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Syrien-Jordanien - 2005-2

Rundreise durch den Orient

Türkei-Syrien-Jordanien-Türkei

27.9.2005 bis 20.11.2005
Tagebuchnotizen von Monika Ambos.........Bilder Peter Ambos.

Zum besseren Verständnis die Umrechnungskurse:
Türkei: Türkische Lira (TL) 1 Euro = 1,60 TL
Syrien: Syrisches Pfund (SYP) 1 Euro = 65 SYP
Jordanien: Jordanische Dinar (JD) 1 Euro = 0.80JD


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Dienstag, 27.9.

Wir reisen nach einigen Formalitäten in die Türkei ein. Zuletzt waren wir vor 3 Jahren diese Strecke gefahren: Die Straße nach der Grenze ist neu ausgebaut. Doch wir freuen uns zu früh – die weitere Strecke hat dann einen sehr schlechten Belag und mit unserem großen Auto können wir nur schwer ausweichen. 80 km vor Istanbul machen wir Rast. Es stellt sich die Frage 1.) Nachmittag am Strand mit baden verbringen oder 2.) Weiterfahrt nach Istanbul auf den uns schon bekannten Campingplatz – Londra-Camping - Wir entscheiden uns für 2. Aufmerksam studieren wir die Tankstellen auf unserer rechten Seite. Gleich nach dem Flughafen soll auf der 100 der Abzweig zum Campingplatz, unmittelbar vor einer Tankstelle, kommen. Geschafft!! Mit uns sind noch 2 weitere Reisemobilfahrzeuge auf dem Platz. Neu eine U-Bahn bringt uns mit 1 x umsteigen in die Tram bis zum Ägyptischen Basar. Dort sind viele Touristen. Von den Händlern werden wir oft in deutscher Sprache angesprochen, scheinbar können sie unschwer unsere Herkunft entdecken. Preisvergleich an einigen bereits vor 2 Jahren in der Türkei gekauften Artikel bestätigen uns: Auch hier ist alles teurer geworden. Am Ausgang vom Basar essen wir eine Kleinigkeit (überteuert und kleine Portionen). Wir beschließen noch unserem Lokal „Cennet“, einen Besuch abzustatten. Damit ich nicht so weit laufen muss, nehmen wir für einige Stationen die Tram. Im Cennet sind heute nicht so viele Gäste. Wir bestellen Gözleme und Vorspeisen. Die Musikanten ziehen ihre Runde durchs Lokal, doch niemand der Gäste fühlt sich zum Tanzen animiert. Das Lokal haben wir aber schon ganz anders erlebt: voller Touristen und kaum ein freies Plätzchen zu finden. Zur Rushhour quetschen wir uns in die übervolle Tram und nach dem Umsteigen in die U-Bahn sind wir nach 4 Stationen am Ziel. Beim Campingplatz angekommen, ruhen wir unsere müden Füße aus.

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Mittwoch, 28.9.

Über Istanbul liegt eine Dunstglocke als wir am frühen Vormittag diese 15 Mio. Stadt Richtung Osten über die Autobahn verlassen. Unser heutiges Ziel ist Ankara. Istanbul erstreckt sich mit seinen Industrievorstädten bis Izmit. An der Autobahn sieht man viele moderne Büro- und Industriegebäude. Obwohl die Benutzung der Autobahn Maut kostet, ist sie rappelvoll. Man muss höllisch aufpassen, denn oft wechseln die Fahrer ihre Spur plötzlich von links nach rechts und umgekehrt. Bis Bolu ist die Autobahn fertig gestellt, danach geht es über Landstraßen hoch ins Gebirge. Wir kommen auf dieser Schnellstrecke Istanbul-Ankara an vielen Schnellrestaurants vorbei, hier machen die Überlandbusse Rast. Auch wir machen Rast und probieren einige Gerichte (TL 11), zum Abschluss gibt es einen Tee gratis. Ab Gerede wird die Landschaft interessanter: Hügel mit teilweisen Verformungen wie in Kappadokien. Wir entschließen uns nicht den Campingplatz östlich von Ankara anzufahren, sondern die etwa 80 km bis zum Tuz Gölü zu fahren. Die Schnellstraße 750 Ankara-Konya- Adana ist gut zweispurig ausgebaut. Um Ankara herum sehen wir viele Rohneubauten für Wohnungen auf der grünen Wiese und teilweise recht abgelegen. Wer soll hier einziehen? Auch fällt uns das dichte Tankstellennetz auf – mind. alle 500 Meter - Kraftstoffpreis für Diesel: TKL 2,10 der Liter, für Einheimische fast nicht mehr zu bezahlen. Bereits um 19 Uhr wird es dunkel. Wir nehmen eine der vielen großen Tankstellen als Parkplatz für die Nacht.


   |   Tages KM: 600

Donnerstag, 29.9.

Es war verhältnismäßig ruhig auf der Großtankstelle am Tuz Gölü, der zweimal so groß wie der Bodensee ist. Im Sommer trocknet dieser große Salzsee fast vollständig aus und die Salzgewinnung eines Sommers reicht aus, um die ganze Türkei mit Speisesalz zu versorgen. An der zweispurigen 750 über Aksaray sehen wir links und rechts abgeerntete Getreidefelder soweit das Auge reicht. Als wir bei Pozanti auf die Autobahn abbiegen haben wir nicht mehr „alle Tassen im Schrank“ – so schlecht ist diese Wegstrecke. Auf der dreispurigen Autobahn, durch das bis zu 3000 m hohe Taurusgebirge, schleppen sich viele alte Lkws aufwärts. Und für abwärts gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50km/h. Auf den Parkplätzen und Seitenstreifen der Autobahn sieht man etliche defekte Fahrzeuge. Da wird schnell mal auf einem Parkplatz der Motor ausgebaut, bei uns in Deutschland wäre das unmöglich. Am späten Nachmittag kommen wir in Iskenderun an. Der Campingplatz ist mal wieder nicht auf Anhieb zu finden. Nach mehrmaligem Fragen – anscheinend weiß keiner von den Einheimischen was ein Campingplatz ist, finden wir diesen. Er liegt direkt am Meer und ist recht einfach ausgestattet. Außer uns sind noch zwei Australier mit Zelt und Motorrad auf dem Platz. Barbara und Charles, so heißen die beiden, sind schon seit 8 Jahren mit ihrem Motorrad auf Weltreise. Sie scheuen sich nicht für kurze Zeit in anderen Ländern zu arbeiten, da ihre Pension nicht sehr groß ist. Abends sitzen wir auf der überdachten Terrasse vom Platz bei einem Glas Rotwein zusammen. Sie wollen auch Syrien und Jordanien bereisen und dann weiter nach Ägypten, auch können sie interessantes von ihren Reisen berichten.


   |   Tages KM: 493

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Freitag, 30.9.

Frühstück vor dem Mobil. Peter wäscht das Auto und ich schreibe Ansichtskarten. Wir bekommen frische Feigen und Granatäpfel „frei Mobil“ geliefert, danach ist für mich Hausarbeit angesagt. Nach der Arbeit geht es zum Baden, 28 °C schätzen wir die Temperatur. Schade, dass der Strand vom Campingplatz so ungepflegt ist. Mittags erwartet uns Adana Kebab, von Madame Miriam (Ehefrau vom Campingbesitzer) zubereitet. Mit Barbara und Charles genießen wir die Fleischspieße, dazu Salat, Brot und scharfe Beilagen. Wir trinken Ayran und Bier. Danach zeigen wir B. u. C. unser Auto und servieren spanischen Kaffee zum Dessert. Alles zusammen hat es in sich – wir sind beschwipst und müssen etwas ruhen. Später beschäftigen wir uns mit der Reiselektüre von Syrien. Abends lädt der Campingbetreiber uns vier in sein Wohnhaus zum Kaffee ein. Stolz präsentiert er sein neues Ferienhaus. Andere Häuser (Ferienhäuser) hat er bereits im Rohbau fertig. Nun ist ihm das Geld ausgegangen. Die jetzige Straße wird in nächster Zeit 4spurig ausgebaut werden und der Campingplatz muss weichen. Die Regierung soll ihm einen Tunnel als Zugang zum Strand bauen, als Entschädigung. Er will dann vor seinem Haus neue Plätze für Wohnwagen und Mobile erstellen. Mal schauen was sich hier in den nächsten Jahren tut. Wir bekommen türk. Kaffee und Obst aus dem eigenen Garten serviert. Spätabends auf dem Campingplatz genießen wir mit den Australiern zum Abschied noch unseren letzten Rotwein und ein Gläschen Brandy, über uns der Sternenhimmel und vor uns das weite Meer.

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Samstag, 1.10.

Nun heißt es Abschied nehmen von den netten Besitzern des Campingplatz von: Ford, Miriam und ihrem Sohn Deniz. Sie decken uns noch mit Obst ein und machen von uns allen ein Foto. Auch den Australiern sagen wir ade, vielleicht sieht man sich in Damaskus. Ich habe versprochen dann einen Kuchen zu backen. Bis zur syrischen Grenze ist es nicht mehr weit, etwa 70 Kilometer. Wir sind gespannt wie hier die Formalitäten ablaufen werden. - Hecktisch!!! Junge Männer sind behilflich (gegen ein Entgelt), den Formularkrieg für die Pässe und das Auto abzuwickeln. Von uns weiß keiner so recht welche Stempel benötigt werden. Vor uns steht eine Reisegruppe mit 13 Fahrzeugen aus den Niederlanden. Wir müssen für 1 Woche (7 Tage) in Syrien 100 € Petrolsteuer, 40 € ausl. Versicherung für 1 Monat, 40 € Carnet de Passage und 8 € Autobahngebühren entrichten. Die „netten Kerle“ nehmen 214 € für alles, der Rest ist für ihre Bemühungen. Wir tauschen auch noch Euro für die nächsten Tage. Gleich nach der Grenze wollen wir tanken – oh je! – Man gibt uns nur 20 Liter, dafür kostet 1 Liter auch nur umgerechnet 11 Cent. Es ist drückend hieß jetzt um 13 Uhr, Zeitverschiebung eine Stunde in Syrien. Für die Formalitäten an der Grenze haben wir 2 Stunden benötigt. Unser Weg führt uns auf guter Strasse Richtung Aleppo, auf halber Strecke biegen wir ab nach Idlib. Auf den Straßenschildern stehen die Namen der Städte in arabisch und englisch – vorerst. Wir wollen nach Apameia, Ausgrabungen aus röm. Zeit. Ab Ariha Autobahn bis Kahn Sheikhun. Jetzt sehen wir nur noch Ausschilderungen in arabisch, das fängt ja gut an! Wir müssen nach dem Weg fragen, eindeutig ist hier gar nichts. Der junge Mann scheint unsere Unsicherheit zu bemerken und schwingt sich kurzerhand auf sein Mofa um uns auf den richtigen Weg zu bringen –nette Geste-. Überhaupt scheinen wir hier die Attraktion zu sein, man hupt und winkt uns zu. Sehenswert ist in Apameia (große antike Stadtanlage 3. Jh. v. Chr.) die Säulenstrasse, etwa 2 km lang und 37,5 m breit. 400 Säulen wurden wieder aufgerichtet und man kann daran gut den Bau der verschied. Epochen beobachten. Heute sind junge Studenten bei den ehem. Thermen mit archäologischen Ausgrabungen und Forschung beschäftigt, es gibt noch viel auszugraben. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang. Der Parkplatzwächter gibt uns zu verstehen, dass wir hier beim Kassenhäuschen auch übernachten können. Es kühlt schnell ab und wird früh dunkel. So gehen wir, nachdem wir uns über alles sehenswerte des nächsten Tages informiert haben, recht bald schlafen. – Mückenplage-

   |   Tages KM: 233

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Sonntag, 2.10.

Schon morgens um 6 Uhr weckt uns die Sonne und die ersten Hirten ziehen mit ihren Ziegen bereits auf die Weiden. Wir fahren durch das 9 km breite Tal des Al Ghab. Um den Abzweig nach Slinfah im Gebirge„Jabel an Nusayriyah“zu finden müssen wir mehrere Personen fragen, Ortsschilder auf den Nebenstrecken nur in arabischer Schrift. Wir kommen auf fast 1400 m Höhe um das Gebirge zu überqueren. Oben angelangt gibt es einige kleine Restaurants. Auch wir verspüren Hunger und kehren ein. Für 200 SYP bekommen wir einen Kessel Tee und zwei Pizzas (Art Gözleme). Unser heutiges Etappenziel sind die Reste der Kreuzritterburg Qal’ at Salah ad-Din . Es gibt mehrere Wege. Leider stellt sich heraus, dass der von uns gewählte Weg, zu schmal und zu steil bergab für unser großes Mobil ist und es ergibt sich keine Möglichkeit um zu wenden oder die Weiterfahrt zu erfragen. In jeder Kehre müssen wir zurücksetzen um die Kehre zu passieren. Schließlich, nach einer ganz schmalen Brücke, ergibt sich die Möglichkeit zu wenden. Und gleich die zweite Kehre zurück erweist sich als zu steil und zu schmal. Unser Auto schafft die Steigung erst nach dem 6. Versuch, mit Vollgas und rutschender Kupplung. So quälen wir uns aufwärts. Für heute ist uns die Besichtigung dieser Burg vergangen. Wir nehmen den schnellsten Weg nach Latakia ans Meer. Auf unserer Landkarte ist oberhalb von Ugarit (röm. Ausgrabungen) ein Campingplatz eingezeichnet. In Ugarit wurde die berühmten Tontäfelchen mit dem ersten Alphabet der Menschheit gefunden. Wir besichtigen die Ausgrabungen und fragen beim Kassenhäuschen nach dem Campingplatz. Die Dame meint: Wir sollen Jemand beim Strand danach fragen. Liegt hier wieder ein Missverständnis vor, oder haben wir das Wort Camping falsch ausgesprochen? Außer großen Hotels und schmutzigen Stränden –nichts außer Müll- finden wir keinen Campingplatz. Da es erst Mittag ist, entschließen wir uns weiter Richtung Süden einen Campingplatz zu suchen (es sind ja einige auf unserer Karte verzeichnet). Unsere Versuche bei Jablah und Baniyas scheitern. Was nun? Wild campen? Da fällt uns kurz nach Baniyas die Burg Qal’ at Marqab oben am Berg ins Auge. Peter beschließt dort zu übernachten. Sehr steil geht es bergan und wir wissen nicht was und oben an Stellplatzmöglichkeiten erwartet – mir ist schon ganz schlecht, die Burgsuche vom Vormittag liegt mir noch auf dem Magen. Kurz vor den Restaurants gibt es für uns einen Parkplatz mit Blick aufs Meer. Das es in diesem Land so schwierig mit der Campingplatzsuche ist hätten wir uns vorher nicht träumen lassen. Doch jetzt machen wir uns erst einmal auf um die Burg zu besichtigen. Es ist bereits 15.30 Uhr und um 16 Uhr schließt der Burgwächter sein Tor. Trotz Bitten will er uns nicht einmal einen kurzen Blick gewähren, so ziehen wir ganz enttäuscht ab. Noch ist es recht laut an unserem gewählten Übernachtungsplatz. Er liegt an einen Kreuzung und viele Fahrzeuge hupen bevor sie weiterfahren.

   |   Tages KM: 240

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Montag, 3.10.

Bereits um 6 Uhr sind wir putzmunter, als die ersten Fahrzeuge „unsere“ Kreuzung passieren. Dann geht es für uns steil bergab zurück auf die Autobahn. Heute wollen wir die gut erhaltene Kreuzritterburg Crac des Chevaliers ansehen. Dieses Mal passt die Anfahrbeschreibung. Wir nehmen den richtigen Anfahrweg, der breit genug für Busse und Mobile ist. Um 9 Uhr öffnet die Anlage und wir gehören zu den ersten Besuchergruppen. Obwohl man uns überall Reiseführer verkaufen will, ziehen wir es vor nach unseren Unterlagen die Besichtigung allein vorzunehmen. Nach ca. 1.5 Stunden haben wir diese gut erhaltene Anlage besichtigt. Unten im Ort kaufen wir in einem kleinen Geschäft ein: Obst, Gemüse, Milch und Fladenbrot (195 SYP) und fragen nach dem Weg nach Masyaf. Von dort sollen es dann noch 30 km bis Hama sein, die Stadt der Norias –Wasserräder-. Der Weg nach Masyaf erweist sich als schmal, steil und Bäume ragen über die Fahrbahn. Unterwegs gibt es eine Baustelle, die wir mal so eben passieren können, der Gegenverkehr nimmt auf unsere Situation keine Rücksicht. Was erwartet uns an der nächsten Weggabelung? Wir (vielmehr ich) entschließen uns umzukehren und die Autobahn bis Hama zu nehmen. In Hama haben wir Glück und finden im Zentrum auf einem freien Platz einen Parkplatz. ‚Gleich machen wir uns auf die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Auf unserem Programm stehen die Norias, die An-Nuri-Moschee, der Bazar und der Azm-Palast (teilweise Museum). Es gibt noch mehr als ein Dutzend dieser Wasserräder und einige sind mehr als 20 m hoch. In früherer Zeit versorgten sie Hama und die örtliche Region mit Wasser aus dem Orontes. In einem Teehaus, nahe der Norias, ruhen wir uns nach der Besichtigung aus. Heute ist der 1. Tag des Ramadans, da sind tagsüber nur wenige Besucher hier. Als wir zum Mobil zurückkommen hängt ein Zettel an der Windschutzscheibe –Strafmandat? Nein, es ist eine Nachricht von Charles und Barbara – wie klein ist doch die Welt! Nicht bald, dann kommen sie beim Mobil vorbei und wir tauschen unsere „Erfahrungen“ aus. Wir sind ein wenig über die nicht vorhandenen Campingplätze enttäuscht und sie haben Probleme mit der Bargeldbeschaffung. Kreditkarten werden in Banken nicht akzeptiert. Wir verabreden uns für die nächsten Tage auf einem Campingplatz vor Damaskus. Wir wollen auf diesem Platz heute Nacht bleiben, Charles und Barbara haben ein Hotel in der Nähe bezogen.

   |   Tages KM: 213

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Dienstag, 4.10.

Der nahe Straßenlärm hat uns nachts nicht gestört. Peter versucht gegen 8 Uhr frisches Brot aufzutreiben, vergeblich. In der Ramadanzeit haben die Bäcker kurz vor Sonnenaufgang und dann erst wieder am Nachmittag geöffnet. Die Autobahn führt uns über Homs nach Malula, dem angeblich schönsten Dorf Syriens. Hier spricht man noch Aramäisch, eine Sprache, die man vor 2000 Jahren gesprochen hat und die seit 1200 Jahren ausgestorben ist. Es gibt einige Klöster, von denen das größte der Heiligen Thekla geweiht ist. Die Wohnhäuser der Einheimischen sind ganz nah an die Felswände gebaut und leuchten in blauen und gelben Farben. Wir fahren eine gut ausgebaute Straße bis zum Sergius Kloster und besichtigen dieses. Und haben Glück, denn eine kleine deutsche Gruppe mit Führer ist gerade in der Kirche. Danach machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Kloster der Hl. Thekla. Ein schöner nicht zu anstrengender Spaziergang, der durch eine Schlucht führt. Wir besichtigen die Kirche und den Ort wo sie begraben liegen soll. Danach geht es auf dem gleichen Fußweg zurück, unterwegs kann man die in den Felsen geschlagenen Gräber sehen. Nach einer kleinen Stärkung, in einem der vielen kleinen Restaurants, fahren wir weiter. Bis Damaskus sind es 55 km und ca. 4 km vor der Stadt soll sich ein Campingplatz befinden. Als wir beim 2. Anlauf eine Ausschilderung zu einem Campingplatz finden, irritiert uns der Name. In unserem 2 Jahre alten Reiseführer ist „Harastas“ angegeben. Wir suchen weiter und ein junger Mann (Iraker) fährt mit uns in den Stadtteil Harastas, doch dort gibt es leider keinen Campingplatz. So fahren wir wieder zum Ausgangspunkt, zum 1. Hinweis Camping zurück. Der Campingplatz ist durch eine Pforte verschlossen, erst nach mehrmaligem Klingeln öffnet man uns. Inzwischen gibt es hinter uns ein großes Hupkonzert, wir versperren die kleine Straße und niemand kann an uns vorbei. Hinter seinen Mauern erweist sich der Campingplatz als ein kleines, grünes Paradies mit Schatten spendenden Palmen, inmitten der Firmen und Schrottplätze. Mit uns ist nur noch ein deutsches Fahrzeug auf dem Platz. Man weist uns einen schönen Stellplatz zu und wir kommen auch gleich mit dem Nachbarn ins Gespräch. Er und seine Frau sind mit SIWA-Tours auf großer Rundreise: Türkei, Syrien, Jordanien und Libanon. Vor einer Woche wurde er krank und die Gruppe ist ohne die zwei weitergereist. Sie kommt aber die nächsten Tage auf der Rückreise wieder vorbei um gemeinsam weiter zu reisen.


   |   Tages KM: 243

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Mittwoch, 5.10.

Jannat al-Ard-, das Paradies auf Erden, so lautet ein Beiname der 6000 Jahre alten Oasenstadt Damaskus. Mit einem Taxi fahren wir für 50 SYP bis zum Nationalmuseum. Hier hat man vieles von den Ausgrabungsstätten Syriens zusammengetragen. Doch wirkt die Ausstellung etwas lieblos und könnte auch besser beschriftet sein. Der schöne Hedschasbahnhof liegt in der Nähe vom Museum und ist ein Überbleibsel von 1917. Der Basar für Kunsthandwerk bietet so einiges für die Touristen – doch wir können uns nicht so recht für die angebotenen Waren begeistern. Gegen Mittag fahren wir zum Stellplatz zurück. Mit unserer Nachbarin wollen wir am Nachmittag in Damaskus ein Hammam (historisches Dampfbad) besuchen. Gemeinsam nehmen wir ein Taxi in die Stadt, dieses Mal für 150 SYP. Gerdi gibt uns den wertvollen Tipp: für die Taxifahrt immer nur 100 SYR bereitzuhalten, das reicht! Wir fahren zum Hammam Al-Ward, im Stadtviertel Suq Saruja. Das soll heute am Mittwoch Frauentag haben. Doch als wir nachfragen ist dieses schon seit 2 Jahren geschlossen! Was nun? Wir trinken in der nahen Gaststätte erst einmal einen Kaffee. Dann beschließen wir durch den überdachten Suq Hamidiye zu gehen Hier reihen sich die Geschäfte mit Kaftanen, Wasserpfeifen, Ledergeschäften und Schmuck aneinander. Die „gerade Straße“ mit den Geschäften des alltäglichen Bedarfs führt zum Bab Sharqi. Hier versuchen wir kurz vor 4 Uhr ein Taxi zum Campingplatz zu bekommen. Viele Taxis lehnen ab, doch einer erklärt sich bereit und macht uns während der Fahrt auf deutsche Automarken aufmerksam – das ist die einzige Verständigung. Mich nervt das Hupen der Autofahrer, kurz vor Sonnenuntergang sind alle Fahrer nervös. Zurück am Platz, wir sitzen mit unseren Nachbarn noch etwas beisammen und tauschen uns über Reiseziele aus. Abends grillen Peter und ich den in Damaskus gekauften frischen Fisch, sehr lecker. Ich bin nach der Stadtbesichtigung rechtschaffen müde und wir gehen früh schlafen. Abends kühlt es im Mobil angenehm ab. Wir werden nur vom Gesang des Muezzins gestört, jetzt in der Ramadanzeit ruft er eine Stunde länger von der nahen Moschee zum Gebet.

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Donnerstag, 6.10.

Heute morgen, kurz nach 3 Uhr, lautes Trommeln und Gesang. Vom Muezzin. Aber wir drehen uns noch einmal auf die andere Seite. Nach dem Frühstück füllt Peter frisches Wasser auf und ich habe „kleine Wäsche“. Dann geht es per Taxi in die Stadt. Heute wollen wir uns die Suqs, den Azam-Palast (Museum in einem ehemaligen Palast von 1749) und die Omayyaden-Moschee ansehen. Frauen dürfen die Moschee nur mit einem bodenlangen Kaputzenmantel betreten. Peter besucht ein Hammam und ich kann im Vorraum beim Tee meine müden Füße hochlegen. Leider sind in der Fastenzeit alle Restaurants und Cafes tagsüber geschlossen. Abends kommen die Siwa-Tour Mitglieder aus Jordanien zurück und viele Eindrücke gilt es zu berichten. – Es scheint auch Stress in der Gruppe gegeben zu haben

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Freitag, 7.10.

Wir verlassen am Morgen den Platz Richtung Jordanien. Für die 140 km benötigen wir 2 Stunden und nehmen den Grenzübergang Dara. Unterwegs begegnen uns viele Kleinlast- Wagen mit Tomaten. Bei einem Straßenhändler kaufen wir eine Kiste Tomaten (12 Kilo) und ½ Kiste Gurken für umgerechnet 2,50 Euro. Als wir dem Jungen als Dankeschön 3 Tütchen Treets schenken, gibt er uns spontan noch 5 Paprikaschoten. Für die nächste Woche haben wir genügend Salatvorräte. An der Syrischen Grenze haben wir in 10 Minuten alle Ausreiseformalitäten erledigt, nur in Jordanien dauert es etwas länger. Vor uns waren 2 Reisegruppen mit Womo, eine aus Italien und eine aus Holland. Mit den Holländern (sie warten mit uns auf die Ausstellung der Versicherungsunterlagen) kommen wir ins Gespräch. Ihre Gesamtreise dauert 53 Tage und die Stimmung in der Gruppe ist entspannt. Hier muss jeder Mobilteilnehmer die Formalitäten alleine erledigen. Wir schätzen, dass jeder 2 Stunden benötigt. Wir passieren um 13.30 Uhr die Grenze. Unsere Auslagen an der Grenze in Euro: Visa 20,00, Versicherung 78,00 Carnet de Passage 11,00. Auf gut ausgebauten und gut beschilderten Straßen geht es nach Umm Qays, einem Ort im äußersten Norden Jordaniens In der Antike trug der Ort den Namen Gadara und wurde wegen der heißen Quellen im Tal und der kühlen Höhen geschätzt. Unter den Ruinen sticht besonders das aus schwarzem Basalt errichtete Amphitheater ins Auge, in dem 3000 Zuschauer Platz fanden. Wir kommen nach 15 Uhr an und können ohne Eintritt (das Kassenhäuschen hat bereits geschlossen) das weiträumige Gelände besichtigen. Von der Aussichtsterrasse eines Restaurants haben wir einen weiten Blick zum (israelischen) See Genezareth und den (syrischen) Golan-Höhen. Wir richten es uns auf dem Parkplatz häuslich zur Übernachtung ein (im Reiseführer erwähnt). Heute Abend scheint hier ein wichtiges Fußballspiel der Dorfjugend stattzufinden und der Parkplatzaufseher rät uns umzuparken und bei der Tourist Police – gleich um die Ecke beim Museum - vorstellig zu werden. Er bringt uns zum Platz, Der Polizeichef ist sehr nett, schenkt uns Saft aus und will einiges über unser Auto und einiges zu unseren Personalien wissen. Danach sehen wir uns gemeinsam den amerik. Tarzanfilm im Fernsehen zu Ende an. Peter und ich verabschieden uns und der Polizeichef wünscht uns: gute Träume. Unter so guter Bewachung lässt es sich doppelt gut schlafen.

   |   Tages KM: 176

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Samstag, 8.10.

Nach dem Frühstück besichtigen wir noch kurz das kleine Museum am Platz. –Ausgrabungs- Gegenstände von hier-. Der Polizeichef schläft noch, so nimmt sein Vertreter unser Gast- Geschenk (deutsche Kekse) nach einigem Zögern entgegen. Mit dem Auto erreichen wir nach etlichen Serpentinen das fruchtbare Jordantal. Der Jordan ist die Grenze zwischen Israel und Jordanien und überall treffen wir auf „Check points“, wo wir stoppen müssen und man uns nach unserem Weg fragt. Oft heißt es: „ eine gute Reise“, wenn wir erzählen, dass wir aus Deutschland kommen und eine Jordanienrundreise machen. Gegen Mittag erreichen wir das „Tote Meer“, welches 400 m unter dem Meeresspiegel liegt und wegen des hohen Salzgehalts (30%) keinerlei Leben (weder Fische, Pflanzen noch anderes Getier) hat. Gleich am nördlichen See haben sich viele Hotels angesiedelt. Personen mit Hautkrankheiten nutzen den See um hier zu kuren. Wir hoffen eine andere geeignete Stelle zum Baden zu finden und machen vorerst einen Stopp bei warmen Quellen (Hammamat Zarqa Ma`in). Leider sind solche Plätze, die von Einheimischen aufgesucht werden, sehr „vermüllt“. Selbst bei dem kleinen Restaurant, wo wir parken, sieht es schlimm aus. Und diese Fliegenplage! Kaum öffnen wir die Tür, schon sind die Plagegeister zu hunderten im Auto. Dann mal gute Nacht!!! Durch das Wadi al Mujib kann man geführte Wanderungen unternehmen. Hier möchten wir am Abend gerne auf dem großen Parkplatz übernachten, doch man gibt uns die Auskunft, dass nur Gruppen mit Genehmigung hier nächtigen dürfen – und wir haben keine Genehmigung. So fahren wir weiter. Nicht weit, so nach 1 ½ km, finden wir eine Badestelle. Es ist schon so wie die Reiseführer es beschreiben: Man kann im Wasser des „Toten Meers“ liegend die Zeitung lesen. Wegen des hohen Salzgehalts muss gleich nach dem Baden das Salz abgewaschen werden, sonst gibt es unangenehme Hautreaktionen. Wir suchen weiter nach einem Übernachtungsplatz. Am Ende des Sees, bei dem riesigen hässlichen Kali-Abbau, fahren wir gegenüber ins Wadi Nimrim, eine Schlucht mit vielen Wandermöglichkeiten. Wir finden für unser großes Gefährt einen Parkplatz und wandern ein Stückchen ins Tal. Ein kleiner Bach fließt durch das Tal und mit 2 Steinen gelingt uns die Überquerung . Auch hier, an dieser so hübschen Stelle, liegt viel Müll. Wie immer wird es schnell dunkel und wir beschließen Vorort zu übernachten. Obwohl wir alle Fenster geöffnet haben, will es im Mobil (es sind so um die 28°C) nicht abkühlen. Wir müssen die Fliegennetze vor den Fenstern lassen (wegen der vielen Quälgeister), sonst könnte der Wind besser ins Auto gelangen. Zum Schlafen legen wir uns nur auf die Bettlaken – zudecken ist überflüssig.

   |   Tages KM: 198

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Sonntag, 9.10.

Schon vor 7 Uhr treibt man an uns eine Ziegenherde vorbei, auch wir starten früh. Unser heutiges Ziel soll nach etwa 200 Kilometern Aqaba am Roten Meer sein. Die Landschaft das das Wadi Araba ist sehr abwechslungsreich: mal Gemüseanbau mit viel fruchtbarer Erde, dann wieder Steine und Wüstensand. Links, weitab dieser guten Straße, ragen Gebirgsketten auf. Sie wirken jetzt am Vormittag wie Schattenspiele. Die Anreisebeschreibung führt uns zum Campingplatz „Mermaid“, direkt am Roten Meer. Der Platz ist einfach und kostet JD 5 pro Tag. Recht schnell zieht es uns an den nahen Strand, der bekannt ist für seine schöne, bunte Unterwasserwelt. Peter versucht zu Schnorcheln und reißt sich gleich einige große Seeigelstachel in die Hände. – Ich begnüge mich mit Schwimmen Der Campingplatz wird von einigen jungen Männern und einem älteren Herrn (der die ganze Arbeit macht) betrieben. Es gibt überdachte Terrassen, auf denen Tische und Stühle stehen, hier kann sich jedermann aufhalten. Außer uns macht hier eine junge Studentin aus Berlin Urlaub. Abends kommen noch zwei Radtouristen schwer bepackt an. Bei angenehmen 32°C (auch abends) kann man gut schlafen – ein recht starker Wind vom Meer her sorgt für Abkühlung, draußen und im Auto.

   |   Tages KM: 216

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Montag, 10.10.

Wir frühstücken auf der Terrasse der Radtouristen. Sie kommen aus Frankreich und erzählen uns, dass sie schon seit fast 6 Monaten mit dem Rad über Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Türkei, Syrien und jetzt in Jordanien sind. Sie wollen innerhalb der nächsten 6 Monate bis an den Südzipfel von Afrika. Stopps machen sie bei sozialen Projekten und wollen später auf ihrer Web-Seite im Internet ihre Reiseeindrücke vermitteln. Diese sollen so ganz anders sein als die, die man im Fernsehen gezeigt bekommt. Bei einem Strandspaziergang entdecken wir am Ende vom Strand ein sehr gepflegtes, eingezäuntes Gelände. – Also geht es auch anders. An unseren Campingstränden liegen: Essensreste, Glasscherben, Zigarettenkippen und vieles mehr, trotz der vielen aufgestellten Mülleimer. Am Vormittag fahren wir mit dem Roller ins nahe Aqaba. Wir wollen mit einem Glasboden-Boot raus fahren und verhandeln wie immer um den Preis, bei 30 JD für 2 Stunden werden wir uns einig. Mit dem Bootsführer sind wir zu dritt. Durch den Glasboden vom Boot sehen wir Korallen, Seeanemonen, bunte Fische und viel Müll, die Kehrseite vom Wohlstand. Unser Kapitän fährt mit uns Richtung Industriehafen und dann quer über die Bucht zu den großen Hotelstränden. Die Wellen sind recht hoch und manchmal bewegt sich das Boot bedrohlich wird es auseinander brechen? Schon nach 1 ½ Stunden ist unsere Fahrt zu Ende. Gerne hätten wir einen Abstecher in unsere Campingbucht gemacht, sollen wir jetzt um den festgesetzten Fahrpreis feilschen oder ihn akzeptieren? Zähneknirschend bezahlen wir die abgemachte Summe, aber zu gerne wäre Peter unterwegs einmal Schnorcheln gegangen (wir hatten alles dabei). Doch im Hafenbecken war es zwischen den riesigen Schiffen – und vielleicht auch Abwässern – wenig verlockend. Zu Fuß machen wir noch einen Abstecher ins Zentrum. Heute ist Markt und in den umliegenden Geschäften gibt es frisches Fleisch von Schafen und Hühnern zu kaufen. Auch Souvenirgeschäfte warten auf Touristen. Wir erstehen eine Flasche mit gefüllten Sandmotiven und können dabei dem Künstler über die Schulter schauen. Die Preise für Trinkwasser in Flaschen und Milch sind fast so hoch wie bei uns in Deutschland. In der Mittagshitze geht es mit dem Roller zum Platz zurück. Vom Platzbetreiber werden wir abends (21 Uhr) zum Essen eingeladen. Ich bereite einen Tomatensalat zu. Die gegrillten Hähnchen sind sehr schmackhaft, man reicht uns dazu das hier übliche „Jordanbrot“. Um 23 Uhr sind wir reichlich müde und fallen in unsere Betten, die anderen Tage sind wir immer schon gegen 21 Uhr schlafen gegangen.

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Dienstag, 11.10.

Peter macht mit dem Roller einen Abstecher zum „schönen Strand“. Bei seiner Rückkehr weiß er zu berichten: es stehen dort zwei deutsche Reisemobile, es gibt Duschen, Toiletten und alles sieht sehr sauber in dieser Parkanlage aus. Wir gehen an unserer Badestelle Schnorcheln. Am Ufer sitzt eine Familie – darunter zwei total in schwarz gehüllte Frauen. Die Korallenbänke befinden sich nur 15 m. vom Strand entfernt und zwischen Ihnen schwimmen die bunten Fische in großer Anzahl. So vertreiben wir uns die Zeit mit Schwimmen und Lesen. Gegen 15 Uhr starten wir ins Wadi Rum (75 km). Diese Wüstenlandschaft gehört zu den großartigsten Wüstenlandschaften Jordaniens, ja des Nahen Ostens. Der Boden des Wadis liegt etwa 1000 m hoch. Es gibt hier einige Frischwasserquellen und somit Bewohner. Beim Visitor-Center empfängt uns der vom Campingplatz bestellte Führer: Difallah. Mit dem Jeep begleitet er uns zum großen Parkplatz, auf dem schon 2 deutsche Wohnmobile stehen. Mit den Besitzern dieser Mobile haben wir bereits auf dem Nachbarplatz in Aqaba einen Plausch gehalten. Wir gehen eine Kleinigkeit essen, anschließend lädt uns die Beduinenfamilie Difallah in ihr Haus zum Tee ein. Im Wohnzimmer tummeln sich viele Kinder, trinken einige einheimische Frauen und eine kanadische Touristin Tee. Die Kinder sind recht zutraulich. Difallah, der Patriarch der Familie – man merkt, dass er der Chef ist – verhandelt mit uns über Fahrzeug, Zeit und Preis der geplanten Tour. Wir werden uns einig und werden morgen Nachmittag gegen 14 Uhr starten. Als wir zu unserem Reisemobil zurückkehren sitzen die anderen Deutschen schon vor den Mobilen. Wir laden sie zu einem Bier aus unseren Vorräten ein, was sie freudig annehmen. Sie berichten uns, dass man jetzt in der Ramadanzeit nirgendwo in Jordanien Bier kaufen kann. Wir erfahren viel über Reisen, die diese zwei Paare bereits in ferne Länder unternommen haben. Von dem einen Pärchen, Ruth und Wolfgang, erfahren wir, dass auch die Türkei ihr Lieblingsreiseland ist. Sie haben sich dort bereits vor 15 Jahren ein Häuschen am Meer gekauft. Nachts überspannt das Wadi ein traumhafter Sternenhimmel.

   |   Tages KM: 82

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Mittwoch, 12.10.

Morgens um 4 Uhr krähen die Hähne und es ruft der Muezzin, An den nahen Bergwänden bricht sich der Schall und wie ein leiser „Sing Sang“ kommt er zurück. Wir sind schon um 6 Uhr wach und gehen bereits vor dem Frühstück auf Besichtigungstour. Die Reste vom Nabatäer Tempel kann man von unserem Parkplatz in knapp 10 Min. erreichen. Um diese Zeit sehen wir Frauen die Kamele, Schafe oder Ziegen zum Weiden bringen. Die anderen Deutschen reisen ab und wir verbringen die Zeit mit Lesen. Jetzt um 11 Uhr haben wir Temperaturen von 29,5 C innen und 30,2°C außen. Pünktlich 13.30 Uhr starten wir mit dem ältesten Sohn von Difallah mit einem Toyota Land-Cruiser zur Wadi Rum-Tour. Zuerst geht es zur Lawrence’s Spring, einer Quelle, die in ca. 10 Meter Höhe im Felsen entspringt. Unten dient sie den Tieren als Tränke. In den Khaz’ali Canyon kann man ein Stückchen hineinwandern. Immer wieder sehen wir Felsformationen, die im Licht der Sonne mal rötlichbraun, mal beige leuchten. Zwischen den Felsen führen Spuren von den Geländewagen durch den feinen Sand. Es gibt Stellen, da kann man zu Fuß über eine Art Steinbrücke (alle von der Natur geformt) über Gebirgsteile schreiten. Hohe Dünen hat der Wind an manchen Stellen aufgetürmt. Zum Schluss, es ist jetzt kurz vor Sonnenuntergang, fahren wir in ein Tal. Wir sitzen auf den noch warmen Felsen und können beobachten, wie die Sonne in atemberaubender Geschwindigkeit hinter einer Bergkette verschwindet. Für diese wirklich einmalige Tour von ca. 4 Stunden haben wir JD 55 incl. Trinkgelder bezahlt. Es war unbeschreiblich schön...

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Donnerstag, 13.10.

Wir verlassen das Wadi Rum. Nach einem kleinen Abstecher in das Tal Disi sind wir bald auf der Autobahn, dem Desert Highway. Dieser schlängelt sich schon nach kurzer Zeit recht steil ins Gebirge. Nach Ras An Naqb biegen wir ab zum Wadi Musa (Moses Valley). Heute wollen wir Petra, die Stadt der Nabatäer (2.Jh. v. Chr.), besuchen. Immer wieder halten wir an, um den grandiosen Blick von oben auf dieses Tal zu genießen. Die Straße führt steil den Berg hinunter und gleich nach dem Mövenpick-Hotel biegen wir zum großen Parkplatz beim Visitor-Center ab. Dahinter liegt das Crown-Plazza-Hotel. Hier besteht die Möglichkeit auf dem Hotelparkplatz gegen eine Gebühr mit dem Womo zu stehen. Wie sich bald herausstellt, sollen wir pro Tag auf dem Hotelparkplatz 15 JD bezahlen. Das ist uns für 2 Tage entschieden zu viel. So parken wir auf den Visitor Platz um, zumal hier auch schon einige Mobile zwischen den Bussen stehen. Wir lösen das Eintrittsticket für 2 Tage (26 JD pro Person) und machen uns dann mit einer Kutsche (20 JD für die Hin- und Rücktour) auf den 1,8 km langen Weg durch den Siq. Man kann auch auf dem Pferderücken den Weg zurücklegen, das ist dann bedeutend preiswerter. Die Kuschte fährt mit uns in rasanter Fahrt bis zum Schatzhaus, bis hier dürfen nur die Pferde und Kutschen. Fußmüde steigen für den weiteren Weg auf Kamele oder Esel um. Wir machen uns zu Fuß auf Entdeckertour: Schatzhaus, Gräber, röm. Amphitheater, Königsgräber, Kolonnadenstrasse, Tempel, Altar und vieles mehr ist teilweise noch recht gut erhalten. So hat man einen kleinen Überblick wie diese Stadt früher einmal ausgesehen hat, es sollen erst 1% ausgegraben sein. Entdeckt hat 1812 ein Schweizer diese bis dahin verborgene Felsenstadt. Immer wieder taucht die Sonne die Felsen in ein anderes Licht, mal rosarot, mal hellbeige. Am späten Nachmittag verlassen wir zu Fuß die Felsenstadt und machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Der Parkplatz ist wegen der an- und abfahrenden Busse zu laut, unter anderem gibt es auch Besichtigungs- Touren „Petra bei Nacht“. Unsere „deutschen Reisemobilfreunde“ wollen sich auf einen Platz in „Little Petra“ stellen. Wir fahren die besagte Straße auf und ab, finden aber die Wohnmobile nicht, so nehmen wir einen Parkplatz am Straßenrand. Nach kurzer Zeit werden wir von einem Aufseher freundlich zum Umparken aufgefordert. Er bringt uns auf einen „Freiluft-Stellplatz“ auf dem Weg nach Little Petra und siehe – da stehen bereits unsere deutschen Freunde. Wir begießen unser Wiedersehen mit unserem kaltgestelltem Bier.


   |   Tages KM: 139

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Freitag, 14.10.

Dieser Platz erweist sich als schöner, ruhiger Parkplatz und dazu noch kostenlos. Wir besuchen Petra zum 2. Mal. Schon um 7 Uhr wandern wir durch den Siq. Jetzt am frühen Morgen sind nur wenige Touristen auf dem Weg. Peter steigt den beschwerlichen Weg zum Opferplatz hoch. Ich schreibe einstweilen in einem Cafe Postkarten an die Lieben daheim. Nach gut 40 Min. ist Peter wieder zurück, für ihn war das Ganze nicht beschwerlich. Zu zweit besuchen wir nun die höher gelegenen Königsgräber, die über einige Treppen zu erreichen sind. Am schönsten und am besten erhalten ist das Gebäude der Urnengräber. Beim Abstieg erstehen wir bei „Fliegenden Händeln“ einige preiswerte Halskettchen, Preis Verhandlungs- Sache! Gegen 11 Uhr möchten wir gerne mit der am Vortag verabredeten Kutsche zurück zum Eingang gebracht werden. Doch mit uns warten schon andere Besucher auf eine Rückfahrt und wir sind erst kurz vor 12 Uhr vorgesehen. So machen wir uns zu Fuß auf den Weg. „Unsere“ Kutsche sammelt uns auf halber Strecke ein und 1-2-3 sind wir am Auto. Unsere Dieseltankanzeige steht auf Reserve, so müssen wir erst einmal eine Tankstelle aufsuchen. Leider schickt man uns in die falsche Richtung. Peter ist der Meinung: Der Tankinhalt wird für die vorgenommene Strecke schon reichen und fahren nach Little Petra. Die besagte, alte Stadt bestehet aus einer wenige 100 m langen Schlucht mit schön erhaltenen Tempelfassaden. Eine Beduinenfrau, die in dieser Schlucht Ziegen hütet, führt uns zu den wenigen Sehenswürdigkeiten. Wir sind die einzigen Besucher. Für unsere Weiterfahrt nehmen wir die Straße nach Ash Shawbak, die nach kurzer Zeit für unser Auto zu steil ist (Motor bekommt durch die starke Steigung keinen Kraftstoff). Wir müssen nun die ganze Strecke rückwärts zum Ausgangspunkt zurück. Jetzt wollen wir kein weiteres Risiko auf uns nehmen und lassen uns in Petra durch ein Taxi die 4 km zur nächsten Tankstelle zeigen. Mit vollem Tank fährt es sich angenehmer! Froher Dinge gehen wir jetzt die ca. 180 km bis zum Wadi Mujib, unserem heutigen Ziel, an. Über gut ausgebaute, aber dennoch oft recht steile Gebirgsstraßen, geht es über At-Tafila, Kerak auf einen Rasthof am Wadi Mujib. Nach 17 Uhr sind jetzt in der Ramadanzeit die Straßen wir ausgestorben. So preschen wir durch die Orte und erreichen noch vor Anbruch der Dunkelheit das Trajan Tourist-Resthouse. Der Wirt spricht deutsch (hat in Stuttgart Maschinenbau studiert) und will uns am Abend ein arab. Büfett servieren. Uns steht, nach all dem Staub des heutigen Tages, der Sinn erst einmal nach einer warmen Dusche. Der Wirt hat sich Mühe gegeben, wir können die vielen zubereiteten Speisen nicht aufessen, es ist einfach zu viel! Nach dem Essen unterhalten wir uns auf der großen Terrasse bei einem Gläschen Tee mit dem Wirt. Bei Tageslicht muss es reizvoll sein von hier über das Wadi zu blicken.

   |   Tages KM: 219

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Samstag, 15.10.

Jetzt am Morgen genießen wir den Blick über den ganzen Canyon. Dann sind 1000 m Höhenunterschied zu überwinden, wenn man die andere Seite erreichen will, - erst abwärts und dann wieder aufwärts. Unten im Tal ist ein Stausee. Bis Madaba sind es 50 km. In der Stadt fahren wir dem ausgeschilderten Hinweis nach und erreichen so den Parkplatz vom Visitor Center. Von hier sind es nur wenige Schritte bis zum Museum, dort hat man sehenswerte Mosaiken ausgestellt. Diese sind aus farbigen Natursteinen angefertigt und so über Jahrhunderte in ihrer Farbqualität erhalten geblieben. Das schönste Mosaik, eine Landkarte von Palästina aus dem 5. Jh., befindet sich aber in der Georgskirche. Ein Großteil von dieser Landkarte ist noch gut erhalten wie: Jerusalem, Jericho, der Jordan, Ägypten mit dem Nil. Vieles ist detailgetreu nachgebildet wie: Stadttore, Fähren, Fische und auf dem Toten Meer Schiffe – Personen wurden in der Zeit des Islams vermutlich unkenntlich gemacht. Sehr anschaulich wurde uns die Karte von einem deutschen Reiseführer erklärt. In der Stadt gibt es in etlichen Geschäften Kunstgewerbe zu kaufen wie: Teppiche, Mosaikbilder, Glaswaren (angeblich so gut wie in Hebron) und was sonst noch Touristen begehren. Auch wir erstehen einiges. Danach mache ich in Madaba meine Erfahrungen mit einem Damenfriseur. Die junge Friseurin, sie spricht nur arabisch, soll mir die Haare um ein paar Zentimeter kürzen –ich mache „Fingermaß“ und sie nickt-. Als sie dann beginnt meinen Stufenhaarschnitt gerade abzuschneiden, ähnlich wie bei einem Topfschnitt, schaue ich schon etwas betroffen in den Spiegel. Wir können uns ja nicht verständigen und an meinem unglücklichen Gesicht scheint sie abzulesen, dass ich nicht zufrieden bin und verlässt das Geschäft. Sie kommt mit einer Freundin zurück und die spricht englisch. Wir einigen uns, dass man die Chefin vom Salon holt und diese behebt den Schaden etwas. Doch ich möchte auf keinen Fall die Haare ganz kurz haben (es liegen viele Haare auf dem Fußboden) und breche den Haarschnitt nach einer Weile ab. Die feuchten Haare föhne ich kurz entschlossen selbst. Nun sehe ich total verändert aus, ob ich morgen im Spiegel noch wieder erkenne? Für den Haarschnitt verlangt man 3 JD, ich gebe 1 JD für die Trinkgeldkasse.

Meine Erfahrung:
Scheinbar tragen in Jordanien die Frauen unter ihren Kopftüchern lange Haare und keinen Kurzhaarschnitt.

Die restlichen Mosaike sind in der Apostelkirche zu besichtigen. Trotz der dicken Staubsicht sind die Mosaike interessant. Von Madaba sind es nur 9 km bis zum Berg Nebo, von dem Moses das gelobte Land erblickt haben soll. Auf dem Mont Nebo hat man eine Basilika errichtet. In dieser sind noch einige freigelegte, alte Mosaikbilder mit menschlichen Abbildungen erhalten und diese auch nur, weil man auf sie neue Mosaikbilder mit Ornamenten verlegt hat. Bei schönem, klaren Wetter soll man vom Nebo bis nach Jerusalem (48 km) sehen können. Auf direktem Weg bis zum Toten Meer sind es nur 16 km. In teilweise sehr steilen Abschnitten erreichen wir den Parkplatz und Stellplatz von Amman Beach. Hier kann man gegen einen Eintritt von 4 JD pro Person den Strand und die Duschen benutzen und auf dem Parkplatz übernachten. Wir genießen das Bad im Toten Meer und beschließen einen weiteren Tag zu bleiben. Im nahen Restaurant ist arab. Büfett zum Festpreis von 7 JD möglich. Gegen Abend kehrt auf dem Parkplatz Ruhe ein, aber im Auto herrschen noch
immer über 29°C (das kann einen heiße Nacht werden).


   |   Tages KM: 95

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Sonntag, 16.10.

Die Temperaturen der Nacht sind angenehmer als gedacht und gegen Morgen brauchten wir sogar eine leichte Decke. Die nahe Straße stört durch den Verkehrslärm, viele Lkws. Morgens, um 8 Uhr, haben wir im Auto schon 27°C. Wir gehen an den Strand und mieten 2 Liegen (2 JD). Diese stehen im Schatten unter Palmen und einem Natursonnenschirm mit Blick auf das Tote Meer. Morgens ist das Wasser klar und wir können den sauberen Grund sehen. Eigentlich wollen wir gar nicht aus dem warmen Wasser, wenn es nur nicht so salzig wäre! Selbst kleine Verletzungen brennen. Oft kommen ganze Busladungen von Touristen . Diese haben dann nur Zeit für ein kurzes Bad. Gegen Mittag sehen wir Einheimische, die für ein Picknick alles dabei haben (es gibt fest installierte Grills am Platz). Für die meisten Personen (überwiegend Männer), scheint es ein Vergnügen zu sein, sich mit dem schwarzen Schlamm vom Meeresufer am ganzen Körper (auch Gesicht) einzureiben. –Schlammpackung! Bei Sonnenuntergang werden die Berge und Wolken in ein rötliches Licht gehüllt. Abends sitzen wir noch lange vor unserem Womo und blicken auf die gegenüberliegende Seite. Wir rätseln: können wir dort die Lichter von Jerusalem und Bethlehem sehen? Auch wenn ich nicht stark religiös bin, berühren mich diese Städte sehr.

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Montag, 17.10.

Um 7 Uhr sind wir auf der „Piste“, nachdem wir um 6 Uhr wach wurden. Wir verlassen den schönen Strand von Amman-Beach und nehmen die Kurzverbindung nach Madaba über den Berg Nebo – steil bergan. An einigen Stellen am Toten Meer ist man dabei 40stöckige Hotelanlagen zu bauen –Plakatabbildungen an der Straße geben Aufschluss darüber. Ob wir unseren Badestrand in ein paar Jahren noch wieder finden werden? In Madaba treffen wir die 2 deutschen Reisemobile auf einem Parkplatz. Sie wollen zum Nebo und wir Richtung Osten zu den Wüstenschlössern, die an der Schnellstrasse 40 in östlicher Richtung liegen (Richtung Irak/Saudi Arabien). Die Schlösser wurden zur Omayyadenzeit (700 n. Chr. )als Jagd- und Lustschlösser der Kalifen gebaut. Das Qasr al Kharaneh gleicht einer Festung. Obwohl in unserem Reiseführer steht, dass mein kein Eintrittsgeld verlangt, will der Beduine am Eingang von uns 2 JD haben. Von Gruppen mit jord. Reiseführern verlangt er nichts. Das ärgert uns schon arg! Beim Qasr Amra ergeht es uns ebenso. Berühmt ist Amra für seine gut erhaltenen Fresken an den Wänden und gewölbten Decken. Von der Empfangshalle führt ein schmaler Durchgang in das Bad, welches aufgeteilt ist in den kalten, lauwarmen und dampfenden Bereich. Vor dem Palast steht das Brunnenhaus, das die Wasserversorgung für das Badehaus regelte. Am Parkplatz trinken wir im Beduinenzelt einen Salbeitee. Hier besteht auch die Möglichkeit mit dem Mobil zu übernachten. Wir wollen weiter bis Al-Azraq. Unweit des Ortes befindet sich ein abgelegenes Resthouse mit Schwimmbad. Hier können wir für 5 JD pro Pers. auf dem Parkplatz übernachten. Nachdem wir mit dem Resthouse alles geklärt haben, sehen wir uns noch das Qasr Azraq an, es wurde aus schwarzen Basaltsteinen erbaut. Als Besonderheit hat es noch zwei intakte Steintüren die sich noch heute, wie vor 1200 Jahren, öffnen lassen. Auch die Dächer sind von Basaltsäulen gestützt, mangels Holz. Versetzte Steinplatten an den Wänden dienten als Treppenstufen. Den späten Nachmittag verbringen wir beim Resthouse und empfinden die 24°C um 19 Uhr vor unserem Womo als recht kalt. Sicherlich lässt es sich bei diesen Außentemperaturen besser schlafen als am toten Meer.

   |   Tages KM: 187

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Dienstag, 18.10.

Nachts ist es angenehm kühl, aber durch das Feuchtland ringsherum - Mückenplage. Der Azraq Wetland Reserve Park ist so früh am Morgen ((8 Uhr) noch geschlossen. Wir folgen dem Hinweis: Hand-Craft-Center. Zuerst trauen wir uns nicht ins Gebäude, es sieht so verlassen aus. Dann treffen mit einem Minibus einige junge Frauen ein und gleich nach ihnen betreten auch wir das Gebäude. Wir fragen nach Möglichkeiten einer Besichtigung. Eine junge Frau, die etwas englisch spricht, führt uns durch die Räume. In dem einen Raum sind Frauen dabei Motive in die Schale von Straußeneiern fräsen und mit einem königlichen Wappen zu versehen. Diese Artikel gibt es nur den Exklusiv-Geschäften der größeren Städte und am Flughafen zu kaufen. In anderen Räumen werden Handtaschen genäht und bedruckt, Krawatten gefertigt und Kartons für Verpackungen in Handarbeit hergestellt. Alles in sehr sauberer Verarbeitung. Nun möchte die junge Frau, die uns herumführt, näheres von uns wissen. Wir zeigen ihr gerne unser kleines Haus, das Womo. Sie bittet uns um ein Foto von uns, leider fallen einem erst im Besucherland die richtigen Mitbringsel ein. – Das nächste Mal müssen wir Fotos von uns und unserem Wohnort in Deutschland mitnehmen. Die junge Frau ist 22 Jahre alt und arbeitet hier als Lehrerin der Näherinnen. Ihr Vater ist Libanese und ihre Mutter Syrierin. Sie findet es hier in Al-Azraq zu heiß und zeigt auf ihren unbedeckten Kopf. Wir verabschieden uns mit deutschen Keksen und Kaffee. Nach 40 km auf der Straße nach Zarqa kommen wir an ein weiteres Wüstenschloss, dem Qasr al Hallabat Hammam es Sarah aus dem 8 Jh. n. C. Die Konstruktion vom Heißbad ist noch gut zu erkennen. Da das nur einige Kilometer entfernte Qasr el Hallabat zur Zeit wegen Renovierung geschlossen ist, fahren wir weiter die recht eintönige Wüstenstrasse bis zum Abzweig nach Al Mafraq. In dieser Stadt herrscht viel Einkaufstrubel. In dieser Stadt haben wir nicht den richtigen Abzweig nach Jerash gefunden und fahren so die eine Hauptstr. rauf, mal die andere runter. 43 km sind es bis Jerash und oberhalb des Ortes sehen wir die Ruinen liegen. Im Ort verliert sich die Ausschilderung und so fahren wir erst einmal über den „Gemüsemarkt“. Des Öfteren müssen wir nach dem Weg fragen, aber immer gibt man uns freundlich Auskunft. Die Straße aus der Neustadt führt steil ins Tal und wieder hinauf. Beim Visitor-Center parken wir und die Touristen Polizei meint, dass es kein Problem gibt hier 3 Tage zu parken und auf dem bewachten Parkplatz zu übernachten. Dieser Polizist ist sehr nett und hilfsbereit. Danach machen wir uns auf den Weg in die Neustadt. Es gibt so unendlich viele kleine Geschäfte und in manche schauen wir spontan rein. Wir kaufen süßes Gebäck (1 JD) und bekommen auch gleich Vorort einige Kostproben serviert. Da gibt es die Fladenbrotbäckerei an der Straße, die sehr geschickt dünnen Strudelteig ausrollen, diesen schwungvoll in die Luft werfen und ihn dann als große Fladen wieder auffangen. Diese kommen nun auf ein gewölbtes heißes Blech und sind binnen weniger Sekunden gebacken. Die Kostprobe überzeugt und wir kaufen für 0,10 JD vier Fladen. So gehen wir noch interessiert einige Straßen auf- und ab. Teilweise sind die Bürgersteige sehr hoch und oft werden diese noch als Geschäftsauslage betrachtet. Über die alte Brücke laufen wir zu unserem Parkplatz zurück. Nach einer kleinen Pause brechen wir nochmals auf und sehen uns die Souvenirgeschäfte beim Eingang zum Ruinengelände an. Wir informieren uns außerdem über Bus- oder Taxifahrten nach Amman. Der Parkplatz- Wächter bietet uns noch eine Kleinigkeit von seinem Essen an –die schmeckt einfach köstlich. Jetzt nach Sonnenuntergang. darf endlich gegessen , getrunken und geraucht werden.


   |   Tages KM: 148

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Mittwoch 19.10.

Kaum hat der Muezzin gesungen, wird es mit dem Verkehrslärm lauter. Wir müssen die Fenster schließen. Um 8 Uhr öffnen in Jerash (früher Gerasa) die Ausgrabungsstätten. Wir wollen vor dem ersten Besucheransturm dort sein. – Eintritt p. Pers.5 JD. Das Hadrians Tor wird zur Zeit restauriert und doch hat man einen kleinen Überblick von seiner damaligen Größe (fast wie ein Haus mit neun Stockwerken). Die Griechen unter Alexander dem Großen gründeten die Stadt Gerasa, die Nabatäer bauten sie zur Sicherung ihres Karawanenweges nach Damaskus aus, die Römer entwickelten sie zum kulturellen Zentrum, und die Bischöfe des christl. Byzanz überboten sich im Bau prächtiger Kirchen. Dann hörte die Bautätigkeit im 7. Jh. mit dem Einzug der moslemischen Truppen auf. Ein schweres Erdbeben 747 zerstörte und entvölkerte Gerasa. Ein Hippodrom schließt sich dem Hadrians Tor an, bevor man durch das Südtor die Anlage betritt. Links liegen der Zeustempel und das Südtheater. Das Theater ist in den Berg gebettet, bzw. von Tonnengewölben abgestützt. Es gehört zu den schönsten Bauwerken der Stadt. Vom Erdbeben zerstört und 1925 restauriert bietet diese Anlage 4000 Besuchern auf 32 Sitzreihen Platz. Sie ist nach Norden ausgerichtet, damit die Zuschauer nicht von der Sonne geblendet werden. Von den obersten Sitzreihen kann man das ovale Forum mit seinen 56 ionischen Säulen sehen. Das Forum ist heute immer noch mit den Original Steinplatten von damals gepflastert. Es mündet in den Cardo Maximus, die von Säulen flankierte 700 m lange Kolonnade zum Nordtor mit ebenso noch erhaltenen Original Straßenpflaster. Noch heute kann man die Spuren der vielen tausend Wagenräder erkennen, die sich in das Pflaster eingraviert haben. Unter dem Pflaster lagen die Abwasserkanäle. Das imposanteste Bauwerk von Gerasa ist der Artemistempel. Die Jagd- und Fruchtbarkeitsgöttin Artemis, Tochter von Zeus, war die Schutzgöttin von Gerasa. Über 3 Treppenabschnitte (120 m breit) kommt man zum Artemistempel. Von den einst 32 Tempelsäulen ragen nur noch 11 an ihrem ursprünglichen Platz auf. Die anderen Säulen und Teile hat man als Bauwerk für Kirchen verwendet. Auch das Nordtheater (1600 Zuschauer) wird noch heute für Aufführungen verwendet. Ein gut erhaltenes Mosaik unter freiem Himmel kann man in der St. Cosmas – St. Damian—Kirche bestaunen. Im großen und ganzen kann man sagen: Jerash ist ein Muss in Jordanien! Wir hatten Glück mit dem Wetter: es war bedeckt und zum 1. Mal in unserem Urlaub in Jordanien hat es ein wenig geregnet. Am Nachmittag schlendern wir nochmals zwecks Einkäufe in die Neustadt. Weil sich hierher nur wenige Touristen verirren, gibt es nur die Bedarfsartikel der Einheimischen zu kaufen wie: Bekleidung, Esswaren und Kleinkram für den täglichen Bedarf. Viele Gegenstände sind aus Plastik und sehr eingestaubt. Gegen Abend machen wir mit einem Taxifahrer für den morgigen Tag eine Tour nach Amman zum Festpreis von 50€ ab. Diese Tour beinhaltet die Hin- und Rückfahrt und das der Fahrer uns in der Hauptstadt überall hinfährt wo wir uns etwas ansehen wollen.

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Donnerstag, 20.10.

Pünktlich um 8 Uhr steht zur verabredeten Zeit unser Taxifahrer vor dem Mobil. Die Sonne scheint, wird es heute ein warmer Tag? Mit dem Auto sind wir in 45 Minuten an der Zitadelle. Früher Burg und Palast, heute nur noch Überreste. Sehenswert ist das Archäologische Museum mit seinen zusammengetragenen Funden aus ganz Jordanien. Das röm. Theater fasst 6000 Zuschauer und ist recht gut erhalten, einige Fremdenführer demonstrieren den Besuchern die gute Akustik. Links und rechts sind zwei Folkloremuseen eingerichtet. Ausgestellt sind überwiegend Frauentrachten, Einrichtungsgegenstände und Mosaiken – es kostet zusätzlich keinen Eintritt. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg zur King Hussein Moschee. Frauen und Ungläubige haben leider keinen Zutritt – Peter schmuggelt sich aber rein. Von der Moschee gehen die Einkaufsstraßen ab. Parfüms, Bekleidung, Souvenirs, Haushaltsgegenstände, Lebensmittel – alles kann man hier kaufen. Es gibt auch einen überdachten Gemüsemarkt – mit vielerlei Angeboten. Nur auf den Boden darf man nicht schauen, denn alles was runter fällt bleibt auch liegen – und ein wenig Dreck dazu! Dann geht es mit dem Auto zum 1. Zirkel – hier sind die Hotels und exklusiven Geschäfte für Markenartikel und 1a Souvenirshops angesiedelt. In Amman beginnt bei jedem Zirkel (Kreisverkehr), ein neuer Stadtteil. Die Straßen sind schmal und gehen steil bergan, bzw. bergab. Für mich wäre es Horror hier mit dem Auto Einkäufe zu erledigen. Es gibt z. B. Straßen, in denen befinden sich nur Zoogeschäfte. Unser Fahrer fragt mehrmals nach dem Gebäude vom „Wild Jordan Natur Center“. Dort gibt es all die Artikel zu kaufen, die wir in Al Azraq in der Fabrik gesehen haben. Das bemalte Straußenei kostet hier105 JD. Leider sind in diesem Center während der Ramadanzeit tagsüber die Restaurants geschlossen. Seit heute morgen 7 Uhr (es ist bereits 14 Uhr) haben wir nichts getrunken. – Wie halten es die gläubigen Moslems in dieser Zeit nur ohne trinken aus? Der Straßenverkehr ist der „reinste Horror“. Ein Glück, dass wir den Taxifahrer haben. Erst weit außerhalb der Stadt, auf der Strecke nach Jerash, wird der Straßenverkehr flüssiger. Weil noch Zeit ist, schlägt der Fahrer uns vor, einen Abstecher zur Burg von Aljun zu unternehmen. Oben angekommen, hat diese bereits seit 15.30 Uhr geschlossen. So bleibt uns nur ein kleiner Blick von außen. Zurück geht es auf einem anderen Weg, durch gebirgige Landschaft mit Kieferwäldern. Unterwegs kauft der Fahrer für uns kalte Getränke und jord. Fladenbrot. Er gibt es uns zum sofortigen Verzehr. Noch warm, frisch aus der Hand gegessen, schmeckt es uns vorzüglich. Auf unserer Strecke nach Jerash liegt das Oliv Branch Hotel, ein Hotel mit Campingplatz, auf dem viele Reisemobilfahrer übernachten. Man kann hier oben in der Natur wunderbar relaxen – benötigt aber ein Taxi um nach Old oder New Jerash zu kommen. Außerdem kostet es pro Tag und Mobil 10 JD, dafür darf das Schwimmbad mit benutzt werden. Jetzt müssen wir uns aber beeilen, denn ich hätte gerne noch ein Ölbild mit Kamelen in einem der vielen Souvenirshops in Jerash erworben.. Als wir ankommen, sind diese bereits geschlossen. Der Fahrer holt kurzerhand den Besitzer von zu Hause ab und der schließt noch einmal seinen Laden auf. Für 25 € wechselt das Bild seinen Besitzer. Jetzt aber nichts wie zurück zum Womo. Als wir müde und total abgeschlafft in unseren Sesseln hängen, klopfen die netten Herren von der Touristenpolizei an unser Mobil und erkundigen sich nach unserem Befinden. Sie laden uns zum Tee ein und wann immer wir ein Problem haben, so sollen wir uns vertrauensvoll an sie wenden. Das wirkt auf uns beruhigend und nett - unterhalb der Straße die Polizei und oberhalb die Touristenpolizei, was kann uns da schon auf unserem Parkplatz passieren?

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Freitag, 21.10.

8 Uhr, der nette Taxifahrer kommt zur Verabschiedung. Heute, am Freitag, herrscht nur wenig Straßenverkehr. Rasch kommen wir an die syrische Grenze und kaufen vorher noch für unser restliches Kleingeld ein. Wir geben nicht alles aus, denn in unserem Reiseführer steht, dass wir für die jord. Grenzabwicklung 5 JD pro Person benötigen. An der jord. Grenze brauchen wir 15 Min., an der syr. Grenze 45 Min. Wir müssen 120 € für Dieselsteuer und Carnet entrichten. Gleich nach Dera halten wir nach einer Tankstelle Ausschau. Mit fast leerem Tank sind wir nach Syrien eingereist, Dieselpreis hier nur 11 Cent der Liter. Alle Tankstellen, die wir auf unserem Weg nach Bosra anfahren, winken ab – no Diesel! Mit so wenig Kraftstoff, wie wir zur Zeit im Tank haben, würde es nicht einmal bis Damaskus reichen. So fahren wir die 30 km bis Bosra immer mit Blick (Ausschau) nach einer Tankstelle. Beim röm. Theater in Bosra spricht uns ein junger Mann an: „Guten Tag, wie geht es Euch?“ „Uns geht es gar nicht gut“ entgegnen wir und erklären ihm unser Problem. Er telefoniert kurzerhand mit einem Freund. Dieser will bei einer 20 km entfernten Tankstelle unsere zwei Reservekanister (30 l) mit Dieselkraftstoff füllen. Inzwischen besichtigen wir das röm. Theater, das 15000 Zuschauer fasst. Den guten Zustand verdankt es den Arabern, die es nach der Eroberung in eine Festung verwandelten. Bosra, frühere Provinzstadt des Nabatäerreichs und spätere Hauptstadt der römischen Provinz Arabia ist ein einziges Denkmal und die archäologischen Stätten sind heute noch bewohnt. Als wir zurückkommen, bekommen wir leider nur 11 Liter Diesel. Peter meint: Mit viel Glück reicht es bis Damaskus. Ein Helfer vom Restaurant füllt uns die geringe Menge aus dem Reservekanister in den Tank. Inzwischen sind mehrere Busse mit Touristen eingetroffen. Ein Busfahrer erkundigt sich nach unserem Problem – und er schenkt uns kurzerhand 20 Liter aus seinem Tank Er möchte den Kraftstoff nicht bezahlt haben. Wir schenken ihm eine Schachtel Zigaretten, er uns eine Flasche Rotwein und gibt uns den tröstenden Tipp: an der Autobahn Richtung Damaskus gibt es reichlich Tankstellen und Kraftstoff. Die erste Tankstelle übersehen wir, an der 2. stehen schon etliche Busse und Lkws Schlange. Als wird endlich dran sind, streikt die Pumpe. Zwar will der Tankwart für 10 l abkassieren, aber Peter weigert sich mit dem Kommentar : „die Pumpe hat nichts abgegeben“ und wir verlassen die Tankstelle Richtung Damaskus. Dann, 50 Kilometer vor Damaskus, werden wir fündig. Wir tanken voll – endlich auch die Reservekanister. Bange Frage: wird es die ganze Woche so weitergehen, obwohl wir eine Dieseltax bezahlt haben? Maßnahmen wie in der ehemaligen DDR?. Nach recht abenteuerlicher Fahrt durch Damaskus, kommen wir um 17 Uhr am Campingplatz an. Dort stehen schon die 2 Mobile von den anderen Deutschen, die wir des Öfteren in Jordanien getroffen haben. Auch Charles und Barbara haben hier ihr Zelt aufgeschlagen – welch eine Freude! Der Campingplatzbetreiber ist recht aufgeregt, er erwartet eine ital. Gruppe mit 20 Mobilen und Rotel Tours. Eine andere, recht abenteuerliche Reisegesellschaft mit Bus und Zelten, hat auch eine Ecke vom Platz belegt, so wird es an diesem Wochenende recht voll! Die ital. Mobile treffen in Kolonne ein und 1-2-3 haben sie ihre recht kurzen Mobile eingeparkt aber für was benötigen sie Strom? Wesentlich interessanter ist es den Aufbau von Rotel Tours zu beobachten. Jeder der Teilnehmer hat eine Aufgabe wie: Bettenwagenpodest, Tische und Bänke aufbauen, Teewasser erhitzen und vieles mehr. Heute brauchen die Teilnehmer nicht zu kochen. Es gibt ein Abschiedsessen, vom Platzbetreiber organisiert. Die Gruppe fliegt morgen früh von Damaskus nach Haus. Dafür reist eine andere Gruppe dann noch am Abend des gleichen Tages aus Deutschland an. Peter kommt mit dem Fahrer ins Gespräch – er macht diesen Job seit 27 Jahren und bereist Syrien – Jordanien – Libanon in 14 Tagen Schnellverfahren. Abends laden wir Barbara und Charles zum Essen ein, so können wir uns über die Erlebnisse der letzten 2 Wochen austauschen. Abends wird es merklich kühler – sollte hier der Sommer zu Ende sein?


   |   Tages KM: 233

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Samstag, 22.10.

Ich muss eine Torte machen, das haben wir den Australiern bei unserem Abschied in Hama versprochen. Nach einem Aufenthalt im Schwarzwald schwärmen sie von der „Black Forrest Torte“. Dann noch ein wenig Hausarbeit und mit Barbara und Charles in der Sonne klönen, über: Wohnungen, Rente usw. Gegen 13 Uhr serviere ich den Kuchen mit span. Kaffee. Wir überlegen ob wir am Abend in die Stadt fahren, zum Essengehen. Doch jetzt in der Ramadanzeit ist es zu beschwerlich, weil viele Einheimische ihre Tische schon vorbestellt haben. So bleiben wir am Platz und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Am späten Nachmittag machen Peter und ich einen Bummel in die nahen, recht schmalen Seitenstrassen, als uns plötzlich einige holl Reisemobile entgegenkommen. –verfahren? Preisgünstig sind die Waren und freundlich die Händler. Wir essen ein frisches Brot gleich aus der Hand. Abends trifft die neue „Besetzung“ von Rotel Tours ein. Wir schauen uns ihr Leben aus der Nähe an, wir „begaffen“ ? sie. Noch ein kleiner Schlummertrunk und dann ab in die Mobile!

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Sonntag, 23.10

Heute haben wir 239 km vor uns, wir wollen nach Palmyra, Syriens schönstem Ruinenfeld und ein touristischer Höhepunkt für jeden Syrienreisenden. Auf halbem Wege zwischen dem Orontes und dem Euphrat gelegen, war die Oase Tadmur, wie die Stadt in Syrien heißt, bedeutender Haltepunkt für vorbeiziehende Karawanen und wichtiger Warenumschlagplatz – man erhob Steuern (Östliches Mittelmeer und Indien). Vorerst müssen wir aber erst einmal Damaskus verlassen. Eine recht gute Teerstr – die Bagdad-Strecke- führt uns durch eine reizvolle Wüstenlandschaft. Auf der linke Seite baumlose Berge – auf der rechten „feste“ Wüstenlandschaft, dazu dann und wann eine grüne Oase. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Parkplatz vom Zenobia Hotel. Für zwei Übernachtungen auf dem Parkplatz verlangt man 800 SP. Wir planen ab 16 Uhr, zum Sonnenuntergang, eine Tour mit Fahrer und Geländefahrzeug zur nahen Burg. Vorher bleibt noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch das Ruinenfeld – kein Eintritt. Am späten Nachmittag treffen unsere deutschen Nachbarn aus Damaskus ein. Leider versetzt uns der Geländewagen Fahrer. So machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Suqs der nahen Stadt. Abends noch kleiner Umtrunk mit unseren Reisemobilnachbarn.

   |   Tages KM: 237

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Montag, 24.10.

Wir müssen umparken, Rotel Tour kommt und benötigt den gesamten Parkplatz. Am frühen Morgen erkunden Peter und ich das Ruinenfeld. Wir besichtigen das Folkloremuseum und den Baal-Tempel, mit seinen Ausmaßen das größte Gebäude. Durch das Hadrianstor betreten wir die Kolonnadenstrasse. Diese selbst wird von zwei Reihen aus 9.50 m hohen Kalksteinsäulen flankiert, die das Schatten spendende Dachgebälk der „Bürgersteige“ trugen. Wir marschieren weiter zu den Gräbertürmen (Tombtower). 300 J.n.Ch. hat man die Toten hier in einer Art „Schließfachsystem“ in Türmen bis zu 6 Etagen bestattet. Viele der Türme sind Ruinen, einige sind renoviert und können mit Führer besichtigt werden. Führungen mit Bus werden auch vom archäol. Museum im Ort veranstaltet. Gegen Mittag sind wir am Mobil zurück und relaxen ein wenig im Schatten. Ab 14 Uhr sehen wir uns das Museum im Ort an, hier hat man die „Grabverschlussplatten“ aus den “Grabtürmen“ ausgestellt. Die Abbildungen auf den Steinplatten der betreffenden Toten sind gut erhalten. Die Gesichtsauszüge wirken jugendlich, aber starr. Heute pünktlich, um 16 Uhr, werden wir zum Sonnenuntergang von einem anderen Fahrer mit einem 40 Jahre alten Benz abgeholt. Mühsam schafft das Auto die Steigung zum Berg. Der Sonnenuntergang ist sehenswert, mit uns sind viele andere Touristen oben. Abends treffen wir uns mit den Deutschen zum Essen in der Stadt Palmyra. Wir finden ein geeignetes Restaurant und bezahlen mit Vorspeisen, Hauptgericht und Getränken 12 € für 2 Personen. Anschließend handeln wir im Suq noch um einen Gegenstand – dieser wird uns mit dem Fahrrad „frei Mobil“ geliefert.

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Dienstag, 25.10.

225 km gute Teerstrasse führen durch Wüstengebiet nach Deir ez Zor an den Euphrat. Unterwegs weidende Kamele mit Hüter. Wenn man bedenkt, dass so ein Kamel 1000 € und mehr wert ist, dann steht (weidet hier) ganz viel Kapital – hoffentlich läuft uns keines vors Auto! Am Euphrat ändert sich schlagartig die Landschaft, alles ist grün. Zur Zeit ist man links und rechts der Straße mit der Baumwollernte beschäftigt. Nachdem Anfang der siebziger Jahre der Assad-Stausee fertig gestellt wurde hat man diese Landschaft am Euphrat wieder zum fruchtbarsten Gebiet im Nordosten Syriens verwandelt. Schon im Mittelalter war hier ein ausgedehntes Baumwollanbaugebiet. Wir machen Mittagsrast bei der Burgruine Halabiayh (Zenobia), die 12 ha große Stadtanlage war schon im 3 Jh. n. C. sehr bekannt. Sehenswert eine kleine Pontonbrücke über den Euphrat, über die auch schwere Lkws klappern. Sicherlich auch für Wohnmobile geeignet. Die letzten 150 km bis zum Assad Stausee müssen wir uns sputen, wir wollen noch vor Sonnenuntergang den Platz unterhalb der Burg Qal’ at Jabar erreichen. Vor und nach dem Staudamm (1973 fertig gestellt) gibt es Kontrollposten. Wir müssen die Pässe vorzeigen, dann dürfen wir über den 2,5 km langen und 60 m hohen Staudamm fahren. Dieser Stausee fasst 11,6 Mrd. m³ und dient zur Stromversorgung Syriens, 60% des syr. Energiebedarfs können damit gedeckt werden. Gegen 16 Uhr erreichen wir den Parkplatz vom Fischrestaurant am See (leider wieder einmal nicht ausgeschildert). Wir bestellen gegrillten Fisch und sehen uns vorher noch den Sonnenuntergang, bei einem Spaziergang zur Burgruine, an. Das üppige Menü besteht aus Vorspeise, Fisch, Beilagen und Getränken. Hier am See ist es sehr ruhig – nur die vielen, vielen, kleinen Mücken stören uns, sie fliegen selbst durch die geschlossenen Fliegengitter.

   |   Tages KM: 439

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Mittwoch, 26.10.

Einen letzten Blick auf die Burg und ab geht’s über den Staudamm mit Passkontrolle. Dieses Mal scheint er auch unsere Bilder „abzumalen“, es dauert endlos lange. Die Strecke ist je nach Bewässerung fruchtbar oder eintönig. Kurz vor Aleppo zweigt links ein Weg zu den „Bienenkorb“ Häusern ab. Zum schönsten Ort ist leider der Weg nicht ausgeschildert. So fahren wir weiter bis Aleppo. Wir haben eine Anfahrtsbeschreibung zur Touristenformation und finden diese auch auf Anhieb. Doch wir können in dieser Einbahnstrasse mit dem großen Mobil nicht parken. Nicht weit entfernt finden wir einen Platz am Straßenrand einer recht breiten Hauptstrasse. Von hier ist es nicht weit bis zum Suq, der hier so anders als in Damaskus und den anderen Städten ist. Auch die Einheimischen bevorzugen diese Einkaufstrassen (12 km), davon 7 km überdacht. Es ist ein Gewusel und des Öfteren verlieren wir uns aus den Augen, weil sich Menschenmassen, Kleinlaster, mit Waren beladene Esel, Mofas und Fahrräder durch die ohnehin schon engen Gassen schieben. Der Suq ist überwiegend nach Handelswaren und Lebensmitteln unterteilt. Hier Wolle, da Gold, hier Brautkleider, da Seife, hier Stoffe, da Gürtel usw. Manchmal versuchen Händler uns in ihr Geschäft „zu schleppen“. Der Hauptweg geht leicht bergan und endet am Zitadellenhügel. Die Zitadelle aus dem 13 Jh. diente als Wehrbau in moslemischer Zeit. Man hatte unterirdische Speicher, Zisternen und ein weit unter das Niveau der Stadt reichender Brunnen ließen die Burgbesatzung auch eine längere Belagerung überstehen. Ein künstlicher Wassergraben umgibt die Zitadelle und der einzige Zugang führt durch ein Tor. Oben von der Burg hat man einen Blick über die graue Stadt, wie Aleppo mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern auch genannt wird. Jetzt in der Ramadan-Zeit sind alle Besucher des Basars, bevor die Sonne untergeht, „unheimlich“ in Eile. Durch die schon ohnehin engen Straßen schiebt sich die Besuchermenge zum Ausgang. Die Taxis hupen wie verrückt. Die Kleinbusse sind total überfüllt, einige Personen hängen aus den offenen Schiebetüren und selbst beim Fahrer sitzt man zu viert. Wir trinken im Mobil erst einmal einen Kaffee und warten den „Ansturm“ ab. Da es doch recht schnell dunkel wird, machen wir uns schon bald auf den Weg zum 25 km entfernten Campingplatz. An einer fast dunklen Tankstelle tanken wir noch einmal alles voll (auch die Kanister). Natürlich verpassen wir in der Dunkelheit den Abzweig zum Campinglatz, obwohl zwei Teilnehmer der holl. Reisegruppe auf ein paar verlorene „Schäfchen“ an der Straße warten. Unser Zettel in arabischer Schrift, von der Touristen- Information in Aleppo, hilft uns den Platz zu finden. Leider gibt es kein Hinweisschild an der Straße. Die holl. Gruppe am Platz erzählt ein wenig was sie alles in den letzten 4 Wochen gesehen hat.

   |   Tages KM: 246

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Donnerstag 27.10.

Die Holländer haben heute mit Bus und Führer eine Aleppobesichtigung. Gegen 10 Uhr sind im Suq nur wenige Geschäfte geöffnet – das ändert sich aber in den nächsten 2 Stunden. Dann scheint ganz Aleppo auf den Beinen zu sein. Wir tätigen noch einige Einkäufe. Mittags gehe ich ins Hammam Yalbougha al Nasery an der Zitadelle. Donnerstag ist Frauentag. Ich bezahle für Sauna (Dampfbad), Waschen und Massage 415 SP. Peter besucht das Hammam für Männer im Suq. Bei mir lief das Ganze so ab: In der Empfangshalle werde ich von einer Frau in Empfang genommen. Sie begleitet mich in die Umkleidungsnische und händigt mir ein Umschlagtuch, Olivenseife, Waschlappen und Badeschlappen aus. Vorher kann ich in einem Schließfach wertvolle Gegenstände einschließen. Über einige Gänge erreiche ich das eigentliche Bad mit der Kuppe, in diese sind runde Fensteröffnungen eingelassen. Vom Bad geht es in den Saunaraum und den Waschnischen. Nachdem ich im Dampfbad so richtig „eingeweicht“ bin, werde ich in einer Waschnische mit Olivenseife eingeschäumt und mit einem Ziegenhaarwaschlappen rubbelt man mir den Dreck (Bräune) runter. Eine kleine Messingschale spült mit reichlich warmen Wasser mir den Seifenschaum vom Körper. In warme Tücher eingehüllt betrete ich nun die Empfangshalle und bekomme auf einem bequemen Sofa Tee serviert. Es ist reichlich Zeit zum Relaxen und klönen, bevor ich mich umkleide und das Hammam nach ca. 1 ½ Stunden verlasse. Peter erwartet mich bereits am Ausgang, gemeinsam trinken wir noch einen Tee in einem der nahen Restaurants. Es ist noch Zeit für einen kleinen Stadtbummel, um 15.30 Uhr soll der Bus mit der Gruppe zum Campingplatz zurückfahren. Auf dem Gemüsemarkt machen wir noch Einkäufe und müssen dann den Rückweg durch den ganzen Suq antreten. Hinderlich sind die Kleinlastwagen, sie versperren beim Durchfahren die schmale Einkaufsstrasse. Hinter dem Auto quellen dann Massen von Menschen hervor. Man muss schon gut auf den Weg achten um nicht zu Stolpern. Im Bus tauschen wir uns mit den Reiseleitern der holl. Gruppe aus.

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Freitag, 28.10.

Die Holländer reisen früh ab. Auch wir machen uns bald auf den Weg um uns die ca. 30 km entfernten Simion-Klöster anzusehen. Jetzt stehen hier nur noch Reste. Bekannt geworden ist das Kloster durch einen Mönch Namens Simon, so um 390 n. C. Er hatte einen starken Glauben und hat auch einige Wunder bewirkt, so sagt es die Überlieferung. Viele Pilger kamen an den Ort um ihn zu sehen zu hören. Er zog sich zurück in eine Höhle, später auf eine 16 m hohe Säule, auf der er auf 4 m² gelebt haben soll. Später nach seinem Tode hat man vier Basiliken, eine in jede Himmelsrichtung) um die Säule gebaut. In der Nähe vom Kloster befinden sich viele „tote Städte“. Städte, die früher bewohnt, jetzt aber verlassen sind. Wir fahren mit dem Auto zu einer dieser Städte. Heute benutzen Hirten die Stätte um ihre Tier hier zu weiden (Zisternen und Einfriedungen aus Steinwällen) und haben die Gebäudereste für die Ställe zweckentfremdet. Gegen Mittag sind wir an syr./türk. Grenze. Wie immer wollen uns „Leute“ behilflich sein, doch wir wollen es allein probieren. An der Passkontrolle gibt es keine Probleme, alles geht zügig. Am Zoll, wo das Auto wieder aus den Pässen ausgetragen wird, müssen wir 200 SP entrichten. Dann behauptet man, dass wir mehr als 7 Tage nach der letzten Einreise in Syrien waren (8 Tage einschließlich heute). Jetzt sollen wir 250$ nachbezahlen. Wir versuchen die Angelegenheit zu klären und es kommt auch noch Jemand hinzu der deutsch spricht. Diese Person erklärt uns: Einreisetag und Ausreisetag zählt als voller Tag – egal, zur welcher Uhrzeit man eingereist oder wie lange es bei der Grenzabwicklung gedauert hat. Es soll Gruppen gegeben haben, die über 12 Stunden für die Grenzabwicklung benötigten. Offiziell bezahlt man die Woche 100 € für Dieseltax und 20 € für das Carnet. Nachdem wir behaupten wir hätten nicht so viel Geld – wollen sie 70 € haben. Zähneknirschend bezahlen wir, man fordert uns auf im Mobil auf die Pässe zu warten. Was bleibt uns auch anderes übrig? Nach 15 Minuten bringt man uns den Pässe – ohne Belegquittung. Wir nehmen an, dass sie sich das „Trinkgeld“ – unsere 70 €, geteilt haben. Nun dürfen wir weiterfahren und passieren ohne weitere Probleme die türkische Grenze in 30 Minuten. Mit einer Mittagsrast nach all dieser Aufregung erreichen wir nach 2 Stunden Fahrzeit den Campingplatz in Iskenderun. Die Besitzer vom Platz, Ford und sein Sohn Deniz, begrüßen uns herzlich mit Tee und Kaffee. Wir genießen die warmen Sonnenstrahlen und abends können wir, zum 1. Mal nach langer Zeit, wieder im Fernsehen deutsche Nachrichten empfangen.

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Samstag, 29.10.

Gegen Mittag gibt es ein heftiges Gewitter mit starken Regengüssen. Auch scheint es hier am Meer recht viele Mücken zu geben. Wie sie trotz Fliegengitter ins Mobil kommen ist uns ein Rätsel. Jedenfalls haben sie Peter nachts ganz schön „gepiesackt“. Den Rest des Tages verbringen wir mit der Reinigung vom Mobil – innen und außen-. Wir dürfen auch die Waschmaschine der Familie benutzen. Doch wie sich herausstellt, benötigt diese für einen Waschvorgang 2 Stunden und mehr. Das wäre „von Hand“ bei einigen Sachen schneller gegangen. Abends lädt man uns um 19 Uhr zum Essen ein. Der Sohn hat den ganzen Tag am Meer geangelt, aber nur ganz kleine Fische haben angebissen. Ich bereite in meiner Küche „gebrannte Mandeln“ zu. Es ist kurz nach 18 Uhr, als es an unsere Tür klopft. Ford holt uns zum Essen ab. Der Tisch ist für 7 Personen gedeckt. Es gibt Suppe (Weizengries mit Huhn), Fladenbrot, verschiedene Salate und jede Menge gebratenen Fisch, dazu trinken wir Wasser. Die Gastgeber füllen die Speisen auf unsere Teller. Kaum ist etwas aufgegessen, wird neu nachgelegt. Die Unterredung ist etwas schwierig, nur Deniz spricht etwas englisch und muss oft für seine Eltern übersetzen. Gleich nach dem Essen zeigen wir ihnen auf unserm Laptop Bilder aus Deutschland, Syrien und Jordanien. Erst spät kehren wir mit unserer gewaschenen Wäsche zum Mobil zurück. Da es sehr stürmisch ist, trauen wir uns nicht die Wäsche draußen aufzuhängen. – Wer weiß wo sie am nächsten Morgen hingeflogen ist! Gegen Morgen lässt der Sturm etwas nach und Peter hängt im Morgengrauen die Wäsche auf.

Sonntag, 30.10.

Nach dem Frühstück mache ich mich in der Teeküche vom Campingplatz (sehr provisorisch) ans Hemdenbügeln. Dann nehmen wir Abschied, es sieht nach Regen aus. Man überhäuft uns mit Südfrüchten aus dem eigenen Garten und leckerem Gebäck. In 2006 wird der Camping- Platz einer breiteren Straße weichen. Dann wird er nicht mehr am Meer, sondern auf dem Grundstück der Betreiber liegen und durch einen Tunnel soll man an den Strand gelangen. Vielen Dank für die freundliche Bewirtung Ford und Miriam! Bald nach Iskenderun fahren wir auf die Autobahn Richtung Adana. Uns wundert es schon sehr, dass heute am Sonntag so wenig Autoverkehr ist – dabei ist doch Freitag der Feiertag bei den Moslems. Schon bald nach Adana wärmt uns die Sonne. Großstädte wie: Adana, Mersin und Tartus erkennt man schon von weitem an ihren hohen Wohnblocks. Der Campingplatz Mo-Camp bei Kiz Kalesi ist unverändert. Mit uns sind drei weitere Mobile und einige Wohnwagen auf dem Platz, die meisten stehen in Strandnähe. Sobald wir nicht mehr in der Sonne sitzen wird es kalt – 17 Uhr. Heute, am Sonntag, auch hier Zeitumstellung

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Montag, 31.10.

Nachts gab es kräftige Regenschauer, doch am Morgen scheint die Sonne. Nach dem Frühstück wollen wir im Ort eine Apotheke (Ekzane) aufsuchen, Peter hat Halsschmerzen. In den Ort sind es, immer an der Hauptstrasse entlang, etwas über einen Kilometer. Einige kleine Shops mit Lebensmittel und Badebekleidung säumen die Haupttrasse und Neben- Strassen. Viele Restaurants haben schon geschlossen, Ramadan oder Nachsaison? Die beiden Apotheken liegen dicht beieinander, gleich neben der Praxis von einem deutsch sprechenden Arzt. Leider haben wir unser Lexikon in Deutschland vergessen, aber auch per „Handsprache“ versteht man uns in der Apotheke. Anschließend bummeln wir durch den ausgestorbenen Ort, es scheinen hier außer Deutschen auch viele Türken ihren Urlaub zu verbringen. Wir kaufen deutsche Zeitschriften und gehen zum Platz zurück. Peter schwimmt sofort eine Runde, Felsstrand mit Einstieg über Leitern. Das Wasser ist noch angenehm warm. Nachmittags: sonnen baden, lesen, faulenzen.

Dienstag, 1.11.

Wir wollen noch einen weiteren Tag auf dem Platz bleiben, die Wetterkarte zeigt: Izmir nur 15°C. Auch hier wird es ab mittags regnerisch. Ich kann ja schon mal am PC meinen Reisebericht beginnen. Zwischendurch machen wir auf dem recht großen Platz Spaziergänge. Nach dem Regen der letzten Tage sprießen hier überall Tulpen (ob die auch noch blühen werden?) Wir verbringen , weil es ohne Sonne recht kühl ist, die meiste Zeit im Mobil.

Mittwoch, 2.11.

Schon am Morgen auf dem Platz heiß Duschen, welche Wonne! Gegen 8 Uhr verlassen wir den Platz. Unser heutiges Ziel ist Anamur. Schon oft sind wir diese kurvenreiche Küstenstrasse gefahren, überwiegend aus der anderen Richtung. Das Wetter ist zwar bedeckt, aber die Aussicht von dieser schönen Küstenstr. entschädigt uns. In der Gegend von Aydncik wird unter Glas viel Gemüse angebaut. Unterwegs immer wieder Buchten mit Ferienanlagen und Möglichkeiten zum Baden. Bei Bozyazi beginnen die Bananenplantagen. Auch jetzt, Anfang November, können wir am Straßenrand diese kleinen, köstlich schmeckenden Bananen kaufen. Wir fahren den Campingplatz „Paradies“, direkt bei der Burg Anamur, an. Der Platz ist seit 2000 neu mit viel Palmen und Eukalyptusbäumen. Das Gelände hat einen Sandstrand und reicht bis an die Burgmauern. Es gibt auch noch eine Besonderheit an diesem Strand. Ende des Sommers kommen die weiblichen Wasserschildkröten und vergraben im warmen Sand ihre Eier. Im September, immer in der Nacht, schlüpfen dann die kleinen Schildkröten und müssen schnell das Wasser erreichen, denn Sie haben am Strand viele gefräßige Feinde. Der Besitzer vom Platz spricht gut deutsch (er hatte einen österr. Großvater) und weil wir die einzigen Gäste sind, verbringt er viel Zeit mit uns. Er kann uns auf unsere Fragen wie: Glaube, Kopftuch, Touristen, Gesundheit und Ernährung, eine Antwort geben. Heute Abend will seine Frau für uns kochen: Osmanische Pfanne mit Bulgur. Der Mann erklärt uns die Herstellung von Bulgur (eine Art Weizengrütze), bei uns in Deutschland völlig unbekannt. Das Essen schmeckt uns vorzüglich und ich lasse mir von seiner Frau die Zubereitung erklären. Abends müssen wir zum 1. Mal, während unserer jetzt zweimonatigen Reisezeit, die Heizung einschalten.

   |   Tages KM: 158

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Donnerstag, 3.11.

Hinter den Wolken kommt langsam die Sonne hervor, aber so richtig wärmt sie nicht. Warm eingepackt machen wir einen langen Spaziergang am Strand und treffen auf dem Nachbarcampingplatz „Dragon“ einen anderen deutschen Reisemobilfahrer. Er will hier überwintern. Inzwischen ist es 11 Uhr und wir bleiben noch einen Tag. Peter liest in der Sonne vor dem Mobil und ich backe einen Apfelkuchen. Mittags bekommen wir Leckerbissen gereicht – Bulgurknödel auf zweierlei Art zubereitet. Nachmittags servieren wir auf der Terrasse unseren Campingplatzbetreibern den fertigen Kuchen mit deutschem Filterkaffee. Gegen 17 Uhr zieht ein Gewitter auf, mit sehr kräftigen Regenfällen. Das geht bis spät in die Nacht, aber wir sitzen, bzw. liegen, warm und trocken.

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Freitag, 4.11.

Der Regen hat für Überschwemmung im Wäldchen gesorgt, und am Strand tobt die Brandung. Aus unserer Fahrtrichtung kommen bedrohlich schwarze Wolken. Sollen wir die Weiterfahrt über die kurvenreiche Küstenstrasse wagen? Es sind bis Alanya nur knapp 100 km. Ja, und wieder windet sich die Straße kurvenreich ins Gebirge mit großartigen Ausblicken. Unterwegs am Straßenrand viele Möglichkeiten für einen Imbiss. Auch die leckeren kleinen Bananen gibt es bis kurz vor Alanya kaufen. Gegen Mittag erreichen wir den Campingplatz „Perle“, 20 km vor Alanya. Mit uns steht noch ein weiteres deutsches Mobil auf dem Platz. Seine Besitzer stehen hier schon längere Zeit und treffen sich, wie auch heute, häufig mit Freunden die hier Häuser besitzen oder im Hotel wohnen. Auch hier tobt am Strand eine gewaltige Brandung. Ab 15 Uhr, wenn die Sonne langsam sinkt, wird es kühler. Abends essen wir im kleinen Restaurant am Platz Adana Kebab. Ein kleiner Eisenofen, der in der Mitte des Raumes steht, „heizt“ uns und den anderen deutschen Gästen kräftig ein. Ob man bei uns in Deutschland auch schon heizt?

   |   Tages KM: 117

Samstag, 5.11.

Wir verlassen den Stellplatz. Über eine zweispurige Autobahn fahren wir in den Nachbarort zum Bauernmarkt und füllen unsere Salatbestände auf. Es gibt auch viele Stände mit Bekleidung und Modeschmuck. Wir fahren weiter nach Alanya. Am Hafen gibt es keine Parkmöglichkeiten, so wie vor 3 Jahren, darum parken wir in einer der Seitenstrassen. Nicht nur an der Hauptstr., sondern auch in den vielen Seitenstrassen gibt es alles was das Touristenherz erfreut: Bekleidung, Leder Schmuck, Souvenirs, Cafes und Restaurants. Fast alle Geschäfte bieten die gleichen Waren an, für die wir leider keine Verwendung haben. Entweder sind sie zu modisch, oder zu altertümlich. Schon bald fahren wir mit dem Auto weiter. Von der Schnellstr. sehen wir nur selten das Meer, alles ist mit Hotels und Ferienwohnungen bebaut. In der Nähe von Manavgat finden wir doch tatsächlich unseren Romantikstrand wieder, nur der Campingplatz befindet sich jetzt an einer anderen Stelle, beim Hotel Grün. Wir fahren noch die wenigen Kilometer bis zur Tankstelle O-Pet mit angeschlossenen Camping. Außer uns gibt es keine Gäste. Ein verletzter Hund leistet uns Gesellschaft – unsere Keksleckerbissen verschlingt er sofort. Selbst Joghurt verschmäht er nicht. Ich koche türkische Linsensuppe. Draußen kann ich das eingeweichte, alte Brot mit etwas Linsensuppe nicht einmal auf einen Teller füllen, sofort frisst es mir der Hund vom Löffel. Peter und ich sind uns einig: treuere Hunde, als diese „Wildhunde“ gibt es nicht, dieser liegt die ganze Zeit am Mobil.

   |   Tages KM: 96

Sonntag, 6.11.

Ein letztes Mal geben wir „unserem“ Hund etwas zum Fressen – wir haben auf einen Teil von unserem Frühstücksbrot verzichtet. Heute wollen wir uns Antalya ansehen, mal sehen was sich verändert hat. Es gibt eine Straßenbahn (ein Geschenk der Stadt Nürnberg), vom westlichen Stadtrand Antalyas, dort wo die vielen Hotels stehen und das Museum bis Richtung Lara Strand durch die Innenstadt. Wir nehmen den Dolmus bis in die Altstadt. Vom Platz beim Atatürkdenkmal hat man einen Blick über den Hafen und Hafenviertel mit seinen vielen Restaurants und Cafes. Wir begeben uns in den Basar. Heute am Sonntag haben nicht alle Geschäfte geöffnet. Wir können nicht widerstehen und kaufen Bekleidung, der nächste Sommer kommt bestimmt! In der „Fressgasse“ essen wir noch eine Kleinigkeit und machen uns dann zu Fuß auf den Weg zum Mobil. An dieser Strecke gibt es viele Boutiquen und Cafes. Wenn man bedenkt, dass ein Stück Torte 3 € und 1 Herrenoberhemd 5€ kostet, steht der Preis in keinem Verhältnis. Gegen 13 Uhr verlassen wir Antalya. Wir kommen auf der Küstenstr. an vielen Hotels vorbei, nur die Hauptstr. trennt sie vom Strand. Bei Beldibi gibt es einige große Picknickparks und lt. Campingverzeichnis auch Campingplätze. Wir lassen Kemer sprichwörtlich „links liegen“. Danach geht es stetig bergan, um nach Kumluca bei Hayurt wieder ans Meer zu treffen. In dieser fruchtbaren Ebene gibt es viele Gewächshäuser. Im Ort steht ein „Denkmal“ für Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen. Vor 3 Jahren haben wir in dieser Gegend vergeblich nach einem Campingplatz gesucht, wo sind die Restaurants in Strandnähe geblieben? (Tagebuchaufzeichnung 2002) Wir stellen uns in einen der Picknickparks am Meer.

   |   Tages KM: 179

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Montag, 7.11.

Nach Finike beginnt die gut ausgebaute Straße, immer an der Küste entlang Richtung Kale. Unterwegs Schilder mit einem „Nikolaus“, die auf einen Campingplatz in der „Brotherhood Bucht“ hin weisen. Kurz bevor es rechts abgeht nach Kale und Myra (Lyk. Felsengräber), biegen wir links (beim braunen Schild) nach Sülüklü, zum Camping und Restaurant Kumsal ab. Nach 3 km, auf zum Teil recht schmalem Weg durch Treibhausplantagen, erreichen wir einen hinter hohen Dünen gelegenen Sandstrand. Eine schmale Teerstrasse führt an einigen kleinen Restaurants vorbei. Der feinsandige Strand ist wirklich traumhaft und recht einsam gelegen. Den wollen wir uns für spätere Urlaube merken. Zurück an der Hauptstr., führt diese uns wieder ins Gebirge (bis 500 m hoch) und dann bergab nach Kas. Im 2. Hafen der Stadt, am Ortseingang, sehen wir 2 große Reisemobile parken. Wir stellen uns auch dazu. Die Besitzer sind nicht anwesend, wohl aber sind einige Fenster geöffnet. Es gibt viel im Hafen zu entdecken. Zwei Taucher sind gerade dabei ein größeres Schiff fürs Winterquartier „klar“ zu machen. Eine Weile schauen wir zu wie mehrere Personen mittels einer Seilwinde das Schiff, das jetzt auf eine Art Trailer ruht, Stück für Stück aus dem Wasser zu ziehen. Inzwischen sind auch die anderen Reisemobilbesitzer zurück und wir kommen mit ihnen ins Gespräch. Sie wollen hier den Winter verbringen. Das eine Ehepaar wartet, das es mit seinem Hausbau oben am Berg beginnen kann. Das Grundstück wurde letztes Jahr gekauft. Sie wollen hier nicht wohnen, sondern betrachten den Hausbau als Kapitalanlage. Bereits seit 4 Jahren sind sie „heimatlos“ und tingeln mit ihrem Mobil durch die Länder. Wir gehen in die Stadt – 10 Minuten Fußweg. Der 1. Hafen liegt im Stadtkern, umgeben von vielen kleinen Restaurants und Cafes. Auch wir lassen uns in einem Restaurant in der Sonne „Menemen“ –türk. Omelett, schmecken. Danach bummeln wir ein wenig die kleinen Straßen bergauf und laufen mal kreuz, mal quer. Es gibt viele Shops für Touristen. Einiges ist im Gegensatz zu Istanbul sehr überteuert. Als wir zum Mobil zurückkehren, sind die zwei anderen Mobile schon umgeparkt, denn vor unserem Auto steht jetzt die am Vormittag aus dem Wasser gezogene, über 20 Meter lange, Segeljacht. Das Fallreep ist heruntergelassen und überragt unser Auto um einige Meter. Ein Fotomotiv wie kein zweites! Abends ist es bedeutend wärmer, da Kas in einer geschützten Bucht liegt.

   |   Tages KM: 92

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Dienstag, 8.11.

Gleißendes Sonnenlicht auf dem Meer. Ausblicke auf vorgelagerte Inseln und eine traumhafte Badebucht vor Kalkan. Nach dem Ort schlechte Wegstrecke, es geht bergauf und bergab. Erst nach einigen Kilometern wird die Straße besser. Keine Zeit für einen Abstecher nach Patara, einem schönen Sandstrand oder der Schlucht vom Saklikent, denn in Fethiye ist heute, am Dienstag, Wochenmarkt. Im Ort haben wir Probleme mit der Orientierung und müssen zweimal nachfragen und waren schon einmal nahe dran! Außer Obst und Gemüse werden Haushaltsartikel, Bekleidung und Lederwaren angeboten. Die meisten Stände sind mit Planen überdacht und am Fluss gibt es viele Imbiss-Stuben. Wir essen Gözleme, herzhaft und süß und trinken dazu schwarzen Tee. Mit unseren Einkäufen beladen treten wir den Rückweg zum Auto an. Mit diesem fahren wir Richtung Zentrum auf der Suche nach einem Parkplatz. Fast überall ist Halteverbot und auf einem öffentlichen Parkplatz will man für 2 Std. 8 TL haben, weil unser Mobil so lang ist. Wir suchen weiter und finden in der Seitenstrasse einen für den halben Preis. Die kleinen Fußgängerstrassen liegen nicht weit und auch der tägliche Gemüseund Fischmarkt ist nah. Um ihn herum haben sich viele Restaurants angesiedelt, dort kann man für wenig Geld sich den frisch gekauften Fisch grillen lassen. Wir gehen vorerst Richtung Hafen – viele Geschäfte machen schon „Winterpause“. Wir schauen uns das alte Hammam an und beschließen es am nächsten Tag aufzusuchen. Für heute wollen wir nur Fisch kaufen und dann den Campingplatz am Ölüdeniz aufsuchen – dem Traumstrand der Türkei. Am Fischmarkt treffen wir ein Ehepaar aus Glinde. Seit einigen Jahren haben sie in der Nähe von Fethiye ein Haus gemietet und verbringen mal die Zeit in Glinde, mal in der Türkei. Bei einem Tee erzählen sie von ihren Erfahrungen in der Türkei und wir von unserer Syrien- und Jordanienreise und was wir uns bisher in der Türkei schon angesehen haben. 13 Kilometer sind es von Fethiye bis zum Ölüdeniz. Auf dem Campingplatz sind wir die einzigen Gäste. Auf Werbeplakaten sehen wir den Strand im Sommer rappeldickevoll – Liegen an Liegen. Die nächsten 2 Tage wollen wir hier bleiben und faulenzen, hoffentlich bleibt das Wetter gut, denn über den Paragliding - Hügel ziehen dunkle Wolken auf.

   |   Tages KM: 136

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Mittwoch, 9.11.

Mit dem Roller fahren wir in den Ort Ölüdeniz. Vor 17 Jahren (1988), ein kleiner verschlafener Ort mit Campingplatz am Strandende. Jedes Mal, wenn wir diesen Ort aufsuchten, war er um einige Hotels , Pensionen und Souvenirshops gewachsen. Jetzt, Anfang November 2005, liegt der Ort wie ausgestorben. Wenige Hotels warten auf Gäste und nur zwei Restaurants am Strand haben geöffnet. Der Cappuccino, den wir hier trinken, schmeckt zwar lecker, aber für 8 TL darf man das auch erwarten, Preise wie in Deutschland! Ach ja, wir sind nicht die Einzigen auf dem Campingplatz. Eine Dame stellt sich vor, dass sie nun hier beinahe seit 20 Jahren Urlaub macht. Jetzt, nachdem sie Rentnerin ist, wohnt sie dauerhaft in einem Wohnwagen. Zu Winterbeginn werden die Flüge nach Dalaman (nächstgelegener Flughafen) eingestellt, somit kommen die Fluggäste in Antalya an und machen in den Hotels dort Urlaub. (Sonderangebot 1 Woche alles incl. 250 €) Wir verbringen den Nachmittag am sandigen und flach zum Wasser abfallenden Strand, das Wasser hat noch so um 19°C. Abends grillen wir den in Fethiye gekauften Fisch. Es gibt aber auch „bekloppte“ Türken: die parken direkt mit ihrem Auto vor unserem Mobil, sozusagen auf unserer Terrasse. Und die ca. 12jährige Tochter darf auf dem Stellplatz mit dem Auto noch ein paar Runden fahren. Nicht auszudenken was wäre, wenn sie das Lenkrad verreißt und unser Auto ankarrt!

Donnerstag, 10.11.

Heute geht es mit dem Roller in die verlassene Stadt Kayaköy. Griechen haben auf diese verlassene Stadt der Antike ihre Häuser und Kirchen gebaut. 1923 hat Kemal Atatürk einen Bewohneraustausch im ganzen Land vorgenommen. Griechen aus der Türkei zurück nach Griechenland und umgekehrt. Die Stadt Kayaköy wurde nicht neu besiedelt, es gibt ungefähr 450 verlassene Häuser. Wir gehen zu Fuß durch diese Ruinenstadt. In den Kirchen kann man Steinlegearbeiten im Fußboden und verblichene Wandmalereien bewundern. Weiter geht es dann mit dem Roller. Erst bergan und dann in vielen Serpentinen bergab nach Fethiye. Hier suchen wir das Hammam auf, Behandlung 25 TL pro Person. Zur Zeit sind wir die einzigen Gäste und können zusammen ins Bad. Nachdem wir uns separat umgezogen und die Hammamtücher umgelegt haben, führt man uns in den Waschraum. Nach dem Waschen legen wir uns anschließend auf den warmen Marmorstein im Hauptraum. Dann beginnt ein Masseur Peter mit dem schwarzen Ziegenhaar-Waschlappen zu waschen – schwarze „Dreckröllchen“ bedecken seinen ganzen Oberkörper. Danach wird am Waschbecken im Nebenraum alles abgewaschen. Auf dem sauberen, warmen Stein wird jetzt die Seifenmassage (mit Ölivenölseife) vorgenommen und der Schaum wird, mit Hilfe der kleinen Hammamschüssel, abgewaschen. Auch die Haare wäscht man mit Seife. Dann, nachdem auch bei mir das Ganze vorgenommen wurde, führt man uns, in warme Tücher eingehüllt, in den Vorraum. Hier erhalten wir einen Tee und dann schließt sich eine 15 - 20 Minuten lange Rosenölmassage (gegen Aufpreis) an. Nach dieser Anwendung fühlen wir uns wie neugeboren. Mit dem Roller geht es zurück zum Campingplatz. Nachts geht zum 1. Mal unser Strom zur Neige – zu viel ferngesehen?

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Freitag, 11.11.

Heute ist Hausarbeit angesagt. Bettenbeziehen, gründliches Saugen der Fußböden usw. Peter macht derweil eine Rollertour zur anderen Seite der Bucht. Ich bin nicht auf die vielen Schlaglöcher erpicht – das geht so in den Rücken. Mittags genießen wir den einsamen, traumhaften Strand. Um 11.11 Uhr baden wir im Meer. Zuerst ist das Wasser frisch, dann recht angenehm. Abends grillen wir auf der Camping-Strandterrasse Dorade. „Unser“ Hund wartet auf die Fischabfälle. Er verschlingt alles: den Kopf und die Gräten. Einen Kopf versucht er sogar einzugraben – für schlechte Zeiten.

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Samstag, 12.11.

Nach dem Frühstück unternehmen wir einen Spaziergang in den Naturschutzpark, an den Strand von Ölüdeniz. Es kostet 2,25 € pro Person Eintritt, Autos extra. Der Park besteht überwiegend aus Parkmöglichkeiten und einem aus Stein angelegten Wanderweg. Es gibt ein großes Restaurant und an verschiedenen Stellen die Möglichkeit Liegestühle zu mieten. Der Strand ist feinkiesig und das Meer in dieser Bucht sieht so aus wie auf den Ansichtskarten: weiß – türkis – blau. Um diese Zeit am Vormittag sind wir die einzigen Besucher. An unserem Strand in der blauen Lagune, baut man am Nachmittag Tische und Stühle auf. Morgen, am Sonntag, soll hier ein Grillfest stattfinden. Mit Grillen und Getränken kostet es 20 TL pro Pers. Auch hier ist die Neuzeit eingezogen – die Gastwirte haben es erkannt. Früher nahmen die türkischen Familien zum Picknick noch alles mit....

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Sonntag, 13.11.

Unser heutiges Ziel ist Pamukkale, das Baumwollschlösschen. Vorerst aber noch ein Einkauferlebnis bei „Migros“ in Fethiye, einem Supermarkt, der auch am Sonntagvormittag geöffnet hat. Wir sind immer aufs Neue an der Kasse von der Endsumme überrascht. Es sind nicht die Lebensmittel: wie Brot, Gemüse und Milchprodukte die zu Buche schlagen, sondern eben die vielen kleinen Sachen, die man eigentlich gar nicht benötigt. Zurück an der Hauptstr. nehmen wir nach 20 km die Abgabelung Richtung Korkuteli. Schon bald führt uns die Straße ins Gebirge und wir genießen die grandiose Aussicht auf einige schneebedeckte Gipfel – fast wie in den Alpen. Kurz vor unserem Abzweig nach Gölhisar fahren wir eine Tankstelle an, wir benötigen Diesel. Der Preismast zeigt 2,13 TL und an der Säule 2.05 TL. Der Tankwart erklärt uns: das ewige Preisumstellen mit der Leiter am Preismast sei ihm zu anstrengend. Wir lassen unser Auto voll tanken und bekommen eine Gratisobenwäsche auf der Fahrbahn und ein Gläschen Tee als Erfrischung gereicht. Nach dem Abzweig wird die Straße schmaler und nach 20 km erreichen wir den Pass in 1595 m Höhe. Auf der Schattenseite vom Berg liegt noch Schnee und wir sind im T-Shirt und Sandalen unterwegs. In einigen kleinen Orten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die vielen fruchtbaren Felder entlang unserer Straße sind bereits abgeerntet, wir befinden uns immerhin noch auf 900 m Höhe. Bald nach Camköy erreichen wir die 585, nun sind es nur noch 100 km bis zu unserem Tagesziel. Vom Gebirge können wir auf Denzli blicken. Bald nach dem Ort biegt die Straße nach Pamukkale ab. Schon von weitem können wir die weißen Sinterterrassen erkennen. Eine Umgehungsstr. führt auf den Parkplatz oberhalb der Terrasse. Seit 5 Jahren kostet es Eintritt und oben sind die Hotels verschwunden. Sie hatten das warme Wasser für ihre Zwecke abgezweigt und somit lief zu wenig Wasser über die Terrassen und die Folge war: dass sich zu wenig Kalk ablagerte und alles mit der Zeit braun aussah. Jetzt ist ein Besuch lohnenswert, das bezeugen auch die vielen Touristenbusse, die hier oben auf dem Parkplatz stehen. Nach Sonnenuntergang sind diese verschwunden und wir sind fast allein. Obwohl überall steht: Camping verboten, ist dieser Parkplatz aber rund um die Uhr (24 Stunden) zu erreichen. Und wer sagt nicht: dass wir hier nicht den Sonnenaufgang fotografieren wollen?

   |   Tages KM: 249

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Montag, 14.11.

Wir wurden nicht gestört. Ansonsten gibt es noch eine weitere Möglichkeit auf den Parkplätzen am Kassenhäuschen zu übernachten. Immer wieder sehen wir Arbeiter, die mit den Arbeiten der neuen „Terrassenparkanlage“ beschäftigt sind. Die gepflasterten Wege mit Ruhebänken und Pflanzrabatten werden nach Fertigstellung sicherlich gut aussehen. Auf dem Weg zurück nach Denzli machen wir noch einen Stopp bei „Varol – Textil“ (45% Rabatt). Hauptsächlich die in eigener Fabrikation erzeugten Baumwollartikel werden hier verkauft wie: Unterwäsche, Bettwäsche, Decken, Handtücher und Bekleidung. Für die 219 vor uns liegenden Kilometer bis Efes (Ephesos) benötigen wir 3 Stunden. Die Straße ist bis Aydin eine gut ausgebaute zweispurige Schnellstr. Ab Aydin gebt es auf der Autobahn weiter, wir nehmen die Abfahrt Germencik. In Ephesos erkundigen uns über Eintrittspreise und deutschsprachige Führungen, denn diese wichtige Ausgrabungsstätte haben wir bereits 5 mal besichtigt. Aber für 2007 planen wir eine geführte Reise und wollen dann mit der Gruppe hier einen Besichtigungsstopp einlegen. Wir fahren weiter zum nahen Campingplatz Pamucak. Auf dem Motel/Campingplatz ist jetzt im November „tote Hose“. Wir können zwar hier übernachten, aber es gibt weder Warmwasserduschen, noch Strom. Das Restaurant am Platz hat noch geöffnet. Wir machen einen langen Spaziergang am Strand und es sind verhältnismäßig viele deutschsprachige Touristen unterwegs.

   |   Tages KM: 219

Dienstag, 15.11.

Heute, auf dem Weg nach Bergama, ist ein Abstecher nach Izmir, der zweitgrößten Stadt der Türkei, angesagt. Wir parken mit dem Mobil an der Atatürk Caddesi, direkt am Meer auf der 4. Fahrspur. Parkplätze für Autos in unserer Größenordnung sind Mangelware. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Uhrenturm, der „Saat Kulesi“. Man hat den Platz um diesen Turm schön gestaltet: mit Ruhebänken in einer Fußgängerzone, ohne die sonst üblichen hohen Bürgersteige. Die sich anschließenden Basargassen sind mit buntem Leben erfüllt. Modere Bekleidung, diese Geschäfte könnten in jeder x-beliebigen Stadt in Deutschland stehen, gibt es in vielfältiger Auswahl. Und auch sie gibt es noch, die typisch türkischen Einkaufsstr. Für Gold- und Silberschmuck, Leder- und Haushaltswaren und Brautausstattungen. Wir vermissen in diesem Viertel den großen Gemüsemarkt. Dafür gibt es dann und wann eine kleine Gasse mit Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Auch kann man hier kleine Hunde und Vögel kaufen. Kurz bevor wir den Basar verlassen, kaufen wir noch für das Abendessen ein. Mit einer türk. Pizza in der Hand machen wir uns auf den Weg zum Mobil. Nach 3 Stunden Geschäftsbummel haben wir müde Füße. Kleine Feststellung über die Schnellrestaurants im Basar. Es gibt sie reichlich – doch oft ohne Preisauszeichnung. Die Einheimischen scheinen die Preise zu kennen. Doch kaum fragen wir als Touristen nach dem Preis – muss der Chef antworten. Dann kostet ein Spieß Adana-Kebab so viel wie zwei mit Beilagen im Restaurant. Will man uns „abkassieren“? Da vergeht uns ganz schnell der Appetit! Fast immer parallel mit dem Meer führt uns nun die Straße wieder auf der 550 Richtung Norden. Wir kaufen ein leckeres großes Bauernbrot in einer Bäckerei am Straßenrand. Baumwolle, Salat und Tabak werden in dieser Ebene angebaut. Immer sind wir auf der Suche nach Baumwollpflückern. Wir wollen die gestern gekauften Sitzkissenbezüge mit Baumwolle füllen. Als ein Lkw links mit Baumwollsäcken auf ein Fabrikgelände einbiegt, folgen wir diesem. Wir zeigen unsere Kissenbezüge. Zuerst ist man zögerlich, holt dann aber den Chef. Dieser führt uns in eine Halle. Hier wird zuerst die gepflückte Baumwolle von den Samen befreit und über eine Art Förderband in die nächste Halle transportiert. Die so gesäuberte Baumwolle wird in spezielle Säcke gestopft. Als ich komme, sind 2 junge Mädchen damit beschäftigt Baumwolle in die Kissenhüllen zu stopfen. Ich helfe ihnen dabei. Nachdem ich sie nach ihren Namen und Alter gefragt habe, muss ich auch meinen sagen. Durch meine paar türkischen Worte meinen sie, dass ich türkisch perfekt spreche und ein wahrer Redeschwall bricht aus Ihnen hervor. Peter hat inzwischen aus unserem Mobil Kaffee und Kekse geholt und diese schenken wir den ädchen für ihre Arbeit. Sie fallen mir um den Hals und Küsschen links und Küsschen rechts. Dann macht Peter von uns drei Kissenstopferinnen noch ein Erinnerungsfoto. Im Auto fällt uns ein, dass wir den Männern noch Zigaretten geben können. Ohne den Chef und dem Vorarbeiter wäre diese Aktion nicht möglich gewesen. Bis Bergama ist es nicht mehr weit, nur der Campingplatz (lt. Führer) hat jetzt einen anderen Namen. Für eine Übernachtung will man 20 TL haben, bislang die höchste Summe in der Nachsaison. Der Betreiber spricht fließend deutsch, mit schwäbischem Akzent. Für große Mobile ist der Platz unter den Olivenbäumen reichlich eng und auch hat man das Wasser in den Toilettenräumen schon abgestellt. Aber Peter regelt alles und macht dann einen langen Spaziertang Richtung Ort. Ich schreibe derweil das Tagebuch, noch sind alle Erinnerungen frisch. Wir genießen ein heißes Duschbad.

   |   Tages KM: 192

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Mittwoch, 16.11.

Mit dem Mobil durch den Ort Bergama und dann den Berg hinauf zur Ausgrabungsstätte, der Akropolis. Am Berg ist der Weg teilweise recht schmal und wird beschwerlich, wenn sich z.B. ein Bus und ein Reisemobil begegnen. Beim Eintritt erhalten wir folgende Information: das Reisebüro PLUS in der Türkei vermittelt für Reisegruppen den Transfer mit Bus und Sprachführer zu sehenswerten Stätten. In Deutschland werden wir für unsere geplante Tour Preise einholen. Ansonsten kostet es 10 TL pro Person und parken 10 TL. Auf dem Rückweg müssen wir prompt zurücksetzen, auf der schmalsten Stelle begegnen uns 2 Busse. Durch den engen Ort regeln Einbahnstr. die Verkehrsführung. Wir fahren mitten durch den Basar der Einheimischen, an Öfen, Messingkesseln, Plastikbehältern vorbei. Auf den ohnehin schon schmalen Bürgersteigen hat man die Waren ausgestellt. Ein wenig außerhalb vom Ort finden wir einen Parkplatz. Wir gönnen uns für 4 TL ein Taxi und zu Fuß können wir nun die vielen Gassen durchstreifen. Mit vielen Einkäufen bepackt erreichen wir unser Auto gegen Mittag. Nun heißt es fahren. Die Straße sieht gut aus, aber der Belag ist katastrophal. Wir werden kräftig die nächsten 239 km bis kurz vor Canakkale durchgeschüttelt. Unterwegs sehen wir viele Ferienanlagen, in dieser Gegend sollen die reichen Istanbuler ihre Ferienhäuschen haben. Rechts und links der Straße Baumwollfelder und Olivenhaine. Viele Personen sind mit der Olivenernte beschäftigt – sehr mühevoll. Nachdem wir die Bucht von Edremit passiert haben geht es bergauf, hinter vielen Lkws und schlechten Überholmöglichkeiten. Ab Ezine sind wir im Tal und die Fahrt geht flotter. Troja lassen wir „links“ liegen. Der von uns angepeilte Campingplatz vor Canakkale hat lt. Tankwart geschlossen und wir müssen ein Stückchen zurückfahren. Sun-Sun Camping und Motel ist von der Hauptstr. aus gut beschildert und wir haben Glück, er hat noch geöffnet. Die Einfahrt wird durch recht hohe Bäume begrenzt, die Peter mit Erlaubnis des Platzwarts kurzerhand mit seiner Astschere stutzt. Nun steht einer reibungslosen Durchfahrt nichts mehr im Wege. Auch hier sind wir die einzigen Gäste und bald machen sich auch der Platzwart und die Dame von der Rezeption auf ihren Nachhauseweg. Nun sind wir ganz allein. Nachts starker Sturm und gegen Morgen Regen.

   |   Tages KM: 239

Donnerstag, 17.11.

Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf, gegen 9 Uhr sind wir an der Fähre im Hafen von Canakkale. Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt. Die am Meer entlang führende Straße gibt immer wieder Ausblicke auf die Dardanellen und die vielen Sommerhaussiedlungen. Die Straße ist gut ausgebaut, auch wenn es streckenweise stetig bergan und dann schwungvoll bergab geht sind wir mittags an der griechischen Grenze. Für die Formalitäten benötigen wir 20 Min. Wir benutzen überwiegend die kostenlose Autobahn, nur Park- und Rastplätze sind rar. Inzwischen hat sich das Wetter gebessert und die Sonne schaut raus. Gegen 15 Uhr passieren wir Kavala und sind auf der Suche nach einem Kaffeeplätzchen. Doch dann, bald nachdem die Autobahn endet und die Landstr. uns durchs Gebirge und am Meer entlangführt werden wir Augenzeugen von einem schweren Unfall. Die Polizei ist schon am Unfallort und stoppt die Fahrzeuge. Aus einem sehr demolierten PKW auf unserer Fahrbahn birgt man die verletzte Fahrerin, die dann mit dem Unfallwagen abtransportiert wird. Für den Beifahrer kommt jede Hilfe zu spät. Der in den Unfall mit verwickelte LKW ist über die Böschung und Leitplanke geschossen und hat sich überschlagen., die Fahrerkabine steht kopfüber und ist stark beschädigt. Für den Fahrer scheint es seine letzte Fahrt gewesen zu sein. In solchen Momenten wird man sich bewusst wie schnell ein Leben enden kann, auch wenn man noch so vorsichtig fährt. Sollen wir Gott danken, dass wir an der Unfallstelle erst jetzt vorbeikommen. Eine Polizeikontrolle hat uns wegen einer Ausweiskontrolle 15 Min. aufgehalten, was uns zu dem Zeitpunkt sehr „genervt“ hat. Sehr betroffen vom Geschehen setzen wir unsere Fahrt fort. Bei Asprovalta machen wir beim Lidl-Markt einen Stopp. Obwohl es erst 16 Uhr ist (eine Stunde Zeitumstellung in Griechenland), geht bereits die Sonne unter. Als wir mit unseren Einkäufer zum Auto zurückkehren, ist es bereits dunkel. Heute Abend werden wir hier auf dem großen Parkplatz übernachten.

   |   Tages KM: 466

Freitag, 18.11.

Außer bei Lidl, gibt es aber noch andere Möglichkeiten (Camping oder Stellplatz) der Übernachtung. Wir versuchen die Autobahn (auf der Landstr. In Bau) Richtung Thessaloniki zu nehmen – leider für Fahrzeuge über 3,5 t verboten. So bleibt uns nur die Landstr. Erst kurz vor Thessaloniki können wir auf die A2 Richtung Veria fahren. Die Autobahn ist nur bis Grevena fertig, bis Meteora sind es immer noch fast 50 km auf teils schmalen Gebirgsstr. Kurz vor Meteora wollen wir die E 92 nach Ioánnina nehmen, um zu überprüfen wie weit der Ausbau der Autobahn fortgeschritten ist (auf unserer Landkarte ist 2005 als Fertigstellung angegeben). Leider ist sie nur stückchenweise fertig, es fehlen noch etliche Tunnel. So müssen wir die Straße übers Gebirge bis 1680 m mit unserem Mobil „hochkraxeln“. Wenn wir denken, nun ist alles geschafft, dann geht es nach der Fahrt bergab wieder bergauf. Wir benötigen für die 118 km 2 ½ Stunden bis Ioánnina. Im Ort erkundigen wir uns nach der Autobahn zum Fährhafen Igoumentisa, leider keine Ausschilderung. Nachdem wir auf der Autobahn diese nach 13 km wieder verlassen müssen, war alles nur von kurzer Freude. Teilstrecken der Autobahn fehlen wieder einmal. Doch die Nebenstr. Die wir nun benutzen ist gut ausgebaut und hat kaum Verkehr. Noch 2 x können wir Teilstrecken der Autobahn benutzen und kommen dennoch erst bei Dunkelheit um 17.30 Uhr im Fährhafen an. Leider gibt es morgen am Samstag von unserer Fährgesellschaft keine Fähre nach Venedig, aber noch heute Abend fährt eine nach Ancona. Einen weiteren Tag hier im Hafen bis zum Sonntag zu verbringen erscheint uns nicht „prickelnd“, so buchen wir auf Ancona um. Abfahrt soll um 23.30 Uhr sein und des bleibt genügend Zeit zum Essen und Taschenpacken. In der Nachsaison ist nicht mehr die Möglichkeit „Camping an Bord“ gegeben. Kaum ist die Fähre im Hafen, ist binnen 20 Min. das Schiff beladen und abfahrbereit. Wir bekommen auf Deck 5 eine Kabine in Fahrtrichtung - sehr komfortabel. Nach einem kurzen Rundgang übers Schiff, nur wenig Passagiere, gehen wir schlafen. Mit nur einer Wolldecke als Zudecke ist es fast zu kalt.

   |   Tages KM: 503

Samstag, 19.11.

Gegen 8 Uhr wachen wir auf und nutzen die sanitären Einrichtungen ausgiebig. Ich föhne just meine Haare, als wir über Lautsprecher vernehmen: Frühstück nur noch die nächsten 15 Min. möglich! Da bleibt uns keine Zeit – hastig wird sich angezogen und 1-2-3, sind wir im Restaurant. Wir frühstücken ausgiebig und ein Blick auf die Uhr im Restaurant gibt uns zu verstehen, hier herrscht eine andere Zeit – Wir hatten unsere Uhr schon um 1 Std. in Griechenland zurück gestellt. Unser Schiff schaukelt stark über die Wellen. Bis zur Ausschiffung verbringen wir die Zeit in unserer Kabine. Peter hat unter dem starken „Seegang“ zu leiden und muss spucken. Erst gegen 15 Uhr sind wir im Fährhafen von Ancona und wie immer sind alle recht ungeduldig das Schiff endlich zu verlassen. Es ist schon recht kühl in Italien, so um die 10° und nach Untergang der Sonne wird es schnell noch kühler. Gut, dass wir unsere Winterjacken im September mit eingepackt haben. Wir peilen einen Stellplatz im Ort Castel Bolognese, kurz vor Bologna, an. Der Platz befindet sich an einer Sportparkanlage. Außer ein paar Jugendlichen die hier ihre Autos ausprobieren, stehen hier noch einige Lkws. Wir machen einen Spaziergang in den kleinen Ort, der für sein vorzügliches Speiseeis bekannt sein soll. Doch uns steht es nicht nach Eis, es ist viel zu kalt – so um die 2° +. Es gibt einige kleine Arkadengeschäfte und die Restaurants und die Geschäfte haben noch bis 19.30 Uhr geöffnet, selbst heute am Samstag. Wir kaufen in verschiedenen Bäckereien Weihnachtskekse und im Supermarkt eine kleine Auswahl an Nudeln. Zurück am Auto ist es mollig warm – wir haben vorher die Heizung angestellt. Die Nacht verbringen wir sehr ruhig.

   |   Tages KM: 179

Sonntag, 20.11.

Heute sind es noch ca. 500 km bis Walchsee, überwiegend Autobahn. Trotz Sonnenschein herrschen Außentemperaturen von nur 5°C. Wir müssen unsere Go-Box wieder aufladen, kleinster Betrag 50 €. Nach dem Brenner ist das Wetter bedeckt, für die nächsten Tage wird Schneefall erwartet. Wir biegen in Kufstein ab Richtung Walchsee. Der Ort liegt 660 m hoch und es liegt bedeutend mehr Schnee auf Bergen, Wiesen und Bäumen. Es dunkelt bereits, als wir gegen 17 Uhr auf dem Mittermooshof ankommen. Wir parken in einer Senke hinter dem Gästehaus.

   |   Tages KM: 532

Montag, 21.11.

Nachts starker Schneefall, mindestens 25 cm. Peter ist am Morgen mit Schneeschieben und Wasserversorgung beschäftigt – inzwischen schneit es unerbittlich weiter. Wir hoffen, dass die nächsten Tage, am Donnerstag wollen wir abreisen, der Schnee wegtaut. Doch es kommt noch mehr Schnee und nachts wird es sehr kalt. Wir müssen die Schneelast vom Mobildach entfernen. Am Tage taut es etwas und an der Markise und am Alkoven hängen lange Eiszapfen. Am Mittwoch will Peter die Lenkung anders einschlagen, denn auf dem einen Reifen hat sich eine Eisdecke gebildet. Doch unser Auto will nicht anspringen. Nach längerem Überlegen fällt uns ein: Wir haben zuletzt in Griechenland getankt und keinen Winterdiesel im Tank. Die Kühlwasservorwärmung und die Sonne sorgen dann dafür, dass die Kraftstoffleitungen wieder frei werden und wir keine Werkstatthilfe benötigen. So können wir am Donnerstag Richtung Heimat starten. Welch ein krasser Abschluss nach über 2 Monaten überwiegend Sonne.

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