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Marokko - 2011/1

Auf bekannten und neuen Pfaden

Donnerstag, 3.2.

Glinde 12 Uhr. Das Wetter ist trübe und wir haben 5°C, gerade richtig um in den Süden aufzubrechen? Viele Bekannte raten uns ab nach Marokko zu fahren. Politische Konflikte in Tunesien und noch heftiger in Ägypten – schwappt die Gewaltwelle auch nach Marokko über? Unser Begleitmobil mit Marianne und Klaus ist bereits seit Dienstag unterwegs. Wir quälen uns auf der A1 vorwärts. Es gibt ein Überholverbot für LKW und Fahrzeuge unserer Größenordnung. Die Sonne kommt raus. In Nettersheim (kurz vor Trier) übernachten wir auf einem Stellplatz. Er liegt 500 m hoch in der Vulkaneifel. Um 18 Uhr haben wir um die 0 Grad. Hoffentlich macht die Heizung keine Probleme. Letzte Woche waren deswegen zwei Werkstattbesuche fällig!
Erkenntnis des Tages: Auch bei einem neuen Mobil müssen erst die Kinderkrankheiten überstanden werden


   |   Tages KM: 497   |   GPS Nord: 50°29'15''   |   GPS Ost: 6°37'39''

Freitag, 4.2. Nettersheim

Es ist sehr einsam auf diesem Stellplatz am Fluss. Nur ein Vorortzug rumpelte gestern spätabends stündlich und heute bereits am frühen Morgen über die nahen Gleise. Die landschaftlich schöne Strecke führt durch hügeliges Gebiet (um die 500m) bis in die Nähe von Trier. Wir durchfahren das kleine Land Luxemburg und tanken preiswert Diesel. Danach empfängt uns Frankreich. Wir versuchen wie bereits 2009 die mautpflichtigen Autobahnen zu meiden. Die großen Städte wie Metz und Nancy umfahren wir und geraten dann für 10 km auf die Maut-Autobahn. Für den kurzen Trip werden 2.60€ fällig. Danach haben wir eine gute Landstraße unter den Reifen. Wir durchfahren Burgund, landwirtschaftliche Flächen und kleine beschauliche Orte sind die Hingucker in diesem überwiegend flachen Gebiet. Menschen sind kaum zu sehen, alles wirkt wie ausgestorben. Chaumont erreichen wir am frühen Nachmittag. Um Auxerre wird der Chablis angebaut. Wir sehen Rauchwolken aufsteigen, denn der Rebenschnitt wird Vorort gleich verbrannt. Bei Clamency steuern wir für die Übernachtung einen Supermarktparkplatz an und marschieren in den alten Ort. Die Cafés halten Winterschlaf und außer einigen Bäckereien gibt es nur wenige Geschäfte.
Navigationsgeräte: Unser neues Navi (vom Hersteller eingebaut) ist sehr gewöhnungsbedürftig. Fahren wir in eine Str. mit Gewichtsbegrenzung, “bimmelt“ das Navi die ganze Zeit und das Warngeräusch lässt sich nicht abstellen. Sind wir vom Regen in die Traufe gekommen?


   |   Tages KM: 572   |   GPS Nord: 47°27'20"   |   GPS Ost: 3°30'31"

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Samstag, 5.2. Clamency Parkplatz Supermarkt

Obwohl wir früh um 7 Uhr aufstehen, kommen wir erst um 8.30 Uhr los. Wir wollen auf der Supermarkttankstelle den preisgünstigen Dieselkraftstoff ausnutzen. So früh am Morgen ist das nur mit EC-Card am Automaten möglich. Doch wie funktioniert das? Nette ältere Franzosen geben uns eine Einweisung. So, nun aber los. Bis zum heute vereinbarten Treffpunkt mit Marianne und Klaus liegen 700 km vor uns, überwiegend Landstr., ob das zu schaffen ist? Schon nach 50 km lässt man nur Fahrzeuge bis 3,5t durch den Ort. Wir umfahren den Engpass großzügig - 40 km Umweg und eine Std. Zeitverlust. Unsere 2 Navis errechnen Wege, die niemand (wir nicht) nachvollziehen kann. Sollten wir uns nun lieber auf unsere Landkarten verlassen? Die Navis verärgern uns heute noch so einige Male. Von der bezaubernden Landschaft und den verschlafenen Ortschaften bekomme ich nur wenig mit. Ab Mittag kommt die Sonne raus und wärmt auch unsere Gemüter. Wir wollen quer durch Frankreich bis an die Atlantikküste bei Biarritz. Ab Bordeaux kann die N10 zügig befahren werden, fast wie eine Autobahn. Die Küste liegt nicht weit - glutrot versinkt die Sonne im Meer. Als wir die Abfahrt von Ondres gegen 19 Uhr erreichen, ist es dunkel. Eine gute halbe Stunde später können wir das Mobil von Marianne und Klaus auf dem Strandstellplatz zwischen den windgeschützten Hecken entdecken.
Und: Am Abend trinken wir ein Schlückchen auf unser Wiedersehen!


   |   Tages KM: 733   |   GPS Nord: 43°34'34"   |   GPS Ost: 1°29'10"

Sonntag, 6.2. Ondres Plage

Die Atlantikbrandung tost und donnert auf den nahen Strand. Das ungewohnte Geräusch verfolgt mich in den nächtlichen Träumen. Nach dem Frühstück machen wir zu viert einen langen Strandspaziergang und schauen auf die starke Brandung – das sind Naturgewalten! Wir beschließen heute noch ein Stückchen Richtung Madrid zu fahren. Die mautpflichtigen Straßen wollen wir meiden um unsere Reisekasse zu schonen. Doch schon bald versäumen wir die erste Autobahnabfahrt und dürfen nun zahlen. Die Berge bis 1000 m sind unsere Begleiter und die grüne Landschaft mit den Bauerngehöften wirkt anmutig wie in den Alpen. Ginster blüht bereits am Wegesrand, wir haben um die 10 Grad plus. Die A1 von Burgos nach Madrid hat am Sonntag so gut wie keinen LKW-Verkehr. Kurz vor Villalvilla de Montajo nehmen wir eine Ausfahrt. Sie führt zu einem kleinen Kirchlein auf einem Berg, zu dem im Reiseführer beschriebenen Stellplatz. Am Spätnachmittag kommen wir dort an. Die warmen Sonnenstrahlen täuschen, denn hier auf 1100 m Höhe liegt stellenweise noch Schnee. Im Schutze der Kirchenmauern parken wir abgeschirmt vom nahen Straßenlärm.
Spruch von Klaus: Beim Kirchlein der heiligen Jungfrauen schlafen wir wie in Abrahams Schoß.


   |   Tages KM: 390   |   GPS Nord: 41°29'20   |   GPS West: 3°42'11

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Montag, 7.2. Villalvilla de Montajo

Immer weiter auf der A1 Richtung Madrid haben wir auf 1000 m Höhe nur 3 Grad. Auf den umliegenden Berggipfeln liegt noch Schnee, aber die ersten Störche sind bereits da und suchen auf den grünen Wiesen nach Nahrung. Wir kommen über den 1440 m hohen Pass Somosierra. Ohne Probleme umfahren wir Madrid. Danach geht es weiter auf der A4 Richtung Granada. Wir sehen alte Windmühlen und Sonnenkollektoren auf den Feldern – heute nutzt man die Wind- und Sonnenenergie. Um Valdepenas erstreckt sich ein großes Weinanbaugebiet. Früher setzte man auf billige Massenware, jetzt setzten die Winzer auf mehr Qualität. In der Sierra Morena fahren wir auf einen Stellplatz im Gebirge. 6,5 km geht es auf schmaler Teerstr. recht steil bergan. Bis 10t sind erlaubt, doch einem Schwerlaster wollen wir nach Möglichkeit nicht begegnen!!! Oben erwartet uns in diesem Nationalpark ein gepflasterten Parkplatz (mit EU-Geldern ausgebaut) und eine herrliche Ruhe. Peter und Klaus steigen in 20 Min. auf den Gipfel des Collado de los Jardines. Marianne und ich schauen derweil in den blauen Himmel auf die Kreise ziehenden Bussarde. Es blühen in dieser Höhe bereits die Kirschbäume.
Erkenntnis des Tages: Vertraue dem Reiseführer und fahre auch mal Stellplätze abseits der Schnellstr. an.


   |   Tages KM: 398   |   GPS Nord: 38°23'23   |   GPS West: 3°29'39

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Dienstag, 8.2. Collado de los Jardines

Wir haben nur wenige PKW als Gegenverkehr und meistern so die schmale Abfahrt. Glück gehabt, heute Morgen war auch kein 10tonner unterwegs! Wir sehen eine riesige Autobahnbaustelle, das letzte Teilstück wird bald fertig gestellt sein. Die alte Autobahn wird hier im Gebirge je Richtung wie eine Einbahnstr. geführt. Wir streifen die Sierra de Nevada und kommen mittags bei Malaga an die Küste. Sonne pur! Von der Küstenautobahn Marbella-Algeciras erblicken wir menschleere Strände. Die Hotels und Ferienwohnanlagen liegen unmittelbar an der lauten Hauptverkehrsader. Sie stehen dicht an dicht, ist das so wegen der hohen Grundstückspreise? Am Nachmittag erreichen wir den Lidl-Parkplatz in Algeciras. Hier stehen bereits etliche Mobile und tätigen wie wir Großeinkäufe mit bekannten Produkten. Wir besorgen uns bei „Carlos“ die Fährtickets nach Ceuta. Abfahrt morgen 8 Uhr oder später. Noch einen Blick ins Carrefour – das Angebot ist riesengroß. Um sich zurechtzufinden, benötigt man fast einen Kompass. Nach dem Abendbrot widmen wir uns den Einreiseformalitäten für Marokko, legen uns die Papiere zurecht und werfen einen Blick auf die grüne Versicherungskarte. Oh Schreck! Bei uns ist Marokko durchgestrichen. Obwohl wir sie extra angefordert haben und in einem Anschreiben die Freigabe bestätigt ist. Wieder einmal hat bei unserer Versicherungsagentur der „Lehrling“ geschlafen.
Frage des Abends: Wie soll das nur morgen bei unserer Einreise werden?
Vorerst wünschen wir uns eine gute Nacht!



   |   Tages KM: 423   |   GPS Nord: 36°10'58"   |   GPS West: 5°26'33"

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Mittwoch, 9.2. Algeciras

Um 7 Uhr starten wir Richtung Fähre. Um 8 Uhr geht es los – die Fähre ist nicht voll. 40 Min. später sind wir in Ceuta und versorgen uns preiswert mit Diesel (1.01 € der Liter). 30 Min. benötigen wir für die Einreiseformalitäten. Mit der grünen Versicherungskarte gibt es keine Probleme, niemand will sie sehen. Wir müssen nun die Uhrzeit um eine Stunde zurück stellen. Unser erster Stopp soll Tetouan sein. Entlang der breiten Prachtstr. am Mittelmeer erstrecken sich halbfertige Ferienanlagen und Hotels umgeben von gepflegten Grünanlagen mit Palmen. Es gibt sogar einen ausgeschilderten Radweg. Die marokkanischen Frauen tragen ihre traditionelle Bekleidung: Djellabah und Kopftuch – auch die Männer laufen in der Djellabah, einige haben sich die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Schutz gegen Wind, Wetter und unangenehme Blicke. Über saubere Straßen erreichen wir Tetouan. Beim Marjane Supermarkt besorgen wir uns einen marokk. Internetstick und Telefonkarten. Auf dem großen Parkplatz steht eine engl. Reisemobilgruppe mit 17 Fahrzeugen, sie wollen heute bis Chefchaouen. Da wird es aber eng auf dem kleinen Campingplatz. In der Ferne erblicken wir die sanften Hügel vom Rif-Gebirge. Die Sonne scheint und wir haben 13°C. Schon bald erreichen wir das Zentrum von Tetouan. Mal schauen, ob wir den zentralen Parkplatz auf Anhieb finden. Schon bald spricht uns ein Einheimischer an und will uns zum Parkplatz führen. Er läuft voran und wir folgen ihm mit unseren großen Mobilen. Die Straßen werden immer enger. An parkenden PKW, Taxis und Kleinlastern kommen wir gerade so vorbei. Den Fahrern wir jede Menge Fingerspitzengefühl und eine gute Einschätzung der Fahrzeugbreite und –länge abverlangt. Da, wo es gar nicht mehr weiter geht, sollen wir parken. Wie, um Gottes willen, sollen wir hier jemals wieder herauskommen? In meiner Verzweiflung frage ich einen fremden jungen Mann in seinem PKW nach dem großen Parkplatz im Zentrum – da, wo auch Mobile parken können. Er nennt uns den Namen „el Hammadi“. Nun muss Klaus, der hinter uns steht, wenden und als erster sich auf den Weg machen. Peter ist ihm beim Wenden behilflich. Wir haben nicht so viel Glück, denn just als wir rückwärts in eine kleine Str. stoßen, karrt uns ein PKW an die hintere Stoßstange. Das Geräusch fährt uns in alle Glieder! Entsetzt springen wir aus dem Mobil und besehen uns den Schaden. Bei uns ist die hintere Stoßstange links etwas abgesplittert, der PKW hat seine vordere Stoßstange verloren. Nachdem die Schulfrage geklärt ist, aber vom dem Marokkaner „nichts zu holen ist“, setzen wir unsere Fahrt fort. Aufregen ist zwecklos! Bald haben wir Klaus erreicht. Auch hier sind die Str. fürchterlich schmal und natürlich für LKW ist die Durchfahrt verboten. Einige Male müssen wir nach dem Weg fragen. Das letzte Stück geht es hautnah an den Wochenmarktständen vorbei. Dann endlich erreichen wir die Einfahrt zum Parkplatz. Der hintere Teil ist für Reisemobile und Kleinlaster reserviert. Vier ital. Reisemobile steht dort bereits. Wir steigen aus und fallen uns gegenseitig in die Arme. Auf den Schreck trinken wir erst einmal einen Schnaps. Abdul, ein uns bereits bekannter Reiseführer, bietet uns seine Dienste an. Mit ihm streifen wir etwas später 2 Stunden durch die engen Gassen der Medina. Er spricht etwas deutsch.
In den Souks sind die Gassen nach Handelsbereichen aufgeteilt. Wir gleiten mit dem Menschenstrom vorbei an Obst- und Gemüseständen, an Kupfer- und Silberschmieden, Schneidern und Babuchenmachern. Auf dem Stoffmarkt verkaufen die Rifbäuerinnen mit ihren traditionellen, mit großen schwarzen Wolltroddeln verzierten Strohhüten, handgewebte Stoffbahnen – überwiegend in den Farben rot/weiß gestreift.
Nach der geführten Tour ruhen wir uns etwas aus und unternehmen dann nochmals zu viert einen Spaziergang ins Zentrum. Wir trinken den typ. marokk. Pfefferminztee in einem Café vor dem Königspalast und schauen von dort dem bunten Treiben zu. Den großen freien Platz vor dem Palast darf niemand betreten. Er ist mit Metallgittern abgesperrt und „das Auge des Gesetzes“ bewacht alles.
Erkenntnis des Tages: Vertraue nicht allen Parkplatzführern unbedenklich!


   |   Tages KM: 57   |   GPS Nord: 35°34'20   |   GPS West: 5°22'28

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Donnerstag, 10.2. Tetouan

Heute wollen wir über das Rifgebirge nach Chefchaouen. Auf der Str. begegnen uns zu Fuß die Rifbäuerinnen. Um die Hüfte haben sie sich die handgewebten Tücher geschlungen und auf dem Kopf sitzen die Strohhüte mit Bommeln dran. Kleine Mädchen hüten Schafe, Bauern treiben Esel vor sich her. Mit ihren Hackern wollen sie zur Landarbeit. Junge Männer lungern untätig am Straßenrand. Diese Gegend ist bekannt für den Rauschgifthandel – verboten, aber geduldet. Mandel- und Kirschbäume blühen bereits. Wir sehen Olivenhaine auf sattgrünen Flächen. Vereinzelt stehen flache Häuser mit blauen Türen und Fenstern. Gliederkakteen tragen Früchte, sie wachsen hier wie Zäune. Ab und zu durchfahren wir eine kleine Ortschaft auf unserer Strecke. Am späten Vormittag erreichen wir in 500m Höhe den Campingplatz von Chefchaouen. Die große engl. Gruppe ist noch nicht abgefahren, weiter stehen hier Mobile aus Frankreich, Italien und Holland dicht an dicht. Auch wir finden ein Plätzchen. Die Sonne wärmt, und einige Personen sitzen bereits in leichter Sommerbekleidung vor den Mobilen.
Mittags gehen wir zu Fuß in den Ort. Ein steiler Steinstufenweg führt als Abkürzung direkt in die Medina. Blau und weiß getünchte Fassaden strahlen uns entgegen. Die Haustüren sind überwiegend blau gestrichen, das gibt dem ganzen einen andalusischen Anblick. Es ist schön, durch die engen Gassen der Medina zu streifen - einen Blick in die vielen kleinen Geschäfte zu werfen und den Kunsthandwerkern über die Schulter zu schauen. In einem kleinen Restaurant lassen wir uns mit marokk. Köstlichkeiten verwöhnen und steigen dann die vielen Stufen zum Campingplatz bergan.
Tipp: Chefchaouen ist einen Abstecher wert!


   |   Tages KM: 63   |   GPS Nord: 35°10'33"   |   GPS West: 5°16'02"

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Freitag, 11.2. Chefchaouen

Um wieder raus aus dem Ort zu kommen, gibt es so gut wie keine Ausschilderung - man muss dem Hauptverkehr folgen. Es geht nach dem Ort durch eine wildromantische Gebirgslandschaft mit einigen Baustellen nach Quazzane. An der Str. werden in kleinen Familienbetrieben Oliven zu Olivenöl verarbeitet und zum Verkauf angeboten. Esel drehen den Mahlstein unermüdlich im Kreis. Die Hügel sind überwiegend bewaldet, die Ackerflächen befinden sich im unteren Bereich. Das Getreide steht bereits auf grünen Halmen. Die Gegend ist wenig bewohnt, nur dann und wann ein kleines Straßendorf. Ein Fluss zieht sich durchs Tal. Um Sidi-Kacem sehen wir die ersten Händler mit Orangen an der Str. Wir stoppen und kaufen, die männlichen Verkäufer fragen nach Geschenken – besonders an Whisky sind sie interessiert. Wir winken ab und fahren mit den gekauften zuckersüßen Orangen weiter Richtung Meknes. Schafhirten ziehen mit ihren Herden an uns vorbei, kleine orangefarbene Blumen leuchten wie Teppiche in den Grünflächen. Wir umfahren die Altstadt von Meknes auf einer Umgehungsstr., immer an der alten Stadtmauer entlang. Um in die Stadt zu gelangen benötigen wir ein hohes Stadttor. Wir fahren durch das Bab El Kehmis. Auf einem kostenpflichtigen Parkplatz (nah am Place El Hedim) können wir auch über Nacht bleiben. Nur wenige 100m entfernt liegt die alte Medina mit ihren Einkaufsgassen. Heute am Freitagnachmittag sind die meisten Geschäfte (muslemischer Feiertag) geschlossen. Ein Besuch in der alten Koranschule aus dem 14. Jh. „Medersa Bou Inania“ ist zu empfehlen. Außer schönen Steinmetzarbeiten und Fliesen ist der Blick von der Dachterrasse über die Dächer der Altstadt lohnenswert. Hinter dem Bab Mansour warten Kutschen auf Fuß müde Touristen. Für umgerechnet 10 Euro kann man für 45 Min. eine Tour durch die Altstadt von Meknes unternehmen. Beeindruckend sind die hohen Mauern, die um die alte Sultans Stadt (ehemals 40 km) führen. Auch der nicht zugängliche Königspalast ist von einer hohen Mauer umgeben. Auf den königlichen Golfplatz dürfen wir ein Auge werfen und sehen prachtvolle gepflegte Grünanlagen. Der Platz el Hedim füllt sich am späten Nachmittag mit Gauklern, Schlangenbeschwören, Geschichtenerzählern und vielen Einheimischen. Als wir am Abend nochmals in die Stadt laufen, hat sich der Platz geleert. Dafür herrscht auf den Hauptstr. reger Fußgängerverkehr.
Tipp für den Abend: Einen Minztee als Absacker in einem Straßencafé trinken.


   |   Tages KM: 208   |   GPS Nord: 33°53'23   |   GPS West: 5°34'01

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Samstag, 12.2. Meknes

Mit lautem Gesang weckt uns der Muezzin bei Tagesanbruch. Bevor um 9 Uhr die Läden öffnen, können wir noch etwas weiterträumen.
Voller Begeisterung streifen wir durch die Handwerksgassen der Tischler, auch in den Schmieden wird eifrig gehämmert. Die Arbeitsbedingungen sind sehr einfach, wie bei uns vor 100 Jahren. Trotzdem sind die Arbeiter fröhlich bei ihrer Arbeit und winken uns zu. In den hinteren Gassen schließen sich links und rechts die Marktstände für den täglichen Tagesbedarf an. Das eine oder andere Gemüse ist uns unbekannt. Die gr. Markthalle am Platz el Hedim ist so früh am Morgen recht leer, wo bleiben die Hausfrauen? Wir kaufen leckeres Kleingebäck für den Nachmittagskaffee.
Heutiges Ziel ist El Jadida am Atlantik, südlich von Casablanca. Wir wollen Strecke schaffen und nehmen die Autobahn Meknes-Rabat-Casablanca. Wie ein Band durchschneidet die Autobahn die flache Landschaft. Wir können weit über großzügiges Acker- und Weideland blicken – sehen Plantagen mit Korkeichen. Auf der mautpflichtigen Autobahn fahren überwiegend neue PKW der gehobenen Mittelklasse. Wir umfahren Rabat und Casablanca. Vor den großen Städten befinden sich die Slumsiedlungen. Einfache Hütten mit Wellblechdächern auf denen oft eine Sattelitenantenne befestigt ist. So hält auch hier die große weite Welt Einzug. Auf einem Parkplatz touchiert ein einheimischer PKW das Nummernschild von Klaus Reisemobil und machen eine neue Erfahrung. Reden marokkanische Männer schneller als sie arbeiten? Von der Str. können wir bereits die Atlantikbrandung mit den meterhohen Wellen sehen. In El Jadida befindet sich der Campingplatz etwas außerhalb. Die Stadt hat eine portugiesische Festung und eine Altstadt aus dem 11. Jh. zu bieten. Nachdem die Portugiesen die Stadt im 18. Jh. verließen, wurde sie von Juden bewohnt. Von den starken Stadtmauern soll der Ausblick grandios sein. Heute um 17 Uhr sind die Aufgänge bereits geschlossen. Doch die gut erhaltene „Cisterne Portugaise“ von 1541 mit den spätgotischen Kreuzrippengewölben ist für Besucher geöffnet. Sehr viele Häuser der Medina müssten dringend renoviert werden. Stürzt ein Gebäude ein oder wird abgerissen, entsteht ein freier Platz für die fußballbegeisterte Ortsjugend.
Den Rückweg nehmen wir durchs Zentrum. Jetzt, kurz vor Sonnenuntergang scheint ganz El Jadida auf den Beinen zu sein – vom Säugling auf dem Rücken der Mutter bis zum gebrechlichen alten Bettler. An den Straßenrändern stehen Flohmarktbetreiber dicht an dicht. Die Straße gehört nun dem Fußvolk – verirrte Autofahrer müssen ihre Fahrt unterbrechen.
Mein Eindruck: So ein Treiben, Gedränge und Geschiebe habe ich selbst auf Jahrmärkten nicht erlebt.



   |   Tages KM: 335   |   GPS Nord: 33°14'25   |   GPS West: 8°29'16

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Sonntag, 13.2. El Jadida

Heute ist es windig und der Himmel ist bedeckt. Wir wollen die Küstenstr. bis Safi und weiter bis Essaouira. Vor uns fährt ein Kleinlaster mit offener Ladefläche. Er ist vollbeladen mit Zwiebeln und Orangen. Ein Mann sitzt hinten bei der Ware. Wir grüßen ihn freundlich mit Handzeichen, er hält uns 2 Orangen hin. Als wir mit dem Kleinlaster auf einer Höhe sind, wirft er die Orangen durch das geöffnete Fahrerfenster. Erst der zweite Anlauf klappt, das war doch eine schöne Geste! Wir fahren durch ein Gemüseanbaugebiet. Zurzeit ist Möhren- und Blumenkohlernte – alles von Hand. Wir stoppen und schon bald kommen drei junge Männer mit Blumenkohl in den Händen auf uns zu gerannt. „Was kostet der?“ fragen wir. „Die sind ein Geschenk“, antworten die Männer und drucksen ein wenig umher. „Habt ihr ein Geschenk für uns?“ Peter holt inzwischen einige Zigaretten und Kugelschreiber aus dem Mobil. Das heutige Abendessen können Marianne und ich nun planen.
Unsere Fahrt setzten wir mit Atlantikblick fort. Die Meeresbrecher sehen gewaltig aus. Bei Sonnenschein sicherlich ein Vergnügen an den Sandstränden spazieren zu gehen. Heute regnet es zeitweise sehr kräftig. Die „armen“ nassen Muschelverkäufer am Straßenrand halten uns besonders schöne Exemplare entgegen.
In Safi werden wir auf einen Parkplatz bei einer Töpfer-Cooperative gelotst und ein junger Mann führt uns durch das Töpferviertel. Der Regen hat inzwischen aufgehört, aber der nasse braune Lehm setzt sich in unsere Profilsohlen. Wir schauen den Töpfern und Bemalern über die Schulter. An Farben verwendet man überwiegend Naturalfarben, so erklärt unser Führer. Die modernen Brennöfen werden mit Gas, die alten mit Eukalyptusholz befeuert. Selbstverständlich endet die Tour in seinem Verkaufsshop. Der eine oder andere Gegenstand gefällt uns schon, aber auf unser Preisangebot geht man vorerst nicht ein. Zu Fuß ziehen wir weiter, unseren Führer „bezahle“ ich für seine Dienste mit einem T-Shirt. Unterhalb des Töpferviertels gibt es unzählige Geschäfte, sie alle verkaufen Keramikgegenstände. Als wir wieder am Mobil zurück sind, können Marianne und Klaus ihre zwei Schüsseln gegen ein paar Tanzschuhe von Klaus tauschen.
Die Gegend wird jetzt hügeliger, noch immer ist die Landschaft sehr fruchtbares Ackerland. Mit Maultieren und Handpflug werden hier noch die Felder bestellt. Schafherden werden von Kindern, oft ganz kleinen, gehütet. Sie kommen schon von weit her gelaufen, wenn sie unsere Mobile erblicken und winken freundlich.
Wir passieren einige Straßenorte mit Waren des täglichen Bedarfs. Gegen 17 Uhr erreichen wir Essaouria. Den neuen Stellplatz – einen Parkplatz – finden wir durch Zufall. Er liegt ganz nah an der Medina. Nach der langen Fahrerei wollen wir uns in der Altstadt noch ein wenig die Beine vertreten, bevor wir Frauen mit dem Kochen anfangen. Die Stadt macht einen „aufgeräumten“ Eindruck. Das Angebot von Schuhen, Schmuck, Lederwaren, Bekleidung, Holzarbeiten so vielfältig. Ich glaube, dass ich in 3 Tagen längst nicht in jedem Geschäft gewesen bin. Eine Besonderheit in Essaouria sind keine Gegenstände aus Tujaholz, mit Einlegearbeiten anderer Hölzer.
Ermahnung der Hausfrau: Steige niemals mit nassen Lehmschuhen ins Mobil!!


   |   Tages KM: 292   |   GPS Nord: 31°30'39   |   GPS West: 9°45'59

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Montag, 14.2. Essaouira

Das Glück mit dem Stellplatz währt nicht lange. Um Mitternacht hören wir ein unangenehmes Geräusch. „Hat da nicht jemand mit einem Gegenstand an unser Mobil geklopft?“ Peter schaut aus dem Fenster und sieht zwei Jugendliche in Richtung Medina davon laufen.
Am Morgen sehen wir die Bescherung: Ein Steinschlag auf der linken Seitenfläche. Wir sind sehr verärgert über diesen Unfug! Nochmals durchstreifen wir die Stadt, steigen auf das portug. Fort von 1506. Seit 2001 ist die Medina von Essaouria ein Weltkulturerbe. Heute werfen wir auch einen Blick in die engen und dunklen Gassen. Hier sind die Einheimischen Zuhause. Es riecht streng nach Abfällen.
Und weiter geht’s. Zwischen Essaouria und Agadir wachsen die Arganienbäume. Cooperativen, die überwiegend Frauen Arbeit anbieten, verkaufen das kostbare Arganienöl in ihren Shops an der Straße. Die Landschaft ist nun leicht hügelig. Außer Arganien sehen wir noch Eukalyptus und auf den kargen Feldern wächst Dornengestrüpp. Die ockerfarbenen Häuser passen sich der Landschaftsfarbe an. Viele Busse sind auf unserer Strecke, doch die Str. ist genügend breit zum Passieren. In Tamri wachsen die herrlich süßen Bananen und werden im Ort angeboten. Bald haben wir den Campingplatz Atlantic-Park erreicht. Unser erster Weg führt in die Waschhalle – unsere Mobile sind überfällig! Ein netter Stellplatz findet sich bald und abends grillen wir Fisch.
Bemerkung: Wenn gegen 18 Uhr die Sonne verschwindet wird es kalt.


   |   Tages KM: 147   |   GPS Nord: 30°35'23"   |   GPS West: 9°44'48"

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Dienstag, 15.2. Atlantic-Park

Ruhetag. Die Hausfrauen beschäftigen sich im Mobil. Die Männer erledigen Außenarbeiten und kleine Reparaturen. Die warme Sonne wärmt kräftig und am Nachmittag unternehmen wir einen langen Spaziergang am Strand. Was hat sich nicht alles in den letzten 2 Jahren verändert! Viele Rohbauten von Ferienappartements schirmen nun den langen Sandstrand zur Straße ab. Die leerstehenden Ferienwohnungen von 2008 sind noch immer unbewohnt. Der Campingplatz ist zu 80% mit Franzosen und 10% Deutschen belegt, den Rest teilen sich andere Nationalitäten. Uns gegenüber stehen 3 Mobile mit Schweizern aus Bern. Sie sind schon 50 Tage auf dem Platz. Als ich von unseren Problemen mit dem Telefonieren erzähle, ist uns der eine Schweizer behilflich über Skyp einen allgemeinen Internet-Telefonanschluss einzurichten. Nun kann ich für 3 Cent die Minute nach Deutschland telefonieren. Meine Maroc-Telekom-Telefonkarte von 20 Euro habe ich innerhalb von 6 Tagen abtelefoniert.
Sorgen: Die Ärzte in Deutschland sind so unflexibel. Manchmal kommt man sich wie ein Bittsteller vor!


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Mittwoch, 16.2. Atlantic Park

Heute ist der Geburts- und Todestag vom Propheten Mohammed, alle Arbeit ruht und viele Geschäfte haben geschlossen. Peter gibt die Bemalung seiner Sat-Schüssel in Auftrag. Ein Tuareg soll von dort in die Landschaft blicken. Heute haben wir wieder Sonne und leichten Wind. Nach einigen erforderlichen Arbeiten können wir die Sonne genießen. Wir lesen und faulenzen. Ein Spaziergang über den unteren Campingplatz zeigt uns wie begehrt der Platz ist. Es gibt kaum eine freie Fläche.
Temperaturen: Tagsüber um die 20°C mit Sonne und leichtem Wind – hin und wieder ein kleiner Regenschauer.




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Donnerstag, 17.2. Atlantic Park

Wir liegen heute bereits den 3. Tag auf der „faulen Haut“. Man könnte sich fast dran gewöhnen! In der Nacht hat der Sturm Meerwasser über den Strand gedrückt, es ist ein kleiner Binnensee entstanden. Das Wasser läuft zurück ins Meer, an einigen Stellen kann der Strand nur durch eine kleine Furt passiert werden. Wir kaufen frischen Fisch. Der Händler filetiert uns einen Seeteufel. In der Pfanne sieht der Fisch später aus wie Schweinefilet, und satt werden wir für die umgerechnet 10 € auch nicht.
Wetter: Nach ein paar Regentropfen am Morgen scheint die Sonne tagsüber wieder angenehm warm.


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Freitag, 18.2. Atlantic Park

Heute geht es weiter nach Tafraoute ins Binnenland, in den Anti-Atlas. Die Küstenstr. verläuft bis Agadir in Atlantiknähe. Wir entdecken einen „feien“ Stellplatz unter Palmen und einen offiziellen Campingplatz - da, wo früher die „Platte“ war. Beim Supermarkt Marjane füllen wir unsere Kühlschränke randvoll. Dabei vergesse ich die Kühlschranktür fest zu verriegeln. In einer Kurve stürzt ein Teil vom Inhalt auf den Teppichboden. Ein rohes Ei geht dabei entzwei, so eine Schweinerei! Bei Agadir befinden sich die großen Hotels in Küstennähe, immer entlang der Hauptstr. In Ait-Melloul geraten wir wieder einmal ins Stadtgewimmel – dieses Mal aber harmlos. Leider fehlen an den Hauptstr. die Ausschilderungen für die Richtungen Ait-Baha oder Tafraoute gänzlich. So fragen wir uns durch, einige Einheimische schauen uns nur fragend an.
Die Landschaft wird gebirgig. In riesigen Gewächshäusern aus Plastikplanen gedeihen Tomaten, Bananen und anderes Gemüse. Nach Ait-Baha beginnt der schönste Teil der Strecke. Die Straße windet sich entlang des Qued-Ait Baha, der sich unten im Tal befindet. Unsere gut zu befahrene Teerstr. kommt bis auf 1650 m. Wir sehen Arganienbäume und Dornengestrüpp auf dem Weideland der Schaf- und Ziegenherden. Die Mandel- und Kirschbäume stehen in voller Blüte und der Ausblick auf die Ortschaften mit ihren umliegenden Terrassen-Ackerflächen ist umwerfend. Unsere Empfehlung: Die Straße bei gutem Wetter befahren, dann ist der Straßenverlauf manchmal über Kilometer hinweg einzusehen. Es gibt bei größerem Gegenverkehr genügend Ausweichstellen. Nach dem Pass geht es hinab auf 1000 m, in das Tal der Ammeln und weiter nach Tafraoute. Den von hohen Bergketten umgegebenen Stellplatz kennen wir bereits und steuern ihn an. Wir suchen uns ein Plätzchen auf der freien Fläche. 3 Tage kommen wir mit unseren Strom- und Wasserreserven gut über die Runden. Unsere Freunde von 2009 stehen mit ihrem Mobil vor dem kleinen Campingplatz. Sie erwarten uns bereits mit Kaffee und leckerem Kuchen. Sie waren dieses Jahr bereits in Dakhla und können auf alle unsere Fragen die für uns wichtigen Informationen geben.
Nachts: Hell leuchtet der Vollmond über die 100 Mobile, Hunde kläffen und aus der Ferne ruft der Muezzin.



   |   Tages KM: 192   |   GPS Nord: 29°43'21   |   GPS West: 8°58'49

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Samstag, 19.2. Tafraoute

Auf unserem Stellplatz gibt es frisches Brot und Croissant vom „fliegenden Händler“. Peter betätigt sich als Bergsteiger und erklimmt einen Gipfel. Beim Aufstieg entdeckt er unterhalb des Gipfels einen alten verlassenen Ort. Von oben hat er einen guten Rundblick über das ganze Tal. Mächtige Granitsteine türmen sich wie Kolosse übereinander.
Gegen Mittag spazieren wir in den nahen Ort. Durchstreifen die Handwerkergassen und schauen in das eine oder andere Geschäft. Die Babuschen werden hier noch von Hand gefertigt.
Über unseren Stellplatz laufen Einheimische. Frauen in schwarzen Trachten sammeln abgelegte Kleidungsstücke ein, und die Kinder freuen sich über Süßigkeiten. Händler wollen tauschen – alkoholische Getränke gegen Waren aus ihrem Shop.
Im Abendlicht schimmern die Felsen rosa, der Wind hat aus vielen eigentümliche Skulpturen geschliffen.
Weiser Spruch: Wir Europäer haben die Uhr, aber die Marokkaner die Zeit.


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Sonntag, 20.2. Tafraoute

Klaus und Peter besteigen den „Hausberg“, wir anderen wandern zu viert ins Tal zu den Nomadenzelten. Auf unser „Hallo“ und „Bonjour“ kommt niemand aus dem schwarzen Nomadenzelt. Unsere Bergsteiger holen uns auf dem Rückweg ein. Gemeinsam gehen wir in den Ort um noch einiges zu besorgen. Mit leckerem Kuchen kehren wir zurück. Für den Abend haben wir im Restaurant Kasbah einen Tisch reserviert.
Brigitte zeigt mir wie man den leckeren marokkanischen Pfefferminztee kocht – mit 14 Stück Zucker auf 7 Teegläser! Trotz ausgiebigem Klönen verbleibt uns noch Zeit ein wenig vor unseren Mobilen in der Sonne zu lesen. Dann wird es Zeit fürs Restaurant.
An niedrigen runden Tischen nehmen wir Platz. Um diese sind Sofas und kleine Hocker gruppiert. Wir bestellen Menü. Unter 4 Vorspeisen, 10 Hauptgerichten und 2 Nachspeisen treffen wir unsere Auswahl. Zum Abschluss serviert man uns Kaffee oder Tee. Das Essen war vortrefflich.
Bei Mondschein und sternklarem Himmel treten wir den Heimweg an. Das Kreuz des Südens zeigte früher den Karawanen den Weg.



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Montag, 21.2. Tafraoute

Wir fahren weiter nach Sidi Ifni. Außerhalb von Tafraoute besuchen wir die vor vielen Jahren vom belgischen Maler Jean Verame bemalten Felsen. In den letzten Jahren hat man die inzwischen verblasste Farbe neu aufgefrischt. Unsere Mobile parken wir am Straßenrand und folgen zu Fuß dem Hinweis „painted Rocks“.
Wieder im Mobil folgen wir unserer Straße. Über diese einfache Gebirgsstraße lässt es sich wunderbar nach Tiznit fahren. In der kargen Stein Öde kommen wir auf 1500m. Nur wenige Siedlungen liegen an unserer Strecke. Dann, oben auf dem Pass, sehen wir zwei „Paläste“ zwischen Mandelbäumen. Schon bald stoßen wir auf die Hauptstrecke Tiznit – Tafraoute. Uns kommen mehrere Reisemobilgruppen entgegen. Sie fahren den Pass Col de Kedous auf 1100 m hinauf, wir hinab. Weit geht unser Blick ins Tal, doch es gibt kaum eine Möglichkeit zum Anhalten.
Tiznit empfängt uns mit Flaggenschmuck – erwartet man den König zu Besuch? Wir fahren bis ans Meer bei Aglou Plage. Bis zum heutigen Ziel Sidi Ifni sind es noch 70 km. Auf der gesamten Strecke entstehen neue Ferienwohnungen. Überwiegend sind sie erst im Rohbau fertig. Sollte man an dieser Küste nicht lieber in Campinganlagen investieren? Viele Reisemobile haben sich in Strandnähe ein nettes Stellplätzchen gesucht.
Auf dem Campingplatz El Barco in Sidi Ifni finden wir an freies Plätzchen mit Meeresblick. Noch vor 5 Tagen soll es in Sidi Ifni kein freies Plätzchen auf den drei Campingplätzen gegeben haben.
Abends bummeln wir in die nahe Altstadt. Es herrscht ein reges Treiben auf dem Fischmarkt, den Gemüseständen und auf der Einkaufsstraße.
Überlegung: Ob ich bei den starken Brandungsgeräuschen schlafen kann?


   |   Tages KM: 201   |   GPS Nord: 29°22'57   |   GPS West: 10°10'35

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Dienstag, 22.2. Sidi Ifni

Ich kann mich noch sehr gut an die Waschmaschine auf dem Platz erinnern. Eine Frau wäscht das Kilo für 1 € – aber kalt. Gestern haben Peter und ich Infos bei einer Wäscherei im Ort eingeholt. Für 2,50 € das Kilo wird die Wäsche gewaschen und gebügelt.
Gleich nach dem Frühstück ziehen wir mit unserer Schutzwäsche los. Leider ein Missverständnis. Der heutige Kollege rechnet Stückweise, wegen der unterschiedlichen Farben. Leider reichen meine Sprachkenntnisse nicht aus, um ihm das gestrige Angebot zu erklären.
Ein langer Spaziergang am Meer schließt sich an, es ist Ebbe. Auf den nun freien Steinbänken laufen Frauen und sammeln säckeweise Miesmuscheln. Keine 50 m weiter fließt das Abwasser von Sidi Ifni ins Meer. Vor den Mobilen verbringen wir in der Sonne den Nachmittag, wir haben um die 25° Grad. Es ist leicht diesig mit einer hohen Luftfeuchtigkeit.
Gegen Abend steigen wir die vielen Treppenstufen in die Altstadt hinauf und statten „unserer“ Konditorei einen Besuch ab. Peter nimmt sich gleich einen Vorrat für die nächsten Tage mit.
Erkenntnis des Tages:
Muscheln von hier essen, nein danke!


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Mittwoch, 23.2. Sidi Ifni

Die Straße nach Guelmin führt durchs Binnenland. Das Ackerland ist von Steinen übersät – welche Mühsal für die Bauern diesen Boden zu beackern. Dann sehen wir Plantagen von Gliederkakteen und Zelte von Nomaden. Hinter den Hügeln haben wir ein Plateau in 300m Höhe erreicht – hier sieht alles noch trostloser aus. Es gibt nur wenige Straßendörfer. In Guelmin biegen wir zum Plage Blanche ab. Die Straße ist inzwischen gut ausgebaut. Die Landschaft um uns herum ist karg, doch die riesigen Ziegen- und Schafherden finden ausreichend Futter. An einigen Stellen wird Getreide angebaut. Die Straße endet am Plage Blanche. Auf dem großen Schotterparkplatz beim Militärposten stehen bereits etliche Mobile. Vom Parkplatz blicken wir auf eine Dünenlandschaft und das Meer hinab.
Schon bald laufen wir auf dem bis zum 400m breiten und 50km langen Sandstrand eine kleine Etappe. Wir beobachten die Vögel und suchen nach seltenen Muscheln und Steinen.
Abends kommen die Frauen aus dem nächsten Dorf. Sie wollen uns Eier und Brot verkaufen.


   |   Tages KM: 116   |   GPS Nord: 28°57'50"   |   GPS West: 10°36'13"

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Donnerstag, 24.2. Plage Blanch

Auch heute ist der riesige Sandstrand fast menschenleer. Nur wenige Spaziergänger und einige Fischer sind am Strand zu sehen. Wir überschätzen unsere Kondition und kommen recht „geschlaucht“ nach 3½ Stunden an unserem Stellplatz an. Der frische Wind mildert die Sonnenhitze. Unsere unmittelbaren Nachbarn sind ein franz. Ehepaar. Sie sind 83 Jahre und 85 Jahre alt und mit einem VW Club-Joker unterwegs. Die Frau und ich verständigen uns mit Händen und Füßen.
Am Abend grillen wir den „eingetauschten“ Fisch vom Vormittag. Aktion: Tausche Herrenbekleidung gegen Fisch.



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Freitag, 25.2. Plage Blanch

Der Vormittag zeigt sich bewölkt und wir unternehmen eine kleine Wanderung ins Landesinnere. Der Weg ist ausgefahren, und nur Allradfahrzeuge können ihn meistern. Uns begegnet eine Frau auf ihrem Esel mit einer Ziegenherde. Uns Frauen blickt sie ins Gesicht – bei den Männern dreht sie den Kopf zur Seite. Wir sehen oberhalb auf dem Hügel ein kleines Dorf. Um dorthin zu gelangen müssen wir die Furt durch einen Fluss passieren. D.h., wir müssen Schuhe und Strümpfe ausziehen. Der Weg schlängelt sich weiter bergan. Im fruchtbaren Tal weidet eine Herde von Dromedaren, wir zählen an die 40 Stück. Weiter hinten sehen wir Schafherden. Das Dorf besteht nur aus wenigen Häusern, die wie in arab. Ländern außen von einer hohen Lehm- und Ziegelsteinmauer umgeben sind. Das Innenleben verschließt sich unseren Blicken und anderen Besuchern. Ein etwa 12 Jahre alter Junge kommt uns entgegen gelaufen. Einige Frauen stehen nahe der Mauer und sehen uns erwartungsvoll an. Sie sind in lange, bunte Umhänge gehüllt. Einen Mann können wir nicht entdecken. Der Junge begrüßt uns mit „Bonjour“ und reicht uns seine Hand. Er fragt nach Bonbons, Schokolade, Kugelschreiber und Bekleidung. Wir verneinen. Er will das so recht nicht glauben und fragt hartnäckig weiter, dabei zeigt er auf unsere Rucksäcke. Peter gibt ihm einen Stift – doch der Junge ist noch nicht zufrieden. Wütend schleudert er uns arabische Worte entgegen und wir verlassen das ungastliche Dorf.
Auf dem Weg zu den Mobilen nehmen wir einen Umweg über das Fischerdorf am Fluss. Beim Näherkommen sehen die Hütten wie Bruchbuden aus. Aus Strandgut errichtet, nur eine Hütte ist aus Feldsteinen erbaut. Schwer vorzustellen, dass hier Fischer leben. Die Sonne kommt gegen Mittag raus, aber im Schatten ist es unangenehm kalt.
Erkenntnis des Tages: Wir geben gerne Tauschgeschenke, aber nicht so, wie es uns heute ergangen ist!


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Samstag, 26.2. Plage Blanch

Heute ist in Guelmin Markt. Der Souk und Kamelmarkt für die Einheimischen und Touristen findet samstags statt. Durch die geschlossenen Grenzen im Süden zu Algerien hat der Nomadismus stark abgenommen. Keine Karawanen verkehren mehr nach Mauretanien oder Mali. So hat der Kamelhandel seinen hohen wirtschaftlichen Stellenwert für die marokkanische Sahara eingebüßt.
Auf dem von Mauern umgebenen Viehmarkt kann man heute überwiegend Ziegen, Schafe, einige Kühe und Kamele kaufen. Das Gemüse und die Waren für den täglichen Bedarf werden unter großen schattigen Zeltplanen in großer Vielfalt angeboten. Ob Kartoffeln, Möhren, Tomaten, Gurken, Paprika, Bananen, Orangen oder Äpfel, das Kilo kostet umgerechnet 50 Cent. In einer anderen Ecke sitzen die Händler mit ihren lebenden Hühnern und verkaufen Eier. Für die nächsten Tage decken wir uns mit Gemüse ein – wir haben schwer an den Einkäufen zu tragen. Peter kommt auf die Idee mit dem Lastentaxi die Waren zu den Mobilen zu befördern. Zwei Jugendliche bieten den Service mit ihrer Handkarre für 30 Cent an. Ab und zu muss unser Lieferservice auf uns warten, weil wir noch weitere Einkäufe tätigen. An den Mobilen angekommen fragt der Parkplatzwärter nach Hemd und Hose, dabei hat er bereits 10 DH fürs Parken erhalten. Da gibt es nur eins: Nix wie weg! Die Einkäufe müssen wir an anderer Stelle verstauen.
Von Guelmin nach Dakhla sind es 1000 km. Es ist Peters innigster Wunsch einmal bis an das südlichste Ende von Marokko zu fahren. 1000 km liegen vor uns - vorerst Teerstr. durch eine Stein öde Landschaft. An einigen Stellen betreibt man Getreideanbau. Wir fragen uns: Ist die Ernte bei so viel Steinen auf den Feldern mit Dreschmaschinen möglich, oder muss von Hand geschnitten werden?
Vor Tan Tan halten wir am ersten Polizei-Kontrollposten. Wir dürfen weiterfahren, aber was ist mit Klaus und Marianne? Sie kommen nicht nach, wurden sie von der Polizei aufgehalten? Nach einigen Kilometern wenden wir und schon bald kommen sie uns fröhlich entgegen. Des Rätsels Lösung: Kurz vor dem Polizeiposten hat Klaus verbotenerweise (durchgezogene Linie) einen PKW überholt. Zuerst muss er seine Papiere vorweisen, dann will man 700 DH Strafe. Klaus gibt zu verstehen, dass er die Summe nicht bei sich hat und sie aus dem Mobil holen will. Etwas später kommt der Polizist zum Mobil und verwarnt Klaus mit den Worten: „Auch Touristen müssen Verkehrsregeln beachten und - - eine gute Fahrt“. Die Strafe erlässt er. Da fällt Marianne und Klaus ein Stein vom Herzen! Bald nach Tan Tan Plage erreichen wir das Qued Chbeika. Hier stehen an die 40 Reisemobile. Wir beschließen für heute unsere Weiterfahrt zu beenden. Die Mobile parken wir auf dem oberen Stellplatz mit Blick auf eine grandiose Dünenlandschaft.
Frage des Tages: Ob in Deutschland bei Nichtbeachtung der Verkehrsregeln mit Touristen so milde wie in Marokko verfahren wird?



   |   Tages KM: 257   |   GPS Nord: 28°17'26   |   GPS West: 11°32'05

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Sonntag, 27.2. Qued Chbeika

Aus dem Mobil können wir Kormorane auf Futtersuche beobachten. Doch schon bald heißt es weiterfahren.
Wir befinden uns nun in der Westsahara. Seit 1979 wird das Gebiet der einstigen spanischen Kolonie vom Königreich Marokko besetzt, und als ein Teil von Marokko betrachtet. In diesem Gebiet sind viele Soldaten stationiert und an vielen Stellen werden Polizeikontrollen durchgeführt. Wir haben vorbereitete Formulare dabei, die wir dem Kontrollposten überreichen können. Die erste Polizeikontrolle ist vor der nächsten Tankstelle und verläuft freundlich. Wir tanken Diesel für umgerechnet 50 Cent den Liter. Von diesen Preisen können wir in Deutschland nur träumen.
Die gute Teerstr. führt entlang der Steilküste. Fischer angeln von hier mit langen Ruten in der Brandung. Wir sehen alte und neue Hütten. Die neuen sehen einheitlich rot aus – von der Regierung gebaute Fischerhäuser oder für den Küstenschutz? Oft haben die an der Str. aufgetürmten Dünen ihren Sand über die Fahrbahn verstreut. Bei Tafaya biegen wir zum Strand ab und sehen ein gestrandetes Schiff. Dann fahren wir die gute Küstenstr weiter und hoffen auf eine Querverbindung zur Hauptstr. Es kommt kein Abzweig nach Laayoune. Wir sehen nur Fischerhütten und den Atlantik – so gut wie keine Menschenseele. Dann, ist doch jemand zu Fuß unterwegs den wir fragen können. Der Mann erzählt uns, dass diese Str. in einem kleinen Dorf endet und danach gibt es nur noch Piste. Für Fahrzeuge wie wir nicht zu befahren. Wir wenden auf der Str. und müssen die 16 km wieder zurück. Bald durchfahren wir eine Dünenlandschaft. Die Str. teilt diese und der Wind treibt den feinen Sand (wie bei Schneeverwehungen) über unsere Fahrbahn.
25 km hinter Laayoune liegt Foum el Qued, ein beliebter Badeort. Zwecks Übernachtung fahren auf einen Parkplatz direkt am Meer, auf diesem stehen bereits einige Mobile. Heute am Sonntag sind viele Familien und Jugendliche am Strand – einige Unerschrockene baden.
Und abends: Wir haben Internet-Anschluss und für Peter sind einige Fleißarbeiten fällig.


   |   Tages KM: 331   |   GPS Nord: 27°11'27   |   GPS West: 13°23'17

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Montag, 28.2. Laayoune Plage

Mit uns stehen an die 10 Mobile auf dem Parkplatz. Die Hundebesitzer führen morgens ihre Hunde am Strand Gassi. Mir ist schon gestern der Hundekot am Strand aufgefallen – igittigitt! Bleibt abzuwarten, wann man bei dieser Verschmutzung den Platz für Mobile sperrt. Schließlich ist das hier der Promenadenstrand von Laayoune – ähnlich wie bei uns Travemünde.
Außer einer langen Steilküste hat die Westsahara touristisch wenig zu bieten. Das Land ist Wüste und bis zu 700 m hoch. Es wachsen nur wenige Pflanzen und Bäume. Wir sehen Salzsenken, in denen Salz abgebaut wird. Die Flussbette sind ausgetrocknet. Alles in allem sieht es über hunderte von Kilometern ziemlich eintönig aus. Die geringe Bevölkerung lebt vom Fischfang und Phosphatabbau. Wir sehen Dromedar Herden „herrenlos“ umherziehen – manchmal kreuzen sie die Str. Es herrscht nur wenig Verkehr – die Wohnmobile sind in der Überzahl.
Nach 200 km erreichen wir Boujdour. Der Polizeiposten hier ist ein „Ali Baba“. Nachdem er unsere Papiere überprüft hat, fragt er nach Euro und Dirham. Wir verneinen und bieten ihm Kugelschreiber an – doch er fragt hartnäckig weiter. Als Peter „fini“ sagt, denkt er wir sind Italiener und möchte ital. Geld. Lire? Diese Währung wurde inzwischen doch auch abgeschafft!
Nach Boujdour sehen wir nochmals zwei gestrandete Schiffe und einen Sandstrand soweit das Auge reicht. Wir fahren, fahren und fahren – Kilometer um Kilometer. Erst 150 km vor Dakhla verändert sich die Landschaft. Tafelberge sind zu sehen und geben dem Ganzen so etwas wie eine Mondkraterlandschaft. Immer noch ist das Gebiet dünn besiedelt. Es sollen lt. Statistik 0,1 Pers. auf einen qkm kommen. 27 km vor Dakhla beginnen die freien Stellplätze der Wohnmobile, viele Camper „überwintern“ hier. Der kalte Kanaren Strom sorgt für einen starken Wind. Es ist ein bevorzugtes Gebiet für Kitesurfer.
Um 17.30 Uhr erreichen wir einen Campingplatz vor Dakhla. Über 7 Stunden Fahrt liegen hinter uns. Wir fühlen uns durchgeschüttelt und total erschöpft. Früh liegen wir in den Betten.
Erkenntnis des Tages von Marianne: Nichts ist so wie es scheint. Wir sehen Wasserflächen und Orte in der Ferne. Wenn wir dann näher kommen, nichts als Wüste! (Fata Morgana)


   |   Tages KM: 524   |   GPS Nord: 23°45'52   |   GPS West: 15°54'25

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Dienstag, 1.3. Dakhla

Ruhetag. Die Frauen habe „kleine Wäsche“. Bei Sonne und Wind müsste sie 1-2-3 auch ohne schleudern trocknen. Die meisten Reisemobile reisen am Vormittag ab. Wir wollen drei Tage bleiben und erkunden zu Fuß den Atlantik auf der anderen Seite dieser Landzunge. Hier stehen auf einem kleinen Campingplatz direkt am Meer die „Extrem-Surfer“ – doch auf dem Wasser ist heute niemand. Etwas weiter am Meer befindet sich eine kleine Zeltstadt. Unter braunen Beduinenzelten sollte die letzten vier Tage ein großes Musikfestival stattfinden. Doch wegen der allgemeinen Unruhen in Marokko wurde es abgebrochen. Vor dem einen Zelt stehen komfortable Sitzmöbel mit schönen Intarsien Arbeiten aus Koralle und Kamelknochen. Wir schauen unter die Zeltplane. Der Boden ist mit einem roten Flauschteppich ausgelegt und hinter einer Gardine im hinteren Teil befindet sich ein Badezimmer. Stilecht eingerichtet mit einem weißen Porzellan-WC und einer Kupferbadewanne. Wohin das WC- und Badewasser abfließen sollen ist uns ein Rätsel – Komfort für wen? Am Ende der Zeltstadt steht ein neu erbauter Pavillon aus Beton mit verglasten Fenstern. Drinnen weiße Sofas und Sessel. Auf einem Transparent heißt man König Mohammed VI zum Festival willkommen. Was wird später in dem Pavillon sein? Auf dem großen freien Gelände zwischen dem Campingplatz und dem Atlantik sollen Ferienanlagen und Wohnungen entstehen. Große Schilder mit Reißbrettzeichnungen sind bereits angebracht. Gleich hinter unserem Campingplatz liegt eine zauberhafte Strandbucht. Das türkisblaue Wasser der Lagune rauscht mit seichten Wellen auf einen menschenleeren Strand, oberhalb liegt eine nie fertiggestellte Hotelanlage. Um die Terrasse türmen sich Sandverwehungen, Abfall und Betonreste. Es ist hier so schön, wenn nur jemand mal den Müll wegräumen würde!
Der Campingbesitzer spricht ein wenig deutsch. Bei ihm wollen wir am Nachmittag ein Taxi nach Dakhla (5 km entfernt) bestellen. Er klärt uns auf. Das Taxi kostet den doppelten Preis. Besser wäre es auf dem Wege in die Stadt ein Taxi anzuhalten. Weil nur 3 Personen als Mitfahrer erlaubt sind, benötigen wir 2 Taxis. Wie es so oft ist, lange Zeit kommt kein Taxi. Wir sind schon 2 km Richtung Stadt gelaufen als ein Taxi hält. Peter und ich steigen ein. Als Ziel geben wir Zentrum an. Auf halber Strecke steigt ein weiterer Fahrgast zu. Wir kommen der Stadt näher. Die Einfahrstr. ist je Richtung zweispurig. Sauber und aufgeräumt wirkt die Stadt mit ihren Kasernen, Wohnanlagen und Geschäften. Zuerst wird unser Mitfahrer abgesetzt. Dann denken wir es geht ins Zentrum – doch leider sieht es nach Nebengassen aus. Auf meine Frage an den Fahrer ob er französisch spricht, erhalte ich keine Antwort. Dann sehen wir die Post und etwas später einen größeren Marktplatz mit Springbrunnen. Hier lassen wir das Taxi stoppen und steigen aus. Den Fahrer schicken wir zu unseren Freunden zurück – mal sehen ob das klappt. Und richtig, schon bald erscheinen sie. Unterwegs sind ihnen Peter und Ingrid aus dem Club IARMC mit ihrem Mobil begegnet. Sie sind schon seit. November in Marokko und stehen überwiegend frei.
Wir durchstreifen die Stadt. Der kleine Souk ist jetzt in den Nachmittagsstunden unbelebt. Es wird dort an kleinen Ständen Obst, Gemüse und Gewürze angeboten. Andere Geschäfte verkaufen Trinkwasser, Joghurt und Brot. Auch Fleisch gibt es zu kaufen, nur ein Fischgeschäft sehen wir leider nicht. Um 17 Uhr hat nur die Hälfte aller Geschäfte geöffnet, so wenden wir uns der Promenade am Meer zu. Hier befinden sich die exklusiven Hotels.
Mit einem Taxi geht es zum Campingplatz zurück.
Nachts: Der Wind schaukelt uns in den Schlaf.


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Mittwoch, 2.3. Dakhla

Ein weiterer Ruhetag. Am späten Vormittag erscheinen Ingrid und Peter auf ein Schwätzchen. So erfahren wir manch guten Tipp für unsere Weiterfahrt hier im Süden.
Der Campingplatz leert sich. Wir sind jetzt nur noch 3 Mobile. Der kräftige kalte Wind macht es fast unmöglich im Schatten der Mobile zu lesen. In der Sonne ist es etwas erträglicher – doch die ungewohnte starke Sonne hat bei uns mehr oder weniger die Haut gerötet.
Oh-la-la: Als Peter mit Marianne und Klaus unseren Besuch vor dem Campingplatz verabschiedet hält ein Taxi. Eine Frau springt raus und drückt dem verdutzten Peter zwei Küsschen auf die Wange. Ihre Worte kann er nicht verstehen. Dann steigt sie wieder ins Taxi und braust davon.


Donnerstag, 3.3. Dakhla

Heute planen wir mit dem Mobil einen Einkauf in Dakhla. In der neuen Markthalle bei der großen Moschee herrscht morgens reger Betrieb. In der Fischhalle stehen die Verkäufer an ihren Ständen und preisen den frischen Fisch an. Wir entscheiden uns für den Coubin und lassen ihn herrichten. Dazu ist in der Hallenmitte ein Stand aufgebaut, an dem für wenig Geld die Fische ausgenommen und gesäubert werden. Gewürze, Tee, Obst- und Gemüsestände befinden sich in der Halle gleich nebenan. Unsere Einkäufe tragen wir zum Mobil und suchen dann einen kleinen Supermarkt auf. Dieser hat wegen der vielen Camper hier sein Angebot erweitert. Es gibt abgepackten Schnittkäse, Wurstaufschnitt und auch frische Butter. In einem Geschäft für Bürobedarf verlängern wir um 4 Wochen unseren Internetanschluss. Wieder sind uns junge Einheimische dabei behilflich, sie sprechen englisch. Uns fällt auf, dass hier, in der ehemaligen Kolonie von Spanien, mehr spanisch als französisch gesprochen wird.
Mit dem Mobil machen wir eine Stadtrundfahrt durch Dakhla und später zum Leuchtturm, der an einer Steilküste steht. Wir wagen uns zu Fuß bis an den Rand der zerklüfteten Steilküste. In 20m Tiefe steht unten auf den Klippen ein Brandungsangler und ist dabei einen Fisch an Land zu ziehen. Er muss sich kräftig anstrengen. Dann sehen wir den Fisch, ein kapitaler Bursche! Der Angler packt seine Sachen zusammen. Läuft über die Klippen auf einem schmalen Pfad und steigt an einem befestigten Seil (wie ein Bergsteiger) den Berghang zu uns hoch. Oben angekommen zeigt er uns seinen Fang, wir schätzen den Fisch auf 3 ½ kg.
Erlebnis des Tages: Der Brandungsangler mit seinem Fang


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Freitag, 4.3. Dakhla

Freitag, 4.3. Dakhla
Wir fahren nur wenige Kilometer zurück, zum Km 25. Hier am Ende der Lagune stehen bei Km 25 etliche Mobile frei. Wir wählen einen Abschnitt der einen breiten Sandstrand hat. So an die 80 Mobile stehen hier, auch viele aus Deutschland. Trotz der angrenzenden Dünen ist es sehr windig. Die Personen, die schon länger hier stehen, sind auf den Wind eingerichtet. Mit Windschutz vor und unterhalb der Mobile haben sie es sich häuslich eingerichtet. Ein Deutscher hat sogar ein großes Berberzelt in den Dünen stehen, als Koch- und Sitzgelegenheit – er ist bereits 3 Monate hier. Zum Kiten und Surfen ein hervorragendes Gebiet, so berichtet er.
Bei Ebbe fischen Einheimische mit ihren Händen im seichten Wasser nach der Schwertmuschel. Auf Styroporplatten ziehen sie den Fang hinter sich her. Kühl-LKW holen die Muscheln am späten Vormittag ab. Die Muscheln werden besonders in Spanien als Delikatesse geschätzt. Ebbe und Flut machen sich über Kilometer in der flachen Lagune bemerkbar. Bei Ebbe stehen die Angler bis zum Bauch im Wasser, sie haben Watthosen an. Bei Rückkehr sehen wir an ihren Gesichtern, dass der Fang nicht immer von Bedeutung ist.
Eine vorgelagerte Insel und ein langläufiger Sandstrand laden zum Wandern ein.
Frage des Tages: Was mögen die Muschelfischer so am Tag verdienen?


   |   Tages KM: 20   |   GPS Nord: 23°54'03   |   GPS West: 15°47'13

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Samstag, 5.3. Dakhla Km 25

Die Angler marschieren mit ihrer Ausrüstung schon um 8 Uhr los, es ist Ebbe. Die Muschelsucher sind schon lange draußen im seichten Gewässer der Lagune.
Kurz nach 9 Uhr brechen Peter und ich Richtung Insel auf. Der Weg durchs Watt zieht sich. Es geht durch flache Priele, über Muschelbänke und Seegras. Nach einer Stunde haben wir die kleine unbewohnte Insel erreicht. Für eine Umrundung bleibt keine Zeit, denn langsam setzt die Flut ein. Einige Muschelsucher warten bereits mit ihren Muscheln auf die Jeeps, die sie und die Waren abholen sollen. Während Peter noch über die Insel auf die andere Seite blickt, stapfe ich zurück – die Flut im Nacken. Einige Priele sind bereits knietief vollgelaufen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: durchwaten oder weitläufig umwandern. Ich entscheide mich für die erste Lösung. Forsch schreite ich aus. Peter ist in der Ferne nur noch als kleiner Punkt auszumachen. Mit drei Fischern komme ich ins Gespräch. Sie tragen nur Jeans und Pullis, die Gummistiefel halten sie in den Händen. So früh am Morgen ist das Wasser noch kühl und in ihrer nassen Bekleidung werden sie frieren. Aber es gibt auch Fischer, die schon mit Neoprenanzügen und Taucherflossen ausgerüstet sind. Bald erscheint ein Jeep und nimmt die Fischer mit. Ich erreiche wenig später den Strand bei den Mobilen. Da ich keinen Autoschlüssel dabei habe, warte ich auf Peter. Der ist den Prielen ausgewichen und kommt ohne nasse Hose ans Ziel.
Morgens ist es windstill, am Mittag frischt der Wind auf. Um 16 Uhr setzt langsam Ebbe ein und wir machen uns mit Klaus und Marianne ein weiteres Mal zur Insel auf. Knöcheltief umfließt das ablaufende Wasser unsere Beine, es ist „piewarm“. Stellenweise müssen wir durch Schlick und Seegras, dann durchwaten wir tiefere Priele. Wir sehen auf den Sandbänken Flamingos und Austernfischer. Peter erreicht als erster die Insel und steigt auf die höchste Erhebung. Wir anderen begnügen uns mit dem festen Boden. Nach und nach erscheinen die Muschelsucher mit ihrer Ausrüstung.
Auf dem Rückweg lassen wir uns von zwei jungen Männern die Muschelsuche zeigen. Sie streuen Salz auf den noch feuchten Sand, da wo er etwas vertieft ist. Und schon nach kurzer Zeit streckt die 10 cm lange „Säbelmuschel“ sich nach oben. Ganz leicht lässt sie sich nun mit den Fingern heraus ziehen. Der Rückweg ist weniger beschwerlich, denn nun gehen wir auf festem Wattboden.
Erkenntnis des Tages: Mit Salz fängt man Muscheln.


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Sonntag, 6.3. Dakhla Km 25

Dakhla ade - Boujdour wir kommen! Wir umfahren die Lagune. Schon bald sehen wir die Unterkünfte der Kite-Surfer. Die kleinen Hütten befinden sich in Wassernähe, das Kite-Paradies direkt vor der Tür. Den ersten Polizeikontrollposten haben wir im nächsten Kreisverkehr – doch heute werden wir „durchgewunken“. Nun liegt eine eintönige Strecke bis Boujdour vor uns. Weil die Straße an den Rändern stark ausgefranst ist, heißt es bei Gegenverkehr: Achtung! Auf halber Strecke biegen wir (Tipp von Ingrid) zu einem Fischerdorf im Qued Kraa ab. Die dortige Fischfabrik hat heute am Sonntag geschlossen, auf dem Platz davor stehen einige Mobile frei. Am Strand sehen wir Angler. Wir steigen aus, und schon bald naht ein Fischer mit seiner Kiepe. Er zeigt uns seinen Fang. Wir kaufen zwei riesengroße Seezungen und er macht sie uns gleich „pfannenfertig“. Die Zahlung erfolgt mit seinem Einverständnis mit getragener Herrenbeleidung und etwas Bargeld (umgerechnet 1.80 €).
Vor Boujdour ist der „Ali Baba“ Kontrollposten heute mit einem freundlich deutsch sprechenden Polizisten besetzt. Na so was, darauf waren wir nicht vorbereitet. Der Campingplatz in Boujdour liegt zentral, und 200m sind es bis zum Meer. Er besitzt, oh Freude, eine Waschmaschine, die ich auch gleich ausnutze. Heute kochen die Männer. Wir finden im Ort, trotz der vielen Cafe/Restaurants, nur eine Art Schnellimbiss der uns gefällt. Wir verzehren Hähnchen vom Grill, Peter Kamelfrikadellen, Salat, Brot, Reis und Pommes (25 € für 4 Pers.). Ich bin gespannt, wann hier MC Donald Einzug hält. Auf unserem Rückweg kommen wir an den einheimischen Garküchen vorbei, die just ihre Stände geöffnet haben. Es gibt frischen Fisch direkt aus der Pfanne. Bedauerlich, denn wir sind satt.
Der Campingplatz ist inzwischen gut gefüllt – sind alle wie wir nur auf der Durchreise?


   |   Tages KM: 332   |   GPS Nord: 26°07'54   |   GPS West: 14°29'44

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Montag, 7.3. Boujdour

Ver- und Entsorgung und Überprüfung der Lebensmittel. Haben wir genug für die kommenden Tage dabei? Dann kann es weitergehen. Die nächsten 4 Tage wollen wir frei stehen. Etliche Kamelherden überqueren zwischen Boujdour und Laayoune unsere Straße. Ansonsten sehen wir nur Steinwüste und kurzes Gestrüpp – manchmal eine Kamel-, Ziegen- oder Schafherde. Dann, 70 km vor Laayoune, erblicken wir wieder Sanddünen. Die Umgehungsstr. um Laayoune ist nicht ausgeschildert und wir kommen um die Mittagszeit inmitten der Stadt an. Wir finden keine Ausschilderung für unsere Wegstrecke Tarfaya/Agadir. Einige Straßen und Plätze kommen uns von der Hinreise bekannt vor. Der einzige Wegweiser führt nach Smara, und der Ort liegt im Wüsten-Binnenland. Wir fragen im dichten Verkehr einen Schulbusfahrer neben uns, und der zeigt zurück. Für uns heißt es nun auf der nächsten Kreuzung wenden und bald danach rechts den Berg hinunter. Gesagt - getan. Doch schon bald kommt es uns wieder „marokkanisch“ vor und wir fragen einen Polizisten, der auf einer Kreuzung den hektischen Mittagsverkehr dirigiert. Er winkt uns auf einen Seitenstreifen und tritt dann an unser geöffnetes Fenster. Ich frage sogleich englisch nach dem Weg. Er sagt, dass er nur ein wenig englisch spricht und erklärt uns dann wie wir weiterfahren sollen. Gut, dass es in Laayoune Ampeln gibt, anhand dieser beschreibt er den Weg und tatsächlich – wir finden die Brücke über den Seguiat el Hama und somit die Str. nach Tarfaya. Wieder durchfahren wir Einöde, nur ab und zu ein paar Kamele, Ziegen und Schafe. Die Polizeiposten winken uns heute durch – nur einer will ein Geschenk, ein anderer die Reisepapiere. Wir befinden uns wieder in Atlantiknähe. Bald hinter Tarfaya steuern wir in Straßennähe einen kleinen Stellplatz bei einem Fischerhäuschen an. Die Zufahrt ist eine Piste. Aber wenn es der über 9m lange Liner mit Smart Garage bis dorthin geschafft hat, dann muss es für uns auch möglich sein. Der Wind schlägt uns fast die Tür aus der Hand an dieser stürmischen Küste. Touristen angeln sich ihr Abendessen zusammen. Wir essen die gestern gekauften Seezungen und trinken dazu einen gekühlten Weißwein aus Neuseeland.
Erkenntnis des Tages: Was kann es uns wieder gut gehen!



   |   Tages KM: 299   |   GPS Nord: 27°57'22   |   GPS West: 12°51'42

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Dienstag, 8.3. Fischerhütte nördlich Tarfaya

Am Morgen etwas Regen und Weiterfahrt zum Nationalpark Naila. Unterwegs schauen wir in ein gemauertes Fischerhaus. Es besitzt noch keine Türen und die Fenster sind vergittert, Strom und Wasser vorbereitet. Innenaufteilung: Wohnzimmer, Bad, Küche und Schlafzimmer mit Abstellkammer. Ob hier wirklich die Fischer nach Fertigstellung einziehen sollen? Über Wanderdünen türmen sich ein blauer Himmel und Wolken – ein phantastischer Anblick. Der Besuch im Naturreservat kostet pro Mobil umgerechnet 1 Euro Eintritt, für die Übernachtung wird nochmals die gleiche Summe fällig. Wir beschließen hier zu übernachten.
Bei den Fischerhäusern kaufen Peter und ich Seeteufel, Tauschwährung ist hier Bier oder Wein. Unterhalb der Steilküste liegen am Strand die Fischerboote. Jetzt ist Ebbe. Flamingos stehen im seichten Wasser. Die Lagune ist von gelben Sanddünen und Schilf umgeben. Das Schilf verschwindet bei Flut gänzlich unter Wasser. Möwen kreischen, Fischer fahren mit ihren Booten aufs Wasser zum Fischen. Hinter den Dünen erblicken wir den blauen Atlantik.
Heutiger Stellplatztipp: Wunderbar, hier zu stehen ist was fürs Auge.



   |   Tages KM: 76   |   GPS Nord: 28°01'42   |   GPS West: 12°14'25

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Mittwoch, 9.3. Lagune Sebkha Naila

Die Fischer kommen gegen 9 Uhr zu ihren Hütten zurück. Wir decken uns mit frischem Fisch ein, wieder sehr preiswert. Etwa 70 km sind es bis zu unserem nächsten Stellplatz, dem Qued Ma Fatma. Der Stellplatz befindet sich oberhalb des Queds, einige Camper haben es sich häuslich (für längere Zeit) eingerichtet. Die Männer gehen an der Steilküste angeln, die Frauen sind mit der Hausarbeit beschäftigt oder klönen miteinander. Ein steiler Weg führt hinab an die 300 m breite Flussmündung. Vogelschwärme und gut an die 100 Flamingos stehen im seichten Wasser und schauen, was das Meer so anschwemmt. Wir sehen nur Unmengen von Plastikmüll, Treibholz und einige Reste von Fischernetzen. Von unten sind die Felsen in ihren unterschiedlichen Schichten gut auszumachen. Auch finden sich oben auf dem Felsplateau Mengen von versteinerten Seeigeln. Nachmittags bewölkt sich der Himmel. Zum zweiten Mal nach 4 Wochen haben wir keinen Sonnenschein.
Gedanken über die Entsorgung von Müll und Toiletten auf freien Stellplätzen. Oft kann man nur den Kopf schütteln. Da, wo für wenig Geld eine Übernachtung angeboten wird stehen Mülleimer, oder man hat eine kleine Müllkippe eingerichtet. Dorthin bringen die Camper ihren Müll. Wir nehmen an, dass der Müll dort mehrmals im Jahr abgefackelt wird – den organischen Müll könnte man anders entsorgen. Ich nehme oft die Plastikwasserflaschen bis zum nächsten Campingplatz mit, was dort mit den Flaschen geschieht? Ich kann es mir denken. Schlimm sind Touristen, wie die Geländewagenfahrer der letzten Nacht. Sie haben ihren Müll über die Steinhänge in den Fluss geworfen und am Morgen den Rest unter Steinen beschwert am Lagerplatz zurück gelassen. Im Qued Chbeika gibt es eine Trinkwasserquelle in Strandnähe, von der auch die Bevölkerung mit Tankwagen ihr Trinkwasser holt. 100 m davor schütten die Camper ihre Cassetten in die Wildnis. Das ist unverantwortlich. Machen die Personen es auch bei sich zuhause?


   |   Tages KM: 56   |   GPS Nord: 28°12'24   |   GPS West: 11°47'00

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Donnerstag, 10.3. Qued Ma Fatma

Das Hochplateau erstreckt sich über Kilometer entlang der Steilküste. Wir nutzen das heutige bedeckte Wetter für eine Wanderung. Der braue Sandboden ist knochentrocken und es wachsen nur wenige Hand hohe Pflanzen. Die Beeren, die an ihnen wachsen, sind prall gefüllt mit Flüssigkeit. Die Fischer haben sich an einigen Stellen, mit Seilen Abgänge an Felsvorsprünge gesichert – 50 m geht es hier hinab, dort wo das Meer brandet. Wir hätten zu gerne einen Angler beim Herausziehen eines Fisches beobachtet. Abrutschen und ins Meer fallen „nein danke“ – zu weit liegt die nächste Flussmündung. Das Wetter ist weiterhin bedeckt, aber wir haben um die 17°C. Am Spätnachmittag reisen wir 30 km weiter zum Qued Chbeika. Unserem Stellplatz gegenüber liegt eine phantastische Dünenlandschaft. Über diese Dünen wollen wir Morgen wandern.
Spruch des Tages: Wie herrlich ist es, nicht zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhn. H.Zille


   |   Tages KM: 28   |   GPS Nord: 28°17'26   |   GPS West: 11°32'05

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Freitag, 11.3. Qued Chbeika

Die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. Die große Dünenlandschaft ist nur über den Strand zu erreichen. Die Flussmündung ist nicht mit dem Meer verbunden. Wir laufen bis zu einer Baustelle. Dort werden direkt am Meer Steine und Geröll aufgeschüttet und planiert. In den nächsten Jahre sollen entstehen: Ferienanlagen, Hotel und Yachthafen.
Über die Dünenlandschaft zu schreiten ist ein Traum. Unberührte, aufgetürmte Sandverwehungen mit wellenförmigen Vertiefungen an den Hängen. So früh am Vormittag ist noch niemand unterwegs gewesen, in den Sandmulden sehen wir nur verwehte Fußspuren vom Vortag. Auf dem Dünenkamm geht es sich am besten – die Füße versinken nicht so tief im Sand. Zurück bei den Mobilen machen wir es uns in der Sonne bequem. Doch schon bald bewölkt es sich und fängt an zu tröpfeln. Wir schaffen es just noch die Stühle einzuräumen, als der Wind zu Sturmböen anschwillt. Regen und Hagel peitscht über den Stellplatz. Aus dem sicheren Fahrzeuginneren beobachten wir, wie auf dem unteren Stellplatz Teppiche, Stühle und andere Gegenstände sich selbstständig machen und über den Platz fliegen. Eine am Boden stehende SAT-Schüssel wird umgeworfen und bei diesem Unwetter holt ein Mann unter Mühe seine Markise ein. Nach 10 Minuten ist dieser Unterwetterspuk vorbei. Die Sonne kommt raus und trocknet den schlammigen Boden. Gegen 15 Uhr brechen wir Richtung Guelmin auf. Für die Übernachtung wollen wir uns ein freies Plätzchen suchen, um dann am Samstag auf dem großen Markt in Guelmin einzukaufen. Die Wegstrecke ist uns bereits von der Hin Tour bekannt. Wir kommen auf 330 m, um dann wieder bergab zu fahren. Die Landschaft um uns herum sieht im späten Nachmittagslicht in ihren vielen Farbschattierungen sehr stimmungsvoll aus. Etwa 55 km vor Guelmin finden wir hinter einer stillgelegten Tankstelle ein geeignetes Übernachtungsplätzchen. Ein Schafhirte treibt mit seiner Frau einen Teil seiner Herde in die leeren Nebengebäude der Tankstelle.
Abends in den Nachrichten sehen wir die verheerenden Auswirkungen des Erdbebens und der Tsunami-Welle in Japan. Doch was ist unser kleines Unwetter am Nachmittag gegen die Ereignisse in Japan!
Erlebnis des Tages: Heute haben wir einen fliegenden Teppich gesehen.


   |   Tages KM: 131   |   GPS Nord: 28°44'28"   |   GPS West: 10°29'56"

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Samstag, 12.3. Stillgelegte Tankstelle 55 Km v. Guelmin

In der Nacht höre ich Motorengeräusche. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster. Schon nach kurzer Zeit werden Motor und Licht ausgeschaltet. Ich lausche in die Nacht: Sicherlich noch ein Tourist, der dringend Schlaf benötigt. Am Morgen löst sich das Rätsel. Es war der Schafthirte mit seinem Jeep. Ob er und seine Frau im Auto übernachtet haben? Am Morgen machen sich seine Schafe gleich im Eiltempo über meine Küchenabfälle her. Dann ziehen die Hirten mit der Herde weiter. Den Jeep holt der junge Mann etwas später ab. Er trägt eine abgewetzte Jacke. Wir haben Erbarmen und geben ihm eine Jacke aus unserer Kleiderkammer.
Peter hat gleich nach dem Frühstück den nahen Berg bestiegen. Hinter dem Berg, so berichtet er uns, befindet sich ein riesiges Tal mit wenig Grün – aber nichts lässt auf Bewohner schließen.
Wir fahren nach Guelmin auf den Markt, unsere Vorräte müssen aufgefüllt werden. Gleich nach einer scharfen Kurve, den Berg hinab zum Qued, ist ein LKW von der Straße abgekommen. Er hat einige Brückenpfosten abrasiert und sich dann auf die Seite gelegt. Vom Anhänger hat er die Achsen verloren und seine Ladung - Fische - liegt nun im leeren Flussbett verstreut. Die Polizei ist bereits am Unfallort. Was mag dem Fahrer passiert sein?
Es ziehen dunkle Wolken heran, und es sieht verdammt nach Regen aus. Just als wir auf dem Markt sind, fängt es kräftig an zu regnen. Zwar sind die meisten Stände überdacht, aber durch die Zeltplanen tropft es aus allen Nähten. Die Planen bestehen aus zusammen genähten leeren Futtersäcken. Wir laufen von Stand zu Stand – immer darauf bedacht, dass wir ein trockenes Fleckchen erwischen.
Von Guelmin wollen wir über eine Nebenstrecke (N 12) über Fask nach Tagmoute und weiter zum Agadir Id Aissa fahren. An einer Kreuzung fragen wir einen Polizisten nach dem Weg, denn wieder einmal ist an keiner Kreuzung der Weg ausgeschildert. Die Straße nach Fask führt durch ein fruchtbares Tal mit grünen Getreidefeldern und Gemüseanbau in Treibhäusern. Wir sehen Oasen mit den typischen Palmen und viel Grün drum herum. Bald nach Fask kommen wir an ein Flussbett. Die Teerstr. ist weggeschwemmt und ein provisorischer Weg ist nur mit Allradfahrzeugen zu befahren. Wir müssen wenden und zurück.
Die A 1 führt nach Tiznit, wir zweigen bei Bouiszakarne ab in Richtung Tata. Bald kommen wir in ein riesiges Tal. Wir sehen etliche Nomadenzelte, Schaf- und Ziegenherden. Weit und breit kein Dorf – keine Einkaufsmöglichkeiten. Wie regeln die Nomaden ihre Lebensmittelbevorratung? Heute nach dem Regen haben die Frauen Waschtag. Die Kleidung und Tücher hängen sie über die niedrigen Bäume zum Trocknen auf.
Die Straße zum Agadir Id Aissa ist an zwei Stellen nur über eine Not Piste zu befahren. In zwei Queds haben die Wassermassen die Straße weggespült. Das Foto wird auf der Rücktour geliefert, da ich auf dieser Rüttelstrecke mit dem Festhalten der Besteckschublade beschäftigt bin – die Halterung ist weggebrochen. Materialfehler oder für solche Wege nicht geeignet? Wir erreichen recht durchgeschüttelt den Campingplatz unterhalb des Agadirs. Bereits 25 Mobile (Franzosen) stehen hier, auch sie haben die Strecke geschafft. Die Kinder des nahen Dorfes haben schulfrei und „lungern“ außerhalb vom Platz. Sie begrüßen uns und die nächste Frage lautet: Bonbons, Stilo, Dirham? Marianne und Klaus brechen zur Besichtigung vom Agadir auf. Wir haben ihn uns bereits zweimal angesehen. Mit dem Fernglas beobachten wir die zwei bei ihrem mühsamen Aufstieg. Wir befinden uns in 850m Höhe, und im Wind ist es trotz Sonne empfindlich kalt.
Wissenswertes: Agadire sind Speicherburgen. Oft liegen sie an schwer zugänglichen Stellen, meistens auf einer Anhöhe. Dort hat man früher Lebensmittel, wertvollen Familienbesitz und Urkunden der Dorfbewohner aufbewahrt, auch waren sie ein Zufluchtsort bei Angriffen. Ein Mann aus dem Dorf war für die Bewachung verantwortlich und hatte auch den Schlüssel. Der Agadir Id Aissa stammt aus dem 12. Jh.


   |   Tages KM: 226   |   GPS Nord: 29°14'35"   |   GPS West: 9°11'34"

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Sonntag, 13.3. Agadir Id Aissa

Hinter dem Ort Amtoudi beginnt eine Schlucht. Sie ist von Oasen umgeben, die vom Quellwasser aus dem Gebirge gespeist werden. Wir folgen den Wasserläufen, durchwandern ein ausgetrocknetes und steiniges Flussbett. Größere Steine um kleine Gumpen, im grünen Wasser schwimmen quakende Frösche. Uns unbekannte Vögel zwitschern in den Palmen, blauer Himmel mit weißen Wolken und strahlende Sonne über uns. Steile braune Felsen umrahmen die Schlucht. Stalaktiten hängen von Felsübersprüngen herab. Da, wo der Weg über größere Steine ansteigt, lassen Marianne und ich die Männer alleine weiter gehen. Wir plaudern in der warmen Sonne und genießen die nähere Umgebung. Schon bald kommen die Männer zurück. Gemeinsam treten wir den Rückweg an.
Im kleinen Ortsteil bei der Oase scheint die Zeit wie vor 100 Jahren stehen geblieben zu sein. Alte Türen und kleine Fenster in Lehmhauswänden, enge dunkle Gassen - zu schmal, dass ein Auto sie durchfahren kann. Uns begegnen Frauen. Über den bunten Röcken sind sie oberhalb schwarz verschleiert, das Gesicht ist frei. Sie grüßen freundlich, aber sie zu fotografieren trauen wir uns nicht. Fliegende Händler haben neben ihren Fahrzeugen Waren ausgebreitet: Töpfe, Geschirr, Gewürze und Bekleidung. Die nächste Stadt für solche Einkäufe liegt 50 km entfernt. Die kleinen Läden im Ort bieten ansonsten alles für den täglichen Bedarf.
Die Mandelbäume blühen, einige tragen bereits Früchte. Für den Abend haben wir Plätze im Restaurant „Palmier d‘ Amtdi“ reserviert. Wir wollen Tajine essen. Das Essen ist schmackhaft und reichlich, nur die Fleischportionen könnten größer sein. Der Besitzer erzählt uns, dass er das Restaurant erst seit einem Jahr besitzt, vorher war er 8 Jahre auf dem Campingplatz.
Tipp des Tages: Eine Wanderung durch die Oase und Schlucht unbedingt unternehmen.


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Montag, 14.3. Agadir Id Aissa

Am Anfang nur ein wenig tröpfeln auf dem Dach – dann heftige Regenschauer. Wie kommen wir Morgen auf dem Rückweg durch die Furten? Der braune Sandboden wird sicherlich aufgeweicht sein. Über das und ähnliches denke ich in der Nacht nach und die Anderen?
Als wir unsere Übernachtungen beim Campingplatzbesitzer bezahlen, und ihn zur Situation der Straßenlage befragen, antwortet er mit einem Lächeln: „Vielleicht klappt es – wenn nicht, kommt zurück und bleibt einen Monat. Dann ist die neue Brücke fertig!“ Peter entgegnet: „inschallah“. Was heißt, so Allah will.
Die Furten sehen weniger spektakulär aus als auf unserer Hinfahrt – alles gut. Wir setzen unsere Fahrt Richtung Tata fort und müssen noch eine weitere Furt überqueren (siehe Foto). Die Landschaft besteht überwiegend aus Geröllsteinbergen. Es schließt sich eine flache Ebene mit einigen Erhebungen an. Uns begegnet eine geführte Tour mit überwiegend dänischen Mobilen. Alle machen einen verbissenen und verkrampften Eindruck und keiner grüßt zurück. Scheint wohl nicht so gut zu laufen? Die gesamte Strecke bis Tata sehen wir keine Tankstelle. Unser Mobil müssen wir zwischendurch mit dem Reservekanister bedienen. Abwechslung und schöne Anblicke an der Strecke sind die vielen Fluss-Oasen. Sonne und etwas Regen wechseln sich heute ab. Um die Mittagszeit machen wir eine böse Erfahrung. Vor einer Schule sind viele Schüler unterwegs – Schulschluss. Einige kleinere Jungen bücken sich und bewerfen uns mit Steinen. Der etwa 5 km entfernte Polizeiposten, bei dem wir den Vorfall melden, will Hilfe herbei telefonieren. Doch den Schüler wird man nicht ermitteln können, für uns sehen alle marokkanischen Jungen sich mehr oder weniger ähnlich. Aber vielleicht sollten die Lehrer der Schule an die Kinder appellieren das zu unterlassen, denn mit solchen Scherzen vertreibt man Touristen.
Der zentrale Campingplatz in der Oasenstadt Tata ist bis auf wenige Plätze von Langzeitcampern belegt. Kein Wunder, bei nur umgerechnet 4 € pro Tag incl. Strom. Der Gesamteindruck beim Stadtbummel am Spätnachmittag ist angenehm. Sauberer gefliester Marktplatz mit Geschäften unter Arkadengängen. Die Geschäftsauslagen richten sich nach den Bedürfnissen der Einheimischen. Es gibt auch eine Ladenzeile, in der auch alter Krempel angeboten wird. Hier hat man für alles Verwendung.
Wir kaufen in einem Shop ein 5 m langes USB-Stick-Verlängerungskabel für 3 €, und möchten erwähnen, dass wir überall dort, wo wir Internetempfang haben, mit unserem Maroc-Telekom-Stick über Skype für 3 Cent die Min. ins Ausland telefonieren können.


   |   Tages KM: 217   |   GPS Nord: 29°44'51   |   GPS West: 7°58'25

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Dienstag, 15.3. Tata

Unser heutiges Ziel Agdz liegt 270 km entfernt. Wir durchfahren eine Hochebene, begrenzt durch kahle Berge, die wie aufgeschichtet aussehen. Uns kommen Frauen entgegen, die riesige Holzbündel auf ihren Rücken schleppen. In der Landwirtschaft und im Haushalt müssen auch die Frauen schwere Arbeiten verrichten.
Vor Tissint beginnt ein interessantes Flusstal. Wir sehen Oasen, und im Fluss waschen Frauen Wäsche. Oben am Bergrücken liegen verlassene Häuser vom alten Dorf Taimzout, dazwischen sehen wir einige neuere Gebäude. Hier scheint die Zeit wie vor 500 Jahren (sieht man von den Elektrizitätsleitungen ab) stehen geblieben zu sein. Wir verfolgen den Fluss bis zum Wasserfall in Tissint, der in Kaskaden in ein von Felsen eingerahmtes Wasserbecken fließt. Das Wasser ist leicht salzhaltig. Ab Foum-Zguid windet sich eine schmale Straße ins Gebirge, wir kommen auf 1200 m Höhe. Die Felsen haben keinen Bewuchs, an unserer Wegstrecke stehen alte Lehmstampfhäuser. Vor Tazenakht nehmen wir die Querverbindung nach Agdz. Bei Bou-Azzer wird Kobalt abgebaut. Die Bergwerke mit ihren Schlammablagerungen verschandeln ein wenig die Landschaft. Schon von weitem sehen wir die abgefahrenen Geröllmassen, grünliches Gestein. Nach dem Pass wird die Landschaft wieder interessanter.
Schon bald erreichen Agdz und steuern den ersten Campingplatz, gleich an der Hauptstr., an.
Just als wir ankommen hagelt es. Das Ortszentrum ist nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Händler mit Teppichen, Schmuck und anderen schönen Dingen laden uns in ihre Geschäfte ein. Restaurants sorgen sich um das leibliche Wohl der Touristen. Wir trinken einen Minztee zum Aufwärmen und kommen auf dem Rückweg mit einem netten Schuster ins Gespräch. Dann müssen wir uns sputen, denn die nächste Regenwolke naht.
Gegen die Kälte: Wir trinken heißen Met Wein bei Marianne und Klaus


   |   Tages KM: 275   |   GPS Nord: 30°41'41   |   GPS West: 6°27'23

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Mittwoch, 16.3. Agdz

Heute liegen nur 100 km bis Zagora vor uns. Das Draatal mit seinen Flussoasen empfinde ich als eines der schönsten Täler Marokkos. Alte Dörfer (Ksar) und Kasbahs entlang der Straße, hohe Dattelpalmen, Personen reiten auf Eseln, Frauen schreiten anmutig mit schweren Lasten auf dem Kopf daher - wir fühlen uns wie im Zeitalter der Bibel.
Bereits von weitem sehen wir die Kasbah Taouirt auf einem Hügel. Sie wurde nie fertig gestellt und kann nicht besichtigt werden. Nur 2 km weiter liegt das Ksar (Dorf) mit der Kasbah Tamnougalte. Eine Besichtigung ist nur mit Führung möglich. Am Parkplatz nehmen wir mit einem englischsprechenden Führer Kontakt auf. Dieser führt uns zunächst in den alten Teil, ein verschachteltes Labyrinth aus Lehmburgen und engen Gassen. Es wohnen noch 25 Familien (1 Familie besteht aus 10-12 Pers.) in den neueren Teilen. Den alten Teil der Kasbah nutzt man für Filmaufnahmen. Der letzte gedrehte historische Film liegt 8 Monate zurück. Die Bewohner wirken dann als Statisten mit. Der Führer zeigt uns den Marktplatz, die 300 m lange Hauptstr. und einen holzvertäfelten Innenraum. Alles droht zu verfallen. Die Führung dauert 1 Stunde und gibt einen kleinen Einblick in das Leben im Ksar früher und auch noch heute.
Auf der Strecke nach Zagora gibt es noch 2 weitere Kasbahs zu besichtigen. Wir entscheiden uns für Tissergate mit separatem Museum. Im Schatten vor der Kasbah sitzt ein junger Mann. Ihn fragen wir nach einer Besichtigung und er führt uns zunächst zum Museum. Während Marianne und Klaus sich die Ausstellung ansehen (Peter und ich waren bereits 2009 im Museum) gehen wir in das angrenzende Hotel und bestellen schon einmal den Tee. Der junge Mann heißt Radouan und kann sich erinnern, dass er uns 2009 auch durch die Kasbah geführt hat. Er erinnert sich an unsere Gastgeschenke, denn für die Führung wollte er kein Geld, und meine Armbanduhr mit Fatimas Hand. Na, so ein Zufall! Wir werfen einen Blick in die sauberen, geschmackvoll eingerichteten Hotelzimmer (25 € pro Übern./Pers. incl. Frühstück). Von der Dachterrasse können wir einen Blick über die Dächer der Kasbah werfen. Wir fragen Radouan ob er Zeit hat, uns und unseren Freunden die Kasbah und die Oasengärten zu zeigen. Er willigt ein und auf seiner Führung vermittelt er uns viel Wissenswertes und Interessantes - Shukran Radouan.
Brigitte und Michael erwarten uns mit Kaffee und Kuchen auf dem Campingplatz „Jardin de Zagora“ in Zagora. Es gibt so viel zu erzählen und berichten. Zum Abendessen haben sie von der Frau des Campingplatzbetreibers Couscous zubereiten lassen. In stimmungsvoller Atmosphäre (Brigitte und Michael haben ihre marokkanischen Gewänder angelegt) essen und trinken wir gemeinsam. Dattelschnaps fließt reichlich durch unsere staubigen Kehlen, wir feiern unser Wiedersehen. Mohammed und sein Gehilfe Mubarak schlagen die Trommeln und singen Lieder der Wüste dazu.
Erkenntnis des Tages: Lasst uns lachen, tanzen singen und dazu die Trommeln klingen.


   |   Tages KM: 99   |   GPS Nord: 30°19'43   |   GPS West: 5°49'58

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Donnerstag, 17.3. Zagora

Wir nehmen Abschied von Michael und Brigitte. Sie wollen weiter nach Merzouga, wir wollen noch einen weiteren Tag in Zagora bleiben.
Zagora ist bekannt durch das Schild: 52 Tage bis Timbouctou. Früher war Zagora eine wichtige Station an der Karawanenstraße, heute eine große Garnisonsstadt am Rande der Wüste am Ufer des Draa. An der Hauptstraße liegen die wichtigsten Geschäfte und Restaurants – alles für die Touristen. Schmuck von Berbern und Tuaregs, Kaftane, Djellabahs und Dekorationsgegenstände – das Angebot ist reichlich. Unzählige Agenturen bieten Expeditionen in die nahe Wüste an. In vielen Sprachen versucht man uns in die Geschäfte zu locken. Die Männer probieren eine Djellabah an – doch zu einem Kauf können sie sich nicht entschließen.
Unser Campingplatz ist wirklich eine Oase unter Palmen, umgeben von einem schönen Garten.
Morgens: Mit Vogelgezwitscher unter Palmen aufwachen.


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Freitag, 18.3. Zagora

Eine befestigte Straße führt nach M’Hamid, fast an der algerischen Grenze. Danach erstreckt sich eine große Geröll- und Sandwüste – nur für Kamele und geländegängige Fahrzeuge geeignet.
Am Ortsende befinden sich in Flussnähe einige schöne Hotels im Kasbah-Stil. Wir erreichen ein Hochplateau mit wenig Bewuchs, Geröll und Steinen – in der Ferne kahle Berge. Die Gegend sieht wie planiert aus.
An der Straße liegt eine Zentralschule, davor stehen unzählige Fahrräder. Weit und breit ist kein Dorf zu sehen. Einige Kilometer später kommen Oasen, erst dort sehen wir Häuser. Diese Kinder haben einen weiten Schulweg! Es kommen die ersten Sandverwehungen an dieser verdammt schmalen Straße mit schlechter Teerdecke. Es geht über 2 Pässe durch wenige Orte. In Oulad-Driss machen wir im Café Fata Morgana eine Tee-Pause. Das Café wird von einer Deutschen geführt, die die Wintermonate hier in Marokko verbringt. Sie sitzt mit einer Freundin im schönen Kaffeegarten. Auf unsere vielen Fragen, warum sie hier ein Haus gebaut hat und Kinder mit Steinen nach Reisemobilen werfen, bekommen wir informative Antworten. Sie empfiehlt uns als Übernachtung den Platz schräg gegenüber: Bivouac mille & une Nuit. Vorher fahren wir noch 5 km weiter nach M’Hamid. Im Ort wird die nächsten 3 Tage ein Trommel-Festival stattfinden. Auf dem zentralen Marktplatz ist eine Bühne aufgebaut. Wir durchfahren den kleinen Ort, der überwiegend von geführten Touren in die Wüste lebt. Dort, wo die Straße endet und die Piste beginnt, wenden wir die Mobile. Wir suchen auf dem empfohlenen Campingplatz unter Palmen ein schattiges Plätzchen – um uns herum stehen 3 Berberzelte. Die preiswerten Hotelübernachtungen werden überwiegend von Gruppen genutzt. Wir schauen in die ZeIte. In der Mittagssonne ist das Klima unerträglich, aber nachts angenehm. Die kleinen Sanddünen beginnen gleich hinter der Hotelanlage. Wir müssen an den Kamelställen vorbei. Die meisten Touristen buchen eine Kamel-Tagestour mit Übernachtung in der Wüste und kommen erst am nächsten Vormittag zurück. Um 17 Uhr sitzen wir auf der höchsten Düne (etwa 35m) und warten auf den Sonnenuntergang. Nach dem Abendessen verweilen wir noch lange unter dem Sternenhimmel, es ist ein lauschiger Abend - Morgen haben wir Vollmond. Trommelklänge aus dem Hotel locken uns ins Restaurant. Das Personal und einige Touristen trommeln „was die Trommel hergibt“!
Erlebnis des Tages: Aufdringliche Tourenanbieter in M’Hamid springen uns fast vors Mobil um uns zu stoppen – so bitte nicht!


   |   Tages KM: 111   |   GPS Nord: 29°49'51   |   GPS West: 5°40'02

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Samstag, 19.3. M Hamid

Ins Dorf Oulad-Driss sind es 20 Min. Fußweg. Die 350 Jahre alte Kasbah ist heute teilweise Museum, den Rest bewohnt ein großer Familienclan. Der Besitzer Hassan führt uns in den Museumsteil und kocht den Begrüßungstee für uns. Etwas später kommt sein ältester Sohn hinzu und zeigt uns das Museum. Im ersten Stock dieser Lehm Burg sind rund um den Innenhof Gegenstände des täglichen Bedarfs ausgestellt. Er erklärt uns die unterschiedlichen Trachten der Berber und die einer Braut. Einige Webstühle sind aufgebaut. In dieser Region werden von den Frauen Teppiche mit dreierlei Wolle hergestellt: Schaf, Ziege und Kamel. Für die Färbung verwenden sie Naturfarben. Besonders fein (wie aus Seide) sind die Teppiche aus Kakteenfasern, so erzählt uns Hassan jr. Er spricht fließend englisch und seine Familie lebt heute von Touristen-Expeditionen in die Wüste. Im Ksar (altes Dorf) leben heute noch 150, im ganzen Ort etwa 1000 Personen. Auch hier hat die Landflucht eingesetzt, da in den großen Städten wie Marrakech und Quarzazate der Lebensunterhalt leichter zu verdienen ist. Wir schauen mit ihm in zwei Teppichgeschäfte mit wirklich schönen Exemplaren.
Heute haben wir 25° C Außentemperatur im Schatten. Der leichte Wind wirbelt Sand über den Platz und setzt sich in alle Mobilritzen.
Am Abend nimmt uns ein Angestellter mit zum Folklorefest in M’Hamid. In dem kleinen, über 30 Jahre alten R4 sitzen wir dicht gedrängt. An die Türen darf man sich nicht lehnen, sonst springen sie auf. Peter sitzt mit gemischten Gefühlen auf dem Beifahrersitz. Unser Fahrer erzählt, lacht und ist guter Dinge – ist er „bekifft“? So braust er mit uns die 5 km nach M’Hamid. Im Ort steigen wir direkt an der Bühne aus, wegen des Festivals ist die Hauptstr. gesperrt. Den Heimweg wollen wir zu Fuß antreten oder ein Taxi von hier organisieren.
Jetzt um 20 Uhr ist noch keine Gruppe auf der Bühne zu sehen. Wir vertreten uns im Ort noch ein wenig die Beine. Erst nachdem die Männer vom Gebet aus der Moschee kommen, fängt man mit den Konzertproben an. Die ziehen sich bis 21 Uhr. Die erste Gruppe aus Mali wird angekündigt. Der Musikant mit der Flöte macht Tiergeräusche wie die von: Katze, Hund, Hahn und Henne. Die anderen 2 Männer begleiten ihn auf dem Tamburin dazu. Wir würden sagen – ein Flopp. Danach ist erst einmal eine lange Pause. Die nächste Gruppe besteht aus 8 Personen. In ihren langen weißen Sultans-Gewändern sehen sie aus wie Scheichs. Sie spielen arabische Pop-Musik und geben gleich noch ein weiteres Musikstück zum Besten. Einstimmig geben wir die Note sehr gut. Dann ist wieder Pause.
Inzwischen ist es 22.30 Uhr. Wir machen uns zu Fuß auf den Heimweg. Noch im Ort fragen wir einen jungen Mann, der bei einem Reisebus steht, nach einem Taxi. „Kein Taxi, aber mein Freund fährt euch gerne“, ist seine freudige Antwort. Wir quetschen uns alle in sein altersschwaches kleines Auto. Erst als er losfährt stellen wir mit Erschrecken fest, dass er total „berauscht“ ist! Er spricht ein wenig deutsch und dreht sogleich seine Lieblingsmusik lautstark auf. Mit der einen Hand lenkt er, mit der anderen schwingt er zu der Musik hin und her. Er ruft uns zu: „Mein Auto kennt den Weg“! Die Kurven nimmt er mit einer solchen Geschwindigkeit, dass wir denken, im nächsten Moment von der Str. abzukommen. Peter sucht verzweifelt die Handbremse und findet keine. Wir auf dem Rücksitz rufen „stopp“ und „slowly“ – doch der Fahrer ist im Geschwindigkeitsrausch. Als uns dann noch ein Jeep mit aufgeblendeten Scheinwerfern entgegenkommt, und wir um Haaresbreite dran „vorbeifliegen“, ist uns nur noch mulmig. Wir sind unsagbar froh, als er zum Campingplatz abbiegt. Die Holperstrecke fährt er vorsichtiger oder auch, weil sein Handy klingelt und er das Gespräch annimmt. Mit wackligen Knien steigen wir aus. Jetzt benötigen wir Abstand und einen Schnaps. Unser Fahrer braust davon in die Vollmondnacht.
Erkenntnis des Tages: Nur „Lebensmüde“ fahren mit Einheimischen zum Festival.



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Sonntag, 20.3. M Hamid

Wir alle haben das gestrige Abenteuer gut überstanden. Heute geht es das ganze Draa-Tal zurück nach Agdz. Die Landschaft ist uns bereits vertraut, doch sieht sie immer wieder anders aus. Die Richtung und die Tageszeit spielen eine wichtige Rolle. Wir entdecken auch einiges Neues. Um die Mittagszeit sind wir in Zagora. Heute ist Sonntagsmarkt. Außer Gemüse, Obst und Gewürze werden hier auch Holz, Getreide, lebende Tiere und Haushaltsgegenstände angeboten. Tücher und Kleider für Frauen gibt es ebenso. Schwer bepackt steigen wir in unsere Mobile – Vorrat genug für die nächsten Tage? Noch zwei weitere Stunden Fahrzeit und wir erreichen Agdz.
Um Morgen weniger Fahrstrecke bis Marrakech zu haben, beschließen wir heute noch die rd. 70 km bis Quarzazate zu fahren. Die schroffen, kahlen Berghänge sehen am späten Nachmittag sehr eindrucksvoll aus und vom 1600 m hohen Pass Tizi-n-Tinififft sehen wir die ersten schneebedeckten Berge vom Hohen Atlas. Den Blick zurück – liegt tief unten im Tal Agdz. Mit einigen Stopps, um die schönen Ausblicke zu genießen, erreichen wir den Campingplatz am Ortsrand von Quarzazate. Die Stadt liegt an einer Hauptverkehrsader. Von hier lassen sich der Hohe Atlas, das Draa-Tal, die Straße der Kasbahs, als auch die Wüste erkunden.
Ein Beduinenspruch: In der Wüste kann man sich nur einmal verirren.


   |   Tages KM: 256   |   GPS Nord: 30°55'23   |   GPS West: 6°53'14

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Montag, 21.3. Quarzazate

Im Ort gibt es einiges anzuschauen. Die Kasbah Taourirt und die Atlas Film-Studios wenige km vor der Stadt. Peter und ich haben uns bereits beim letzten Marokkobesuch alles angesehen. Unser Eindruck: Die Kasbah unbedingt ansehen, die Filmstudios waren für uns weniger interessant.
Da das Wetter heute super ist, wollen wir uns für die 200 km bis Marrakech viel Zeit nehmen. Die Straße führt über den 2.260 m hohen Pass Tizi-n-Tichka.
Schon beim Verlassen von Quarzazate erblicken wir hinter rotbraunen Bergen die schneebedeckten Gipfel des über 4000 m Hohen Atlas. Unsere Straße windet sich ins Gebirge, die Aussicht ist grandios. Im Tal erblicken wir in den Oasen Dörfer, an unserer Wegstrecke kleine Straßenorte mit Restaurants und Souvenirshops. Oft stehen am Straßenrand Stände mit Mineralien. Wir kaufen, wir tauschen und müssen manchmal aggressiven Verkäufern ausweichen, die urplötzlich auf die Straße springen. Rotbraune Häuser passen sich der Landschaftsfarbe an. Farbklekse auf Felsen und am Bach, die Frauen haben heute Waschtag. Aus sicherer Informationsquelle wissen wir, dass hier letzte Woche noch Schnee lag. Wir passieren problemlos den Pass mit Restschnee am Wegesrand. Hinab nach Marrakech entdecken wir immer wieder wunderschöne Ausblicke. Gegen 15 Uhr erreichen wir den Parkplatz bei der Moschee Kutubia im Zentrum, für Reisemobile ist für Übernachtungen der hintere Teil reserviert. Der Platz Djemaa el-Fnaa (Platz der Gehängten) und die Souks sind in wenigen Minuten erreichbar. So hat man zwischendurch immer mal wieder Zeit für eine Erholungspause am Mobil.
Die Souks von Marrakechs sind die größten des Landes und bieten eine unglaubliche Vielfalt. Schon bald laufen wir durch die Souks und können uns an dem bunten Treiben gar nicht satt sehen. Interessant sind auch die Handwerksgassen. Unser Geld wird knapp. Als wir aus dem überdachten Souk kommen, ist es bereits dunkel. Die Garküchen auf dem Platz Djemaa el-Fnaa bieten ein großes Angebot an leckeren Speisen - wir lassen es uns schmecken. Orangensaftstände, Gaukler, Schlangenbeschwörer, Musikgruppen, Geschichtenerzähler – dieses einzigartige Schauspiel findet jeden Tag statt. Nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische lieben diesen Trubel.
Auch das gibt es: Leute, die sich die Essensreste der Touristen aus den Garküchen in ihre Plastiktüten füllen.


   |   Tages KM: 256   |   GPS Nord: 31°37'26"   |   GPS West: 7°59'46"

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Dienstag, 22.3. Marrakesch

Marianne und Klaus mieten sich eine Kutsche und machen eine Stadtrundfahrt. Peter und ich durchstreifen nochmals die unendlichen Gänge im Souk. Diese Vielfalt, dieses Angebot, dieser Glanz – wir sind wie berauscht! Aber auch dunkle Räume, in denen Handwerker unter sehr einfachen Bedingungen die Waren herstellen, die dann in den schönen Shops präsentiert und für viel Geld verkauft werden. Mit schlechten Licht- und Luftverhältnissen und oft ohrenbetäubenden Geräuschen hämmern, nähen, färben, tischlern und malen die Handwerker. Immer mit einem freundlichen Gruß auf den Lippen, wenn wir an ihren Arbeitsplatz treten.
Inzwischen ist die Luft in der Medina schwül-warm, nur im Schatten ist es erträglich. Nach drei Stunden herumlaufen steht uns der Sinn nach einer Pause am Mobil. Klaus und Marianne haben ihre Stadtrundfahrt beendet und berichten über die Preisverhandlungen und ihre Tour. Neu sind für uns in Marrakech, die doppelstöckigen Touristik-Busse. Wie bereits in vielen anderen europäischen Großstädten, kann die Fahrt an unterschiedlichen Haltestellen für Besichtigungen unterbrochen und nach einer Weile fortgesetzt werden. Es gibt zwei Rundtouren, die Historische Tour (innerhalb) und die Oasen Tour (außerhalb). Gültig für jeweils 24 oder 48 Stunden – Erklärungen in 8 Sprachen.
Am späten Nachmittag gehen wir zu viert in den Souk und essen dort im Restaurant Chez Brahim zu Abend. Hoch über den Dächern von Marrakech, bei stimmungsvollem Kerzenlicht, schöner Einrichtung und Dekorationen.
Ein Bummel über den Platz Djemaa-el Fnaa beendet unsere eindrucksvollen Tage in Marrakech.
Sprüche im Souk: Alles klar, wie geht’s – nur gucken, nicht kaufen – billig, billig – arme Schlucker-Preise. Die Verkäufer erkennen an unserem Aussehen aus welchem Land wir kommen.


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Mittwoch, 23.3. Marrakech

Großeinkauf im Supermarkt Marjane. Nach vier Wochen ein Erlebnis – diese Vielfalt, aber haben wir etwas vermisst? „Nein“, lautet die richtige Antwort.
Durch die Palmerie, mit den Häusern der „Betuchten“, verlassen wir Marrakech in Richtung Beni-Mellal. Die Schneegipfel vom Hohen Atlas erheben sich in der Ferne. Das Wetter ist leicht bewölkt. Wir durchfahren Olivenplantagen. Nach Tamelelt nehmen wir den Abzweig nach Demnate/Azilal. Auf schlechter Teerdecke, durch flaches sehr fruchtbares Ackerland, erreichen wir bald unser heutiges Ziel – Ouzoud. Die Wasserfälle hier sind ein beliebtes Ausflugsziel. Wir steuern den uns bekannten Zebra-Camping an. Er wird von den sympathischen Holländern Renate und Paul geführt. In den letzten 2 Jahren haben sie 9 Gästezimmer, einen Sanitärblock, Unterkünfte für die Mitarbeiter und ihr eigenes Wohnhaus fertig gestellt. Alles in der hier klassischen Bauweise aus rotem Lehm. Nicht nur wir fühlen uns hier sofort wohl, das zeigen die anderen 14 Mobile die bereits hier stehen.
Während Peter eine längere Tour zur Quelle des Ouzoud unternimmt, relaxen wir anderen in der ruhigen Bergluft und lassen unsere Augen über die sanften grünen Hügel schweifen.
Erkenntnis des Tages. Renate und Paul vom Zebra-Camping haben nur eine Regel an ihre Gäste: Respekt! Wenn alle Urlaubsgäste sich gegenseitig so behandeln, dürfte jeder zufrieden sein.


   |   Tages KM: 173   |   GPS Nord: 32°00'19   |   GPS West: 6°43'13

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Donnerstag, 24.3. Ouzuod Wasserfälle

Klaus und Marianne wandern zu den Wasserfällen und besichtigen diese auf einem Rundweg mit Führer. Peter und ich haben uns von Paul eine andere Wanderung beschreiben lassen, die ins „Mexikanische Dorf“. Dazu müssen wir links der Wasserfälle auf einen Esels Weg abbiegen, zum Haus oben links auf der Anhöhe. Dann dem Esels Weg weiter folgen, bis wir an eine Schlucht gelangen. Schon von weitem können wir das gegenüber der Schlucht liegende „Mexikanische Dorf“ erkennen. Die Schlucht durchfließt ein schmaler Fluss, der nur über eine Furt mit Steinen trocken überquert werden kann. Wieder geht es auf schmalen Pfaden bergan zum Dorf, das wie ausgestorben vor uns liegt. In einem kleinen Café gönnen wir uns eine Erfrischung, denn in der heißen Mittagssonne müssen wir den Rückweg antreten und haben nur 1 Liter Trinkwasser dabei. Eine richtige Straße führt nicht durch das Dorf, nur steinige Wege und in der Mitte fließt das Abwasser der Häuser zusammen. Das Dorf erscheint uns wie vor 100 Jahren – nur vereinzelte SAT-Antennen zeigen den Fortschritt. Aus einer anderen Richtung führt eine Piste zum Dorfrand. Wie verhält es sich hier mit dem Schulbesuch der Dorfkinder? Bis zum 10. Lebensjahr werden die Kinder hier in zwei Klassen unterrichtet, danach müssen sie zu Fuß nach Ouzoud. So wie wir gekommen sind, eine gute Stunde bergab und bergauf, bei Wind und Wetter.
Auf dem Rückweg nehmen wir auf halber Strecke den rot markierten Abzweig. Er verliert sich unterhalb einer Felsgruppe und ich traue mich nicht so recht weiter, denn vielleicht geht der Weg über die schwankenden provisorischen Flussbrücken aus Holz. So kehren wir um und nehmen den uns bekannten Pfad. Aus einsamen Gehöften steigt Rauch bei den Berberduschen auf. Heute großer Badetag, weil Morgen am Freitag Feiertag ist?
Recht verschwitzt kommen wir gegen 15 Uhr am Campingplatz an.
Feststellung des Tages: Kaum vorstellbar, dass Menschen im 21. Jh. noch so leben wie im „Mexikanischen Dorf“, und meistens zufriedener sind als wir Europäer mit all unserem Luxus.


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Freitag, 25.3. Ouzoud Wasserfälle

Heute machen Peter und ich eine Tour zu den Grotten. Den Weg sind wir bereits 2009 gegangen, haben aber die Höhlen nicht gefunden. Während wir auf den 160 m hohen Ouzoud Wasserfall blicken, spricht uns ein junger Mann an. Wir erklären ihm, dass wir zu den Höhlen wollen, aber den genauen Weg nicht kennen. Mohammed, so heißt der junge Mann, bietet uns seine Dienste an. Er läuft mit uns eine Abkürzung durch die Olivenplantagen, und dann ausgetretene Lehmpfade stetig bergab bis zum Wanderweg. Dieser führt oberhalb der Ouzoud-Kaskaden entlang auf der rechten Fluss-Seite. Er schlängelt sich an bewirtschafteten Feldern entlang bis zu einem Café. Von hier wird es etwas unwegsamer. Ich bleibe bei einem Rastplatz am Fluss zurück, Peter geht mit Mohammed weiter. 10 Minuten meint er, dann sind sie wieder zurück. Sie benötigen aber eine halbe Stunde. Peter berichtet, dass der Weg über recht steile Felsen zu den interessanten Höhlen führt. Man sollte für den letzten Teil diese Tour trittsicher und klettererfahren sein. Mohammed läuft allerding in Badelatschen. Den Rückweg treten wir alleine an, Mohammed haben wir nach der Bezahlung zurück nach Ouzoud geschickt. Was wir auf der Hin Tour bergab überwiegend im Schatten liefen, müssen wir jetzt bergauf im Sonnenschein klettern. Der Muskelkater vorm Vortag plagt uns und wir sind froh, als wir unser Mobil nach 3 ½ Std. Wanderung schweißnass erreichen. Marianne und Klaus sind bereits am Platz, sie haben heute eine Wanderung zur Ouzoud-Quelle gemacht.
Abends essen wir afrikanische Speisen im Campingplatzrestaurant. Das eine Gericht besteht aus Rindfleisch in Erdnussbutter gegart mit Reis, das andere sind Hähnchenschenkel mit Coco-Cola gewürzt auf einer Reiskreation – ungewöhnlich, aber sehr lecker. Auch der Rotwein aus Meknes und das Dessert: Joghurt mit einer Mandel-Feigen-Honig-Mischung, sind ein Genuss. Marianne und Klaus haben uns eingeladen, dafür ein herzliches Dankeschön!
Mit Renate und Paul reden wir noch ein wenig über die Probleme, die „ausländische“ Campingplatzbetreiber in Marokko haben. Aber sie sind guten Mutes, denn sie haben schon „einige Hürden“ genommen.
Erkenntnis des Tages: Hut ab, von dem was Renate und Paul hier geschaffen haben!


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Samstag, 26.3. Ouzoud Wasserfälle

Der Abschied fällt uns schwer, aber wir müssen weiter. Wir durchfahren die Schlucht Ouzoud el Abid und haben sagenhafte Ausblicke. Die 1 ½ spurige Teerstr. ist gut zu befahren und selbst bei größerem Gegenverkehr gibt es genügend Ausweichmöglichkeiten. Wieder geraten wir ins wirrwarr einer Stadt mit keinen Ausschilderungen und müssen Straßenpassanten fragen. Dann endlich – die richtige Route. Unser heutiges Ziel ist Rabat über Qued-Zem. Gelbe Blumenwiesen soweit das Auge reicht, dazwischen ein Mohnblumenfeld, Getreidefelder, Mandelbäume mit grünen Früchten – so farbenprächtig habe ich Marokko noch nie gesehen. Die Gegend ist hügelig. Nach Qued-Zem beginnt das flache Land. Man betreibt hier den Anbau von Getreide und Zuckerrüben, dazwischen erblicken wir Blumenteppiche in den Farben rot, gelb, lila, weiß und orange.
Wir halten eine Mittagspause am Wegesrand, weiter hinten befindet sich ein kleines Dorf. Eine ältere Frau kommt auf uns zu und überreicht uns ein Fladenbrot. Wir schenken ihr Kinderbekleidung.
Es begegnen uns Kleinlaster die Tiere transportieren. Die Tiere nebst Hirten schaukeln in luftiger Höhe. Sie winken uns freundlich zu, und wir winken zurück. Nach Rommani durchfahren wir Alleen mit Eukalyptusbäumen und sehen eine Art „Erbsenkraut“ in unendlichen Reihen gepflanzt zwischen den Getreidefeldern. Frauen jäten Unkraut- handelt es sich hier um die Linsenpflanze?
Wir nähern uns der Hauptstadt Rabat. In den Außenbezirken stehen schöne Gebäude hinter hohen Mauern. Es gibt Wegweiser mit den Hinweisen zu den Konsulaten aller „Herren Länder“, so durchfahren wir das Villenviertel. Das Parken am Straßenrand in Zentrumsnähe ist unmöglich. Eine neue Umgehungsstr. führt nach Sale. Wir suchen den alten Campingplatz am Fluss, doch den gibt es heute nicht mehr. Er musste einer schönen Parkanlage mit Yachthafen weichen, und auf dem großen Parkplatz wollen wir nicht über Nacht bleiben. Der Parkplatzwächter beschreibt uns den Weg nach Mehdiya-Plage, ca. 30 km entfernt. Dort soll es einen Campingplatz geben. Wir müssen in Sale 2 Stadttore passieren. Wie immer erscheint uns die Durchfahrt zu schmal, aber unsere Fahrer sind große Meister. In der Fischhalle im Hafen von Mehdiya kaufen wir frischen Fisch und der Verkäufer spricht ein wenig deutsch. Er erklärt uns dann den Weg zum Campingplatz. Keine 900 m weiter stehen wir dann vor dem Eingangstor. Klaus durchfährt es als erster und der Campingplatzbesitzer läuft mit ihm über den Platz. Wir stehen nun wie der „Ochse vorm Berg“ – passen wir mit unseren 3.50 m hindurch? Der Flair von Klaus ist 3.40 m hoch, und das passte mal so eben ganz knapp. Ich steige aus und schaue. Peter fährt im Schritttempo, denn das Eingangstor ist aus Beton. In der ganzen Aufregung vergesse ich Fotos zu machen. Es stehen etliche Mobile auf dem Platz, doch keines so hoch wie wir.
Geschafft: Nach 350 km Fahrerei sind wir alle geschafft und fallen nach dem Abendessen bald ins Bett.



   |   Tages KM: 350   |   GPS Nord: 34°15'33   |   GPS West: 6°40'27

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Sonntag, 27.3. Mehdiya Plage

Der schöne Sandstrand liegt nur wenige Fußminuten entfernt und ist heute am Sonntag sehr belebt. Jugendliche spielen auf abgesteckten Feldern Fußball am Strand, Familien haben ihre Picknickdecken ausgebreitet, einige junge Männer baden und andere sind mit ihren Surfbrettern unterwegs – ein buntes Treiben.
Wir müssen mit den Mobilen wieder durchs die Toreinfahrt – alles passt. Nach Kenitra fahren wir ein gutes Stück die N1. Die Gegend ist flach mit sehr viel Grün, wie in Norddeutschland. Doch die schwarzbunten und braunen Kühe weiden nicht auf den Wiesen, sie stehen beschattet in Unterständen.
Wir nehmen einen Abzweig zur Küste, nach Benmansour. In unserer Landkarte als „gelbe“ Str. verzeichnet. Die Gegend ist sehr fruchtbar und von Kanälen durchzogen. Man betreibt Gemüseanbau und in riesigen Gewächshäusern gedeihen Bananen. Die einfachen Behausungen der Landarbeiter stehen dazwischen, mal aus Wellblech, einige aus Stein. Viele Schwarzafrikaner sitzen am Straßenrand und schauen mit ihren ausdrucksvollen Augen uns so an, als kämen wir von Mond. Warum, das merken wir bald. Die Straße die wir ausgesucht haben, ist mehr für Eselkarren mit Gummibereifung geeignet als für 6,5 t Reisemobile. Das Ganze ist über 10 km eine Schlaglochpiste. Wir sind nicht gewillt umzukehren und holpern weiter. Hoffentlich keine Reifenpanne und keine Brückenunterführung unter 3.50 m, denke ich auf dem Beifahrersitz. Wir fahren parallel zur Autobahn. Ein flacher großer See rechts – die Kühe stehen bis zum Hals im Wasser und lassen sich das schwimmende Grünzeug schmecken. Bei Sidi el Hachem endlich eine Autobahnauffahrt. Bis zu unserem Ziel in Moulay-Bousselham sind es 34 km. Für heute haben wir von „gelben“ Straßen genug und nehmen die mautpflichtige Autobahn. An der Lagune in Moulay Bousselham finden wir ein schattiges Plätzchen auf dem stadtnahen Campingplatz. Wir kaufen erntefrische Erdbeeren und fangfrischen Fisch. Die Fischer möchten uns Bootstouren zu den Flamingos verkaufen.
Das fehlt uns: Zu den frischen Erdbeeren Vanilleeis und Schlagsahne.


   |   Tages KM: 114   |   GPS Nord: 34°52'30   |   GPS West: 6°17'13

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Montag, 28.3. Moulay Bousselham

Pünktlich um 9 Uhr sind wir on Tour. Wenn wir am Nachmittag die Fähre von Ceuta nehmen wollen, haben wir ein strammes Programm vor uns. Zu berücksichtigen sind 2 Std. Zeitumstellung in Europa.
Über die Autobahn geht es bis Larache, dann weiter die Querverbindung Richtung Tetouan. Wir durchfahren grünes Hügelland und streifen das Rif-Gebirge. An einer Tankstelle lassen wir unsere Mobile waschen und vertanken die letzten Dirham. „Kleine Stadtbesichtigung in Tetouan gefällig?“, fragen wir Marianne über Funk. Nur Klaus möchte, wir anderen erinnern uns ungern (siehe Anreise 9.2.). Wir entscheiden uns für einen Einkauf bei Marjane und brausen dann die restlichen Kilometer bis Ceuta, um die 18.15 Uhr Fähre nach Algeciras auf dem spanischen Festland zu erreichen. Wir brauchten uns nicht zu beeilen, denn die Fähre legt nicht pünktlich ab. Um 20 Uhr (europ. Zeit) stellen wir uns zum Übernachten auf die Parkplätze bei Carlos, da bei Lidl die Mobile bereits dicht an dicht parken.
Abends sitzen wir mit Marianne und Klaus beisammen und lassen unsere Marokkoreise Revue passieren – es ist unser letzter gemeinsamer Abend.
Wir wollen auf dem Nachhauseweg Familienbesuche machen. Klaus und Marianne über Spanien, Portugal und Frankreich die Heimreise antreten.


   |   Tages KM: 114

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Anmerkungen

Campingpreise: 4 bis 9 Euro pro Übernachtung
Dieselpreise: 65 Cent der Liter (in der Westsahara ca. 45 Cent)
Wetter im Februar/März 2011: Überwiegend sonnig, zweimal einen halben Tag Regen, an der Küste machte uns der kalte Wind zu schaffen.
Lebensmittel: Gemüse und Obst auf allen Wochenmärkten preiswert zu kaufen (Durchschnittspreis pro Kilo 50 Cent), Butter und Joghurt erhältlich in den kleinen örtlichen Lebensmittelgeschäften, Fladenbrot immer frisch für 9 Cent, Fisch oft bei den Fischern am Strand, manchmal gegen Tausch (Bier oder Kleidung).
Internet: Sehr gute Erfahrungen mit dem Stick von Maroc- Telecom
Telefonieren: Über Skype auch ins Festnetz für etwa 3 Cent die3 Minute nach Deutschland
Straßenzustand: Überwiegend gut, in der Westsahara mit starken „Ausfransungen“ am Rand der Teerdecke
Sicherheit: Wir fühlten uns in Ortschaften, Städten und auf freien Übernachtungsplätzen sicher - die Marokkaner sind uns zuvorkommend und freundlich begegnet.


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