. Ein bekannter Arzt, (wurde auch heilig gesprochen) hat viele Kranke geheilt. Noch heute beten viele kranke Gläubige zu ihm. Im Castel Nuovo besichtigen wir das Museum Civico: Bilder, Kapelle und Sitzungssaal. Von der Terrasse haben wir einen Blick auf die Bucht von Neapel im Sonnenschein. Die riesige Piazza Plebiscito wurde restauriert und vom Verkehr befreit - hier steht der Palazzo Reale, er ist Neapels Königspalast. Ein herrlicher Bau, heute auch Museum, mit Möbeln, Wandbehängen, Gemälden und Meißener Porzellan. Wir spazieren weiter zum Castel dell´Ovo. Hier am Hafen befinden sich die 1a Hotels von Neapel. Die Burg (1154) steht auf einem Inselchen. Unter dem Normannen und Staufen war das Castel königliche Residenz, heute gehört es dem Militär. In der Galleria Umberto I genießen wir Kaffee und Kuchen - gar nicht mal so teuer wie vermutet. Für heute heißt es: den Heimweg antreten. Wir nehmen wieder den Vorortzug, jetzt zur Rushhour überfüllt. Abends feiern wir Abschied, morgen trennen sich unsere Wege. denkste!!

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Dienstag, 20. November

Als wir Veronika und Michel noch vor dem Frühstück berichten, dass wir noch einen Tag bleiben und uns die Ausgrabungen von Ercolano ansehen wollen, schließen sie sich spontan an. Zu Viert (mit Peter als Reiseleiter) macht es uns allen viel Spaß und V+M ital. Sprachkenntnisse öffnen uns „Tür und Tor“. Ercolano (Herculaneum) liegt kurz vor Neapel, wir nehmen den Zug. Der Vesuvausbruch von 79 n. Chr. zerstörte und konservierte die Stadt unter einer 15 m hohen Lavaschicht. Durch Zufall entdeckte ein Bauer bei Brunnenbohrungen die verschüttete Stadt. So wurde systematisch gegraben und kein „Raubbau“ betreiben. Bekannt war die Stadt im Altertum als Erholungsort durch seine Thermen. Selbst für diese Ausgrabungen benötigt man mit Plan 3 Stunden – ein Großteil der alten Stadt kann nicht ausgegraben werden, denn er liegt unter der Neustadt.

Tipp: Tageskarte für den Zug nach 10 Uhr nur € 2,70


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Mittwoch, 21. November

Gemeinsam verabschieden wir uns von dem netten Stellplatzehepaar und treten die Weiterreise an. Kurz vor Rom trennen sich unsere Wege. Wir – wollen uns 2 Tage Rom ansehen und V+M machen auf ihrem Heimweg einen Besichtungsstopp in Orvieto (liegt an der A1 Richtung Firenze).Uns fällt der Abschied voneinander richtig schwer, denn wir haben zusammen 7 Tage randvoll mit vielen Unternehmungen, netten Gesprächen und spontanen Späßen verbracht. Danke Veronika und Michel – ihr seid sehr angenehme Reisebegleiter! Noch 24 km, dann sind wir auf dem Stellplatz: Area di Sosta Attrezzata Via Casilina. Nachdem wir unser Mobil auf einer abgetrennten Stellplatzfläche neben ca. 15 anderen Mobilen abgestellt haben, machen wir uns zugleich an die Arbeit: Tagebuch schreiben und Orangenmarmelade kochen. Peter hilft fleißig mit und zum Schluss haben wir 6 Gläser Marmelade. Inzwischen ist es dunkel und wir gehen auf Einkaufstour (20 Min. Fußweg). Auf der Hinfahrt haben wir einen Lidl-Markt gesehen. Gleich neben unserem Stellplatz gibt es eine große Grünanlage, mit riesigen Parkplätzen. Aber dann dahinter: Müllberge! Befindet sich hier eine Müllhalde? Nein, hier wohnen Menschen in Baracken und ihren Müll werfen sie hinter den Zaun. Nach dem Einkauf geht es die gleiche Strecke wieder zurück und wir können beobachten, wie ein großer Geländewagen zu diesen Barackendörfern einbiegt. Wir stellen so unsere Überlegungen an: arbeitsscheuer Vater holt seine Frau und Kinder von der „Bettelarbeit“ ab. Obwohl unser bewachter Stellplatz etwas abgeschirmt von der belebten Straße liegt, hören wir doch bis in die Nach die „Martinhörner“ der Ambulanz.

Donnerstag, 22. November

9.30 Uhr, heute sind wir spät dran. Mit den nahen öffentlichen Verkehrsmitteln wollen wir ins Zentrum von Rom fahren. Wir wollen uns durch die Straßen treiben lassen, einige Kirchen besichtigen, über Plätze schlendern und irgendwo in einem der vielen Straßencafes einen Cappuccino trinken. Die Tram vor unserem Platz fährt heute anscheinend nicht ins Zentrum, es kommt keine! Wir entschließen uns den Bus (105) bis zum Termini (Zentralbusbahnhof) zu nehmen. Der 1. Bus ist so überfüllt, das wir nicht einsteigen können. Der 2. folgt dann in ein paar Minuten. Wir haben Glück und bekommen einen Sitzplatz, in knapp 30 Min. sind wir am Termini. Uns gegenüber im Bus sitzt eine junge Mulattin mit ihrem wenige Wochen alten Baby – sie hat es vor die Brust geschnallt. Überhaupt sieht man so oft wie kaum Kinderwagen, die Kinder in Italien werden getragen! Schon die Gebäude am Piazza della Republica geben Aufschluss über den Reichtum – oder soll man besser schreiben: Rom hat beneidenswerte alte Bauten mit schönen Fassaden? Ich will nur einiges aufzählen, was wir in den 5 Stunden gesehen haben: Teatro dell Opera, Glardino del Quirinale, einige Kirchen mit Meisterwerken von Bernini (1598-1680), viel Parlaments- und Regierungsgebäude mit einem großen Aufgebot an Sicherheitspolizei (davor Nobelkarossen mit gelangweilten Fahrern), Fontana di Trevi, die Einkaufsstrasse Via del Corso, Piazza Venezia, das Pantheon, Piazza Navona mit seinen vielen Künstlern und Straßencafes, Trajans-Säule (erinnert an seine siegreichen Schlachten), Castel San Angelo, den Petersplatz mit Dom, Corso V Emanuele II, Via Nazionale bis zum Termini. Erschöpft und fußmüde steigen wir in den Bus zurück zum Platz. Gut gefallen hat mir mit außer den Gebäuden, Plätzen, Brunnen und Kirchen eine kleine Schnellimbiss-Pizzeria. Auf einer groben Holztheke wurden ofenwarme lange Pizzastreifen sofort (nach Wahl) portionsweise geschnitten, gewogen und mundgerecht zerteilt. Zum Mitnehmen ins Büro oder zum Sofortessen am Wandtresen. Die Pizzas gingen weg wie: „warme Semmeln“.

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Freitag, 23. November

Auf Tipp vom Michel und Veronika (unbedingt ansehen!) fahren wir nach Orvieto, 130 km nördlich von Rom. Der gepflegte Stellplatz liegt 100m von der kleinen Seilbahn zum Zentrum entfernt. (Orvieto hat in jeder Hinsicht etwas zu bieten. Von der Stadt, auf einem Felsplateau in 300m Höhe gelegen, blickt man auf die Weinanbaugebiete in der Ebene. Hauptanziehungspunkt für die Touristen ist der Dom, eines der schönsten romanischgotischen Gotteshäuser Italiens) Um die Mittagszeit, wir haben mal wieder 20 Grad, sind wie so oft in Italien, die meisten Geschäfte geschlossen. Nur die Restaurants, Bars und Cantinas warten auf Gäste. Durch die mittelalterlich gepflasterten Gassen schlendern wir zum Dom. Rund 300 Jahre dauerten die Bauarbeiten am Dom (Beginn 1290) mit seiner atemberaubenden Fassade) Die Bronzeportale stammen von Emilio Greco. Das Museum des Künstlers befindet sich gleich nebenan - um die Mittagszeit geöffnet. Sehenswert (gleich gegenüber vom Dom) Orvietos „Underground“ - der in fast 3 Jahrtausenden errichteten Stadt auf dem Tuffsteinsockel entspricht einer unterirdischen Stadt. Der zu besichtigende Teil umschließt etruskische, mittelalterliche sowie auf die Renaissance datierte Funde. Besichtigung nur mit Führung möglich, für uns um 16.00 Uhr. In der Zwischenzeit schauen wir uns die Pozzo della Cava an. Wurde unter Nutzung eines etruskischen Brunnens auf Geheiß des Papstes Klemens VII angelegt und befindet sich in einem aus 9 Höhlen bestehen Komplex mit zahlreichen Funden aus etruskischer Zeit. Nun wird es Zeit den Dom zu besichtigen. Papst Nikolaus IV veranlasste seinen Bau. Orvieto war im Altertum eine Hauptfestung und bot oft den Päpsten Zuflucht. Die Besichtigung der unterirdischen Stadt, benötigt mit Führung 1 Std. (in der Nachsaison nur italienisch. und englisch). Es soll noch 440 Keller (Höhlen) dieser Art in Orvieto geben, davon 70% in privater Hand. Die Temperatur von 15°C ist ideal für die Lagerung von Nahrungsmitteln. Trinkwasser war lebensnotwendig, Brunnen mussten durch den Tuffstein 60 bis 80m tief gegraben werden. Ab 17.00 Uhr sind zwar die Geschäfte alle wieder geöffnet und auf den Straßen herrscht reges Treiben - dafür sind jetzt die Sehenswürdigkeiten geschlossen. Nicht gerade sehr Touristen freundlich. So benötigt man einen guten Tag um sich alles anzusehen. Die Ruhe auf dem Stellplatz wird nur durch die nahen Bahnlinien etwas beeinträchtigt.

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Sonnabend, 24. November

Unser heutiges Ziel sind die Thermen von Saturnia, 88 km von Orvieto entfernt. Vorerst geht es in vielen Serpentinen bergauf Richtung Bolsena. Von einigen Kehren haben wir einen grandiosen Blick zurück auf Orvieto. Bolsena liegt am Lago di Bolsena, einem großen Kratersee, der im Sommer bis zu 30° Grad warm wird. Die 74 führt uns wieder ins Gebirge. Der Ort Pitigliano „klebt“ am Berg und muss von uns umfahren werden. Gerne würden wir einen kleinen Stopp einlegen - doch wieder einmal weit und breit kein Parkplatz in Sicht. Wir erreichen jetzt die Toskana mit ihren sanften Hügeln, Weinbergen, Zypressen und jetzt im Herbst schöner Laubfärbung. Alte Gemäuer und kleine Städte liegen auf dem Weg zu unserem heutigen Ziel. Schon vom Berg können wir im Tal die Thermen sehen. Unweit von denen gibt es eine Stell- und Parkplatz. Von hier sind es nur 1 ½ km zu Fuß, es gibt aber auch stündlich einen Shuttledienst. Der Himmel hat sich im Laufe des Vormittags immer mehr bewölkt und kaum stehen wir, prasselt ein starkes Gewitter mit Regengüssen auf uns herab. In kleinen Bächen fließt die braune Brühe über den Platz. Wir haben keine Wahl: es heißt abwarten! Nach gut einer Stunde können wir zur Therme (Naturanlage mit Wasserfall) losmarschieren. Da dieses „Naturwunder“ ohne Eintritt für jedermann zugänglich ist, sieht es entsprechend aus: keine Umkleidemöglichkeiten, keine Toiletten. In einer kleine Höhle deponieren wir unsere Kleidung und begeben uns dann zu den Sinterterrassen – heute am Wochenende sind so um die 20 Einheimische im Wasser. An einem Bretterzaun kann man sich notdürftig festhalten und weiter ins 37° Grad warme Wasser waten. Der Untergrund hier ist grobsandig. In den kleinen „Naturbadewannen“ sitzen die Besucher. Hinter den Bretterzaun darf man nicht blicken – alles was die Besucher nicht mehr benötigen – sammelt sich hier. Für den Müll fühlt sich niemand zuständig!
Anmerkung: Noch heute gräbt man in Italien verschüttete Altertümer aus (welche Kultur damals!). Irgendwann –in 1000 Jahren – muss Italien unter dem Plastik- und Wohlstandsmüll von heute ausgegraben werden!
Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Abstecher zum öffentlichen Thermalbad, gleich gegenüber der Einfahrt zum Reisemobilstellplatz. Eintritt 22 € pro Pers., eine 50min Massage 100 €. Das können sich wohl nur die Besserverdienenden Italiener leisten – Fahrzeuge der Luxusklasse lassen das vermuten. Gegen 17.00 Uhr statten wir dem Ort Saturnia (oben auf dem Berg) zu Fuß einen Besuch ab. Hinweg 10 Min Abkürzung steil bergan. In den frühen Abendstunden wartet der Ort auf Gäste. Wir erledigen einige Einkäufe, mit denen geht es bei Dunkelheit die Strasse zurück. Nicht ganz ungefährlich, denn Fahrzeuge überholen uns auch in kritischen Situationen bei Gegenverkehr. Wir begegnen keinen Fußgängern – in Italien fährt jeder noch die kleinste Strecke mit dem Auto, bei gleichen Kraftstoffpreisen wie in Deutschland.


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Sonntag, 25.November

Wir haben uns vorgenommen einen Abstecher in das Cinque Terre zu unternehmen. Das war schon seit über zwei Jahren mein Traum, in dieses Gebiet südlich von Genua zu fahren und hier zu wandern. In einem Reisebericht ist ein Stellplatz für Reisemobile in Manarola erwähnt, nur die Stellplatzgeb. sollen gepfeffert sein. Wir wollen uns diesen Platz anschauen. Vorerst heißt es kleine Landstr. fahren bis es bei Grosetto auf die Bundesstr.1 geht. Das Wetter meint es gut mit uns und zeigt sich während der Fahrt von seiner besten Seite – erst ein wenig Nebel, dann Sonne. Herbstlaub golden, Erde rotbraun, Zypressen, alte Häuser – typisch Toskana. Ab Livorno benutzen wir die A12, die wir bei La Spezia wieder verlassen. Von hier ist das Cinque Terre ausgeschildert (bis zum Ziel 20km sagt das Navi). Die 5 Orte Monterooso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola, und Riomaggiore sind an den Felsen geklebt. Häuser in bunten Farben - Parkplätze rar. Zwar gibt es seit geraumer Zeit Strassen, aber auf Empfehlung des Reiseführers nimmt man am besten die Bahn. Kurvenreich mit grandiosen Ausblicken erreichen wir den Stellplatz am Ortseingang von Manarola. Au Backe – so schräg hatten wir uns ihn nicht vorgestellt. Bevor es zu Fuß hinab in den Ort geht, heißt es den Parkautomaten mit Euros füttern. 3Std. -5€, (bei 24 Std, Parkdauer errechnen wir sage und schreibe 29€) Doch der Automat will unser Geld nicht! Und auch die anderen hier geparkten Mobile haben kein Ticket hinter der Windschutzscheibe. So stiefeln wir ohne Ticket los. Gleich unten im typisch italienischen Ort, mit steilen engen Gassen; zweigt am Hafen ein Wandersteig (oberhalb vom Meer) ab. Nach ein paar 100 Metern ist er durch eine Pforte gesperrt – so ein Pech für die Spaziergänger. Im Hafen zurück macht Peter eine anderen Wanderweg ausfindig: den Via dell Amore (Weg der Liebe) von Manarola nach Riomaggiore. Dieser Weg geht durch den Tunnel der Bahn und kostet 5€ Eintritt pro Pers. Der Parco Nationale delle Cinque Terre unterhält mit diesem Geld die Wanderwege. Bequem lässt es sich auf diesem Weg „der Verliebten“ wandern und mit uns viele Touristen. Knapp 50 Min., dann ist man in Riomaggiore. Wir schlendern ein wenig durch die engen kleinen Gassen und gehen dann über Treppensteige an der Meerseite um den Ort zurück zum Ortseingang. Es ist inzwischen 16.30 Uhr und von einer kleinen Kaffeeterrasse können wir dem Schauspiel „Sonnenuntergang“ auf dem Meer beiwohnen. Jetzt wird es aber Zeit zum Auto zurückzukehren. Laut Auskunft der Touristinformation ist der Parkautomat außer Betrieb, bei soviel Ersparnis (58€) entschließen wir uns 2 Tage zu bleiben. Unser Versuch auf Klötze zu fahren scheitert jämmerlich, - Untergrund zu glatt sie rutschen immer weg. Zum Glück reist ein Reisemobil ab, dieser Stellplatz ist nicht ganz so schräg und so schaffen wir mit Stützen und Steinen doch noch unser Reisemobil in eine etwas bessere Lage zu stellen. Nachts ist es überraschend ruhig.

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Montag, 26. November

Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker – so früh sind wir schon lange nicht mehr aufgestanden! Kurz nach 8.00 Uhr wollen wir mit dem Zug bis Monterrosso und dann den Wanderweg bis Vernazza laufen. Der Zug fährt erst wieder gegen 11.00 Uhr in die Richtung. In knapp 20 min kommen wir an. Auf unseren Cinque Terre Infoblatt ist für die Wanderung Monterosso/Vernazza (3km) 2 Std. angegeben. Wir stärken uns mit einem kleinen Kaffee und suchen dann den Wanderweg. Gleich schon im Ort beginnt er mit Steinstufen und windet sich mit Stufen, Stufen und nochmals Stufen in die Höhe. Hier oben gibt es nur noch Weinberge. Selten haben wir ebene Pfade meistens geht unser schmaler Pfad bergauf in Stufen und bergab in unregelmäßigen Stufen. An vielen Stellen ist es uns fast unmöglich entgegenkommenden Wanderern auszuweichen. Der Hang fällt meist steil ab zum Meer. Auf der ganzen Strecke begegnen uns nur 4 Personen. Dann nach 2 Std. schwitzen und schnaufen haben wir es geschafft, die Häuser von Vernazza sind in Sicht. In einem kleinen Cafe am Hafen belohnen wir uns mit einem Kaffee in der Sonne und beschließen den jetzt sich anschließenden 4 km Wanderweg (Zeit 1 ½ Std.) in Angriff zu nehmen. Wer denkt, das dieser Weg an der Küste entlang geht der irrt! Wieder Stufen – Stufen – steil bergan bis auf 300m Höhe. Die Sonne und etliche (meist englische) Wanderer sind unsere Begleiter. Die Aussicht auf das Meer und die Orte sind phantastisch. Bald haben wir Corniglia erreicht und unsere Kräfte reichen noch für einen Streifzug durch den Ort. Zum Bahnhof (der Wanderpfad Richtung Manarola ist gesperrt) geht es über viele Stufen bergab. Unser Zug ist gerade weg, so sitzen wir eine Stunde in der warmen Nachmittagssonne. Wir denken an unsere Freunde im kalten Norden und fragen uns: was werden sie wohl gerade machen?

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Dienstag, 27. November

Die Sonne berührt schon die ersten Gipfel, es scheint hier wieder ein schöner Tag zu werden. Wir können auf dem Parkplatz frisches Wasser bunkern. Dazu muss Peter das Mobil umparken und durch die plötzliche Schräglage läuft das just abgelassene Abwaschwasser in die Duschwanne – so eine Sch……! Über LaSpezia zurück geht es auf die A 15 Richtung Norden. Wir fahren durch Nebelbänke – rechts und links 1000 bis 2000 m hohe Berge. Mit vielen Tunneln passieren wir diese bis auf 700 m aufsteigende Autobahn. Ab und zu lugt die Sonne hervor und lässt bunte Herbstbäume aufleuchten. Nach dem letzen Tunnel und kurz vor der Autobahn nach Milano ist alles nur noch grau in grau – keine Sonne und grauer Himmel, mit Temperaturen um die 4 bis 8 °C. Wir umgehen Milano und fahren Richtung Bergamo, zum kleinen Ort Sotto il Monte. In unserem Stellplatzverzeichnis soll es hier im Geburtsort von Johannes XXIII einen kostenlosen Stellplatz beim Agriturismo Casa Clelia geben. Kurz vor dem Ziel (7km) nehmen wir uns die Zeit und besuchen einen Supermarkt. Bei der Weiterfahrt macht ein Schild uns aufmerksam: Durchfahrt nur für Fahrzeuge bis 2.20 m Breite und 3,5 t gestattet. Wie wir nach wenigen 100 Metern erfahren, betrifft es die Brücke auf unserer Strecke. Wir müssen wenden – eine Ausschilderung der Umleitung gibt es nicht. Erst nach etlichen Kilometern rechnet unser Navi um, Umweg 16 Kilometer. In Sotto il Monte müssen wir einige Male nach dem Agritourismo fragen. Dann endlich, in einer schmalen Straße, entdecken wir den Hinweis. Leider ist für unser großes Mobil die Einfahrt durch eine Metallschranke beeinträchtigt. So machen wir uns zu Fuß auf Erkundigungsgang. Im kleinen Restaurant informiert uns eine Angestellte: Stellplatz für Camper gratis – ohne V+E, Abendessen erst ab 19.30 Uhr möglich. Das Menü mit Vorspeisen, Dessert und Wein soll um die 30€ pro Pers. kosten. Das mag ja angemessen sein, ab der um die Uhrzeit essen wir nicht mehr so üppig. Wir machen uns auf die Suche nach einem anderen Schlafplatz. Im Ort findet sich zwar ein geeigneter Parkplatz, aber Peter möchte noch etwas Strecke schaffen. Kurz vor Como werden wir fündig, eine Seitenstrasse am Friedhof. Zu Fuß erkunden wir noch etwas den kleinen verschlafenen Ort. Die nahen Kirchglocken haben ein angenehmes Glockenspiel –zu jeder vollen Stunde.

Mittwoch, 28. November

Schon früh machen wir uns auf den Weg, spätestens gegen Mittag wollen wir in Zürich bei unserer Tochter sein. Erst ist Nebel unser Begleiter, dann kurz vor dem Gotthardtunnel: strahlend blauer Himmel und Sonnenschein – die Berge schneebedeckt. 17 km in totaler Tunneldunkelheit, dann auf der anderen Seite Sonne und Schnee, aber die Straßen sind frei. Je näher wir Zürich kommen, umso weniger Schnee. Wir fahren auf unseren Stamm-Stellplatz am Zürichsee. Von hier starten wir zu Familienbesuchen in Zürich, Bayern und Österreich. Am 12. Dezember wollen wir wieder in Glinde sein

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Anmerkung:

In 11 Wochen haben wir insgesamt 6750 Kilometer zurückgelegt, das Wetter war überwiegend gut, mitunter starke Regenfälle,
Wassertemperaturen auf Sizilien Anfang Oktober 24 °, im November noch 20°C,
Menschen überwiegend freundlich und nett, wir hatten bei Übernachtungen auf Stellplätzen und Stadtbesichtigungen kein „ungutes Gefühl“,
Italien ist ein wunderschönes Land. Nur schade, dass sich so wenig Einheimische um Müll und Beschmierungen an Hauswänden und öffentlichen Verkehrsmitteln einen „Dreck scheren“. Aber ….. wir kommen wieder!
Was erwartet uns zu Hause? – Eine gründliche Reinigung des Reisemobils


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