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Marokko - 2008-1

Marokko im Frühjahr 2008

Tagebuchnotizen von Monika Ambos Bilder ............Peter Ambos

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Freitag, 15.2.

Peter ist schon vor 5 Uhr wach, das merkt wohl auch meine „innere Uhr“ und so beschließen wir beide aufzustehen und ohne Frühstück (das haben wir noch nie gemacht) um 6 Uhr zu starten. Auf unserer Strecke gibt es bei einer Baustelle vor Hamburg zu Stoßzeiten lange Staus. Peters letzte Frage (gedankenverloren) bevor er das Haus verlässt: „wo habe ich meine Papiere eingesteckt?“. Zynisch gebe ich meine Antwort „dazu sage ich nichts“ und gehe schon mal zum Mobil. Es ist stockdunkel und wir haben 6°C Minus, auf der Frontscheibe ist Eis. Brrr- wird Zeit, dass wir in den sonnigen Süden aufbrechen. Schon bald höre ich Peters erleichterten Ausruf: „da sind ja meine Papiere!“ Mann oh Mann! Wir kommen gut vorwärts, gegen 8,30 gibt’s Frühstück im Mobil. Das Wetter scheint gut zu werden, denn die Sonne lässt sich blicken. Am frühen Nachmittag wollen wir uns auf einem Parkplatz an der A64 - nahe Trier- mit Werner treffen. Werner hat schon lange einen Traum: einmal in die Wüste zu fahren. Und so hat es sich ergeben, dass wir zu dritt bis Algeciras fahren. Dort wollen wir uns mit Marianne und Claus (Stammtisch Glinde) treffen. Gemeinsam beabsichtigen wir dann mit der Fähre nach Tanger übersetzen. Gegen Mittag erreichen wir nach dem Ruhrpott das Ende der Autobahn A1 bei Blankenheim. Wir nehmen die 2. Ausfahrt auf die Bundesstr. 51 und just als wir abbiegen wollen- begegnet uns Werner mit seinem Mobil wir sind so „verdattert“ - mit so einem Timing haben wir alle 3 nicht gerechnet. Wir steuern den nächsten Parkplatz an und nach einer herzlichen Begrüßung tauschen wir bei einer Brotzeit das Erlebte der letzten Tage aus, Werner ist bereits am 13. in Hamburg gestartet. Nun brauchen wir und können bis Luxemburg recht flott weiterfahren. An einer Tankstelle können wir für 1,048 € pro l Diesel uns mit Kraftstoff versorgen. Dann ist Tortenessen (ein Reisegeschenk von Brigitte) angesagt – dabei wollten wir im Urlaub ein paar Kilos verlieren! Bis zu unserem heutigen Tagesziel in Charmes sind es noch 200 km. Ohne große Probleme erreichen wir den Stellplatz kurz vor 18 Uhr, es ist noch nicht dunkel, aber bitter kalt. Für 5 € pro Nacht – Strom incl. stehen wir an der Moselle (deutsch Mosel) und mit uns noch einige Mobile. Wir vertreten uns noch ein wenig die Beine, die Innenstadt von Charmes ist nur wenige Schritte entfernt. Baisers in einer Bäckerei verlocken zum Kauf und das ofenfrische Baguette duftet verführerisch. Einige Geschäfte, Pizzerias, Bäckereien und Konditoren warten auf Kunden, der Ort hat nur 4000 Ew. Nach dem Abendessen in den Mobilen treffen wir uns noch auf einen Absacker: Punsch und Baiser. Wir besprechen noch das eine oder andere und dann husch – husch in die Betten. Morgen wollen wir ca. 700 km bis Millau (A75) fahren. Start soll um 7.30 Uhr sein.

Erlebnis des Tages: Man kann sich auch ohne Verabredung an unerwarteten Stellen gegenüber stehen.


   |   Tages KM: 790

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Sonnabend, 16.2.

Es ist lausig kalt (5°-), als wir pünktlich um 7.30 starten. Noch ein kurzes Stück Schnellstr. und dann geht bei Remiremont auf die N57, die bis Besancon geht. Abwechslungsreiche Landschaften, -hügelig wie in der Rhön – und kleine verschlafene Orte. Werners Klimaanlage ist defekt (dabei war er gerade in der Werkstatt), die Mittagssonne wärmt die Fahrerkabine so richtig auf. Na ja- er wollte ja in die Wärme! Wir glauben nicht immer was uns das Navi erzählt und fahren prompt den einen oder anderen Umweg. Südlich von Besancon führt uns die N73 westlich bis Charlon surb Saone. Wir passieren Montceau-les Mines und statten dem kleinen Ort Lapalisse am frühen Nachmittag für eine Kaffeepause einen Besuch ab. Nachdem wir uns mit leckerer Torte gestärkt haben, werfen wir die Motoren an, kaum sind wir ein paar Meter gefahren, hören wir ein eigenwilliges Geräusch aus unserem Motorraum. Wir stoppen sofort und Peter öffnet die Motorhaube um sich das „fremde Geräusch“ anzuhören. Ich stoppe derweil Werner. Oh- das sieht gar nicht gut aus! Mit einer Taschenlampe leuchtet Peter in den Motorraum. Der Fehler ist schnell erkannt, von der Spannrolle für den Keilrippenriemen haben sich die Schrauben gelöst. So rollt sich Peter auf der Turnmatte unters Auto, Motorverkleidung ausbauen und versuchen die Schrauben wieder festzuziehen. Nach mühevoller Arbeit (es ist sehr eng und natürlich hat man genau dass Werkzeug nicht dabei) können die Schrauben wieder festgezogen werden. Das ganze ist sehr bedauerlich, da wir Mitte Januar zur Inspektion und Zahnriemenwechsel in einer Fachwerkstatt waren und dort die Spannrolle erneuert wurde. Das Ganze ist mehr als ärgerlich! Wie immer in ungewöhnlichen Situationen – ein Foto wurde nicht gemacht. Nach getaner Arbeit beschließen die Männer noch ein bis zwei Stündchen zu fahren. Wir fahren ein Stückchen Mautautobahn. An der Zahlstelle werden Werners Karten nicht akzeptiert – Bargeld lacht! Bei uns gibt es keine Probleme. Südlich von Cermont-Ferrand fahren wir bei m Ort Issoire von der Autobahn. Bei einer großen Supermarktkette können wir lesen: 1,204 Euro für 1 ltr. Diesel. Die Anfahrt zu den Säulen ist gar nicht so einfach, unsere Mobile passen gerade mal so eben unter die Überdachung (3,50 m). Auf dem nahen Großparkplatz vom Supermarkt finden wir abseits für uns eine Parkmöglichkeit. Und nachdem wir uns im Supermarkt mit Trinkwasser und Baguette versorgt haben, beschließen wir hier über Nacht zu bleiben.

Erkenntnis des Tages: Vertraue nicht unbedenklich deiner Werkstatt und deiner Bank (Werners Kommentar)


   |   Tages KM: 520

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Sonntag, 17.2.

Wir haben wunderbar ruhig auf dem Supermarktparkplatz geschlafen. Heute am Sonntag starten wir um 8 Uhr. Nachts hatten wir 7 Grad minus. Unsere mautfreie Autobahn führt uns durch das gebirgige Zentral-Massiv. Manchmal geht es bis über 1000 m hoch und auf den Brücken, die die Täler überspannen, weht ein starker Wind. Die Sonne schaut heute nicht hinter den Wolken hervor, es schaut fast noch Schnee aus. Gegen Mittag erreichen wir die höchste Autobahn-Brücke der Welt. Bei Millau spannt sich die 2,5 km lange Brücke (von Normann Forster) über den Tarn. Brückenüberfahrt für uns 20,20 Euro. Auf dem Parkplatz vor der Brücke machen wir einen Stopp und schauen uns die Brücke aus der Nähe an. Bald danach wird die Landschaft lieblicher, links und rechts der Autobahn blühen Mandel- und Kirschbäume. Gelb leuchten die Mimosen und der Ginster, zartgrün sprießt das erste Gas auf den Weisen. Nun kommt auch die Sonne raus. Kurz vor der spanischen Grenze eine letzte Rast, gegen 15 Uhr sind wir in Spanien. Wir peilen einen Campingplatz südlich von Barcelona an. Vor drei Jahren haben wir auf einem Platz in Casteldefels in Strandnähe unweit vom Flughafen übernachtet. Die Straßen sind inzwischen neu ausgebaut und die Campingplätze auf der Meerseite sind noch geschlossen. So müssen wir uns neu entscheiden. Gleich nach einer Tankstelle (wir sind mal wieder mit dem Tanken dran) gibt es einen Campingplatz der geöffnet hat. Für 26,70 Euro die Nacht weist man uns auf eine kleine Stellfläche zwischen den hohen Bäumen ein. Mit Werner und einem anderen Mobil an unserer Seite, erwarten wir die Nacht. Der Platz liegt in der Einflugschneise zum Flughafen – alle 2 bis 3 Minuten verfolgen wir durchs Heki den geräuschvollen Anflug. Entsorgung für Fahrzeuge unserer Größe auf diesem Platz schwierig. Wir machen nach dem Abendessen noch einen kurzen Abstecher zum Strand. Handprobe im Wasser: ist gar nicht so kalt!

Erkenntnis des Tages: Nichts ist mehr so wie es mal war!


   |   Tages KM: 620

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Montag, 18.2.

Auf der A 7 (Maut) geht es bis Valencia. Wir werden so bis zum Mittag mal rasch 50 Euro los. Um Valencia herum und A 7 durchs Binnenland bis Elche fahren wir mautfrei. Nur das Wetter meint es nicht gut mit uns, wir haben Dauerregen. Vor Alcoy gibt es noch ein kleines Stück Landstrasse. Unser Navi scheint ein Abkommen mit der Mautautobahn zu haben – prompt leitet es uns nach Elche Richtung Cartagena auf diese (6 €). Langsam wird es dunkel. Wir müssen noch über den Berg bis Mazarron – dort wollen wir Bekannte auf einem Campingplatz treffen. Mit einmal nachfragen erreichen wir diesen. Vor der Schranke heißt es warten und zu Fuß stiefeln wir zur Rezeption. „Der Platz ist voll“ heißt es und für 1 bis 2 Tage ist ein Kurzparken nicht möglich. Wir berufen uns auf unsere Freunde, die hier immerhin schon seit September Dauerurlaub machen. Freundlicherweise nennt man uns aber den Stellplatz und wir machen uns auf die Suche. Wir haben Glück, denn Udo und Bärbel sind im Mobil. Ein kurzer Plausch – wir erklären unsere Situation und sofort kommen sie mit zur Rezeption. Für 24 € pro Nacht dürfen wir auf dem „Warteparkplatz“ (direkt neben der Abwasserkanalisation) parken. Nach einer kleinen Stärkung besuchen wir die Phoenixfreunde auf ein Glas Rotwein. Es wird spät heute Abend, angeregt tauschen wir uns aus. Der Platz hat ein Thermalbad, so beschließen wir morgen nach dem Aufstehen dieses zu benutzen und erst gegen 11 Uhr weiterzufahren.

Erlebnis des Tages: Es ist schön Freunde zu treffen!


   |   Tages KM: 656

Dienstag, 19.2.

Heute ist ausschlafen und danach schwimmen angesagt. Doch schon frühmorgens baut ein Gemüsestand seinen Verkaufstresen vis-a-vis auf. Wir frühstücken mit frischen Brötchen aus dem Campingkiosk und drehen danach ein paar Runden im kleinen „Hallenbad“. Bärbel bringt uns leckeres Nussbrot vorbei und bis zum Abschiednehmen klönen wir noch gemeinsam in unserem Mobil. Werner und ich probieren uns durch den Obst- und Gemüsestand – alles lecker und frisch. In der Hähnchenbraterei reservieren wir ein Hähnchen. Kurz nach 11 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Mojacar. Helma und Peter (Reisemobilstammtisch Glinde) wollen uns am Ortseingang mit ihrem Mobil erwarten. Auf dem Weg dorthin Einkauf bei Lidl. Fast der gesamte Parkplatz ist mit Mobilen belegt (Reiseproviantvorsorge für Markokko?) In der Sonne haben wir angenehme 20° C. Das ändert sich im Gebirge, da fällt das Thermometer auf 10° C. Bald nach Aquilas treffen wir auf Strandparkplätze, auf diesen haben Reisemobile es sich häuslich eingerichtet – z.B. San Juan de los Terreros. Die Straße, die uns jetzt am Strand entlang nach Carrucha führt, hat viele Touristenunterkünfte an der Straße – so ein Urlaub hier wäre nicht nach meinem Geschmack! Kurz vor Mojacar erwarten uns dann Helma und Peter. Sie fahren mit uns auf einen versteckten Strandparkparkplatz. Arnold und Evi sind mit ihrem Mobil bereits dort. Vor den Mobilen tauschen wir unsere Erfahrungen unter Regenschirmen aus. Jetzt fehlen nur noch Marianne und Klaus (dank Handy lassen sich so schnell Verabredungen treffen). Nach dem Kaffeetrinken wird das Wetter besser und wir unternehmen einen längeren Spaziergang durch den Ort (entdecken eine Pizzeria für den Abend) und am Strand zurück. Marianne und Claus sind nun eingetroffen und für den Abend verabreden wir uns alle zum Pizzaessen. Helma und Peter wollen die Autos „bewachen“, denn sie haben bereits gegessen. Wir anderen marschieren los. Haben viel Spaß, riesige Pizzas und nette Gespräche. Für morgen Vormittag verabreden wir Frauen uns zum Markt nach Mojacar.

Erkenntnis des Tages: Das Handy ist schon eine tolle Erfindung


   |   Tages KM: 101

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Mittwoch, 20.2.

Riesenpizza, Vollmond oder Espresso? Irgendetwas lässt mich nicht schlafen! Bis 9 Uhr muss ich mich ganz schön sputen, dann ist Abmarsch zum Bus angesagt. Nur Helma müssen wir noch über den Ausflug informieren. Um den Bus zum Markt nach Mojacar zu erreichen, heißt es 1 x umsteigen. Wir können Arnold als Fahrer gewinnen, die anderen Männer wollen heute an den Fahrzeugen kleine Reparaturen erledigen. Arnold setzt uns am Markt ab. Heute sind die Händler wegen des wechselhaften Wetters nicht so zahlreich erschienen. Helma kennt sich hier aus und macht den Vorschlag, die Aussichtsterrasse aufzusuchen. Es geht stetig bergan und bald haben wir vier Frauen sie gemeinsam erreicht. Wir lassen den Blick schweifen – auf die Berge im Hinterland und die fruchtbare Ebene im Tal. Dann lassen wir uns in bequeme Sessel plumpsen und bestellen uns zur Feier des Tages: Kaffee con Leche und süße „Schweinereien“. So, lässt sich ein Urlaubstag auch angehen! Zurück am Markt geht es durch kleine bezaubernde Gassen. Auf dem Gemüsemarkt decken wir uns mit frischem Obst ein. Dann erwarten wir Arnold, er will uns bereitwillig wieder abholen. Alles klappt wie am Schnürchen. Am Platz zurück waren die Männer inzwischen nicht untätig. Die erforderlichen Reparaturen sind erfolgreich erledigt. So packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns mit Werner gegen 13 Uhr auf die Weiterreise. Ein gutes Stück nehmen wir die Küstenstrasse, dann geht es nach Carboneras Richtung Autobahn. Überall wird gebaut. Wer, um Gottes willen, wird hier den Urlaub verbringen? Zwischen Straße und Meer, bis zu den Berghängen hinauf, sehen wir endlose Plastikplanen-Gewächshäuser. Beim näheren Hinsehen entdecken wir Tomatenstauden (alles EU Tomaten für Deutschland?). Die Autobahn ist noch nicht vollständig fertig gestellt. Wir müssen ein Stückchen Landstrasse fahren. Auf den wenigen Parkplätzen der rechten Seite finden wir endlich ein Plätzchen, doch leider führt unser Weg in eine Sackgasse. Um den Weg nicht zurückzufahren, macht sich Werner mit einem Maulschlüssel an die harte Arbeit die Leitplanke abzuschrauben. Als er so grad bei der Arbeit ist, kommen Marianne und Claus auf der Straße vorbeigefahren. Sie stoppen und wir fahren dann doch die Sackgasse zurück um wieder auf die Straße zu gelangen. Eine knappe Stunde, dann sind wir in Nerja. Marianne und Claus erwarten uns schon auf einem Parkplatz am Ortseingang (wir alle drei haben CB-Funk). Ihre Freunde wollen gleich vorbeischauen und uns (3 Mobile)dann einen geeigneten Platz für die Nacht zeigen. Ganz in der Nähe, vor einem Sportplatz und Supermarkt, findet sich ein geeignetes Plätzchen. Zu uns gesellt sich noch ein Franzose mit seinem Mobil. Nach dem Abendessen, es ist schon dunkel, machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Nerja, wir wollen auf die Aussichtsterrasse „Balkon de Europa“. Die Stadt mit den kleinen Gassen, Restaurants und Geschäften gefällt uns gut. Von der Terrasse muss man bei Tageslicht einen weiten Blick haben, über die Küste und bis Afrika? Wir sehen das Vollmondlicht sich auf den Wellen spiegeln und am Abend haben wir noch angenehme 14°C (tagsüber 2o°C)

Erkenntnis des Tages: Auch Ortskundige wissen nicht alles.


   |   Tages KM: 241

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Donnerstag, 21.2.

Gleich nach Nerja gibt es zum Meer hin einen ausgewiesenen Stellplatz für Mobile. Und der der ist auch recht gut besucht, wie wir von der Straße aus feststellen können. Wir fahren die Küstenstrasse und ab Marbella die A 7 bis Algeciras. Unterwegs Ferienwohnungen bis hinauf in die steilsten Hänge. Wenn diese Touristen alle im Sommer zum Baden wollen, dann gibt es an den schmalen Stränden sicherlich Platzmangel. Wie ist es mit den Abwässern der Ferienwohnungen geklärt? Es sollen an der Küste angeblich 1,4 Mio. Wohnungen leer stehen, was für ein Verlust für die Wirtschaft. Am frühen Nachmittag sind wir vor Carlos Fährbüro in Algeciras. Für die Überfahrt, 1 Mobil und 2 Personen Hin- und Rücktour, will er 175 Euro haben. Bis Marianne und Claus eintreffen, vertreiben wir uns die Zeit mit Einkaufsbummel bei Carrefour und Lidl. Morgen, 10 Uhr soll unsere Fähre ablegen, dann verlassen wir für 6 Wochen Europa .

Erkenntnis des Tages: Das Mobil kann noch so voll sein, im Supermarkt findet sich immer noch etwas was man zu benötigten meint.


   |   Tages KM: 194

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Freitag; 22.2

8.00 Uhr morgens, wir fahren alle vom Parkplatz. Regen nichts als Regen mit heftigem Wind – auch schon in der Nacht. Am Wartehäuschen an der Fähre informiert uns Carlo, dass die Fähre wegen des Sturms eine Stunde später fährt. Es wird 11, es wird 12 – geht es heute überhaupt noch los? Kaum halten wir alle ein kleines Nickerchen, da klopft es ans Fenster. Los – los! Peter sitzt ohne Schuhe hinter dem Lenkrad, in aller Hast vergessen wir die anderen zu informieren. Wenn wir nun denken, nach den Kontrollen geht es auf die Fähre, so haben wir uns geirrt. Im Hafen heißt es erneut warten, denn die Fähre Acciona verlässt ohne uns den Hafen. Die nächste Fähre trifft ein und wird entladen. Wartende Pkws neben uns rücken kein Stückchen zur Seite – die LKWs haben echt große Probleme zu passieren. Dann endlich, um 14 Uhr, soll es mit der Euroferrys Atlantica losgehen. Es wird 15.45 Uhr bis wir ablegen. Das ganze Schiff stinkt nach Schiffsdiesel und wir kämpfen mit der Übelkeit. Marianne hat schon eine Sofaecke für uns reserviert, damit wir uns im Notfall hinlegen können. Sobald wir den Hafen verlassen, wird das Meer merklich unruhiger. Marianne streckt sich sogleich flach aus, ich verharre in „hab’ Acht-Stellung“. Parfümierte Tücher auf unseren Nasen sollen den massiven Dieselgeruch übertünchen. Dann ein Aufruf, der Fahrer eines schweizer Autos soll an die Rezeption kommen. Was da wohl passiert ist, Handbremse nicht festgezogen? Die Fähre ändert nun den Kurs und fährt an der spanischen Küste entlang. Bei Tarifa geht es wieder über die Meerenge Richtung Tanger. Das Meer ist nun nicht mehr ganz so aufgewühlt und es ist sogar ein Gespräch möglich. Endlich, um 18.30 Uhr (nach unserer Zeit) legen wir im Hafen von Tanger an. Vom Außendeck verfolgen wir das Anlegemanöver und der viele Regen hat endlich aufgehört. Nun beginnt der Ansturm der Fahrzeuge zum Zoll. 5 bis 6 Fahrspuren müssen sich auf 4 einsortieren. Den Schluss machen die Reisemobile und einheimischen Pkws. Wir können beobachten, dass bei etlichen Pkws die Kontrollen sehr genau vorgenommen werden: Kofferräume müssen total ausgeräumt werden – wutschnaubend verschwinden dann die Besitzer im Zollgebäude. - Diese Wartezeit hier ist fast noch schlimmer als in Syrien! Geschlagene 2 Stunden warten wir jetzt hier und ein Ende ist nicht abzusehen. Ich glaube bei uns allen liegen die Nerven sehr blank! Dann, gegen 22 Uhr, verlassen wir als letzte die Kontrolle. Die anderen haben sich inzwischen bei den Bankautomaten mit der örtlichen Währung (Dirham) versorgt. Ein Einheimischer bietet sich an uns zu einem Parkplatz für die Nacht zu führen. Wir winken ab. Peter will versuchen einen von uns vor 3 Jahren ausfindig gemachten Parkplatz oder Campingplatz zu finden. Tanger, eine Großstadt mit viel lebhaftem Straßenverkehr, matschignassen Asphaltstrassen, erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Der Parkplatz ist auch bald in Sicht, doch der gut beparkte Parkplatz ist eine Matschwüste. Wir fahren weiter und gelangen – wir haben es fast nicht für möglich gehalten – zu dem aufgelassenen Campingplatz inmitten einer modernen Wohnsiedlung. Peter rüttelt am verschlossenen Tor. Ein verschlafener Wächter kommt heraus. Ich spreche derweil einen jungen Mann, der zufällig an der Straße vorbeigeht, auf französisch an: „Kann man dort übernachten?“ Gemeinsam, der junge Mann und ich, versuchen wir den Wächter zu überreden – schließlich waren wir vor 3 Jahren auch schon einmal hier. Als der Wächter sich langsam in Bewegung setzt um das Tor für uns zu öffnen, stoppt auf der Straße ein Auto. Ein modisch gekleideter Mann spricht uns englisch an. Wir erzählen von unseren Übernachtungsproblemen und das wir morgen weiter nach Tetuan wollen. Er bietet sich an uns zu einem bewachten Parkplatz in Hafen- und Zentrumsnähe zu führen. Gesagt – getan. Unsere kleine Karawane setzt sich in Bewegung und tatsächlich, wir erreichen den Parkplatz. Werner und Claus bestätigen uns später: den haben wir auch nach Verlassen vom Hafen gesehen. Morgen sollen wir dem Wächter geben was wir für angemessen halten. Dann verabschiedet sich der nette Mann. Wir haben alle noch nicht zu Abend gegessen und machen uns an die Arbeit – um 23.45 Uhr ist unser Tisch gedeckt! Später sitzen wir alle beisammen und unterhalten uns über die Erlebnisse des Tages. Mit einem Schnaps spülen wir den Kummer, Ärger und Anspannung hinunter.

Anmerkung: Gute Nacht Freunde


   |   Tages KM: 21

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Samstag, 23.2.

Was für eine erste Nacht in Marokko! Jeder hat sie auf seine Weise erlebt. Der eine: hat geschlafen wie ein Bär. Der andere: hat alles wahrgenommen: Hundegebell, an- und abfahrende Fahrzeuge, laute Gespräche, den Muezzin, wenn er am Morgen zum Gebet ruft und den Großstadtlärm. Um 10 Uhr Abfahrt nach Tetuan. Die ganze Zeit haben wir Regen und aufgeweichte braune Erde läuft über die Straße. Am 1. Kreisel in Tetuan fragt Peter einen Verkehrspolizisten nach einem geeigneten Parkplatz für unsere Mobile. Nach seiner Anweisung bewegen wir uns Richtung Centre Ville - doch auf den Parkplatz stoßen wir nicht. Wieder kommt uns Hilfe zuteil – in einem gebrochenem deutsch/englisch fragt man uns dann, ob wir einen Parkplatz benötigen. Ein Mann macht sich sogleich im Laufschritt auf den Weg – wir im Mobil hinterher. Keine 200 Meter und wir können die Schranke passieren, am Ende des Platzes gibt es eine separate Fläche für Reisemobile. Kaum haben wir eingeparkt, ist auch schon ein Guide (der seine Führungsdienste durch die Medina von Tetuan anbietet) zur Stelle. Er spricht deutsch und will 2,50 Euro pro Person, Zeitdauer 2 Stunden. Das ist für uns in Ordnung und ziehen, mit Schirmen bewaffnet, los. Wir kennen bereits die Medina, doch auch wir entdecken neue Winkel. Seit über 600 Jahren gibt es die Medina und ist durch 7 Tore zu erreichen. Handwerkskunst, Lederbearbeitung (wie gerben, nähen und verzieren), Gemüsemarkt, Fischverkauf, Teppichweberei, Bäckereien und Secondhand-Ware können wir „hautnah“ erleben. Die 2 ½ Stunden Führung vergehen wie im Fluge. Wie immer gibt es am Ende der Tour Diskussionen um den Preis. Aber „abgemacht ist abgemacht“, sagen die Männer und runden dann auf insgesamt 15 Euro auf. So sind beide Seiten zufrieden. Nach einer kleinen Pause geht es die knapp 50 km bis Chefchauen, hier wollen wir für 2 Tage auf einen Campingplatz. Der Weg zieht sich durch fruchtbares Ackerland, Hügel steigen bis auf 1600 m hoch. Bei Sonnenschein sicherlich ein noch schönerer Anblick. Frauen mit schwer beladenen Bündeln (Holz und Viehfutter), in den typisch rotweiß gestreiften Röcken, gehen ihre Wege entlang der Straße. Sie grüßen uns freundlich. Kinder winken und Männer heben zum Gruß die Hand. Hoffen wir, dass es weiter so bleibt und wir freundlich aufgenommen werden (keine Steinwürfe!). Die Anfahrt zum Campingplatz findet im strömenden Regen statt und auch dieser Platz ist recht aufgeweicht. Es stehen bereits einige kleinere und größere Mobile auf dem Platz. Wir versorgen uns mit Frischwasser und richten es uns häuslich ein. Heute gibt es frische Erdbeeren aus Tetuan (70 Cent das Kilo) mit Sahne und Waffeln. Schließlich haben wir Wochenende.

Erkenntnis des Tages: Vertraue den Händen der Berberapotheker, sie wollen nur dein Bestes (dein Geld)


   |   Tages KM: 121

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Sonntag, 24.2.

Heute ist bis zum Mittag kein Programm, Jeder kann mal machen was er will (selten). Am späten Vormittag kommt sogar die Sonne raus, die eignet sich prima für Hausarbeit, PCArbeit und anderes mehr. Gegen Mittag, just als wir in den Ort aufbrechen wollen, fängt es wieder an zu regnen. Wir wagen den Abstieg über die in den Berg geschlagenen Treppen. Ich - besonders vorsichtig! Gibt es da doch die Stelle, wo ich vor drei Jahren gestürzt bin. Der Ort bezaubert uns: die Händler sind nicht aufdringlich und die Kinder betteln zurückhaltend. Sage ich „la“ (nein), ziehen sie sich zurück. Wir schlendern die vielen schmalen Gassen mit den blau getünchten Wänden und blauen Türen auf und ab. Erstehen die köstlichen kleinen Bananen, schauen den Frauen beim Waschplatz (an den Quellen) über die Schulter. Im Ort wird Werner von einem älteren Herrn angesprochen. Er will uns ein nettes Restaurant zeigen: mit guten Speisen und einer Aussichtsterrasse. Gemeinsam fassen wir den Entschluss dem Herrn zu folgen, denn heute am Sonntag sind die Männer mit dem Kochen dran. Das Restaurant „Aladin“ enttäuscht uns nicht. Für ein Drei-Gänge-Menü sollen wir 75 DH pro Person bezahlen. Bei den einzelnen Gängen haben wir die Auswahl zwischen mehreren Gerichten. Für was wir uns auch entscheiden, alles schmeckt wunder bar. Satt machen wir uns auf den Rückweg. Schauen in Geschäftsauslagen und machen noch einige Einkäufe. Marianne, Claus und ich fahren mit einem Taxi zum Camping zurück. Peter und Werner marschieren zu Fuß.

Erkenntnis des Tages: Du musst spontan deine Pläne ändern, wenn einmal die Sonne scheint.


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Montag, 25.2.

Durch die Ausläufer des Rif-Gebirges fahren wir eine landschaftlich schöne Strecke: Olivenplantagen mit viel Grün, ärmliche Dörfer, Ölmühlen rechts und links der Straße. Wir machen einen Stopp um uns so eine Ölmühle aus der Nähe anzusehen. Ein Esel treibt diese Mühle an. Der Mühlstein mahlt in einer steinernen Rinne die Oliven. Mit einer Schaufel heben die Männer den Brei auf Filterplatten (ca. 1 m Durchmesser aus Palmengeflecht). Wir können zusehen, wie die dunkle Flüssigkeit herunter rinnt und in ein Auffangbecken fließt. Wir dürfen Fotos machen, aber hier Ware kaufen – möchte ich nicht! Über Quezzane, heute ist hier Markttag, fahren wir nach Souk-el-Arba-du Rharb. Unterwegs kaufen wir an einem der zahlreichen Straßenstände frische Orangen. Der Verkäufer lässt uns die köstlichen, süßen Früchte vor dem Kauf probieren. Zu den 20 kg (Kiste) gibt er uns noch eine Tüte Orangen zum Sofortverzehr. Als Gegenleistung geben wir ihm aus unserer Kleiderspende einen Kinderanorak und – weil er danach fragt - eine Dose Bier. Wir haben in Spanien extra als Gastgeschenke Dosenbier gekauft. Bei unseren letzten Besuchen in Marokko (1999 + 2005) hatte man uns oft danach angesprochen. Bis Kenitra geht es durch das Flussdelta des Qued Sedbou. Eselkarren, voll beladen mit grünem Viehfutter ziehen des Weges. Kurz vor Sale gibt es einen schönen Garten zu besichtigen, den Jardins exotiques. 1999 war er etwas verwahrlost, jetzt hat man (der Staat) ihn wieder hergerichtet. „Unter schattig hohen Palmen und Gummibäumen umfasst er eine Sammlung von Pflanzen aus der ganzen Welt. Man wandelt durch ein Labyrinth aus schmalen Wegen, Treppenstufen und Grotten. Schwankende Bambusbrücken führen über hohe Bäume mit immer neuem Ausblick. Über Holzpfade gelangt man über Teiche. Wasserspiele, kleine Pavillons laden ein, hier zu rasten. Eine schöne Oase zum Verweilen.“ Nach 1 Stunde geht es weiter nach Sale. Hier wollen wir auf einem Camping nahe am Meer für 2 Tage stehen. Die Orientierung fällt uns schwer und wir „irren“ mit unseren großen Fahrzeugen an der Stadtmauer entlang. Nur zweimal fragen – und wir sind da. Der Platz ist gut gefüllt mit Reisemobilen aus Frankreich und Deutschland. Es ist angenehm warm und einige Gruppen feiern vor den Mobilen. Nachdem wir für unsere Fahrzeuge auch ein Plätzchen gefunden haben, wollen Peter und ich bei Tageslicht noch ein Foto oberhalb der Stadtmauer machen. Ein kurzer Abstecher in die Medina (es hat seit dem letzten Besuch sehr viel verändert) und dann zurück zum Auto. Das Gebiet um den Campingplatz wird die nächsten 10 Jahre neu gestaltet. Der junge König (seit 1999 im Amt) will hier einen Yachthafen, eine Grünanlage, Park, Spazierwege und einen neuen Campingplatz (?) schaffen. Daher wird in den alten Platz nicht mehr investiert. Nach dem Abendessen schwirren Peter und ich erneuert in die Stadt aus. Die Markthalle, Straßenverkäufer, Garküchen und kleine Geschäfte warten auf Käufer. Wir sehen nur wenige Touristen. Morgen wollen wir uns ausführlich Rabat – die Landeshauptstadt- ansehen. Treffpunkt 10 Uhr

Erkenntnis des Tages: fünf Personen – fünf Meinungen


   |   Tages KM: 238

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Dienstag, 26.2.

Taxis erwarten uns bereits vor dem Campingtor (Preis Verhandlungssache), denn nach Rabat dürfen nur die weißen „Überlandtaxis“ fahren. Für 50 DH fährt ein Taxi uns alle 5 (4 davon auf dem Rücksitz und ich quer) nach Rabat zum Hasanturm. Ursprünglich sollte hier einmal im 12. Jh. eine große Moschee entstehen und der Turm das Minarett sein. Bauten wurden nach dem Tod des Erbauers eingestellt. Heute sind Turm und Mausoleum Mohammed V nicht zu besichtigen, man erwartet Staatsbesuch. Mit einem kleinen Taxi (innerörtlich) erreichen wir die Kasbah Qudaias und besichtigen nach dieser die Medina (von spanischen Flüchtlingen errichtet). Viele kleine Gassen, blaue Türen und Wände, gepflasterte schmale Wege. Oben angelangt gibt es eine Aussichtsterrasse, von der man über den Qued Bou Regreg nach Sale sehen kann. Etwas bergab schließt sich der Souk an. Werner wird schwach und kauft sich ein Ledersitzkissen. Auch wir entdecken das Eine oder Andere – kaufen heute aber nichts. Eine kleine Stärkung in einem Cafe und weiter geht es zu Fuß zum Royal Palast, der für Besucher aber nicht geöffnet ist. Wir wollen uns die Chellah, die alte Totenstadt ansehen. „Über den Resten einer römischen Siedlung, die erst 1930 unter den merinidischen Gräbern entdeckt wurde, erblüht ein paradiesischer Garten, eine Oase der Ruhe“ Sehenswert die vielen Störche, die hier ihre Nester auf Bäumen und der alten Moschee errichtet haben. Wir haben Glück, und bekommen ein Taxi zum Campingplatz nach Sale zurück. Peter und Werner waschen ihre Mobile, wir anderen sitzen in der Sonne bei Kaffee und Kuchen. Abends grillen wir und können erstmals bis 20 Uhr vor den Mobilen sitzen.

Erkenntnis des Tages: Und ist das Taxi noch so klein – es passen doch 5 People rein!


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Mittwoch, 27.2.

Der Morgen beginnt recht diesig, heute fahren wir schon um 8.30 Uhr vom Platz. Über die Autobahn wollen wir nach Casablanca und uns dort die drittgrößte Moschee der arabischen Welt ansehen. Leider ist in Rabat die Ausschilderung für Ortsfremde nicht perfekt und wir sind einmal wieder am Suchen. Casablanca empfängt uns mit Großstadtverkehr. Bis wir uns auf der richtigen Zufahrtsstrasse befinden, vergeht sehr viel Zeit. Oft werden wir an den Ampeln getrennt. Irgendwann verlieren wir Claus und Marianne. Werner und wir finden einen Parkplatz direkt vor der Moschee, es ist jetzt 11 Uhr. Mittags sind keine Führungen möglich, erst wieder nach 14 Uhr. Wir müssen uns beeilen und uns der letzten Gruppe, einer franz. Gruppe, anschließen. Glück gehabt, denn unserer Führer spricht auch deutsch. Inzwischen sind dank SMS auch Claus und Marianne da, sie standen bereits seit 1/4 Stunde mit ihrem Mobil auf einem anderen Parkplatz der Moschee. „Besonders sehenswert ist die 1993 eingeweihte und nach dem verstorbenen König Hassan II benannte Grande Mosquee Hassan II. Sie wurde ins Meer hineingebaut. Im Gebetssaal und auf der Gebetsplattform ist Platz für rund 100.000 Gläubige. Das 200 m hohe Minarett ist schon von weitem zu sehen und die kunstvolle Architektur des Innen- und Außenbereiches hat Milliarden verschlungen“. Da es erst Mittag ist, beschließen wir weiter bis Beni Mellal (rund 220 km) zu fahren. In Khouribga gibt es in der Stadt eine Umleitung und dann nur noch Beschilderungen auf arabisch. Wir müssen oft nach dem Weg fragen. Heute ist die Stimmung in der Gruppe betrübt – Werner will nach den Ouzoud-Wasserfällen umkehren. Er hat sich das Land so ganz anders vorgestellt. Es herrscht eine bedrückte Stimmung. Ich grüble über die Ursachen nach – und versuche ihn zu verstehen. In Beni Mellal sind wir um 17.30 Uhr und finden natürlich unseren letzten Stellplatz nicht! Die Stadt hat sich in den letzten 9 Jahren gewaltig verändert. Ein netter Polizist weist uns zwecks Übernachtung den Weg zu einem Supermarkt, dem „Supermarche Acima“. Und siehe da, es stehen auch schon 2 Reisemobile dort, u. a. ein deutsches. Es gibt sogar einen Bankautomaten und die Anderen können sich mit Bargeld eindecken. Wir bummeln noch ein wenig die Hauptstr. entlang, ganz Beni Mellal scheint auf den Beinen zu sein. Männer sitzen in Cafes, modisch und traditionell gekleidete Frauen flanieren auf den Bürgersteigen. Ab und zu eine große Vertiefung auf diesen, ich muss höllisch aufpassen. Aber hier scheint sich an Löchern niemand zu stören. Einkaufserlebnis im Supermarkt, sogar Bier und Schnaps werden angeboten. Vor den Mobilen halten wir mit den anderen Deutschen ein Schwätzchen, sie sind schon seit 3 Monaten im Land. Zwei nette Parkplatz-Polizisten weisen uns auf einen geschützten Stellplatz auf der anderen Seite vom Supermarkt. Zwar stehen wir allesamt geschützter, aber dafür hält ein eingesperrter Wachhund uns mit seinem Gebelle den größten Teil der Nacht wach. Unsere Nachbarn schenken den Polizisten für ihren Dienst ein Bier – ich koche 2 Espresso und serviere die mit einem kleinen Kuchen.

Erkenntnis des Tages: Egal wo du auch hinkommst, du bist schon da!


   |   Tages KM: 324

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Donnerstag, 28.2.

Es ist am Morgen noch stark bewölkt. Claus hat wohl was Falsches gegessen und fühlt sich schlapp- wir fahren erst gegen 10 Uhr los. Bald nach Beni-Mellal stoßen wir an der Strasse auf einen großen Wochenmarkt. Da müssen wir auch hin. Claus ruht sich im Auto aus und Werner wird durch Einheimische vom Filmen abgehalten, er zieht sich in sein Auto zurück. So laufen Marianne, Peter und ich alleine über den Markt, der überwiegend nur von Einheimischen besucht wird. Neben frischem Gemüse, Gewürzen und Haushaltsbedarf gibt es Werkzeuge, Bekleidung, Kleinmöbel und Frischfleisch zu kaufen. Dann geht es weiter. Nach Afourer windet sich die Straße ins Gebirge mit grandiosen Ausblicken ins Tal. Unterwegs begegnen uns ärmliche Kinder. Als wir einen Fotostopp machen, kommen diese von weitem herbeigeeilt. Wir schenken ihnen Bonbons und Pullover und weil sie auf ihre schäbigen Schuhe zeigen, auch Schuhe aus unseren Kleiderspenden. Werner hilft einem kleinen Mädchen elegant in eine Damenjacke. „Der älteste Stausee des Landes liegt auf 1200 m Höhe, eingebettet in eine herrliche Berglandschaft. Das Wasser dient zur Bewässerung der Obstplantagen um Beni Mellal. Das Hinterland des Stausees und die Umgebung der Provinzhauptstadt Azilal sind beliebte Wandergebiete.“ Am frühen Nachmittagerreichen wir die Ouzoud Wasserfälle. „Die größten Wasserfälle Marokkos liegen an der Schwelle vom Hohen zum Mittleren Atlas. Der Qued Ouzoud stürzt über einige Stufen im roten Fels nach unten und sammelt sich in mehreren Becken. In den Wäldern hausen die schwanzlosen Meerkatzen.“ Wir fahren auf einen Campingplatz und recht bald findet sich ein deutsch sprechender junger Mann, der uns durch die Schlucht führen will. Über provisorische Bretterbrücken geht es durch Olivenplantagen immer abwärts, bis in die Schlucht. Kleine Restaurants und Cafes laden zum Verweilen ein. Das Wasser in der Schlucht ist 3 bis 7 m tief und mit kleinen Booten kann man für ein geringes Entgelt sie überfahren. Die Fahrt ist ein wenig abenteuerlich. Dann, auf der anderen Seite, erwarten uns einige hundert Stufen Aufstieg. Auch hier gibt es viele Cafes und Souvenirshops. Nachdem die Sonne untergegangen ist wird es merklich kühler. Kein Wunder – wir befinden uns in 1033 m Höhe.

Erkenntnis des Tages: Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird!


   |   Tages KM: 118

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Freitag, 29.2.

Bis zum Nachmittag hat Jedermann die Zeit zur freien Verfügung. Ich backe Brot, Peter und Werner wandern nochmals in die Schlucht, Claus am Nachmittag. Marianne kocht Orangenmarmelade. Um 15 Uhr kommt Mohammed um uns zu einer deutschen Auswandererfamilie (Sendung im Fernsehen) zu führen. Die Familie Schmidt-Icke (Nils und Jane) leben hier seit 2 Jahren mit ihren drei halbwüchsigen Kindern. Wir fahren ca. 2 km mit unserem Mobil (Claus und Werner ziehen es vor bei den Mobilen zu bleiben). Parken dann das Mobil an der Straße und gehen querfeldein zu einem Wohnhaus bergan. Heute ist nur Nils zu Haus. Der älteste Sohn ist in der Schule und seine Frau mit den jüngeren Kindern und Freunden in Marrakech. Er erzählt uns etwas von seinen Projekten und den beschwerlichen Behördengenehmigungen. Sie leben zu fünft noch in einem einfachen Einraumhaus, ein Waschhaus mit WC und Waschmaschine gibt es seit kurzem. Er will hier mehrere Ferienhäuser bauen und als „Urlaub für Familien“ anbieten. Die Landschaft um sein Anwesen ist wirklich wunderschön, aber sehr abgelegen. Seit letztem Jahr hat er Strom und Wasser. Ein Brunnen wurde von Hand 80 m tief gegraben und das Trinkwasser (22°C) kommt mit per Pumpe an die Oberfläche. Wir berichten ihm von unseren Kleiderspenden für Einheimische die wir für ihn im Mobil haben. Wir vereinbaren, sie beim Zebra-Camping abzuliefern, da seine Frau mit dem einzigen Auto unterwegs ist und unser Mobil die Piste zu seinem Haus nur schwer bewältigen kann. Der Zebra-Camping wird von Holländern (Paul und Renate) betrieben. Die Zwei haben festgestellt, dass sie nach 5 Jahren herumreisen in Afrika nicht mehr in festen Häusern in Europa wohnen wollen. Sie wohnen hier in einem ca. 40 qm großen Zelt und haben einen kleinen Campingplatz (für ca. 10 Mobile) angelegt – sehr gepflegt und gemütlich mit markokk. Tischen und Stühlen. Der Preis ist ähnlich wie auf unserem. Unseren Führer Mohhamed entlohnen wir mit Bekleidung. Abendessen vor den Mobilen – die Kälte und Dunkelheit treibt uns schon um 7 Uhr in die Mobile.

Erkenntnis des Tages: Wir bewundern den Mut der Auswanderer


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Samstag, 1.3.

Beim Zebra-Camping machen wir bei der Weiterfahrt nochmals einen Stopp, um weitere Kleidungsspenden abzugeben. Dieses Mal begrüßt uns Renate. Paul kommt bald hinzu und erklärt uns den Wanderweg zur Quelle des Qued Ouzoud. Es ist ein wunderschöner Wanderweg entlang des Flusses unter Olivenplantagen. Vor uns laufen dunkelhäutige Frauen, sie tragen Waschschüsseln auf dem Kopf und ein schwer mit Wäsche beladener Esel trabt nebenher. Wie passieren den Waschplatz am Fluss. Etliche Frauen sind emsig damit beschäftigt die Wäsche zu waschen. Mit Füssen und Waschbrettern (kleine Paddel) bearbeiten sie die Wäsche. Männer, die Wasser beladene Esel antreiben, begegnen uns. Die Quelle kommt aus einer von einer Mauer eingefassten Stelle, aus dem Berg. Das Wasser ist kristallklar und sicherlich von guter Qualität. Etliche einfache Hütten (im Sommer für Picknick?) stehen hier. Wir nehmen den gleichen Weg zurück. Renate erzählt von ihren Projekten und wie sie Afrika liebt und akzeptiert mit allem Drum und Dran. Heute fällt Marianne aus – sie hat die „Kotzerei“. Unsere nächste Etappe ist die Pont de naturelle in Demnate. Vom schattigen Parkplatz geht ein Treppenweg in die Schlucht hinein, ein anderer hinaus. Unten ist der Weg über die großen Steine sehr beschwerlich – trittsicher und schwindelfrei muss man sein – so drehe ich um und komme den Männern auf der anderen Seite der Schlucht entgegen. Die Schlucht ist grandios, unbedingt ansehen! Die Straße (102 km) bis Marrakech ist landschaftlich eher langweilig, eine große Ebene. Vor Marrakech tauchen dann Palmenhaine auf. Die Straße nach Casablanca führt um die Stadt, unser Infoblatt zum Campingplatz Le Relais de Marrakech ist informativ, aber der Maßstab verwirrt. Als wir so durch die Gegend mehr irren, als fahren, kommt ein Geschenk des Himmels: ein kleiner beschrifteter PKW vom Campingplatz den wir suchen. Dem folgen wir, der Platz ist nach dem Hotel Sangho gut ausgeschildert. Der Platz ist gut besucht, überwiegend Franzosen. Man weist uns ein Plätzchen zu, Camping incl. Strom 90 DH pro Tag. Abendessen und Fernsehen bei Werner – das reicht für heute! Morgen können wir ausschlafen. Unserer Tour nach Marrakech wollen wir erst um 9.30 Uhr starten. Netter Austausch mit unseren engl. Nachbarn – mein englisch ist wohl doch nicht so schlecht!

Erkenntnis des Tages: Man kann auch mit wenig glücklich sein (Zebra-Camping)


   |   Tages KM: 200

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Sonntag, 2.3.

Heute wollen wir nach Marrakech. Mit einem Taxi fahren Werner und wir ins Zentrum. M. u. C. wollen später nachkommen, heute geht es M. schon etwas besser. Werner möchte gern in ein Internet-Cafe, wir wollen uns den Bahia- Palast ansehen, - die ehem. Residenz (ende19. Jh.) eines Großwesirs. Schöne schattige Innenhöfe, bemalte Zederndecken in hohen Räumen. Wir schlendern danach in die Medina, kommen an den Geschäften der Einheimischen vorbei und holen Werner im Cafe ab, checken schnell unsere Mails und warten dann auf dem Platz „Djema al Fna“ auf M. u. C. Gemeinsam unternehmen wir eine Kutschfahrt. Zuerst in die Menara Gärten. Berühmtes Fotomotiv ist der Lustpavillion der Sultane direkt an dem großen, schon von den Almohaden im 12. Jh. angelegten Wasserbecken, von dem die Gärten durch
unterirdische Kanäle bewässert wurden. Heute am Sonntag haben sich viele Einheimische zum Picknick verabredet. Was mir auffällt: überwiegend Frauen mit Kindern, wo sind die Männer? junge Leute klatschen mit den Händen zum Takt der Trommeln uns singen fröhlich. Weiter fährt die Kutsche zu den Saadier Gräbern, diese prachtvollen Grabstätten von Saadier- Sultanen und ihren Familien waren zugemauert und erst 1917 wieder entdeckt. Die 2 Std. Rundfahrt endet am „Djemaa al Fna“. In einem der vielen Aussichts-Restaurants stärken wir uns. Werner fährt mit einem Taxi zurück und wir anderen durchstreifen die Souks. Wie in so vielen anderen Souks sind auch hier Schwerpunkte wie: Bapuschen Souks, Stoffe, Leder, Silber, Schmuck, Deko. Interessant sind die Handwerkersouks. Auf engstem Raum wird gehämmert, gesägt, gemalt, geschweißt, gelötet- Arbeits- und Lichtverhältnisse wie bei uns nach dem Krieg. Der ganze Besucherstrom bewegt sich, sobald es dunkel wird, zum Zentrum. Jetzt bei Dunkelheit sind die Garküchen mit ihren überdachten Sitzplätzen, die Märchenerzähler, Gesundheitsberater und Schlangenbeschwörer in Aktion. Menschenmassen sind unterwegs über dem ganzen Platz hängt eine Rauchwolke (den die vielen Grills verbreiten). Orangensaftverkäufer winken uns an ihre Stände, Kebabgriller preisen auf Speisekarten, die wir nicht lesen können, ihre Speisen an. Nun wird es Zeit für die Heimfahrt. Taxis gibt es reichlich, nur die Preise rauben uns die Luft. 150 DH (die einfache Fahrt vom Campingplatz hat 60 DH gekostet), endlich finden wir einen Fahrer, der für 100 DH fährt. Gott sei Dank viel länger hätte ich nicht warten wollen. Hier an der Hauptstr. ist die Luft so Abgas geschwängert, das man sich kaum zu atmen getraut. Am Platz berichtet Werner über seine Taxi- Erfahrungen. Bei ihm gab es eine Schlägerei zwischen den Taxifahrern (einer hat den Preis der anderen unterboten). Den Abend beenden wir mit dem Willkommenstrunk im Campingrestaurant.

Erkenntnis des Tages: So manchen Gewerkschafter, sollte hier mal eine Woche verbringen!


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Montag, 3.3.

Peter und ich besuchen am Vormittag den Garten Majorelle, Werner geht ins Internetcafe und C. u. M. erledigen Hausarbeiten. Der franz. Maler Majorelle hat seit 1917 sein ganzes Leben Marokko gewidmet. Er kaufte 1924 in Marrakech dieses Gelände und kreierte um sein Atelier diesen botanischen Garten mit Pflanzen aller 5 Kontinente mit Bananenstauden, Bouganvillen, Kakteen, Palmen und Goldfischteichen. Ein schattiges Plätzchen voller zwitschernder Vögel. Nach dem Tod des Malers Majorelle hat der Modeschöpfer Yves Saint Laurent das Anwesen gekauft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gegen Mittag treffen wir Werner im Internetcafe. Gemeinsam fahren wir mit dem Taxi (wieder zähe Verhandlungen) zum Campingplatz zurück. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen, Kaffee trinken, Faulenzen und Schwimmen. Abends grillen wir im Freien und empfinden die 20°C als kalt- hatten wir doch den ganzen Tag um die 28°C.

Erkenntnis des Tages: Das Gefeilsche um den Taxipreis nervt unendlich.


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Dienstag, 4.3.

Heute fahren wir die 230 km lange Strecke über den Tizi-n-Test Pass (2092m) nach Taroudant. Wir verlassen den Campingplatz schon um 8.30 Uhr, tanken noch mal und gehen im Marjane Supermarkt einkaufen. Nach Tahanoute geht es auf schmalen, einspurigen Straßen stetig bergan. Je höher wir kommen, je karger wird die Landschaft. Bergdörfer mit einfachen braunen Lehmhäusern schmiegen sich an die Berghänge. Diese leuchten mal rotbraun, ocker, hellgelb oder graugrün. Wir passieren einen neu angelegten Stausee, den benötigt man für Trinkwasser in Marrakech. Viele Städte wuchsen durch die Landflucht rasant an. Oft kommen uns große LKWs entgegen und nur an geeigneten Stellen können wir passieren. Ab und zu machen wir einen Fotostopp um die traumhafte Landschaft per Foto festzuhalten. Oben am Pass (wir benötigen ohne längere Pausen 4 Stunden) gibt es sogar einen einfachen Campingplatz für Übernachtungen. Nach einer kurzen Pause wollen wir weiter, bis Taroudant sind es noch 100 km, davon 40 auf Gebirgsstrassen. Auf dieser Seite vom Pass ist die Straße noch schmaler und vor jeder uneinsehbaren Kurve hupen wir, damit die uns entgegenkommenden Fahrzeuge gewarnt sind. Und trotzdem haben wir Pech: Wir haben just eine Aussichtsterrasse passiert, als uns ein größerer LKW entgegenkommt. Statt an einer Ausweichstelle zu warten, gibt dieser Gas und nun geht es weder für ihn, noch für uns weiter. Eine Zeitlang sehen wir uns durch die Windschutzscheiben an. Unser männliches Gegenüber macht keine Anstalten zurück zu fahren. So setzen wir bergan zurück bis wir eine Ausweichstelle erreicht haben. Wie heißt noch mal das Sprichwort? „Der Klügere gibt nach!“ Das Wetter ist heute optimal für so eine Passstrasse. Die Berghänge sind sonnen beschienen und leuchten in den unterschiedlichsten Farben. Wieder sehen wir Frauen mit großen Holz und Futterbündeln des Weges gehen oder Wäsche im reißenden Fluss waschen (muss recht kalt sein um diese Jahreszeit) – ein beschwerliches Leben. Sobald wir die Hauptstrasse (10) erreicht haben, können wir zügiger fahren, denn wir wollen noch vor Einbruch der Dunkelheit unseren heutigen Stellplatz erreichen. In Ait-Yazza scheint um 18 Uhr der ganze Ort nur aus Fahrrad- und Mofafahrern zu bestehen. Es ist Schulschluss und die Schüler wollen nach Hause. Am Vormittag besuchen die jüngeren Kinder die Schule und am Nachmittag die älteren, so können die Klassenräume mehrfach genutzt werden. Kurz vor Taroudant sehen wir riesige Orangenplantagen, die Erntehelfer werden mit kleinen LKWs zum nächsten Ort transportiert. Vor dem Palais Salam können wir auf dem Parkplatz an der Straße für 20 DH übernachten. Nach so viel Autofahrt vertreten wir uns erst einmal die Beine und gehen in die nahe Medina. Es herrscht ein reges Treiben, alle Geschäfte sind geöffnet. Mit Claus und Marianne beschießen wir heute nicht im Mobil zu kochen. Wir lassen uns in einem netten kleinen Restaurant mit Suppe, Tajine (Hähnchen mit Pflaumen und Mandeln) und Gebäck zum Nachtisch verwöhnen, pro Person 80 DH. Zum Abschluss machen wir einen Abstecher ins Hotel Salam. Das ist wirklich ein Hotel wie aus 1001 Nacht: aufgemacht wie eine Kasbah mit sehr geschmackvoll gestalteten Gärten, mit Orangen- und Bananenbäumen, Palmen und Blumen, Springbrunnen, Sitzgruppen, zauberhafter Beleuchtung und über allem ein traumhafter Sternenhimmel. Wer lädt mich auf einen Schluck Wein hierhin ein? Unsere Männer haben mal wieder nicht das „richtige Gespür“.

Erkenntnis des Tages: Nach so einer schönen Bergstrecke (Tizi-n-Test) mal 2 Tage im Palais Salam verbringen – da braucht man kein Sultan sein, es ist durchaus erschwinglich


   |   Tages KM: 230

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Mittwoch, 5.3.

Heute erwarten uns 200 km von Taroudant nach Tafraoute, überwiegend durch den Canyon Qued Ait Baha. Ab Ait Baha windet sich die Hauptverbindungsstrecke als schmale Bergstrasse im Tal des Qued Ait Baha entlang bis auf 1300 m hoch durch Bergland mit Arganien, Mandelbäumen und Kakteen. Landschaftlich eine sehr schöne Fahrt: schroffe Felsen, wildromantisches Bergland, Dörfer und Agadire thronen auf den Bergspitzen. Häuser kleben Adlerhorsten gleich an den Felsmauern. Auf einem Felsplateau machen wir Mittagsrast – der Ausblick ist gigantisch. Immer wieder halten wir zum Fotostopp. Die Bergformationen leuchten je nach Sonneneinwirkung von blassblau bis rotbraun. Zwischen den Feldterrassen wächst Getreide. Dieses mit Sicheln zu ernten muss sehr Kräfte raubend sein. Auf 1000 m geht die Passstrasse etliche Kilometer durch diese Landschaft um dann kurz vor Tafraoute auf 1500 m anzusteigen, dem Tizi-n-Tarkatine. Es folgen viele malerische Dörfer im Ammelntal mit grandioser Bergkulisse. Überall entstehen in dieser Region neue, prunkvolle, modere Häuser, die sich die Ammeln (ein Berbervolk, das zur Hauptgruppe der Chleu gehört), die überwiegend im Ausland oder im Norden arbeiten, von ihrem ersparten Geld bauen ließen Die Ammeln haben in ganz Marokko einen Ruf als gute Händler Wir erreichen Tafraoute. Der Campingplatz Trois Palmiers befindet sich auf der Strecke nach Tiznet, 400 m außerhalb der Stadt und ist voll. Einige Fahrzeuge stehen schon außerhalb der Mauern. Weiter dahinter auf einem Plateau zwischen Felswänden und unter Palmen stehen ca. 40 bis 50 Mobile frei. Wir informieren uns bei Deutschen und suchen uns auch ein Plätzchen, 10 DH pro Tag mit Wächter für die Nacht).Wir erfahren auch, dass es geführte Jeeptouren zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung gibt wie: Painted Rocks, Village de Gdourt und schönen Schluchten, die mit einem Mobil nicht zu befahren sind. Bei Tafraout Adventure buchen wir für den nächsten Tag so eine Tour (30 DH pro Pers.). Der Ausflug soll 7 Stunden incl. Mittagessen betragen. Werner, Marianne und Claus schließen sich der Tour an. Wir gehen früh schlafen, denn schon um 9 Uhr sollen wir vor den Mobilen abgeholt werden.

Tipp des Tages: Die Strecke von Taroudant nach Tafraoute ist ein Muss!


   |   Tages KM: 197

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Donnerstag, 6.3.

Mohammed ist unser Fahrer für den heutigen Tag. Zuerst fährt er mit seinem Jeep durch enge Gassen von Tafraout ins Tal der Painted Rocks. 1985 hat der belg. Künstler J. Verame einige Felsen als Kunstobjekt mit blauer, violetter, grüner und roter Farbe angemalt. Wir können ein Stück des Weges laufen und reichlich Fotos machen. Mohammed ist ein Stückchen vorgefahren und wartet auf uns. Das nächste Stück Strasse ist einspurig asphaltiert und geht stetig bergan bis auf 1800m, immer wieder Stopps. Im Gorges Ait Ansour geht es auf schmalen Wegen in ein Flusstal. Wir wandern durch eine Palmenoase, Mandelbäume blühen, sauberes Wasser plätschert, wir sehen Fische darin schwimmen und hören Frösche quaken. Um die Mittagszeit machen wir in einem kleinen Ort Halt um leckeres frisches Fladenbrot (direkt aus dem Backofen) zu kaufen. Bald erreichen wir ein Privatgebäude. Im schattigen Garten serviert man uns Gemüsetaijine mit Hähnchen. Zum Nachtisch gibt es Joghurt und Tee. Das nun folgende Stück fahren wir im Tal, teilweise hat das Flussbett die Strasse beim letzen Regenguss weggeschwemmt. Es geht über Geröllfelder - unmöglich diese mit Mobilen zu bewältigen. Bei einem weiteren Stopp treffen Marianne und ich einheimische Frauen bei der Arbeit an. Sie sammeln Dattelkerne für ihre Tiere und wollen nicht fotografiert werden, was wir auch respektieren. Mit Händen und Füßen entspinnt sich ein Gespräch. Die Männer winken – es geht weiter! Jahlah! Wieder werden wir im Jeep kräftig durchgeschüttelt bis wir bei Talouste die feste Straße wieder erreichen. Kurz nach 16 Uhr sind wir bei den Mobilen und ruhen uns noch ein wenig in der warmen Sonne aus. Werner war inzwischen fleißig im Internet-Cafe, Grüsse und Bilder an Birgit und Arbeitskollegen verschicken. Abends lässt der Wind nach und wir können noch lange draußen vor den Mobilen unter dem Sternenhimmel sitzen.

Erkenntnis des Tages: Man sollte den Fahrern auch mal einen Ruhetag gönnen und andere fahren lassen.


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Freitag, 7.3.

Unser heutiges Ziel ist der Agadir Id-Aissa. Diese Speicherburg liegt beim Dorf Amtoudi auf einem Hügel oberhalb des mit Palmen gesäumten Flusstales. Nach Tafraoute schlängelt sich die Strasse durchs Gebirge. C. und M. müssen tanken, doch leider (wie es so oft vorkommt) gibt es die nächsten 50 km keine Tankstelle. Auf unsrer Karte ist erst nach einem Gebirgspass und nicht auf unserer Strecke eine Tankstelle eingezeichnet. Vor einer Moschee beratschlagen wir und fragen Einheimische. Oh Glück, in 6-7 km soll es auf unserer Strecke eine Möglichkeit zum Tanken geben. Der Ort, heute ist hier Markt, wimmelt nur so von Menschen. Überwiegend Männer bevölkern die z. T. gesperrten Strassen- ist Einkaufen hier Männersache? Kurz danach biegt unsere Strasse nach Süden Richtung Ifrane/ Anti-Atlas ab. Die Strasse führt 60 km fast schnurgerade durch eine Steinwüste. Auf der Hauptstr. nach Tata gibt es schon bei Tarhjit einen Hinweis zur Burg und Camping. Der Campingplatz ist ein schattenloser Platz bei einem kleinen Restaurant mit Duschen und WCs Um die Mittagszeit stehen hier etliche Mobile, u. a. viele Deutsche. Wir beschließen nach einer Rast den Aufstieg zur Burg zu unternehmen. Auf dem Weg dorthin bieten sich viele Kinder als Führer an, wir steigen zu viert (Marianne pausiert) bergan. Oben angekommen begrüßen uns Kinder und ein recht mürrischer alter Mann, der kassiert erst einmal 10 DH Eintritt von jedem. Ein Mädchen gibt er uns als Führerin mit auf den Weg. Werner übergibt ihr als Entlohnung einige Kugelschreiber, die ihr der „Alte“ sofort abnehmen will. Wir schreiten ein, denn die Kugelschreiber kann Malika (so heißt das Mädchen) in der Schule gut gebrauchen. Der Speicher wird heute nicht mehr genutzt, doch gut erkennbar sind noch einzelne Vorratskammern, in denen früher neben den Feldfrüchten auch Waffen und sonstiger wertvoller Familienbesitz, auch Urkunden untergebracht waren. Auf Wehrgängen und treppenartigen Pfaden genießen wir die Aussicht. Der Weg bergab (es gibt einen Rundweg) ist nicht so steil und wir kommen ein wenig mit Malika ins Gespräch. Sie ist 12 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie hier. Sie fragt mich nach Bekleidung und ich verspreche ihr ein paar Sachen aus unserer „Altkleidersammlung“. Da sich Einheimische nicht auf dem Campingplatz aufhalten dürfen (lt. Anweisung des Besitzers) wartet Malika mit ihrem Bruder und Nachbarsjungen ein wenig vom Platz entfernt. Werner und ich überbringen die Sachen und machen Fotos. Abends beim Grillen zwischen den Mobilen weht (trotz 19°C) ein kalter Wind. Es wird mal wieder nichts aus unserem Vorhaben: lange vor den Mobilen sitzen und in den Sternenhimmel schauen.

Erkenntnis des Tages: Mobile sind unsere Kamele, darum Tanke beizeiten sonst kann es Probleme geben.


   |   Tages KM: 161

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Samstag, 8.3.

Heute ist der Weg zum Ziel: die Thermen von Abeinou nicht sehr weit. Wir werden erst gegen Mittag aufbrechen. Werner, Peter und Marianne wollen am Vormittag eine Wanderung zur 4 km entfernten Oase unternehmen. Ich schreibe Postkarten, mache ein wenig Hausarbeit und bringe mein Tagebuch auf „Vordermann“. Der Wind bringt mich mal wieder ein wenig zur Raserei: kaum hängt die Wäsche auf der Leine- schon liegt sie im Dreck,- noch einmal ins Waschhaus zum Spülen! Gegen 12 Uhr kommen die 3 von ihrer Wanderung zurück und schwärmen uns Daheimgebliebenen vor: phantastisch, wunderbar- das schönste der bisherigen Reise- gebadet haben sie auch und ich war nicht dabei! Der Weg nach Guelmin führt durch trostlose Landschaft, wenigstens die Strasse ist „einigermaßen“. Bald nach Guelmin zweigt eine schmale Strasse zu r Therme ab. Für Männer und Frauen getrennte Bäder. Auf einem Parkplatz nahe des Männerbades gibt es eine Art Parkplatzcamping mit Duschen. Aus unserem Reiseführer haben wir erfahren, dass Massagen für wenig Geld möglich sind. An der Rezeption buchen wir (100 DH), Marianne und ich haben vorher die Möglichkeit uns ein wenig im Frauenbad umzuschauen. Beim Kassenhäuschen entrichten wir 10 DH Eintritt. Man gibt uns einen Wäschekorb zum Deponieren unserer Kleidungsstücke. In einer der zahlreichen Kabinen ziehen wir unsere Badeanzüge an, stellen den Korb samt Inhalt in die Aufbewahrungskammer und suchen dann die Duschen- Fehlanzeige! Alle Duschkabinen sind verschlossen. Wir gehen dem Wegweiser Piscine nach und kommen in einen ca. 20x12m großen Raum. In der Mitte befindet sich ein eingelassenes gekacheltes Becken mit graugrünem Wasser, in diesem tummeln sich etliche junge Frauen die mit einem Ball spielen. Am Rand stehen (bis zur Brust im Wasser) Mütter mit kleinen Kindern auf dem Arm. Nicht alle Frauen tragen Badeanzüge, es scheint ganz normal zu sein, mit Unterwäsche, Hemd oder auch oben ohne zu baden. An schwimmen in dem 37° warmen Schwefelwasser ist nicht zu denken, denn das Bad ist recht voll. Die einzige Uhr zeigt wohl schon seit geraumer Zeit 8.30 an- so verlassen wir zeitig das Bad um zu den Massagen zu kommen. Wieder ist Duschen vor dem Umziehen nicht möglich. Die sanfte 20 Min. Massage von Fatima mit Arganienöl genießen wir Frauen sehr. Hier ist alles geregelt, Männer – Männermasseur, Frauen – Frauenmasseurin. Abends gibt es Spagetti satt und einen leckeren Nachtisch- weil wir Wochenende haben.

Erkenntnis des Tages: Unverhüllte marrok. Frauen im Bad erleben und du bist eine von Ihnen


   |   Tages KM: 128

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Sonntag, 9.3.

Heute frühstücken wir das erste Mal draußen in Marokko! Bis Sidi Ifni am Atlantik sind es nur knapp 60 km. Wir haben vor, auf einem Strandparkplatz außerhalb des Ortes frei zu stehen. Doch haben wir die Rechnung ohne die Einheimischen gemacht, denn heute am freien Sonntag sind auch sie unterwegs um Picknick am Strand zu machen- so sind die wenigen Parkplätze von Pkws belegt. Wir beratschlagen und fahren nach Sidi Ifni zurück um auf einem Campingplatz unsere Mobile abzustellen. Über eine Steinmauer, die die Strandpromenade vom Campingplatz trennt, haben wir Blick auf die brausenden Wogen des Atlantiks. Nach einer kleinen Erholungspause und neuen Erfahrungen mit einem Wäschesalon am Platz, machen wir einen kleinen Stadtrundgang. Oberhalb des Stellplatzes gibt es eine weitere Promenade, von der man auf den Platz und Atlantik blicken kann. Wir finden den Sonntags-Berbermarkt und decken uns mit Gemüse ein. Im Souck erstehen wir frischen Fisch zum Grillen. Bei einem Cafe` werden wir schwach und schlagen bei Kaffee und Kuchen (heute ist schließlich Sonntag) so kräftig zu, dass wir das Grillen auf Morgen Mittag verschieben. Gegen 19 Uhr verspüren wir dann doch Hunger und so beschließen Werner, Peter und ich dann doch in einem Restaurant eine Kleinigkeit zu essen. Wir entschließen uns für gegrillte Dorade. Umgerechnet bezahlen wir für Fisch und Beilagen und Getränke 7 € pro Pers. Im kleinen Cafe´ vom Nachmittag holen wir uns noch eine süße „Schweinerei“. Ob ich bei dieser Völlerei und dem rauschen des Meeres überhaupt einschlafen kann ist fraglich.

Erkenntnis des Tages: Immer flexibel sein.


   |   Tages KM: 83

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Montag, 10.3.

Wunschtag für alle. Frühstücken in der warmen Morgensonne, ein wenig länger. Peter und ich suchen ein Internetcafe auf, um Grüsse nach Hause zusenden. Bei einer Bank ist wieder einmal Geldumtausch angesagt. Wir kaufen das kostbare Arganienöl und eine kleine Auswahl an Gebäck für den Nachmittagskaffee- das Grillen haben wir auf 16.00 Uhr verschoben. Peter und ich machen einen langen Standspaziergang, bis uns Felsen am weitergehen hindern. Die Flut kommt langsam und jede 10. Welle spült das Wasser näher an die Steilküste. Werner springt ins Wasser- wir anderen zögern noch. Später wage ich in der Brandung ein Bad- es ist Wunderbar wie die schäumenden Wogen um den Körper wirbeln. Dann packen wir unsere Fische auf den Grill- Peter filetiert uns alle mundgerecht. Wie üblich erledigen Werner, Peter und ich den Abwasch gemeinsam. Abends schwirren wir noch in die Stadt- beim gestrigen Stadtbummel haben wir ein romantisches Lokal entdeckt. Doch heute ist Ruhetag! So wollen wir über einen kleinen Umweg über die Soucks unser Cafe´ aufsuchen. Und in den Soucks werden wir Frauen schwach- eigentlich hat nur Claus nach passenden Papuschen (Pantoffel) geschaut und so haben auch wir Zeit uns umzuschauen. Für mich finde ich eine orientalische Frauenhose und farblich passende Papuschen. Handeln – bis zum weggehen. Jetzt fehlt nur noch das passende Oberteil. Das finden Marianne und ich gleich nebenan. Die Männer sind inzwischen weiter gegangen und Werner- nach Hause. Mit unseren Männern suchen wir noch einmal unser Cafe´ auf und es fällt uns schwer sich bei der riesengroßen Auswahl für etwas zu entscheiden. Am mobil angekommen, war Werner nicht untätig, er hat für uns alle Schokopudding gekocht. Lecker – ich freue mich schon auf morgen.

Erkenntnis des Tages: Ich sollte so spät keinen Kaffee mehr trinken!


Dienstag, 11.3.

Habe bis weit nach Mitternacht den Reisebericht in den PC eingetippt und war total aufgekratzt um einzuschlafen. Was haben wir schon alles gesehen und erlebt. 9 Uhr ist Abfahrt angesagt- um 9.30 sind alle startklar. Unterwegs gibt es schöne Aussichtspunkte auf den Atlantik, die Steilküste und die vorgelagerten Felsen, leider können wir nicht überall stoppen. Mittags treffen wir in Tiznit (Silberstadt) ein und parken vor dem Stadttor. In der Medina besuchen wir einige Silbergeschäfte, mir ist der hier angebotene Schmuck zu filigran, aber ein Silbertablett können wir zu einem annehmbaren Preis herunterhandeln. Wir gehen noch zur blauen Quelle und sehen uns die alte Moschee von außen an, dann ist Zeit zur weiterfahrt. Mit Einkaufsunterbrechungen erreichen wir den Camping Atlantik Park am Meer (ca. 30km nach Agadir) um 17.30. Dieser erst seit 2 Jahren neu angelegte Campingplatz (für etwa 1000 Mobile) sieht sehr komfortabel aus, trotzdem entscheidet sich die „Mehrheit“ für den Camping am Meer (neue Außenstelle vom Atlantik Park wie wir später erfahren). So müssen wir noch mal zurück zwecks Anmeldung. Marianne und Claus wollen mit Blick aufs Meer stehen, uns anderen sind die Wellen zu laut und wir stellen uns etwas weiter weg. Es gibt hier zwar Toiletten Strom und Wasser aber keine Duschen. Abends vor den Mobilen spüren wir deutlich die Feuchtigkeit vom Meer.

   |   Tages KM: 209

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Mittwoch, 12.3.

Ruhetag! Wir lassen am Vormittag auf dem Hauptplatz für 70 DH unser Auto waschen. – knappe Stunde- in der Zwischenzeit besuchen wir Bekannte aus unserem Reisemobilclub iaRMC. Sie sind schon seit dem 15.12. mit kurzen Unterbrechungen auf diesem Platz und es gefällt ihnen ausgesprochen gut. Wir tauschen einige Informationen aus über sehenswertes und Stellplätze. Mit Werner unternehmen wir einen langen Spaziergang am Meer- der Strand ist sicherlich 4km lang bis die Felsen den Weg versperren. Zurzeit ist Ebbe und wir können Muschelsucher bei der Arbeit zusehen. Man erklärt uns die trickreiche Suche folgendermaßen: eine Stecknadelgroße Vertiefung mit dem Finger etwas aufschaben und wir stoßen auf eine kl. Muschel. Wir sind im Muschelfieber aber essen wollen wir sie nicht. Soll lecker zu Pasta schmecken. Das Baden in der Brandung macht Riesenspass und ist überhaupt nicht kalt. Zurück am Platz relaxen wir in der Sonne. Ein nerviger Händler möchte uns so einiges verkaufen: Sonnenschutzdecken für die Windschutzscheibe, Windschutz- Seitenteile für die Markise, Teppich usw. Gegen 18.00 Uhr kommen M. u. C. vorbei, wir wollen an der Rezeption die Übernachtung bezahlen, damit wir Morgen beizeiten abfahren können. Eigentlich wollen wir gar nicht abreisen, sondern noch einen Tag am Wasser verbringen. Auf einen freien Tag in Essaouirra wollen wir dann gerne verzichten. M. u. C. stimmen meinem Vorschlag sofort zu. So schauen wir uns den Campingpark genauer an. Beim Maler Rachid am Eingang bleiben wir hängen. Auf den meisten aller bemalten Mobilen steht seine Unterschrift unter den Motiven. Werner hätte gern einen Touareg auf seiner Satellitenschüssel und macht einen Termin für Morgen. Wir sind uns nicht schlüssig und wollen eine Nacht darüber schlafen. Zu fünft sitzen wir abends noch lange unter Werners Markise. – Wie schön morgen noch ein Tag zum Faulenzen!

Erkenntnis des Tages: Entscheidungen erstmal überschlafen


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Donnerstag, 13.3.

Frühstück in der Morgensonne. Werner braust um 9 Uhr ab – Autowaschen von Hand und der Künstler Raschid soll das Touareg-Motiv auf die Sat-Schüssel bringen. Um 12 Uhr ist Werner wieder zurück – das Mobil neu dekoriert. Da der Künstler ab 14.30 Uhr einen Großauftrag hat, müssen wir eine schnelle Entscheidung treffen, damit er über Mittag auch so ein Bild auf unsere „Schüssel“ bringt. In der größten Mittagshitze sitzt der Künstler auf unserem Mobildach und malt. – Jedes Bild ist ein Unikat und fällt anders aus. Den Nachmittag verbringen wir mit einem langen Spaziergang und baden. Heute ist die Luft verdammt heiß. Gegen 16 Uhr ist die 1. Anprobe unserer Stoffmarkisen für die Fenster. Abdulla vom Platz organisiert alles. Leider muss er noch einmal nacharbeiten, denn wir sind mit der Ausführung nicht zufrieden. Abdulla rast auf seinem Mofa mit den Stoffen davon – die Männer gehen zum Hauptplatz um in der Rezeption die Übernachtungen zu zahlen. Ich fange inzwischen mit dem Kochen an, doch die Männer kommen und kommen nicht. Inzwischen ist Abdulla mit der geänderten Ware zurück. Gemeinsam erledigen er und ich die Arbeiten. Eine franz. Nachbarin (sie hat auch Markisen von ihm) hole ich zur Begutachtung hinzu. Jetzt ist alles perfekt. Fragt sich nur, wo bei unserer Reiserei die Zeit ist diese aufzuziehen? Endlich kommt Peter zurück, er war beim Friseur. Auf Werner müssen wir noch etwas warten, er hat sich eine Massage gegönnt. Ein Freund von Abdulla möchte uns gebrauchte Kleidungsstücke abkaufen. Für alles will er 30 Euro zahlen. Das ist uns zu wenig – und er will nicht handeln. Sein Kommentar: „Ich muss nicht kaufen!“ Jetzt verhalten sich die marokkanischen Käufer fast so wie wir Touristen im Souk. Wir packen alles wieder ein, dann verschenken wir halt die Sachen an Bedürftige. Heute können wir erstmals bis nach 22 Uhr kurzärmelig draußen sitzen.

Erkenntnis des Tages: Versuche nie Marokkaner mit ihren eigenen Waffen zu schlagen!


Freitag, 14.3.

Um 9 Uhr sind wir alle startklar. Marianne, Peter und ich waren vor dem Frühstück noch baden – herrlich. Heute haben wir bis Essaouira 150 km Landstrasse zu fahren. Das erste Stück führt die Straße am Meer entlang – und wir sehen einige Mobile frei stehen. Das Meer ist hier durch die starke Brandung sehr unruhig. Unterwegs machen wir einen Stopp und können uns in einer „professionellen“ Einrichtung ansehen, wie man das teure Arganienöl herstellt. Zuerst trennt man die fleischige Hülle von den harten Kernen. Diese knackt man mittels Klopfstein von Hand. Der nun frei liegende weiche Kern wird später im Feuer geröstet. Die Kerne werden durch Beimengung mit Wasser gemahlen und der Brei dann ausgepresst. Was nun heraus rinnt, ist das kostbare Arganienöl (1 ltr. für 12 Euro). Ich kaufe eine kleine Portion für kosmetische Zwecke. Die jungen Verkäuferinnen sprechen englisch. Wir denken, dass diese Einrichtung nur für Touristen gedacht ist. Mittags kommen wir in Essaouira an. Leider ist der Campingplatz (3 Kilometer vor der Stadt) total belegt. Man erwartet eine Reisegruppe mit mehr als 20 Fahrzeugen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als in der Stadt einen Parkplatz anzusteuern. Auf diesem stehen auch schon einige Mobile. Mit ein wenig Rangieren findet sich für uns auch ein Plätzchen. Essaouria. Der rote Farbstoff der Purpurschnecke war ein wichtiges Exportgut. Auch für Karawanen auf dem Weg in den Senegal war die Stadt ein wichtiger Stützpunkt. Seit 2001 ist die Medina ein Unesco- Weltkulturerbe. Mit ihren roten Stadtmauern und portogies. Befestigungsanlagen ist Essaouira ein beliebter Treffpunkt für Individualtouristen, Künstler und Windsurfer. Exklusive Riad Hotels, Fischrestaurants, Privatpensionen mit Künstlerflair, Galerien, Boutiquen und die maur./portogies. Bauwerke machen die besondere Atmosphäre aus. Auch wir tauchen ein, in die kleinen Gassen. Nach über 2 Stunden Bummeln ruhen wir unsere Füße im Mobil aus – Vorteil des stadtnahen Parkplatzes. Abends schwirren Peter und ich nochmals aus um in den vielen Geschäften nach einigen Gegenständen Ausschau zu halten. In einer Pizzeria stärken wir uns. Schwer beladen kommen wir erst als es dunkel ist zurück. Nachts lässt der Verkehrslärm nach und gegen Morgen weckt mich Mövengeschrei.
Erkenntnis des Tages: Ein Schlafplatz auf einem Parkplatz kann auch Vorteile haben.


   |   Tages KM: 146

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Samstag, 15.3.

Im nahen Hafen herrscht viel Betrieb. Etliche Fischkutter sind eingelaufen und damit beschäftigt die fangfrischen Fische (überwiegend Sardinen) in Kisten zu verladen. Ältere Frauen sitzen auf ihren umgestülpten Eimern und warten. - Auf was? Wir fahren um 9 Uhr weiter, die zum Teil schnurgerade Küstenstrasse nach Safi. In der Nähe vom Töpferzentrum an der alten Stadtmauer parken wir die Mobile. Ein „Führer“ erwartet uns bereits, er spricht etwas deutsch und führt uns durch das alte Töpferviertel. Natürlich macht er auch Abstecher in die Shops. Ganz nah können wir erleben, wie die rote Tonerde mit einem Hammer zerkleinert und dann mit Wasser in Becken aufgeweicht wird. Diese Masse muss in der Sonne antrocknen, um dann auf dem Boden mit den Füßen bearbeitet zu werden. Erst jetzt ist der Ton fertig zur Weiterbearbeitung an der Drehscheibe. Männer sitzen in einer Art Grube und treiben mit den Füßen die Töpferscheibe an. Die nun fertigen Teller, Vasen, Schalen und anderen Gegenstände müssen in der Sonne trocknen, bevor sie das 1. Mal lasiert und gebrannt werden. Danach folgt die bunte Bemalung und 2. Brennung. Früher hat man zum Anfeuern der Öfen Ginstersträucher genommen, heute gibt es moderne Gasbrennöfen. Um die Öfen herum sind die Werkstätten. Bemalen, Glasieren ausstanzen von Ornamenten wird hier ausgeführt, z. T. unter ganz einfachen Bedingungen. Wir haben uns vorgestellt, die Waren nicht zu bezahlen, sondern gegen T-Shirts zu tauschen. Doch die Händler gehen nicht auf unseren Vorschlag ein – so geht das „Verhandeln“ um den Preis aufs Neueste los. Dann, am Mobil, stürmen andere Händler auf uns los und wollen Ware gegen Kleidung tauschen. Wir vertrösten sie auf später, denn nun wollen wir uns die Medina ansehen und uns in einem Cafe stärken. Nach mehreren Anläufen finden wir ein Cafe (ein netter Einheimischer weist uns den Weg), in dem wir außer Kaffee zwischen mind. 100 verschiedenen Kuchen und Keksen wählen können – das wird ein Schlemmen! Nur das Klo, wie Marianne feststellt, ist wirklich nicht „komfortabel“. Am Auto stürmen dann die Verkäufer, die Waren gegen Kleidung tauschen wollen, auf uns ein. Ich kann kaum die Stauräume öffnen, schon sitzen sie wie die „Geier“ fast drin. So bekommen wir einige Gegenstände gratis. Weiter geht es durch das recht schmale Tor (mal so eben ausreichend für unsere Dickschiffe) Richtung Campingplatz. Der liegt etwas außerhalb auf einem Berg und abends, wenn der Wind weht, ist es zu kühl um draußen zu sitzen.

Erkenntnis des Tages: Gibst du den Händlern den kleinen Finger, so nehmen sie gleich die ganze Hand.


   |   Tages KM: 133

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Sonntag, 16.3.

Bis Marrakech geht es durch fruchtbare Ebene, überwiegend werden jetzt im März Getreide und Mais angebaut. Einkaufs- und Tankstopp bei Marjane. Nun geht es auf direktem Weg zu dem Parkplatz bei der Koutoubia (hier kann man auch über Nacht stehen). Ganz am Ende findet sich für uns zwischen provisorischen Garagen der Dauerparker und Müllecke ein Plätzchen. Recht bald brechen Peter und ich in die Souks auf, um unsere „Einkäufe“ zu erledigen. Claus und Marianne wollen sich den Garten Majorelle ansehen und Werner will ausspannen und später über den Platz, Djemaa el-Fna bummeln. Bei den Schlossern finden wir unseren gewünschten Paravant aus Eisen zum annehmbaren Preis und ein Lasttaxi (Mann vor Karre) bringt uns den Gegenstand für 20 DH bis vor die Tür – ohne Diskussion über den Preis! Wir sind überrascht, anscheinend geht es auch anders. Nun müssen wir nochmals los, die restlichen Gegenstände im Souk suchen. Dies Mal geraten wir zu Silber und Messing, es blinkt und glitzert wie in einer Schatzkiste. In einem kleineren Cafe, wo wir durch Zufall hineingeraten, stärken wir uns mit Bananenmilch und leckeren kleinen Kuchen – wie immer für unsere Verhältnisse sehr preiswert. Der Weg, der sich jetzt zum Djemaa el-Fna schlängelt, ist um diese Zeit übervoll mit Menschen. Uns scheint, dass um diese Zeit ganz Marrakech auf dem Platz und nicht in den Wohnungen ist. Auf unserem Parkplatz können wir lange draußen sitzen und werden leider von den ausparkenden PKWs „ausgestänkert“. Man lässt die Motoren unnötig warm laufen, telefoniert und isst währenddessen. Wir hören nachts die Trommeln der Künstler des Djemaa el-Fna.

Erkenntnis des Tages: Im Souk gibt es die Kugelschreiberwährung.


   |   Tages KM: 154

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Montag, 17.3.

Wir wollen wie immer um 9 Uhr starten. Doch wie wir feststellen müssen, hat unser Hinterrad hinten links Plattfuß – so eine Scheiße! Wir sind gestern wohl beim Einparken über einen spitzen Gegenstand geraten. Alle Männer sind jetzt beschäftigt! Ich kann Tagebuch schreiben und die Aktion mit Fotos im Bild festhalten. Knappe 45 Minuten und 6 fleißige Hände haben tatkräftig und „aussagekräftig“ den Reifenwechsel vorgenommen. In Quarzazate werden wir den Reifen flicken lassen, man weiß ja nie was noch kommt! Wir müssen fast die halbe Stadtmauer umfahren um auf den Weg nach Quarzazate zu gelangen. Der Pass Tizi-n-Tichka, über den wir heute wollen, liegt in 2260 m Höhe. Gleich nach Marrakech sehen wir den gepflegten Royal-Golf-Club im satten Grün. Wenigstens sorgt sich der junge König um die Trinkwasserversorgung seiner Untertanen, überall entstehen Wasserleitungen an der Straße. Die Straße windet sich in vielen Kehren bis zum Pass. Unterwegs an der Straße stehen die Mineralien- und Fossilienverkäufer, manche springen spontan aus den Büschen hervor. Weiter oben ist es sehr karg und die Berghänge haben durch Kälte und Hitze bizarre Formen angenommen. Am Pass machen wir eine längere Rast und werden von den Verkäufern umlagert. Sie reißen uns förmlich Hosen und T-Shirts aus den Händen. Tauschen – tauschen lautet ihre Devise! Und dann wollen sie noch Geld haben – nichts wie weiter, aber schnell! Die bergab Strecke ist nicht so spektakulär wie bergauf. Hier im Süden hinter dem Pass ist alles grüner und die Berge nicht so schroff. Auf den Abstecher zur Kasbah Telouet verzichten wir, denn durch die Reifenreparatur sind wir spät dran. Kurz vor Quarzazate gibt es einen Abzweig zum Ksar, Ait Benhaddou. Sie schmiegt sich an den Hang oberhalb des Flusses Assif Ounila. An zahlreichen Souvenirbuden vorbei überquert man auf Sandsäcken balancierend den Fluss und steigt am Westrand des Ortes bergauf, bis man die schmalen Gässchen eintaucht und die traditionellen Lehmhäuser samt ihrem Inventar betrachtet. Von oben kann man dann den Blick über die Türme, Dächer und Storchennester und den Fluss bis zum Hohen Atlas schweifen lassen. Das Dorf steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco. Bis nach Quarzazate sind es von hier knappe 25 km und wir müssen uns sputen, damit wir den Campingplatz noch vor Dunkelheit erreichen. Der Platz ist recht voll, so finden wir nur getrennte Stellplätze.

Erkenntnis des Tages: Man sollte schon zu Hause 1x einen Reifenwechsel durchführen, dann hat man das richtige Werkzeug dabei.


   |   Tages KM: 222

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Dienstag, 18.3.

Um 9 Uhr begeben wir uns in eine Werkstatt (Straßengarage) um den Reifen reparieren zu lassen. Keine 10 Minuten und wir sind abfahrbereit. Die Reparatur hat 10 DH und 10 DH Trinkgeld (weniger als 2 Euro) gekostet. Wir benötigen Bargeld und fahren ins Zentrum zum Geld wechseln. Auf dem Weg dorthin sehen wir das Mobil von Claus und Marianne vor der alten Kasbah parken. Auch wir wollen sie uns ein 2. Mal ansehen. Die gut erhaltene Kasbah (heute Museum) mit ihren reich verzierten Außenwänden, den aus Zedernholz geschnitzten Decken- und Wandverkleidungen, sowie den kunstvoll bemalten Stuckaturen in den Innenräumen, den vielen Zimmern und Gängen ist eine Besichtigung wert. Als wir gemeinsam gegen 10.45 Uhr den Campingplatz erreichen, ist von Werner „weit und breit“ keine Spur. Auf dem Campingplatz hat er für uns keine Nachricht hinterlassen. So suchen wir ihn in der Stadt – vielleicht ist er in einem Internetcafe? Kein PhoeniX – kein Werner! Nochmals am Campingplatz nachgefragt und für Werner (falls er doch noch eintrifft einen Brief hinterlassen), er soll seit 10 Uhr den Platz verlassen haben. Zu viert beschließen wir nun die Fahrt, wie am Vorabend geplant, fortzusetzen. Vielleicht ist er schon vorgefahren? Ich schreibe noch mal kurz eine SMS – vielleicht antwortet er ja. Uns alle bedrückt mehr oder weniger Werners Abfahrt – wir machen uns große Sorgen. Denn endlich, eine SMS-Nachricht von ihm, er ist bereits 50 km vor uns. Nun geben wir Gas um ihn einzuholen. Bald nach El- Kelaa M’Gouna verdunkelt sich der Himmel. Ein Sandsturm zieht auf und treibt den rotbraunen Sand vor sich her. Zum Glück haben wir den Wind im Rücken. Menschen kämpfen auf den Straßen gegen den Sturm, halten sich Tücher vors Gesicht gepresst. Kinder rennen in die Wohnhäuser – es sind jetzt nur noch die Autos unterwegs. Alles wirkt ein wenig gespenstisch. An Ortseingang von Tinerhir erwartet uns Werner. Wir sind froh, als wir ihn sehen. In einem Gespräch finden wir heraus, dass alles heute ein großes Missverständnis war und er ist „sauer“. Im Ort suchen wir den im Reiseführer erwähnten Laden, der Jeeptouren durch die Todra-Schlucht veranstaltet. Fehlanzeige – den Betreiber gibt es nicht mehr, aber der neue Besitzer (er spricht deutsch) ist gerne bereit uns einen Jeep-Fahrer zu vermitteln. Just als wir an der Straße auf diesen warten, fahren Karin und Martin Richter mit ihrem Mobil vorbei. Sie wollen uns per SMS den Preis für Jeep-Touren ab Campingplatz mitteilen. Der Preis ist um 1000 DH höher – so werden wir in Tinerhir buchen. In der Todra-Schlucht gibt es etliche Campingplätze, wir nehmen den ersten: Camping Le Soleil. Abends können wir noch lange gemeinsam vor dem Mobil von Claus und Marianne klönen. In 1300 m Höhe haben wir Temperaturen wie bei uns (Deutschland) im Sommer.

Erkenntnis des Tages: Leider redet man oft aneinander vorbei.


   |   Tages KM: 186

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Mittwoch 19.3.

Pünktlich um 8.30 Uhr steht unser Fahrer Sahih mit seinem Jeep vor der Tür und nimmt uns vier in Empfang, Werner hat keine Lust. Der Tag beginnt mit Sonnenschein und viel versprechend. Die Todra-Schlucht, mit ihren riesigen hoch aufragenden Felswänden begrenzt die stellenweise recht enge Schlucht, in der es eine Quelle und Hotels gibt. Hier tummeln sich viele Touristen. Ruhiger wird es erst, wenn man viele Kilometer in die Schlucht eingedrungen ist. Wir begegnen einigen Reisemobilen, die teilweise den Weg durch ein Flussbett nehmen müssen. Unser Jeep überquert und durchfährt mühelos die Strecke bis wir auf eine Piste abbiegen. Diese führt uns stetig bergan und nun begegnen wir nur noch Geländefahrzeugen. An den Pisten eilen Bergkinder, Mütter mit Kleinkindern auf dem Rücken herbei und betteln uns um Bonbons und Dirhams an. Auf unseren Wunsch hin hält unser Fahrer vor einem Berberzelt, wir wollen Geschenke wie: Decken und einige Lebensmittel abgeben. Was wir nicht wissen, es handelst sich hier um 2 Frauen aus 2 Familien. Unter den zwei Frauen entbrennt ein heftiger Streit. Wie bei kleinen Kinder, ich hätte die Geschenke zu gleichen Teilen verteilen müssen. Als man uns dann noch um Dirham anbettelt, wollen wir nichts wie weg! Mein Bedarf Geschenke an Bedürftige zu verteilen ist für heute gedeckt. Wir kommen bis auf 2800 m hoch und unser Fahrer meistert die über 3 Stunden-Pistenfahrt fabelhaft – manchmal war unsere Spur verdammt nah am Abgrund vorbei. Vor 2 Jahren haben sehr starke Wassermassen einen großen Teil der Straße weggeschwemmt. Es ist fraglich, ob jemals die Straße in den alten Zustand instand gesetzt wird. Ab Msemrir erreichen wir die Dadessschlucht. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen durch das wild romantische Flusstal, in dem einige Kasbahs eine prächtige Kulisse vor einer aufeinander getürmten Felsformation abgeben. Immer öfter bitten wir Sahih um einen Fotostopp. Ab Boumalne hat uns die Hauptstrasse wieder. Noch knapp 70 km und wir sind auf unserem Campingplatz. Am Abend gönnen wir uns zu viert ein leckeres Abendessen im Restaurant am Platz. Dabei können wir den Anweisungen eines Reiseleiters zuhören. Ich bilde mir meine eigene Meinung: Erwachsene Reisende mit seiner solchen „vorgefertigten“ Meinung abzufüttern ist nicht ganz mein Fall! Übrigens, Espania hat Ferien und ist über Marokko ein(her)gefallen – lautstark.

Erkenntnis des Tages: In geführten Gruppen ist Disziplin erforderlich.


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Donnerstag, 20.3.

Auf unserer Strecke von Tinerhir bis zum Abzweig nach Tinejdad erstrecken sich entlang des Qued Todra fruchtbare Oasen. Heute sind viele Kinder auf unserem Weg, sie tragen Festtagskleidung. Wie wir später durch nachfragen erfahren, ist in dieser Gegend Feiertag. Man feiert den Moulay Ali Cherif. Im Tafilat sehen wir die ersten Kamelherden an der Strasse und einige Kamele gehen ganz gemächlich über die Strasse. Die Gegend ist jetzt karger und auf einer Art Steinwüste wachsen Dornensträucher. In Erfoud biegen wir Richtung Rissani ab. 1999 war es nicht möglich und wir sind über 30 km Piste bis zum Erg Chebbi gefahren. In Merzouga reihen sich unzählige Kasbahs und Hotels am Rande des Erg Chebbi. Der Erg Chebbi ist mit 40 km Länge das größte Dünengebiet Marokkos. Am Fuße der Sanddünen haben alle paar Kilometer kleine Cafes, Herbergen und Cameltourenanbieter ihre Pforten geöffnet. Ein Wüstenspaziergang in den Dünen und die Beobachtung des Sonnenunter- bzw. - aufgangs abseits des Touristenrummels bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Wir fahren einige Stellplätze an und entscheiden uns dann für „La Gazelle Bleue“. Ein Tipp von Karin und Martin, die wir unterwegs an der Strasse getroffen haben und die jetzt mit uns fahren. Der Besitzer kümmert sich rührend um uns und Claus, der wegen Fossilienkauf etwas später eintrifft, fährt sich prompt im Wüstensand der kleinen Kasbah fest. Mit Sandblechen und vielen fleißigen Händen wird er wieder flott gemacht. Es folgt gemütliches Kaffeetrinken vor den Mobilen. Dann brechen Werner und wir zur „Besteigung“ des 200 m hohen Erg Chebbi auf. Wir wollen von dort den Sonnenuntergang erleben. Die ersten 100 Meter gehen wir über kleinere Sanddünen und nehmen dann den seitlichen Gradaufstieg. Die letzen Meter sind sehr beschwerlich, ich schaffe immer nur 25 Schritte, dann muss ich eine Verschnaufpause einlegen. Es geht zwei Schritte vor und einen zurück. Mit uns stehen dann viele andere „Bergsteiger“ oben und warten auf den Sonnenuntergang und das Farbspiel der Dünen. Es weht ei n sehr kalter Wind und wir spüren die Kälte überall – Brrr-. einige haben nur dünne Hemdchen an. Den Abstieg nehmen wir seitlich, indem wir einfach nur springen, springen und rutschen. Ermattet erreichen wir die Mobile. Karin und Martin haben beim Wirt Berberomelett bestellt, wir schließen uns an – so bleibt die Mobilküche kalt. Zuerst bekommen wir eine Suppe gereicht und das Omelett (in einer Tajineschüssel) für 5 Personen reicht bei unserem großen Hunger bei weitem nicht aus. Wir bestellen nochmals. Der Chef meint: wir hätten Hunger wie Kamele. Während des Essens im Restaurant hören wir den Wind um die Kasbah heulen. Oh je, ich habe im Mobil einige Fenster noch offen und Peters Hemden flattern auf der Leine. Als wir dann zum Mobil zurückkehren, müssen wir vor dem Schlafengehen den Wüstensand aus den Betten entfernen. Die ganze Nacht hält der Sturm an.

Erkenntnis des Tages: 200 m Sanddünen können ganz schön anstrengend sein.


   |   Tages KM: 211

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Freitag, 21.3.

Unser Wecker klingelt um 5.30 Uhr. Wir wollen den Sonnenaufgang in den Dünen erleben. Der Campingplatzbetreiber weist uns den günstigsten Weg. Leider versteckt sich die Sonne hinter den Wolken und kommt erst weiter oben zum Vorschein. Wir haben nur 9°C Außentemperatur und wieder frieren wir in unseren Jacken erbärmlich. Im Mobil wärmt uns dann der heiße Frühstückskaffee auf. Um 9 Uhr ist unser Ausflug von 3 Stunden geplant. Die 2 Jeeps stehen schon seit 8 Uhr zur Abfahrt bereit und bei 7 Personen teilen wir die 2 Gruppen folgendermaßen auf: 1 Männertour und eine Frauentour. Wir Frauen wählen Yousuf zu unserem Fahrer – seine Touaregkleidung war ausschlaggebend. Wir Frauen haben sehr viel Spaß und lachen viel. Yousuf kann sich auf vielerlei Sprachen (immer nur ein wenig) mit uns unterhalten. Am besten klappt es auf spanisch – dank Marianne. Die Männer haben da weniger Glück, denn ihr Fahrer spricht nur französisch. Wir legen etliche Stopps ein und am eindruckvollsten ist der bei der Nomadenfamilie: Im festen einfachen Lehmgebäude hocken in dem einzigen dunklen Raum ein älterer Mann, eine Frau und zwei kleine Kinder. Der Fahrer zeigt uns im Nebengebäude die einfache Küche ohne feste Außentür. Auf einem offenen Feuer brodelt in einem Kessel ein wohlriechender Eintopf. Es gibt nur ganz wenige Gegenstände in dem Raum. Wenn ich bedenke, was ich an Möbeln, Geräten und Geschirr in meiner Küche im Mobil habe – ganz zu schweigen zu Hause! Neben dem Gebäude gibt es ein kleines Backhaus und etliche größere Stapel mit Brennholz. Ein Esel steht als Fortbewegungsmittel bereit. Als unsere Tour fast beendet ist, fängt es zu regnen an – schade! So ist der Abstecher zum Flamingosee nicht so eindrucksvoll. Die Flamingos sind recht scheu und nehmen Reißaus, sobald wir nahen. Gegen 13 Uhr sind wir zurück am Platz und der Regen wird heftiger. So können wir das Tagebuch auf „Vordermann“ bringen, Kaffee trinken und Peter läuft, sobald der Regen etwas nachlässt, nach Merzouga zu Fuß ins Internetcafe. Abends sitzen wir bei Wein und Bier (aus unseren Beständen) im Restaurant beieinander. Prosten uns mit Chinesen, die in Rabat arbeiten und hier auf Urlaub sind, zu.

Erkenntnis des Tages: Bedauernswerte Händler - den ganzen Tag in Erdlöchern hocken und auf kaufinteressierte Touristen warten!


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Samstag 22.3.

Wir sitzen gerade am Frühstückstisch im Mobil, als ein lauter Knall (eine Explosion) uns aufschreckt – irgendetwas muss in die Luft geflogen sein. Einige Männer blicken, nur mit ihren Dessous bekleidet, aus der geöffneten Tür. Es war nur eine Gastherme, die diesen Lärm verursacht hat. In den Morgenstunden hat sie nicht richtig gezündet. Heute ist Hausarbeitstag: Wäsche waschen, Hauhalt im Mobil aufräumen, Brot backen, Kuchen backen, bügeln. Die Sonne scheint wunderbar und mittags können einige faulenzen. Ich nicht, denn um 15 Uhr habe ich alle zu Kaffee und Kuchen ins Berberzelt eingeladen. Mit verschränken Beinen, für uns Nordeuropäer viel zu unbequem, hocken wir im Zelt und trinken Kaffee. Die Zeit bis zum abendlichen Grillen verbringen wir mit Spaziergängen in der Wüste und ich male die traumhafte Wüstenkulisse. Wir sitzen lange nach dem Grillen draußen und genießen die wunderschöne Vollmondnacht unter dem Sternenhimmel. Ich hatte vor, eine Nacht draußen zu verbringen. Doch leider habe ich nicht bedacht, dass es in der Wüste nachts gewaltig abkühlt. So sitzen Werner und ich noch lange, in warme Decken eingehüllt, im Berberzelt und unterhalten uns über „Gott und die Welt“.

Erkenntnis des Tages: Hausfrauen haben immer was zu tun.


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Ostersonntag, 23.3.

Peter liegt schon seit den frühen Morgenstunden wach und um 6 Uhr machen wir uns nochmals auf den Weg um den Sonnenaufgang zu beobachten. Und wirklich, um 6.15 Uhr kriecht die Sonne hinter den Hügeln empor und taucht ein wenig später die Landschaft (mit seinen Hügeln und Tälern) in ein wunderbares Licht. Ich glaube, erst jetzt richtig in der „Wüste“ angekommen zu sein. Bereits um 8.30 Uhr können wir alle gemeinsam an einer langen Tafel in der Sonne unser Osterfrühstück genießen. Ein letzter Fotostopp mit den Mobilen vor den Dünen und dann geht es zum Eselsmarkt (immer nur sonntags) nach Rissani. Schon beim Aussteigen sind wir von Kindern umlagert, die uns alle nach Stilos (Kugelschreibern) und Bonbons „anbetteln“. Werner gibt gerne, sein Glück? Denn als wir vom Marktbummel zurückkommen, haben wir große Steinkratzer auf der Rückfront. Aber der Markt und der kleine Souk sind in ihrer Art noch sehr ursprünglich und sehenswert. Hier kaufen auch die Einheimischen ihre Lebensmittel und andere Gegenstände ein. Über Erfoud (hier lassen wir unser Auto waschen) geht es auf guter Strasse bis Meski. Bei der Quelle „Blue Meski“ gibt es unter Palmen einen kleinen Campingplatz. Der Platzwart begrüßt uns per Handschlag, hat er uns nach 9, bzw. 3 Jahren wieder erkannt (ich 9/Peter 3)? Der Weg durch die Palmen erfordert für unsere „Dickschiffe“ etwas mehr Achtsamkeit und die vielen Kinder mit ihren selbst gebastelten Kamellesezeichen müssen wir energisch „wegscheuchen“. Nachdem wir es uns gemütlich eingerichtet haben, schwirren wir in die zahlreichen Geschäfte aus. Für gebrauchte Kleidung, Zigaretten und Bier tauschen wir schmucke Halsketten. Die Verhandlungen sind zäh – die Verkäufer ziehen uns förmlich in ihre Läden. Wir beschließen am Abend hier keinen Ruhetag einzulegen und morgen nach „Thomas“ weiter zu fahren.

Erkenntnis des Tages: Diesen Platz werden wir auf der nächsten Marokkoreise nicht mehr ansteuern.


   |   Tages KM: 116

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Montag, 24.3.

Auf unserem Weg vom Platz zur Strasse heißt es wieder Rücksicht – enge Durchfahrt! In Er Rachidia decken sich Marianne und Claus mit Bargeld ein und wir kaufen für den OsterNachmittagskaffee leckere Kuchen. Bald nach dem Ort kommen wir ins Gebirge, der Gorges du Ziz führt uns durch den Hohen Atlas (2200 m). Oasen im Tal, rings umgeben von schroffen Felsen, in weiter Ferne sehen wir Schnee bedeckte Gipfel, blaugrüne Seen schimmern im Sonnenschein. So fahren wir ca. 60 Km. In Rich biegen wir auf die R 708 Richtung Gourrama ab. Die Straße wird merklich schlechter. Marianne und Claus beschließen sich heute nicht anzuschließen und bis Midelt vorzufahren. Das Steinwüstental in 1500 m Höhe führt uns durch fast unbewohnte und unberührte Natur. Bald hinter der Oase Ait_Ichchou geht eine Piste zur Olivenplantage von Thomas Friedrich. Im Internet konnten wir über seine Projektarbeit lesen und das er dankbar ist für Kleiderspenden. Hier in der Gegend leben die Ärmsten der Armen und für die hat er eine Kleiderkammer eingerichtet. Mit Ziegen- und Schafzucht, Bienenvölkern und Olivenplantagen gibt er vielen Einheimischen Arbeit und Brot. Als wir am frühen Nachmittag eintreffen, ist er leider geschäftlich abwesend und soll auch erst in 2 Tagen eintreffen. So die Aussage eines Reisemobilfahrers, der mit seinem Mobil bereits auf dem Hinterhof steht. Er stellt uns die zwei halbwüchsigen Jungen des Verwalters Ali vor, die bereits ein wenig die deutsche Sprache von Thomas gelernt haben. Die Großmutter der beiden kommt uns aus dem Berberzelt bereits entgegen und schüttelt uns die Hände. Sprachlich verständigen können wir uns nicht, aber sie hat sehr freundliche Augen. Über den Reisemobilfahrer, er kommt übrigens aus Hamburg, erfahren wir einiges über die Leute und ihre Arbeit hier. Werner und Peter unternehmen zu Fuß einen Ausflug in die nähere Umgebung. Ich sitze beim Reisemobil in der Sonne, schreibe Tagebuch und Grußkarten und lasse die traumhafte Landschaft mit der unglaublichen Stille (nur die Bienen hört man summen) auf mich wirken. Der Verwalter Ali ist mit seiner Frau und seinen drei kleinen Töchtern, eine ist gerade 3 Wochen alt, zu Nachbarschaftsbesuch mit dem Auto unterwegs. So müssen wir bis morgen früh warten, damit Ali uns in verständlichem deutsch die Farm erklären und zeigen kann. Die Großmutter hat auf alles ein Auge. Als junge Männer mit ihrem Fahrrad zu einer Stippvisite vorbeikommen und mich in ein Gespräch verwickeln, macht sie mit ihrem Finger hinter deren Rücken das „gib acht Zeichen“. Peter und ich wandern vor dem Dunkelwerden noch zu einem nur 300 m entfernten Stellplatz am Flussufer.

Erkenntnis des Tages: Jeder in der Gruppe muss auch mal alleine des (seines) Weges ziehen.


   |   Tages KM: 162

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Dienstag, 25.3.

Gleich nach dem Frühstück erscheint Ali um uns zu begrüßen. Auch Fatima,. seine Frau, reicht uns zur Begrüßung die Hand. Im Arm hält sie ihre kleinste Tochter Sara. Wir fragen nach den anderen Töchtern und die Großmutter führt mich ins Wohnhaus. Über den langen fensterlosen Flur gelangt man, an einigen geöffneten Vorratsräumen vorbei, in das noch abgedunkelte Wohn/Schlafzimmer. Der Boden ist bedeckt mit ausgebreiteten Decken und darauf sind wahllos verstreut unzählige weitere Wolldecken. Einige aufgerollte Tücher dienen als Kopfkissen. An den Wänden stehen aufgetürmt ihre Habseligkeiten und einige Nahrungsmittel. Die Großmutter muss die kleine Fatima förmlich wach klopfen und schlaftrunken kommt diese mit uns in voller Bekleidung (= Schlafkleidung) mit vor die Haustür. Wenig später erscheint ihre jüngere Schwester Nokia, den Namen haben Gäste ihr gegeben. Ich suche aus meiner „Schatzkiste“ für sie noch ein paar Kuscheltiere und für die Mutter und Oma eine Frauenüberraschungstüte. Wir fragen nach Olivenöl. Vom Hamburger wissen wir, dass Thomas seit seiner letzten Olivenernte in den „schwarzen“ Zahlen sein soll. Ali füllt uns die gewünschte Menge in unsere Transportbehälter. Dann heißt es Abschied nehmen und für Thomas hinterlassen wir noch ein paar Grußzeilen. Den schon bekannten Weg geht’s wieder zurück. Heute heben sich die Berge vom Atlasgebirge nicht so großartig vom Himmel ab, es ist diesig. Ab der Weggabelung fahren wir die 80 km nach Midelt, hier erwarten uns Claus und Marianne auf einem Campingplatz. Vom 1907 m hohen Pass Tizi-n- Tirhemt können wir weit ins Tal blicken und die Kulisse mit den Schnee bedeckten Bergen ist traumhaft. An der Straße stehen viele Honigverkäufer, die in ausgedienten Colaflaschen und Ölflaschen (?) ihre Ware anbieten. Wir probieren, 500 ml sollen100 DH kosten. Das ist uns zu teuer, der Honig erscheint uns nicht einwandfrei genug. Marianne und Claus haben uns die Anfahrt zum Campingplatz gut per SMS beschrieben. Gegen Mittag treffen wir auf diesem ein und wen treffen wir dort auch noch an? Heike und Peter vom Club iaRMC – welch eine Überraschung! Sie wollen 6 Monate in Marokko überwintern und finden das Klima hier viel zu kalt. Die Stadt bietet nicht viel für Touristen, dafür aber reelle Preise. Wir fangen schon früh mit dem Grillen an, ab 18 Uhr (15°C) ist es bei kaltem Wind unmöglich draußen zu sitzen.

Erkenntnis des Tages: Wer mit den Hühnern schlafen geht, steht mit den Vögeln auf.


   |   Tages KM: 167

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Mittwoch, 26.3.

Ich stehe mit Vogelgezwitscher um 5.30 Uhr auf und schon vor dem Frühstück arbeite ich am PC. Kurz nach 9 Uhr sitzen die Männer hinter ihren Lenkrädern und los geht die Fahrt. Wir müssen heute über zwei Pässe, den Col du Zad (2178 m) und den Jbel Abad (1706 m). Vor dem Col du Zad befindet sich ein Hochplateau und wir sehen etliche Hirten mit ihren Ziegen und Schafen. Alles ist satt grün, vor gut einer Woche war die Strecke wegen Schneefall gesperrt, vereinzelt gibt es noch Schneereste. Hier oben wachsen die bekannten Atlas-Zedern und in den Wäldern leben Affen in freier Wildbahn. Auf einem Parkplatz machen wir ihre Bekanntschaft und füttern sie mit Brot, Bananen und Poppkorn (habe ich noch schnell zubereitet). Sie sind recht zahm und fressen uns aus der Hand. Ab Azrou gibt es Häuser mit einem ganz anderen Baustil. Sie haben rote Ziegeldächer und erinnern in ihrer Bauweise an unsere Häuser im Gebirge. Man nennt diese Gegend auch: die marokkanische Schweiz. Es gibt Skilifte und bis weit nach Ifrane erleben wir das etwas andere Marokko. Kurz vor Fes biegen wir Richtung Campingplatz „Diamant vert“ ab. Vor einem Kreisverkehr überreicht uns ein Mofafahrer eine Kontaktadresse für „geführte Stadtbesichtigung“. Der Preis ist akzeptabel und was wichtig für uns ist, er spricht deutsch. Der Platz ist gut gepflegt und wir entdecken auch einige deutsche Mobile. Wir suchen uns einen Stellplatz und entdecken Horst und Ulla vom Stammtisch Glinde. Sie sind seit 4 Tagen in Marokko und wir wollen die nächsten Tage gemeinsam verbringen. Leider benehmen sich junge Engländer daneben. Sie veranstalten am offenen Lagerfeuer ein Saufgelage bis spät in die Nacht.

Erkenntnis des Tages: Es gibt nette Freunde. Schön, wenn man sie unterwegs trifft.


   |   Tages KM: 198

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Donnerstag, 27.3.

Um 9 Uhr treffen wir unseren heutigen Stadtführer Wafi vor dem Campingplatz. Wir haben vor, alle sieben mit ihm und unserem Mobil in die Stadt zu fahren – so ersparen wir uns die Taxigebühren und sind flexibel. Wafi stellt seinen Motorroller auf einem Zentralparkplatz ab und führt uns zuerst zur Aussichtsplattform. Von hier haben wir einen Blick über die Alt- und Neustadt von Fes und die sanften Berge und das grüne Umland. Bevor wir in die Souks der Medina eintauchen, führt er uns in eine Keramikmanufaktur. Ein Angestellter erklärt uns in den betreffenden Abteilungen die Herstellung – interessant sind die Mosaikteilchenklopfer. Mit einem Hämmerchen klopfen sie aus lasierten Fliesen freihändig: Sterne, Herzen, Dreiecke und Kreise, die man dann zu Tischplatten und Brunnen verarbeitet. Unser Mobil parken wir nun Medinanah auf einem bewachten Parkplatz. Wafi läuft mit uns durch die sehr verwinkelte Altstadt, in einige Geschäfte führt er uns. So können wir z.B. der Lederverarbeitung (einer äußerst übel riechenden Beschäftigung) vom Ledergeschäft oberhalb einer Terrasse zuschauen. Wir blicken vom äußeren Eingang in Moscheen und er erklärt uns warum Frauen und Männer getrennt beten. Auch wie früher ein Mann seine Frau kennen gelernt hat, nämlich über seine Mutter. Die hat im Hammam für ihn die passende Frau ausgesucht und Informationen über sie eingezogen. Oft hat eine Frau den Mann bis zur Eheschließung nicht gesehen – das war unschicklich und gehörte sich nicht. Er erklärt uns auch die 5 Sternspitzen vom Stern auf der marokkanischen Flagge. 1. Es gibt nur einen Gott 2. 5 x am Tag ein Gebet 3. Ramadan 4. Almosen geben 5. 1 x im Leben nach Mekka pilgern (oder in eine andere heilige Stadt, wenn das Geld nicht reicht). Wafi bringt uns gegen Mittag in ein Riad- Restaurant. Horst hat sich schon vorher von unserer Gruppe verabschiedet – sein Hund kann nicht so lange allein bleiben. Und Werner verlieren wir, aus Missverständnissen wie sich später herausstellt. So genießen nur wir fünf unser Drei-Gänge-Menü. Am Nachmittag sehen wir uns eine alte Medrese (Koranschule) an. Wafi führt uns in gewünschte Geschäfte und nie haben wir das Gefühl an aufdringliche Verkäufer zu geraten. Wafi, du bis ein guter Führer und hast einstimmig von uns 5 Sterne verdient! Seinen Lohn runden wir großzügig auf und er bedankt sich herzlich. Da morgen am Freitag ab 11 Uhr alle Geschäfte im Souk schließen, gehen wir alleine ohne Wafi noch ein gutes Stückchen durch den Souk. Den Rückweg zum Campingplatz hat er uns sehr gut beschrieben. Am Platz erwarten uns Horst mit Dackel und Werner. Wir sind alle erschöpft vom heutigen Tagesprogramm und gereizten Diskussionen gehe ich für heute aus dem Weg. Vor den Mobilen sitzen wir alle noch ein wenig beisammen.

Erkenntnis des Tages: Es gibt nette und sehr nette Marokkaner – Wafi gehört zu den sehr netten.


   |   Tages KM: 19

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Freitag, 28.3.

Heute wollen wir nur bis Meknes und vorher noch bei Marjane einkaufen und tanken. Wir brauchen erst um 9.30 starten. Horst führt uns zum Supermarkt. Immer wieder ein tolles Erlebnis - wir geraten in einen wahren Einkaufsrausch. Zwar haben viele von uns die Anfahrtsbeschreibung zum Camping in Meknes gelesen, aber so richtig verstanden hat sie wohl niemand. Wie immer fahren wir vorweg und erst ein Polizist kann uns den Weg gut beschreiben. Nun erst sehen wir auch ein Hinweisschild: Camping. Doch dann, ist die Durchfahrtshöhe durch das niedrige Stadttor für uns zu gering. Ein Pkw hält an und will uns den Weg zeigen, der Fahrer telefoniert per Handy mit seiner Frau. Sie kann mir in perfektem deutsch (sie hat in Hamburg studiert) die weiteren „Unternehmungen“ ihres Mannes erklären. Da bin ich mal wieder platt über so viel Hilfsbereitschaft. Ohne ihn hätten wir noch lange gesucht - mal links, mal rechts durch einige Stadttore. Dann sind wir endlich da. Als ich mich von unserem netten Engel bedanken möchte, ist er schon weg - schade! Sehr gerne hätte ich mit seiner Frau, Marianne und Ulla einen Stadtrundgang gemacht. Am Platz bekommt jeder ein nettes Plätzchen, so wie wir es uns wünschen. Nach einer Stunde Erholung und einem kleinen Kaffee marschieren Peter und ich in die nahe Medina. Mit dem Stadtplan unseres Reiseführers wollen wir die Touristinformation finden. Doch leider verfransen wir uns schon bald und geraten in die Wohnmedina der Einheimischen. Enge, dunkle, winklige Gassen, zum Teil überdacht und durch viele Torbögen. Wir kennen Meknes nicht und glauben es ist der richtige Weg. Ein junger Mann fragt uns auf englisch: „Can I help you“? Aber das Wort Touristinformation hat er wohl noch nie gehört. Doch er bringt uns auf eine belebte Hauptstrasse. Hier war einmal die Touristinformation. Wie wir durch nachfragen erfahren, ist sie jetzt beim Bab el Masur. Der Platz El Hedim befindet sich vor diesem Tor und hat eine wunderschöne Kulisse. Mit seinen Orangensaft und Ess Ständen, seinen Geschichtenerzählern und Wasserträgern erinnert er uns an Marrakech. Seitlich begrenzen Zeltrestaurants im orientalischen Stil den Platz. Hier müssen wir am Abend noch mal vorbeischauen! Mit einem guten Stadtplan von Meknes, aus der Touristeninformation, geht es zum Campingplatz zurück. Wir grillen mit Horst und Ulla Fisch und ich serviere zum Nachtisch allen den am Vormittag versprochenen Kaiserschmarrn.

Erkenntnis des Tages: Auch durch Staubaufwirbeln wird der Blick nicht klarer!


   |   Tages KM: 79

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Samstag, 29.3.

Um 9 Uhr erwartet uns unser Reiseleiter für den heutigen Tag. Wir sind 6 Personen. Werner hat keine Lust auf Stadtbesichtigung, er möchte lieber den Tag selbst gestalten. Unser Stadtführer zeigt uns zuerst das nahe gelegene Aguedal, ein riesiges Wasserspeicherbecken (400m x 100m 4m tief): das früher lediglich den 500 Konkubinen Moulay Ismails als Bade- u. Vergnügungsbecken diente. Dann sehen wir uns den riesigen Getreidespeicher (Heri Es Souani) aus dem 17.Jh. mit den Ausmaßen einer Kathedrale an. Das Gebiet um Meknes galt und gilt als die Kornkammer Marokkos. Das Gebäude hatte durch seine 4m dicken Mauern, versetzen Türen und Fenstern (die für vorzügliche Lüftung sorgten) Sommer wie Winter eine konstante Temperatur von 14°C. Am Kornspeicher schließen sich die ehemaligen Pferdeställe, in denen 12000 Pferde Platz fanden, an. Der Führer erklärt uns auch anhand einer Zeichnung den Aufbau der Königsstädte. Der Palast mit seinen drei, in verschiedenen Höhen, umgebenen Mauern war immer separat und an den Toren bewacht. Die Medina für die Bewohner war gleichfalls von einer Mauer umgeben. Außerhalb befanden sich die schmutzigen und lauten Gewerke wie: Gerber, Färber und Schmiede. Nach der Mauer kamen Wohnviertel, dann gemischte Wohn- und Geschäftsviertel und im Zentrum die Moschee mit den sauberen Gewerken wie: Schneider, Stoffe, Garne, Schmuck und Parfüm. Jedes Wohnviertel (durch Tore gekennzeichnet) hatte ihre eigene kl. Moschee, Bäcker, Koranschule, Brunnen und Hammam. Die Medina macht auf uns einen sauberen Eindruck. Am Bab El Mansour (Siegestor), gleich neben dem großen Platz El Hedim, liegen die Lebensmittelhallen. Hier gibt es Berge von Obst und Gemüse, fein säuberlich aufgestapelt. Eingelegte Zitronen, verschiedene Olivenvariationen, Gewürze und andere Köstlichkeiten. Unseren Rundgang beenden wir auf der schattigen Dachterrasse von einem Restaurant und stärken uns mit Taijine und Säften. Das ist Urlaubsgenuss pur! Peter und ich unternehmen noch einen Streifzug durch die Souks. Ein Taxi bringt uns für wenig Geld zum Campingplatz zurück.

Erkenntnis des Tages: Ohne Reiseleiter würden wir wichtige Informationen nie erfahren.


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Sonntag, 30.3.

Claus und Marianne wollen heute Voubilis besichtigen und dann weiter bis an den Atlantik bis Moulay Bousselham. Dort wollen wir uns dann treffen. Peter und ich besichtigen das unterirdische „Christengefängnis“, 12 km Gänge soll es hier geben. Der unscheinbare Eingang befindet sich neben dem ehemaligen Palais für Diplomatenempfänge. Das Gefängnis wurde genutzt, als Moulay Ismail (der Grausame) an der Macht war. Dieser hat die Insassen für den Aufbau seiner Royalstadt schuften lassen. In einem der zahlreichen Cafes am Platz El Hedim trinken wir einen Kaffee und beobachten die geschäftigen Einheimischen bei ihren Einkäufen. Peter findet sich im Souk sofort zurecht und wir begeben uns auf die Aussichtsterrasse einen alten Medrese. Von dort können wir auf andere Dachterrassen, viele SAT-Antennen und die nahe Moschee schauen. Die Medrese wird z. Zt. restauriert und wir können einen Blick in die leeren, kleinen Zimmer der „Koranstudenten“ werfen. Im Einheimischen Souk ist heute Leben: Flohmarktware, Lebensmittel und modere Kleidung warten auf Käufer. Zurück am Campingplatz, beschließen wir mit Werner noch bis morgen früh zu bleiben. Am späten Nachmittag unternehmen wir gemeinsam eine einstündige Kutschfahrt durch Meknes. Empfehlenswert und gar nicht teuer, man schont die Füße und bekommt vieles zu sehen.

Tipp eines Reiseleiters: In Markokko geht man folgendermaßen über eine belebte Strasse: Inschallah – Augen zu und losgehen. Drüben gut angekommen sagt man: al hamdulilla’h (gelobt sei Gott)!


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Montag, 31.3.

Pünktlich um 9 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Moulay Bousselham am Atlantik, rund 150 km entfernt. Peter und Werner haben gestern schon mal zu Fuß den Weg durch die Tore erkundet. Der Stadtplan aus der Touristinfo hilft uns gut die Strasse Richtung Tanger zu finden. In der fruchtbaren flachen Landschaft wird überwiegend Getreide und Gemüse angebaut. Orangenverkäufer stehen mit ihrer Ware am Straßenrand. Auch wir machen einen Großeinkauf – der frisch gepresste Orangensaft am Morgen soll uns bis nach Hause begleiten. Kurz vor Mechra- Bel- Ksiri begegnen uns viele Mauleselkarren, voll besetzt mit Frauen, Männern und Kindern. Es sieht ein wenig nach Volksfeststimmung aus. Bald nach dem Ort sehen wir eine Art Zeltstadt auf einem riesengroßen Platz. Seitlich der Strasse findet sich ein Parkplatz. Nun schieben wir uns mit Werner durch das Gemenge an Ständen, Waren und Menschen. Kinder wollen uns Plastiktaschen verkaufen und weichen uns nicht von der Seite, alle anderen begegnen uns freundlich. es gibt außer vielem Gemüse auch frische Erdbeeren, das Kilo für 7 DH (63 Cent). Sollte ich einmal eine Erdbeertorte zaubern? Wir können einem Kleinbus zuschauen, wie der Beifahrer (Helfer u. Kassierer v. Fahrer) Mitfahrer in den Wagen stopft. Für 10 Pers. zugelassen finden so mind.40 Leute Platz. Man winkt uns zu wir sollen einsteigen, wir lehnen dankend ab und fahren doch lieber mit unseren eigenen Mobilen weiter. Am Nachmittag treffen wir auf dem Campingplatz ein. Marianne und Claus erwarten uns schon, sie haben ein nettes Plätzchen mit Blick auf die Lagune ergattert. Wir stellen uns auf schattige Plätze unter hohen Bäumen. Der kühle Wind vom Atlantic und der Schatten geben keine angenehmen „nun sitzen wir mal draußen“ Temperaturen. Immer wieder sprechen uns Bootsbesitzer für eine Tour auf der Lagune zu den Flamingos an. Inschallah – vielleicht morgen. Zum Sonnenuntergang bummeln wir zum Ort hinauf. Man ist dabei eine schöne Promenade anzulegen, aber der Müll! Für ihre Müllbeseitigung müssen die verantwortlichen des Ortes noch etwas einfallen lassen. Leider auch hier, sobald es dunkel ist, zu kalt um draußen vor den Mobilen zu sitzen.

Erkenntnis des Tages: Willst du preiswert einkaufen gehe auf die Märkte der Einheimischen....


   |   Tages KM: 160

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Dienstag, 1. 4.

Heute mal ein Tag, an dem jeder machen kann was er will: spazieren gehen, in der Sonne sitzen, malen und am Abend braucht niemand zu kochen – Marianne und Claus haben uns in ein nettes Restaurant zum Essen eingeladen. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag. Morgen wollen wir anderen nach Tanger weiterreisen, M u. C wollen sich mit der Ausreise noch bis zum Wochenende Zeit lassen. Wir entscheiden uns für ein Fischrestaurant. Im ersten Stock gibt es eine verglaste Veranda, von hier hat man den Blick frei auf den Atlantic mit Sonnenuntergang. Der Kellner heute spricht leider nur französich und der Chef nur ein paar Brocken deutsch. So klappt die Verständigung mal wieder nur mit Händen und Füßen, sogar ein Rotwein aus Marokko kann serviert werden. Der uns servierte Fisch, Steak und Omelett sind schmackhaft und wie immer preiswert. Im Mobil von Claus und Marianne sitzen wir noch bei einem Nachtisch zusammen. Nach deutscher Zeit würde jetzt um 22 Uhr Mitternacht sein und somit Claus schon Geburtstag haben. Wir laden die beiden zum Geburtstagsfrühstück zu uns ein.

Erkenntnis des Tages: Auch Restaurantbetreiber müssen noch viel lernen.


Mittwoch. 2.4.

Frühstück in der Sonne. Claus, war unser Geburtstagsfrühstück Dir recht? Nächstes Jahr treffen wir uns wieder zum gemeinsamen Frühstück – versprochen? Dann heißt es Abschied nehmen. Die gemeinsame Zeit ist uns allen viel zu schnell vergangen! Ab Larache fahren wir die N 1 bis Tanger. Ein starker Wind pustet uns fast von der Straße. Wir tanken nochmals preiswert voll und parken unsere Mobile auf dem bewachten Parkplatz in Hafennähe. Im Fährbüro erkundigen wir uns über die Abfahrtszeiten der Fähren. Die um 17 Uhr würde ganz gut in unseren Zeitplan passen, dann müssten wir nicht auf dem staubigen Parkplatz übernachten. Mit einem Grandtaxi fahren wir zur Aussichtsterrasse vom Cafe Hafa und machen eine neue Erfahrung: Belegt man die Rückbank mit nur 3 Personen, so muss man doch für 4 bezahlen. Ein Mercedes Taxi gilt als abfahrbereit, wenn vorne 3 Personen (einschließlich Fahrer) und hinten 4 Personen sitzen. Das bekannte Cafe (seit 1921) hat eine wirklich beneidenswerte Aussichtsterrasse. Bei Pfefferminztee und Cola lassen wir 40 Tage Marokko an uns vorbeiziehen. Ich glaube Werner ist froh, dass wir morgen in Spanien sind. Wie immer ist es im Hafen ein kleines Abenteuer bis man vor der richtigen Fähre steht. Wir müssen zweimal umparken. Unsere Fähre, die Euroferrys Atlantica „Las Panama“, legt pünktlich an. Gott sei dank hat der Wind etwas nachgelassen und wir drei sind gespannt wie wir heute die Überfahrt überstehen. Fast als Erste fahren wir gegen 17 Uhr aufs Schiff und erst um 19.10 Uhr legt es ab. Wir können von Deck aus die Beladung beobachten. Viele „Auflieger“ setzen unsanft auf. Oh je, oh je, wenn das die Speditionen wüssten! Das Schnellrestaurant auf der Fähre hält nur einige wenige Kleinigkeiten zum Essen bereit. So ziehen es Werner und Peter vor, sich im Mobil noch schnell eine Stulle zu machen. Das LKW- und Autodeck ist während der Überfahrt nicht geschlossen, so kann Peter in Liegestellung es sich im Mobil gemütlich machen. Werner und ich betrachten uns die Küste per Nacht und das Einlaufen in den Hafen von Algeciras. Um 22.15 Uhr nach marokk. Zeit verlassen wir die Fähre, in Spanien ist es bereits 0.15 Uhr! Kurz nach 1 Uhr stehen wir auf dem Lidl-Parkplatz mit vielen anderen Mobilen zum Übernachten.

Erkenntnis des Tages: Am liebsten würden Peter und ich sofort wieder Richtung Marokko aufbrechen.


   |   Tages KM: 146

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3.4. bis10.4

Ein kleiner Vorratseinkauf bei Lidl. Dann heißt es Strecke schaffen. Mit einem Zwischenstopp bei Freunden in Denia, zwei Übernachtungen in Frankreich erreichen wir unsere Tochter in Zürich. Von Werner haben wir uns schon vor Zürich verabschiedet. Er fährt weiter zu Verwandten in Süddeutschland. Wir erreichen am 10.4. am frühen Nachmittag wieder unseren Heimatort. In dem großen Haus kommen wir uns nach 55 Tagen im Reisemobil etwas verloren vor. Für die nächste Zeit haben wir uns eine gründliche Reinigung des Reisemobils vorgenommen. Der rotbraune Wüstensand hat seine Spuren hinterlassen. Doch bestimmt sind wir nicht das letzte Mal in Marokko gewesen!
Km ab Fähre 3251


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