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- 2009-2

wir sind Willkommen Hos Geldiniz




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Mittwoch, 26. August Glinde

Es ist schon 18.00 Uhr, als wir bei noch strahlendem Sonnenschein unser Zuhause verlassen. Ohne Staus erreichen wir den Stellplatz – unseren Schlafplatz – in Eichstädt, kurz vor Berlin. Morgen wollen wir Marianne und Klaus in Dresden treffen.

   |   Tages KM: 240   |   GPS Nord: 52°41’47“   |   GPS Ost: 13°06’41

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Donnerstag, 27.08. Eichstädt

Morgens Durchgangsverkehr. Der Lärm weckt uns zeitig. So sind wir schon um 8.00 Uhr auf der Autobahn. Mittags erreichen wir den Stellplatz Zinzendorfstrasse in Dresden. Gleich neben dem Flair von Marianne und Klaus können wir einparken. Bald erscheinen M+K vom Einkauf und wir beschließen sofort die Stadt zu erkunden. 30° - wenige Schritte und wir stehen vor der Frauenkirche. Aber erst um 13.00 Uhr ist eine Besichtigung möglich. So steigen wir auf die Brühler Terrassen, um auf die Elbe, das gegenüberliegende Elbufer, die Semperoper, Augustusbrücke und Kathedrale zu blicken. Es gibt viel Historisches anzusehen, so dass man ohne weiteres 3 Tage hier verbringen könnte. Da wir schön öfter hier waren, begnügen wir uns in erster Linie mit der Frauenkirche. Nachdem diese Kirche im Febr. 1945 zerstört wurde, kam 1990 der „Ruf aus Dresden“ mit dem Appell zum Wiederaufbau. Viele Spenden haben den Aufbau ermöglicht und am 30.10.2005 war Kirchweihe. Die Frauenkirche zählt zu den berühmtesten Kuppelbauten der Welt. Die unkonventionelle Kuppel, die berühmte „Steinerne Glocke“, ist eine bauliche Meisterleistung. Peter und Klaus wagen den Aufstieg in die Kuppel und werden mit einem grandiosen Rundblick belohnt. Marianne und ich lassen uns derweil im Cafe Kurfürstenhof verwöhnen. Wir schlendern durch historische Gassen mit renovierten Gebäuden zum nahen Stellplatz zurück, ruhen unsere müden Füße aus. Beim Abendessen hören wir von fern Tanzmusik. Wir gehen den Geräuschen nach und landen in einem Biergarten. Mit einem kühlen Getränk lassen wir die Eindrücke des Tages Revue passieren.
Erkenntnis des Tages: bei 30° im Schatten ist ein gesunder Mix von Besichtigung und Erfrischungen angesagt (im Schatten).


   |   Tages KM: 252   |   GPS Nord: 51°02’39“   |   GPS Ost: 13°44’37“

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Freitag, 28.08. Dresden

Schon früh um 8 Uhr geht es los. Heute soll es wieder sehr heiß werden. Auf einem Rastplatz treffen wir Ulla, Horst und Dackel Eddy – unsere weiteren Türkei Begleiter. Wir nehmen die A1 Richtung Prag. Schon vor der Grenze kaufen wir die Autobahnvignette für Tschechien. (ab 3,5t 29.50 € für 7 Tg.) Wer glaubt für diese Abgabe eine perfekte Autobahn vorzufinden, der irrt. Die Autobahn bis Prag ist noch nicht vollständig fertig und rundum Prag ist es geradezu chaotisch. Und weiter geht’s – dadong – dadong – wie auf ehemaligen DDR-Strassen. Wir nutzen den Seitenstreifen, dadurch werden die Fahrgeräusche gedämpft. Doch dann Polizei Kontrolle. Klaus wir raus gewunken. 2000 Konen (80.00€) Geldstrafe drohen für Befahren des Seitenstreifens. Die nette Polizistin drückt bei Klaus ein Auge zu. Ab Brno wechseln wir auf die A2. In der Slowakei wird wieder eine Vignette fällig (ab 3.5t 8.60€ pro Tg.) Nur noch 60 km und wir haben Bratislava erreicht. Um in Ungarn die hohe Maut für 1 Tg. zu sparen, wechseln wir auf die Landstr. Richtung Györ. Auf halber Strecke befindet sich Lipot, unser heutiges Ziel. Unser Navi hat die Vollsperrung wegen Brückenbau nicht im Programm, so müssen wir ganz kurz vor dem Ziel noch eine Umleitung fahren. Um 19.00 Uhr parken unsere Mobile im Halbkreis – Tische und Stühle sind aufgebaut. Die Luft steht und es ist schwülwarm. Wir sitzen bis 23.00 Uhr draußen und trotz der Wärme im Auto verkriechen wir uns in die Betten. 10 ½ Std. waren wir heute, von Pausen abgesehen, unterwegs. Wir sind alle hundemüde.
Erfahrung des Tages: Beim Bezahlen der Tankrechnung immer den Preis vergleichen – Falschbuchungen mit der Kreditkarte lassen sich nur schwer korrigieren.


   |   Tages KM: 562   |   GPS Nord: 47°51’46“   |   GPS Ost: 17°27’24“

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Samstag, 29.08. Lipot

Gegen Morgen schlägt das Wetter um – Gewitter und es fängt an zu regnen. Um 8 Uhr sind wir alle im Thermalbad zum Baden verabredet. Doch an der Rezeption werden wir eines besseren belehrt: das Bad öffnet erst um 9 Uhr, so bleibt Zeit fürs Frühstück. Trotz Regen benutzen wir nach 9 Uhr das Bad. Die wenigen überdachten Plätze sind bereits belegt und werden auch die nächste Zeit nicht frei. So sind eben die Touristen, sie haben bereits mit „Handtüchern“ ihre Plätze belegt – auch im Wasser! Nach dem Bad und etwas ausruhen ist einkaufen im Dorfladen angesagt. Wir benötigen Obst, Gemüse, Brot und Wein für unsere Reise. Das Obst und Gemüse ist nicht mehr frisch – das Brot wie im Süden: weiß und weich. Zum Verkosten nehmen wir drei unterschiedliche Weine, die wir am Abend testen wollen. Den Nachmittag verbringt jeder nach belieben. Der Regen hat hier nach 4 Wochen Sonne noch immer nicht aufgehört. Wir besuchen noch einmal das Bad und kochen danach die Grundlage für die Weinprobe. In dem kleinen Aufenthaltsraum vom Campingplatz wird es eng. Außer uns sind noch einige Camperfamilien eingetroffen. Um die Tische geht es lustig zu, denn außer Essen wird noch fleißig getrunken. Es wird früh dunkel (20.00 Uhr), wir beschließen am nächsten Tag um 8.30 Uhr unsere Rundreise fortzusetzen.

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Sonntag, 30.08. Lipot

Ulla und ich tauschen nochmals Geld beim Chef vom Campingplatz. Wir wollen im kl. Supermarkt noch etwas Wein einkaufen. Alle sind zeitig startklar – Ulla und ich machen uns bereits zu Fuß auf den Weg. Pech – als wir ankommen, hat Klaus bereits die besten Weine eingesackt und wir gehen leer aus, bzw. müssen auf andere Sorten ausweichen. An der Kasse gibt es für Klaus das große Erwachen - seine Forint reichen vorn und hinten nicht. Wir helfen ihm aus der Patsche. Nun wird’s aber Zeit mit der Abfahrt, fast 460 km liegen noch vor uns. Und die Vignette für die Maut muss auch noch gekauft werden. Die erste Tankstelle die wir ansteuern, ist geschlossen. So geht es erst mal ohne Vignette auf die Autobahn. Bei der nächsten Gelegenheit fahren wir wieder raus, kaufen die Vignetten (12.00 Euro 1 Tg.) und Klaus tankt. Bei diesem Ansturm vergießt der Kassierer doch glatt, Klaus das Geld für den Diesel abzukassieren. Er läuft Klaus hinterher, just bevor sich Klaus mit seinem Mobil „vom Hof“ macht. Der hat noch mal Glück gehabt! Über gute Autobahnen macht das Fahren spaß, M1 bis Budapest und dann die M5 bis Szeged. In Szeged viele Baustellen und Umleitungen. wir sind froh, als wir die Strasse nach Rumänien endlich erreicht haben. Hässliche Mietskasernen, Häuserfassaden mit bröckelndem Putz und ungepflegte Bürgersteige lassen die Stadt für uns nicht einladend erscheinen. Wir nehmen vor Mako einen kleinen Grenzübergang nach Rumänien. Auch hier heißt es: Vignette ist nötig (3.00 Euro) Bald nach Timisoara kommt unser Stellplatz für die Nacht: eine große Naturwiese am Fluss. Wir sehen viele Autos und etliche Personen die mit picknicken und angeln. Eine kleine Wagenburg wird gebaut und schon bald sitzen wir im Innenhof am Grill beisammen. Unser Bett ruft und wir planen die Zeitumstellung erst morgen vorzunehmen.
Erkenntnis des Tages: Klaus kauft uns den Wein vor der Nase weg und benötigt unser Geld zum Bezahlen. Er wird keine große Freude daran haben, wir trinken ihm einfach alles weg!


   |   Tages KM: 473   |   GPS Nord: 45°38’37“   |   GPS Ost: 21°10’47“

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Montag, 31.08. Timisoare

Der Wiesen-Stellplatz ist ideal, wenn nur nicht so viele herrenlose Hunde hier wären! Nachts bellt einer kräftig unter dem Hobby – riecht er etwa das Hundefutter von Eddy? Bei Sonnenschein können wir draußen frühstücken. Eine gute Strasse (59) führt uns nach Moravita – direkter Weg nach Belgrad (Serbien). Wir biegen links ab nach Oravita und befinden uns nun auf einer Landstr. übelster Sorte. Es geht durch kleine Straßendörfer. Uns begegnen Pferde- und Ochsenfuhrwerke. Die Personen am Straßenrandgrüßen nicht – schauen nicht auf – verrichten ihre Arbeit weiter. Das war im Norden Rumäniens im letzten Jahr ganz anders. Wir tanken (0.92€ pro ltr.), doch wieder streiken alle unsere Bankkarten. Horst hilft uns aus der Klemme. Nun, auf der 57B Richtung Lablanita, wird die Landschaft gebirgiger. Laubwälder, sanfte grüne Hügel – wir kommen bis auf 600m Höhe. Einfache Dörfer, Bauern bei der Heuernte, etliche Heudiemen (große Heuhaufen auf Gestellen) passieren wir – hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein (Deutschland wie vor 60 Jahren). Nach Lablanita erreichen wir die 6. Die Straße ist wieder besser, aber nun voll mit LKWs. Schon bald fahren wir entlang der Donau über viele Brückenbaustellen (EU hat Geld locker gemacht) bis kurz vor Drobeta Severin. Hier gibt es einen Grenzübergang nach Serbien über eine Brücke. Doch wie Klaus bereits vor über einer Stunde erschreckend festgestellt hat - sie haben keine Pässe dabei. Oh je – wir schauen uns fragend an - wie soll es mit der Einreise in die Türkei gehen? Der ADAC weiß wie immer Rat: Bei Einreise bis 90 Tg. reicht der Personalausweis. Gott sei Dank! Peter und ich hatten schon so einige Postvarianten durchgespielt. Nach Drobeta S. ist die Strasse wieder gut befahrbar. In einem kleinen Ort stoppen wir bei einem Miniwochenmarkt, Gemüse und Melonen locken zum Einkauf. Nur wie sollen wir bezahlen? Wir haben keine Landeswährung. Vorsichtshalber habe ich eine Schachtel Zigaretten eingesteckt – Tauschwährung. Die Frauen an den Ständen wollen für eine Melone 1 Ley und 1 Kilo Tomaten 1 Ley (insgesamt 50 Cent). Eine Schachtel Zigaretten für alles, nein das wollen sie nicht – obwohl die eine Verkäuferin raucht. Ein Mann tritt zu uns, er spricht ein wenig deutsch. Wir erzählen ihm von unserem Devisen- Engpass. Er hilft bereitwillig mit 2 Ley aus. So eine Gastfreundschaft! Ihm schenken wir die Zigaretten. Den Ort Calafat müssen wir umfahren und kommen dabei an vielen schäbigen Häusern in Hafennähe vorbei. Dunkelhäutige Frauen mit Kindern an der Hand betteln um Almosen. Im Hafen werden 5 Euro und nochmals 10 Euro fällig. Wir bezahlen bereitwillig, wissen aber nicht so recht wofür. Als dann noch ein Betrag von 52 Euro für das Fährticket bezahlt werden mauß, lassen wir uns aufklären. Die erste Gebühr war für die Straße in den Hafen, die 2. für den Hafen. Aha – bis wir das begriffen haben und die Fährtickets in den Händen halten, ist die Fähre ohne uns ab gefahren. Sie wollten nicht länger auf 3 Mobile warten und die nächste geht erst in 2 Stunden, um 21 Uhr. Zwar dauert die Überfahrt nur 15 Min, aber finden wir im Dunkeln den Weg zum Campingplatz in Bulgarien? So beschließen wir im Hafen, an der Ufermauer, zu übernachten. Die Hafenpolizei ist damit einverstanden. Ab 21 Uhr verkehrt nur eine kleine Fähre, wir können von unserm Stellplatz aus die Verladung beobachten. Netter, kostenloser Platz mit Blick auf die Donau.
Erkenntnis des Tages: Robin Hood oder Räuber? Das ist hier die Frage. Alle wollen nur unser Bestes – unser Geld!


   |   Tages KM: 356   |   GPS Nord: 43°59’51“   |   GPS Ost: 22°55’55“

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Dienstag, 01.09. Fährhafen Calafat

Am Vorabend haben wir beschlossen die Fähre gegen 9 Uhr zu nehmen. Bereits um 7.30 Uhr reihen wir uns in die Warteschlange ein – Frühstück während des Wartens. Es kommt die große Fähre. Zuerst die LKWs, die Pkw seitlich und unsere Mobile in die Mitte. Zum Abschluss ein LKW. Dieser und wir müssen im Fährhafen Vidin die Fähre rückwärts verlassen. Klaus fährt als erster zur Abfertigungsstelle und hält nicht am Stoppschild, schon stürmt ärgerlich der Grenzbeamte herbei und winkt ihn zur Haltelinie zurück. Wir bezahlen 18 € für die Vignette und 6 € Gebühren für was auch immer. Auf dem Parkplatz warten wir auf Horst und Ulla. Als wir fragen: „Was habt ihr bezahlt“? Antworten sie: „Nichts“ – wir sind ums Häuschen herumgefahren. Zu Fuß macht sich Horst auf den Weg um die Gebühren zu entrichten und muss sich ärgerliche Kommentare anhören. Gemeinsam versorgen wir uns mit Devisen und ab geht’s. Unser Ziel ist die Magara Höhle und der See bei Rabisha. Die Magara Höhle ist eine der größten Höhlen in Bulgarien, mit einer Gesamtlänge von 2,5 km. Außer der Stalaktiten und Stalagmiten gibt es einige Fledermausarten und aus der Zeit 8000 Jahre v. Chr. Höhlenmalereien. Für 5 L Eintritt kann man alleine die Höhle durchwandern. Peter und Klaus durchwandern die ganze Höhle, der Rest kehrt bald um. Der Boden ist feucht und rutschig wie Schmierseife. Über Treppen und Steigungen geht es bergauf und bergab, alles gut beleuchtet. Klaus und Peter haben vom Höhlenausgang den See bereits gesehen. Nun machen wir uns mit den Mobilen auf die Suche. Wir fragen mehrmals im Ort nach. Ein älterer Mann begleitet uns mit seinem Golf zum See. Der Weg ist nicht ausgeschildert und stellenweise sehr ausgewaschen. Außer etlichen Zelten mit Anglern befinden sich einige Frauen und Kinder bei der Gruppe. Wir suchen uns einen festen Untergrund für die Mobile. Ein fauler Nachmittag steht uns bevor mit: baden, sonnen, lesen, grillen und am Abend machen wir uns ein Lagerfeuer.
Tipp des Tages: Heute sind wir Glückspilze mit diesem Platz am See.


   |   Tages KM: 59   |   GPS Nord: 43°44’02“   |   GPS Ost: 22°35’39“

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Mittwoch, 02.09. Rabisha

Für Klaus, Ulla und mich beginnt der Tag mit einem Bad im See. Wir sind überrascht wie wenig er über Nacht abgekühlt ist. Der holprige Weg zurück zur Strasse hat es in sich, das Mobil schwankt bedrohlich. Unser erster Stopp gilt heute der nur wenige Km entfernten Festung Belogradtschik. Noch schöner sind die „Felsen von Belogradtschik“, einem Naturgebilde im westlichen Vorgebirge des Balkans. Die Entstehung der Felsen liegt viele Millionen Jahre zurück. Durch Erosionen und andere Naturerscheinungen entstanden im Laufe von Jahrtausenden zahlreiche fantastische Felsfiguren. Die Festung liegt an den Hängen, zwischen den rötlichen Felsen. Sie wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Wir besteigen über Leitern und in die den Stein gehauenen Stufen die Felsen (ähnlich Sächsische Schweiz). Alle kommen ganz schön ins Schwitzen, denn die Sonne tut ihr Übriges dazu. Weiter geht’s – in Montana finden wir nach längerer Zeit wieder einen Supermarkt. Einkaufserlebnis pur nach 7 Tagen Reise. Mit unseren Vorräten werden wir es locker bis Istanbul schaffen. Gute Strasse und Strassen „jetzt reicht es“ wechseln sich ab. Vor Sofia erreichen wir eine der wenigen Autobahnen des Landes. Die Ausfahrt Teteven verpassen wir, dort wollten wir einen Campingplatz aufsuchen. Finden dafür aber an der 4, Abfahrt Tores, rechts einen schönen Stellplatz am Fluss. Bald verschwindet die Sonne hinter dem Berg und die Hitze in den Autos wird erträglicher. Wir verkosten den berühmten Pflaumenschnaps und schenken dem vorbei fahrenden Bauern, der mit seinem Traktor von der Ernte kommt, auch einen ein. Zuvor hat er uns ein paar landestypische Zwiebeln geschenkt. Unter dem Sternenhimmel mit Mückenbelästigung halten wir es bis 21 Uhr vor den Mobilen aus.
Straßenstrich: An der Hauptstrasse vor Sofia stehen viele hübsche „Schülerinnen“, die sich wohl ihr Taschengeld aufbessern. Oft stehen sie in Unmengen von Müll.


   |   Tages KM: 238   |   GPS Nord: 43°03’56“   |   GPS Ost: 24°15’24“

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Donnerstag, 03.09. Nähe Tores

Heute Morgen starten wir zum Trojan Kloster, 10 km südlich von Trojan. Im 15. Jh. erbaut, von den Türken zerstört und im 19. Jh. wieder aufgebaut. Herausragend sind die Wandmalereien des Meisters Sachari Sograf und die holzgeschnitzte Altarwand von Petar und Nikola. Die schönen Innenhöfe geben den Blick frei auf die Holzbalkone der Klosteranlage. Von hier gehen viele Zimmertüren ab, hinter einigen befinden sich auch Gästezimmer, (Eintritt ins Kloster frei, Fotografieren verboten). Unser zweiter Besichtigungsstopp ist die Stadt Lovetsch. Eine überdachte Brücke führt über den Fluss Ossam auf die andere Seite, in die Altstadt. Eine kopfsteingepflasterte Straße zieht sich den Berg hinauf, rechts und links säumen schöne „Wiedergeburtshäuser“ die Straße. Einige sind als Museen eingerichtet. Um die Mittagszeit (12 – 13Uhr) geschlossen, auch die kleine Kirche weiter oben hat Mittagsruhe. Wir kehren in ein altes Gasthaus ein und essen die traditionelle kalte „Joghurtsuppe“ und Omelett mit Schafskäse. Einschließlich Getränke zahlen wir nur 2,50 € pro Person. Bei diesen Preisen lässt schneller Service der Küche und Bedienung zu wünschen übrig. Wir hätten uns gerne etwas mehr Freundlichkeit gewünscht. Während Klaus und Horst mit Eddy zum Mobil zurückkehren, besichtigen wir anderen das Museum. Zwei Häuser sind im Stil von 1870 komplett eingerichtet und ein Museumsführer weiß auf Französisch so einiges zu berichten - sehenswert. Zurück auf der 4 biegen wir in Sevlievo auf die 44, südlich von Gabrovo befindet sich in schöner Natur an einem Fluss das Freilichtmuseum Etara. Wir kommen um 16 Uhr an und benötigen Wasser. Im WC-Häuschen am Platz gibt man uns gegen Bezahlung einige Kannen. Wir revanchieren uns bei der Dame mit einem Espresso und Keksen. Auf einmal ist sie ganz freundlich und spricht sogar etwas deutsch. Der Parkpatzwärter erzählt, dass es um Etara herum keinen Campingplatz gibt, aber für umgerechnet 2 € dürfen wir hier auf dem Platz übernachten.
Anmerkung: Ein kleines Lächeln, eine freundliche Geste, öffnen dir Herz und Tür.


   |   Tages KM: 198   |   GPS Nord: 42°48’08“   |   GPS Ost: 25°20’59“

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Freitag, 04.09. Etara

Um 8.30 Uhr öffnet das Freilichtmuseum. Wir besorgen uns eine Mappe. Die Lage der Häuser und ihr ursprüngliches Handwerk sind auf Deutsch erklärt. Im Erdgeschoss befinden sich die Werkstätten, im Obergeschoss die kleinen Wohnungen. Oft bestehen sie nur aus 2 Zimmern, Küche und Schlafzimmer. Es gibt Waschplätze für Teppiche und Trocken- Vorrichtungen für diese. Bäckereien, die frische Backwaren und Brot verkaufen, eine Kirche mit Schule im ersten Stock. Das besondere dieser Einraum-Schule: die erste Klasse schreibt die Buchstaben in den Sand, die 2. Klasse auf Schiefertafeln und die 3. und 4. Klasse mit dem Federkiel. 1957 besuchten die Kinder nur 4 Jahre die Schule. Hat das für das Leben gereicht? Ach die vielen anderen Gewerke werden gut dargestellt. Männer und Frauen zeigen anschaulich ihre Arbeiten. Gute 2 Stunden benötigen wir für den Rundgang. Auf unserer Weiterfahrt geht es über einen Pass, 1200m hoch. Bei einer Verkehrskontrolle werden wir raus gewunken. Man will unsere Tachoscheibe sehen. So etwas benötigen unsere Mobile nicht und nach einem Blick in die Papiere dürfen wir weiterfahren. Oben auf dem Pass befindet sich der gesuchte Campingplatz, nun brauchen wir keinen mehr. Ab dem Pass ist unsere Strasse gesperrt und wir müssen die alte Passstraße mit vielen, vielen Schlaglöchern benutzen. Die Städte sind meistens mit kyrillischer Schrift ausgeschildert. Wir vergleichen diese mit der Landkarte, unser Navi versagt in Bulgarien auf ganzer Linie und hat nur die wichtigsten Hauptstr. auf seinem Rechner. Dann schon wieder Vollsperrung einer Ortsdurchfahrt, wir müssen eine andere Strecke fahren. Zwei LKW aus Istanbul kennen den Weg und wir nehmen die Verfolgung auf. Es geht durch viele kleine Ortschaften, auf den Äckern ist die Sonnenblumen Ernte in vollem Gange. Schon bald stehen wir an der türkischen Grenze. Ohne große Kontrollen – nur einen Blick in die Heckgarage – ob wir dort einen Roller transportieren, passieren wir die Grenze. Geldtausch ist erst auf der nächsten Tankstelle möglich. Hier ist nichts los, denn wer von Bulgarien kommt hat dort noch günstig voll getankt. Die Tankstelle bietet sich als Übernachtungsplatz an, zumal der ehemalige Rast- und Übernachtungsplatz an der Grenze geschlossen wurde. Wir können alle Frischwasser bunkern und sinken völlig ermattet im Schatten (32°) einiger Bäume in unsere Campingstühle.
Erkenntnis des Tages: Wir wollten Wärme, aber 32° C im Schatten sind doch recht heftig.


   |   Tages KM: 206   |   GPS Nord: 41°42’22“   |   GPS Ost: 26°23’24“

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Samstag, 05.09. Grenze Edirne

Wir verabschieden uns vom Tankwart und bedanken uns für die Übernachtung – sie war gratis. Teschekür! Die Autobahn ab kurz vor Edirne bis Istanbul haben für uns allein, fast keine LKW und nur wenige Pkw. Guter Straßenbelag, unterwegs Sonnenblumenfelder, zum Teil abgeerntet und einige blühend. Das Getreide wurde auch schon geerntet und das Gras steht verdorrt am Rande der Autobahn. Peter versucht den ehemaligen Campingplatz „Londra Camping“ an der 100 anzusteuern. Wir haben Glück finden den Platz auf Anhieb. Es gibt zwar keinen regulären Camping mehr – aber am Rande des Sportplatzes und der neuen Gokart- Anlage können einige Mobile parken. Wir stellen uns zu den drei bereits anwesenden Mobilen, die Duschen und WC der Sportanlage dürfen mit benutzt werden. Auch Stromanschluss ist möglich. Um 13.30 Uhr machen wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Metro und Straßenbahn, auf den Weg in die Innenstadt von Istanbul. Da Morgen am Sonntag der „große Basar“ geschlossen hat, wollen wir ihn heute durchstreifen. Trotz Hitze ist eine große Anzahl von Touristen unterwegs. Wir achten immer wieder darauf, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren in dem Gedränge und Geschiebe. Schmuck, Keramik, Leder, Souvenir- Kitsch und Teppiche - jeder kann nach seinem Geschmack stöbern. Ein kleiner Kaffee schließt den Bummel im Basar ab. Dann lassen wir uns mit der Menge über Straßen und Einkaufsmöglichkeiten für Einheimische, zum Ägyptischen Basar (Gewürzbasar) treiben. Hier sind die verschiedenen Gewürze dekorativ aufgeschichtet - getrocknete Früchte, Lokum, Tee und Nüsse. Früher wurden Kostproben gereicht, heute sind die Verkäufer zurückhaltend. Merken sie, dass wir nichts zu kaufen beabsichtigen? Horst und Ulla fahren zu Eddy zurück, wir anderen durchstreifen noch einige Gassen. Trinken in unserem Lieblings- Hotel Kybele eine Erfrischung und zeigen Marianne und Klaus die Hotelräumlichkeiten mit den hunderten orientalischen Lampen. Auf dem Weg zur Straßenbahn kommen wir an riesigen „Menschenschlangen“ vorbei. Sie warten, das die preisgünstigen Restaurants (jedes Gericht 4,95 TL) öffnen. Jetzt im Ramadan dürfen Moslems erst nach Sonnenuntergang (im Moment 19.30 Uhr) essen. Mit Straßenbahn und Metro geht es wieder zurück zum Platz, wo uns Horst und Ulla schon erwarten. Wir wollen hier am Stellplatz im Restaurant zu Abend essen. Efes Bier, Adana Kebab, Salat und Beilagen lassen wir uns schmecken. Bis der Lärm auf der Kart- Bahn und den Sportplätzen verstummt, sitzen wir bei angenehmen Temperaturen vor den Mobilen und warten, dass es langsam abkühlt.
Mein Eindruck Istanbul 2009: Berstende Millionenstadt mit dem Hauch von 1001 Nacht.


   |   Tages KM: 239   |   GPS Nord: 40°59’26“   |   GPS Ost: 28°49’57“

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Sonntag, 06.09. Istanbul

Ulla, Horst, Marianne und Klaus werden bereits um 8 Uhr vor den Mobilen von ihrem Stadtführer Ali abgeholt. Ali will ihnen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Istanbul zeigen. (20 € für alle). Peter und ich starten etwas später, wir wollen mit dem Schiff einen Ausflug zu den Prinzeninseln unternehmen. Sie liegen etwa 20 km südlich der Stadt unweit der asiatischen Küste im Marmarameer. Die vier größeren werden mehrmals am Tag von Passagierschiffen angelaufen. Sie sind ein beliebtes Ausflugsziel der Istanbuler. Sie bieten Ruhe und Erholung, sandige Badestrände, traumhafte Pinienwälder und sehenswerte Klöster. Ab Kabatas (Endstation der Tram) nehmen wir ein Schiff. Als wir es besteigen, sind am Oberdeck nur noch Sonnenplätze frei. Natürlich haben wir die Schirmmützen nicht eingepackt – im Mobil liegen sie gut. Zwei Std. benötigt das Schiff. Nach vier Zwischenstopps legen wir an der größten Insel Büyükada an. Mit Pferdekutschen oder auf Fahrrädern kann man die Insel erkunden. Wir nehmen die Kutsche und starten zur großen Tour. Vorbei an schönen alten Holzhäusern und moderneren Steinhäusern und durch schattige Pinienwäldern geht es die Hügel hinauf. Ab und zu hält der Kutscher an, damit wir den Blick in türkisblaue Buchten mit Booten der „oberen zehntausend“ werfen können. In der Ferne grüßen die Türme von Sultan Ahmet und der Hagia Sophia. Auch die Dächer vom Top Kapi sehen wir bei diesem herrlichen Sommerwetter sehr gut. Eine kleine Stärkung in den unzähligen Cafes und wieder geht es mit dem Schiff zurück. Dieses Mal haben wir ein schattiges Plätzchen erwischt. Wir treffen uns mit dem Rest der Gruppe und schmausen hervorragend. Nur die Kellner sind sehr hektisch – sie erwarten in den nächsten 1 ½ Std. die Einheimischen zum Ramadanessen. Als wir wieder auf der Strasse stehen, sehen wir wieder überall die „Menschenschlangen“ vor den Billig-Lokalen stehen. Wir gehen noch auf ein Glas Bier ins Kybele Hotel und schlendern dann durch belebte Gassen zur Tram. Diese ist brechend voll – so nach und nach erhalten wir alle einen Sitzplatz. Beim Umsteige- Bahnhof müssen wir auf die Anschlussbahn warten. Mit einer jungen Frau (die Marianne und ich mutig englisch ansprechen) entwickelt sich ein nettes Gespräch. Eigentlich wollten wir nur wissen, warum ihr Kopftuch so einen markanten Hinterkopf macht. Sie klärt uns auf: bei ihr sind es die Haare. Die jungen Türkinnen aber arbeiten mit Hilfsmitteln. Die junge Frau kommt aus dem Irak und arbeitet in Istanbul als Übersetzerin. Das Gespräch führen wir in Englisch und als die Metro einfährt, steigen wir mit ihr ins gleiche Abteil. Wir reden über Frauen und Familie im Irak, Religion und die Türkei. Schnell ist unser Zielbahnhof erreicht. Auch sie steigt hier aus. Sie möchte, dass wir sie anrufen, wenn wir wieder in Istanbul sind und schreibt uns ihre Handynummer auf. Nun erfahren wir ihren Namen: Fatma. Sie unterstützt mit ihrem Verdienst in Bagdad 5 Brüder, 6 Schwestern und den Vater. Ein Bruder und ihre Mutter sind Opfer des Krieges im Irak. Herzlich verabschieden wir uns von Fatma. Vielleicht sieht man sich wieder? – Inschallah.
Erlebnis des Tages: Mut haben und fremde Personen ansprechen – so erfährt man vieles über andere Menschen und ihr Leben.


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Montag, 07.09. Istanbul

Heute dürfen alle ausschlafen, oder andere wichtige Arbeiten verrichten. Wir bringen unseren Reisebericht auf „Vordermann“ und Peter stellt ihn ins Internet. Im Cafe der Kart–Bahn ist Wifi gratis. Gegen 11 Uhr starten wir mit Klaus und Marianne in die „Neustadt“ zur Istiklal Caddesi. Auf der einstigen Prachtstrasse verkehrt als einziges Verkehrsmittel eine Nostalgie-Straßenbahn. Wir erreichen diese Straße mit der „Tünel- Bahn“. Diese Standseilbahn legt die steilen 600m in nur 2 Min. zurück, so ersparen wir uns den schweißtreibenden Aufstieg. In der Istiklal Caddesi ist um die Mittagszeit noch wenig Touristenrummel. Moderne Boutiquen und Parfümerien, Cafes und Lokantas warten auf Gäste. Um die Mittagszeit verspüren auch wir Hunger und gehen in einen Pide-Salon. Pizzateig gefüllt mit Schafskäse, Hack, Ei und ein Erfrischungsgetränk lassen wir uns servieren. Umgerechnet 2 € kostet uns pro Pers. der Imbiss – wie ist das alles möglich? Zu Fuß laufen wir Richtung Galatabrücke. Auch heute sind die Angler emsig dabei Fische zu fangen. Wir schauen in die Eimer, ihr Fang ist winzig klein. Peter und ich durchstreifen nochmals den Gewürzbasar, Marianne und Klaus wollen noch in die blaue Moschee. Alle zusammen wollen wir um 17.30 Uhr ins türk. Bad – ins Hamam. Der berühmte Baumeister Sinan hat 1584 das Gemberlitas Hamami erbaut, eines der schönsten türk. Bäder. Gut 2 Std. sind für den Besuch eines Hamam einzuplanen. In dem Schwitzbad wird die Tradition röm. Thermen mit dem Reinheitsgebot des Islam verbunden. Männer und Frauen baden niemals gemeinsam. Wir Frauen werden von einer Badefrau (Natir) eingewiesen. In den Umkleidekabinen legen wir eine Art dünnes Handtuch (Pestemal) um. Dann geht es zum Vorreinigen ins Dampfbad. Geschwitzt wird auf dem Göbektasi, einem großen runden Liegeplatz mit geheiztem Marmor. Um ihn herum kann man sich waschen, frottieren und gegen Aufpreis massieren lassen. Wir haben die traditionelle Massage gebucht (55 TL), waschen und Seifenmassage. Nach gut einer Stunde treffen wir unsere Männer im Vorraum. Sie sind zufrieden mit dem Hamam-Besuch. Ulla und ich stellen fest, dass von Jahr zu Jahr der Service schlechter wird. Sogar für den obligatorischen Tee müssen wir bezahlen. Kurz bevor wir das Hamam verlassen, spricht mich eine Holländerin an. „Wie es im Hammam war“ will sie wissen. Und ob ich ihr und ihren Freundinnen, die neugierig zu uns herüberschauen, davon berichten kann? Also nehme ich mir etwas Zeit und „kläre“ sie auf. Das sie keinen zweiten Slip (einer wird für das Hamam benötigt) dabei haben – tue ich mit einem Achselzucken ab – Wieso? Es weiß doch niemand, dass sie auf der Rückfahrt ins Hotel keinen anhaben!
Tipp fürs Hammam: Schließe die Augen und genieße.


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Dienstag, 08.09. Istanbul

Heftiges Gewitter in den Vormittagsstunden, der Regen prasselt unaufhörlich auf unser Mobildach. Gegen Mittag wird es uns zu bunt und wir brechen in die Innenstadt auf. Ulla und Horst begleiten uns in den Großen Basar. Täglich strömen über ½ Million Besucher durch den Basar. Viele Kreuzfahrtschiffe sorgen für kaufkräftige Kundschaft. Marianne und Klaus wollen mit dem 3. Anlauf in die blaue Moschee. Bevor wir im Basar verschwinden, stärken wir uns in einem Köfte Salon. Der Salon ist sehr einfach eingerichtet und um uns sitzen und essen nur Einheimische. Man serviert uns kleine Frikadellen (Köfte) vom Grill. Im Basar trennen sich unsere Wege. Wir wollen in den Schmuckgeschäften nach Ohrringen für meine Mutter Ausschau halten und noch ein paar Mitbringsel für die Familie einkaufen. Ulla und Horst wollen sich nur „treiben“ lassen. Vom vielen Schauen in die Auslagen der Juweliere bekomme ich Kopfschmerzen – so ein Flimmern und Glitzern all der Ringe, Ketten und Anhänger! Nur was ich suche ist nicht dabei. Fast habe ich aufgegeben, da werden wir noch fündig – und der Preis stimmt auch. Die Straßen um den Basar bieten viele preiswerte Waren an. So kosten z. Bsp. die getrockneten Aprikosen nur die Hälfte, im Vergleich zum Basar. Im feudalen Hamdi- Restaurant, im 3. Stock mit Blick auf die Galatabrücke und Galataturm, trinken wir auf die Schnelle einen Cappuccino. Mit den Toiletten ist das in Istanbul so ein leidiges Problem. Viele kleine Cafes besitzen überhaupt keines. Wieder stopfen wir uns in die volle Straßenbahn, auch um 16 Uhr gibt es ein Gedränge. Nach einer kleinen Pause am Platz marschieren wir alle gemeinsam los zu einem letzten Abendessen in Istanbul. Morgen wollen wir sehr früh (7 Uhr), wenn der Berufsverkehr noch nicht so stark ist, weiterreisen. Da müssen einige wohl ein bisschen schneller schlafen. Das kleine Restaurant serviert uns Pide und Sis Kebab – alle sind zufrieden. Nur ein Bier zum Essen wäre schön! Nicht alle Restaurants haben eine Genehmigung alkoholische Getränke auszuschenken. Abends verschwinden wir alle zeitig in die Mobile – es fängt wieder an zu regnen und morgen heißt es: zeitig aufstehen.
Einkaufen und Souvenirs: In den Basaren schlägt das Herz von Istanbul.


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Mittwoch, 09.09. Istanbul

Am frühen Morgen geht wieder ein heftiges Gewitter mit starken Regenfällen über uns hernieder. Es war schon ein guter Vorschlag von Peter, die Stadt frühmorgens um 7 Uhr zu verlassen. Die Autobahn 0-4 Richtung Ankara ist noch gut zu befahren - bemerkenswert die mittlere abgetrennte Busfahrspur. So können die Busse ungehindert fahren und Personen über Brücken gefahrlos zu den Bahnsteigen gelangen. Auch die Busse, so können wir beobachten, sind noch leer. Wir passieren das Goldene Horn und die Bosporusbrücke. Nun sind wir im asiatischen Teil der Türkei. An der Brücke ist Maut fällig. Nur ein Kassenhäuschen hat den Hinweis: Cash – aber auch hier sitzt niemand. Knopfdruck am Automaten – es passiert nichts, keine Person eilt uns zu Hilfe. Wir fahren bis zur offenstehenden Schranke, es piept laut und ein rotes Ampelkreuz zeigt an - irgendetwas stimmt nicht! Weil immer noch niemand kommt, fahren wir durch die Schranke und Horst und Klaus folgen mit ihren Mobilen. Wir alle rätseln über Funk, was war das nun? Horst meint: „Gleich werden wir festgenommen“. Ich: „das ist türkische Gastfreundschaft“. Die mautpflichtige Autobahn führt uns durch Industrievorstädte. Das erste Stück der Autobahn weist lange, flache aber fruchtbare Landschaft auf. Dann langsam kommen die Berge, wir kommen gut bis auf 1300m Höhe. Rechts von Bolu liegt eines der Skigebiete der Türkei. Nach Gerede verlassen wir die Autobahn, nun geht es auf der 100 weiter (breit ausgebaut). Schon bald erreichen wir ein gutes Picknickplätzchen. Hier gibt es „Armenspeisung“ für uns alle: „Currywurst“. Ulla und Horst haben uns die Menschenschlangen in Istanbul erklärt. Über einen Deutschtürken haben sie in Erfahrung gebracht, dass es sich um eine kostenlose Speisung handelt. Reiche Istanbuler spenden, jeweils für einen Abend, in der Ramadanzeit, das Essen für „Arme“. Es wird aber nicht kontrolliert, anstellen kann sich jeder – ob Mann, Frau oder Kind. Schon bald erreichen wir unser heutiges Ziel Safranbolu. Der Name stammt von riesigen Safranfeldern, von denen die Stadt im 19. Jh. umgeben war. Der Ort ist ein wahres Freilichtmuseum – ein kleines „Rothenburg“. Die traditionelle Baukunst wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Just als wir vom Parkplatz, auf dem wir auch übernachten können, losmarschieren wollen, geht wieder ein heftiges Gewitter nieder. Der Wolkenbruch ergießt sich in wahren Sturzbächen. Als wir wenig später durch den Ort gehen, strömt noch immer das Wasser die Hangstraßen über das Kopfsteinpflaster hinab. Wir bekommen einen ersten Eindruck und nasse Füße.
Erkenntnis des Tages: Rund um uns geht die Welt unter und wir kriegen nichts mit! (Angehörige rufen uns an und fragen nach ob wir noch leben?)


   |   Tages KM: 425   |   GPS Nord: 32°41’34“   |   GPS Ost: 41°14’51“

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Donnerstag,10.09. Safranbolu

Früh weckt uns der Muezzin, aber wir dürfen uns im Bett noch einmal umdrehen. Erst um 9 Uhr wollen wir unsere Besichtigungstour beginnen. Der Regen hat aufgehört, aber die Moschee hat noch geschlossen. In das Ginci Hamami und die Cinci Hani (heute Hotel) dürfen wir einen Blick hinein werfen. Bemerkenswert sind die vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser – Konaks (osmanische Stadthäuser 18. bis 19. Jh. aus der gehobenen Oberschicht). Die von Gärten umgebenen Villen bestehen aus 2 Stockwerken. Je nach Größe hatten sie 6 -12 Zimmer. Die Frauen- und Männergemächer waren streng getrennt. Einige dieser Konaks sind heute als Museum zu besichtigen. Auch wir schauen uns so ein Haus im osmanischen Stil ausführlich an. Safranbolu lag an der einst bedeutenden Handelsroute von Zentralanatolien zum Schwarze Meer, das erklärt die prächtigen Villen. Auch wenn es beschwerlich ist, über die holprigen Pflastergassen stetig bergauf und bergab zu laufen, ist dieser Ort unbedingt einen Besuch wert. Am späten Vormittag fahren wir weiter durch gebirgige Landschaft, gesäumt von Wäldern, grünen Wiesen und netten Häusern nach Amasra ans Schwarze Meer. Nicht nur Türken schätzen Amasra aufgrund seiner Lage als Ferienziel. Das kleine, auf einer Halbinsel gelegene Zentrum, wird im Osten und Westen durch einen Hafen begrenzt. Wir parken im kleinen Hafen „Kücük Liman“ und dürfen hier auch über Nacht stehen. Zu Fuß erkunden wir den Ort, Hafen und alte Burganlage. Von unserem traumhaften Stellplatz können wir den Sonnenuntergang auf dem Meer beobachten, um 20 Uhr ist es bereits stockdunkel.
Erkenntnis des Tages: Hier ist die Saison vorbei, alles wirkt verlassen und beschaulich!


   |   Tages KM: 93   |   GPS Nord: 32°22’55“   |   GPS Ost: 41°44’52“

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Freitag, 11.09. Amasra

Dieses schöne Plätzchen wird am Abend von Liebespaaren und anderen Personen, die für sich sein wollen, mit dem Pkw aufgesucht. Dabei hören sie laut ihre Lieblingsmusik und bemerken nicht, dass wir uns im Schlaf gestört fühlen. Morgens beim Frühstück tauschen wir uns aus. Horst hat man die türkische Fahne vom Auto entwendet. Klaus und ich haben morgens um 3 Uhr laute Trommeln gehört. Die anderen schliefen tief und fest. Der heutige Straßenabschnitt von ca. 140 km soll zu den schlechtesten Straßen mit den schönsten Ausblicken auf das Meer zählen. Gleich nach Amasra windet sich die Straße ins Gebirge – hinauf und hinab. Durch kleine Orte an der Küste, schmal – so das wir mal so eben an Bussen vorbeikommen. Die Sonne lacht vom Himmel und versteckte Badebuchten – oft kaum erreichbar – liegen menschenleer. Die angekündigte schlechte Wegstrecke erweist sich doch als sehr gut befahrbare Strasse. Trotzdem ist es nicht möglich, durch die vielen Kurven und Steigungen, mehr als 30 km in der Stunde zurückzulegen. Unser heutiges Ziel ist Doganyurt, ein kleiner Ort mit 1300 Einw. An der Hafenpromenade ist ein Picknickplatz eingerichtet, auf dem wir unsere Mobile aufstellen dürfen. Wir kommen sogleich mit türk. Frauen ins Gespräch, sie sitzen im Schatten und umhäkeln aufwändig Kopftücher. Wenig später kommt ihre Freundin hinzu. Sie spricht sehr gut deutsch. 16 Jahre lebte und arbeitete sie mit ihrem Mann in Bochum. Obwohl sie schon seit 25 Jahren wieder zurück in der Türkei ist, und kaum Möglichkeiten hat deutsch zu sprechen, verstehen Marianne und ich sie perfekt. Ein Bad im Schwarzen Meer erfrischt uns alle ungemein und unsere „Privat-Terrassen“ haben alle Meerblick. Einstimmig stellen wir fest: ein schöner Stellplatz! Die Frauen haben inzwischen Gesellschaft von Melthas Ehemann bekommen. Sie sitzen alle im schattigen Picknickhäuschen in Mobilnähe. Wir besuchen sie nochmals (alle), zeigen Bilder von den Enkelkindern. Sie sind entzückt – haben sie doch auch Enkelkinder und die auf ihren Handys jederzeit präsent. Sie sind neugierig und möchten gerne unser Auto besichtigen, so folgt eine kleine Führung. Wir reden über Einkaufen und sie empfehlen einen Supermarkt im nahen Ort, auch ist heute Nachmittag Wochenmarkt. Wir ziehen alle gemeinsam los. Kaufen für keine 5 €, Mengen an Gemüse und Obst. Fast jedes Gemüse kostet umgerechnet 1 TL (umgerechnet ca. 50 Cent). Zurück am Platz können wir bei einbrechender Dunkelheit das Auslaufen der Fischerboote beobachten. Vielleicht haben sie einen guten Fang und wir können morgen frischen Fisch kaufen.
Feststellung des Tages: Wenn Klaus und ich nachts nochmals Trommeln hören, stehen wir auf, ziehen los und trommeln mit.


   |   Tages KM: 142   |   GPS Nord: 42°00’32“   |   GPS Ost: 33°27’28“

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Samstag, 12.09. Doganyurt

Ruhetag: Wäschewaschen, Fischeinkauf, Hausarbeit, baden und in der Sonne faulenzen. Ich backe Apfelstrudel für alle. Direkt vor unserer Sonnenterrasse holen Fischer mühsam ihr Netz ein. Leider lohnt sich der Fang kaum - nur kleine Fische und fast alle werfen sie wieder zurück ins Meer. Am Nachmittag kommt die „Deutschtürkin“ nochmals vorbei. Sie schenkt uns Haselnüsse und hat Verwandte mitgebracht, die gerne unser Mobil von innen betrachten wollen. Für den ganzen Ort scheinen wir drei Mobile die Haupt-Attraktion zu sein. Viele Personen schlendern vorbei. Ältere Herren und Jugendliche sprechen uns auf deutsch und englisch an. Was mich verwundert, Personen um die 30 beherrschen keine Fremdsprache. Sie sind gut gekleidet, fahren Auto – Verständigung mit uns 0 – Schade! Der Himmel bedeckt sich, grelle Blitze zucken über uns, Donnergrollen erschalt über den Berghängen und lässt die Erde erbeben. Gott sei Dank haben wir die Picknickhütten. In diesen decken wir den Tisch und die Männer grillen den Fisch. Sehr schmackhaft, aber mit vielen kleinen Gräten. Die Überreste fressen gierig die herumstreunenden Hunde.
Erlebnis des Tages: Ein Polizist spielt mit Eddy und ist charmant zu Ulla. Zum Schluss möchte er ein Foto mit dem Handy machen. Mit Ulla – Eddy ist Nebensache – so ein Schlingel!


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Sonntag, 13.09. Doganyurt

Abreise. Bis Inebolu ist die Strasse gebirgig. Holzhäuser mit schweren Schieferplattendächern muten an, man wäre in der Schweiz. Kühe weiden am Straßenrand und manchmal müssen wir urplötzlich bremsen, weil nach einer Kurve eine Kuh auf der Strasse steht. Es regnet, nun sehen die kleinen Orte die wir passieren düster aus. Immer geht unsere Strasse (010) unweit am Meer entlang. Hier machen viele „Deutschtürken“ Sommerferien, sind doch diese Badeorte noch nicht so überlaufen wie die am Mittelmeer. Auch haben viele Einheimische, aus den Großstädten Istanbul und Ankara, hier ihre Ferienwohnungen. Es gibt aber auch Schattenseiten auf dieser Strecke: vermüllte Parkplätze. Den Hang hinunter zum Meer liegen entsorgte Badezimmereinrichtungen und dazu noch was sonst noch so entsorgt werden musste. Schade! Einen Kilometer außerhalb von Sinop liegt am Meer der kleine Campingplatz Öztürkler. Wir sind die einzigen Gäste. Schon bald ziehen wir los das Sehenswerte zu besichtigen: die Befestigungsanlagen, das alte türk. Bad, den Uhrturm, den Hafen, die Moschee und die Medrese. Auf unserem Weg dorthin kommen wir am Gefängnismuseum vorbei. Das Museum erschüttert durch seine Authentizität, da seit seiner Aufgabe 1999 so gut wie nichts verändert wurde. Große Räume, vergittert und mit Maschendraht in den Fenstern. Wie viele Häftlinge mögen in so einem Raum, in einer Nische ein Stehklo, „gehaust“ haben? Verzweifelt? Wie mag das Essen und die Behandlung gewesen sein? Schlimmer noch sind die „Disiplin hücreleri“ Disziplinzellen, die fensterlosen Kerker, die speziell für kriminelle Jugendliche konzipiert waren. Bei diesen Gedanken läuft es mir eiskalt den Rücken runter – ich war noch nie in einem zeitnahen Gefängnis zu Besuch.
Wie Schön: Klaus weiß zu berichten – Norddeutschland 11° C, wir sitzen bei sommerlichen Temperaturen 23°C noch spät abends draußen beieinander.


   |   Tages KM: 182   |   GPS Nord: 42°01’02“   |   GPS Ost: 35°07’44“

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Montag, 14.09. Sinop

Peter berichtet am Morgen: um 3 Uhr Trommeln (und ich habe tief und fest geschlafen) um 4 Uhr ruft der Muezzin, um 5.30 Uhr geht der Kühlschrank auf Störung. Zu viert genießen wir ein frühes Bad im Meer. Es ist angenehm warm, nach ein wenig Überwindung. Auch hier scheint die Badesaison für die Einheimischen vorbei zu sein. Heutiges Ziel ist Samsun. Die ersten 30 Km ist es noch ordentlich gebirgig, dann kommen wir in eine Ebene. Uns fallen die vielen Tabakfelder auf. An den Hauswänden und unter Zeltplanen trocknen die geernteten Blätter. Eine bekannte türk. Zigarettenmarke ist nach der Stadt Samsun benannt. Vor Bafra, auf einer Halbinsel, ist ein großes Biotop. Viele seltene Vogelarten brüten hier. Je näher wir der Großstadt Samsun kommen, je mehr hohe Wohngebäude säumen die Strasse. Der Verkehr wird immer dichter. Wir beabsichtigen in Samsun in Zentrumsnähe zu parken um uns die Stadt anzusehen. In der größten Stadt am Schwarzen Meer geht es lebhaft zu. Mustafa Kemal Atatürk ist hier allgegenwärtig. Am 19.5.1919 rief er von hier zum Widerstand gegen die Besatzer auf, der Anfang des türk. Befreiungskampfes. Als die Republik Türkei am 29.10. 1923 ausgerufen wurde, war er der erste Präsident und Ankara wurde Hauptstadt. Er reformierte das Land von Grund auf, sein Ziel war eine moderne Demokratie nach westlichem Vorbild zu schaffen. Hinter der Uferpromenade, dem kleinen Park und Tiergarten, gibt es einen großzügigen Parkplatz. Hier stellen wir unsere Mobile ab. Zu Fuß wandern wir ins Zentrum. Einkaufsstraßen, mobile Verkaufsstände, Personen (hier wieder überwiegend modern gekleidet) sind mit Besorgungen beschäftigt. Auch wir stürzen uns ins Getümmel. Schon bald trennen sich unsere Wege, die Interessen sind zu unterschiedlich. Peter und ich kehren noch in ein „Simit Center“ ein. Ein modernes SB- Cafe mit: Tee, Kaffee und vielen Leckereien. Obwohl noch immer Ramadan ist, essen und trinken sehr viele Einheimische im Cafe. Die moderne Stadt hat Parks, Spielplätze und Cafes in Ufernähe eingerichtet – Entspannungsmöglichkeiten für „Jedermann“. Am Abend spazieren wir alle nochmals los. Über die Uferpromenade bis zum Museumsschiff Atatürk, einer Ausstellung unter „freiem Himmel“ und in den gedeckten modernen Basar.
Erkenntnis des Tages: Auch in der Türkei finden Liebespaare Wege und Möglichkeiten sich zu treffen. (notfalls nachts zwischen 2 Mobilen)


   |   Tages KM: 168   |   GPS Nord: 41°16’56“   |   GPS Ost: 36°20’57“

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Dienstag, 15.09. Samsun

Der inzwischen dreispurig (je Richtung) ausgebaute Highway nach Trabzon verhindert den freien Blick aufs Meer. Ünje und Ordu sind nette Städtchen, die fast den Eindruck erwecken man wäre in Italien. Doch wir wollen heute in Giresun einen Campingplatz finden. Im Schwarzen Meer baden und 2 Tage relaxen. Doch es kommt anders. Die Campingplätze sind überhaupt nicht zu finden. Gefrustet machen wir erst einmal eine Mittagsrast und beratschlagen gemeinsam. Inzwischen ist ein deutschsprachiger Türke zu Ulla ans Mobil getreten. Sie berichtet ihm von unserer Campingplatzsuche und er nennt einen bei dem Ort Besikdüzil. Wir folgen dem Hinweis Plaje vor dem Ort und landen auf dem Parkplatz einer Badebucht mit modernem Schwimmbad. Das Parken und Übernachten sollen 10 TL kosten. Wir sind außer den 3 Angestellten auch hier die einzigen Gäste. Privatparkplatz und Privatstrand nur für uns alleine. Hier können wir es ohne weiteres 2 Tage aushalten. Mit Tisch und Stühlen machen wir es uns vor den Mobilen bequem. Lesen in der warmen Sonne Reiselektüre, baden in der Brandung und müssen leider am Abend unter dem überdachten Picknickplatz sitzen, denn es fängt urplötzlich an zu regnen.
Feststellung des Tages: mit den Vorausplanungen ist das so eine Sache – man muss flexibel sein!


   |   Tages KM: 280   |   GPS Nord: 41°04'21"   |   GPS Ost: 39°11'58"

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Mittwoch, 16.09. Besikdüzil

Himmel verhangen – es sieht nach Regen aus. Den Ruhetag heben wir uns für später auf. Am späten Vormittag fahren wir die knapp 50 km nach Trabzon. Ein Omnibusparkplatz (hier parken auch Pkw) in Basarnähe hat noch genügend freie Plätze gegen Bezahlung. Das Gemüse, Obst und Fische (Forellen) laden zum Kaufen ein. In der großen Markthalle haben neben „Profiständen“ auch die Bauern aus dem Umland ihre Waren ausgebreitet. Wir tragen bereits schwer an den Einkäufen, (immer geraten wir in einen Kaufrausch bei diesem frischem Obst und Gemüse) als uns einfällt, dass wir noch eine Bank zwecks Geldumtausch benötigen. Ein Händler schickt uns mit franz. Anweisungen auf den Weg. Natürlich hat er mal wieder die Begriffe re. und li. verwechselt. Wären wir seiner Handbeschreibung gefolgt, dann wären wir nicht so ins Schwitzen geraten, um 12.30 Uhr schließen die Banken. Pünktlich zum Glockenschlag - stehen wir um 12.30 Uhr im Schalterraum. Zuerst will man kein Geld tauschen, dann erklären sie sich doch bereit. Ich muss meinen Ausweis rüberreichen, aber der Computer will und will die Abrechnung nicht starten. Eine Bankangestellte ist bereit uns zu einer Wechselstube zu führen und das ist: ein Juweliergeschäft. Dieses hat aber nur Bargeld in Höhe von 300 € vorrätig – Klaus geht leer aus. Wir suchen weiter und finden eine Wechselstube. Bald hat auch Klaus genügend türk. Lira in den Taschen. Die anderen sind inzwischen zu ihren Mobilen zurückgegangen. Die Männer schicken wir noch einmal los, frische Forellen zu kaufen – die wollen wir am Abend auf den Grill packen. Auf meinen Wunsch soll es nun in den russischen Basar gehen. Angestrengt verfolge ich auf dem Stadtplan die Strasse – es wird nicht leicht sein, für 3 Mobile genügend Parkraum zu finden. Schwupps, sind wir zu weit gefahren und umkehren wollen wir auch nicht. Unser heutiges Ziel ist das nicht weit entfernte Sumela Kloster. Auf dem Weg dorthin soll es einige kl. Campingplätze geben. Den, den wir ansteuern, der liegt in aller Einsamkeit – der Weg ist für „Dickschiffe“ recht schmal. Aber Ayse vom Campingplatz lässt über den Übernachtungsplatz-Preis mit sich handeln und aus ihrer Forellen-Fischzucht brät sie uns zum Abendessen leckere Forellen. Im kleinen Familien-Restaurant serviert sie uns das Essen. Die Forellen sind sehr schmackhaft, aber für unseren Hunger ein wenig zu klein. Auch hier gibt es eine Forellenzucht, das Wasser fließt unaufhörlich aus dem nahen Bach in die Becken. Wie soll ich bei diesem Bachrauschen schlafen können? Peter und Klaus versuchen mit ihren Laptops ins Internet zu kommen. Nach einigem Kopfzerbrechen gelingt es – nun ist Spätschicht angesagt.
Erkenntnis des Tages: Unvermutet gibt es selbst in abgelegenen Orten die Möglichkeit über Internet mit der übrigen Welt in Kontakt zu kommen.


   |   Tages KM: 89   |   GPS Nord: 40°45'47   |   GPS Ost: 39°35'58

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Donnerstag, 17.09. Sumela S Camping

Sumelakloster – die letzten 20 Jahre haben eine Menge bewirkt. Der 1 km schweißtreibende Aufstieg ist jetzt über gepflasterte Stufenwege zu begehen. Kleine Mobile und Pkw können sogar bis zu einem Parkplatz (wenige 100m vom Eingang entfernt) hinauffahren. Die Ruinen sind inzwischen überdacht, die Kammern der Mönche renoviert und die schöne Klosterkirche, mit ihren biblischen Bemalungen, wird durch einen Museumswärter vor weiteren Beschmierungen geschützt. Die Ortschaften die wir nun durchfahren, liegen an der alten Handelsroute von Anatolien nach Persien. Viele Burgen bezeugen das. Schon bald kommen die ersten Pässe. Vor Torul kommen wir auf 1800 m Höhe. Das Mobil von Klaus „zittert“ bei den Steigungen - Höhenangst? Wieder unten, durchfahren wir ein grünes Tal. Äpfel, Birnen und Pflaumen werden am Straßenrand zum Kauf angeboten. Die Bohnenernte ist in vollem Gang, Kühe weiden auf Berghängen. Wieder geht es an endlosen Baustellen vorbei, bergan zum nächsten 2400 m hohen Pass. Es ist bereits 16.00 Uhr und es wird Zeit, einen Platz zum Grillen der Forellen und für die Nacht zu finden. Als wir beim Pass parken, empfängt uns ein eisiger Wind und wir haben nur noch 12° C. Abstimmung: hier bleiben oder weiterfahren ins Tal? Wir fahren weiter und werden mit einem grandiosen Ausblick belohnt. In der Abendsonne breitet sich vor uns eine gigantische Gebirgslandschaft aus. Die kahlen Berge leuchten in allen Schattierungen und ganz hinten ist eine Ortschaft zu sehen. Ich fühle mich um 2000 Jahre zurückversetzt. So muss es gewesen sein, als die Jünger Jesus herumzogen und das Evangelium verbreiteten. Wenn mein Blick wieder die Strasse trifft, werde ich eines besseren belehrt: Lkw kriechen den Berg hinunter – Pkw überholen riskant. Die Strasse ist fast so glatt und breit wie eine Autobahn. Auf 1600 m Höhe finden wir, an einem Fluss gelegen, einen Stellplatz für die Nacht. Im Freien grillen wir die Forellen und zum Essen benötigen wir bereits dicke Jacken – es kühlt merklich ab.
Wissenswertes: das Sumela- Kloster, hoch in den Felsen des Mela Berges südöstlich von Trabzon, gründeten im 4.Jh. griech. Mönche. Die Legende sagt, dass sie von einer Marienikone hierher geleitet wurden. Das Kloster war mir Fresken ausgemalt und wurde in Kriegen schwer beschädigt. Seit Jahren wird es umfassend renoviert.


   |   Tages KM: 240   |   GPS Nord: 39°34’33“   |   GPS Ost: 40°34’33“

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Freitag, 18.09. 70 km vor Erzurum

Die Nacht war ruhig, aber sehr kalt. Am Morgen haben wir nur +1° C. Wir müssen zum ersten Mal heizen. In der Nacht brauchten wir nicht die Tel. Nr. 156 der Jandarma anzurufen. Zwei junge Männer der Jandarma kamen zu unserem Stellplatz, kurz nachdem wir gestern einparkten. Einer sprach etwas englisch. Wir fragten: „dürfen wir hier übernachten oder ist es ein Problem“? Er antwortet: „kein Problem, aber abends die Türen abschließen – es könnten vielleicht einige Personen hier herumlaufen“. Wenn es Probleme gäbe, die Nr. 156 der Jandarma wählen. Sie verabschieden sich höflich, wobei sie nur den Männern die Hand reichen.
Bald erreichen wir Erzurum, 1900 m hoch. Im Winter Temperaturen bis – 40° C und in den kurzen Sommern sehr heiß. Nach Konya ist Erzurum eine der gläubigsten Städte der Türkei. Wir haben Glück, gleich neben den wichtigsten Sehenswürdigkeiten finden wir einen kostenlosen Parkplatz. Auf unserem Besichtigungsprogramm stehen die Moschee, Medrese, Türbe und Zitadelle. Heute ist hier auch Markttag. Ein deutschsprachiger Türke zeigt und erklärt uns die wichtigsten alten Gebäude. Zum Schluss werfen wir natürlich noch einen Blick in seinen Teppichladen. Aufgefallen sind uns die einfachen Ziegenhaarteppiche. Frauen arbeiten in langen Wintermonaten an so einem Stück eine Woche, er soll 15 € kosten. Der Muezzin ruft gerade zum wichtigen Freitagsgebet als wir die Stadt verlassen. Wegen des Marktes müssen wir eine Umleitung fahren. Wir folgen 2 Kleinbussen durch das enge Strassengewirr. Personenwagen werden hektisch in 2. Reihe abgestellt – schnell Besorgungen erledigen. Alle sind in Eile - heute am Freitag, dem eigentlichen Feiertag der Moslems. Ab Horasan trennt sich unsere Gruppe. Wir, mit Ulla und Horst, fahren nach Kars. Marianne und Klaus über Agri nach Dogubayazit, dort wollen wir uns Morgen wieder treffen. Unsere Tour führt uns durch eine schöne Gebirgslandschaft, auf den Hochplateaus wächst Gras und Hafer – riesige Felder. Die Bauern sind bei der Ernte, dreschen – viele sind mit Pferd und Wagen unterwegs. In den kleinen Orten lagert an jedem Haus der Brennstoff für den langen Winter – Kuhdungfladen, aufgeschichtet zu riesigen Türmen. Heuhaufen, abgedeckt gegen Nässe. Kuhherden, mit mehr als 100 Tieren, werden von Hirten über die Felder getrieben. Manchmal auch durch einen Fluss – ist heute Badetag für Kühe? Gänse und Entengruppen watscheln über die Strasse – wir verspüren Lust auf Entenbraten. Um 16 Uhr erreichen wir Ani. Einstige Hauptstadt von Armenien. Hier lebten vor über 1000 Jahren 100 000 Menschen. Heute sind noch die Stadtmauer mit ihren vielen Toren, 9 Kirchen, 1 Kloster und die Zitadelle zu besichtigen. Nach dem großen Erdbeben (vor rund 1000 Jahren) stehen allerdings nicht mehr viele Steine aufeinander. In der Kathedrale hören wir eine kleine Gesangsprobe. Eine Opernsängerin aus Istanbul singt inbrünstig – auch wir hören andächtig zu. Nach rauschendem Beifall aller Gruppen singt sie noch eine Zugabe. Um 18 Uhr schließt die Anlage. Wir übernachten direkt vor dem Gelände auf dem Parkplatz.
Nachts: Blicke in einen strahlenden Sternenhimmel und bemerke wie klein wir Menschen unter diesem sind!


   |   Tages KM: 323   |   GPS Nord: 40°30’44“   |   GPS Ost: 43°34’19“

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Samstag, 19.09. Ani

Schon morgens ziehen die Rinderherden durch das Dorf. Als wir durch den Ort fahren, sitzen bereits einige ältere Männer am Straßenrand. Tagsüber gehört das Haus den Frauen. „ungestört“ können sie ihre Hausarbeit verrichten und sich mit Freundinnen auf ein Schwätzchen treffen. Wir parken in Kars, die Stadt erkunden und einige Einkäufe fürs Wochenende erledigen. Kars (bedeutet Schnee) liegt 1770 m hoch. Der Ort entstand während der russ. Besatzung 1877. Die von grauen Steinhäusern gesäumten Strassen spiegeln das bis heute diese Zeit wieder. Berühmt ist Kars allerdings für seine Käsereien und Honig. Über allem thront die Zitadelle, von 100 000 Mann in 58 Tagen erbaut - so sagt man. Eine alte Kirche, jetzt Moschee, ist noch sehenswert. Heute ist hier Markttag. Die Strassen sind übervoll von Menschen. Morgen, am Sonntag 20.9, ist Bayram und Ramdan–Fastenende. Diese Feste werden (wie bei uns Weihnachten) mit gutem Essen und Geschenken für die Kinder gefeiert. Unsere Straße (070) führt entlang der armenischen Grenze. Gebirgsketten und Weiden mit Kuhherden. Es schließt sich ein Tal an, mit vielen Obstplantagen – Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Aprikosen. Auch wir halten an. Ich möchte 5 Pfirsiche kaufen – der Verkäufer schüttelt den Kopf. Hier gibt es Pfirsiche nur Kistenweise und für meine Pfirsiche will er kein Geld – auch nicht aufgedrängt. Das letzte Stück bis Dogubayazit (unserem heutigen Ziel) ist eine sehr schlechte Wegstrecke. Wir fahren durch ca. 10 km Baustelle, Schotterpiste der übelsten Sorte. Von Horst und Ulla ist in der Staubwolke nichts mehr zu sehen. Wenn die Piste aber demnächst asphaltiert ist, ist sie gut wie eine Autobahn. In Dogubayazit machen wir eine schlechte Erfahrung. An einer Ampel müssen wir warten. Freche Kinder nutzen die Zeit und bewerfen uns mit Kieselsteinen. Wutentbrannt springt Peter aus dem Mobil und setzt hinterher – doch die Kinder sind schneller. Der Weg zum Ishak Pasa Sarayi führt einmal durch die ganze Stadt und mitten durch den Wochenmarkt. Wild parkende Autos versperren uns den Weg. Wir können nicht vorbei und laut hupend warten wir bis die Fahrer ihre Autos wegfahren. Dann endlich, über Serpentinen hinauf, zum Sarayi. Klaus und Marianne haben ein nettes Übernachtungsplätzchen erwischt und für uns ist auch noch Platz. Es ist inzwischen 16 Uhr und der Palast hat bereits geschlossen. Wir erkennen ihn kaum wieder: die Mauern sind gesandstrahlt, mod. Glasdächer überspannen früher dachlose Palasträume – alles wirkt sehr modern und nicht mehr alt. Für uns bleiben nur der Blick von außen und ein Gespräch mit Adam – dem netten Postkartenverkäufer. Peter besteigt mal eben noch einen Gipfel, um die besten Fotos zu schießen. Den Abend beschließen wir im Mobil von Marianne und Klaus, es ist wieder sehr abgekühlt nach dem Sonnenuntergang. Vor uns breitet sich ein Lichtermeer aus.
Wissenswertes: Die Palastruine des Ishak Pasa Sarayi ist eine Mischung aus Burgfestung und orientalischem Lustschloss. Es wurde im 18 Jh. von dem Feudalherrn Ishak Pasa II errichtet, der auf dem Handelsweg Schutzgelder und Zölle erhob.


   |   Tages KM: 243   |   GPS Nord: 39°31’10“   |   GPS Ost: 44°07’52“

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Sonntag, 20.09. Ishak Pasa Palast

Heute am Feiertag haben zwar die Tankstellen geöffnet, aber man will uns nur das teure Eurodiesel (10 Cent teurer) verkaufen oder Visa funktioniert nicht. Bei der 6. Tankstelle haben wir Glück - Motorin und Visa funktionieren. Unzählige Kinder in Festtagskleidung machen „Bonbonbesuche“ bei den Nachbarn – heute ist Zuckerfest. Jugendliche Banden (überwiegend Jungen) sind auch schon mal aggressiv, betteln uns um Zigaretten und Geld an. Den 2600 m hohen Tendürük Pass hinauf saust Klaus an uns vorbei – wir kommen nur langsam voran. Bei ihm ist das Vibrieren vorbei, wenn er den Berg hinauf nicht hinter uns her kriechen muss. Um uns herum: Lavasteinfelder auf kargem Hochland, dann wieder Gemüseanbau und Getreide. Wir sind überrascht, was in 2000 m Höhe noch so alles gedeiht. Es kommen Ortschaften mit alten Gebäuden, daneben neue Häuser. Alte Dörfer mit Feldsteinhäusern (oft mit Gras bewachsenem Flachdach) wechseln sich ab. Wer mag für wen die vielen neuen Häuser erstellt haben? Hier gibt es doch kaum etwas zum Arbeiten? Bald erreichen wir den Van- See, mit seinen Ausmaßen ist er 7 x größer als der Bodensee und 400 m tief. Der See hat keinen Ablauf und ist stark Salz- und Alkalihaltig. Die Anwohner brauchen keine Seife zum Waschen. Nach der Stadt Van steuern wir hinter Gevas einen Campingplatz an. 20 TL will man pro Nacht haben und für den Ausflug zur Insel Aktamar sollen wir 100 TL berappen. Noch lästiger ist ein freilaufender Schäferhund, der es auf Eddy abgesehen hat. So fahren Horst und Peter auf erneute Platzsuche und werden fündig. Der neue Platz ist wirklich wunderschön, ganz nah am Wasser gelegen mit Blick auf Aktamar und kostet nur die Hälfte pro Nacht. Kleine überdachte Sitzplätze laden zum Picknicken ein. Der Besitzer beschenkt uns mit reichlich Obst und Riesentomaten aus seinem Garten. Jetzt muss nur noch das Wetter wieder besser werden.
Wunsch von Klaus: Er möchte bei Ulla Hund sein (und während der Fahrt bei Ulla auf dem Schoß sitzen).


   |   Tages KM: 230   |   GPS Nord: 38°18’30“   |   GPS Ost: 43°18’54“

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Montag, 21.09. Van- See gegenüber Insel Aktamar

Die Sonne guckt heraus und sofort beschließen wir Frauen heute Waschtag zu halten. Anschließend wollen wir zu Fuß nach Gevas – Brot kaufen. Eine türk. Familie kommt zu Besuch an den See. Vater, Mutter und 3 Kinder breiten einen Teppich aus. Die beiden kleinen Mädchen springen nackt ins Wasser – waschen sich und werden gewaschen, dann von der Mutter in neue Kleider gesteckt. Das Haarekämmen ist wohl schmerzhaft, denn sie jammern. Ich gehe zu ihnen hinüber und schenke ein paar Bonbons und ein Spiel – frage ob ich ein Foto von den Mädchen machen darf. Ich erkundige mich nach den Namen: ein Mädchen heißt Susan. Die Mutter wäscht sich im Campinggebäude und steigt dann auch mit neuer Kleidung ins Auto. Sicherlich werden sie heute einen Verwandtenbesuch machen und ihre neuen Kleider vorführen. Heute ist der 2. Feiertag vom Bayramfest. Oh je – immer wenn wir ein paar Ruhetage einplanen, ist uns der Wettergott nicht wohl gesonnen. Es bedeckt sich der Himmel und ab und zu tröpfelt es. Zum Schutz hängen wir die Wäsche unter das Picknickdach. Peter und ich spazieren Richtung Ort. 10 Min. Fußweg sind gelogen – wir brechen nach 30 Min. ab und kehren in ein Restaurant ein. Bestellen eine Kurdenpfanne und während wir warten und Tee trinken, sehen wir Marianne und Klaus vorbeimarschieren. Sie leisten uns Gesellschaft. Das Essen mundet hervorragend und wir beschließen gemeinsam am Abend hier zu essen. Um 16 Uhr tuckern wir mit dem Boot zur Insel Aktamar. Die alte Kirche mit den schönen Wandreliefs außen ist sehenswert. Innen kann man noch einige Bilder aus der biblischen Geschichte sehen. Störend sind nur einige Jugendliche. Sie steigen auf den Altarraum, machen ihre Späße und Fotos. Was würde man mit uns machen, wenn wir uns in ihren Moscheen so ähnlich verhalten würden? Zurück auf dem Festland, gibt sich das kleine Restaurant mit dem Kochen alle Mühe. Wir essen Fleischspieße, Kurdenpfanne und einstimmiges Urteil: super!
Erkenntnis über Religionen: Toleranz ist bei allen Religionen wünschenswert!


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Dienstag, 22.09. Van- See

Gestern Abend haben wir entschieden: bei Regen geht’s weiter – bei Sonne bleiben wir. Die Sonne scheint – Peter und ich machen einen Ausflug zur antiken Stätte Cavustepe. 760 v. Chr. erbaut und bereits im 6. Jh. v. Chr. wieder zerstört. Der nette Wärter zeigt uns in einer Mappe was wir uns anschauen sollen. So finden wir auch die Zisternen, Keilschriften am Palast, Küche, Vorratslager, Toiletten und den Opferstein. Wir machen uns Gedanken über die Anfertigung der Bausteinquader – so passgenau (Millimeterarbeit) schon vor 2800 Jahren – mit den einfachen Hilfsmittel die damals verfügbar waren. Über eine breite Gebirgsstrasse, mit wunderschönen Ausblicken auf den Van- See, erreichen wir die Stadt Van. In der Stadt herrscht viel Betrieb – die Bewohner feiern heute den 3. Tag vom Zuckerfest. Einige Geschäfte haben geöffnet. Wir besichtigen die Reste der Burg Van- Kalesi. Auf den 120 m hohen Felsen wurde bereits im 9. Jh. v. Chr. mit dem Bau der Zitadelle begonnen. Die mächtigen Steinquader sollen bis zu 40 t gewogen haben und wurden aus einem 20 km entfernten Steinbruch heran geschafft. Vom Felsen ist der Blick auf den Van- See, auf die Stadt und die umliegenden Berge einmalig – besonders bei diesem sonnigen Wetter. Marianne und ich waren als einzige noch nicht im Van- See baden. Das holen wir heute ausgiebig nach, bei 18° C Wassertemperatur.
Erkenntnis des Tages von Ulla und Horst: Biete den Einheimischen in Notlagen (Autopanne) deine Hilfe an und du wirst die wahre Gastfreundschaft erfahren.


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Mittwoch, 23.09. Van- See

Nun geht es ins Binnenland und über einige Pässe, Richtung Tatvan. Erst kurz vor der Stadt sehen wir den Van- See wieder. Schüchtern stellen wir an unsere Mitreisenden die Frage: „Wollen wir auf den Nemrut Dagi“? Damit meinen wir den Vulkan mit Kratersee bei Tatvan. Anfahrt über 13 km steile Bergstrasse, so steht es im Reiseführer. Unsere Mitfahrer sind einverstanden, wir nehmen den Weg in Angriff. 8 km sind gut zu befahren, aber ab der Sessellift Talstation wird der Weg schlagartig schlechter. Ulla und Horst fahren vor. Ich bin schon fast bereit den Rest zu Fuß zu bewältigen, da bieten sich Host und Ulla an uns alle hinauf zu befördern. Es rumpelt nicht schlecht, dafür werden wir oben mit einem schönen Ausblick auf den Van- See und Kratersee belohnt. Zurück passieren wir wieder den Sessellift, auch ein Hotel und Restaurant sind im Entstehen. Von November bis April ist hier tiefster Winter – in dieser Einsamkeit wird ein neues Wintersportgebiet entstehen. Zurück auf der Hauptstrasse haben wir wieder einmal gute Fahrbahnen unter den Reifen. Wenn das so weitergeht, sind wir bald an unserem heutigen Ziel. Doch dann: Baustellen ohne Ende – die Schotterpiste nimmt kein Ende – wir fahren in einer Staubwolke und können die anderen nicht mehr sehen. Die ganze Strecke wird auf 6 Fahrbahnen ausgebaut. Unsere Feststellung über Straßen in der Türkei: fast alle Hauptverkehrswege haben Autobahnähnlichen Charakter. Bald hinter dem Abzweig Richtung Batmann erreichen wir auf unserer Strecke den Silvan-Staudamm. An der alten Brücke Malabadi Köprüsü ist ein Parkplatz mit Picknickmöglichkeiten. Wir reiben unsere geschundenen Ä…., bestellen 6 Cay im Kiosk und genießen die Aussicht auf Fluss, Brücke und Ort. Es bietet sich sogar an hier zu übernachten. Etliche Pkw und Busse stoppen zu einem Fotostopp und kurze Rast. Wir Frauen kochen und servieren unseren Männern das Essen auf der Aussichtsterrasse, bei Sonnenuntergang wie im Bilderbuch. Bald zeigen sich Mond und Sterne – der junge Mann vom Kiosk setzt sich zu uns. Mit Händen und Füßen und etwas englisch versuchen wir uns zu verständigen. Auf unsere Bitte singt er für uns ein Lied in kurdischer Sprache.
Erkenntnis des Tages: Völkerverständigung mit Händen und Füßen ist überall möglich.


   |   Tages KM: 253   |   GPS Nord: 38°09’15“   |   GPS Ost: 41°12’17“

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Donnerstag, 24.09. Malabadi Köprüsü

Sonnenterrassenfrühstück. Nur Horst und Ulla fehlen. Horst hat Eddy beim Morgen- Spaziergang vor einigen Hunden beschützen wollen und ist unglücklich gefallen. Zu allem Übel ist der Fuß verstaucht. Wie soll die Fahrt für die Zwei nun weitergehen? Ulla fährt das Mobil. Auf Autobahnähnlichen Strassen, mit nur noch wenigen Baustellen, geht es zügig voran. Wir kommen an riesigen abgeernteten Getreidefeldern vorbei – Kornkammer der Türkei? Zum Teil sind die Felder abgebrannt oder es lodern noch Feuer. Unterwegs eine kleine Panne. Ein Traktor streift den rechten Seitenspiegel an Ullas Mobil. Gott sei Dank muss nur das Spiegelglas bei Gelegenheit ausgewechselt werden. In Diyarbakir halten wir uns Richtung Altstadt und bekommen an der alten Basalt-Stadtmauer einen Parkplatz auf dem Seitenstreifen. Die Mauer ist das Werk der Seldschuken aus dem Jahre 1088. Durch eines der Stadttore gelangen wir zu fünft ins Zentrum, Horst ruht derweil im Schatten seinen Fuß aus und bleibt bei Eddy. Alles ist ganz nah beieinander. Zuerst werfen wir einen Blick in die Ulu- Cami, im Jahre 639 von den Arabern errichtet. In der Hasan Pasa Hani, heute restauriert mit netten Cafes, trinken wir in den historischen Räumen Cay (Tee). Vor 20 Jahren hat uns hier, in der damals noch ursprünglichen Karawanserei, ein Teppichhändler aus der Patsche geholfen. Wir hatten in Diyarbakir keine TL mehr. Keine Bank wollte unsere DM tauschen und Kreditkarten funktionierten auch nicht. Er hat für uns den Geldtausch geregelt – Allah sei dank! Weiter besichtigen wir eine kath. Kirche aus dem 5. Jh., sie hat heute noch ca. 80 Mitglieder. Wir schlendern über den Käsemarkt weiter zur Behram- Pasa Moschee. Sie ist die größte der Stadt und hat schöne Deckenmalereien, ihre schwarze Basaltfassade lockern schwarz-weiße Steinbänder auf. Ein kleiner Köfte- Imbiss schließt unseren Besichtigungsrundgang ab. Horst wurde in der Zwischenzeit von Kinderscharen umlagert, Eddy ist hier schon eine kleine Attraktion. Vor dem Ort Siverek geraten wir in eine Verkehrskontrolle.Über eine Stunde werden wir festgehalten, weil wir angeblich zu schnell gefahren sind. Einheimische werden, nach einem Blick in den Kofferraum, zur Weiterfahrt aufgefordert. Dabei haben gerade diese alle uns mit hohem Tempo auf der autobahnähnlichen Straße überholt. Bei uns zieht sich das: Pass, Führerschein, Zulassung und Grüne Versicherungskarte, alles wollen sie sehen und notieren. Für 11 km/h zu schnell sollen wir 44 Euro Strafe bezahlen – sofort. Klaus haben sie nicht auf der Rechnung, obwohl wir alle hintereinander waren. Ulla soll sogar 16 km/h zu schnell gewesen sein. Einen Beweis dafür gibt es nicht oder können wir nicht einsehen. Selbst als Einheimische sich als Dolmetscher anbieten bleiben die Polizisten bei der Strafe. Sie wollen auch keine TL, sondern Euro von uns. Wir behaupten, dass wir keine Euros besitzen und verlangen außerdem eine Quittung. Schweren Herzen, aber stolz, bezahlen wir in TL, unsere Euros sollen diese modernen „Ali Babas“ (Straßenräuber) nicht bekommen. Noch 30 km, dann sind wir an der Fähre über den Euphrat. Die erste Fähre fährt ohne uns ab. Aber für die nächste Fähre stehen wir in der ersten Reihe. Peter spielt für die ankommenden „Mitfahrer“ den Platzeinweiser. Ist auch notwendig, weil alle eintreffenden Pkw sofort nach vorne fahren wollen. Es wird für unsere 3 Mobile beängstigend eng – wir stehen in einer Reihe ganz dicht beieinander. Und die Fähre schwankt beim Ab- und Anlegen gewaltig hin und her. Wir haben noch ca. 30 km Fahrstrecke vor uns und die Sonne ist bereits untergegangen. In der Dunkelheit zu fahren bedeutet größte Aufmerksamkeit für den Fahrer: ungenügend beleuchtete Fahrzeuge, Tiere und Menschen sind auf dem Weg nach Hause. Wir zweigen zu einem kleinen Ort ab – Wegweiser Nemrut - angeblich nach Damlack, dort soll lt. Reiseführer ein kl. Campingplatz befinden. Doch wen wir auch fragen, mal wird geradeaus, mal zurück gezeigt. Zu allem Übel ist auch noch die Strasse aufgerissen – Großbaustelle im Ort. Ein engl. sprechender Mann bietet seine Dienste an. Er zeigt uns im Ort einen Übernachtungsplatz – groß genug für uns alle drei – aber total schräg. Dann schlägt er vor, 300 m weiter bei seinem Bruder zu parken. Zwecks Besichtigung fährt mit einem Trupp von uns in seinem Dolmus los. Für uns andere im Mobil dauert es endlos bis sie wieder zurückkommen. Der Stellplatz erweist sich als Parkplatz vor einer Reifenwerkstatt, nah an der Strasse. Wir beratschlagen und überstimmen Ulla. Wir wollen nicht mehr weiterfahren und einen Campingplatz suchen, es ist bereits 19.30 Uhr und stockdunkel. Nach den Aufregungen des heutigen Tages sind wir alle „hundemüde“ und gehen bald schlafen.
Feststellung des Tages: So einen Tag wie heute, wüschen wir uns kein zweites Mal.


   |   Tages KM: 250   |   GPS Nord: 37°52’33“   |   GPS Ost: 38°46’02“

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Freitag, 25.09. Nemrut Dagi

Der Dolmusfahrer von gestern will um 9 Uhr vorbeikommen. Er hat uns eine Tour zum Nemrut mit Besichtigung aller anderen wichtigen Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung angeboten. 180 TL soll die Fahrt für uns alle kosten. Nach dem Frühstück beratschlagen wir gemeinsam. Und als der Fahrer pünktlich um 9 Uhr erscheint, verabreden wir uns mit ihm zu um 11 Uhr, Eddy dürfen wir auch mitnehmen. Nacheinander fahren wir mit großzügigen Besichtigungsstopps den Karakus Hügel, die Cendere Brücke, Yeni Kale und Eski Kale mit den Höhlen an. Mehmet, unserer Fahrer, hat Melonen, Brot und Weintrauben für ein Picknick eingepackt. Nach der erfrischenden Stärkung starten wir zur Fahrt auf den Nemrut, um von dort den Sonnenuntergang zu beobachten. König Antiochus errichtete (69 – 38 v. Chr.) auf dem 2200 m hohen Nemrut Dagi sein Grab. Er schüttete es mit einem 75 m hohen Schotterkegel auf und baute darum einen Prozessionsweg zur „gemeinsamen Thronstätte aller Götter“. Durch ein Erdbeben wurden die über 9 m hohen Figuren zerstört. Heute kann man nur noch die Überreste der Ost- und Westterrasse besichtigen. Die Köpfe hat man aufgerichtet und einige Stelen aufgestellt. Die Stelen gelten als die ältesten bekannten Darstellungen eines Tierkreiszeichens. Die Aussicht von hier oben auf die umliegende Gebirgslandschaft und den Atatürk-Stausee ist überwältigend. Auf der Westterrasse erwarten wir mit vielen anderen Zuschauern den Sonnenuntergang. Um 18.30 Uhr versinkt die Sonne glutrot hinter den Bergen. Gleich danach beginnt der Ansturm zum Abstieg. Bis zum Parkplatz sind es gut 15 Min. zu Fuß über gepflasterte Stufen und Wege. Es ist stockdunkel, als wir im Haus von Mehmet zum Abendessen eintreffen. Auf unsere Frage am Mittag nach einem Restaurant im Ort, hat er uns angeboten, dass seine Frau für uns kochen kann. Wir betreten über sein Haus über einen geschlossenen Innenhof. Neben einem kleinen Grill stehen zwei riesige Kupferkessel, unter denen ein Feuer entfacht werden kann. Ein ältere Mann (Vater von Mehmet) rührt in den Töpfen eine rotbraune Flüssigkeit um. Mehmet erklärt: das wird eine Süßspeise. Granatapfelsaft mit Honig gesüßt und mit Mehl eingedickt. Später erhalten wir eine Kostprobe. Die Familie wohnt im ersten Stock. Bevor wir das Wohnzimmer betreten ziehen wir unsere Schuhe aus. Mit verschränkten Beinen nehmen wir rund um eine auf dem Fußboden ausgebreitete Tischdecke platz. Nun tischen die kleinen Mädchen des Hauses auf: Salatplatten, gegrillte Hähnchenteile, Reis mit Joghurtsoße, Fladenbrot, Gözleme und süßen Sirup zur Nachspeise. Mit uns isst nur Mehmet und zeigt uns wie man in einer Kurdenfamilie speist. Der Rest der Familie (darunter viele Kinder) wartet draußen auf dem Flur – schnatternd und kichernd – ab und zu wirft jemand verschmitzt einen Blick durch die spaltbreit geöffnete Tür. Baba sitzt auf dem Sofa bei uns und schaut zu. Nachdem das restliche Essen abgetragen wurde, geht Baba raus. Peter kann beobachten, dass er mit den Kindern in der Küche unsere Reste isst. Auch das ist Gastfreundschaft. Wir trinken Tee – singen auf Wunsch der Lieblingstochter Fatma – „und dann die Hände zum Himmel“. Sie will es immer wieder hören und wir müssen den Text übersetzen. Der Baba ist ein Naturdoktor (Kräutermännlein). Hoch im Gebirge sammelt er Kräuter für die kleinen Weh-Wehchen. Für Horst’ verletzten Fuß hat er in der Küche eine Art Brotteig mit Kräutern anrühren lassen. Dieser wird nun auf den angeschwollenen Fuß gelegt und bandagiert. Die Nacht über wirken lassen und kühlen, ist Babas Ratschlag. Einen kleinen Rest gibt er Ulla für den nächsten Morgen mit. Mit herzlichen Umarmungen verabschieden wir uns von der Familie. Ulla und ich kaufen in ihrem Laden noch Gewürztee und mit dem Dolmus bringt uns Mehmet nach Hause (ans Mobil). Jetzt ist kräftig lüften angesagt – die Hitze des Tages muss raus.
Erlebnis des Tages: Fast vor dem Gipfel des Nemrut (7 km) sehen wir ein Fahrrad mit Anhänger „mutterseelenallein“ am Straßenrand stehen. Das interessiert uns, wir halten an und steigen aus. Anhand der Notizen seiner aufgeklappten Fahrradmappe kann Peter erkennen, dass es ein deutschsprechender Radfahrer sein muss. Wir erwarten seine Rückkehr. Mit zwei vollen Wasserflaschen kommt er zu seinem Fahrrad zurück. Er ist Schweizer. Wir fragen ihm förmlich „ein Loch in den Bauch“. Hier seine Antworten. Er ist seit drei Monaten unterwegs, hat bisher 6000 km zurückgelegt und will noch 18 Monate fahren, bis nach Südafrika. Auf seinem kl. Anhänger transportiert er Ersatzreifen, Zelt, Küche, Kleidung und Proviant. Oft braucht er das Zelt nicht aufzuschlagen, da er spontan von Einheimischen Essen und Schlafplatz angeboten bekommt. Inzwischen spricht er auch schon ein wenig türkisch. – Bewundernswert – dieser Radfahrer!


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Samstag, 26.09. Nemrut Dagi

Horst geht es schon bedeutend besser – erstaunlich welche Heilkraft Babas Hausmittel haben kann. – Trotzdem setzt sich Ulla nochmals hinter das Lenkrad. Über Adiyaman und Gölbasi geht die Fahrt heute bis Göksun. Wir passieren fruchtbare Gebirgs-Täler. Die Strassen sind mal wieder gut, in Baustellen aber „hundsmiserabel“. Wenn alle diese Baustellen mal fertig sind, ist das Land von einem autobahnähnlichem Straßennetz durchzogen, auch vermeintliche Nebenstrassen. Unterwegs, nach einem Pass, kommt überraschend ein kleiner Campingplatz. Unter schattenspendenden Apfelbäumen und mit lauschigen Teppichterrassen über dem kleinen Bach, Gänse und Hühner laufen frei herum. Nur die Zufahrt gibt einige Bedenken auf, steil über Schotter und einige Äste stören bei unserer Mobilhöhe. Der Betreiber will sofort einige Äste absägen lassen, wir erfragen vorher den Übernachtungspreis: 40 TL – so viel haben wir bisher noch nirgends bezahlt. Danke schön, das ist entschieden zu teuer und wir fahren weiter. Sicherlich finden wir woanders ein nettes Plätzchen. Bald nach Göksun steuern wir auf einen Parkplatz neben einem Restaurant. Wenn wir hier zu Abend essen, ist die Übernachtung gratis. Wir überschlagen die Summe fürs Essen kurz: 2 Grillessen mit Salat, Brot, Suppe, und Getränke kosten keine 40 TL. Auf einem „Hochsitz“ sitzen wir auf bequemen Teppichpolstern und genießen den „Begrüßungstee“. Um 18 Uhr wollen wir im Restaurant essen, heute Abend kochen wieder mal die Männer! Gegrillte Kebab- Spieße, Zigarett- Börek, Suppen, Salate sogar Bier trinken ist möglich – wenn auch nur „versteckt“ im Nebenraum. Die Rechnung macht incl. Trinkgeld pro Paar 37 TL. Als wir fast fertig sind, erscheint eine Hochzeitsgesellschaft: Braut in weiß, Bräutigam im dunklen Anzug und zwei männl. Begleitern. Wir möchten ein Foto machen und überlegen nach einem passenden Geschenk (typ. deutsch). Kekse und Kaffee packe ich in eine Geschenktüte. Gemeinsam stehen wir vor dem Brautpaar und stimmen wir ein kleines Segenslied an. Einer der Begleiter erzählt uns, dass die Braut aus Kasachstan kommt. Sie schaut ein wenig traurig aus – fehlt ihr ihre Familie?
Mein Wunsch: Gast auf einer richtigen türk. Hochzeit zu sein!


   |   Tages KM: 315   |   GPS Nord: 38°01’39“   |   GPS Ost: 36°29’07“

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Sonntag, 27.09. Göksun

Südostanatolien haben wir verlassen, wir durchfahren jetzt Zentralanatolien. Vor 1000 Jahren wanderten Nomaden aus Zentralasien hierher. Sie fanden hier karge, baumlose Berglandschaft und weite ockerfarbene Steppen, ähnlich ihrer alten Heimat vor. So abweisend die baumlose Berglandschaft ist, so fruchtbar sind die Ebenen. Je näher wir Kayseri kommen, sehen wir Weinanbau links und rechts des Weges. Wir machen in der Stadt einen kleinen Besichtigungsstopp: Altstadt, Moscheen, alter Basar, Vizir Hani und das Hamam. Ein älterer Türke führt uns zu einigen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zu seinem Geschäft. Auf der Zitadelle beenden wir den Rundgang mit einem Tee. Unser heutiges Ziel ist Göreme in Kappadokien. Von dort wollen wir einige Ausflüge in die Landschaft der bizarren Tuffsteinformationen unternehmen. Auf dem Kaya-Camping ist außerdem Büroarbeit und Hausarbeit mal wieder dringend nötig.
Lichtblick des Tages: Hier gibt es Internet und Waschmaschine, das lässt „unsere Herzen“ höher schlagen.


   |   Tages KM: 265   |   GPS Nord: 38°38’14“   |   GPS Ost: 34°51’16“

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Montag, 28.09. Göreme

Wir sind auf 1200 m Höhe und nachts wird es empfindlich kalt. Wir müssen heizen. Morgens um 7 Uhr sehen wir unzählige Heißluftballone über die nähere Umgebung schweben. Klaus zählt 24. Wir haben uns 2002 auch so eine Fahrt gegönnt – ein unvergessliches Erlebnis. Klaus und Marianne machen heute mit der niederl. Gruppe vom Platz einen Ausflug in Kappadokien. Den netten Platzwart vom Campingplatz haben sie dabei. Der Reiseleiter, der unterwegs zusteigt, spricht aber nur englisch – so übernimmt der Platzwart diese Rolle. Klaus berichtet später: die Erklärungen waren 1a. Auch haben sie die unterirdische Stadt Derinkuyu und einige Kirchen besichtigt und mittags landestypisch gegessen. Alles in allem war es ein interessanter Ausflug. Wir anderen haben Hausarbeit – Fleißarbeit am PC. Es ist eiskalt, wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet. Horst fährt zu einem Vulkanisierbetrieb, ein Reifen verliert Luft. Prompt findet man die Ursache – eine Schraube.
Wissenswertes über die unterirdischen Städte: Im 2.Jh. begannen von den Römern verfolgte Christen unterirdische Städte zu errichten. Sie wurden im 7.Jh. Zufluchtsorte tausender Christen, als Araber in das Land einfielen. Viele Städte waren so groß, dass sie bis zu 20 000 Menschen Platz boten. Zwischen dem 5. und 14. Jh. entstanden über 1000 Höhlenkirchen und Klöster.


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Dienstag, 29.09. Göreme

Unsere vier Mitreisenden müssen früh aufstehen. Schon um 6 Uhr werden sie am Platz zur Ballonfahrt abgeholt. Peter und ich steigen auf den nächst höheren Hügel, um ab 7 Uhr das Ballonspektakel (wir zählen 42) am Morgenhimmel zu betrachten – unter ihnen unsere Freunde. Um 8.30 Uhr sind sie zurück und berichten über das Erlebnis – begeistert, aber die Fahrt war zu kurz. Peter und ich machen heute eine Wanderung. Gleich am Campingplatz beginnt der 2km lange Wanderweg ins Rosen-Tal. Immer wieder haben wir Ausblicke auf diese interessanten Tuffsteinformationen. Die je nach Sonneneinstrahlung: mal rosa, bräunlich, grünlich oder beige aufleuchten. In Göreme besorgen wir uns eine Wanderkarte. Unser Reisebuch hat zwar auch Beschreibungen über die Wanderwege durchs Tauben- und Liebes-Tal, aber sicher ist sicher. Trotzdem „versteigen“ wir uns ab und zu. Die Wanderungen (insges. etwa 15km) sind anstrengend – aber trotzdem möchten wir sie nicht missen. Die wunderschönen Ausblicke haben uns entschädigt. Das letzte Straßenstück zum Campingplatz nehmen wir den Dolmus und gönnen uns ab Göreme ein Taxi.
Tipp des Tages: Unbedingt ansehen und erwandern das Liebes-Tal. Ein Fluss hat seinen Weg durch die vielen Felsen gesucht. Tunnel und Höhlen geschaffen – mal höher, mal eng und niedrig. Nicht nur für Liebespaare und Kinder wunderbar.


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Mittwoch, 30.09. Göreme

Heute machen wir eine kleine mobile Rundtour mit Marianne und Klaus. Wir wollen uns das Gebiet nördlich von Nevsehir anschauen. Es soll noch unberührt vom Massentourismus sein. Ein recht ursprünglicher Ort ist Cat. Unsere Mobilbreite kommt so eben durch die enge Dorfstrasse zum Parkplatz. Von hier wandern wir ins wildromantische Cat Vadisi mit den Tuffsteingebilden und Weinreben dazwischen. Irgendwann am Bachlauf endet die vorgeschlagene Rundtour ins unwegsame. Wir nehmen den gepflasterten Weg und über mehr als 150 Stufen zurück. Am Parkplatz schenkt uns eine türk. Frau 2 kleine Wassermelonen. In der Nähe von Gülsehir gibt es einen verschachtelten, mehrstöckigen Komplex aus Kirchen- und Klosteranlagen aus dem 6.Jh. – Aciksaray. Unweit davon steht die gut erhaltene Johanniskirche (Eintritt). Die aufwendig restaurierte, zweigeschossige Kirche, gehört zu den Vorzeigekirchen Kappadokiens. Mittagsstopp in der Töpferstadt Avanos. Im Innenstadtbereich sind die vielen Töpferwerkstätten angesiedelt. Natürlich müssen wir unseren Freunden die Werkstatt von Galip mit seinem einmaligen Haarmuseum zeigen. Wenn Galip seine Tonvorführungen macht, verlangt er von Frauen als Eintrittsgeld eine Haarsträhne. Diese wird, mit Adresse versehen, an die Tuffsteinwand befestigt. Ob er noch Überblick über die Anzahl der Haare hat? Ein paar Windlichter in seinem Laden gefallen mir ausgesprochen gut – doch 40 TL? Ich werde beim Nachbarn reinschauen. Dieser hat um ¼ niedrigere Preise und erklärt mir den Grund. Kommen Bustouristen, so muss das Geschäft eine hohe Kommission an diese abgeben. Für meine 3 Gegenstände zahle ich als Einzelreisende 25 TL (statt 100). Zurück am Platz haben wir noch ein wenig Zeit für PC-Arbeit, dann ruft das Abendprogramm. Über unseren Platzwart haben wir einen Folkloreabend mit Essen gebucht. Das in den Tuffstein geschlagene unterirdische Lokal hat um die Tanzfläche mehrere Tische angeordnet. Mit unseren 2 Dolmusfahrern belegen wir so einen Tisch. Neben uns nimmt eine Gruppe mit Asiaten platz (Korianer?). Insgesamt sind wir nur 30 Gäste. Bis zum ersten Auftritt der Derwische versorgt man uns mit leckeren Vorspeisen. In absoluter Dunkelheit drehen sich nach Musik die Derwische. Fotografieren mit Blitz ist ausdrücklich verboten. Trotzdem hält sich ein Tourist nicht daran und der eine Derwisch muss den Tanz abbrechen. Jetzt erst werden unser kleines Hauptgericht und die weiteren Getränke aufgetragen. Wein, Raki und Wodka können bis zum „Umfallen“ getrunken werden. In Kostümen tanzten junge Leute Volkstänze der verschiedenen Regionen. Eine Bauchtänzerin animiert nach ihrem Auftritt einige Gäste zum Mitmachen – so auch Klaus. Die Bäuche der Männer werden entblößt und um die Hüfte legt sie ihnen einen Tanzgürtel. Nun geht’s los – sie können ihren Talenten freien Lauf lassen. Von den Tanzenden werden reichlich Fotos gemacht. Zum 23 Uhr ist die Veranstaltung beendet und man fährt uns zum Platz zurück.
Erkenntnis des Tages von Klaus: Bei Veranstaltungen sollte man nie weit vorne sitzen.


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Donnerstag, 01.10. Göreme

Heute hat jede der drei Familien ein anderes Programm. Wir haben Ruhe- und Ausflugstag mit dem Mobil. Unsere Wanderung vorgestern war wohl doch etwas zu anstrengend. Unter anderem wollen nach Ürgüp und schauen, wie sich der Ort seit unserem letzten Besuch verändert hat. Der Ort wirkt ansprechender als Göreme. Uns fallen die vielen Teppichgeschäfte und Antiquitätenläden auf. In einem „Gold“- und Schmuckladen tauschen wir ganz offiziell Geld um. Vor einem Restaurant bleiben wir stehen – was bedeuten die vasenartigen Tongefäße, mit Alufolie und Brotteig verschlossen? Ein netter Kellner erklärt uns: das ist eine Spezialität aus Kappadokien. Eine Art Gulasch, im mit Brotteig verschlossen Tontopf, 3 Std. im Feuer vorgegart. Jetzt um 11.30 Uhr verspüren wir noch keinen Appetit und ziehen weiter. Ein altes Hamam erweckt unser Interesse. Wir erkundigen uns nach den Preisen und beschließen spontan uns eine Seifenmassage zu gönnen. Vielleicht geht dann auch unser Schnupfen 1-2-3 vorbei. Dieses Hamam ist ein gemischtes Hamam das heißt: Frauen und Männer benutzen es gemeinsam. Für Einheimische undenkbar, für Touristen praktisch. Paare können die Zeit gemeinsam verbringen. Wir sind die einzigen Gäste. Nach dem Duschen und Aufwärmen auf dem Marmorstein werden wir vom Bademeister gewaschen, dass die Hautröllchen nur so rollen (Peeling mit dem Ziegenhaarwaschlappen). Nach dem Abspülen beginnt er mit der Seifenmassage. Eine so gute Massage wie hier, hat in vielen Touristenorten Seltenheitswert. Auch der Preis kann sich sehen lassen, 20 TL pro Pers. Nach dem körperlichen Wohlbefinden sorgen wir jetzt für das leibliche und steuern das Restaurant von Vormittag an. Der Kellner erinnert sich an uns und führt uns zu einem schattigen Plätzchen auf seiner Terrasse. Weißes Damasttischtuch, schöne Gläser, erlesenes Porzellan und gute Bestecke lassen den Eindruck erwecken, wir wären in einem Nobelrestaurant. Bis das Hauptgericht serviert wird, laben wir uns an den Vorspeisen. Gruß des Hauses. Um an das Gulasch zu gelangen, schlägt der Kellner mit einem breiten Küchenbeil den Kopf vom Tongefäß ab, lässt ein wenig Saft auf diesen abtropfen und gießt dann die Speise in eine Schale. Das nun leere Gefäß zerschlägt er komplett. Was geschieht mit diesen ganzen Scherben? Wir lassen uns das Essen schmecken – vorzüglich. Wie immer rundet ein Glas Tee den Gaststättenbesuch ab. Für das Essen haben wir incl. Trinkgeld 40 TL bezahlt. Von Ürgüp starten wir noch zu einer Fahrt durch das Dervet Tal und das Zelve Tal zurück. Eine Rundfahrt durch eine schöne Tuffsteinlandschaft. Auch bei den Touristenbussen ein Pflichtprogramm. Abends tauschen wir uns mit unseren Freunden über die Erlebnisse des Tages aus.
Sächsisch für Anfänger: Ulla und Horst machen früh – musche-bubu – zusammenkuscheln, um die Erkältung auszukurieren


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Freitag, 02.10. Göreme

Wir verlassen Kappadokien und damit den bisher schönsten und modernsten Campingplatz. Hier findet man moderne Sanitäranlagen, schöne Ausblicke in das Land und eine besonders freundliche deutschsprachige Betreuung. Auf unserer Strecke Richtung Süden durchfahren wir riesige Kartoffel- und Kürbisfelder. Zurzeit ist die Ernte in vollem Gang. Wir füllen unsere Vorräte auf (10 Kg 5 TL). Weißkohl, Äpfel, Walnüsse, Weintrauben – die Stände am Straßenrand preisen die Erzeugnisse ihres Ackers an. Bald schon fahren wir auf einer Autobahn Richtung Adana, auf unsere Landkarte noch nicht verzeichnet (obwohl vor der Reise neu gekauft). Um uns herum die über 3000 m hohen schneebedeckten Berge des Taurus Gebirges. Viele Tunnel mussten in die Berge gesprengt werden. In den Tunneln noch Baustellen die ungenügend ausgeleuchtet sind. Einige Bauarbeiter turnen auf einem Gerüst, auf einer abgesperrten Spur. Da will uns doch tatsächlich ein Pkw rechts auf der abgesperrten Spur überholen – wir sind fassungslos. Beinahe hätte er die Bauarbeiter vom Gerüst geholt, gerade noch mal gut gegangen! Oben am Gipfel sehen wir in den riesigen Nadelwäldern Ferienhausdächer leuchten, kleine gemütliche Orte stehen nah an der Autobahn. Zählt hier die kühle Bergluft mehr als der Verkehrslärm? Bald erreichen wir, immer stetig bergab, die Ebene bei Mersin. Hier betreibt man Weinanbau europäisch. Alle freuen sich jetzt auf ein erfrischendes Bad im Mittelmeer. Als ersten Platz steuern wir Erdemli an. Doch der Campingplatz ist geschlossen und der schattige kostenpflichtige Picknickplatz hat bei der Badestelle einen Abwasserzulauf der nahen Stadt. Danke, das mögen wir nicht und fahren weiter. Unser Favorit-Campingplatz bei Kizkalesi ist auch seit 5 Monaten dicht, was nun? Keine 3km von hier sind wir an einer Badebucht vorbeigekommen, in der standen einige Mobile. So fahren wir zurück und suchen uns dort in Strandnähe einen Stellplatz. Die nahe Straße ist recht laut, aber für eine Nacht wird’s schon gehen. Der seichte sandige Badestrand verlockt zum Baden, bei über 26°C Wassertemperatur einfach wunderbar.
Abends: Wir können nach langer Zeit erstmals wieder ohne Gänsehaut vor den Mobilen grillen und Wein trinken.


   |   Tages KM: 349   |   GPS Nord: 36°28'50"   |   GPS Ost: 34°10'27"

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Samstag, 03.10. bis Montag 5.10. Badebucht vor Kizkalesi

Halbzeit unserer Rundreise
Wir stehen am Sandstrand vor den Resten der Stadt Elaiussa Sebaste (1. Jh. von einem Kappadokischen König gegründet). Auf einer Halbinsel sind ital. Archäologen damit beschäftigt Trümmerreste freizulegen. Trotz dem Geräuschpegel der nahen Verkehrsstrasse beschließen wir einen weiteren Tag zu bleiben. Der schöne Badestrand mit seinem warmen, kristallklaren Wasser entschädigt uns allemal. Strandduschen, Toiletten und Frischwassermöglichkeiten gibt es am Platz, was wollen wir mehr? Wir baden, lesen und faulenzen drei Tage lang.
Am Montag fahren Peter und ich mit dem Dolmus nach Kitzkalesi. Der kleine Ort besteht fast nur aus Hotels, Pensionen, Restaurants, Bars und Shops für Badebekleidung – eben Dinge, die die Touristen für 14 Tage Flugreise benötigen. Die schöne Sand-Badebucht liegt direkt gegenüber von der Burginsel Kizkalesi. Eine kleine Promenade lädt zum Schlendern ein. Die vielen Bars liegen in den Morgenstunden verwaist. Peter sucht einen Friseur auf, einen türk. Herrenfriseur. Nachdem dieser mit Peter die Frisur durchgesprochen hat (er türkisch, Peter mit Handbewegung), geht es los. Die Haare fliegen nur so auf den Boden! Zum Schluss macht er die Feinheiten und was wir in Deutschland so gar nicht kennen: Mit einer Art Wattestäbchen und starker Flamme werden die Härchen rund um die Ohren abgebrannt. Mit einem Duftwässerchen auf Hals und Nacken ist seine Arbeit beendet. On Lira (10 TL) für 40 Min. Arbeit. Wir gönnen uns noch einen kleinen Imbiss, bevor es mit dem Dolmus zum Stellplatz zurück geht.
Bemerkung über die Ausgrabungen hier Vorort: Bei der röm. Basilika, unweit vom Theater, wurden wunderschöne Bodenmosaiken freigelegt, aus byzant. Zeit. Die Römer haben ihre röm. Kirche auf die alte Kirche gebaut. Was wird davon in 2000 Jahren noch zu sehen sein?


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Dienstag, 06.10. Kiz Kalesi

3 Tage faulenzen sind genug – nun steht uns der Sinn nach neuen Erlebnissen. Ein schönes Mosaik von den 3 Grazien am Wegesrand ist durchaus einen Blick wert, dann erwarten uns die Höhlen Cennet ve Cehennern (Himmel und Hölle). Zuerst schauen wir von oben herab in die Hölle (gratis). Für den Blick in den Himmel – 360 Stufen abwärts – will man Eintritt. Wir begnügen uns mit einem Blick von oben – zumal die letzten 120 Stufen sehr glitschig sein sollen. Auf guter Strasse geht es weiter nach Silifke, zu den Resten der Zitadelle. Wir rollen mit den Mobilen bis vor die Aussichtsterrassen am Restaurant und lassen uns bereitwillig von einem Herrn (Erklärung in Englisch) zu den Burgresten führen. Im 12. Jh. sollen hier 400 Kreuzritter mit Gefolge gelebt haben. Ein 3 km langer Tunnel führte zur Kirche der Heiligen Thekla. Etliche Zisternen innerhalb der Burg sorgten für Frischwasser für Mensch und Tier. Ein Wehrgang führte einmal an den Außenmauern entlang. Unser Führer weiß einiges zu berichten. Nicht weit von hier, bei einer weiteren zerstörten Burg, wurden bei Ausgrabungen in einem Wasserkanal 5000 gold. Münzen in einer Amphore entdeckt. Er macht uns auf viele Kräuter aufmerksam. Lässt uns daran schnuppern und erklärt, bei welchen Krankheiten sie helfen. Mit einem Vorrat Oregano kehren wir von unserem Ausflug zurück. Im Restaurant stärken wir uns mit Tee und wollen uns auf der Weiterfahrt einige empfohlene Campingplätze ansehen. Einer liegt in einer Bucht mit Kiesstrand, bei Tasucu, direkt an der Strasse. Bis zum nächsten in Büyükceli schnurrt das Mobil auf schöner, aber kurvenreicher Strasse. Kleine Pensionen säumen eine blaue seichte Badebucht – alles liegt einsam und verlassen. Auf dem Parkplatz des Hayat Motels können wir für 20 TL übernachten. Sogleich stellen wir Tisch und Stühle auf um ein Mittagspicknick im Schatten zu halten. Wir haben die Rechnung aber ohne die Fliegen gemacht, sogleich umschwirren uns tausende – uns bleibt der Bissen förmlich im Halse stecken. Auch auf den Holzliegen am Strand, unter schattenspendenden Schirmen, lassen uns die beißenden Fliegen nicht in Ruhe – leider! Wir beschließen hier nicht zu bleiben und weiter nach Anamur zu fahren. 80 km - doch die jetzt sehr schlechte Wegstrecke (Straßenbau in großem Umfang) drosselt unsere Geschwindigkeit gewaltig. Erst 30 km vor Anamur wird die Straße besser. Auf kurvenreicher Strecke und immer wieder grandiosen Ausblicken aufs Meer, erreichen wir den Paradies-Camping an der Burg Anamur. Wir sind in diesem grünen und blühenden Paradies die einzigen Gäste. Unter schattigen hohen Bäumen sucht sich jeder ein schönes Plätzchen. Der nette ältere Besitzer spricht gut deutsch (sein Großvater war Österreicher). Seine junge Frau will für uns zum Abendessen die „osmanische Pfanne“ (Gemüse-Fleischtopf) zubereiten. Der Hunger treibt uns um 20 Uhr zum überdachten Restaurantplatz. Bei reichlich Bulgur, osman. Pfanne, Salat und selbstgebackenem Brot genießen wir (besonders die Frauen) einmal wieder bekocht zu werden. Bald verkriechen wir uns in die Mobile. Etliche Mücken sorgen für eine ruhelose Nacht (mehr oder minder).
Erkenntnis des Tages: Auch im Paradies geht es nicht immer paradiesisch zu.


   |   Tages KM: 171   |   GPS Nord: 36°04’51“   |   GPS Ost: 32°53’34“

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Mittwoch, 07.10. Anamur

.Haus(frauen)arbeit, Tagebuch – dann faulenzen im grünen Paradies. Abends sitzen wir draußen und fachsimpeln. Der rührige Platzbesitzer möchte gerne noch einen Ferienbungalow herrichten. Das Zedernholz hat er bereits gekauft – nur die Handwerker sind ihm zu teuer. Peter macht den Vorschlag hier zu überwintern - bei freier Kost und Logis – dafür helfen er, Horst und Klaus ihm. 14 Tage wollen sie „ranklotzen“ – denn Rest der Zeit entspannen. Für uns Frauen haben sie auch schon eine Beschäftigungsidee – türkisch kochen lernen und Ulla dressiert die Hunde vom Platz. Ich bin für einen Hochseilgarten – das kennt man hier noch nicht. Für Einheimische und Touristen aus Alanya. Seine Frau könnte türkisch kochen und ich mache Apfelstrudel mit deutschem Kaffee und Bedienung im Dirndlkleid.
Ullas trockener Ausspruch danach: „ich hole gleich das Fieberthermometer“ – sie meint wir wären im Fieberwahn!


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Donnerstag, 08.10. Anamur

Einige von uns klettern auf die nahe Burg Anamur. Die größte und best erhaltene Kreuzritterurg der türk. Küste. Ein langer Spaziergang am Strand Richtung Stadt Anamur (6 km) bringt ein wenig Abwechslung in den Strand-Alltag. Peter und Klaus sehen eine größere Meeresschildkröte. Das Wasser verlockt zum Baden. Wer weiß, wann wir jemals wieder so herrliches klares Wasser bekommen! Abends laden uns die Männer in das Restaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein. Der junge Mann ist Kellner und Koch in einer Person. Liebevoll hat er den Tisch mit Blumen geschmückt und für das Foto bekommen wir Frauen eine Blume fürs Haar von ihm überreicht. Unsere verschiedenen Gerichte mit Salat und Bulgur schmecken uns ausgezeichnet. Durch das herzhafte Gewürz schmeckt es uns sogar noch besser als auf dem Campingplatz.
Tipp des Tages: Mückenmild aus der Türkei. Endlich lassen uns die Plagegeister in Ruhe. Horst hat mit dem Platzbesitzer am Vormittag in Anamur einige Besorgungen erledigt. Auch war er beim Friseur und in einer Apotheke.



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Freitag, 09.10. Anamur

Liesel und Tilo holen uns wieder ein. Zuletzt haben wir uns am Kaya-Camping in Kappadokien getroffen. Ihr Abstecher zum Nemrut Dagi und nach Sanliurfa waren ein Erlebnis wert. Am Nachmittag rattert über uns unentwegt ein Hubschrauber. Wir forschen nach der Ursache: Waldbrand. Der Hubschrauber ist eine Art Feuerwehr. Aus dem nahen Meer holt er mit einer Art „Wassersack“ Wasser, um dann gleich wieder den Inhalt über dem brennenden Wald auszugießen. Schon bald kommt ein zweiter Hubschrauber zur Verstärkung. So fliegen sie bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Gefahr ist gebannt. Was wäre, wenn der Wind umschlägt und das Feuer Richtung Campingplatz treibt? Ich mag gar nicht daran denken.
Frage an die Mücken: Wie oft könnt ihr nachts stechen???


Samstag, 10.10. Anamur

Nach Anamur beginnt wieder eine kurvenreiche Gebirgsstrasse, überwiegend am Meer entlang, mit Bananenplantagen und Verkaufsständen (1 kg 2,5 TL). Auch wir kaufen uns wieder einen größeren Vorrat. 15 Km vor Alanya machen wir einen Ausflug in das Vimcayi- Valesi. Kleine Ausflugsrestaurants direkt am Fluss werben um Gäste, Forellenessen soll hier eine Spezialität sein. Für die Gäste hat man Schwimmbäder und Wasserrutschen zum längeren Verweilen eingerichtet. Auch wir schauen uns so ein „Lokal“ an. Dann geht es ohne Stärkung weiter nach Alanya. Im Stadtzentrum parken wir die Mobile in einer Seitenstr. und nun ist Freizeit für alle. Marianne und Klaus wollen auf die Burg Alanya, Horst und Ulla Imbiss und Stadtbummel durch den Basar, Peter und ich - Friseur, bummeln, Shopping und essen. Gleich beim erstbesten Friseur der Zeit hat, lasse ich meine Haare kürzen. Nun fühle ich mich wohler. In den engen Gassen warten gelangweilt Verkäufer auf Touristen. Bei dem schönen Wetter sind diese wohl noch am Strand. Hier spricht man außer englisch, deutsch, holländisch, auch skandinavisch und russisch. Leder, Gold und Bekleidung wollen an den Mann (Frau) gebracht werden. Wie kann man 3 Polohemden für 10 € herstellen und mit Profit verkaufen? 30 km vor Alanya beginnen die großen Hotelanlagen, die sich dann weiter über 100 km bis Antalya fortsetzen, einfach grauenvoll. Wir steuern den 50 km nach Alanya liegenden Campingplatz „Nostalgie“ in Kizilot an. Die beiden anderen Mobile sind bereits hier als wir um 18 Uhr eintreffen. Meeresrauschen – Sandstrand – Bananenstauden – Sternenhimmel und das nächste Hotel weit weg.
Hundestress: Heute hat Eddy einen Hund gebissen. Überall laufen Hunde frei herum – auch auf dem Campingplatz. Horst ist im Dauerstress


   |   Tages KM: 199   |   GPS Nord: 36°42'24   |   GPS Ost: 31°34'20

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Sonntag. 11.10. Kizilot

Der Blick von unserer Frühstücksterrasse aufs Meer ist umwerfend – einstimmig. Heute genießen wir den Autofreien Tag. Mit Marianne und Klaus spaziere ich in den Ort, heute ist Basar bei der Moschee. Hier gibt es reichlich frisches Obst und Gemüse zu super Preisen. Schwerbepackt kommen wir zurück. Dabei ist es nicht ungefährlich zu Fuß den Straßenrand zu benutzen. Pkw kommen uns als Geisterfahrer mit Warnblinkleuchte auf der Standspur entgegen, um den Basar anzusteuern. Den Nachmittag verbringen wir mit lesen, baden (Wassertemperatur noch immer 27°) und faulenzen in der Sonne.
Preisliste: 1 kg Tomaten 0,75 TL, 1 kg Gurken 0,50 TL, 1 Melone 1,25 TL, 3 Granatäpfel 1 TL und bei uns in Deutschland?
(1 Euro – 2,13 TL)


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Montag, 12.10. Kizilot

Ledershops, Juweliercenter rechts der Strasse, die großen Hotels links der Strasse dem Wasser zugewandt – so fahren wir nach Antalya. Aspendos, 1000 Jahre v. Chr. Gegründet hat ein besuchenswertes röm. Theater. Es ist das besterhaltene und größte Theater dieser Art in Kleinasien. Immer noch wird das bis zu 20000 Menschen fassende Theater für Opernaufführungen im Sommer genutzt. Für weitere Touristen- Theateraufführungen hat man in der Nähe ein eigenes Theater gebaut. Mein Traum: eine Aufführung im alten Theater am Abend erleben! Klaus und Marianne besuchen Aspendos. Wir trinken Tee an einem der kleinen Restaurants am Wegesrand. Nicht nur das in Aspendos viel Eintritt verlangt wird, sogar fürs parken sollen wir 10 TL bezahlen. So verzehren wir lieber die Eintrittsgelder, haben wir doch Aspendos schon mehrfach gesehen. Unser nächster Stopp ist Antalya. Die Stadt ist den letzten Jahren mächtig gewachsen. Nicht einfach für 3 Mobile einen passenden Parkplatz zu finden. Wir steuern das archäol. Museum an. Von hier geht eine Straßenbahn (Geschenk der Partnerstadt Nürnberg) direkt in die Innenstadt. Doch heute am Montag ist das Museum geschlossen und somit dürfen die leeren Parkplätze auch nicht benutzt werden. Auch der nächste freie Parkplatz winkt ab _ wir sollen weiter Richtung Innenstadt fahren – sind die den alle blöd? Allmählich ist es Mittag und sehr warm. Beim nächsten Platz welch ein Glück- man lässt uns rauf (3 TL pro Mobil, Zeit unbegrenzt). Für Horst ein Schattenplätzchen, wegen Eddy. Alle 6 quetschen wir uns in ein wartendes Taxi. Wir beschließen zuerst den Einkaufsbummel im Basar zu machen und dann mit dem Bummel um das Geschäftsviertel am Hafen die Besichtigung von Antalya abzuschließen. Um 16 Uhr Treffen bei den Mobilen. Peter und ich erstehen Jeans und eine Jacke. Dann lassen wir uns abwärts mit den Touristenströmen Richtung Hafen treiben. Verweilen dort ein wenig und müssen wieder bergauf zum Mobil. Unterwegs schöne schattige Cafes im Atatürk Park mit Aussicht auf das Hafenviertel. Nach dem unsere Männer wieder alle hinter den Lenkrädern sitzen, kommt der schwierigste Teil des Tages: einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Rund um Antalya gibt es nur Hotels und die Strände haben sie für ihre Gäste reserviert. In den „All in“ Hotels lebt es sich wie in einem Sicherheitstrakt – abgeschirmt von der restlichen Türkei. Camping Hinweisen zu folgen erweist sich als zwecklos – da geschlossen. In unserem Reiseführer ist einer in Phaselis beschrieben. Den finden wir auch nach einiger Mühe. Doch die Einfahrt ist durch die Bäume zu niedrig, eher für Zelte geeignet. So bleiben wir unweit vor dem Platz auf einer Weide stehen. Die nette Dame vom Platz meint: kein Problem mit dem „Freicampen“ und ihr Restaurant hält genügend Auswahl für uns bereit. Uns reicht nach der ganzen Sucherei für heute ein kleiner Salat aus der Bordküche. Zum Abschluss ein Glas Raki- Medizin und schon sieht alles wieder ganz anders aus.
Abends: Wenn nicht die staubige Zufahrt wäre zum Campingplatz wäre, ein schöner Mückenfreier ruhiger Stellplatz.


   |   Tages KM: 177   |   GPS Nord: 36°31’06“   |   GPS Ost: 30°32’13“

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Dienstag, 13.10. Phaselis

Wir sind fast startklar, da fällt mir ein, noch mal schnell mit ein paar Spritzern WC- Reiniger die Toilette zu reinigen. Das- war’s dann: der rote Deckel rollt vor meinen Augen in den Abfluss der „Häckseltoilette“. Peter macht sich sogleich an die Schadensbehebung. Jetzt bloß nicht die Spültaste betätigen. Er schraubt einiges im Außenkasten ab, aber so schnell geht es dann doch nicht. Alles ist ein wenig eng und an manche Schellen ist nicht heran zukommen. Wir beschließen erst einmal weiter bis Kale zu fahren, Währenddessen der große Meister über die Toiletten Reparatur nachdenkt. Kumluca – riesige Gemüseanbaufelder unter Glas – überwiegend Tomaten. Dann 25 Km Gebirgstr. Am Meer bis Finike. In Kale sehen wir uns die inzwischen renovierte Kirche des hl. Nikolaus an und lesen seine Legende. Der Rest der Gruppe besichtigt die lyk. Felsengräber in Myra, während wir schon mal der Ausschilderung zum Süprülü Plaj – Strand nachfahren. Angekommen am Strand repariert Peter die Toilette und ich schreibe Tagebuch. Gegen Mittag sind auch die anderen bei uns am Strand angekommen. In unserem Auto funktioniert inzwischen auch wieder die Toilette (Allah sei Dank) und jetzt ist eine Abkühlung im Meer fällig. Seichte Sandbucht mit mittelgr. Wellen. Lesen, Kaffee, Klönen. Just als wir wieder mal grillen wollen, ziehen Gewitterwolken vom Meer auf. Wir rollen unsere Markise aus und sichern sie gegen Sturm. Das Gewitter besteht dann doch nur aus ein paar Regentropfen. Bei einem Absacker lassen wir den Abend draußen ausklingen.
Pleiten, Pech und Pannen: Während Peter repariert will ich einen Brummer zum Fenster hinauslassen – robbe auf dem Sofa entlang, um die Verschlüsse zu öffnen, und drücke mit dem Knie prompt meine Lesebrille breit. Klaus tankt im Ort und der Tankwart lässt den Deckel mit Schlüssel fallen. Dieser ist, wie sich bei einer Schließprobe herausstellt, angebrochen. Klaus besteht auf Erneuerung (Ersatz) und in 20 Min. ist alles paletti und sie können weiterfahren. Heute ist Dienstag der 13.


   |   Tages KM: 90

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Mittwoch, 14.10. Süprülü Plaj Kale

Schon gestern fuhren etliche Pkw mit „Karacho“ an uns vorbei und kamen nicht zurück, einige jagen in die andere Richtung. Nach dem Frühstück machen Peter und ich uns auf Entdeckungsgang. Gleich hinter einer kl. Halbinsel schließt sich eine weitere große Bucht mit Kiesstrand an. Hier liegen im Schutz der Halbinsel einige Ausflugsdampfer vor Anker. Etliche Picknickrestaurants sind dabei ihre Läden winterfest zu machen. Auch hier ist die Saison zu Ende. Nach etwa 2 Km kommt ein Abzweig nach Kale. Das erklärt den vielen Autoverkehr. Der aufkommende starke Wind beschert uns heute Brandungsbaden – die Gischt umbraust den Körper. Wir fühlen uns wie in einer großen Trommelwaschmaschine! Am Nachmittag spazieren wir durchs große Waldgelände und entdecken eine Wasserzapfstelle. Es geht immer der Strasse entlang Richtung Hafen Kale, so vermuten wir. Kleine Häuser, in Strandnähe Freiensiedlungen – alles wirkt beschaulich. Bouganville in allen Farben über Mauern - Olivenbäume mit reichlich reifen Früchten, die Ernte kann beginnen. Auf einmal taucht eine kleine Katze auf, schmiegt sich an unsere Füße und schnurrt. Egal wohin wir gehen, sie folgt auf Schritt und Tritt. Nein, ist die niedlich! Da könnte man direkt schwach werden und sie mitnehmen. Selbst im Dorf scheint sie nicht zu Hause zu sein, sie kommt uns hinterher. Aber mitnehmen können wir sie nicht - oder doch? Peter setzt sie auf eine Mauer. Doch für das Kätzchen kein Problem, schon ist sie uns miau – miau auf den Fersen. Erst als wir sie hinter eine Mauer im Ort setzen, verliert sie unsere Spur.
Überlegung: Was hätte Eddy wohl zu einem neuen Mitreisenden gesagt.


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Donnerstag, 15.10. Süprülü Plaj Kale

Liesel simst: durch starke Regenfälle stecken sie beim Nostalgie Camping im Schlamm fest. Ein Traktor hat sie rausgezogen! Bei uns ist das Gewitter mit nur wenigen Regenfällen vorbei gezogen. Glück gehabt! Wir nutzen die Frischwasserversorgung auf dem Picknickplatz im Wald und steuern Kas an. Es geht übers Gebirge, und von 500m Höhe abwärts, in das schöne Küstenstädtchen. Am Außenhafen wird gewaltig gebaut. Der Hafen wird vergrößert und eine Ortsumgehung entsteht. Zwischen Sandhaufen und lärmenden Baufahrzeugen finden wir an der Kaimauer einen Stellplatz. Schon bald machen wir uns auf den Weg in das nahe Zentrum. Mit Marianne und Klaus sehen wir uns das alte Theater und den Campingplatz an. Wie so häufig, hat man für größere Mobile keine Stellplätze. In einem der vielen Lokale essen wir eine Kleinigkeit. Danach sucht Klaus einen Friseur auf. Wir anderen schauen uns die geschmackvoll dekorierten Auslagen der vielen Geschäfte an. Dabei fällt uns auf: viel hochwertiger Schmuck. Liegen im alten Hafen die „dicken“ Schiffe der Kaufinteressierten? Drei Supermärkte buhlen um Kunden wie uns – so füllen wir schon mal die Kühlschränke. Vor den Mobilen sitzen wir mit Blick auf Hafen, den Baulärm im Rücken. Da trudeln Liesel und Tilo ein. Sie haben uns schon von der Bergstr. aus gesehen. Nach einem kleinen Erfahrungsaustausch (Schlammerfahrung) fahren sie weiter zum Campingplatz. Sie wollen in Kas 2-3 Tage verbringen und einen Bootsausflug zur Insel Kerkova mit den versunkenen Ruinen unternehmen. Abends planen wir gemeinsam Essen zu gehen. Das in unserem Reiseführer empfohlene Restaurant befindet sich in einer Seitengasse. Wir schauen in alle Kochtöpfe und lassen uns das was drin ist erklären. Ein Mixteller – von jedem etwas – und vorher eine Vorspeisenplatte, geben uns einen Einblick in die vorzügliche türkische Küche. Abends taucht das Licht der vielen Restaurants, Bars und Shops Kale in eine südliche Urlaubsstimmung – einfach nur schön.
Türkische Küche: ist vom Feinsten – sehr geschmackvoll. Es muss nicht immer Schnitzel sein.


   |   Tages KM: 52   |   GPS Nord: 36°33’11“   |   GPS Ost: 29°37’58“

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Freitag, 16.10. Kas

Unsere Frühstücksterrasse ist heute die Kaimauer mit Blick auf die Bucht. Da kommen doch tatsächlich zwei große Segelschiffe direkt auf uns zu und legen an. Touristenrundfahrt mit Hamburgflagge, wir können das Anlegen direkt vom Frühstückstisch aus beobachten. Wie wir so schauen, da bekommen wir von dem einen Schiff zugerufen: „Guten Tag, Herr und Frau Ambos!“ Nanu, wer kennt uns dort? Das Rätsel ist wird wenig später gelöst. Eine Familie aus Glinde, die eine Segeltour von Hafen zu Hafen (Bucht) mit dem Segelschiff macht. Sie haben heute Kas im Tagesprogramm, oder auf Wunsch den Tag zur freien Verfügung. Sie wissen so einiges über das Leben an Bord zu berichten. Wir wollen noch ein paar Einkäufe auf dem nahen großen Wochenmarkt tätigen. Das große Angebot an Obst, Gemüse und Bekleidung „erschlägt“ uns fast. So viel und so preiswert! Jetzt kann es weitergehen bis zu unserem nächsten Punkt: Ölüdeniz. Einen Zwischenstopp legen wir im Saklikent-Canyon ein. Der Fluss Esen-Cayi hat eine tiefe Schlucht in die Felsen gegraben. Man kann die Schlucht auch durchwandern. Der Eintritt kostet 4 TL. Peter schafft als einziger die steinige, rutschige, kalte Überquerung (barfuß). Er muss aber seine kurze Hose noch hochkrempeln. Mittags gönnen wir uns beim netten Restaurant am Parkplatz Forelle mit Beilagen (8 TL). Als wir am anderen Ende des Rundwegs weiterfahren, sehen wir Restaurants mit Preisschildern: 3 TL Forelle mit Beilagen. Horst meint trocken: ist sie für den Preis auch schon gebraten? Bis Fethiye gibt es Granatapfelplantagen. Zurzeit ist Ernte und es juckt schon in den Fingern, so ein paar knallrote für die Weihnachtsdekoration „mitzunehmen“. Wir bleiben standhaft und kaufen weiter auf den Märkten, aber wie so oft, stehen die Schönsten immer in anderen Gärten. Nach Fethiye müssen wir übers Gebirge, um den schönsten Strand der Türkei, Ölüdeniz zu erreichen. Was hat sich der Ort Ovacik ausgeweitet. Mit seinen Pensionen, Hotels und Geschäften erreicht er fast den Badeort Ölüdeniz. Wir suchen den Campingplatz auf, auf dem wir 2005 standen. Er heißt jetzt „Sea-horse“ und wird von einer jungen Frau geführt. Der vordere Teil wurde total umgestaltet. So sind jetzt in Strandnähe Rasenplätze für Großveranstaltungen wie Hochzeiten und feste Caravanvermietung entstanden. Wir haben so gar keine Lust auf dem nun eigentlichen hinteren Campingplatz zu stehen. Dort ist nur Lehmuntergrund mit wenig Rasen – was ist, wenn es mal kräftig regnet? Mit einigem Hin und Her können wir auf dem betonierten Parkplatz am Strand mit Terrasse zum Rasen stehen. 20 Euro pro Tag will die Geschäftsfrau haben. Ganz schön happig finden wir. So viel haben wir in der Türkei noch nirgends bezahlt. Wir willigen vorerst ein und wollen in Ruhe die anderen Plätze anschauen und vergleichen. Abends stürzen wir uns mit Ulla und Horst ins Getümmel im nahen Ölüdeniz. Dieser Ort scheint von Engländern bevorzugt zu sein. So sind die Restaurants überwiegend auf engl. Kost eingestellt und alles spricht englisch. Silber, Gold, T-Shirts und Wassersportgeräte – es gibt alles, was das Herz der Urlauber begehrt. Wir genehmigen uns einen Drink in einer Bar.
Erkenntnis des Tages: Auch hier kennt man Happy-hour, mit Preisen wie in Deutschland.
Temperaturen: nachts 24°C, tagsüber um die 30°C


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Samstag, 17.10. Ölüdeniz/ Fethiye

Gestern Abend haben wir noch die Preise auf dem Nachbarcamping in Erfahrung gebracht, 25 TL incl. Nachsaisonrabatt. Die Männer schauen sich den Platz nochmals bei Tageslicht an und entscheiden: unser Platz ist schöner! Jetzt müssen wir nur noch bei der Geschäftsführerin um einen Nachlass verhandeln. Sie will uns bei 4 Tagen Übernachtung 10 Euro Rabatt geben. Wir sagen knallhart 60 Euro, und geben ihr 10 Minuten Bedenkzeit um sich mit Baba (einem älteren Herren) zu beraten. Etwas später kommt sie bei uns vorbei und erklärt sich mit unserem Preisvorschlag einverstanden. Nun aber nicht wie los, das Ausflugsschiff erwartet uns.
Eine Schifffahrt mit 6 Zwischenstopps, zum Baden und Mittagessen für 15 TL, haben wir gestern reserviert – der Preis erschien uns sehr günstig. Mit uns sind etwa 50 Personen an Bord der Volkan4. Um 11 Uhr legen wir ab. Fast alle Leute sitzen auf dem Sonnendeck, oder haben es sich auf den Matratzenliegen bequem gemacht. Die Badepausen an den unterschiedlichen Stopps erfrischen ungemein – wenn nur nicht das lästige „Badehosenwechseln“ wäre! Als Mittagessen haben wir alle Hähnchen mit Reis und Salat gewählt – reichlich und lecker. Auch Köfte und Fisch wären möglich. Die nette Besatzung bietet in der Zwischenzeit Getränke, Eis und Chips zu zivilen Preisen an. Was kann es uns doch wieder einmal gut gehen!!! Unser Schiff legt um 17.30 Uhr wieder an und wir können einen warmen Sommerabend vor den Mobilen genießen. Vom Nachbarcamping tönt türkische Livemusik zu uns herüber. Wie wir mit etwas Anstrengung auf der obersten Stufe vom Mobil sehen können, findet dort eine türk. Hochzeit statt. Das Brautpaar steht in einem geschmückten Pavillon und nimmt die Glückwünsche der Gäste entgegen. Der Essensduft steigt verführerisch in unsere Nasen. Wir hören Tellerklappern, fröhliches Lachen, Stimmengewirr und schöne Musik. Wir Frauen sind neugierig und stiefeln los um uns das Geschehen anzusehen. Im nach allen Seiten geöffneten Pavillon steht eine Bar, davor eine Tanzfläche mit Musikkapelle. Die Gäste sitzen auf bequemen Polstern bei stimmungsvoller Beleuchtung. Die Musikgruppe hat Pause und zur Discomusik tanzen junge Mädchen ausgelassen in schulterfreien Abendkleidern nach den neuesten Hits. Das Brautpaar geht von Tisch zu Tisch und spricht mit den Gästen. Ein Filmteam hält alles fest – eine türk. Hochzeit nach europäischem Vorbild. Zurück bei den Mobilen hören wir noch eine Weile der Musik zu. Um 24 Uhr ist die Feier beendet, so berichtet uns am anderen Morgen Peter, er hatte Sport-TV total. Wir anderen lagen da längst schon in den Betten und schliefen wie die Murmeltiere.
Tipp bei überteuerten Campingplätzen: mit Charme verhandeln.


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Sonntag, 18.10. Ölüdeniz/ Fethiye

Baden in der Lagune, sonnen, lesen, faulenzen. Heute bekommen wir eine Flugshow präsentiert – unfreiwillig. Acht Düsenjäger „jagen“ mit hoher Geschwindigkeit und immer neuen Formationen durch die Täler und über die Buchten entlang, einen langen gefärbten Schweif hinter sich herziehend. Mit Unbehagen beobachte ich das Ganze. Was wäre wenn? Die Sonne sticht vom Himmel, nur im Schatten und im Wasser ist es für uns erträglich. Heute grillen wir bei Sonnenschein, Liesel und Tilo sind gerade eingetroffen. Sie berichten von Unwettern und Touristen die aus Orten mit verschütteten Strassen befreit werden mussten. Sie wollen im Ort essen gehen, ein kleiner Trupp von uns will nachkommen. Horst und Peter sind im Formel-1-Fieber. Just als wir um 19 Uhr losziehen, zucken in der Ferne Blitze vom Himmel – ein Wärmegewitter. Ulla zieht es vor am Mobil zu bleiben. Klaus, Marianne und ich sind bereits ein großes Stück vorangekommen, als sich eine Wetterwand vom Ort auf uns zu bewegt. Jetzt nichts wie umgekehrt, im Laufschritt erreichen wir den Platz und flüchten in die Bar. Es ist sehr schwül und ein wenig später bricht das Unwetter los. Wir sind mit 3 Angestellten die einzigen Gäste und bestellen uns einen Ölüdeniz-Breeze-Cocktail zum Abkühlen. Von den Barhockern blicken wir in die vom Sturm aufgepeitschte Bucht – ein Boot ist noch draußen und auf den Fernseher, der plötzlich ausfällt. Schon bald erscheint Peter, auch bei ihm ist kein Fernsehempfang. Er ist sehr überrascht, als er uns auf den Barhockern sieht, Hatte er uns doch im Ort vermutet. Nun hat er schon mal Fernsehempfang für Formel 1, und wieder nichts! Wir Cocktailtrinker haben dafür nur ein Schmunzeln – der Inhalt hat es in sich. Nach 1 Stunde hat das Wetter sich wieder beruhigt – nun regnet es nur noch sanft.
Frage des Tages: Kann es sein, dass Liesel und Tilo die Unwetter anziehen?


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Montag, 19.10. Ölüdeniz/ Fethiye

Gegen Mittag starten wir zu acht mit dem Dolmus nach Fethiye. Im alten Basarviertel gibt es in der Nähe des Hafens einen Fischmarkt (täglich). Rundherum sind Restaurants, die sich mit der Zubereitung der Fische Geld verdienen. Eine Restaurantbesitzerin bietet den Service: Fisch zubereiten, Salat und Brot für 5 TL pro Pers. an. Wir suchen auf dem Fischmarkt Seebarsch, Garnelen und Dorade für uns aus. Der frische Fisch wird nach Bezahlung ins Restaurant geliefert. Als Vorspeise erhalten wir alle Fladenbrot mit Knoblauchbutter. Einige von uns bestellen noch einen leckeren Vorspeisenteller. Der Fisch kommt gegrillt mit gemischtem Salat in kürzester Zeit auf unseren Tisch. Wie ist es bloß möglich für nur 5 TL pro Pers. auf „ihre“ Kosten zu kommen? Bestecke, Teller, Salat, Brot, Personal für die Zubereitung und Bedienung? Wir gönnen uns einen Hamambesuch. Im alten Hamam sind zurzeit nur 3 Frauen als Gäste. Der Marmorstein ist nur für max. 5 Pers. zum Aufwärmen geeignet, so warten wir in den Badenischen. Die Frauen im Bikini werden von einem älteren Herrn (mit Ziegenhaarschwamm) geschruppt, um dann von einem jüngeren Mann die Seifenschaummassage zu erhalten. Wir können nur kurz auf dem Stein verweilen, dann sind wir Frauen an der Reihe und ruck–zuck, schon sind wir fertig. Dann sind die Männer dran. Marianne und Horst warten einstweilen draußen. Ein kleiner Tee schließt den Hamambesuch ab. Wir fühlen uns wie neugeboren – fabelhaft. Anschließend Freizeit für jeden von uns. Peter und ich durchstreifen den Basar. Wir sind auf der Suche nach Geschenken für unsere Freunde daheim. Es ist schon dunkel, als wir den Campingplatz wieder erreichen.
Tipp des Tages für Frauen: gehe nie in den Basar ohne deine EC- Karte!
und für Männer: gehe in den Basar ohne deine Frau!


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Dienstag, 20.10. Ölüdeniz/ Fethiye

Wir nehmen einen „beweglichen“ Reisetag und bleiben noch einen Badetag in dieser schönen Bucht. Peter du ich spazieren bis zum Ende der Bucht und über den Berg, dort befinden sich die Badebuchten der Ausflugschiffe: Camelbucht, Nikolausinsel und Aquariums-Bucht. Auf dem Rückweg entdecken wir einen Abzweig nach Kayaköy, der alten griech.Stadt. Schade, für einen Abstecher dorthin sind wir nicht vorbereitet. Wir haben nicht das richtige Schuhwerk an und keine Getränke eingepackt. Jetzt am späten Vormittag ist es bereits sehr warm und durch die Anstrengung sind wir ganz schön ins Schwitzen geraten. Wir baden, faulenzen und schauen am späten Nachmittag den vielen Paraglidern über der Bucht zu (Tandemfliegen kostet 55 Euro). Am Abend schlendern wir auf einen kleinen Absacker nach Ölüdeniz.
Erkenntnis des Tages: Im Ort ist merklich weniger Touristenrummel. Bald ist auch hier (wie 2005) alles geschlossen.


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Mittwoch, 21.10. Ölüdeniz

Unsere Weiterreise beginnt mit einem dummen Zwischenfall. In der Ausfahrt bleibt Klaus mit seiner DVB-T Antenne an einem Kabel hängen. Die Antenne wird abgerissen. Unser heutiges Ziel ist eine Bucht hinter Mamaris. Bis Göcek gibt es Ausblicke auf schöne Buchten, in unserem Reiseführer als Segelparadies beschrieben. Bei Ortaca biegen wir nach Dalyan ab. Im Hafen liegen viele kleine Ausflugsboote. Auch uns wird eine Tagesbootstour zu den Felsengräbern, den Ausgrabungen von Kaunos und der Meeresschildkrötenfütterung angeboten. Doch noch einen weiteren ganzen Tag wollen wir nicht auf einem Boot verbringen. Die Felsengräber lassen sich auch vom Hafen aus fotografieren. Mittags kehren wir in ein typisch türk. Restaurant ein. Einstimmiges Urteil: preiswert, gut und schnell. Nun wird es auch Zeit für die restlichen 120 km. Vom 500 m hohen Cetibeli geht es kurvenreich hinunter nach Maramis. Der Ort erfreut sich größter Beliebtheit unter Seglern und Engländern. Wir lassen die vielen Touristenburgen „links“ liegen, fahren dann noch einige Kilometer Richtung Halbinsel Resadiye, und biegen dann auf den Picknickplatz Cubucak Mesire Yeri ab. Hier ist auch Camping möglich. Unter hohen Pinienbäumen suchen wir in Meeresnähe ein schönes Plätzchen. Um 18 Uhr wird der Platz für Picknickgäste geschlossen, wir sind die einzigen Camper. Einige Hühner, Katzen und Esel laufen frei herum.
Tipp: Es gibt sie noch, die einsamen schönen Plätze in Meeresnähe.


   |   Tages KM: 185   |   GPS Nord: 36°48’04“   |   GPS Ost: 28°05’52“

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Donnerstag, 22.10. Camping Cubucak Mesire Yeri

Peter und ich unternehmen heute einen Abstecher auf die Halbinsel Resadiye. Liesel und Tilo haben gesimst: wunderbar in Datca. Richtung diesem Ort geht es mit 10% Steigung stetig bergan. Mal sehen wir das Meer links, mal rechts, davor einsame Buchten mit menschenleeren Stränden. Die werden wir morgen auf der Rückfahrt näher in Augenschein nehmen. Unser 1. Stopp nach 40 km gilt Datca. Auf einem kleinen Parkplatz im Zentrum, ganz in der Nähe des Hafens, können wir kostenlos unser Mobil parken. Morgens um 10 Uhr wirkt das kleine Städtchen noch etwas verschlafen. Wir benötigen einen Optiker (2 Brillen sind leicht beschädigt) und einen Bankautomaten. Der erste Automat fragt 3x nach der Geheimnummer, spuckt aber kein Geld aus. Auf Knopfdruck gibt er die Karte wieder raus, anscheinend arbeitet die Bank nur mit Visa. So ziehen wir weiter zum nächsten Automaten der Ing- Bank. Wir schieben die EC-Karte rein, alles funktioniert normal. Als letztes kommt die Abfrage: benötigen sie eine Quittung? Wir bestätigen mit Ja und dann war’s das. Es passiert nichts, der Automat behält sein Geld und unsere Karte. Weit und breit keine Bank für die Reklamation, jetzt ist guter Rat teuer! Während Peter am Geldautomat wartet suche ich Hilfe bei der Polizei gegenüber. Der Polizist sagt: „wait a moment“ und verschwindet in einem der Gebäude. Ich warte, es kommt niemand. Neben dem Automaten befinden sind einige Geschäfte – ich erkläre unser Missgeschick. Ein junger Mann mit etwas Englischkenntnissen informiert uns. Wir haben Glück, heute am Donnerstag zwischen 12 und 15 Uhr, kommt ein Angestellter der Bank und öffnet den Automaten. Der junge Mann will uns informieren und notiert dazu meine Handynummer, wir könnten uns einstweilen den Ort ansehen. Nun heißt es für uns: abwarten und Tee trinken. Im Cafe schräg gegenüber nehmen wir Platz. Bis 12.30 Uhr haben wir 1 türk Kaffee, 3 Tee, 2 Kuchen verzehrt und die Bildzeitung von vorn bis hinten durchgelesen – noch immer ist nichts passiert. Das kann ja heiter werden, diese Warterei ist entnervend! Hätten wir doch …… Zur Ablenkung spazieren wir durch den Ort – auf und ab - am Hafen entlang, zum Mobil, an der Touristeninfo vorbei. Ob ich mal da mein Problem vorbringe? Doch die Info hat geschlossen, aber im Nebenraum sitzen einige Männer. Gott sei dank können wir uns sprachlich verständigen, und ich erzähle von unserem Pech. Sie wissen zu berichten, dass die Bankfiliale in Maramis sitzt und suchen per Internet die Telefonnummer und Adresse für mich raus. Dann rufen wir gemeinsam dort an. Puh, ist das schwer, sich sprachlich verständlich zu machen. Ich erfahre, dass nicht heute, sondern erst am Montag Vormittag der Automat geöffnet wird. Am Nachmittag können wir dann unsere EC-Karte in Maramis abholen. Peter und ich überlegen eine Weile. Am Montag, dann wollen wir mit unserer Gruppe bereits in Seldsuk sein, gibt es keine andere Möglichkeit? Ich telefoniere mit unserer Bank in Deutschland. Die meinen: Karte sperren und die türk. Bank soll unsere Karte nach Deutschland schicken. Das unterbreite ich nun telefonisch dem netten Herrn der türk. Bank. Dieser sagt: „türk. Banken verschicken keine EC-Karten nach Deutschland“. Aus unserem weiteren Gespräch entnimmt er, dass wir in ein paar Tagen in Izmir sind. Dahin will er die Karte schicken. Wir wollen aber in Izmir keine Bankfiliale suchen, wir wollen…. ach, er soll die Karte einfach am Montag vernichten. Doch was heißt vernichten auf englisch? Ich versuche es zu umschreiben und denke die ganz Zeit: oh Mann, oh Mann, warum mussten wir ausgerechnet an diesen Automaten gehen. Inzwischen ist es 14.30 Uhr. Wir holen das Mobil und fahren zu unserem eigentlichen Ziel, den Traumbuchten Hayitbükü und Ovabükü. Nach Datca geht es 550 m bergauf und dann in Serpentinen nach Mesudiye ans Meer. Wir parken am kleinen Hafen und springen zur Abkühlung ins kristallklare Wasser. Spazieren in abgelegene Buchten und schauen den Segelbooten beim Anlegen zu.
Erkenntnis des Tages: vertraue nicht unbedenklich den Bankautomaten.


   |   Tages KM: 78   |   GPS Nord: 36°41’00“   |   GPS Ost: 27°34’20“

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Freitag, 23.10. Hayitbükü

Gleich nach dem Frühstück starten wir zur Nachbarbucht Ovabükü. An dem langen feinen Kiesstrand gibt es nur eine Anglerin und uns. Wir schwimmen im türkisblauen Wasser, sehen bis auf den steinigen Grund – herrlich. Über ein schmales Sträßchen, das sich um die Berghänge am Meer entlang schlängelt, erreichen wir Palamutbükü. Auf unserem Weg dorthin passieren wir viele zauberhafte einsame Buchten. Oberhalb von Palamutbükü biegen wir auf die Hauptstr. nach Knidos. Olivenbäume, Bienenstöcke ohne Ende, Mandelbäume und Pinienwälder säumen den Weg. Das letzte Stück der Strasse nach Knidos ist für unsere Mobilgröße nur einspurig, und man muss versuchen weit vorausschauend zu fahren um rechtzeitig eine Ausweichstelle zu erreichen. Die Sonne lacht vom blauen Himmel, als wir das Ausgrabungsgelände von Knidos erreichen. Im Hafen liegt ein Ausflugsboot, mehrere kleine Yachten dümpeln im Wasser. Wir nehmen den gleichen Weg zurück. Kurz bevor wir unseren Platz vom Vortag wieder erreichen, sehen wir uns noch einen anderen Campingplatz an. Von der Strasse aus kann man die traumhafte Lage gut sehen, aber die Zufahrt erweist sich als Alptraum. Unten angekommen, sind die Plätze eher etwas für Kastenwagenfahrer. Als der Platzwart dann auch noch für einen 2 Std. Badestopp den Tagessatz für den Campingplatz haben möchte, sagen wir uns: nichts wie weg hier. Auf unserem alten Platz erwarten uns Marianne + Klaus, Horst + Ulla und Liesel + Tilo. Kaffeeschwätzchen in der Sonne mit dem Erlebnisaustausch von heute und gestern. Ulla und Horst haben gestern auch eine Rundfahrt unternommen, sind aber am Abend wieder zurück gekehrt. Horst ist inzwischen als „Katzenjäger“ verschrien. Er verjagt die vielen Katzen aus Eddys Revier.
Tipp: Diese Halbinsel hat so traumhafte Buchten. Wir müssen noch mal wieder kommen!


   |   Tages KM: 117

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Samstag, 24.10. Camping Cubucak Mesire Yeri

Beim Frühstück bewölkter Himmel, danach verabschieden sich Liesel und Tilo. Wir anderen fahren nach Marmaris. Unterwegs haben wir 15 Min. starken Regen, dann ist wieder die Sonne zu sehen. Ist ja auch kein Wunder, Klaus hat gestern sein Auto gewaschen. Im Altstadtbasar von Marmaris preisen die Verkäufer ihre Ware zu „Ausverkaufspreisen“ an. Uns interessieren mehr die engen schmalen Gassen, die Richtung Burg bergan gehen. Hier ist Autoverkehr nicht mehr möglich. Zwei Stunden Bummel reichen aus, dann geht es weiter nach Milas. Vor Mugla müssen wir alle tanken und steuern eine Shell Tankstelle an. Während unsere Fahrzeuge betankt werden, wäscht ein Team von drei Männern nach und nach unsere Mobile (Gratis - so schnell wie beim Formel 1 Boxenstopp, bemerkt Peter). Man serviert uns türk. Tee – wir sind völlig baff. Als Rabatt erhält jedes Mobil beim Bezahlen noch drei Trinkgläser. Tesekür – Dankeschön. Da kommen wir doch gerne einmal wieder zum Tanken vorbei! Über Yatagan führt die Strasse durchs Gebirge nach Milas, stets mit schöner Aussicht. Der Abbau von Gesteinen in einem Bergwerk, wird an anderer Stelle wieder aufgefüllt und lässt Mondlandschaften entstehen. Auf meinen Wunsch fahren wir ins Zentrum von Milas. Mich interessieren die kleinen Handwerksgassen, ob die so aussehen wie in Marokko? Weit gefehlt – alles größer und moderner. Aber die Naht an meiner Sandale bekomme ich beim Schuster sofort repariert. In diesen Strassen sind, außer uns, keine Touristen, sondern nur Einheimische unterwegs. Am Bafa See planen wir die Übernachtung auf dem Zeybek Pension und Campingplatz. Der kleine Ort Kapikiri liegt 10 Km landeinwärts am Bafa Gölü. Das Sträßlein hat eine Asphaltdecke und entlang des Weges ragen uns Granatapfelbäume entgegen – sollte man? Jetzt um 16 Uhr sind etliche Hirten mit den Kühen zum Dorf unterwegs. Diese scheinen sich von uns nicht stören zu lassen. Mal trotten sie links, mal rechts auf der Strasse vor uns und tragen ihre Zweikämpfe aus. Wie wir später feststellen, hat uns eine mit dem Horn die Seitenklappe leicht verschrammt. Geht weg zu polieren, aber trotzdem ärgerlich. Mit den Ausgrabungen von Heraklion (was noch übrig ist), kann man nicht beginnen, denn die Dorfbewohner haben auf Mauerreste ihre Häuser gebaut. Der Campingplatz ist einfach und von der Restaurantterrasse blickt man auf kleine Inseln im See. Auf denen stehen auch noch Mauerreste aus byzantinischer Zeit. Die vielen Frauen im Ort handarbeiten fleißig – kaum haben sie einen Touristen erblickt, so stürzen sie sich mit ihren Waren auf diesen. In vielen Sprachen, unter anderem auch deutsch, erklären sie ihre Handarbeiten. Wirklich hübsch und preiswert, aber ich brauche keine Tischdecke und auch keinen Schmuck. Sie schauen beleidigt, ist es doch vielleicht ihre einzige Einnahmequelle in diesem abgelegenen Dorf. Hinter dem Ort beginnt das wild zerklüftete Latmosgebirge. Wanderungen in dieses und zum Stylos-Kloster werden angeboten. Wer will, kann auch die Vogelwelt auf dem salzhaltigen Bafa beobachten. Ein Spaziergang durch den kleinen Ort ist wie ein Weg in eine andere Zeit – sehr beschaulich. Abends speisen wir auf der Außenterrasse unserer Pension: Fisch, Köfte, Vorspeisen und haben einen herrlichen Blick auf den See mit Abendstimmung.
Geschenke: Auf dem Platz dürfen wir uns (ich habe den netten Besitzer vorher gefragt) ein paar seiner herrlich roten Granatäpfel abpflücken. Er meint sie sind nutzlos, da sie sich nicht zum Essen eignen, aber für meine Zwecke sind sie gerade richtig.


   |   Tages KM: 183   |   GPS Nord: 37°29’55“   |   GPS Ost: 27°31’28“

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Sonntag, 25.10. Bafa Gölü

Heute geht die Fahrt an den Strand von Pamucak, nahe der Ausgrabungsstätte Ephesus. In der Nacht hatten wir die Zeitumstellung – nur unsere innere Uhr tickt noch anders. Alle sind sehr zeitig fertig. Hier und da zeigt sich die Sonne – ist der Herbst jetzt da? Die Olivenernte ist in vollem Gange, ist das etwa die Lieblingsspeise der Wildschweine? Wir sehen einige tote Wildschweine am Straßenrand liegen. Es ist noch früh am Tag. Peter schlägt vor, in Kusadasi anzuhalten und einen Streifzug durch den Ort zu unternehmen. Je näher wir dem Zentrum kommen, je mehr Schilder mit Parkverbot sehen wir. Trotzdem parken viele Pkw am Straßenrand (sonntags Ausnahme?). Hotels ziehen sich den Hang hinauf, jeder Fleck scheint bebaut werden zu müssen. Wir parken allesamt direkt vor den beiden Campingplätzen, von hier ca. 15 Min zu Fuß bis ins Zentrum. Die Restaurants und Geschäfte haben die Preise in € und ₤ ausgezeichnet. Sind wir noch in der Türkei? Im Hafen liegen einige Kreuzfahrtschiffe. Die Passagiere Landgang und wer nicht mit nach Ephesus gefahren ist, macht Shopping im alten Basar. In den malerischen kopfsteingepflasterten Gassen wimmelt es nur so von „weißen Beinen“ – einige sind nur mit Bikini bekleidet unterwegs. Das können nur „Amis“ sein – schrecklich! Nach drei Gassen haben wir das ganze Programm erfasst – so ähneln sich die Auslagen der Geschäfte. Zu Fuß ist die kleine Insel „Güvercin Ada“ Kuşadasi zu erreichen. Von hier blickt man auf die „Touristenstadt“ (Kreuzfahrtschiff), den Hafen und das Meer. Wieder ziehen Wolken auf und wir beeilen uns, das Mobil trockenen Fußes zu erreichen. Über die neue Schnellstr. sind wir, nachdem wir einige Hotels und Aquaparks passiert haben, bald am Camping Dereli in Pamucak. Liesel und Tilo sind schon da, sie parken auf Beton unter Palmen, mit Blick auf den Sandstrand. Für uns haben sie auch reichlich Platz gelassen. Der Platz ist ideal für ein paar Badetage, wenn da nur nicht die Mücken wären.
Erkenntnis des Tages: Alle Sprays und Cremes gegen Mücken werden ausprobiert und getestet – jeder schwört auf seine Mittel gegen die Plagegeister.


   |   Tages KM: 99   |   GPS Nord: 37°56’18“   |   GPS Ost: 27°16’34“

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Montag, 26.10. Pamucak

Wir genießen das Faulenzen und schicken unsere Mitreisenden auf Besichtigungstour, Ephesus ist ein Muss. Die Eintrittspreise schonen nicht den Geldbeutel, zurzeit 35TL pro Person. Heute ist es mit dem schönen Wetter vorerst vorbei. Das Wasser hat sich deutlich abgekühlt, nur noch 22°C. Aber wir gehen noch immer barfuss in Sandalen. Liesel und Tilo wollen sich ab heute unserer Gruppe anschließen - herzlich willkommen - Hoşgeldiniz!
Peter: plant die Rückreise um. So soll es nicht mehr über Tschechien, sondern über Polen nach Hause gehen


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Dienstag, 27.10. Pamucak

Am Nachmittag wollen wir alle in Izmir durch die Altstadt bummeln, einkaufen und die Düfte der der Basare schnuppern. Peter wählt den kürzesten Weg über Menderes zu einem Campingplatz in Güzelbahce. Der Oba Camping liegt 19 Km vor Izmir auf der Strecke Cesme – Izmir. In der 2,9 Millionenstadt herrscht reger Straßenverkehr mit einigen Unfällen. Wir müssen „höllisch“ aufpassen, um uns nicht aus den Augen zu verlieren. Oba Camping hat sich in den letzten 7 Jahren kaum verändert. Unter Bäumen stehen Caravans von Dauercampern, Holzhäuschen sind auch zu mieten – um uns laufen Hühner, Gänse, Katzen und junge Hunde frei herum. Pfauen im Käfig und ein Affe trostlos allein eingesperrt – für wen hält man die Tiere hier? Der Platzbetreiber spricht deutsch, weist uns in Parklücken ein und erklärt uns die Busse (Abfahrzeiten und Linien) nach Izmir. Schon bald steigen wir in den Bus und drücken dem Fahrer das Fahrgeld abgezählt in die Hand. Klaus als letzten hält er fest. Er muss sich vorne hinsetzen und die Fahrscheine in Empfang nehmen, dazu erklärt ihm der Fahrer etwas. Was? Vielleicht, dass unsere Karte für 3 Fahrten zu benutzen ist (kleinste Barzahlung im Bus). Eine Stunde benötigt die Linie 82. Dann steigen wir total steif am Konakplatz, im Zentrum der Stadt, aus. Im nächsten Schnellimbiss mit Sitzgelegenheit stärken wir uns für den Bummel durch den Basar. Jedes Paar hat andere Schwerpunkte für die Einkäufe. Peter und ich waren schon öfter hier und so lassen wir uns durch die vielen Gassen treiben. Viele „Schlepper“ wollen uns Lederjacken verkaufen, sehen wir so verfroren aus? Nein, in unserer Sommerkleidung kommen wir in den Basaren ganz schön ins schwitzen (25°+). Wir erstehen noch ein paar Geschenke und fahren dann mit der Linie 8 zu unserem Platz zurück. Für den Abend reservieren wir 8 Plätze im „Selbstgrillrestaurant“. Der Kellner zeigt uns die in einer Kühltheke liegenden Grillwaren und erklärt uns alles in seiner Landessprache. Seine Kollegen stehen lachend herum weil wir nichts verstehen – wir zucken mit den Schultern – nix verstanden. Als wir pünktlich eintreffen rücken die Kellner zwei Tische zusammen. An jeder Stirnseite stehen kleine Tische für die Grillzutaten und ein Holzkohlegrill. Am Fleischtresen wählt jede Familie für sich die Vorspeisen und das entsprechende Grillfleisch aus. Jede Familie mit Namen. Am Tisch schauen wir erwartungsvoll was kommt. Schon gleich geht alles drunter und drüber. Man hat uns wohl falsch verstanden. Wir haben für uns Zigaretbörek und gebackenen Käse bestellt, der Kellner bringt für jeden am Tisch eine Portion. Wie das wohl weiter geht? Das Grillfleisch das sich jede Familie ausgesucht hat, serviert man gemeinsam auf einer Platte. Oh je – weiß noch ein jeder was er sich ausgesucht hat? Auf unseren Wunsch wird das Grillgut wieder Familienweise getrennt. Ob das in der Türkei so üblich ist? Die Männer grillen für sich und ihre Frauen. Dichter Rauch zieht über die Tische. Wir sitzen zwar draußen überdacht, aber der Wind treibt den Rauch von den anderen Tischen auch zu uns. Langsam füllt sich der Parkplatz mit Fahrzeugen der gehobenen Mittel-/Oberklasse. Wir sind anscheinend in einem „Inn- Restaurant“. Ein Parkplatzwärter öffnet den Frauen die Türen und ist ihnen beim Aussteigen behilflich. Im Restaurant wird außer Bier auch Raki und Wein ausgeschenkt, und auf nicht wenigen Tischen steht eine ganze Flasche Raki (Medizin)? Das Fleisch ist spitze und als wir endlich satt sind, rufen wir den Kellner. Bitte die Rechnung separat. Nach einer Weile kommt er wieder und ruft die Familien mit Namen auf – er nennt den Endbetrag. Wobei 2 Familien 35 TL und 2 Familien 40 TL bezahlen sollen. Jetzt müssen wir herzhaft lachen. Bei der Summe hätten wir gleich die Gesamtrechnung durch 4 teilen können (Liesels Vorschlag).
Merke: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.


   |   Tages KM: 87   |   GPS Nord: 38°22’56“   |   GPS Ost: 26°55’22“

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Mittwoch, 28.10. Güzelbahce / Izmir

Sieben Km sind es vom Camping bis zur Autobahnauffahrt. Heute sind wir schon alle um 8.30Uhr startklar. Mittags wollen wir in Bergama sein, damit noch Zeit bleibt sich die Ausgrabungen von Pergamon anzusehen. Das Navi sagt bald: abbiegen, und so fahren wir die Straße am Meer und Hafen entlang. Streifen Izmir in seiner vollen Länge mit dem „stopp and go“ des Berufsverkehrs. Sind wir dafür 30 Minuten früher als sonst gestartet? Beim Bergama-Camping, 3 km vor der Stadt, stellen wir unser Mobil ab. Unsere Freunde fahren weiter zu den Ausgrabungen. Wir nehmen den Dolmus und sind in wenigen Minuten bequem in der Stadt. Peter und ich besuchen das alte Haci Hekim Hamam, Männer und Frauen getrennt. Die Massage ist super – Note sehr gut. Durch Zufall treffen wir Ulla und Horst und gehen mit ihnen in den besten Pide-Salon der Stadt, Azru. Wir können uns der Meinung des Reiseführers anschließen. Rund um die Hauptstrasse schließt sich das alte Basarviertel der Einheimischen an. Es gibt unendlich viel zu sehen und wir laufen Liesel und Tilo in die Arme. Gemeinsam trinken wir Tee in einem Tee-Salon in der zweiten Reihe. Die umliegenden Geschäfte bestellen über eine Gegensprechanlage bei ihm Tee, den er sofort ausliefert. Sein Verdienst reicht anscheinend um davon zu leben. Auf unserem Campingplatz sind inzwischen 8 holländische Reisemobile eingetroffen. Sie haben wie wir eine Rundreise durch die gesamte Türkei unternommen.
Erlebnis des Tages: In dem kleinen Pide-Salon frage ich nach der Toilette. Man gibt mir einen kleinen Jungen als Begleitung. Der führt mich um einige Straßenecken zu dem Privathaus der Familie. Im Erdgeschoss der Wohnung befindet sich der Toilettenraum mit einem Stehklo, Handwaschbecken im Flur.


   |   Tages KM: 121   |   GPS Nord: 39°06’00“   |   GPS Ost: 27°09’19“

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Donnerstag, 29.10. Bergama

Heute ist der Nationalfeiertag der Türkei. Mit Aufmärschen, Reden und ausgelassenen Feiern wir dieser gegangen. Die Schulen haben fleißig Trommeln und Marschieren geübt, das Militär die Ausgehuniformen angezogen. Überall ist geflaggt, die türkische Fahne und die mit Atatürk. Ob wir heute gut durch alle Städte kommen? Die Holländer machen sich auch startklar. Waschen noch mal rasch ihre Toiletten im Abwaschbecken vom Küchenblock, igittigitt. Ob sie das zu Hause auch so machen? Von der Hauptstr. nach Canakkale zweigen Sträßlein zu den Ferienorten am Meer ab. Nach Erdemit haben wir bei einem Antikmarkt einen besonderen Abstecherstopp. Wir stöbern und stöbern. Wer mag diese alten Gegenstände einmal benutzt haben? Viele originelle Dinge gibt es zu entdecken. Bedauerlich, es geht weiter. Schon bald sehen wir links das blaue Meer schimmern. Etliche Ferienanlagen stehen davor. Hier sollen die „Besserverdiener“ aus Istanbul ihre Sommerhäuser haben. Das bewaldete Gebirge im Binnenland beschert diesen Orten eine besonders gute Luft. Nach Kücükkuyu windet sich die Straße auf 700m, überholen der lahmen LKW ist ein Problem. Ab Ezine fahren wir wieder im Flachland, Stände mit Obst und Gemüse stehen am Straßenrand. Am Wasser scheint die Sonne, im Binnenland ist es bewölkt, heute nur 20°C. Peter findet auf Anhieb den Abzweig zum Sun-San Camping. Doch bevor wir den Platz befahren können, müssen erst einige tief hängende Äste der Bäume abgesägt werden. Der Platz soll 10 TL pro Mobil kosten und man fragt uns, ob wir nicht im Camping-Restaurant essen wollen. Ein Gericht soll 10 TL pro Person kosten. Das ist ein akzeptabler Preis. Haben wir doch in Bergama 30 TL für eine Übernachtung bezahlt. So gönnen wir uns an unserem letzen Abend in der Türkei ein türkisches Essen ohne Arbeit. Wir bestellen Suppen, Sis-Kebab mit Beilagen, Süßspeisen der Region mit Tee – als Getränke Wasser Bier und Wein. Die Restaurantbesucher verwöhnen uns. Mit Holzkohlefeuer im Rücken, Kuscheldecken über den Knien können wir recht lange draußen verweilen. Unsere Freunde laden uns ein, danke schön euch allen.
Erlebnis des Tages: Eddy hat am Platz eine Freundin gefunden, er ist ganz verliebt.


   |   Tages KM: 224   |   GPS Nord: 40°04’51“   |   GPS Ost: 26°21’54“

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Freitag, 30.10. Sun-San Camping

Schon bald sind wir bei der Meeresenge der Dardanellen, in Canakkale angelangt. 35.50 TL kostet die Überfahrt für jedes Mobil. Klaus hatte schon Befürchtungen, dass sein Geld nicht ausreicht. Wieder in Europa, geht ein kalter Wind. Wir haben jetzt nur noch 15°C. Bei leichtem Nieselregen geht es bis auf 300m. Rutschiger Straßenbelag und ein schwerer Unfall auf der Gegenseite. Man ist dabei auch hier das Straßennetz großzügig auszubauen. Im letzten Ort vor der türk./griech. Grenze geben wir unsere letzten Lira aus. In den Imbissläden der Einheimischen, mit den köstlichen preiswerten türkischen Gerichten, „verfressen“ wir das letzte Geld einfach. Bald sind wir in der ersten Großstadt in Griechenland, in Alexandroupoli. Liesel und Tilo wissen hier einen Campingplatz. Aber vorher tanken wir noch preiswert und kaufen bei Lidl ein. Aufschnitt und Schinken, Scheibenkäse, Mozzarella und Schokolade legen wir in unseren Einkaufswagen. Haben wir das die letzten 57 Tage in der Türkei vermisst? Auf dem Campingplatz stehen bereits die 14 deutschen Mobile der Kuga-Tour-Gruppe. Einige von ihnen haben wir bereits im Saklikent getroffen. So gibt es ein großes Hallo – zumal wir Vera und Hartmut sowie Christa und Paul von unserem PhoeniX- Clubtreffen in Hamburg persönlich kennen. Sie hatten sich die geführte Reise (4 Wochen durch die Türkei) so ganz anders vorgestellt. Sie berichten über ihre Erfahrungen, sehr interessant. Doch unsere Gespräche müssen wir auf später verschieben, denn Liesel kommt mit einem riesigen Kuchenpaket für unsere Gruppe zurück. Am frühen Abend führen uns Liesel und Tilo in eine „Fressgasse“ in Alexandroupoli. In der recht einfachen Gaststätte wird das Essen auf Papier serviert. Das muss man sich so vorstellen: ein beschichtetes Blatt Papier dient als „Teller“. Darauf liegen, je nach Bestellung; Salat, Fleischspieße und Chips. Es gibt Gabeln und Messer, aber es kann auch mit den Fingern gegessen werden. Ist das Essen beendet, so nimmt der Kellner die Papiertischdecke hoch und wickelt sämtliche Speisereste darin ein. In dieser Gasse verfahren alle Lokale nach dem gleichen Prinzip. Einfach – gut – schnell – preiswert. Zurück am Platz, sitzen Peter und ich mit Vera und Hartmut bei einem Gläschen Wein beisammen und lassen die Türkeireise (für jeden doch so unterschiedlich) Revue passieren.
Erkenntnis des Tages: das türk. Geld von Klaus hat gereicht. Vom letzten Hunderter hat er noch 1.60 TL übrig.


   |   Tages KM: 213   |   GPS Nord: 40°50’44“   |   GPS Ost: 25°51’15“

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Samstag, 31.10. Alexandroupoli

Kirchenglockengeläut weckt mich. Mir wird der Muezzin-Ruf in der Türkei noch lange in schöner Erinnerung bleiben. Schon um 9 Uhr setzt starker Regen ein, mit heftigem Seitenwind. Wir werden nicht wie geplant in Kavala übernachten, und bei einem Kaffee wollen wir unsere gemeinsame Weiterfahrt besprechen. Außerhalb von Kavala finden wir kein Cafe. Dafür in der Stadt jede Menge Cafes, aber keine Parkmöglichkeiten. Wir haben es schon fast aufgegeben, da erblicken wir auf unserer Strecke nach Drama ein Cafe. Es schüttet heftig und trotz Schirm werden wir kräftig nass. Wir beschließen bei diesem miesen Wetter weiter Richtung Bulgarien zu fahren. Sehr aufmerksam schauen unsere Augen nach einem Baumarkt aus, denn Tilo und Klaus benötigen Gas. Nachts ist es jetzt ohne Heizung zu kalt. Nach Serres klart es endlich auf, wir waren schon ganz trübsinnig. Das Mobil von Klaus ruckelt wieder stärker und bereitet ihm beim Fahren bei Tempo 60 große Probleme. Er will in Sofia am Montag eine IVECO Werkstatt aufsuchen. An der bulg. Grenze haben wir Probleme mit dem Kauf der Vignette. Pro Mobil zahlen wir umgerechnet 5 €, auf der Hinfahrt 18 €. Wurden wir auf der Hinfahrt „abkassiert“? Die hohen Bergspitzen tragen Schneehauben, wir haben um 17 Uhr nur noch 5°C. Bis zum Rila-Kloster schaffen wir es heute nicht mehr. Auf unserer Landkarte ist nach Blaboevgard ein Camping bei Rilci eingezeichnet, 1 km von der Hauptstr. entfernt. Im Ort finden wir keine Camping-Ausschilderung. Ulla fragt einen Radfahrer. Er will uns den Weg weisen und radelt vor. Bei einem Hotel stoppt er. Für unsere Mobile ist die Parkmöglichkeit nicht ausreichend, aber bei der Brücke davor reicht der Platz für uns vier. Außer einigen Dorfhunden, die nachts kräftig bellen, war es sehr ruhig.
Anmerkung: Nach 75 Reisetagen war heute unser erster Tag mit 6 Stunden Regen „non stopp“. Der Herbst ist da.


   |   Tages KM: 386   |   GPS Nord: 42°02’16“   |   GPS Ost: 23°03’50“

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Sonntag. 01.11. Rilci

Das Rila-Kloster liegt in einem engen Tal in 1100m Höhe. Das Kloster ist eine Art Wallfahrtsort für die Bulgaren und ausländischen Touristen. Der hl. Ivan Rilski hat das Kloster im 9. Jh. gegründet und es fiel mehrmals Bränden zum Opfer. Anfang des 19. Jh. wurde es (so wie heute zu besichtigen) baulich fertig gestellt. Die Klosterkirche und die farbenprächtigen Malereien im offenen Säulengang lenken die Aufmerksamkeit der vielen Besucher auf sich. Wir besichtigen im Museum das berühmte Raphaelskreuz. 12 Jahre lang arbeitete der Mönch Raphael daran und schnitzte 1500, zum Teil reiskorngroße menschliche Gestalten. Von den ehemals 300 Mönchszellen bekommen die Touristen kaum etwas zu sehen, einige werden heute als Gästezimmer vermietet. Beeindruckt hat mich der Gesang der Mönche in der Klosterkirche. Weiter geht es nach Sofia. Die schöne Nebenstrecke über Smocevo führt 1 1/2spurig durch Weinberge mit klarer Sicht auf die umliegenden Berge des Rila-Gebirges. In Sofia suchen wir die IVECO- Werkstatt für das Mobil von Klaus und Marianne und verabschieden uns dann von ihnen. Wir fahren weiter zum Iskardurchbruch. Vom Städtchen Novi Iskar eine ca. 60 km lange sehenswerte Naturlandschaft. Die Iskar hat sich in Jahrtausend. einen Weg durch das Balkangebirge gewaschen. Nach Cerovo übernachten wir an einem Bahnhof. Morgen wollen wir unsere Fahrt fortsetzen.
Gesundheit: Heute sind wir kälteempfindlich.


   |   Tages KM: 230   |   GPS Nord: 43°01’22“   |   GPS Ost: 23°21’05“

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Montag, 02.11. Gare Bov

Die durchfahrenden Züge haben nachts nicht gestört, und Tilo als Eisenbahnfan kam voll auf seine Kosten. Der Hochnebel löst sich bald auf, mit den ersten Sonnenstrahlen kommen auch die Berge wieder ans Licht. Wir fahren die letzten kurvenreichen 35 Km durch das bezaubernde Tal. Das Herbstlaub leuchtet bunt und der Wind treibt die Blätter vor sich her. In Vratsa besichtigen wir die alte Innenstadt, 2 Wohn- und Wehrtürme aus dem 17. Jh. Wir trinken einen schrecklich süßen Kaffee in einem der vielen Cafes, kaufen leckeren Kuchen, sowie eine Kleinigkeit auf die Hand für wenig Geld. Klaus hat gesimst: Fehlersuche beim Mobil erfolgreich – die Kardanwelle ist defekt. In 3 Std. will man den Schaden behoben haben, dann will er unsere Verfolgung aufnehmen. Bei Vidin nehmen wir den Abzweig über Serbien, um die hohen Fährkosten zu umgehen. An der bulgarischen Grenze weisen wir an der ersten Kontrolle unsere Pässe vor, die werden auf einen Stick eingelesen und gespeichert. Dieser wird an der 2. Kontrollstelle mit den Fahrzeugpapieren kontrolliert und an der letzten Station am Schlagbaum wieder eingesammelt. Nennt man das Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Nach wenigen Metern stehen wir an der serbischen Grenzabfertigungsstelle. Kontrolle an der Grenze, Begrüßung in deutscher Sprache von einer jungen Frau. Die beiden anderen Mobile sind schon durch, nur bei uns gibt es mit der grünen Versicherungskarte Probleme. Statt SRB für Serbien steht in unserer Karte SCG für Serbien/Montenegro. Das geht nicht und man verweist uns zurück an die Fähre Bulgarien – Rumänien. Das hat uns gerade noch gefehlt! Da fällt Peter ein, dass wir noch eine 2. grüne Versicherungskarte für unsere Reise im Frühjahr nach Marokko dabei haben. Und tatsächlich, auf dieser steht die richtige Bezeichnung. Auf was man nicht alles achten muss! Nun kann es zu dritt, immer an der Donau entlang, zur Grenze nach Rumänien gehen. Bei einer kl. Kaffeepause erzählt Liesel: auf ihrer Karte ist Serbien gestrichen – nicht freigegeben. Aber ihre Unterlagen hat ein Mann kontrolliert. Hat er Liesel zu tief in die Augen geschaut und diesen Fehler nicht bemerkt? Die Grenzabfertigung über die Staumauer nach Rumänien dauert nur 15 Min. Schnell noch für 3 € die Mautvignette kaufen und dann müssen wir Gas geben. Bald wird es dunkel und wir wollen heute noch den Campingplatz am Herkulesbad erreichen. Er ist unter deutscher Leitung mit einem gemütlichen Restaurant. So sind unsere Männer wieder mit dem Kochen dran und laden uns ins Restaurant zum Essen ein. Das nett eingerichtete Restaurant hat gut geheizt und eine Speisekarte ganz nach unserem Geschmack. Wir lassen Vorspeisen, Hauptgerichte und Nachtisch auftragen, dazu Rotwein und Bier aus Rumänien. Alles schmeckt vorzüglich. Weinselig verschwinden wir in unseren Womo- betten, draußen haben wir um die 0° C.
Bestellung des Tages: Horst bestellt zum Nachtisch eine Hühnersuppe – seine Leib- und Magenspeise.


   |   Tages KM: 347   |   GPS Nord: 44°52’09“   |   GPS Ost: 22°23’18“

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Dienstag, 03.11. Herkulesbad

Wir verabschieden Ulla, Horst und Eddy. Sie fahren über Ungarn und Tschechien nach Dresden. Ab Timisoara nehmen sie den gleichen Weg wie bei der Anreise und wollen am Samstag zu Hause sein. Mit Liesel und Tilo unternehmen wir einen Abstecher in das Tal der Thermalquellen. Gleich am Anfang des Tales ist der Kurtort Baile Herculane mit seinen imposanten Gebäuden um 1900. Alles sieht sehr renovierungsbedürftig aus. Dahinter sehen wir die schrecklichen Hochhäuser aus neuester Bäderkultur. Eine Legende besagt, dass in diesen Schwefelthermen Herkules seine Wunden ausgeheilt hat. Im Sommer würden wir mit unseren Reisemobilen die kleinen Sträßlein entlang der Cerna und die schmale Brücke bis 1.5 t nicht befahren können. Doch jetzt im November sind nur wenige Kurgäste im Ort. Wir nehmen den Weg zum Stausee und kommen an mehreren Badegumpen vorbei. Hier ist kostenloses Baden in den kleinen Thermalwasserbecken möglich. Doch bei diesen Außentemperaturen verspüren wir keine Badelust. Am Stausee kehren wir um, vielleicht hat Klaus schon die Hauptstr. nach Timisoara passiert. Auf unsere SMS am Morgen haben wir noch keine Antwort erhalten. Kaum auf der Hauptstrasse, piept eine SMS von Klaus mit Positionsmeldung. Sie sind just 20 km vor uns – jetzt aber gasgeben und los. Bald holen wir sie ein und sind wieder zu dritt. Wie Marianne und Klaus uns berichten, haben sie gestern nach der Fähre bald einen Übernachtungsplatz an der Straße bei Cetate gesucht. Übernachtung o.k. - aber sehr laut, so Marianne. Wir fahren durch beschauliche Ortschaften, ältere Personen sind mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt. Auch hier in Rumänien Landflucht der jungen Leute? Bis nach Timisoara befinden sich Baustellen ohne Ende. Die EU fördert den Ausbau mit 15 Mio. Euro (so steht auf der Tafel), ob sie damit auskommen und die Straße fertig wird? Mittagsrast auf einem schmutzigen Straßenrandparkplatz. Mittendrin ein kleiner Straßenköter. Die traurigen Augen betteln: gib mir was zu essen. Mir bleibt mein Brot wie ein Kloß im Hals stecken. Er ist so dankbar für jeden Bissen Käse und Wurst. Sogar Brot mit Margarineaufstrich verschmäht er nicht. Ich muss an die vielen übergewichtigen Haustiere in Deutschland denken. Wie ist es in der Welt doch so ungerecht verteilt. Das Geschlecht der Habsburger hat in dieser Region viele deutsche Namen hinterlassen, das belegen die Städtenamen wie: Staierdorf, Eisenmarkt, Großwardern und andere mehr. Die Straße durchs Flachland und der Landschaft grau in grau, machen uns müde. Gegen 17 Uhr halten wir nach einem Parkplatz für die Nacht Ausschau, die 100 km bis zum Camping in Oradea werden wir heute nicht mehr erreichen. Seitenparkplätze kommen nicht in Frage, sie sind zu nah an der Straße und deshalb zu laut. Da, hinter einer kleinen Tankstelle ist eine Freifläche. Wir versuchen es dort und parken ein. Hinter verdunkelten Fenstern machen wir es uns im Mobil gemütlich. Schon bald hören wir Stimmen und bei Tilo klopft man an die Tür. Dann erscheint Liesel bei uns mit der Bemerkung: man will Parkgebühren von uns allen, der junge Mann hat bereits alle Fahrzeugkennzeichen aufgeschrieben. Wir erkundigen uns nach den Gebühren – 5 Euro für jedes Fahrzeug. Wir fangen an zu diskutieren. Hier ist keine Campingplatz. D.h., keine Duschen, kein Strom usw. und dafür 5 Euro? Nein!!! Er geht auf 4 € runter. Wir entgegen:“ 10 € für alle und eine Schachtel Zigaretten – aber mit Quittung“. Er ist einverstanden und stellt für jeden von uns eine Quittung für 10 € aus. Nun haben wir Ruhe. Nur Klaus nicht, denn zwischen seinem Mobil und dem LKW daneben, versucht immer wieder ein LKW einzuparken. Gibt nach einigem probieren auf, weil die Lücke sehr schmal ist. Dann, um 23 Uhr, schafft es ein Tankwagen mit Flüssiggas.
Überlegungen: Ob Klaus und Marianne mit Herzklopfen senkrecht im Bett sitzen?


   |   Tages KM: 300   |   GPS Nord: 46°26’17“   |   GPS Ost: 21°28’03“

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Mittwoch, 04.11. 100 km vor Oradea

Meine erste Frage an Marianne und Klaus: „Wie habt ihr geschlafen?“ Ihre Antwort: „gut“. Sie haben nichts vom Einparken des Tankwagens bemerkt. Die schlechte Wegstrecke hört erst an der Grenze nach Ungarn auf. In Rumänien müssen wohl noch viele EU-Gelder in den Straßenausbau fließen. Zum ersten Mal während dieser Reise schauen die Grenzer ins Fahrzeug. Sie lassen einige Schränke und Fächer öffnen. Dann verabschieden sie sich freundlich mit: gute Reise. Peter „heizt“, die Straßen in Ungarn sind so gut. Nun hört Tilo ein Rumpeln an seinem Fahrzeug. In dem Ort von unserem heutigen Stellplatz, dem Thermalbad in Hajduszoboszlo, wollen sie eine Werkstatt aufsuchen. Wir sind die einzigen und vorläufig letzten Gäste, ab morgen hat die Rezeption vom Camping geschlossen. Uns werden für die Eingangstüren und das beheizte Waschhaus die Schlüssel ausgehändigt. Tilo fährt in die Werkstatt. Wir bummeln mit Marianne und Klaus in den Ort. Nachdem wir ung. Bargeld in der Tasche haben, gehen wir in ein gemütliches Restaurant eine Kleinigkeit essen. Welches Restaurant in Deutschland bietet einem Kessel Gulaschsuppe für umgerechnet 2.50 € an? Gestärkt erkunden wir den Ort. Nur wenige Touristen und Einheimische sind unterwegs, das haben wir von Besuchen im Mai und September ganz anders in Erinnerung. Am frühen Nachmittag sitzen wir im warmen Thermalwasser und genießen die wohlige Wärme. Im Außenbecken weht ein kühler Wind (5°C). Hoffentlich gibt das keine Erkältung.
Tilo und Liesel sind auch zurück. In der Werkstatt im Ort konnte man ihnen nicht helfen. Sie mussten nach Debrecen fahren. Nach einer Probefahrt wurde ein hinterer Reifen gegen das Reserverad ausgetauscht – Gewebebruch.
Wetter: Nachts beginnt zu regnen und hört bis zum Morgen auch nicht mehr auf.


   |   Tages KM: 158   |   GPS Nord: 47°27’21“   |   GPS Ost: 21°23’42“

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Donnerstag, 05.11. Thermalbad Hajduszoboszlo

Baden, einkaufen auf dem Markt, Langosch frisch aus der Fettpfanne – lecker. Nur Marianne schüttelt sich. Am Nachmittag Kaffee mit Cremeschnittchen in der alten Konditorei Nelson (von 1856), einem früheren Bahnhof. Man gönnt sich ja sonst nichts! Danach schwitzen wir mit Klaus bei über 36 Grad im Thermalwasser. Auf dem kühlen Nachhauseweg „glühen“ wir. Schon bald danach heißt es: Aufbruch zum Abendessen. Wir führen unsere Freunde in ein uns bekanntes Restaurant in ruhiger Seitenstrasse. Schon die Vorspeisen sind lecker. Mit netten Gesprächen warten wir auf das Hauptgericht. Da betreten 4 ältere Herren mit 7 bildschönen jungen Frauen das Lokal. Nur Klaus und Peter sitzen in Blickrichtung dieser Gesellschaft und müssen uns anderen alles „haarklein“ berichten. Wie wir aus den Gesprächen entnehmen können, sprechen die Männer italienisch und die Frauen russisch. Als Dolmetscherin fehlt uns nun Ulla. Wir albern und lachen noch eine ganze Weile, bis es Zeit zum Aufbrechen wird. Übrigens waren die Hauptgerichte und der Nachtisch auch sehr schmackhaft. Alles preiswert, nur unser ungarisches Geld hat nicht gereicht. Wir mussten Tilo anpumpen.
Frage des Abends: Nehmen heute Nacht die russ. Frauen den ital. Männern die Beichte ab? Und sind sie danach erleichtert im doppelten Sinne?


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Freitag, 06.11. Thermalbad Hajduszoboszlo

Heute müssen wir alle früh raus, 450 km liegen vor uns. Das Wetter klart auf, die Sonne lässt sich blicken. Auf einer neuen Autobahn, kurz vor Debrecen, fahren wir bis Miskolc. Bald erreichen wir die Slowakei: Grenzübergang Banreve. Seit 1.1.09 gilt auch hier der Euro als Währung. Unsere Navis (Vera und Stefan) haben die mautfreie Strecke noch nicht drauf, sie wollen uns immer in entgegen gesetzte Richtungen führen. Völlig sinnlos finden wir Mautgebühren auf Ortsumgehungen, so wird man gezwungen durch die Orte zu fahren! Kleine Orte mit großen Kirchen liegen am Weg, über 65% der Slowaken sind katholisch. Nach Roznava geht es auf der 67 stetig bergan. Leider fahren wir nun im Nebel. Bei Dobsina sind wir schon auf 900 m Höhe und sehen den ersten Schnee am Wegesrand, aber die Straßen sind eisfrei. Tannen stehen schneebepudert, ein Wintermärchen. Es ist Mittag und auf den Parkplätzen zur Dobsinska Eishöhle machen wir Pause. Ein Restaurant lockt mit Menüpreisen für 3 Euro. Für den Preis machen wir unsere Teller nicht schmutzig. Wir sind alle gespannt was uns da erwartet und staunen: 1 Terrine Hühnersuppe mit Nudeln 0,85 €, Nudelgericht mit Gulasch 3.30 €: Ich bestelle das Nationalgericht: Bryndza mit Halusky (Schafskäse mit Käsenockerln). Mein Urteil: gewöhnungsbedürftig – mir schmecken Käsespätzle besser. Weiter geht es bergauf und bergab bis auf 950 m. Wir fahren jetzt über dem Nebel und aus ihm heraus ragen die Bergspitzen der Hohen Tatra, ein traumhafter Anblick. Unten auf 650 m, haben wir 0 Grad, und Raureif bedeckt die Zweige. In dem hübschen Ort Kezmark können wir uns leider keinen Stopp erlauben, soll doch die Hohe Tatra heute noch umfahren werden. Schneegipfel (der höchste Berg 2655m) grüßen, es geht auf über 1100m hoch. Hier befinden sich die Wintersportzentren der Slowakei. Alles ist dabei sich für die weiße Zeit zu rüsten. Auch in Polen, gleich hinter der Grenze, sehen wir Skilifte. Langsam kommen wir wieder hinab auf 600 m, eine Landschaft wie im Mittelgebirge. Nach einer Kaffeepause in Nowy Targ nehmen wir uns die restlichen gut 80 km bis zum Camping in Krakau vor. Unser Feind ist die schon früh hereinbrechende Dunkelheit. Glückskinder, denn schon bald haben wir die Schnellstr. unter den Rädern. Um 17.15 Uhr haben wir den Platz Smok-Camping erreicht. Jetzt, in völliger Dunkelheit, mögen wir auch keinen Kilometer mehr weiterfahren und suchen nur noch einen festen Untergrund.
Wetter: Innerhalb einer Woche haben wir. Sommer, Herbst und Winter.


   |   Tages KM: 455   |   GPS Nord: 50°02’50“   |   GPS Ost: 19°52’50“

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Samstag, 07.11. Smok- Camping Krakau

Mit Bus und Straßenbahn fahren wir ins Zentrum von Krakau. Im Bus können wir beim Fahrer eine Fahrkarte lösen. Am Umsteigebahnhof haben wir für die Tram nicht genügend Kleingeld für den Automaten und fahren „schwarz“. Im Zentrum steigen wir aus und gehen in ein Cafe am Marktplatz, dann trennen sich unsere Wege. So kann jede Familie nach eigenen Schwerpunkten bummeln gehen. Peter und ich waren bereits dreimal in Krakau, so suchen wir uns heute das jüdische Viertel „Kazimierz“ für einen längeren Spaziergang aus. Viele kleine Geschäfte, Lokale in alten Gebäuden, Synagogen, jüdische Schulen lohnen diesen Abstecher. Im Sommer spielt sich das Leben vor den Gaststätten ab. Jetzt, im November mit Nieselregen, sieht vieles sehr trostlos aus. Am Nachmittag treffen wir Liesel und Tilo, sie haben ein tolles Cafe entdeckt. Wir folgen ihnen. Im Flur nimmt man uns die Mäntel/Jacken an der Garderobe ab, erst dann können wir das im Jugendstil eingerichtete Cafe betreten. Dunkle Möbel, Samtsofas, Bilder, bunte Fenster mit Bleiverglasung und guter Kaffee mit kleinen Tortenstücken (zu hohen Preisen) erwarten uns – ein kleines Juwel in der Seitenstrasse. Mit Tram und Bus geht es zum Platz zurück, wieder zahlen wir nur im Bus.
Erkenntnis des Tages: Fahrkartenschalter sollten touristenfreundlicher werden, auch in Deutschland. Dabei ist es so einfach, siehe Türkei.


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Sonntag, 08.11. Smok- Camping Krakau

Liesel fragt: wisst ihr, dass der Camping in Breslau nur bis 15. Okt. geöffnet hat? Oh, das haben wir wohl überlesen. Jetzt gilt es zu überlegen. Lohnt sich der Besuch der Altstadt heute am Sonntag, wenn alle Geschäfte geschlossen sind? Das Wetter ist auch weiterhin nebelig und nasskalt. Auch in Breslau waren Peter und ich bereits mehrmals, Klaus und Marianne haben die Stadt letztes Jahr besichtigt. So besuchen wir lediglich das Rieseneinkaufszentrum vor den Toren der Stadt. Wir wollen unsere letzten Zloty ausgeben und sind überrascht, wie voll es in diesem Einkaufszentrum am Sonntag is. Ganz Breslau scheint hier einkaufen zu sein. Unser Geld (umgerechnet 15 €) reicht für 2 Tage Proviant und ein Mittagessen (Piroggi). Wir beschließen noch 200 km weiter bis nach Cottbus zu fahren. Um 17 Uhr kommen wir dort wieder bei völliger Dunkelheit an. Auf einem großen Parkplatz am Tierpark, mit separatem Wohnmobil- Stellplatz (leider geschlossen), planen wir unsere Übernachtung. Jetzt verspüre ich nur noch einen Wunsch: die Beine vertreten nach soviel Sitzerei. Mit Liesel und Tilo laufen wir in die 4km entfernte Altstadt. Sehenswert ist der „Alte Markt“, mit seinen vielen hübsch restaurierten Giebelhäusern – vielen Kneipen und Restaurants. Uns steht der Sinn nach einer Krakauer. Es gibt Restaurants aller Nationalitäten – aber keinen Wurststand. So muss Tilo warten bis er wieder nach Hamburg kommt. Marianne kocht für Klaus heute eine deutsche Spezialität: Eisbein mit Sauerkraut. Sie erkunden die Stadt erst nach dem Essen.
Nicht versäumen: Gegenüber dem Tierpark liegt Schloss Branitz, die sehenswerten Parkanlagen hat Fürst Pückler geschaffen. Auch wir müssen wieder kommen.


   |   Tages KM: 475   |   GPS Nord: 51°44’44“   |   GPS Ost: 14°21’10“

Montag, 09.11. Cottbus

Nach 200 km erreichen wir den Reisemobil-Stellplatz Alt Tegel in Berlin. Heute vor 20 Jahren fiel die Mauer. Die Feierlichkeiten finden und um das Brandenburger Tor statt. Wir gönnen uns nur eine kurze Verschnaufpause. Mit der U-Bahn fahren wir bis zur Friedrichstr., schlendern über die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor. Vieles ist abgesperrt, die Strassen sind voller Touristen und Berlinern, die sich die großen bunt bemalten Dominosteine ansehen wollen. Viele Schulen aus ganz Deutschland haben sich an der Gestaltung der Dominosteine beteiligt. Jeder Stein (aus Styropor) ist ein Unikat, ein Tag reicht nicht um die 1000 Steine (1,5 km) zu betrachten. Wir begnügen uns mit einer Kostprobe. Um 20 Uhr sollen die Dominosteine fallen und so symbolisch den Mauerfall darstellen. Der Potsdamer Platz, mit seinem Bahnhof, dem Einkaufszentrum und den Geschäftstrassen ist nun fertig gestellt. Marktstände bieten Würstchen und etwas für kleinen Hunger an. Vor einem Wunschzettelbaum bleiben wir stehen. Wie bereits auch in anderen deutschen Städten, haben Kinder aus „ärmeren“ Familien ihre Wünsche notiert. Ich lese: I-Pod, Spiel-Konsole, CD-Player und Designer-Klamotten. Die Kinder sind 10 bis 15 Jahre alt. Gibt es einen Wunsch unter 50 Euro? Wir stärken uns im Cafe des Einkaufszentrums, dann trennen sich unsere Wege. Peter und ich fahren zum Ku-damm. Die großen Kaufhäuser sind bereits weihnachtlich geschmückt. Wir sind auf Winterjacken-Jagd. Nur für Peter finden wir etwas Passendes. Wir schwitzen in den überheizten Verkaufsabteilungen. Warum denkt niemand an die Kunden, müssen die Verkäufer im Winter so dünn bekleidet arbeiten? Nach Einkaufsstress steht uns der sinn nach Currywurst. In einer Imbissbude lassen wir uns eine Portion servieren. Sie schmeckt zum Abgewöhnen! Um 18 Uhr regnet es in Strömen. Die Veranstalter haben kein Glück mit dem Wetter. Wir ziehen es vor, die Festreden der Politiker und den Dominoanstoß vor dem Bildschirm im Reisemobil zu verfolgen.
Highlight des Tages: Gedenkfeier 20 Jahre Maueröffnung.


   |   Tages KM: 201   |   GPS Nord: 52°35’41“   |   GPS Ost: 13°17’20“

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Dienstag, 10.11. Berlin

Berlin verabschiedet uns: die Himmel weint. Gute 4 Stunden, dann sind wir daheim in Glinde. Wir ziehen Bilanz unserer Türkeirundreise. In 76 Tagen sind wir 11 500 km gefahren. Das Wetter war überwiegend sonnig, nur wenige Tage mit Regen (2 davon Regen von morgens bis abends) Temperaturen 0° bis 35 °C. Wir kommen gewiss einmal wieder, "Inschallah".

   |   Tages KM: 259

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