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- 2011/2

Samstag, 3.9. Ancona - Igomenitsa

Wir möchten die Leser/innen unserer Internetseite einladen uns gedanklich auf unserer Rundreise durch die traditionelle und moderne Türkei mit einem Abstecher nach Georgien zu begleiten.

Auf dem Weg zur Fähre Ancona-Igoumenitsa haben wir uns mit Michel und Veronika getroffen. Gemeinsam warten wir auf die Einschiffung und schwitzen bis 17 Uhr im Hafen in der Sonne. Wir haben „alles inklusive“ gebucht und unsere Kabinen befinden sich auf Deck 8. Um 18 Uhr schauen wir der Fähre beim Ablegen zu und begeben uns dann in den SB-Speisesaal. Die „alles-inklusive Gäste“ haben einen eigenen Tresen mit 2 Hauptgerichten zur Auswahl – die Getränke müssen bezahlt werden. Den Rotweinschlummertrunk nehmen wir in unserer Kabine ein. Danach schlafen wir wie die Murmeltiere.
Tipp: Schon mal kurzfristig nach den Dieselpreisen in Griechenland erkundigen. Ein LKW-Fahrer erzählt uns in Ancona, dass diese angeblich viel teuer als in Italien sind. Und wir reisen mit leerem Tank ein – so was Dummes!


   |   GPS Nord: 43°37'07   |   GPS Ost: 13°30'30

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Sonntag, 4.9. Igomenitsa - Alexandropoli

In Griechenland müssen wir die Uhr um eine Stunde vorstellen. Um 7.30 Uhr haben wir uns zum Frühstück mit Veronika und Michel verabredet. Wir stehen vor verschlossenen Türen, denn Frühstück gibt es erst ab 8 Uhr. Ein kleiner Deckspaziergang vertreibt uns die Zeit. Draußen bläst uns warmer Seewind um die Ohren. Viele Touristen haben an Deck oder auf den Sofas in den Aufenthaltsräumen übernachtet und schälen sich nun aus ihren Schlafsäcken und Decken. Michel hat 150 Euro für die Überfahrt bezahlt (incl. Mobil, Kabine und Abendessen), größere Mobile zahlen etwas mehr. Gegen 10 Uhr erreichen wir Griechenland. Bis wir auf der Autobahn sind vergeht eine gute Stunde. 600 km allerneuste Autobahn erwarten uns. Die schöne Landschaft mit den Bergen um uns herum können wir so gar nicht genießen, denn die große Hitze macht uns zu schaffen. Dabei kühlt unsere Klimaanlage auf angenehme 24 Grad, Michels Klimaanlage hat Totalausfall. Ich zähle die vielen Tunnels auf unserer Strecke, bei 55 habe ich den Rest verschlafen. Auch notiere ich die angeschriebenen Baukosten der Autobahn – ich komme auf über 4,5 Milliarden. Die EU hat sich fleißig beteiligt auf der Autobahn vom „allerfeinsten“. Unterwegs fahren wir ab in einen kleinen Ort zum Tanken. Als Michel bezahlen will, funktioniert der Kartenleser nicht. Es werden mehrere Versuche unternommen. Es bewahrheitet sich: nur Bares ist Wahres. Nach 8 Stunden Fahrzeit haben wir den Campingplatz in Alexandroupolis erreicht. Unsere weiteren Reisebegleiter erwarten uns bereits. Wir stehen abseits von den Anderen. Da entdeckt Michel bei seinem Reifen hinten rechts einen Plattfuß. Auch das noch! Unterwegs haben sie eine SMS vom Sohn erhalten, dass es Michels kranker Schwester nicht gut geht.
Unsere gesamte Reisegruppe geht essen. Das uns schon bekannte Lokal verzichtet bewusst auf Teller und serviert die Speisen auf Pergamentpapier. Ein kühles Getränk rundet das schmackhafte Essen ab. Wir werden alle mehr als satt und treten zu später Stunde den Heimweg an. Nach einem kleinen Absacker vor unserem Mobil sind wenig später alle Teilnehmer in ihren Betten verschwunden. Morgen wollen wir zeitig nach Istanbul aufbrechen.
Pechvogel des Tages: Michel, Veronika nimmt es locker. Morgen sieht alles anders aus!


   |   Tages KM: 627   |   GPS Nord: 40°50'45   |   GPS Ost: 25°51'11

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Montag, 5.9. Alexandropoli - Istanbul

Wir haben nicht sehr gut geschlafen. Nachts war es fürchterlich warm im Mobil. Morgens wachen wir zeitig gegen 6 Uhr auf und ich gehe eine Runde schwimmen. Als ich zurückkomme, überrascht mich Peter mit der Schreckensnachricht, dass es bereits 7.15 Uhr ist. Wir haben vergessen den Wecker umzustellen. Auch Michel hat verschlafen. Er will um 8 Uhr beim Reifendienst sein. Peter gibt Michel über unseren Kompressor Luft in seinen platten Reifen, dann brausen er und Veronika davon zum Reifendienst. In einer knappen Stunde sind sie zurück am Platz, der Reifen wurde repariert. Auf dem letzten Lidl-Markt vor der Grenze erledigen wir unsere letzten Einkäufe und tanken, dann geht es die restlichen Kilometer Richtung Türkei. Ohne Probleme reisen alle ein. Um 11 Uhr steht die Sonne bereits hoch am blauen Himmel. Uns wird nicht nur von der Sonne heiß werden, denn unseren Stellplatz in der 17 Millionen-Stadt Istanbul zu finden bringt uns auch in Schwitzen. Außerdem sollten wir uns 8 Mobile nicht aus den Augen verlieren.
Das erste Teilstück der türkischen Autobahn hat eine schlechte Fahrbahndecke - stark renovierungsbedürftig. Wir sehen abgeerntete Getreidefelder, grüne Laubbäume und vereinzelt zweigeschossige Häuser. In den Städten bestimmen Hochhäuser das Bild, dazwischen ragen die Türme von Moscheen auf. Am Straßenrand bieten Melonenverkäufer preiswert ihre Ware an. Eine willkommene Erfrischung für alle.
Istanbul hat sich ausgebreitet. Man vermutet nicht nur 17, sondern 20 Mio Einwohner. Schon 30 km vor der Stadt bekommen wir das zu spüren. Eine dreispurige Schnellstraße, in die viele Straßen münden, erfordert von den Fahrern höchste Aufmerksamkeit. Wir haben den uns bekannten Londra-Camping an der 100 ausgewählt. Keinesfalls sollten wir uns aus den Augen verlieren, denn ohne Navi wären wir aufgeschmissen und würden den Stellplatz niemals finden. Wir haben Glück und finden den Stellplatz, auch finden sich ausreichend Parklätze für uns.
Nach kurzer Ruhepause brechen wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt auf. Aufregung: Als wir im Bus sitzen fällt uns auf, dass Hartwig und Billy fehlen. Ein Anruf auf dem Handy bei Hartwig bestätigt: Hunde dürfen im Bus nicht mitgenommen werden. Als wir bei der Blauen Moschee ankommen, erwarten uns Hartwig und Billy bereits. Sie sind mit einem Taxi angereist. Die Blaue Moschee wurde im 17. Jh. erbaut. Ihren Innenraum schmücken vorwiegend blaue Kacheln, markant sind die 6 Minarette. Wir durchstreifen die Altstadt und lassen das „Leben“ Istanbuls mit ihren Bewohnern und Touristen aus aller Herren Länder auf uns wirken. Morgen wollen wir alle eine Stadtbesichtigung mit dem Bus unternehmen.
Unser Stellplatz in Istanbul: Er liegt unmittelbar an der stark befahrenen 100 hinter einer Shell-Tankstelle. Wir blicken auf einen überdachten Fußballplatz und eine Kart-Bahn. „Wochentags geht der Lärm bis Mitternacht – am Wochenende auch bis 1 Uhr“, so berichtet uns der Besitzer vom Stellplatz in unserer Muttersprache.



   |   Tages KM: 285   |   GPS Nord: 40°59'31   |   GPS Ost: 28°49'57

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Dienstag, 6.9. Istanbul

Ali, unser Reiseführer, holt uns pünktlich um 8.30 Uhr mit dem Minibus ab. An der Blauen Moschee beginnt unser Stadtrundgang. Über den Hippodrom-Platz gelangen wir zur Hagia Sophia. Die über 1400 Jahre alte Kirche ist heute Museum. Unzählige Menschenmassen stehen vor dem Eingang und wollen ins Museum, das schreckt uns ab. So besuchen wir zuerst die Basilika-Zisterne. Vor rund 1500 Jahren sollte sie den steigenden Wasserbedarf des großen Palastes decken. Weil wir noch gut zu Fuß sind, tauchen wir ein in den Großen Basar. Das gut präsentierte Angebot von Lederwaren, Schmuck, Tüchern, Teppichen, Keramik und Souvenirs erschlägt uns fast. Wir durchstreifen einige Gassen und bekommen einen kleinen Einblick. Unseren Hunger stillen wir recht preiswert in einem kleinen Lokal. Oh, das tut gut, die müden Füße ein wenig auszuruhen.
Den Gewürzbasar muss man gesehen haben. Hier heißt es: sehen, riechen und schmecken. Ali schlägt uns eine Bosporus Rundfahrt vor. Gute 1 ½ Stunden soll die Bootstour dauern, leider dürfen die Hunde und ihre Besitzer nicht mit. Peter und ich machen uns auf die Suche nach einem Internetstick und verweilen in einem Café. Bald wird es Zeit den Rest der Gruppe zu treffen. Ein sportlicher Teil wandert mit Ali über die Brücke zum Galataturm und genießt von diesem den Rundblick. Die anderen pausieren unter schattigen Bäumen und trinken türkischen Tee. Es bleibt bis zur Abfahrt zum Stellplatz noch Zeit für einen Abstecher zum alten Bahnhof, Besichtigung der Hagia Sophia (keine Einlass Wartezeiten mehr) und der alten Holzhäuser bei der Blauen Moschee. Nun reicht es allen für heute. Wir wollen nur noch zu unseren Mobilen und unsere müden Füße ausruhen.
Frage des Tages: War Ali als Reiseführer sein Geld wert?


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Mittwoch, 7.9. Istanbul

Die Stadt erwacht, und die Mücken gehen schlafen - nachdem sie uns fast die ganze Nacht gepiesackt haben. Heute heißt das Motto: Was ihr wollt. Das heißt: Der heutige Tag ist zur freien Verfügung für jedermann/frau. Leider verabschieden sich Gitta und Bodo nach dem Frühstück. Gesundheitliche Probleme zwingen sie die Reise abzubrechen. Die guten Wünsche unserer Gruppe mögen sie auf ihrer Rückreise begleiten.
Peter und ich fahren mit den „Istanbul-Neulingen“ (Anke, Harald, Brigitte, Michael, Veronika und Michel) in die Innenstadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind uns inzwischen vertraut. Wir bummeln nochmals durch den Großen Basar. Nachdem jeder von uns eine Brosche „gegen den bösen Blick“ trägt, fühlen wir uns Super. Jetzt kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen! Oder doch??? Wenn man den Großen Basar Richtung Gewürzbasar verlässt, durchläuft man die Einkaufsgassen der Einheimischen. Bei vielen Geschäften bleiben wir stehen und bestaunen die Auslagen. Die Palette geht von traditionell bis sehr modern, darum sind hier auch Jung und Alt unterwegs. Peter und ich verlassen die Gruppe, die heute das Top Kapi, den alten Sultanspalast, besichtigen will. Wir schlendern über die Galatabrücke, und fahren mit der „Tünnelbahn“ in die Neustadt. Die Einkaufsstraße bis zum Taximplatz kann sich mit jeder europäischen Großstadt messen. Markenbekleidung- und Coffeeshops, bekannte und unbekannte Schnellrestaurants reihen sich wie die Perlen auf einer Kette dicht an dicht.
Erkenntnis des Tages von „Istanbul-Neulingen“: Zwei Tage Istanbul sind für das was die Stadt alles zu bieten hat entschieden zu wenig!



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Donnerstag, 8.9. Istanbul - Safranbolu

Bevor der Berufsverkehr einsetzt, wollen wir Istanbul um 6 Uhr über die Autobahn verlassen. Unser heutiges Ziel ist Safranbolu, dazu müssen wir den Bosporus Richtung Ankara überqueren. Die aufgehende Sonne taucht die Kulissen von Istanbul in ein magisches Licht. Zügig kommen wir (mit wenig Verkehr) vorwärts. Wir erreichen die mautpflichtige Brücke und erstehen eine Mautkarte. Auf einigen Abschnitten der türkischen Autobahnen ist Maut zu entrichten. Der Blick von der Brücke auf Istanbuls Moscheen, Top Kapi und Hagis Sophia ist umwerfend. Einige von uns werden bestimmt einmal wiederkommen – Inschallah.
Schon bald ist die erste Pause fällig. Tanken und Stärkung, einige von uns sind ohne Frühstück gestartet. Auf guter Autobahn lassen wir die Industriestädte um Istanbul hinter uns. Man merkt nicht wo die eine Stadt aufhört und die andere anfängt. Die Landschaft ist nun leicht hügelig und mit Kiefern, Platanen und Pappeln bewachsen. Die Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Es werden Getreide, Mais und Kartoffeln angebaut, auch Hühnerfarmen und eine Nudelfabrik können wir erkennen. Wir kommen auf 1200 m Höhe, der Bewuchs wir immer karger. Am Nachmittag erreichen wir Safranbolu. In osmanischer Zeit lag diese Stadt an einer wichtigen Handelsroute. Reiche Kaufleuchte und Handwerker errichteten die dreistöckigen Villen, welche heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Schon bald nach dem Abstellen unserer Mobile auf einem Parkplatz (auf dem wir auch übernachten dürfen) laufen wir bei hochsommerlichen Temperaturen durch die engen Gassen von Safranbolu. Weinreben beschatten vor den Cafés und Restaurants die Sitzplätze. Wir genießen den türkischen Tee und Lokum, sehr süße Naschwaren. Etwas später steigen einige von uns zum Museum hinauf und kommen kräftig ins Schwitzen. In der Abendkühle sitzen wir noch ein wenig vor den Mobilen beisammen und plaudern. Das ist ein Tagesausklang ganz nach unserem Geschmack.
Wissenswertes: Safranbolu umgaben bis ins 19. Jh. Safranfelder. Der kostbare Krokus hat die Stadt reich gemacht.


   |   Tages KM: 438   |   GPS Nord: 41°14'50   |   GPS Ost: 32°41'35

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Freitag, 9.9. Safranbolu - Amasra

Mit Harald und Anke fahren wir heute in eine Werkstatt. Die hintere Bremse von ihrem Reisemobil macht Probleme. Michel und Veronika schließen sich an, vielleicht kann auch ihre Klimaanlage repariert werden. Als Tipp hat man uns die Stadt Bartin genannt, 20 km vor Amasra – unserem heutigen Ziel an der Schwarzmeerküste. Die Straße führt uns auf 1000 m Höhe und wir blicken auf bewaldete Höhen und Häuser im osmanischen Stil. So früh am Morgen haben wir noch angenehme Fahrtemperaturen. Vor Bartin fahren wir auf das Gelände einer TÜV-Werkstatt. Wir hoffen, dass man uns eine Mercedes-Werkstatt nennen kann. Der Werkstattleiter ist sehr bemüht um uns und sucht im Internet eine Mercedes-Vertretung. Leider gibt es die nächste erst in Samsun, und diese Stadt erreichen wir erst Dienstag. Wir überlegen, dass es in der Türkei auch möglich sein müsste solche Reparaturen von einer freien Werkstatt durchführen zu lassen. Leider spricht der Werkstattleiter kein deutsch oder englisch. Über sein Handy nimmt er Kontakt zu seinem Chef in der Zentrale auf und dieser spricht perfekt unsere Muttersprache. Dieser schlägt vor, dass uns der Werkstattleiter zu einer freien Werkstatt begleitet, die auch Mercedes-Reparaturen durchführen kann. So erreichen wir die Werkstatt Yilmaz Oto. Michel und Veronika fahren schon zum Stellplatz in Amasra vor.
Schnell hat sich der Meister von der erforderlichen Reparatur einen Überblick verschafft. Er hat im Lager die passenden Beläge nicht vorrätig und schickt einen Lehrling los um diese zu besorgen. In der Zwischenzeit triff ein „Deutschtürke“ aus Aachen ein und kann Anke und Harald bei allen Fragen behilflich sein. Er dolmetscht gerne und so erfahren die zwei viel über ihn, seine Arbeit und sein Leben in Deutschland.
Peter und ich fahren mit dem TÜV-Leiter in die Stadt um unseren Internet-Stick bei Vodafone zu reklamieren, denn mit diesem in Istanbul gekauften Teil können wir nicht arbeiten. Vodafone kann uns nicht weiterhelfen und schickt uns zu einem Computerfachdienst. 1-2-3 hat dieser das Problem gelöst. Ob es am Abend bei uns auch funktioniert? Jetzt treten wir die Rückfahrt an, denn die Bremsreparatur sollte 1 ½ Stunden dauern. Bei einem Wochenmarkt stoppen wir, kaufen Gemüse und Obst. Als wir bezahlen wollen, hat der Werkstattleiter das für uns bereits erledigt. Diese Geste beschämt uns, denn wer bezahlt in Deutschland den türkischen Gastarbeitern die Rechnung? Anke und Harald erwarten uns bereits. Wir machen noch einige Erinnerungsfotos und verabschieden uns herzlich von den netten Helfern und fahren weiter nach Amasra. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Reparatur erfreulich preiswert ausgefallen ist.
Im kleinen Hafen von Amasra parken bereits die Mobile unserer Gruppe. Doch niemand ist am Platz. Amasra liegt zwischen zwei Buchten und soll das schönste Städtchen der Schwarzmeerküste sein. Besonders die Einheimischen lieben es hier Urlaub zu machen. Ein Kastell, eine römische Brücke und einige antike Überreste zählen zu den Besonderheiten die hier noch zu sehen sind. Den Abend beenden wir vor den Mobilen. Michel hat seine Gitarre hervorgeholt und wir singen altbekannte Schlager. Unsere Stellplatzecke wird spät abends auch von den Einheimischen aufgesucht. Sie plaudern, lachen und genießen die kühle Meeresbriese. Über das Wasser hören wir türkische Tanzmusik – eine türkische Hochzeit?
Erfahrung des Tages: Die liebevolle Hilfsbereitschaft der Türken gibt uns immer wieder Anlass über ihre Mentalität nachzudenken und sich darüber zu freuen. Dankeschön, Teschekkür ederim.


   |   Tages KM: 110   |   GPS Nord: 41°44'53   |   GPS Ost: 32°22'55

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Samstag, 10.9. Amasra - Doganyurt

Beim Frühstück im Freien schwärmt Michael von unserer Tour in Marokko. Da haben wir jeden Tag vor der Abfahrt jemand aus der Gruppe bestimmt, der an dem Tag Schuld für alles hatte. Weil Hartwig nicht bei uns draußen steht, bestimmt kurzerhand Michael ihn als den „Schuldigen“ für den heutigen Tag. Auch für sein bekleckertes T-Shirt. Dann schwingen wir uns alle auf die nahen Sportgeräte und machen uns fit für die Fahrt.
Rechtzeitig sitzen die Fahrer hinter dem Lenkrad und sind abfahrbereit. Doch was ist das? Michaels Mobil will nicht anspringen. Wir versuchen es mit Starthilfe – Anschieben –und Anschleppen von einem Einheimischen (der zufällig mit seinem Pick-up vorbeifährt). Erst nach dem Überbrücken springt das Mobil an – Allah sei Dank!
Bei der nächsten Tankmöglichkeit fragen wir nach einem Batteriedienst. Man verweist uns auf einen 300 m entfernten Autoelektriker. Der abgeschaltete Motor startet sofort und man schickt uns zwecks Batteriekaufs nach Cide. Als wir alle noch zusammenstehen und beratschlagen, kommt ein Deutschtürke und schaut interessiert auf Michaels Kennzeichen. Auch er kommt aus Nordheim – wo er seit 40 Jahren lebt und einen Gemüseladen betreibt. Was gibt es nicht für Zufälle auf dieser Fahrt!
In Cide führt man uns zu einer Tankstelle. Die benötigte Batterie ist vorrätig und Peter baut sie mit Michael ein. Wir anderen erfrischen uns mit Wassermelone. Nun nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff.
Die Küstenstraße von Amasra nach Doganyurt windet sich sehr kurvenreich bergauf und bergab. Mal im Binnenland, dann wieder direkt an der Küste entlang. Der Gegenverkehr hält sich in Grenzen. Einige Abschnitte werden erschwert durch Bauarbeiten. Die Ausblicke auf abgelegene schöne Buchten mit türkisblauem Wasser und vorgelagerten Felsen begeistern alle.
Der alte Stellplatz in Doganyurt liegt jetzt an einer Staubpiste. Wir suchen uns ein besseres Plätzchen in Wassernähe. Brigitte ist glücklich und spendiert für alle Kuchen und Eis.
Unser Wunsch: Hoffentlich wird unsere Rundreise durch die Türkei keine Werkstattreise!


   |   Tages KM: 147   |   GPS Nord: 42°00'22   |   GPS Ost: 33°27'45

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Sonntag, 11.9. Doganyurt - Sarlayuk Wasserfall

Heute trennt sich ein Teil der Gruppe in Inebolu. Während wir mit Ulla und Horst Richtung Kastamonu ins Binnenland abbiegen, fahren die fünf anderen Mobile weiter an der Küste entlang bis Sinop. Dienstagabend wollen wir uns in Samsun treffen.
Die gemeinsame Strecke bis Inebolu glänzt mit seinen wunderschönen Küstenabschnitten. Die Straße wird verbreitert und einige Baustellen erschweren die Fahrt. Nach dem Abzweig kommen wir auf guter Gebirgsstr., immer stetig bergan, gegen Mittag in Kastamonu an. Ein Parkplatz findet sich im Zentrum, von ihm sind es nur wenige Schritte zu den Sehenswürdigkeiten. Viele Geschäfte sind heute am Sonntag geschlossen und in den Cafés sitzen überwiegend Männer. Dieses Wochenende feiert man das Knoblauchfest, so können wir auf Plakaten lesen. Ein Grund zum Heiraten? Uns begegnen heute viele geschmückte Hochzeitsfahrzeuge. Ein kleiner Imbiss schließt unseren Stadtbummel ab. Wieder On Tour steigt die Straße ständig bergan. Bei 1850 m haben wir die Passhöhe erreicht. Um uns befindet sich der Ilgaz Dagi Naturschutzpark mit seinen unzähligen Picknickplätzen. Soweit das Auge reicht sehen wir Tannenwälder, im Winter betreibt man hier Wintersport und es gibt Skilifte. Nach Ilgaz nehmen wir den Abzweig nach Tosya. Diese Gegend ist bekannt für seinen hervorragenden Reis, den besten der ganzen Türkei. Die Felder erstrecken sich bis an die Hügelketten. Die späte Nachmittagssonne lässt die Berge in vielen Farbschattierungen erscheinen. Leider müssen wir schon wieder tanken. Die hohen Dieselpreise und unser hoher Kraftstoffverbrauch, bei unseren Fahrten bergauf und bergab, schmälern die Reisekasse enorm. Aber unsere Reiselust ist ungebremst! Ob es den anderen Teilnehmern der Gruppe auch so geht? Dafür sind die Lebenshaltungskosten verhältnismäßig günstig. Zum Beispiel kostet 1 Sack (25kg) Zwiebeln 5 TL, das sind 2 Euro. Angeboten direkt an der Straße, angebaut auf riesigen Feldern drum herum. Vor Merzifon biegen wir von der Hauptstr. zu einem Wasserfall ab. Der Parkplatz am Wasserfall ist noch gut gesetzt mit PKW, wir quetschen uns dazwischen. Im Picknickpark sitzen unter schattigen Bäumen Familien und grillen. In Kaskaden fällt aus 3 m Höhe das Wasser in kleine Becken. Es plätschert und rauscht – so haben es die Türken gern. Nach Einbruch der Dunkelheit leert sich der Parkplatz nach und nach.
Was sind Deutschtürken? Türken, die mehr als ihr halbes Leben in Deutschland gearbeitet und gelebt haben. Wenn sie den Urlaub in der Türkei bei ihren Verwandten verbringen, dann werden sie von ihren „Landsleuten“ bei Einkäufern „übers Ohr gehauen“. Sie sind mit den Preisen Vorort nicht mehr recht vertraut, und auf den Märkten werden die Waren nicht ausgezeichnet.

Bericht von Lisel über den Verlauf der Reise an der Küste
Schon um 8.00 sind alle reisebereit. 167 km kurvenreiche Küstenstraße liegen vor uns. Die ersten 30 km bis Inebolu sind atemberaubend. Links das tiefblaue Schwarze Meer, getüpfelt von einigen Fischerbooten, rechts üppiger Laubwald an hohen Berghängen, vor uns holpriger Asphalt, Schlaglöcher und Staub, unglaubliche Steigungen und immer wieder sagenhafte Ausblicke! Doch diese Schönheit hat ihren Preis. Wir kurven über eine Stunde auf dieser wunderschönen Strecke.
Hinter Inebolu wird die Landschaft sanfter, die Berge werden zu Hügeln und die Straße breiter und besser. Es herrscht wenig Verkehr, ab und zu traben Kühe über die Straße, kommen uns hoch beladene Esel entgegen und Hühner und Hunde treiben sich am Straßenrand herum. Die Fahrt geht durch verschlafene Dörfer, in denen die Müßiggänger in den Teegärten unsere Karawane interessiert beobachten und die Kinder uns begeistert zu winken.
Wir halten an einem Obststand am Straßenrand und fallen unter die Straßenräuber. Die beiden Straßenverkäuferinnen lächeln uns zwar freundlich an, erzählen uns viel Unverständliches und verlangen horrende Preise. Anke zahlt für 2 Kilo Zwetschgen 6 Lire, Michel für 1 kg 4,5 Lire! Zu spät merken wir, dass außerdem die Waage ein Grundgewicht von 260 Gramm anzeigt, d. h. jeder Kunde bezahlt für 260 g Luft! Das ist uns eine Lehre: künftiges Einkaufen am Straßenrand nur, wenn vorher der Kilopreis ausgehandelt ist!
Der Marti Camping am Aklimanstrand bei Sinop liegt schön direkt an einer weitläufigen Bucht auf einer grünen Wiese. 25 Lire kostet der Stellplatz – warme Dusche, reichlich Wasser und Strom sind eingeschlossen. Die Stromkästen sind – wie so häufig in der Türkei – abenteuerlich.
Es tut gut, nach so langer Zeit wieder einmal barfuss über den Rasen zu laufen!
Innerhalb kurzer Zeit verwandeln wir den Platz in ein Zigeunerlager. Jeder putzt und wäscht den Wagen oder seine Wäsche, die Handwaschmaschine von Michael und Brigitte macht die Runde.
Abends wird noch gemeinsam gegrillt, doch beim letzten Bissen fällt eine Invasion von Mücken über uns her: so verschwindet schnell jeder in seinem Mobil!



   |   Tages KM: 365   |   GPS Nord: 40°49'26   |   GPS Ost: 35°19'18

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Montag, 12.9. Sarlayuk Wasserfall - Amasya

In aller Frühe nutzen die Männer das überschüssige Wasser vom Wasserfall für eine Oben Wäsche, wir Frauen entfernen den Staub im Innenraum. In Zentralanatolien regnet es im Sommer wenig, so ist die Erdoberfläche sehr staubig. Es wird überwiegend Weizen angebaut, nur in den Flusstälern gedeihen auch Gemüse und Obst. Bekannt sind die wohlschmeckenden Äpfel dieser Region.
Bis Amasya ist es nicht mehr weit. Wir parken auf dem staubigen Parkplatz einer Gemüsegroßhalle, direkt am Fluss. Von hier erreichen wir das Zentrum zu Fuß in wenigen Minuten. Amasya wird oft als die schönste Kleinstadt Zentralanatoliens gerühmt. Sie ist umgeben von schroffen Berghängen mit den Felsgräbern pontischer Könige. Der Yeschilirmak durchfließt die Stadt. Mehrere Brücken verbinden den Süd- und Nordteil der Altstadt. Im Schatten hoher Bäume lässt es sich angenehm flanieren. Nur beim Überqueren der Straße muss man höllisch aufpassen, dass man nicht „unter die Räder“ gerät. Zebrastreifen in der Türkei bedeuten für die Autofahrer nicht wie in Deutschland „Anhalten“! Peter und ich steigen zu den Gräbern hinauf. Vom Café oben hat man den besten Überblick über die Stadt. Wir erkennen die Karawanserei, den Bedesten, einige Moscheen und den Beyazit, der für seine Sammlung wertvoller Bücher bekannt ist. Zu Fuß lässt sich alles bequem erlaufen. Unbedingt sollte man einen Abstecher zu den schönen osmanischen Häusern (jetzt Hotels und Restaurants) am Nordufer des Flusses unternehmen. Die Hitze zwingt uns zu Pausen. Schattige Plätzchen gibt es in dieser Stadt reichlich. Wir kommen oft mit Einheimischen ins Gespräch – die einfach nur mit uns Plaudern wollen. Abends schlendern wir nochmals in die Stadt um uns von unten die angestrahlten Felsengräber anzuschauen.
Erkenntnis des Tages: Amasya ist unbedingt einen Abstecher wert.

Bericht von Lisel Sinop
In der Nacht sinkt das Thermometer auf 9 Grad, so dass alle gut und fest schlafen können. So geht es morgens ausgeruht mit dem Dolmus in die Stadt – ein aufregendes Erlebnis für alle, die noch nie mit einem Dolmus gefahren sind. Zu Acht quetschen wir uns in den schon gut besetzten Dolmus, reichen das Geld für acht Personen über die Mitreisenden zum Fahrer und schaukeln in rasanter Fahrt durch die Stadt. Doch wo aussteigen? Einer schlägt vor, die Stationen zu zählen, der andere, bis zur Endstation zu fahren, der Dritte fragt radebrechend einen Mitreisenden und der Vierte meint, der Fahrer würde uns schon Bescheid geben. So machen wir eine ungeplante Stadtbesichtung durch die Einkaufstraßen, vorbei am Hafen und über unvorstellbare Steigungen (mindestens 30 %schätzt Michel) hoch auf einen Hügel. Hier endet die Fahrt – direkt vor dem Wochenmarkt! Der Bummel über den Markt ist eine Augenweide: zu Beginn alle möglichen Haushaltswaren, vom Plastiksieb bis zur Teekanne, dann die Gemüsehalle, die dem die Bäuerinnen aus der Umgebung Gemüse, Obst und Gewürze verkaufen, in den umliegenden Gassen bieten lautstark Händler die gleichen Erzeugnisse in größeren Mengen, ein Sträßchen ist der Textil- und Schuhhändler vorbehalten. Keiner von uns kann dem verlockenden Angebot widerstehen und kauft trotz des beschwerlichen Rückweges hinab in die Innenstadt Obst und Gemüse ein. Anke und Brigitte kaufen kleine, rote, säuerlich schmeckende Früchte, die nach einem freundlichen Dolmetscher aus Bremen zu hervorragender Marmelade oder einem Saft verarbeitet werden können. Schwer beladen geht es über viele Treppen und steile Gassen hinab zum Hafen. Nach einer Teepause in einem schattigen Teegarten machen wir uns auf die Suche nach dem alten Gefängnis. Nach vielen Nachfragen und einigen Missverständnissen finden wir den Eingang und sind erschüttert. Unvorstellbar, dass hier bis 1999 Insassen eingebuchtet wurden! 50 qm große lichtlose Zellen für je 100 Insassen, jede mit einem Abtritt und ein Waschbecken für alle, doppelstöckige eiserne Schlafgestelle, fensterlose enge Kerker mit armdicken Fußketten die speziell als „Disziplinzellen“ für kriminelle Jugendliche konzipiert wurden – menschenunwürdig und grausam!
Zurück gekehrt ins helle Sonnenlicht wirken die erschütternden Eindrücke lange nach.
Erst beim Fischessen am Hafen kehren wir allmählich in die Neuzeit zurück. Levrek, Copra und Somon schmecken ausgezeichnet, zum Abschluss gibt es für jeden eine heiße Miesmuschel gefüllt mit scharf gewürzten Bulgur – lecker!
An der Haltestelle für die Dolmus-Rückfahrt gibt es einige Missverständnisse: Rückfragen ergeben immer wieder neue Ergebnisse – bei der ersten Frage fährt der Bus in 10 Minuten, bei der zweiten in 15 Minuten und bei der dritten in einer halben Stunde. Michel macht es richtig: in aller Ruhe geht er zurück zum Hafen, handelt ein Paar Puschen von 70 auf 47 Lire und ist pünktlich zur Abfahrt wieder da! Der Dolmus ist brechend voll. Viele Frauen sind mit ihren Einkaufswagen auf der Rückfahrt, eine große Plastiktonne nimmt den Stehplatz für mindestens drei Personen ein, es ist eng wie in einer Sardinendose. Mit Müh und Not und heftigen Nachschieben quetschen wir uns zum Vergnügen der übrigen Fahrgäste in den überfüllten Dolmus, klammern uns am Nachbarn oder an Stangen fest und schaukeln in engsten Körperkontakt zum Nachbarn zurück zum Camping. Veronika knüpft Kontakt zu zwei jungen in Deutschland aufgewachsenen Türkinnen, Michel gibt Kommentare zu den Ein- und Aussteigenden (ein Dünner steigt aus, dafür kommt eine Dicke herein), die Sitzenden amüsieren sich über unsere Halteversuche (vielleicht verstehen auch einige Deutsch) und flugs sind wir auf dem Camping Marti. Jetzt noch schnell ein Bad im Schwarzen Meer, die Antenne richten, den letzten Flecken vom Auto polieren, Kaffee trinken, trockene Wäsche weg räumen, rote Beeren einkochen ,bevor die Sonne untergeht, uns die Mücken heimsuchen und alle wieder in ihre Mobile flüchten.



   |   Tages KM: 66   |   GPS Nord: 40°39'03   |   GPS Ost: 35°49'07

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Dienstag, 13.9. Amasya - Samsun

Heute Nachmittag wollen wir in Samsun die Gruppe treffen. Knapp 140 km sind es bis zum Treffpunkt. Richtung Küste wird die hügelige Landschaft immer grüner. Schon bald sehen wir in der Ferne die ersten Hochhäuser von Samsun. Wir sehnen uns nach einem kleinen Strandabstecher und biegen Richtung Sinop ab. 4 km vor der Stadt finden wir durch Zufall einen Parkplatz direkt am Meer. Eine kilometerlange Promenade zieht sich am seichten Sandstrand entlang. Nur wenige Badegäste liegen am Strand, obwohl wir sommerlicher 25° C haben. Auf der kleinen Seebrücke sitzen etliche Angler und warten darauf, dass die Fische anbeißen. Ulla und ich testen das Wasser mit den Füßen, die Temperaturen sind angenehm. Gegen 15 Uhr verlassen wir unseren schattigen Parkplatz. Wir fahren auf einer mehrspurigen Schnellstr. durch Samsun zum verabredeten Stellplatz in der Nähe des Zentrums. Nach und nach trifft ab 17 Uhr der Rest der Gruppe ein. Freudige Begrüßung und Austausch der Erlebnisse, dabei haben wir uns doch nur 2 Tage nicht gesehen! Abends laufen wir die etwa 2 km lange Promenade am Wasser entlang, durch eine sehr gepflegte Parkanlage mit Cafés und Restaurants bis zur Atatürk-Gedenkstelle.
Am 19.5.1919 hat Atatürk zum Widerstand gegen die Besatzer (Alliierten und Griechen) aufgerufen. Dies war der Anfang des türkischen Befreiungskampfes. Ein riesiger gedeckter Basar schließt sich in Hafennähe mit Kitsch- und Billigartikeln an. Ein türkischer Tee in geselliger Runde beschließt den heutigen Abend. Wir sind Liesels Gäste, denn heute hat sie Geburtstag.
Eine nette Geste: Auf einer Shell-Tankstelle lassen wir unser Frischwasser auffüllen. Noch während das Wasser in unseren Tank gluckert, serviert man uns Tee. Für den Service möchte man keine Bezahlung und winkt ab. Ich überreiche für die Mitarbeiter einen kleinen Teller mit deutschen Keksen und bedanke mit herzlich bei dem Chef. Als ich Peter aus der Halle winke, kommt der Chef und schenkt uns türkisches Knabbergebäck. In Deutschland so etwas vorstellbar?

Bericht von Lisel Sinop
Noch vor dem Frühstück gibt es ein Geburtstagständchen für Liesel, danach ist Relaxen, Strandjogging, Muschelsuche oder letzte Aufräumarbeiten angesagt, bevor es um 13.00 Uhr auf die Strecke geht. Über 168 km geht es nach Samsun, mal buckelig und serpentinenreich mit herrlichen Ausblicken, mal vierspurig ausgebaute Autobahn und häufig staubige Baustellen. Der erste Abschnitt ist wunderschön, wir fahren durch eine subtropische üppige Landschaft, die – wären die Moscheen und Minarette nicht – an den Schwarzwald erinnert, vorbei an traumhaften einsamen, mit dem Auto nicht erreichbaren Buchten, sehen kleine, verträumte Fischerhäfen – danach wird die Landschaft ebener, Industrie breitet sich aus. Der neu erbaute Küsten-Highway wurde zum Teil direkt ins Meer gebaut, Strände verschwanden unter Asphalt und viele Orte wurden vom Hafen und Meer durch die vierspurige Schnellstraße getrennt! Der Stellplatz in Samson liegt neben einem kleinen Zoo in einer gepflegten Parkanlage. Von der belebten Uferpromenade trennt uns nur eine stillgelegte Bahnstrecke. Wir sehen mit Erstaunen, wie ein sich ein Brautpaar auf den rostigen Schienen vor einem verfallenen Waggon für ein Hochzeitsfoto postiert – uns ein ziemlich unromantischer Ort. Aber vielleicht ist der Bräutigam wie Tilo ein Eisenbahnfan. Zum Abschluss des Tages geht es noch einen gemeinsamen Spaziergang die Promenade entlang, bis zur Replik des Schiffes, mit dem Atatürk 1919 landete und das türkische Volk zum Widerstand gegen die Besatzungsmächte aufforderte. Ein Absacker-Cay in einem der vielen Teegärten – und schon wieder in geht ein schöner Tag zu Ende.



   |   Tages KM: 131   |   GPS Nord: 41°16'56   |   GPS Ost: 36°20'57

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Mittwoch, 14.9. Samsun - Tirebolu

Michael und Brigitte wollen gegen 5.30 Uhr in eine Werkstatt starten. Die letzten 2 Tage hatten sie wiederholt Startprobleme – ob es doch der Anlasser ist? Die nächste Ford-Werkstatt liegt 20 km zurück, oder 200 km Richtung Giresun entfernt. Doch ihr Auto springt nicht an. Als wir um 7 Uhr alle aus unseren Mobilen schauen, steht das ihrige immer noch da. Eine Nachfrage ergibt, dass sie bereits mit dem ADAC Kontakt aufgenommen haben und dieser eine türkische Pannenhilfe vorbeischicken will. Doch diese findet unseren Stellplatz nicht und spricht auch nur türkisch. So stehen wir alle beisammen und beratschlagen, als überraschend der Abschleppdienst eintrifft. Peter schlägt „Anschleppen“ vor und setzt sich hinter Michaels Lenkrad. Wir anderen drücken die Daumen. Es glückt, das Mobil springt zögerlich an. Michael und Brigitte fahren Richtung Giresun, wir folgen nach dem Frühstück.
Für die Strecke nehmen wir uns Zeit. Die Fahrt geht fast immer am Meer entlang und wir genießen die Ausblicke: Mal auf verträumte Sandbuchten, dann wieder auf zerklüftete Felsvorsprünge, durchfahren große und kleine Orte – alles wirkt sauber und aufgeräumt. Hier ist es noch angenehm den Urlaub zu verbringen, wenn nicht die vierspurige Schnellstr. alles „durchschneiden“ würde. Auf der rechten Seite ziehen sich Haselnuss Plantagen bis hoch die Hügel hinauf. Mit der Ernte hat man bereits begonnen. Auf den freien Plätzen und Bürgersteigen liegen Planen, auf denen die Haselnüsse trocknen. An Ständen werden bereits Nüsse verkauft.
Nach einer Stunde erreicht uns die Nachricht, dass Michael und Brigitte am Ortsende von Ordu in einer Ford-Werkstatt sind und der Anlasser bereits erneuert wurde. Einige Kraftstoffleitungen sind porös und sollen noch abgedichtet werden. In Ordu treffen wir uns vor dem Migros-Supermarkt. Michael erzählt uns von der überaus freundlichen Bedienung in der Werkstatt. Brigitte hat den Frauen einen Einblick in das Mobil gewährt. Mit Ahh und Ohh haben sie das kleine Haus auf Rädern bestaunt. Gemeinsam geht es gut gelaunt weiter bis Tirebolu. Die Hafenmole ist unser Stellplatz für die heutige Nacht. Von hier blicken wir auf den Hafen, die kleine Burg und die Stadt. Liesel spendiert Geburtstagskuchen und Eisvariationen.
Etwas später steigen wir auf die Burg und unternehmen einen Stadtrundgang. Unterhalb der Burg reservieren wir in einem kleinen Lokal Plätze fürs Abendessen. Außer Fisch serviert man auch Köfte. Die auch hier angebotenen Akccabat-Köfte sind Türkei weit für ihren guten Ruf bekannt.
Die Straßen schlängeln sich am Berghang hoch. In den Häusern befinden sich unten die Geschäfte, oben die Wohnungen. Michel und Veronika kaufen Geschenke für die „Haushüter“ daheim – wir anderen bekommen Tee gratis. So stehen und sitzen wir (die Frauen auf herbeigeschafften Hockern) an der Str. im Ortskern und werden bestaunt.
Um 7 Uhr finden wir uns alle im kleinen Restaurant unterhalb der Burg ein. Auf den Felsen am Wasser wurden für uns zwei Tische bereits gedeckt. Schon bald serviert man uns Köfte und Salat, alles schmeckt hervorragend. Die untergehende Sonne zaubert stimmungsvolle Fotos.
Tirebolu: Einen Stellplatz am Meer und gutes preiswertes Essen – was wollen wir mehr!


   |   Tages KM: 245   |   GPS Nord: 41°00'33   |   GPS Ost: 38°49'02

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Donnerstag, 15.9. Tirebolu - Sümela Camping

Nicht alle haben gut geschlafen. An der Kaimauer haben sich Jugendliche zu einem Stelldichein getroffen und es ging etwas lauter zu. Wir treffen uns morgens vor den Mobilen zum Frühstück. Die Sonne entwickelt schon um 8 Uhr eine enorme Wärme. Den ersten Stopp legen wir in Trabzon ein. Ohne große Probleme finden wir den Parkplatz von 2009 wieder. Der Parkplatzwächter hat für alle Mobile ausreichend Parkplatz. 2 ½ Stunden schwärmen wir aus: Durch die Basargassen und die riesengroßen Markthalle. Das Gemüse und Obst wird wie im Bilderbuch präsentiert. Viele von uns geraten in einen Kaufrausch. Wie und wo sollen wir die riesigen gekauften Mengen nur verstauen? Um 13 Uhr heißt es für alle Abfahrt. Mit 6 Mobilen fahren wir auf einen Campingplatz beim Sumelakloster, Michel und Veronika fahren wenige km zurück in eine Mercedes-Werkstatt um die Klimaanlage kontrollieren zu lassen. Wir anderen steuern den Campingplatz von 2009 an. Ayse kommt uns schon entgegen gelaufen, als wir über die klapprige Brücke fahren. Sie spricht ein paar Brocken englisch, so recht können wir nicht begreifen was sie pro Übernachtung kassieren will. So folgen wir ihr mit 3 Frauen ins Büro. 40 TL und 10 TL für Strom, dass muss sie haben und weist auf ein Dokument an der Wand – weniger geht nicht. Dann schreibt sie siebenmal die Summe (40 TL und 2x 10 TL) wie ein Rechentürmchen untereinander und addiert die Beträge mit dem Taschenrechner. Wir haben uns inzwischen im Kopfrechnen geübt und kommen auf eine andere Summe. Bis Ayse das begreift und umständlich nachrechnet vergeht Zeit. So viel wollen wir für so wenig Komfort nicht bezahlen. Auf unseren allgemeinen Vorschlag mit den Männern 30 TL pro Nacht zu kassieren geht sie nicht ein. So fahren Peter und ich mit Horst zum Preisauskundschaften zu einem anderen Campingplatz, wenige Kilometer zurück. Dort will man 25 TL incl. Strom haben. Da ziehen wir doch alle rasch um. Zurück bleibt eine enttäuschte Ayse.
Abends laden die Männer uns ins Restaurant am Platz ein, es gibt frische Forelle mit Beilagen.


   |   Tages KM: 130   |   GPS Nord: 40°47'05   |   GPS Ost: 39°36'50

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Freitag.16.9. Sümela Camping

Während Ulla, Horst und wir heute einen Ruhetag einlegen, starten die anderen der Gruppe mit einem Minibus zur Besichtigung des Sumela Klosters. Es liegt in 1200 m Höhe an einer steil abfallenden Felswand. Sumela war ein für seine Wunder bekanntes Zentrum der Marienverehrung. Um 385 gegründet, brannte es mehrmals ab, heute stehen überwiegend Ruinen. Sehenswert ist die restaurierte Grottenkirche mit ihren farbenprächtigen Fresken.
Übrigens soll der Anblick des Klosters aus der Ferne beeindruckender sein als die eigentliche Besichtigung.
Anke: Kaum vorzustellen, dass vor so langer Zeit mit den damaligen Baumöglichkeiten in solcher Unwegsamkeit diese Bauwerke geschaffen wurden – gewaltig!


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Samstag, 17.9. Sümela Camping - Rize

Bei Tagesanbruch ruft der Muezzin lang und laut zum Gebet. Wir können uns noch einmal umdrehen – Frühstück ist erst gegen 8 Uhr. Knapp 100 km sind es bis Rize. Schon weit vor der Stadt sehen wir die Teeplantagen. In Terrassen erstrecken sie sich an den Berghängen. Das Klima in dieser Region ist dafür ideal, subtropisch mit vielen kleinen Niederschlägen. Die bis zu 3000 m hohen Berge im Hinterland lassen hier die Wolken abregnen.
In Rize fahren wir auf einen großen Dolmus-Parkplatz (unweit vom Zentrum). Hier wollen wir auch übernachten. Nachdem die Mobile eingeparkt sind, stehen wir draußen beisammen und beratschlagen. Ein Dolmus fährt vor und der Fahrer fragt ob wir zur Kale (Burg) wollen. Natürlich wollen wir zur Burg und anschließend zum Teeinstitut mit dem Botanischen Garten von Caykur, dem größten Teeproduzenten der Türkei. Mit dem Preis werden wir uns schnell einig – ob 2 Stunden für die Besichtigungen ausreichen?
Zuerst fährt er mit uns zu den Ruinen der genuesischen Festung. Vom schönen Teegarten erblicken wir den Hafen, die Teeplantagen und einige unschöne Apartmentblocks. Auch der Teegarten im örtlichen Teeinstitut kann sich sehen lassen. Der angrenzende Botanische Garten gibt uns die Gelegenheit die Teesträucher aus der Nähe zu betrachten. Im Shop kaufen wir Tee von Caykur. Unser Fahrer fährt mit uns weiter zu Caykur. Eine von den hier ansässigen 5 Produktionsstätten können wir besichtigen. Ein Angestellter der Firma führt uns durch den Betrieb. Täglich werden bei Caykur 5 Tonnen Tee verarbeitet. In großen und kleinen Verpackungen geht er in die ganze Welt. Selbst in Länder in denen auch Tee angebaut wird. Denn das Besondere an dem Tee von Caykur ist, dass er ohne Pestizide behandelt wird. Bei diesem Hersteller wird Wert auf hochwertige Qualität gelegt.
Am Nachmittag erkunden wir die Geschäftsstr. von Rize. Der schmackhafte Kuh-Käse von den Almen im Hinterland wird preisgünstig angeboten.
Nationalgetränk Tee: Als Atatürk in den 30iger Jahren des 20. Jh. wegen der hohen Kosten für Importkaffee nach Alternativen suchte, erkannte er, dass die klimatischen Bedingungen um Rize ideal für den Tee Anbau sind. Die Region um Rize ist ein riesiger Teegarten. Die Türken trinken pro Kopf und Jahr 2 kg Tee, die Deutschen im Vergleich 300g.


   |   Tages KM: 106   |   GPS Nord: 41°01'36   |   GPS Ost: 40°31'26

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Sonntag, 18.9. Rize - Batumi Georgien

In den türkischen Orten von Rize bis an die Georgische Grenze wird auch Tee angebaut. Caykur hat auch hier Fabriken. Gegen Mittag erreichen wir die Grenze zu Georgien. Es ist furchtbar heiß und vor uns wird ein Touristenbus abgefertigt. An den türkischen Passkontrollen drängeln sich in Warteschlangen die Businsassen. Wir wissen nicht so recht wo wir uns anstellen müssen. Man winkt uns auf einer Seitenspur durch. Dann wird an einem Schalter das Fahrzeug aus dem Pass ausgetragen. Alles geht im Schritt-Tempo vor sich. Einen Schalter weiter bemängelt man, dass unsere Pässe keinen türkischen Ausreisestempel tragen, und wir Frauen laufen mit den Pässen zurück an den ersten Schalter. Pech hat Harald, beim ihm streikt der Computer und eine längere Wartezeit wird erforderlich. Nun kommt die Einreise nach Georgien. LKW versperren die PKW-Zufahrt und wir zwängen uns mit den Mobilen durch eine Lücke – dadurch verlieren wir den Rest der Gruppe aus den Augen. Die Damen der Grenzabfertigung sind freundlich, sprechen fließend englisch und fertigen zuerst ein Foto von uns an. Nur zurückgehen, um nach den Rest der Gruppe Ausschau zu halten, darf ich nicht. Während wir auf dem Parkplatz an der Georgischen Grenze halten, trifft Nino unsere deutschsprachige Reisebegleitung für Georgien ein. Peter hat in Deutschland Kontakt zu einem Reisebüro in Tbilisi aufgenommen, und dieses hat uns Nino vermittelt. Schnell wechseln wir noch einige Euro in Lari um und stellen die Uhrzeit um eine Stunde vor.
Den ersten Stopp legen wir bei der römischen Festungsruine Gonio ein. 1960 begann man mit den Ausgrabungen und 1974 wurde dabei ein Goldschatz gefunden.
Danach beginnt für uns das Abenteuer der Georgischen Straßen: An den Rändern stark ausgewaschen und mit Schlaglöchern übersät. Die Einheimischen fahren rücksichtlos drauflos. In Batumi parken wir auf dem großen Parkplatz hinter dem Aquarium und Delfinarium – gratis.
Ein Stadtrundgang schließt sich an. Die endlose Promenade am Kiesstrand entlang bis in die Stadt. Von weitem schon sehen wir den Turm vom Sheraton-Hotel. Sehenswert sind in der Altstadt die schönen alten Jugendstilhäuser, Statuen und unterschiedlichen Palmenarten. In einem kleinen Restaurant essen wir landestypische Speisen und Nino erklärt uns wie wir sie essen müssen. Auf dem Rückweg erleben wir Wasserspiele mit Musik. Spontan drehen wir auf dem Platz eine Walzerrunde. Am Platz zurück, sitzen wir vor den Mobilen bis es sich im Fahrzeuginnern erträglich abgekühlt hat.
Erkenntnis des Tages: Alle sind von Georgien angenehm überrascht.


   |   Tages KM: 130   |   GPS Nord: 41°38'47   |   GPS Ost: 41°37'23

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Montag, 19.9. Batumi Georgien - Gelati Kloster

Wo haben die Georgier nur ihren Führerschein erworben? Mit Fahrversuchen auf einem Parkplatz? Das bekommen wir beim verlassen der Stadt zu spüren. Rasant werden wir links und rechts überholt. Eine Tankstelle in Gegenrichtung anzufahren und dann wieder zu verlassen ist nur nerv tötend.
Am Strand vom kleinen Kurort Ureki ist der Sand dunkelgrau – und haftet an den Füßen wie der Teufel. Ulla taucht als einzige ins Meer, die anderen begnügen sich mit den Füßen. Man sagt dem Sand einen hohen Magnetit Gehalt nach, der eine heilende Wirkung auf mancherlei Erkrankungen haben soll. Auf dem kleinen Wochenmarkt kaufen wir Honigmelone aus Armenien – keinesfalls zum Schnäppchenpreis. Bei Poti verlassen wir das Schwarze Meer und biegen ins Binnenland nach Kutaisi ab. Die Landschaft ist sehr grün und im Frühling gibt es hier oft Überschwemmungen, so weiß Nino zu berichten. Darum hat man die Wohnhäuser auf Pfeiler gesetzt. Trotz Stadtplan im Reiseführer irren wir mit den Mobilen durch Kutaisi. Wir wollen uns die Kathedrale Bugrati ansehen. Die Kirchenruine ist über 1000 Jahre alt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Drei Brücken überqueren den Rioni, die Kathedrale liegt auf der rechten Seite und eine steile Pflasterstraße führt hinauf. Nino muss einige Male Passanten fragen ob wir richtig sind. Dann oben, ist der einzige Parkplatz wegen Bauarbeiten an der Kathedrale gesperrt. Da wir ihn aber trotzdem zum Parken benutzen, kriegen wir Ärger mit der Aufpasserin. Michel bekommt sogar beim Aussteigen einen kräftigen Tritt ans Schienbein versetzt. Wir wenden und parken am Straßenrand – das war aber ein unfreundlicher Empfang! Einige Fotos und ab geht es Richtung Altstadt. Es ist unmöglich für 7 Mobile ausreichend Parkraum zu finden. Wir beschließen nun die Kirchen von Gelati (im näheren Umkreis) aufzusuchen. Doch selbst das Navi von Nino erweist sich als nicht „anwenderfreundlich“ – will es uns doch durch Einbahnstr. entgegengesetzt führen. Nino fragt mehrmals nach und unter tief hängenden Zweigen und Stromkabeln erreichen wir schließlich, völlig entnervt durch die Kurverei, den kleinen Parkplatz vom Kloster Motsameta. Ein Polizeiauto erscheint und wir fragen nach Parkmöglichkeiten für die Nacht. Veronika spricht perfekt russisch mit dem Polizisten. Er ist von unserer Reisegruppe sehr angetan und möchte gerne unsere Mobile anschauen. Nach Besichtigung der Wallfahrtsstätte Motsameta führt er uns zu einem Übernachtungsplatz hinter seiner Polizeistation. Für heute soll Schluss mit der Fahrerei sein. Bei einigen liegen die Nerven blank. Auf dem Platz empfängt uns ein starker Wind. Wenn der nicht nachlässt, wird es heute schwer werden das Zelt für Nino aufzubauen. Wir Frauen machen uns ans Kochen. Heute essen wir „Schüttesuppe“. D.h., jede Familie erwärmt eine Dosensuppe. Alles wird zusammengeschüttet und mit gutem Hunger vertilgen wir sie gemeinsam. Michel hat aus der Bäckerei gegenüber Brot besorgt und für Nino finden wir dort für die Nacht ein Gästebett. So ist alles geregelt. Der nette Polizist weiß einiges zu berichten. Er erzählt von seinen deutschen Vorfahren und Veronika übersetzt.
Erkenntnis des heutigen Tages: Vielen haben die Ereignisse des heutigen Tages zugesetzt. Einige sind gereizt, geschafft und andere unglücklich. Hoffentlich bringt der morgige Tag mehr gutes!


   |   Tages KM: 191   |   GPS Nord: 42°17'21   |   GPS Ost: 42°44'32

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Dienstag, 20.9. Nähe Gelati Kloster - Gori Cave

Frühstück vor den Mobilen, auch der Polizist ist bereits anwesend. Um 8 Uhr gibt es frisches Brot für alle – lecker! Michel und Veronika bedanken sich bei den Nachbarn und überreichen Kaffee – Nino kommt zum Frühstück und berichtet von der netten Aufnahme in der Gastfamilie. Unser erster Besichtigungsstopp ist die Klosteranlage in Gelati. Heute finden wir sie auf Anhieb. Dem Kloster ist eine Akademie angeschlossen und wurde um 1106 von König Dawid errichtet. Das Kloster besteht aus 3 Kirchen, einem Glockenturm und der Akademie. Viele der Fresken und Mosaikbilder im Inneren der Kirchen sind in einem guten Zustand. König Dawid starb 1125 und wurde auf eigenen Wunsch unter dem südlichen Torbogen bestattet.
Unser heutiges Ziel ist die Höhlenfestung Uplisziche in der Nähe von Gori. Schon bald ändert sich die Landschaft. Sie wird hügeliger mit viel Grün und fruchtbarem Ackerland. Die Straße folgt einem Flusslauf mit sagenhaften Ausblicken. Die kleinen Einfamilienhäuser schmiegen sich vereinzelt an die Berghänge, blauer Wein umrankt die Spaliere. Unterwegs steht uns der Sinn nach einem Schaschlik, ein kleines Gasthaus bewirtet uns herzlich und preiswert. Die Höhlenfestung Uplisziche erreichen wir gegen 16 Uhr. Die in den Fels gehauene Stadt ist im Westen durch Felsen, im Osten durch eine Schlucht geschützt. In vorchristlicher Zeit wurden hier Gottheiten angebetet. Ende des 8. Anfang des 9. Jh. hatte Uplisziche strategische Bedeutung und bei Kämpfen zogen sich die Bewohner der näheren Umgebung hierher zurück. Wir klettern eine gute Stunde über die Felsen und betrachten was nach dem starken Erdbeben von 1920 noch übrig geblieben ist. Den Parkplatz am Kassenhäuschen nutzen wir als Übernachtungsplatz.
Heute: Verlief der Tag wesentlich entspannter. Ob es dran lag, dass wir heute Morgen alle in der Kirche Kerzen angezündet haben?


   |   Tages KM: 190   |   GPS Nord: 41°57'58   |   GPS Ost: 44°12'39

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Mittwoch, 21.9. Gori Cave - Stepansminda

Ein touristischer Höhepunkt in Georgien ist die historische Heerstraße über den Großen Kaukasus. Sie verbindet heute Georgien mit dem zu Russland gehörenden Nordossetien. Wegen der politischen Spannungen ist die Grenze jedoch für Touristen gesperrt. Schon 100 Jahre vor Chr. wurde von einer Karawanenstr. berichtet, die die kürzeste und zugleich die gefährlichste und beschwerlichste Route über den Großen Kaukasus war. Ab 1857 begannen russische Ingenieure mit der beschwerlichen Trasse. Gleich nach dem riesigen Stausee von Shinwali fällt einem die Festung Ananuri ins Auge. Sehenswert ist die Mariä-Himmelfahrts-Kirche aus dem 17. Jh.
Hinter Ananuri begleitet der Aragwi die Heerstr., sie gewinnt mit jedem Kilometer an Höhe. Die Berghänge sehen wie mit Samt überzogen aus, und jenseits der Baumgrenzen sehen wir Almen. Bergeinschnitte und Schluchten ergeben ein abwechslungsreiches Bild. Die höheren Berge sind wolkenverhangen. Wir erreichen Passanuri. LKW und Geländefahrzeuge überholen uns im „halsbrecherischem„ Tempo. Nach Mleti beginnt der Aufstieg zum Kreuzpass (2375m). Etliche Kehren müssen überwunden werden. Das letzte Stück ist ohne festen Straßenbelag. Schlaglöcher, Schottersteine und eine Staubpiste wechseln sich über 13 Kilometer ab. Im Skizentrum Gudauri vor dem Pass gibt es Wintersporteinrichtungen von Dezember bis April. Am Pass reißt der Himmel auf. Die Sonne lässt den blauen Himmel erstrahlen und im Hintergrund sehen wir schneebedeckte Gipfel. Die Straße ist immer noch mit Vorsicht zu befahren, der Schotter von davonrasenden PKW mahnt zur Vorsicht. Wir sind froh wieder im Tal zu sein und sich eine geschlossene Teerdecke unter unseren Reifen befindet. Die Ortschaften werden jetzt zahlreicher, auch die Vegetation nimmt zu. Wir erreichen Kasbegi, das vor sowjetischen Zeiten bereits einmal Stepantsminda hieß und vor einigen Jahren zurück benannt wurde. Der Ort liegt 1700 m hoch. An den Schriftsteller Kasbegi erinnert ein Denkmal. Wir übernachten auf dem angrenzenden Parkplatz.
Mit kleinen Allradbussen fahren wir zur 2170 m hoch gelegenen Kirche Zminda Sambea. Auf abenteuerlichen, holprigen, schmalen Wegen geht es mit Gegenverkehr ständig bergan. In der Einsamkeit der Bergregion wurde im 14. Jh. die Kirche der „Dreifaltigkeit“ erbaut. Heute leben hier noch Mönche und praktizieren ihren Glauben in aller Abgeschiedenheit.
Heute: Über den Wolken und dem Himmel ganz nah!


   |   Tages KM: 199   |   GPS Nord: 42°39'30   |   GPS Ost: 44°38'26

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Donnerstag, 22.9. Stepansminda - Tbilisi

Die ersten Sonnenstrahlen kommen über den schneebedeckten Kasbegi-Gipfel und lassen ihn erleuchten. Mit seinen 5033 m zählt er als einer der höchsten Berge in Georgien. Hinter dem Ort Kasbegi folgt die Heerstr. in die Darjal-Schlucht. Würde man den Fluss Terek überqueren, dann wäre man in Russland, in Nordossetien. Wir dürfen und wollen nicht einreisen und fahren zurück. Bei traumhaftem Wetter, die Sonne scheint und die Berge erstrahlen in den unterschiedlichsten Farben – so macht das Reisen spaß. Ein Teil der Gruppe steigt zu einem Wehrturm hinauf, leider dürfen die Frauen nur im Rock die Besichtigung vornehmen – so heißt es für die Frauen: Umdrehen! Etliche Fotostopps zwingen uns anzuhalten, es ist einfach zu schön. An einem rauschenden Fluss, abseits der Hauptstr., machen wir eine längere Mittagsrast. Gerne würden wir in dieser wilden Einsamkeit alle übernachten, aber heute Abend sollen wir in Tbilisi eintreffen. Für morgen Vormittag ist eine Stadtrundfahrt geplant. Die Heerstr. mündet auf die Autobahn. In 2 Jahren soll sie Komplet von Tbilisi bis Batumi am Schwarzen Meer fertig gestellt sein. Georgiens Hauptstadt empfängt uns mit gewaltigem Verkehr. Das Navi versagt mal wieder ganz. Unser Stellplatz soll sich links der Str. in einem Park befinden, wir halten auf der vierspurigen Str. nach einer Wendemöglichkeit Ausschau. Bis alle 7 Mobile die Richtung gewechselt haben vergeht viel Zeit. Ein gutes Stück zurück, dann eine steile Str. hinab, aber um 17 Uhr für 7 Mobile Parkraum zu finden – unmöglich! Wir müssen wieder auf die Hauptstr. zurück. Nino hat noch einen „Trumpf“ in der Hand. Vor einem großen schmiedeeisernen Park Tor endet vorerst die Fahrt. Peter und Nino verständigen sich mit dem Wachpersonal und nach etlichen Handy-Gesprächen öffnen sie das Tor. Wir in den Mobilen müssen so manches Hupkonzert über uns ergehen lassen, denn wir blockieren die gesamte Straße. Nachdem alle im Park dicht beieinander stehen, und das Wachpersonal mit Dosenbier besänftigt ist, suchen wir ein nahes Lokal auf.
In Tbilisi sind einheimische Speisen überholt und wir landen in einem amerikanischen Lokal. Die Speisekarte in englischer Sprache ist auch für uns gut verständlich. Die Preise sind leicht angehoben und von Kellnern wimmelt es nur so. Sie sprechen alle ein paar Brocken englisch. Aber als die Bestellung serviert wird, gibt es ein heilloses Durcheinander. Liesels Pizza, als Nr. 3 von 15 Speisen bestellt, hat man total vergessen. Sie kommt erst, als wir alle schon satt sind. Nino ist das peinlich, das Küchenpersonal scheint bei Gruppen überfordert zu sein. Die Rechnung sollte paarweise erfolgen, Nino kann nur deutsch und welche der 8 Rechnungen gehört zu wem? Liesel regelt das vor den erstaunten Augen der Kellner.
Bescherung im September: Alle Geschenke und das Fahrrad, packen wir in ein Taxi und schicken Nino damit nach Hause. Glänzende Augen sind die Belohnung.


   |   Tages KM: 179   |   GPS Nord: 41°42'31   |   GPS Ost: 44°45'11

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Freitag, 23.9. Tbilisi

Um 9 Uhr kommt der bestellte Minibus, welcher uns die Stadtrundgänge erleichtern soll. Mir ist seit den frühen Morgenstunden schlecht – Übelkeit und Bauchschmerzen. Vielleicht war die Pizza am Abend schlecht? Nino hat uns eine Vertretung geschickt, denn sie hat heute Vormittag an der Uni zu tun. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind überwiegend Kirchen. Die Hauptkirche, die Sambea Kathedrale, liegt auf einem Hügel und hat mich am meisten begeistert – besonders die Bitt-Gesänge von 3 Männern. Wir steigen zur Burgruine hinauf und haben einen wunderbaren Blick über die Altstadt. Durch historische alte Gassen geht es zurück. Dabei fällt uns auf, dass einige alte Häuschen inzwischen nett renoviert wurden. Überall ist man am Mauern, Hämmern und Verschönern. Es gibt noch viel Arbeit! Mittags erwartet man uns bereits in einem Restaurant, der lange Tisch ist schön eingedeckt. Ich fahre mit dem Minibus zum Stellplatz zurück, die Übelkeit hat sich nicht gelegt. Während ich trotz sommerlicher Temperaturen eingekuschelt in meiner Lieblingsdecke schlafe, haben die anderen eine dreistündige Prozedur im Restaurant zu überstehen. Wieder einmal kann man den Kellnern die unterschiedlichen Bestellungen und Bezahlungen nicht begreiflich machen. Liesel und Tilo stehen nach geraumer Zeit auf und verlassen das Lokal. Gleich nebenan im Schnellimbiss haben sie leckere Teigtaschen sofort auf „die Hand“ für wenig Geld bekommen – die sie im Freien mit Genuss verzehren.
Nach dem Essen wird auf Wunsch die Hauptpost angesteuert – nur wenige Postkarten und Briefmarken sind gewünscht. Die Abfertigung zieht sich. Ist es so schwer, 4 mal 4 auszurechnen und dann noch Wechselgeld herauszugeben? Ulla dauert das Ganze zu lange und versschwindet in einer Geldwechselstube. Horst geht einstweilen mit Eddy Gassi und steigt in den zur Abfahrt bereitstehenden Bus. Der Bus fährt ohne Ulla ab. Keine 200 m weiter ist den anderen die Abwesenheit von Ulla aufgefallen. Doch hier halten kann der Bus unmöglich. Lange Umwege sind erforderlich. Glücklich kann Ulla am Straßenrand aufgesammelt werden. Wie sie später kleinlaut gesteht: „Ich habe mir noch nicht einmal die Adresse vom Stellplatz notiert“.
Für einen Altstadtbummel ist es nun zu spät und es wird das Freilichtmuseum besichtigt – interessant und baufällig zugleich.
Am nächsten Morgen soll ich entscheiden ob die Fahrt nach Telavi (Weinregion) fortgesetzt wird.


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Samstag, 24.9. Tbilisi

Ein Schutzengel erscheint
Um 7.30 Uhr sind wir mit Nino verabredet. Doch sie kommt nicht pünktlich – mein Glück. Meine Bauchschmerzen sind heute erträglicher und ich bereit zur Weiterfahrt. Nino sammelt die vereinbarten Beträge für die Reiseleitung ein und bringt das Geld ihrem Chef. Michel hat gestern mit einem deutschsprachigen Arzt im Park geplaudert. Heute ist er wieder da und untersucht mich. Bedenklich schüttelt er den Kopf und schlägt eine Blutuntersuchung in einem Krankenhaus vor. So fahren Nino, Peter und ich mit einem Taxi in die Notaufnahme eines Hospitals. Die Untersuchungen nehmen viel Zeit in Anspruch. Dann die Diagnose: Es ist der Blinddarm. Zwei bis drei Tage, so meint der Arzt, dann könnte ich die Reise fortsetzten. Man stellt mir auch sogleich den OP-Arzt Dr. Zurab vor. Seine und meine Englischkenntnisse reichen aus, um uns auszutauschen. Ausschlaggebend für mich: Seine ehrlichen braunen Augen und sein sympathisches Auftreten. Um 14 Uhr werde ich operiert. Nach der Aufwachphase werde ich im 6. Stock in ein Zweibett-Zimmer befördert. Wenig später besuchen mich Peter und Nino. Ich habe verdammtes Glück gehabt, denn der Blinddarm war bereits geplatzt. Eine größere OP war vonnöten. Was wäre wenn???? Ich mag gar nicht darüber nachdenken!
Peter fährt zum Mobil zurück. Die anderen haben den Tag unterschiedlich genutzt. Ich liege mit geöffneter Zimmertür und lausche den Geräuschen. Gläserklirren, laute Männerstimmen und Frauen kichern.
„AFTER WORK-PARTY“ im Hospital?


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Sonntag, 25.9. Tbilisi Krankenhaus

Morgens berichtet Peter über 2 Dutzend leerer Flaschen auf der Hotelmauer. Er ist mit dem Mobil gekommen, unsere Gruppe setzt die Reise wie geplant mit Nino in die Weinberge fort. Im Krankenhaus gibt es keinen Service. Dafür sind die Angehörigen da. Zum Bettenmachen, waschen, kleine Handreichungen und Essenkochen. Ja, ihr habt richtig gelesen: Zu essen und trinken gibt es nichts! In meiner Situation auch nicht weiter nötig, denn ich darf erst am Nachmittag ein paar Schlückchen Wasser trinken. Meine Matratze ist vollkommen mit Plastik bespannt und das dünne, viel zu kleine Bettlaken rutscht in wenigen Minuten an die unmöglichsten Stellen. Außerdem hat der Drainageschlauch eine Undichtigkeit. Drei- bis viermal am Tag benötige ich Bettwäsche und ein neues Nachthemd. Das Krankenhaus stellt es mir zur Verfügung. Die ersten wackeligen Schritte wage ich am Nachmittag an Peters Seite im Zimmer. Aber so richtig gut geht es mir nicht. Dr. Zurab hat sich nach der Visite ins Wochenende verabschiedet. Seine junge Kollegin, Dr. Tiko, soll ein wachsames Auge auf mich richten – sie spricht englisch. Die Schwestern haben einen 24 Stunden-Dienst und jede ist für etwas anderes zuständig. Ein „madloba“ – danke – meinerseits zaubert ein erstauntes Lächeln auf ihre Lippen.

Bericht von Lisel über den weiteren Verlauf der Reise durch Georgien
In bedrückter Stimmung verlassen wir Tbilisi. Unsere Gedanken sind bei Monika und Peter.
Nach 35 km Irrfahrt durch die Trabantenstädte, nach vielen Sackgassen und Kehrwendungen finden wir endlich nach zwei Stunden ein Hinweisschild nach Telawi. Danach geht es auf gut ausgebauter Straße durch eine wunderschöne grüne Bergwelt, die bereits die ersten Lichter mit herbstlichen Farben gesetzt hat, über den Gomboris-Pass nach Telawi, eine nichts sagende Stadt mit breiten Straßen. Von den Höhen haben wir einen fantastischen Blick auf das breite Alazanital, dahinter die ersten Ausläufer des Kaukasus. Höhepunkt dieser Etappe ist das Kloster Alaverdi, das sich imposant vor einer herrlichen Wolkenwand präsentiert. Der Besuch des Klosters in ein Erlebnis, Mönche singen die Liturgie und die Gläubigen hören andächtig zu. Wir zünden jeder eine Kerze für Monika an und beten für ihre baldige Gesundung.
Unseren Übernachtungsplatz auf einem Weingut im Dorf Napareuli erreichen wir am späten Nachmittag. Der Parkplatz besteht aus einer riesigen Kiesgruppe, in der Hartwig als erster versinkt. Kräftiges Schieben von allen bringt sein Mobil wieder auf festen Grund. Alle anderen verteilen sich auf dem spärlichen festen Boden.
Das Dorf ist sehr ärmlich, graue, verstaubte Steinwände, leere Fensterhöhlen, abblätternde, verblasste Fensterrahmen, rostige Eisentüren und –Zäune, dahinter aber wuchernde Vegetation: mannshohe Tomatensträucher, Bananenstauden, Tabak, Rosen und Sommerade. Die kleinen Dorfläden bieten auf selbst gezimmerten Regalen ihr dürftiges Angebot an. Dort liegen Gummihandschuhe neben wenigen Schokoriegeln, Seifenstücke neben Batterien und Zigaretten neben einer Dose Erbsen. Gerechnet wird mit einem riesigen Abakus mit Holzkugeln und die Kasse besteht aus einem eingerissenen Karton. Die staubigen Dorfstraßen sind links und rechts gesäumt von Abwässerkanälen, die Bewohner tratschen in kleinen Gruppen vor ihren Häusern, die Männer spielen ein Brettspiel auf niedrigen, wackeligen Tischen, Hühner und Esel laufen frei in den Höfen – ein Bild wie aus alten Zeiten. Die Menschen sind sehr zurück haltend, ein freundlicher Gruß und ein Lächeln locken sie aber schnell aus der Reserve. Veronika schafft es immer wieder, die Menschen aufzutauen und sie in ein Gespräch zu verwickeln.
Der Weingutbesitzer erscheint uns wie ein Weinbaron mit dem Motto: Der Rubel muss rollen!
Der Stellplatz ist zwar kostenlos, für Strom nimmt er 10 Lari, die Weinprobe mit drei Weinen kostet 12, eine Flasche Wein 15 Lari. Michael kann den Preis zwar auf 12 Lari pro Flasche drücken, aber dann ist nicht mehr genügend Weinflaschen vorrätig und am nächsten Tag kostet die Flasche dann wieder 15 Lari!
Geo-Daten N 42°02’21,9’’ O 45°30’10,8’’ Tages Km 152


   |   Tages KM: 13   |   GPS Nord: 41°46'45   |   GPS Ost: 44°46'27

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Montag, 26.9. Tbilisi Krankenhaus

Gamardjoba – guten Tag
Der Ärztedienst beginnt spät. Um 10.15 Uhr steht ein Team von mindestens 12 Personen um mein Bett, darunter der Herr Professor. Alle bestaunen meine OP-Wunde wie ein Weltwunder. Dann rauschen die Weißkittel davon. Der OP-Arzt Dr. Zurab hat ihnen alles erklärt. Auch Dr. Georgi (Arzt vom Stellplatz) ist besorgt. Mehrmals am Tag kommt er vorbei und schaut nach dem Rechten. Er ist Gefäßchirurg und spricht ein ganz passables deutsch. Ich fühle mich von Schwestern und Ärzten gut versorgt. Nur die Sicherheitsposten – eine Art Polizei – verunsichert mich. Sie klopfen forsch an die Tür und stehen mitten im Zimmer.
Feststellung: Morgen werde ich über die Hygienezustände berichten, denn die lassen zu wünschen übrig.

Bericht von Lisel
Alle Autos kommen heil aus der Kiesgruppe. Es geht weiter auf einer schönen Allee, rechts mäandert der Alazani in seinem dunklen Kiesbett, links liegen die Vorberge des Hohen Kaukasus. Schnell erreichen wir die Wehrkirche Gremi und die ehemalige Hauptstadt von Kachetiens. Die Festungsanlage thront weithin sichtbar auf einem kleinen Felsen und ist hervorragend restauriert. Unterhalb befinden sich die Überreste einer Karawanserei, öffentlicher Bäder, Kirchen und Paläste. Das kleine Museum ist liebevoll gestaltet, eine junge Frau erläutert uns die Ausstellungsgegenstände und eine große Wandzeichnung der Anlage aus dem 15. Jahrhundert.
Der nächste Halt ist in Kvareli an einer Wein- Kooperative. Hier sehen wir, wie aus einer Weintraube Wein wird. Die Anlage ist technisch auf dem neuesten Stand. Uns wird aber auch eine 400 Jahre alte Produktionsstätte gezeigt, die bis vor kurzem in Betrieb war, jetzt renoviert wird und in Kürze als Museum dient. Die Führung erfolgt auf Englisch, Michael übersetzt, so dass alle gut informiert werden. Wir erfahren, dass in der Sowjetzeit überwiegend georgischer Wein mit bis zu 15 % produziert wurde, heute wird überwiegend für den europäischen Markt mit weniger Prozenten produziert. Der Geschäftsführer lädt uns ein, auf dem Gelände der Kooperative übernachten. Ein Angestellter leitet unsere Karawane zu einem versteckt gelegenen Ort auf einer Wiese unter Obst- und Laubbäumen, ein verwunschenes Wärterhaus am Eingang, eine Quelle sprudelt am Ende des Gelände und ein Bachlauf trennt den Platz vom Wald und Berg. Ein Wächter, ein Hundepaar und fünf kleine Welpen begrüßen uns freundlich. Nachmittag gibt es eine gelungene Weinprobe, der Kellermeister ist ein junger Georgier, der perfekt deutsch spricht.
Geo-Daten N 41°56’21,4’’ O 45°49’50,5“ Tages Km 30



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Dienstag, 27.9. Tbilisi Krankenhaus

Peter inspiziert das Krankenhaus. Eine Geisterbahn ist gegen diesen Fahrstuhl eine Lachnummer. Die Sanitärräume gleichen einem Gruselkabinett. Die Treppenhäuser sind ab dem 3. Stock verschlossen, was macht man bei Feuer oder Erdbeben? Die Notklingel hat keine Funktion, nur Zierde. Um Hilfe muss man laut rufen. Durch die dünnen Wände wird der Hilferuf im Nachbarzimmer verstanden und diese benachrichtigen dann die Schwester. Meine letzte Infusion bekam ich bislang um Mitternacht. An Schlaf danach war nicht zu denken, denn erst heute hat man eine Medikamentenunverträglichkeit festgestellt. Nach der Umstellung geht es mir besser.

Bericht von Lisel
Auf Nebenstrecken, die perfekt ausgebaut und gut beschildert sind, geht es weiter nach Signagi. Es herrscht Hamburger Schmuddelwetter, die Straßen sind schmierig, die Sicht auf die nahen Berge des Kaukasus ist durch tief liegende Wolken verhüllt. Die Fahrt ist trotzdem recht kurzweilig, wir verfahren uns nur einmal am Anfang, haben nette tierische Straßengefährten, von der Schweineherde mit niedlichen kleinen Ferkeln, Hühner und Gänsen, trägen Hunden, die ungerührt vom Straßenverkehr mitten auf der Fahrbahn dösen, Kuhherden, verwegenen Reiterburschen bis hin zu allerlei kuriosen Pferde- und Eselgespannen ist alles vertreten. Am Straßenrand spielt sich das dörfliche Leben ab, Menschen tratschen auf Bänken vor der Häusern, Männer spielen eine Runde Karten, winzig kleine „Supermärkte“ oder Verkaufstände mit Obst und Gemüse, ein kleiner Wochenmarkt, eine Allee der Schlachter, die ganze Schweine- oder Hammelhälften unter freiem Himmel anbieten - eine der bisher interessantesten Strecken in Georgien. Die Straße führt durch die breite Ebene des Alzani-Tals und wird erst wieder holprig, als wir die Fernstraße von der aserbeidschanischen Grenze nach Tbilisi erreichen. Das hohe LKW-Aufkommen hat wahrscheinlich die Straße in eine Schlaglochpiste verwandelt.
Die schmale Straße nach Signagi windet sich in vielen Serpentinen den Berg bis auf 730 m Höhe empor. Nach einer engen Serpentine taucht unvermittelt das enge, niedrige historische Stadttor auf! Augen zu und durch denkt Hartwig und alle anderen folgen ihm nach der Schrecksekunde mutig. Die Straße wird immer enger und steiler, ist zu dem mit Kopfstein gepflastert. Im ersten Gang schieben wir uns den Berg hoch, ein Halt wäre wurde die Vorderrad angetriebenen Fahrzeuge verhängnisvoll. Aber alle landen unbeschadet auf einem kleinen Platz an der Höhe und parken diesen völlig zu! Nino telefoniert mit einem Bekannten, der uns zu einem großen Parkplatz hinter dem Markt Populi führt. Für große Mobile ist die Anfahrt von Tbilisi besser.
Die kleine Stadt ist beinah komplett von einer intakten Wehrmauer umgeben und liegt malerisch an den Hängen eines Berges. Bei einem Rundgang durch den Ort und auf der Wehrmauer erleben wir toskanische Momente, die Berge, der Baustil, die hellen Ziegel, die Spitzdächer und Balkone und die Vegetation erinnern an Italien.
Auf dem Gratzer Platz finden wir einen urtümlichen offenen Touristenzug, der uns für 15 Lari den Hügel hinauf zum Kloster Bodbe mit dem Grab der heiligen Nino bringt – eine windige zugige Fahrt, die wir fröhlich singend überstehen. Bei der Rückfahrt gibt es eine Schreckminute, laute Geräusche lassen geplatzte Reifen oder versagende Bremen befürchten, Anke will schon aus dem doch offenen Anhänger springen, doch der Oldtimer bringt uns unbeschadet wieder zurück in die Stadt.
Geo-Daten 41°37’02,1’’ O 45°55’15,5’’ Tages Km 77


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Mittwoch, 28.9. Tbilisi Krankenhaus

Heute sollen wichtige Untersuchungen stattfinden: Ultraschall und dann die Drainage ziehen. Am späten Vormittag geht es endlich los. Die Ärzte untersuchen per Ultraschall und klemmen die Drainage ab. Jetzt nässt die Wunde noch mehr, und mein Bettlaken ist schon wieder erneuerungsbedürftig. Am Nachmittag wollen heute Anke und Nino mich per Taxi besuchen. Die Gruppe steht in Mzcheta, 20 km vor Tbilissi. Ulla und Horst werden in ihrem Mobil auf dem Krankenhausparkplatz auf meine Entlassung warten, damit Peter als mein Pfleger etwas Entlastung hat. Der Rest der Gruppe reist am Donnerstag mit Nino weiter zu den Höhlenklöstern in Vardsia.
Es gibt ein freudiges Wiedersehen mit Anke, Nino und Ulla. So ein Stimmengewirr bin ich seit langem nicht gewohnt. Vier Frauen schnattern was das Zeug hält. Bald lässt man mich allein. Mal spaziere ich mit Ulla, mal mit Peter über die trostlosen Krankenhausgänge. Heute sitzt wieder eine schwarzgekleidete Großfamilie beisammen. Gemurmel, tränenerstickte Stimmen und ein Geruch, den ich bislang nicht enträtseln konnte. Auf den Fluren fehlen entlang der Wände Haltestangen gänzlich. Daher sind Ulla und Peter bei den Spaziergängen für mich eine große Hilfe – auch für die kleinen und großen Handreichungen. Erstmals habe ich etwas feste Nahrung zu mir genommen.
Geht es von nun an bergauf?

Bericht von Lisel
Auf der „Autobahn“ wollen wir den mörderischen Stadtverkehr in Tbilisi umfahren. Der Himmel ist trüb, die Stimmung ist noch trüber. Deshalb beschließen wir, den ca. 100 km weiten Abstecher zu den Felsenklöstern zu streichen und auf der „Autobahn“ den mörderischen Verkehr und die fehlenden Hinweisschilder in Tbilisi zu umfahren. Die Umgehung entpuppt sich jedoch als böse Piste. Viele LKW, noch mehr abgrundtiefe Schlaglöcher, Schotter, Staub und Geröll, eine zerborstene Brücke zerren an unseren Nerven und lassen uns kaum einen Blick auf die wunderschöne Landschaft werfen. Doch auch die schlimmste Piste endet einmal und der schöne Stellplatz in Mskheta direkt am Fluss und am Eingang in die schön restaurierte Altstadt lassen diese Höllenfahrt schnell vergessen. Eine Delegation fährt in Krankenhau, Monika zu besuchen und kommt mit guten Nachrichten zurück. Monika geht es besser und sie wird am Freitag entlassen. Gott sei Dank!
So steht der Besichtigung der beeindruckenden Kathedrale nichts mehr im Wege. Abends futtern wir uns im gemütlichen „Old Mskheta“ noch einmal durch die georgische Speisekarte, Schaschlik, Katchapuri , gefüllte Teigtaschen, gebratene Kartoffeln georgischer Art, mit und Auberginen mit Walnusspaste – alles sehr schmackhaft.
Geodaten: 41°50’33,4’’ O 44°43’24,9’’ Tages Km 173



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Donnerstag, 29.9. Tbilisi Krankenhaus

Ulla und Peter haben das volle Pflegeprogramm übernommen. Peter lässt das Mobil waschen und erledigt mittags mit Ulla ein paar Einkäufe auf dem Markt. Es erwarten sie überzogene Preise und auf den Straßen hochsommerliche Temperaturen. Horst hat heute auch Bauchweh – eine Sympathiebekundung?
Dr. Zurab und ich unterhalten uns übers seinen Vortrag am kommenden Wochenende ich Halifax/Canada. Es geht dabei um chirurgische Eingriffe bei den Kriegsverletzten 2008 Russland/Georgien. Noch heute werden viele Verletzte in diesem Hospital behandelt.
Frage an alle Mütter, Ehefrauen und trauernden Angehörigen: „Warum muss es in einer so intelligenten Welt noch Kriege geben?“

Bericht von Lisel

Auf gut ausgebauter Strecke und ohne ein einziges Mal Verfahren geht es weiter. Wir fahren zunächst auf der neuen Autobahn, da nach durch eine wunderschöne Alpenlandschaft bis Borjomi. Leider ist die Durchfahrt zum Park und Stellplatz wegen Straßenarbeiten gesperrt. So geht es nach einer kleinen Besichtungstour weiter nach Varzia. Die Landschaft ändert sich laufend. Eine hügelige Steppenlandschaft mit tiefen Tälern geht über in enge felsige Schluchten, grau, braun oder ocker sind die vorherrschenden Farbtöne, in breiten Flusstäler flammt das erste Herbstlaub zwischen dem noch leuchtendem Grün – die Fahrt ist eine Augenweide! Der Parkplatz unter dem Kloster wird unser Übernachtungsplatz.
Der Aufstieg in die Felsenstadt sieht schlimmer aus als er tatsächlich ist und ist auch für Ungeübte machbar. Wir steigen steile Treppen hinauf und hinab, stolpern in dunkle Höhlen und haben überwältigen Ausblick ins Flusstal und die Berge! Abends gibt es leckere Forelle im urigen Esslokal am Fluss, drei Tische, Riesenauswahl an weiteren Gerichten, in der winzigen Küche wird alles ruckzuck zu bereitet, die Gerichte kommen zwar in dem üblichen Chaos auf den Tisch, sind aber äußerst lecker. Nino hat inzwischen ihre Lektion gelernt, managt die Bestellung der unterschiedlichen Gerichte paarweise, sorgt dafür, dass jeder seinen richtigen Teller erhält und ist erleichtert, als eine gemeinsame Rechnung beschlossen wird, die durch alle geteilt wird. Das erste Mal erleben wir eine redegewandte Nino, die auf unsere Scherze schlagfertig kontert.


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Freitag, 30.9. Tbilisi Krankenhaus - Mzcheta

Heute Vormittag soll ich ab 11 Uhr entlassen werden. Es sind noch einige Arbeiten erforderlich. Zuerst muss der Rechnungsbetrag bei der Bank unten im Gebäude in bar eingezahlt werden, dann wird die Abschlussrechnung für unsere Krankenkasse erstellt. Peter berichtet von einem wilden Andrang. Von allen Seiten versuchen sich Personen in die Warteschlange zu schieben. Als er dann endlich an der Reihe ist, muss sein Pass fotokopiert und einige Ausführungen notiert werden. Dr. Georgi schaut rein und wir fragen ihn über den Krieg 2008 aus. Nur wenige Tage, aber so viele Verletzte. Die Ärzte in diesem Hospital haben Tag und Nach operiert. Das gemeine waren die „Casetten“-Bomben. Die eine Woche ohne Explosion in der Gegend herum lagen. Ahnungslose Zivilisten wurden schwer verletzt. Das alles bedrückt uns sehr.
Nachdem ich mit einem neuen Verband und etlichen Erinnerungsfotos dem „Geisterfahrstuhl“ mit Ulla und Peter zustrebe, fällt mir ein großer Stein vom Herzen: Ich darf endlich das Krankenhaus verlassen. In den 7 Tagen habe ich das ganze Team lieb gewonnen. Dem Schwesternzimmer überreichen wir einige Geschenke. Für Schwester Tissi ein besonderes Modeschmuckstück – sie bedankt sich überschwänglich. Ich bedaure, dass ich für Schwester Nanas kleinen Sohn erst im Mobil das passende Geschenk finde. Und auch der alten Putzfrau hätte ich gern ein paar Lari zugesteckt. Jeden Abend hat sie von 7 bis 10 die Zimmer gereinigt. Doch dafür ist es jetzt zu spät.
Ulla hat Schonkost zubereitet, die wir mit großem Appetit vertilgen.
Erkenntnisse im Hospital: Die Ärzte sind gut ausgebildet. Sie sind nett, aufmerksam und nehmen sich viel Zeit für aufklärende Gespräche. Viele haben bereits in Amerika und Deutschland in einem Krankenhaus praktiziert. Nur der Hospital-Manager sollte sich weiterschulen und seine Einrichtungen prüfen.
Keine 20 km von hier entfernt liegt Mzcheta. Die alte Stadt wurde schön restauriert – eine Augenweide. Die Basilika Sweti Zchoweli ist ein Schmuckstück altgeorgischer Baukunst und bis heute ein wichtiger Wallfahrtsort der Georgier. Natürlich gibt es auch eine Legende zu dieser Kirche. Betritt man die dunkle Basilika, dann geben die vielen kleinen Altäre auf denen unzählige Kerzen brennen, die Lichterpunkte. Die Augen gewöhnen sich rasch an die Dunkelheit und wunderschöne Ikonen befinden sich an den Innen- und Außenmauern der Basilika. Als wir diese verlassen, fängt es an zu regnen. Peter hat mit einem Schirm vorgesorgt und schon bald ist das Mobil erreicht. Das war mein erster größerer Spaziergang.
Überraschung: Im Dunkeln klopft es heftig an unsere Mobil Tür. Wer mag das sein? Nino! Auf ihrer Fahrt mit dem Bus Richtung Tbilisi hat sie unsere Mobile stehen sehen und sich sogleich auf den Weg gemacht uns zu besuchen. Das freut uns vier riesig. Nino bietet sich an uns an ihrem freien Wochenende für 2 Tage zu begleiten. Wir wollen es uns überlegen, denn zwar hat Nino das Zelt, aber der Schlafsack und die Matratzen fahren bereits in der Türkei umher.
An was glaube ich? Das immer, wenn ich eine Entscheidung benötige ein rettender Engel auftaucht.

Bericht von Lisel
Nach einer Fototour auf der Rückfahrt sind wir schnell an der Grenze. Tränenreich verabschieden wir Nino, sie ist uns währen der 11 Tage ans Herz gewachsen. Ein letztes Winken, dann ist Nino hinter der nächsten Kurve verschwunden. Vielen Dank Nino: Du warst eine große Hilfe und eine fröhliche Reisebegleiterin!
Die georgischen Formalitäten sind schnell erledigt, die türkische Abwicklung ist chaotisch. Keiner spricht deutsch oder englisch, wir werden von Schalter zu Schalter geschickt, und als Michel als letzter beinah durch alle Hürden gekommen ist, macht der letzte zuständige Schalterbeamte erstmal Mittagspause! Kurze Zeit später hat ein junger Beamter Erbarmen und setzt schnell den letzten Stempel. Nach einer halben Stunde sind wir wieder auf türkischem Territorium.
Wir fahren durch eine fantastische Landschaft, die Berge schillern in allen Farbtönen, steigen bis auf 2.550 Meter. Hinter dem Pass kommt eine baumlose Hochebene. In einem kurdischen Dorf machen wir Kaffeepause, die freundlichen Bewohnen kommen neugierig auf uns zu, eine derartige Karawane haben sie wohl noch nicht gesehen. Die Kinder sind scheu und zurückhaltend, die Frauen drängen sich um eine Besichtung der Mobile. Die Gehöfte sind ärmlich aber sauber, getrocknete Kuhfladen als Brennvorrat für den nahen harten Winter lagern in großen Mengen auf den umzäunten Höfen, Truthähne und Hühner wuseln um uns herum, ein Bild wie vor mehreren Jahrhunderten. Zum Abschied werden wir mit einem Teller selbst gemachten Käse beschenkt. Wir sind ein wenig beschämt über so viel Gastfreundschaft in dieser ärmlichen Gegend.
Am Cildir-See zieht sich die Wolkendecke zu, es wird windig und kalt. Wir finden den von Peter angegebenen Stellplatz nicht, enden in einem Dorf mit unfreundlichen Bewohnern, die wohl verärgert sind, dass wir mit unseren fünf großen Mobilen die Einfahrt zum Dorf und den Gehöften zugestellt haben. Veronika und Hartwig machen zu Fuß auf die Suche an einem geeigneten Stellplatz und tauchen auch nach einer halben Stunde nicht wieder auf. Michel befürchtet eine Entführung, Christine will schon die Polizei rufen, da tauchen beide endlich wieder auf. Sie haben ein Schwätzchen mit dem jungen Dorflehrer gehalten, der uns eine Übernachtung auf dem Schulhof angeboten hat. Als endlich alle Mobile vor dem Schultor stehen, zeigt sich, dass die Einfahrt zu eng und außerdem verschlammt ist. Inzwischen dämmert es, die Gruppe ist sich uneinig, wie es weitergehen soll. Schließlich fahren wir weiter in Richtung Kars und finden zum Glück kurz bevor es völlig dunkel wird einen mit Felsbrocken übersäten Übernachtungsplatz am Straßenrand. Danach verschwinden alle schnell in ihren Wohnmobilen.


   |   Tages KM: 25   |   GPS Nord: 41°50'34   |   GPS Ost: 44°43'21

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Samstag, 1.10. Mzcheta - Vardzia

Über Nacht ist es Herbst geworden, lausige 10 Grad haben wir morgens. Peter und ich marschieren durch den verwaisten Ort, die Touristen kommen später. In der Basilika ergeben sich herrliche Fotomotive und an der Nordaußenwand entdecken wir den in Stein gemeißelten Arm des Erbauers. SMS von Nino, sie ist bereits mit dem Bus eingetroffen, die Fahrt kann fortgesetzt werden.
Mal sehen wie ich die Schaukelei Richtung Grenze vertrage. Das Wetter ist super, ein großes Stück können wir die Autobahn nehmen. In Chashuri biegen wir Richtung Bordshomi ab. Der Fluss Mtkwari begleitet uns. Wir sehen Angler am Fluss, Picknickplätze, mehr oder weniger spannende Hängebrücken - einziger Zuweg zu kleinen Dörfern auf der anderen Flussseite. Ulla möchte im nächsten Leben diesen spannenden Fluss mit dem Kajak hinunterfahren. Von Achalziche ist es nicht mehr weit bis zu den Felsenklöstern und –Wohnungen in Vardsia. Die Straße ist auch für Mobile gut zu befahren. Die vielen Kühe haben sie für sich reserviert und so ist sie doch „beschissen“. Fern im Norden sehen wir die Gebirgsketten vom Kleinen Kaukasus. Wir parken am Fluss, ein kleines Restaurant befindet sich gleich nebenan. Horst und Peter machen sich alsbald auf den Weg die gewaltige Anlage der Höhlenklöster zu besichtigen. Ich ruhe mich aus, Nino und Ulla leisten mir Gesellschaft. Der Anblick Vardsias ist ein unvergessliches Erlebnis: Gut 500m ragt eine Felswand vom Ufer der Mtkwari, die sich hier ein tiefes Bett gegraben hat in die Höhe. Selbst mit bloßem Auge sind im zerklüfteten Hang Öffnungen erkennbar, die sich über mehrere, durch Treppen, Galerien und Terrassen miteinander verbundene Etagen erstrecken. Das ganze Ausmaß der Anlage lässt sich erst überschauen, wenn man ihr näher gekommen ist.
Im Restaurant haben wir Forelle bestellt, für mich ohne alles. Es wird ein lustiger Abend, als sich die Tür öffnet und die zwei Wiener Touristen aus Sümela den Raum betreten.
Im Mobil kredenzen wir rote Grütze mit Vanillesoße und Eierlikör mit Sahne und Sauerkirschen. Nino verdreht genüsslich die Augen – das ist Gaumenfreude pur!

Bericht von Lisel
Die Nacht war eiskalt. Am Morgen sind die nahen Berghöhen mit Schnee überzuckert, die Wolken hängen tief und die Kuhpipi auf der Straße ist zu Glatteis geworden! Wir beobachten, wie kleine Kuhherden aus den Gehöften gemächlich auf die Straße getrieben werden und dort von einem Hirten zu großen Herden zusammengestellt und auf die Wiesen getrieben werden. Unmittelbar nach unserem Start wird die Straße zur holprigen Piste, Schlaglöcher und abbröselnde Straßenränder machen uns das Leben schwer. Gut, dass wir gestern nicht weitergefahren sind.
Kurz vor Ani trennt sich unsere Gruppe erneut. Michel und Veronika, Harald und Anke, Tilo und Liesel fahren weiter nach Ani, die anderen wollen auf direktem Weg auf der von Peter geplanten Route weiterfahren. Sie befürchten eine weitere schlechte Wegstrecke und wollen schnell in wärmere Gefilde. Die Straße nach Ani ist jedoch überraschend gut, neu und vierspurig ausgebaut. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir die Ruinenstadt Ani. Der kleine Parkplatz vor dem Stadttor wäre als Übernachtungsplatz geeignet, die aufdringlichen Dorfkinder machen einen längeren Aufenthalt jedoch schwierig. Wir parken direkt vor der mächtigen Festungsmauer, der knallblaue Himmel mit Schönwetterwolken und die grandiose Landschaft beeindrucken uns sehr. Am frühen Vormittag sind kaum Touristen hier, so wandern wir durch die einsame Ruinenstadt, genießen die Stille und die überwältigende Landschaft mit den schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund! Dieser Umweg hat sich gelohnt. Auf der Rückfahrt nach Kars passieren wir ärmliche Dörfer, die Gehöfte sind mit niedrigen Felsmauern eingezäunt, auf denen Kuhfladen getrocknet werden. Diese dienen im Winter in den baumlosen Hochebenen als preiswertes Heizmaterial. Die Tierhaltung im Haus bietet eine weitere Wärmequelle. Die unwirkliche Landschaft, die langen Winter und die harten Lebensbedingungen haben ihre Spuren bei den Menschen hinterlassen.
Kars ist ein trostloses Provinzstädtchen, wir verlassen es schnell in Richtung Igdir. Kurz vor Digor finden wir einen Stellplatz an einer Tankstelle mit traumhaftem Blick auf Berge und Täler.


   |   Tages KM: 263   |   GPS Nord: 41°22'39   |   GPS Ost: 43°16'57'

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Sonntag, 2.10. Vardzia - Kars

Nino hat bei uns im Mobil geschlafen, morgens hatten wir nur um die 4 Grad. Vom Mobil schauen wir auf die Felsenklöster – dahinter geht die Sonne auf, der Himmel leuchtet himmelblau. Auf bekannter Strecke geht es zurück mit starkem Gefälle. Kuhherden kommen uns entgegen, welkes Herbstlaub weht über die Straßen, und die wenigen Felder sind abgeerntet. Ältere Frauen hocken am Straßenrand und verkaufen aus ihren Gärten: Äpfel, Zwetschen, Kartoffeln und Kürbis. In Achalziche heißt es Abschied nehmen von Nino, sie wird mit dem Kleinbus nach Tbilisi zurück fahren. Unsere letzten Lari geben wir für Einkäufe im Supermarkt und beim Tanken aus. Noch ein paar herzliche Umarmungen und Erinnerungsfotos.
Nino, du warst uns eine große Hilfe in Georgien. Wir haben einen kleinen Einblick erhalten: Die schöne Landschaft, Kirchen, Klöster, Kultur, heimisches Essen und einige nette Bekanntschaften gemacht. Wir vermissen Dich!!!
15 km sind es bis zur türk. Grenze. 30 Minuten dauert es mit einigem Hin und Her, dann sind wir drüben. Fällt uns ein Stein vom Herzen? Der Kleine Kaukasus hält uns mit seinen grandiosen Landschaften gefangen, an jeder Kehre neue Eindrücke. Ein Pass von 2550m, danach geht es wieder abwärts. Auf dieser Höhe wachsen keine Bäume. Als Brennmaterial verwendet man hier Kuhdung. Dieser liegt mannshoch aufgeschichtet um die Gehöfte. Die Dörfer sind klein, ab und zu sehen wir eine Moschee. Wir umfahren den Cildir Gölu, einen Stausee in fast 2000m Höhe. Vor Kas übernachten wir hinter einer Tankstelle.
Unser Wunsch: Nino soll uns in Hamburg besuchen


Bericht von Lisel
Früh am Morgen bringen wir Harald ein Geburtstagsständchen, dann geht es weiter. Die Straße führt durch eine fantastische Landschaft, Sonne und Schatten zaubern immer neue Reflexe und Farbtöne. Von weitem sehen wir den Ararat vor einem wolkenlosen Himmel. Je näher wir kommen, desto gewaltiger erscheint uns der Berg. Das Landschaftsbild wechselt laufend, mal fahren wir durch ockerfarbige bucklige Steppenberge, dann wieder weites Land mit grünen Wiesen, rötliche runde Bergkuppen, tief eingegrabene Canyons, kleine stahlblaue Wasserläufe, die winzigen Dörfer, Schafherden an den Hängen – ein Bild wie in biblischen Zeiten! Wir können gut verstehen, warum die Sintflut in dieser Gegend stattgefunden haben soll.
Mit dem Ararat vor Augen erreichen wir schnell Dogubayazit. Hier treffen wir zufällig auf den Rest unserer Gruppe, die immer noch frieren und auf dem schnellsten Weg in Richtung Süden wollen. Wir lassen uns von der Kälte jedoch nicht abschrecken und fahren hoch auf 2.200 m auf den Campingplatz oberhalb des Ishak-Pascha-Palastes. Dort übernachten wir mit einem herrlichen Blick auf den Palast und die umliegenden Berge. Der Palast in ein steingewordener Traum aus 1.001 Nacht. Majestätisch thront er auf einer Felsspitze in einer wilden Berglandschaft! Wir genießen bei Kaffee und Kuchen diesen traumhaften Ausblick, wandern danach durch den Palast, der von innen lange nicht so eindruckend ist wie von außen. Abendessen im kleinen Restaurant am Camping, die untergehende Sonne taucht noch einmal den Palast und die Berge in ein zauberhaftes Licht, danach wir es jedoch eisig kalt und alle verkriechen sich in ihre Mobile.



   |   Tages KM: 286   |   GPS Nord: 40°36'51   |   GPS Ost: 43°09'07

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Montag, 3.10. Kars - Dogubayazit

Die Nacht war sehr kalt im Mobil und es lief zum ersten Mal die Heizung. Der Winter naht mit großen Schritten. Vom Mobil schauen wir auf eine landwirtschaftliche Waage. Schon um 7 Uhr rumpelt ein Trecker mit Anhänger auf diese. Wenig später soll ein Bulle gewogen werden. Durch die Zeitrückstellung haben wir eine Stunde gewonnen. Auch wir lassen unser Mobil wiegen – 6.440 kg. Das ist weniger als wir geschätzt haben. Wir durchfahren Kars Richtung Igdir. Eine riesige Hochebene, abgeerntete Getreidefelder über die jetzt die Kuhherden getrieben werden. Ab und zu eine kleine Ortschaft. Riesige Heuhaufen als Wintervorrat. Hier muss vorgesorgt werden, denn ein Winter kann Monate andauern. Die Häuser sehen nicht vertrauenserweckend aus – nur wenig isoliert. Und bei uns in Deutschland werden täglich neue Wärmedämmungsgesetze erlassen. 1800 m sind wir hoch und die Berge zeigen sich in allen Schattierungen. Die Grenze nach Armenien ist ganz nah. Igdir liegt auf 800m. Wir trinken einen türkischen Cay in einer Teestube und erledigen ein paar Einkäufe. Bei der Weiterfahrt geht unser Blick auf den sagenumwobenen Ararat, dem Agri Dagi. Oberhalb vom „Ishak Pasa Sarayi“ sehen wir 3 Mobile – Anke, Harald, Michel, Veronika, Liesel und Tilo. Doch diese machen einen Stadtbummel in Dogubayazit. Wir parken unser Mobil ans rückwärtige Restaurantgebäude und harren der Dinge. Der Palast kann heute am Montag (Ruhetag) nicht besichtigt werden.
Anke hat heute Geburtstag und es gibt selbstgebackenen Pflaumenkuchen im Restaurant. Erlebnisse werden ausgetauscht und wir freuen uns auf die Fahrt in den Süden. Heute war es entschieden zu kalt! Während wir es drinnen gemütlich haben, fegt ein starker Wind mit Regenschauern um das Gebäude.
Erkenntnis des Tages: Jedes Ehepaar erzählt seine Version der Anreise zum Dogubayazit. Hartwig, Christine, Brigitte und Michael sind bereits am Van See.

Bericht von Lisel
Heute hat Anke Geburtstag. Auch ihr wird ein Geburtstagsständchen gebracht, danach geht es 5,5 km u Fuß ins Dorf, Geld tauschen, Einkäufe machen. Die sehr aufdringlichen Kinder vom Vortag sind in der Schule und wir werden kaum belästigt.
Auf dem Camping sind inzwischen Monika, Peter, Ulla und Horst eingetroffen. Wir sind alle sehr froh, Monika und Peter wieder bei uns zu wissen, sie haben uns arg gefehlt. Monika geht es den Umständen entsprechend gut, sie muss sich und ihren Magen jedoch noch sehr schonen.
Anke an einen Geburtstagskuchen mit Zwetschgen gebacken. Da sich der Himmel inzwischen zugezogen hat, ein starker Wind aufgekommen ist, setzen wir uns gemeinsam alle samt Kuchen ins Restaurant. Der Wind rüttelt an Fenster und Türen, Regenböen peitschen an die Fensterscheiben, die wenigen Bäume neigen sich bis fast an den Boden – ein dramatisches Bild bietet sich unseren Augen und Ohren.
Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und alle verziehen sich in ihre Mobile.



   |   Tages KM: 199   |   GPS Nord: 39°31'08   |   GPS Ost: 44°07'50

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Dienstag, 4.10. Dogubayazit - Ahlat

Der Palast Isak Pasa Saray wird umfangreich renoviert. Ein Glasdach, nicht schön aber praktisch, überspannt die Räume. Von einem osmanischen Gouverneur wurde er im 18. Jh. erbaut und lang an einer wichtigen Karawanenroute. Innen sind viele der ehemals über 350 Räume zugänglich. In Sandstein gehauene Ornamente geben einen Einblick, wie schön dieser Palast einstmals ausgesehen haben muss. Ohne weitere Touristen können Ulla, Horst, Peter und ich alles in Ruhe betrachten. Im Ort angekommen machen wir einen Versorgungsstopp, unsere Fahrzeuge benötigen Gas und Diesel. Weil das bei 5 Mobilen dauert, baut der Tankstellenchef kurzerhand die Teestube auf der Fahrbahn auf. Abwarten und Tee trinken – eine Weisheit aus der Türkei? Der 5165 m hohe Ararat zeigt sich nach den Stürmen der letzten Nacht von seiner besten Seite. Ohne ein Wölkchen sehen wir seinen Gipfel. Die Berge auf unserer Weiterfahrt sind mit Lavagestein bedeckt – Überbleibsel eines erloschenen Vulkans. Wir nehmen die nördliche Route um den Van-See. In 1700 m Höhe ist der Van See siebenmal so groß wie der Genfer See und bis zu 400 m tief. Bei strahlendem Sonnenschein zeigt er sich in allen Blauschattierungen, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel einiger 4000 m hoher Berge. Nach einer schönen Picknickstelle haben wir nur noch 90 km überwiegend auf schlechter Wegstrecke vor uns. Bei Tilo platzt hinten rechts der Reifen. „Männer an die Arbeit“, heißt das Kommando. In Ahlat am Hafen treffen wir Brigitte, Michael. Hartwig und Christine mit Billy.
Freudige Begrüßung und schönes ruhiges Plätzchen.


   |   Tages KM: 239   |   GPS Nord: 38°45'16   |   GPS Ost: 42°30'26

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Mittwoch, 5.10. Ahlat - Hassankeyf

In Ahlat gibt es ein kleines Hospital, dorthin fahren Peter und ich um die OP-Fäden entfernen zu lassen. An langen Reihen von sitzenden Wartenden geht es sofort in die Untersuchungskabine. Wegen der OP-Komplikationen soll ich in 3 Tagen wieder in einem Krankenhaus vorstellig werden. In Ahlat besichtigen wir ein Gräberfeld aus dem 12. Jh.
Die Landschaft bis Bitlis wird abwechslungsreicher und sehr grün. Wir kommen bis auf 1200 m, Straßenbau in der Türkei 1 a –ganze Berge werden abgetragen. Die alte Römer Brücke (Malabadi Köprösü) am Silan Stausee ist eingerüstet. Sorgfältig wird darüber gewacht, dass kein Tourist sie betritt. Wir sind jetzt auf 600 m Höhe. Es gedeihen Mais, Tomaten, Bohnen, Melonen und Tabak. Nach Batman erreichen wir am Nachmittag Hassankeyf. Seit 1976 läuft in dieser Region das größte Entwicklungsprojekt. Mit 22 Stauseedämmen und 19 Wasserkraftwerken soll das Wasser von Euphrat (Firat) und Tigris (Dicle) genutzt werden. Viele Menschen werden ihre Heimat verlieren und Kultstätten wie Hassankeyf drohen in den Stauseen unterzugehen.
Sehenswert: Reste der über 1000 Jahre alten Brücke, der Burghügel mit den Felshöhlen, Ruinen vom kleinen und großen Palast.
Vom Parkplatz ist es nicht weit zu einem kleinen Restaurantparkplatz am Tigris. Wir essen Fisch aus dem Tigris und Sis-Kebab. Außer uns steht hier noch ein ital. Reisemobil. Der Mann spricht gut Deutsch, seine Mutter kam aus Hannover.
Glückstreffer: Michel und Veronika können ihre Italienisch Kenntnisse anwenden.



   |   Tages KM: 248   |   GPS Nord: 37°42'55   |   GPS Ost: 41°25'03

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Donnerstag, 6.10. Hassankeyf - Mardin

Wir fahren zum Koster Mor Gabriel. Hier leben noch außer einem Bischof, einige Mönche, Nonnen und Schüler. Wichtigstes Lehrmittel ist die Bibel in aramäischer Sprache. Ein Student führt uns durch die von Spenden renovierte Klosteranlage und gibt zu den Räumen und Kirchen Erklärungen in englischer Sprache. Michael übersetzt und so haben wir einen guten Gesamteindruck erhalten.
Eine kleine Mittagsrast bietet sich an. Während wir im Schatten ein wenig ruhen, tritt eine kleine Gruppe auf uns zu. Junge Frauen und Männer mit einem älteren Herrn aus Hamburg-Harburg. Was ist die Welt doch klein!
Übernachten wollen wir beim Kloster Deyrülzafran. Der Weg dorthin führt durch die mesopotamische Tiefebene. Hier wo Euphrat und Tigris die Landschaft durchfließen sieht alles unwirtlich und ockergelb aus. Die Welt scheint stehen geblieben wie vor 2000 Jahren.
Der große Parkplatz beim Deyrülzafran-Kloster dient uns zur Übernachtung.
Nach Besichtigung des Klosters fährt eine kleine Gruppe mit dem Taxi in die Altstadt von Mardin. Malerisch schmiegen sich die hellbraunen und arabisch geprägten Natursteinhäuser den Hang hinauf. Glockentürme und Minarette rund um einen gewaltigen Burg Berg – eine Mixtur aus Islam und Christentum. Wir schlendern durch den Basar und durchstreifen einige Gassen. Dann lassen wir uns auf einer Dachterrasse mit einheimischen Köstlichkeiten verwöhnen. Mit dem Taxi geht es wieder zurück. Inzwischen hat der Rest der Gruppe bei den Mobilen einen phantastischen Sonnenuntergang erlebt – in der Ferne kann man Syrien erahnen.
Höhepunkt des Tages: Das Kloster Mor Gabriel.


   |   Tages KM: 159   |   GPS Nord: 37°17'56   |   GPS Ost: 40°47'26

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Freitag, 7.10. Mardin Deyrülzafran-Kloster - Sanliurfa

Mit Veronika und Michel brechen wir zu einem Krankenhaus in der Neustadt auf – heute sollen die OP-Fäden entfernt werden. Wir landen in einem Frauen-Krankenhaus. Gott sei Dank haben die Hamburger Aramäerinnen in Türkisch aufgeschrieben was „Blinddarmfäden ziehen“ heißt. So führen die netten Sicherheitsbeamten mich und Veronika sofort ins Behandlungszimmer eines jungen Arztes. Wieder ist es mir peinlich, dass wir ohne Wartezeiten vorgelassen werden. Eine besondere Behandlung für Deutsche in der Türkei – wie verhält es sich in Deutschland, werden da auch die Türken bevorzugt? Ich glaube nicht.
Der Arzt und seine Helferin sprechen Englisch, so können Veronika und ich mich bei ihm verständlich machen. Peter wartet einstweilen auf dem Flur. Vorsichtig zieht der Arzt die Fäden. Wir zählen laut mit. Bei Nummer 5 ist alles überstanden und vor lauter Freude vergessen wir uns einen Faden als Souvenir mitgeben zu lassen. Keine 20 Minuten später sitzen wir wieder in den Mobilen – wir haben „nix“ bezahlt.
200 km sind es bis zum heutigen Ziel in Sanliurfa. Unterwegs spendiere ich einen Hot-Dog Imbiss auf meine Gesundheit. Die Landschaft wird geprägt durch Mais- und Baumwollanbau. Auf den Baumwollfeldern sehen wir viele Pflückerinnen bei der „Handarbeit“ – während die Männer gelangweilt auf dem Traktor darauf warten, dass sie die vollen Säcke einsammeln können.
Wir haben um die 30 Grad und erreichen um die Mittagszeit Sanliurfa. Liesel und Tilo kennen eine Parkmöglichkeit in Zentrumsnähe – so versuchen wir mit 7 Mobilen uns einmal durch die Stadt zu schlagen. Wieder ist alles verändert. Hinter dem Hilton-Hotel gibt es keinen Otopark mehr. Nachdem alle Fahrzeuge stehen, machen sich Liesel, Veronika und ich uns auf um in der Hotelrezeption eine Parkmöglichkeit zu erfragen. Die Lobby ist vom Feinsten, die Männer und Frauen in der Rezeption schauen uns in unserer Aufmachung schon ein wenig befremdend an. Wir erreichen, dass wir hinter dem Hotel parken dürfen – videoüberwacht.
Bald marschieren wir alle in die Altstadt. Sanliurfa ist eine heilige Stadt.
Die Legende: Abraham, der von den Moslimen als Stammvater verehrt wird, soll hier wegen seines Glaubens zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt worden sein. Gott ließ jedoch eine Quelle entspringen, die das Feuer löschte. Glutbrocken wurden zu Karpfen. Deren Nachkommen schwimmen noch heute in „Abrahams Teich“.
Der überdachte Basar ist ein Eldorado der Sinne. Wir laufen an duftenden Gewürzen, leuchtend bunten Kopftüchern, handgewebten Teppichen und Goldschmuck vorbei. Handwerksgassen geben einen Einblick in die Herstellung von Eisen-, Kupfer- und Zinngegenständen, von Holzschemeln für wenig Geld und noch vieles mehr. Wir werden nicht müde uns das alles anzuschauen. Kein Verkäufer zerrt uns in seinen Laden.
Wichtig beim Stadtbummel in Sanliurfa: Ab und zu eine kleine Teestube aufsuchen um auszuruhen. Witzig sind die Sitzgelegenheiten, kleine Holzschemel.


   |   Tages KM: 207   |   GPS Nord: 37°09'19   |   GPS Ost: 38°46'47

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Samstag, 8.10. Sanliurfa Hilton Hotel - Göksun

Heute heißt es Abschied nehmen. Die Gruppe trennt sich. Brigitte, Michael, Hartwig, Christine, Ulla und Horst wollen direkt ans Mittelmeer – Liesel, Tilo, Anke, Harald, Veronika und Michel zum Nemrut Dagi (Götterberg), und Peter und ich brechen Richtung Kappadokien auf. Die Nemrut-Gruppe will uns dort in 3 Tagen treffen.
Wir fahren zunächst fast 200 km Autobahn, über Gaziantep nach Kahramanmaras. Die Landschaft entlang der Autobahn wirkt ein wenig eintönig. Wir sehen nur wenige Ortschaften. Dazwischen riesige Baumwoll- und Getreidefelder, Obst- Oliven und Feigenplantagen. Hier liegt auch das Hauptanbaugebiet von Pistazien. Die Türken selbst knabbern fast 80% der Ernte im eigenen Land. Rotbraune Hügelketten sehen wir in der Ferne. Ab Kahramanmaras geht es stetig ins Gebirge, auf überwiegend gutem Belag. Nur hin und wieder gibt es eine Baustelle. Nach dem Motto: Klotzen, nicht kleckern wird alles neu vom Allerfeinsten. Kartoffeln und Zwiebeln werden an Verkaufsständen am Straßenrand angeboten. Wir durchfahren ein Flusstal – die Berghänge sind mit Kiefern bewaldet und Schäfer ziehen mit riesigen Ziegen- und Schafherden umher. Das Glockengebimmel wirkt vertraut. Imbisslokale mit überschatteten Holzterrassen warten auf Gäste. Für uns immer noch angenehme 27°C. Für die Türken zu kalt für ein Picknick? In Göksun kennen wir einen Übernachtungsplatz. Vor einem Lokal am Ortsende können wir übernachten und bestellen beim Chef leckere gegrillte Lamm-Koteletts mit Beilagen.
Frage des Abends: Wo mögen die Anderen heute ein Übernachtungsquartier gefunden haben?


   |   Tages KM: 314   |   GPS Nord: 38°01'39   |   GPS Ost: 36°29'08

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Sonntag, 9.10. Göksun - Göreme

Der nette Restaurantbesitzer läuft schon frühmorgens mit weißer Schürze über den Parkplatz. In der Gaststube sitzt nur ein einsamer Gast und löffelt seine Suppe, als wir uns Verabschieden kommen. Der Restaurantbesucher benötigt eine Geschäftsidee. Sofort schreibe ich Veronika eine SMS. Sie muss heute Abend dem Wirt ein Rezept vom „deutschen Apfelkuchen“ verklickern. In Göksun findet Apfelanbau statt, und neben dem Restaurant wachsen „Golden Delicius“.
Die Nacht war ab Mitternacht verhältnismäßig ruhig und ausgeschlafen setzen wir unseren Weg fort. Heute am Sonntag mit wenig Verkehr, auf landschaftlich schöner Strecke, überqueren wir einige Pässe. In Pinarbasi biegen wir westwärts nach Kayseri ab. Das Wetter ist bewölkt und in der Ferne können wir den vor Millionen von Jahren erloschenen Vulkan Erciyes Dagi erkennen. Hier ist Skifahren von Dezember bis April möglich. Direkt an unserer Wegstrecke liegt die Karatay Hani, um 1220 erbaut und jetzt restauriert. Wir legen einen Besichtigungsstopp ein und fahren durch ein armseliges Dorf. Hühner scharren auf dem Mist, der Hofhund döst an einer Mauer – ansonsten haben die Bewohner Feiertag. Die Hani ist mit einem Vorhängeschloss verriegelt. Während wir durch die Türritzen einen Blick des Inneren zu erhaschen versuchen, kommt eine ältere Frau am Stock auf uns zu gehumpelt – in der Hand den Schlüssel. Sie öffnet uns das Tor und in Ruhe können wir die Hani in allen Einzelheiten besichtigen. Sie ist sehr beeindruckend. In Kayseri trafen einst mehrere Karawanenstraßen aufeinander. So wundert es nicht, dass sich im Umkreis von rund 30 bis 40 Kilometern (das entsprach ungefähr einem Tagesmarsch)mehrere Karawansereien befinden.
Rund um Kayseri erstrecken sich riesige Kürbisfelder, jetzt ist Erntezeit. Maschinen trennen die Kerne aus den Früchten. Der Kürbisrest ist unbrauchbar und bleibt gehäckselt auf dem Acker zum Unterpflügen liegen. Die Kerne werden auf Planen am Straßenrand zum Trocknen ausgebreitet.
Wir durchfahren Kayseri (fast 1 Mio. Einwohner) und sind überrascht von der modernen Gestaltung. Heute am Sonntag haben viele Geschäfte geschossen. Bald erreichen wir Kappadokien. Am Anfang der Geschichte Kappadokiens standen die Vulkanausbrüche des Erciyes Dagi. Die Gegend wurde mit einer Mischung aus Asche, Lava, Tuff und Schlamm überzogen. In Jahrmillionen haben Wind, Regen, Hitze und Kälte aus dem porösen Material unzählige Kegel, Schluchten und skurril geformte Felsen geschliffen.
Wir erreichen die uns vertraute Landschaft (wir sind bereits das 6. Mal hier) und fahren auf den Kaya-Camping in Göreme. Eine riesige Caravan-Gruppe aus den Niederlanden bevölkert den Platz. Der Campingplatzbesitzer Yasar erwartet in den nächsten Tage eine Gruppe aus Deutschland und England. Das Wetter zeigt sich nicht von der besten Seite. Stürme wirbeln Sand über den Platz, und die Wetteraussichten für die nächsten Tage sollen noch schlechter sein – so Yasar. Wir bekommen Gözleme Kostproben gereicht und verbringen den Nachmittag mit Hausarbeit und lesen.
Vom Mobil aus blicken wir auf die Tuffstein-Berge, ein Wanderweg schlängelt sich am Campingplatz entlang durch die Weinberge.
Diese Landschaft ist immer wieder schön!



   |   Tages KM: 256   |   GPS Nord: 38°38'14   |   GPS Ost: 34°51'12

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Montag, 10.10. Göreme

Regen, Regen und nochmals Regen – ein Tag zum Ausruhen und Faulenzen. Am frühen Nachmittag trifft die Nemrut-Gruppe ein. Ich habe eine türkische Linsensuppe gekocht und in der Gemeinschaftsküche lassen wir uns diese schmecken. Abends sitzen wir noch ein wenig im Teppichladen beieinander. Früh verschwinden alle in ihre Mobile.
Danke Veronika. Sie hat gestern Abend mit dem Sohn vom Restaurant in Göksun einen Apfelkuchen gebacken. Er hat sich das Rezept notiert. Ob diese Leckerei in Zukunft auf der Speisekarte angeboten wird?


Dienstag, 11.10. Göreme

Heute wird Peter von heftigen Bauchkrämpfen geschüttelt. Eine Vormittagstour durch das Kirchental von Göreme – undenkbar. Liesel und Tilo bringen Harald, Anke, Michel und Veronika auf den Weg, sie selbst wandern in den Ort Göreme weiter.
Begeistert erzählen die vier „Kirchengänger“, dass sie sich einer deutschen Gruppe mit vielen interessanten Erklärungen anschließen konnten. Für den Nachmittag planen wir einen Spaziergang durch das nahe Rosen Tal. Peter wird beim Mobil bleiben und sich schonen. Bei Sonnenschein und Wind spazieren wir los, Tilo und Liesel geben die Richtung an. Über Tuffsteinhänge, ausgewaschenen Pfaden, an Weinhängen und durch Tunnels laufen wir. Von dieser einzigartigen Landschaft sind wir allesamt begeistert.
Der Weg nach Göreme zurück ist für mich schon ein wenig beschwerlich, denn zum ersten Mal nach der OP wandere ich eine längere Strecke. Im Ort angekommen beschließen wir in einem der vielen Restaurants landestypisch aus dem „Tontopf“ zu essen. Als Vorspeise –Gaumenkitzel- bestellen wir „Zigarett-Börek“, oberlecker. Für die Rückfahrt gönnen wir uns ein Taxi, den steilen Aufstieg zum Campingplatz will keiner mehr gehen.
Erkenntnis der Wanderung: Diese Landschaft lädt geradezu ein erwandert zu werden!


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Mittwoch, 12.10. Göreme

Tagesausflug mit dem Mobil von Harald und Anke. Unser erster Abstecher geht ins Liebes Tal. Zu Fuß kann dieses Tal durchwandert werden. Wir laufen bis zum ersten größeren Aussichtspunkt und um herum stehen phallusartige Tuffsteingebilde. Die lt. Reiseführer: So mancher Frau die Schamesröte ins Gesicht zaubern.
Der zweite Stopp ist das Pasabagi-Tal. Es beherbergt die höchsten und imposantesten Feenkamine Kappadokiens. Sogar die Gendarmerie ist in so einem untergebracht. Sehenswert ist auch das Zelve-Tal, das Open-Air-Museum hebt sich der Rest unserer Gruppe für ein nächstes Mal auf. Jetzt nehmen wir einen kleinen Imbiss zu uns: Gözleme und türkisch Cay.
Avanos, die Stadt des Töpferhandwerks, darf bei keiner Besichtigungstour fehlen. Wir gehen zuerst in einen Pide-Salon. Die dort frisch im Steinofen zubereiteten Pide finden allgemeine Begeisterung. Frisch gestärkt machen wir uns auf zum Töpfer Galip. Nach einer kurzen Töpfervorführung müssen die Frauen „Haare“ lassen. Diese hängen jetzt neben Millionen von anderen Haarbüscheln an den Tuffsteinwänden der Ausstellungsräume. Wir können nicht widerstehen und kaufen einige Tongegenstände. Mit dem Mobil geht es zur Karawanserei Sari-Han. Schön restauriert wird sie am Abend für Derwisch-Aufführungen genutzt.
Im Devrent-Tal regen verschiedene Tuffsteingebilde die Phantasie an: Mal sehen wir ein Kamel, dann ist ein Huhn zu betrachten. Nun wird es Zeit heimzukehren, Anke hat uns Zwetschgenkuchen versprochen. Noch heiß aus dem Backofen verschlingen wir ihn mit Genuss.
Morgen: Wollen Anke, Harald, Veronika und Michel eine Ballonfahrt unternehmen. Liesel und Tilo werden morgen die Heimreise antreten, sie wollen Ende Oktober Zuhause sein.




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Donnerstag, 13.10. Göreme - Kloster Gümüsler

In der Nacht haben wir ein starkes Gewitter mit heftigen Regenfällen. Ob die Ballontouren morgen früh stattfinden?
Unsere Ballonfahrer werden um 7 Uhr abgeholt, sie sollen in der zweiten Gruppe (später) starten. Die ersten Ballone schweben bereits um 7 Uhr aus den Tälern über die Tuffsteingebilde. Das Wetter ist Schmuddel trüb – keine schöne Aussichten.
Liesel und Tilo verabschieden sich gegen 10 Uhr, sie wollen es heute bis Konya schaffen. Um 10.30 Uhr treffen Anke, Harald, Michel und Veronika ein. Ihr Ballon ist fast als letzter gestartet und die Fahrt und Aussichten waren grandios, denn das Wetter hat inzwischen aufgeklart.
Wir unterbreiten ihnen zwei Vorschläge, denn heute Nachmittag werden unsere Stellplätze durch Kuga-Tours belegt – umziehen müssen wir auf alle Fälle. 1. Vorschlag: Auf dem Platz bleiben und für den Abend eine Folkloreveranstaltung buchen, die aber erst um Mitternacht beendet sein wird.
2. Vorschlag: Am frühen Nachmittag Richtung Süden weiterreisen und in der Nähe von Nigde übernachten. Die unterirdische Stadt Derinkuyu kann auf halber Strecke besichtigt werden.
Vorschlag zwei wird angenommen. Peter und ich werden zu dem Dorf Tatalarin in der Nähe von Nevsehir fahren. Dort gibt es in einer Felswand eine weniger bekannte unterirdische Stadt – diese haben wir uns noch nicht angesehen. Gleich nebenan befindet sich der Eingang zu einer Kirche mit gut erhaltenen Fresken vom Lebens- und Leidensweg Jesu. Ein Einheimischer führt uns, fotografieren in der Kirche ist verboten. In die unterirdische Stadt gelangen wir durch einen schmalen Tunneleingang. Dieser kann durch einen großen Mühlstein verschlossen werden, und endet in einem großen Raum. Hier war der Unterstellraum für die Tiere. Mehrere Gänge und Räume zweigen von diesem ab. Ein Raum war nur für das Wein- und Öl Depot vorgesehen. Die Toiletten lagen abseits – mit einer tiefen Grube darunter. Noch ist der Eintritt für diese Besichtigung frei, aber wir geben dem Führer dennoch eine Kleinigkeit.
Auf dem Parkplatz der Untergrundstadt Derinkuyu treffen wir Anke, Harald, Veronika und Michel. Gemeinsam geht es zum Kloster Gümüsler Monastir bei Nigde. Nach der Besichtigung hoffen wir auf ein Übernachtungsplätzchen auf dem Parkplatz. Doch wir finden keinen geeigneten Parkraum vor dem Eingang. Die Straße wird schmaler und endet in Eski Gümüs (Altes Silber). Die Männer erkunden zu Fuß die Gegend und finden einen idealen Stellplatz für drei Mobile. Das Kloster werden wir morgen früh besichtigen.
Die unterirdische Stadt Derinkuyu: Oberirdisch unscheinbar, reicht das Labyrinth der unterirdischen Stadt in acht Etagen bis zu 110m in die Tiefe. Tierställe, Lebensmittellager, Schlafräume, Gemeinschaftsküchen und Andachtsstätten boten alles Notwendige. Für Frischluft sorgt ein ausgeklügeltes Belüftungssystem.


   |   Tages KM: 156   |   GPS Nord: 38°00'00   |   GPS Ost: 34°46'29

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Freitag, 14.10. Kloster Gümüsler (Nidge)- Kiz Kalesi

Wir besichtigen Gümüsler Monastir. Es zählt zu den besterhaltenen Felsenklöstern des Kappadokischen Christentums. Hauptattraktion ist die Klosterkirche. Vier mächtige, zylinderartige und mit Blumenmotiven versehene Säulen tragen die Zentralkuppel. Die Fresken aus dem 10. und 11. wurden in der 2. Hälfte des 20. Jh. restauriert. Der ganze Felsen (über einige einhundert Meter) ist mit „Wohnlöchern“ unterhöhlt.
Die Landschaft um Nigde ist sehr fruchtbar. Es gedeihen riesige Kohlköpfe und rotwangige Äpfel wollen geerntet werden. Nun geht es immer bergab über das Taurus Gebirge – von 1200 auf 55 m über dem Meeresspiegel. In Tarsus gedeihen Zitronen, Mandarinen und Oliven. Der Weinanbau zieht sich an den Hängen empor. Unmengen von Südfrüchten lagert man in den wohltemperierten Kellern Kappadokiens ein.
In Mersin sehen wir das Meer und haben um die 25° C. Vor Kiz Kalesi fahren wir bei der Ausgrabungsstätte Ayas auf einen Picknick-Stellplatz. Er liegt in einer schönen Sand-Badebucht.
In der warmen Sonne sitzen, schwatzen, Baden und Faulenzen – wie lange haben wir darauf gewartet?
Autobahnen in der Türkei: Sie sind vom Feinsten. Heute auf 200 km Autobahn nicht eine Baustelle – Maut 4 Euro!


   |   Tages KM: 253   |   GPS Nord: 36°28'51   |   GPS Ost: 34°10'27

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Samstag, 15.10. Bucht vor Kiz Kalesi

Ruhetag – Verwöhn tag. Mit dem Dolmus geht es ins 5 km entfernte Kiz Kalesi. Wir wollen alle zum Friseur. Während die Männer schnell einen Herrenfriseur gefunden haben, müssen Anke und ich etwas länger suchen. Mit ein wenig warten sind unsere Haare bei allen preiswert frisiert. Die anderen finden sich nach und nach beim Damenfriseur ein. Man serviert uns allen Tee, Peter und Veronika gönnen sich eine Pediküre. Vor dem Laden hält ein mobiler Fischhändler. Spontan kaufen wir alle Fisch, den wir am Abend grillen wollen. Von Kopf bis Fuß verwöhnt geht es mit dem Dolmus zurück zum Platz. Außer uns stehen noch einige PKW und zwei weitere Reisemobile mit türkischem Kennzeichen auf dem Platz. Peter kommt mit dem einen Besitzer ins Gespräch - er Berliner, sie Türkin. Seit 20 Jahren sind sie wieder in Mersin – vorher wohnhaft in Berlin. Sie (Gülay) ist Anfang der 60ziger als junge Krankenschwester nach Berlin zum Arbeiten gekommen. Dort hat sie sich in Rainer beim Tanzen verliebt. Am Abend laden wir die zwei auf ein Gläschen Rotwein an unseren Gemeinschaftstisch ein.
Was wir von Gülay und Rainer über Land, Leute und Politik erfahren, ist tausend Mal informativer als ein Reiseführer!


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Sonntag, 16.10. Bucht vor Kiz Kalesi - Tasucu

Diese Nacht war bedeutend ruhiger als die Freitagnacht. Trotzdem haben etliche Male die Platzhunde uns mit ihrem Bellen geweckt. Wir nehmen Abschied von Gülay und Reiner und fahren die 50 km bis Tasucu. Ein kleiner Campingplatz unweit der Stadt ist unser Ziel. Wir richten es uns wohnlich in Kieselstrandnähe ein. Die Frauen kochen ein Sonntagessen und Anke backt so nebenher einen Apfelkuchen. Diesen lassen wir uns am Nachmittag schmecken.
Das Campingrestaurant bietet Vorspeisen in großer Auswahl an und auch Zigarett-Börek stehen auf dem Speiseplan. Internetzugang im Restaurant gratis. Alle Paare bestellen das Gleiche und zum ersten Mal in der Türkei erhalten wir drei getrennte Rechnungen. Ob es daran liegt, dass die Chefin eine Deutsche ist?


   |   Tages KM: 42   |   GPS Nord: 36°17'48   |   GPS Ost: 33°50'49

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Montag, 17.10. Tasucu Camping - Anamur

Und weiter geht es. Die Schnellstraße mündet in eine zweispurige Landstraße. Diese windet sich ins Gebirge, erreicht dann wieder die Küste. Nach Sonne am Morgen setzt Regen ein, trotzdem fahren und überholen die PKW im rasanten Tempo. Folge: Wir sehen zwei schwere Verkehrsunfälle. Zwischendurch einige Baustellen, bald wird auch hier die Schnellstr. fertig gestellt sein. In den Tälern gedeihen Peperoni, Paprika, Tomaten, Gurken, Granatäpfel und Erdbeeren. Viele Gewächshäuser nutzen den letzten sonnigen Bergwinkel aus. In ihnen reifen die kleinen Köstlichen Bananen, die am Straßenrand für etwa 1 Euro das Kilo verkauft werden. Die Berghänge sind mit Pinien bewaldet und das Akdeniz (das reine, weiße Meer) leuchtet von türkis- bis dunkelbau dazwischen auf. Die Sonne kommt wieder raus.
Wir erreichen Anamur und fahren auf den Paradies-Camping direkt neben der Burg Mamure Kalesi. Sie ist die größte und besterhaltene Burg der türkischen Küste. Ein riesiger Sandstrand breitet sich hinter den Eukalyptusbäumen aus. In den warmen Sand legen während der Sommermonate die Karettaschildkröten ihre Eier zum Ausbrüten.
Wir parken unter den schattigen Eukalyptusbäumen und genießen die Sonne, besichtigen die Burg, sammeln Muscheln am Strand, Baden und beschließen am Abend im Restaurant auf der anderen Straßenseite zu essen. Gegen 18 Uhr verdunkelt sich plötzlich der Himmel, Blitze zucken und ein gewaltiger Sturm peitscht über das Meer. Die großen Bäume über uns knacken bedrohlich und der eine oder andere morsche Ast fällt aufs Mobil. Schnell parken wir um. Just als wir zum Essen marschieren, kommen zwei weitere deutsche Mobile auf den Platz gefahren.
Während wir auf unser Essen im Restaurant warten, gibt es einen totalen Stromausfall, die Speisenvorbereitung stockt und wir sitzen im Dunkeln und harren der Dinge. An eine Taschenlampe und Kerzen hat niemand gedacht. Nach gut 15 Min. ist der Spuck vorbei, das Licht geht an und nach und nach wird unser Essen aufgetragen – oberlecker! Die Frauen bekommen eine Rose ins Haar gesteckt – auch Michel wird dekoriert.
Satt und zufrieden fallen wir bald in unsere Betten.


   |   Tages KM: 117   |   GPS Nord: 36°04'51   |   GPS Ost: 32°53'34

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Dienstag, 18.10. Anamur Paradies Camping- Kizilot

Das eine deutsche Mobil hat gestern spätabends auf der Rasenfläche eingeparkt und steckt heute im weichen Boden fest. Alle schieben wir gemeinsam, doch es fressen sich die Reifen immer tiefer in den nassen Boden. Schieben? Die Räder mit Palmenblättern unterfüttern? Anschleppen? Was hilft?
Erst als die Räder auf den Palmenblättern greifen und alle Männer schieben, kommt das Mobil wieder auf festem Boden zu stehen. Für uns geht die Tour weiter. Bald nach Anamur haben wir Richtung Alanya über viele Kilometer nur Baustellen. 2009 wurde hier mit dem vierspurigen Straßen-Neubau noch nicht begonnen.
Unsere alte Landstr. befindet sich in 500 m Höhe oberhalb der Küste, die Ausblicke entschädigen uns für die Kurverei. Wir kaufen am Straßenrand die zuckersüßen kleinen Bananen. Ab Gazipasa kommen wir rascher vorwärts und erreichen Alanya. Dieser Stadt werden wir bei einem späteren Besuch wieder Aufmerksamkeit schenken. Heute durchfahren wir Alanya nur für einen kurzen Eindruck. Der Nostalgie-Camping in Kizilot liegt an einem wunderschönen Badestrand. Veronika serviert uns leckeren Kaiserschmarrn. Den Rest des Tages verbringen wir mit Baden, spazieren am Strand und ausruhen.
Nachts: Wetterleuchten, Gewitter und Regen


   |   Tages KM: 178   |   GPS Nord: 36°42'26   |   GPS Ost: 31°34'22

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Mittwoch, 19.10. Kizilot Nostalgie Camping - Cirali

Das Gewitter hat die Luft gereinigt. Die Konturen der Berge heben sich heute klar vom blauen Himmel ab, und die Sonne strahlt warm auf uns herab. Unser erster Stopp ist Aspendos, das Theater der Stadt gilt als das besterhaltene römische Baudenkmal Kleinasiens. Es bot 20 000 Zuschauern Platz und ist eine nach außen völlig geschlossene Anlage. Peter möchte sich kein viertes Mal das Theater ansehen und vertreibt sich die Wartezeit mit Tee und Gözleme.
Unser nächster Stopp ist Antalya. Die Hauptstadt der „Türkischen Rivera“ ist in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen –Schätzung 1,5 Mio. Einwohner. Unser Navi führt uns nach einigem Hin und Her auf einen Parkplatz am Stadion – recht zentral gelegen. Zu Fuß erreichen wir die Altstadt und den Hafen. Für den Bummel nehmen wir uns reichlich Zeit, durchstreifen die Basare und kommen nach 3 Std. recht fuß müde auf dem Parkplatz an. Jetzt müssen wir nur noch aus der Stadt herausfinden. Just als wir meinen die richtige Straße erwischt zu haben, geraten wir in eine einspurige Baustellenumleitung und verlieren Michel und Veronika – der Funkkontakt bricht ab. So muss wohl jeder für sich allein den Weg nach Cirali finden. Dann, an der nächsten Hauptstr., ist Michel wieder hinter uns. Vor und hinter Antalya sind uns riesige Hotelanlagen aufgefallen, manchmal ist der Strand erst mit einer Unterführung der vierspurigen Schnellstr. zu erreichen. Wir schauen auf Hotelpools und Liegen – schöne Aussichten?
Erst um 18 Uhr erreichen wir unser Ziel für die nächsten drei Tage – Cirali. Letztes Jahr haben wir dieser der abgelegenen Bucht einige Tage verbracht - sie ist unsere absolute Lieblingsbucht.
Michael, Brigitte, Hartwig und Christine erwarten uns bereits. Kleiner Wehmutstropfen für Michel: Er fährt sich mit dem La Strada im Sand fest.
Am Abend feiern wir Wiedersehen und Abschied. Morgen wollen Michael und Brigitte sich auf den Heimweg machen, Anfang November haben sie Termine in Deutschland.


   |   Tages KM: 197   |   GPS Nord: 36°25'09   |   GPS Ost: 30°29'02

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Donnerstag, 20.10. Cirali

Am Vormittag machen wir eine Wanderung zu den „ewigen Flammen“. Die Türken nennen den Ort am Berghang „Yanartas“ brennender Stein. Es gibt zwei Feuerfelder, das erste liegt oberhalb der Ruinen, das zweite 40 Min weiter bergauf. Bis auf Michel und Peter, die auch bis zum zweiten Feld hinauf kraxeln, reicht uns anderen der Aufstieg bis zum ersten Feld. Aus kleinen Felsspalten züngeln Flammen – erdgasgespeist. Anke hat eine kleine Pfanne und Eier eingepackt. Über den Flammen brutzelt sie für uns Rühreier. Danke Anke! Zurück am Platz gehen wir unserer Lieblingsbeschäftigung nach: Faulenzen. Wir Frauen machen später einen Ortsbummel. Christine zeigt uns einige nette Boutiquen. Abends grillen wir und schauen in einen Sternenhimmel mit Millionen blinkender Sterne.
Erkenntnis des Tages: Was sind wir nur klein unter diesem Firmament.


   |   Tages KM: 86   |   GPS Nord: 36°13'18"   |   GPS Ost: 29°58'25"

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Freitag, 21.10. Cirali

Lykien – das Land des Lichts – ist der historische Name für die Halbinsel zwischen Fethiye und Antalya. Der „Lykische Weg“ ist der erste gekennzeichnete Fernwanderweg der Türkei und er verbindet Antalya und Fethiye. Heute wollen wir auf diesem Weg wandern. Unser Teilstück zieht sich bergauf und bergab, er ist mehr ein kleiner Trampelpfad. Wer zügig geht benötigt etwa eine Stunde bis zur ersten Badebucht und noch einmal gut 45 Minuten bis zur dritten Badebucht. Wir hüpfen ins kristallklare Wasser – bis auf den Grund können wir schauen.
Am Abend haben wir Plätze im Restaurant Rüya Pansiyon reserviert. Ein Büfett mit 25 verschiedenen Vorspeisen und 3 Hauptgerichten zur Auswahl soll es geben.
Die Pansiyon Rüya liegt ein wenig versteckt hinter der Schule. Der Besitzer spricht ein wenig deutsch und erklärt uns die heutigen Vorspeisen und Hauptgerichte. Mit uns schlemmen seine überaus zufriedenen Pensionsgäste. Die Vorspeisen: Salate, gebratene Zucchinischeiben, Leber, vielerlei Bohnen, Joghurt-Soße, Auberginenmus, Bulgur- Möhren- und Spinatsalat – ich kann unmöglich alles aufzählen, weil mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Als Hauptgericht wählen wir: Lammkottelet, vegetarische Pfanne und Fisch. Der Nachtisch besteht aus Gebäck und Pudding, dazu reicht man uns türkischen Tee. Das war bislang unser bestes Essen in der Türkei!
Wir sind froh, dass wir uns auf dem Rückweg in der Dunkelheit verlaufen. Nach so einem „Essengelage“ tut ein wenig Bewegung gut.


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Samstag, 22.10. Cirali - Sülüklü Plaj

Unser heutiges Ziel ist der Sülüklü Plaj bei Demre, er liegt nur 90 km entfernt. Während der Rest unserer Gruppe die Nikolaus Basilika und die Lykischen Gräber besichtigt, fahren Peter und ich zum Strand. Damit es sich etwas angenehmer steht, machen wir uns zuerst ans Aufräumen. Wie so oft an Picknickplätzen liegen in Mengen Müll und Glasscherben herum. Nach und nach trudeln die anderen an diesem schönen Sandstrand ein. Die seichte Badebucht ist einige hundert Meter lang und von Felsen eingerahmt. Weiterhin gibt es einen kleinen Campingplatz mit einfachen Duschen und Toiletten und zwei kleine Strandrestaurants. Zum ersten Mal während des Urlaubs bauen wir unseren „Irland Pavillon“ auf.
Heute: Im Schatten klönen, dösen, lesen – was wollen wir mehr?


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Sonntag, 23.10. Sülüklü Plaj

Ruhetag, Koch Tag und Türkischer Abend
Wir Frauen kochen auf. Mittags: Topfenknödel und Zwetschgenknödel
Abends: Türkische Linsensuppe, Bohnensalat, Bulgur, Bohneneintopf mit grünen und weißen Bohnen, gebackene Auberginen, Zucchinisoße, vielerlei Nachtisch, dazu Rotwein und Raki.
Wir sind alle türkisch gekleidet, und es gibt einige recht phantasievolle Kostüme. Ein paar türkische Angler schießen von uns etliche Erinnerungsfotos. Türkische Musik versetzt uns in Stimmung und wir tanzen unter dem Sternenzelt.
Lob des Tages: Die deutschen Ehemänner geben ihren Köchinnen 5 Sterne!!!


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Montag, 24.10. Sülüklü Plaj - Saklikent

Die Tagesmeldungen überschlagen sich: Großes Erdbeben am Van-See. In Erice sind die meisten Toten zu beklagen. Vor etwa 3 Wochen sind wir durch diese Stadt gefahren.
Unser Weg führt uns nach Kas. Zuerst durchs Binnenland bis auf 500 m, dann hinab in den Ort. Vom Berg haben wir traumhafte Ausblicke auf das Meer und die vorgelagerten Inseln, Segelboote kreuzen im Wind. Der neue Yachthafen ist fertig und kann zum Parken nicht mehr benutzt werden. Wir parken in Zentrumsnähe und durchstreifen den kleinen Ort. Außer etlichen Restaurants gibt es Edelboutiquen, Schmuckgeschäfte und alles für den Touristenbedarf, die Preise sind leicht erhöht. Nach einer kleinen Stärkung geht es am Nachmittag weiter zum Saklikent. Die Schlucht durchfließt ein reißender Bach. Über Holzstege kann die Schlucht (gegen eine Gebühr) ein Stück durchlaufen werden. Dann heißt es den reißenden eiskalten Bach zu durchqueren – das Tal dahinter kann man ein Stück durchwandern. Wir entscheiden uns für eine Besichtigung bis zum Bach. Etliche kleine Restaurants bieten am Wasserlauf des Esen Erfrischungen und Speisen an. Auf dem großen Parkplatz dürfen wir übernachten.
Freilaufende Tiere: Hühner, Enten und Truthähne laufen außer etlichen Hunden frei herum. Das „Vogelvolk“ verschwindet zum Übernachten in die Bäume.



   |   Tages KM: 114   |   GPS Nord: 36°28'19   |   GPS Ost: 29°24'06

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Dienstag, 25.10. Saklikent Schlucht - Akbük

Wir fahren bis ins Zentrum von Fehtiye und parken beim Bus-Bahnhof. Die Altstadt und seine Nebengassen sind ein riesiger Basar – heute sind wir „Meister im Geldausgeben“. Mittags gehen wir auf den Fischmarkt. Die umliegenden kleinen Restaurants braten und servieren den frischen Fisch vom Fischmarkt mit leckeren Beilagen für wenig Geld. Wir sind alle begeistert über den schmackhaften Seebarsch, Scampi, Sardinen und Tintenfisch – für jeden Hunger findet sich etwas.
Nach einer kurzen Besprechung beschließen wir nachmittags in die Bucht von Gökova nach Akbük zu fahren. Die Fahrt dorthin geht teilweise durchs Binnenland, dann wieder ans Meer mit Ausblick auf Badebuchten und vorgelagerten Inseln. Bei Göcek gibt es einen mautpflichtigen Tunnel – so erspart man sich die Kurverei über den Pass. In Akyaka verlassen wir die Schnellstraße. Akyaka ist ein nett anzusehender Badeort mit hübschen Ferienhäusern im osmanischen Stil.
Weiter windet sich ein Sträßchen durch Pinienwälder immer oberhalb des Wassers entlang. Imker schauen in den Wäldern nach ihren Bienenvölkern. Wir können nicht wiederstehen und kaufen einen größeren Vorrat. Nach 20 km haben wir den Kieselstrand von Akbük erreicht. Zwei Segelboote liegen in der Bucht vor Anker. Außer uns parkt noch ein weiteres Mobil am Kieselstrand – ansonsten sind wir die einzigen Badegäste. Im hinteren Teil der Bucht gibt es einige Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten, auch ein einfacher Campingplatz wartet auf Gäste. Den hatten wir uns schon im letzten Jahr angesehen – für große Mobile ist er eher ungeeignet.
Abends sitzen wir am Kieselstrand – die Mückenschwärme haben sich mit Einbruch der Dunkelheit verzogen – und lassen den Tag bei einem Gläschen Sekt (danke Anke) Revue passieren.
Hier ist es einfach nur schön: Der Blick aufs Meer, Boote und Sternenhimmel.


   |   Tages KM: 185   |   GPS Nord: 37°01'57   |   GPS Ost: 28°05'54

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Mittwoch, 26.10. Akbük

Ruhetag: Wandern, lesen, baden, Kaffee und Kuchen.

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Donnerstag, 27.10. Akbük

Peter und ich wandern zu einer einsamen Badebucht. Die Anstrengung hat sich gelohnt, nur mit den vielen Seeigeln wollen wir keine Freundschaft schließen. Just als wir die Bucht verlassen wollen, treffen Anke und Harald ein. Gemeinsam wandern wir zurück. Das Wasser hat noch immer angenehme 23°C.
Am späten Nachmittag werfen wir den Grill an, Hartwig spendiert 2 Flaschen Rotwein aus Georgien, Anke den Nachtisch.
Erkenntnis des Tages: Was kann es uns doch wieder gut gehen!


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Freitag, 28.10. Akbük - Pamucak

Bis Ören sind es nur 26 km, die Straße führt von Akbük ins Gebirge. Von oben genießen wir noch einen letzten Blick auf die schöne Bucht und das Hinterland von Akbük. Bergauf und bergab geht es nun durch Pinienwälder und Olivenplantagen - durch recht unbewohnte Fleckchen. Bei Ören verbreitet ein Braunkohlekraftwerk einen fürchterlichen Gestank – arme Urlauber, wenn der Wind Richtung Strand weht! Weiter fahren wir über Milas, hier rüstet man sich mit Fahnenschmuck für den morgigen Nationalfeiertag.
Harald und Anke steuern eine Mercedes-Werkstatt an. Der Lüfter arbeitet seit einiger Zeit nicht und sie befürchten auf der Rückreise bei kühleren Temperaturen im Fahrerhaus zu frieren - zieht euch warm an! Man repariert notdürftig ohne Berechnung, der Widerstand ist defekt aber nicht vorrätig. Wie immer werden wir mit türk. Cay verabschiedet.
Ein Reifen von Hartwig verliert immer noch Luft. Bei einem Reifendienst findet man den Grund, ein abgebrochener Nagel steckt im Profil.
Und wir??? Bei uns greift die Kupplung nicht. Peter hat heute Morgen einige Öltropfen unter dem Getriebe entdeckt. Was nun? Bei bergauf Fahrten greift die Kupplung nicht und unser Mobil schleicht mit 30 km die Berge hinauf. Hoffentlich werden die Berge um Kusadasi nicht unser Handicap. Wir haben Glück und erreichen den Campingplatz in Pamucak.
Jetzt benötigen wir Medizin – ein Gläschen Ramazzotti.
Erkenntnis des Tages: Wenn man Hilfe von dem mitgelieferten Iveco-Service-Heft erwartet, ist man verloren. Bei allen Notrufnummern (Italien und Türkei) nimmt niemand unser Gespräch an. Die Iveco-Werkstätten um Izmir sind namentlich mit Adresse aber ohne Telefonnummer verzeichnet. Was nützen mir solche Infos, wenn ich mal liegenbleibe?
Einziger Trost des heutigen Abends: Veronika bereitet für alle Köfte a lá „La Strada“ – hmm lecker!


   |   Tages KM: 201   |   GPS Nord: 37°56'19   |   GPS Ost: 27°16'36

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Samstag, 29.10. Pamucak - Foca

Peter hat gestern Abend noch folgendes herausgefunden: 50 km auf dem Weg nach Izmir hat in Torbali eine IVECO-Werkstatt heute am Feiertag Notdienst. Die Strecke schafft unser Mobil ohne Probleme. Die Schadensfeststellung nicht einfach, zumal alle in der Werkstatt nur türkisch sprechen. Wieder einmal müssen wir Herrn Yer (unseren ehemaligen Werkstattleiter) in Deutschland um eine Übersetzung bemühen. Unser Mobil wird über eine Grube gefahren und während Peter und ich Tee trinken und abwarten, überprüft der Meister den Ölaustritt. Seine Diagnose ist zunächst niederschmetternd: Es kann ein defekter Dichtring im Getriebe oder auch Motor den Ölaustritt verursachen. Auf alle Fälle muss auch die ölverschmutze Kupplung erneuert werden. In dieser Werkstatt sind leider keine Ersatzteile vorrätig und müssen in Istanbul bestellt werden. Vor Montag (heute und morgen ist keine Ersatzteillieferung möglich) kann man mit dem Ausbau von Getriebe und Kupplung nicht beginnen und dann benötigt die Reparatur etwa eine Woche!
Der Meister schlägt eine längere Probefahrt auf einer gebirgigen Strecke vor, denn auf flacher Strecke macht unsere Schaltung keine Probleme. Wir haben kein gewöhnliches Schaltgetriebe, sondern eine Halbautomatik – solche Fahrzeuge werden in der Türkei so gut wie gar nicht gefahren. Na, das sind ja keine guten Aussichten! Während der Probefahrt kann ich auf dem Handy des Meisters mit seiner deutschsprachigen Bekannten unsere technischen Fragen übersetzen lassen. Das Mobil macht während der Fahrt keine weiteren Probleme. Der Meister von IVECO rät uns die 3000 km bis Hamburg zu fahren und dort den Schaden beheben lassen. Für den Fall, dass unterwegs wieder Probleme auftreten, gibt er uns die Notallnummer von IVECO Türkei. Jetzt liegen der „schwarze Peter“ und die Entscheidung bei uns.
Die erste Möglichkeit ist, über das weniger gebirgige Binnenland: Edirne – Sofia – Rumänien – Ungarn – Tschechoslowakei nach Deutschland zu fahren. Die zweite Möglichkeit, über Griechenland, dann mit der Fähre nach Italien und weiter über den Brenner nach Österreich und Deutschland zu reisen. Die zweite Variante hätte den Vorteil, dass bei Fahrzeugproblemen an unserem IVECO man uns in Italien besser helfen könnte.
Wir verschieben die Entscheidung auf die nächsten Tage und fahren weiter zu unserem nächsten Ziel, nach Foca. Harald und Anke werden nach der Besichtigung von Ephesos uns folgen. Michel, Veronika, Hartwig und Christine wollen einen Abstecher in die Berge nach Gölcük machen.
Foca liegt an zwei Häfen und eine kleine Promenade verbindet diese miteinander. Fischrestaurants preisen schon draußen mit redegewandten Herren ihre Gerichte an. Heute wollen wir Scampi satt. Hungrig nehmen wir vier im Restaurant Platz. Leckere Vorspeisen, geröstetes Brot und ein gemischter Salat – so stillen wir den größten Hunger. Eine Deutsche, die wegen ihrer großen Liebe hier kellnert, erfüllt uns alle Wünsche. Dann kommen die zwei großen Platten mit Scampi – alle verputzen wir restlos. Obstplatte und Süßspeise runden mit einem Glas Tee das feudale Essen ab, auch die dezente Musik ist stimmig. Wir haben lange nicht so gut gegessen aber auch noch nie in der Türkei so viel dafür bezahlt.
Erkenntnis: Das nächste Mal sollten wir die Karte genauer studieren und besser zuhören!


   |   Tages KM: 153   |   GPS Nord: 38°40'00   |   GPS Ost: 26°45'24

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Sonntag, 30.10. Foca - Sazlika

Heute beginnt die Winterzeit, auch in der Türkei darf eine Stunde länger geschlafen werden.
Auf dem großen Parkplatz im Zentrum haben wir übernachtet, ab Mitternacht war es relativ ruhig. Nach dem Frühstück nehmen wir die Küstenstraße Richtung Yenifoca. Ein starker Wind bläst vom Meer, aber die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. Es gibt etliche schöne Badebuchten in denen es sich gut Camping machen lässt, dazwischen hat das Militär einige Strandabschnitte gesperrt. Wir fahren auf den Camping- und Picknickplatz Sazlica und sind die einzigen Gäste. Bis unsere Gebirgsausflügler eintreffen klönen wir im Sonnenschein windgeschützt hinter den Mobilen, und wandern über den Klippenwanderweg in eine weitere Badebucht. Heute am Sonntag sind nur Angler am Strand, den Türken ist um diese Jahreszeit das Wasser zu kalt. Dabei ist das Wetter hier wie bei uns im Sommer an der Ostsee. Abends wird es jetzt kurz nach 17 Uhr dunkel und es kühlt merklich ab. So verkriechen wir uns alle früh in die Mobile.
Peter und ich schauen im Internet nach Fährverbindungen – bis zum 6. November gibt es keine freie Passage nach Ancona. Käme Bari auch in die nähere Auswahl? Wir müssten dafür mit Übernachtung in einer 4-Bettkabine 372 Euro auf den Tisch legen. Zu bedenken sind die 500 km Landweg von Bari bis Ancona.


   |   Tages KM: 15   |   GPS Nord: 38°44'08   |   GPS Ost: 26°46'47

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Montag, 31.10. Sazlika (Foca) - Bergama

Heute haben wir einen letzten Tag Kultur in Bergama eingeplant. In früheren Zeiten heiß Bergama Pergamon und entstand vermutlich schon im 6. Jh. vor Chr. Anke, Harald, Veronika und Michel besichtigen die Akropolis – Peter und ich machen einen Stadtbummel. Interessant sind die kleinen Handwerksgassen, dort geht es beschaulich zu, denn in diesen sind kaum Touristen unterwegs. Am späten Nachmittag suchen wir das alte Hamam auf, außer Christine und Hartwig – sie haben heute gesundheitliche Probleme.
Das Hamam hat zwei getrennte Eingänge. Nach Geschlechtern geteilt wird hier nach alter Tradition gebadet. In einer Ruhekabine (mit Liege) zieht man sich um und betritt, nur mit einem Tuch (dem Pestemal) und Badelatschen bekleidet, das eigentliche Hamam. Es gibt mehrere Abteilungen zum Waschen – kühlere und warme. Der Mittelpunkt ist das runde Marmorsteinpodest auf dem mehrere Personen liegen können. Hier finden die Waschungen und die Seifenmassagen statt. Rundherum in kleinen Nischen befinden sich die Waschbecken in die warmes und kaltes Wasser eingelassen werden kann.
Wir drei Frauen finden in der Frauenabteilung keinen heißen Stein vor. In einer Nische sind unter bettbreiten Holzlattengittern warme Marmorpodeste auf denen man sich austrecken kann. Die Badefrau gibt uns zu verstehen, dass wir mit dem Wasser aus den Wasserbecken uns begießen sollen. Dazu benutzen wir kleine Plastikschüsseln. Schon bald werden wir Frauen übermütig und veranstalten eine regelrechte Wasserschlacht. Mal warm – mal kalt, mit viel Gejuche. Gott sei Dank sind wir die einzigen Gäste, außer einer jungen Türkin in einer anderen Abteilung. Dann wird Veronika von der Badefrau mit dem Rubbelhandschuh gewaschen. Die Badefrau ist ganz enttäuscht, weil bei Veronika sich keine „Dreckröllchen“ bilden. Sie rubbelt und rubbelt, bis sich endlich auf den Armen doch einige zeigen. Nun freut sich die Badefrau. Danach kommt die wohlige Seifenschaummassage. Mit viel warmem Wasser wird der Schaum abgespült. Als nächste kommt Anke dran und dann ich. In dem sehr warmen Raum stehen vor Anstrengung unserer Badefrau die Schweißperlen auf der Stirn.
Wohlig entspannt mit einer Haut wie ein „Baby Popo“ verlassen wir das Hamam. Unsere Männer sind schon lange am Mobil. Sie hatten zwei Masseure und berichten uns über ihr Hamamerlebnis.
Erkenntnis im Hamam: Die Männer werden nach der Massage in warme Tücher gehüllt und der Kopf mit einer Art Turban umwickelt. Anschließend reicht man ihnen Tee. Diesen Service bekommen wir Frauen (zum gleichen Preis) nicht!



   |   Tages KM: 79   |   GPS Nord: 39°07'14   |   GPS Ost: 27°11'06

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Dienstag, 1.11. Bergama - Stellplatz an den Dardanellen

Auf dem Parkplatz hinter der roten Basilika haben wir gut o.B. übernachtet. Weiter geht es Richtung Edremit, ein letztes Stück an der Küste entlang. Viele Hotels und Pensionen befinden sich an der Straße. Hinter Edremit gibt es für uns einen Mussstopp: Den alten Basar an der Hauptstraße. Alles alter Krempel und jedes Jahr kommt etwas hinzu. Ob die fünf Männer die dort gelangweilt auf Kundschaft warten auch etwas verkaufen? Bei Kücükkuyu geht es bis auf 600 m hoch ins Gebirge. Teststrecke für unser Mobil – alles geht gut, aber wir haben weiterhin Ölverlust am Getriebe! Unterwegs an einer besonders steilen Strecke hat sich auf der Gegenfahrbahn ein schwerer Unfall ereignet. Ein LKW hat sich auf die Seite gelegt. Ein Bagger soll ihn aufrichten und die Polizei sichert die Unfallstelle. Ab Enzine wird es wieder flach. Gemüsestände säumen den Straßenrand und das bunte Herbstlaub leuchtet uns entgegen. Vor Canakkale wird die Straße auf 6 Spuren verbreitert und nur mit Mühe finden wir den Sun-San Camping am Meer. Dieser hat seine Preise innerhalb der letzten 2 Jahre gewaltig erhöht und ist auch nicht bereit einen Nachsaisonpreis einzuräumen. Peter kann sich an einen Parkplatz am Meer erinnern und kurzerhand fahren wir zu dem. Der Platz ist etwas vermüllt, aber ruhig verbringen wir die Nacht.
Blick: Auf die Meerenge der Dardanellen – auf der anderen Seite befindet sich bereits Europa.



   |   Tages KM: 233   |   GPS Nord: 40°05'33   |   GPS Ost: 26°21'44

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Mittwoch, 2.11. Stellplatz an den Dardanellen - Nea Peramos

Heute ist der Himmel bewölkt und am Morgen haben wir nur 5 Grad Außentemperatur – Innentemperatur 16 °C. So langsam müssen wir die Heizung einschalten. Wir wollen die Fähre Lapseki-Gelibolu nehmen und dort die letzten Lira ausgeben. 37 Lira kostet die Fähre, danach haben alle, außer Hartwig, nur noch Kleingeld. Das reicht aber für unsere Kleineinkäufe und ein paar leckere Gerichte für den kleinen Hunger. Danach geht es zügig Richtung griechische Grenze. Getreide- und Reisfelder sind abgeerntet, Hirten treiben ihre Ziegenherden über die Stoppelfelder. Gegen 13 Uhr erreichen wir die Grenze und werden zügig abgefertigt. Wir beschließen noch 200 km weiter bis Kavala zu fahren. Hier wissen Anke und Harald einen Stellplatz direkt am Meer, unweit der Autobahn.
Wette des Tages: Wann versinkt heute die Sonne hinter dem Horizont? Richtige Antwort: 16.15 Uhr.



   |   Tages KM: 358   |   GPS Nord: 40°42'06   |   GPS Ost: 24°18'53

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Donnerstag, 3.11. Nea Peramos - Igouminitsa

Der jetzt kostenlose Stellplatz war super. Nach dem Tanken und Versorgen bei Lidl nehmen wir bei Sonnenschein die 450 km bis zum Fährhafen in Igouminitsa in Angriff. Die Autobahnstrecke ist uns bereits von der Anreise bekannt und zügig kommen wir vorwärts. Im Fährhafen bekommen wir günstige Passagen nach Ancona. Für die Überfahrt und Übernachtung in einer 2-Bettkabine incl. Mittagessen bezahlen wir je nach Größe (6m) 231 Euro bis (8m) 293 Euro. Ab 22 Uhr dürfen wir in den Hafen, die Fähre kommt aus Patras soll um 23 Uhr ablegen. Bis zum Einschiffen bleibt viel Zeit und während wir warten, treffen Erika und Reinhard aus Cirale ein. Sie fahren mit der 50 Jahre alten Ventouris nach Bari, die als einzige im November noch Camping an Bord anbietet.
Pünktlich legt unsere Fähre um 23 Uhr ab. Unsere 2-Bett-Kabinen liegen dicht beieinander. Wir gehen bald schlafen, nur Anke und Harald schauen sich vom Oberdeck das Auslaufen der Fähre an.
Überraschung: Michels Bruder Peter befindet sich mit Ehefrau und Mobil auch an Bord, sie sind in Patras auf die Fähre gefahren.


   |   Tages KM: 472   |   GPS Süd: 39°29'14   |   GPS West: 20°15'35

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Freitag, 4.11. Igouminitsa - Carpi (I)

Um 8.30 Uhr haben wir uns alle zum Frühstück im SB-Restaurant verabredet. Die Preise erfahren wir erst an der Kasse – so kostet ein Gourmet-Kaffee im Pappbecher stolze 2.70 Euro. Weitere Speisen haben europäisches Preisniveau. Da Billy sich nur auf dem Oberdeck aufhalten darf, verbringen wir alle die Zeit bis zum Eintreffen (ca. 14.30 Uhr) in Ancona auf dem Oberdeck. Die Sonne meint es gut mit uns und angeregte Gespräche vertreiben uns die Zeit. Michels Bruder und Schwägerin sitzen mit uns in der Runde und berichten von Stellplätzen in Griechenland. Veronika und Michel haben als Dankeschön ein Lied für uns getextet und bringen es nun als Ständchen. Denn nach dem Verlassen der Fähre teilt sich unsere Gruppe abermals. Wir wollen mit Anke und Harald etwa 280 km bis Carpi nördlich von Modena fahren. Über Österreich und einigen Besuchen planen wir um den 10. November in Norddeutschland einzutreffen. Veronika, Michel und Christine und Harald übernachten heute in Fano. Beide Ehepaare wollen erst Mitte November daheim sein.

   |   Tages KM: 283   |   GPS Nord: 44°47'02   |   GPS Ost: 10°52'02

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Anmerkungen zur Reise

Das hat uns gefallen in Georgien:
Die einzigartige Landschaft mit den Bergen vom kleinen und großen Kaukasus, die Heerstraße nach Kasbegi, die Höhlenklöster von Vadzia, gewaltige Kirchen und Klosteranlagen.
Unseren Mitreisenden hat die Weinstraße sehr gut gefallen, das dörfliche Leben am Straßenrand. Wir waren leider nicht dort, weil Peter und ich eine Woche im Krankenhaus in Tbilissi verbrachten.
Die Menschen waren überaus freundlich in ihrer zurückhaltenden Art.
Dieselkraftstoff liegt bei etwa 1 Euro pro Liter.
Das einheimische Essen – sehr gut und preiswert.
Ein großes Lob an unsere Reiseleitung Nino, die uns Land, Leute und Speisen näher gebracht hat.

Das hat uns weniger gefallen in Georgien:
In den recht preisgünstigen Restaurants waren die Kellner mit der Bestellungsaufnahme und späteren Abrechnung komplett überfordert. Das mag bei Einzelreisenden einfacher sein, wir waren eine 15 Personen-Gruppe und haben „á la Card“ bestellt.
Straßenverkehr und das Fahrverhalten fanden wir weniger nervenaufreibend als befürchtet.
Es gibt keine Campingplätze in Georgien, dafür war auf Parkplätzen gegen ein geringes Entgelt eine Übernachtung auch möglich – meistens kostenlos.

Das hat uns gefallen in der Türkei:
Die vielfältige Küche, die sehr freundliche und immer hilfsbereite Bevölkerung, die so unterschiedlichen Landschaften, die noch angenehmen Badetemperaturen im Oktober (22 bis 26 Grad C), das Preis-Leistungsverhältnis – für unseren Euro wird viel geboten.

Das hat uns weniger gefallen:
Die Kraftstoffpreise sind ähnlich hoch wie in Griechenland (umgerechnet 1,50 pro Liter). Bei einer Rundreise mit An- und Abfahrt (und einem Abstecher durch Georgien (insgesamt 12000Km) sind bei uns 2.500 Euro an Kraftstoffkosten angefallen.
Die Türkei zusammenfassend: Alles stimmend – unser absolutes Reiseland!


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