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- 2014 Teil 1

Es geht mal wieder los ..... ab 25.8.

Planungen

Bereits Ende 2013 begannen die Planungen für die Reise im Herbst 2014. Zunächst war angedacht eine Reise rund um das Schwarze Meer. Nach den tollen Erfahrungen in Russland und der Ukraine sollte die Reise über die Krim bis Sotchi gehen. Von dort über den Kaukasus nach Georgien. Auch hier hatten wir ein junges Mädchen, das uns 2011 das Land näher gebracht hat, in unser Herz geschlossen.
Doch hat uns die Krise in der Ukraine gezwungen von unserem Plan abzuweichen.
Die Türkei und Georgien waren aber noch Ziel unserer Reise. So kam uns die Idee auf von Georgien weiter über Armenien in den Iran zu Reisen.
Nach Studium vieler Reiseberichte und 4 Büchern von Reisenden durch den Iran stand unser Entschluss fest dieses Land zu bereisen.
Über das Internet hatten wir schon bei unserer Russlandreise Kontakt zu Jürgen und Gisela Ziemann.
Sie haben sowohl den Baikalsee sowie den Iran bereist. Kurzerhand haben Sie uns auf dem Weg nach Schweden besucht und uns viele wertvolle Tipps zur Reise mit auf dem Weg gegeben. Hierfür euch beiden nochmals Herzlichen Dank!
Begleiten wird uns auf dieser Reise ein PhoeniX aus Norden in Ostfriesland, mit der Besatzung
Redine und Jann-Habbo.


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Vorbereitungen

Die Vorbereitungen sind jetzt in der Endphase.
Geimpft sind wir nun gegen: Polio, Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A+B, Typhus und Tollwut.
Malaria war Absprache mit dem Arzt nicht nötig, da wir ein Malaria gefährdetes Gebiet nur streifen und uns dort nicht nachts aufhalten werden.
Visa haben wir bereits erhalten. Das Carnet de Passage ist beim ADAC in Bearbeitung und wird rechtzeitig fertig. Die Versicherung mussten wir leider mitten im Jahr wechseln, da die HDI nur Europa versichert. So sind wir nun mit vollem Versicherungsschutz bei der Nürnberger Vers. gelandet.
Der Phoenix ist in einem Top Zustand, trotzdem werden ihn noch bei Iveco zur Inspektion vorstellen.
So langsam fangen wir an darüber nachzudenken was alles auf der großen Reise benötigt wird. Wir haben damit zwar schon einige Erfahrung aber jede Reise und jedes Land ist anders.
So haben wir jegliche alkoholischen Getränke aus dem Mobil verbannt, was uns aber nicht allzu schwer fällt.
Die Tickets für die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa sind eingetroffen. Wir fahren mit der Minoan Lines Camping all inclusive. Das beinhaltet eine Kabine und 2 Hauptgerichte im Restaurant. Wir bezahlen für 2 Pers. und Mobil hin und zurück rund 550.-€
Die Reiselektüre und Reiseführer sowie Landkarten sind längst beschafft. Für das Navi haben wir uns eine routenfähige Karte Georgien, Armenien und den Iran anfertigen lassen.
Aus Georgien kommt eine Anfrage von der deutschsprachigen Zeitung Kaukasische Post zu einem Interview, wir werden die Zeitung besuchen.
Die Inspektion ist gemacht, lt. Iveco sind keine Probleme zu erwarten. Für die Hinterachse haben wir vorsorglich Bremsklötze dabei.
Mit Nino in Georgien sind wir in Kontakt, sie und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen.
Inzwischen haben wir Kontakt zu einem Reiseführer in Täbriz aufgenommen, der uns eventuell beim Besorgen von Telefonkarten und anderem behilflich sein könnte.
Das Carnet de Passage haben wir vom ADAC erhalten, nun sind alle erforderlichen Unterlagen beisammen.
Die letzten Einkäufe an Vorräten die uns wichtig erscheinen sind getätigt, wichtige Medikamente sind an Bord. So langsam füllen sich die Stauräume.
Am 25. August geht es los. Zuerst stehen Familien Besuche in der Schweiz an. Unsere Tochter lebt in Zürich, unser Sohn mit Familie in St. Gallen. Nach einer Geburtstagsparty mit unserem Enkel starten wir nach Ancona. Dort treffen wir uns mit unseren Begleitern.



Hier ein Auszug aus einem Reiseberichte von: Shumba- Die Weltenbummler,
Der Iran, das sind vor allem die Menschen, unglaublich offene, herzliche und sehr freundliche Menschen. Wir haben uns nie auch nur einmal unwohl gefühlt, geschweige denn gefährdet oder gar bedroht. Die Menschen in diesem Land sind uns mit einer unglaublichen Offenheit, Freundlichkeit und Neugierde begegnet. Klar, es waren immer dieselben Fragen: Woher kommt Ihr? Was ist Dein Beruf? Wie alt bist Du? Wie viele Kinder habt ihr? Sobald man sagte, dass man aus Deutschland kommt, strahlten die Gesichter noch mehr oder sie pfiffen anerkennend durch die meist vorhandenen Zahnlücken „Deutschland gut"! Wir haben hier eine beispiellose Gastfreundschaft erlebt. Sehr häufig wurden wir zum Tee oder zum Essen oder gar zum Übernachten eingeladen, unterwegs wurde uns in den Dörfern Brot oder Obst geschenkt, einfach so. Uns hat es im Iran ausnehmend gut gefallen, wir haben uns richtig wohlgefühlt, und das hauptsächlich wegen der tollen Menschen in diesem Land. Zudem ist der Iran ein absolut sicheres Reiseland. Es gibt im Grunde keine Kriminalität. Die Strafen für Diebstahl sind drastisch und Raub ist nicht mit dem Koran vereinbar.


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Montag, 25.8. bis Dienstag, 2.9.

Heute, am 25.8., ist es endlich wieder soweit: Unsere zweite große Reise 2014 kann beginnen. Das Haus ist „eingemottet“ und unsere netten Nachbarn schauen die nächsten drei Monate nach dem Rechten. Heute wollen wir es bis Alsfeld schaffen. Ein kleiner Zwischenstopp in Bad Soden –Allendorf, hier kuren Gaby und Lutz, unsere Reisepartner vom Baikalsee. Der Stellplatz in Alsfeld ist belegt mit „Zigeunern“. Diese geben uns mit Handzeichen zu verstehen, dass sie unter sich sein wollen.
Der nächste Stellplatz ist nicht weit, und wir stehen hier ganz allein.
Zigeuner: Die richtigen „Zigeuner“ wollten uns am Stellplatz nicht haben – obwohl wir doch auch wie Zigeuner in unseren Reisemobilen leben: Immer auf Reisen, fast jeden Tag einen anderen Stellplatz, essen unter freiem Himmel (am liebsten in netter Reisegesellschaft), Wäsche waschen wo’s gerade passt und manchmal einen Tanz ums Feuer.

Den 26.8. fahren wir bis Waldkirch und besuchen Verwandte. Der Gratis-Stellplatz liegt nur wenige Schritte vom Stadtzentrum an einem Sportplatz unter hohen Bäumen. Nachteil: Bei starkem Regen trommelt es unaufhörlich aufs Dach.

Am 27.8. erreichen wir Zürich. In der Stadt einen geeigneten Parkplatz (trotz beschafftem Parkausweis unserer Tochter) zu finden ist fast wie ein 6er im Lotto. Außerdem ist am Straßenrand sehr laut. So parken wir spätnachts noch um. Am Zürichsee (Mythenquai) kann man ab 20 Uhr bis morgens 8 Uhr (noch) gratis parken. Es ist relativ ruhig.

Die nächsten 4 Tage verbringen wir in St. Gallen bei unseren Enkelkindern. Ein 6ster Geburtstag wird gefeiert, gebastelt und gespielt und erstmals übernachten die Enkelkinder auf eigenem Wunsch in unserem Mobil – ein Mordsspaß. Sonntag müssen wir abends um parken. 4 Tage ohne Sonne – unsere Stromversorgung zeigt nur noch 9% an. Der tagsüber kostenpflichtige Stellplatz liegt in der Nähe vom Schwimmbad und Sportplatz an einer Straßenmeisterei. „Gott sei Dank“ zeigt um Mitternacht das Stromdisplay schon 60% an – Batterien noch einmal gerettet?

Am Montag fahren wir durch die Schweiz und den St. Bernhardino-Tunnel nach Italien. Zeitweise hört der Regen auf und die Sonne kommt raus. In Rimini erwarten uns Redine und Jann-Habbo, unsere Mitreisenden für diese Tour. Der Stellplatz ist nicht so einfach zu finden, denn die Via Roma gibt es mit Abwandlungen in der Schreibweise mehrmals. Nachdem wir die GPS-Daten haben, finden wir dann zum richtigen Stellplatz. Nach einem Wiedersehensumtrunk fallen wir rechtschaffen müde in unsere Betten.
Mögen uns die guten Wünsche unserer Freunde und Nachbarn auf dieser großen Abenteuerreise begleiten und wir uns alle gesund und munter im November wiedersehen.

Dienstag, 2.9. Rimini – Ancona
Die Fähre geht am frühen Abend (18 Uhr) ab Ancona. Rund 110 km liegen vor uns, so bleibt uns noch der Vormittag für einen kleinen Stadtbummel durch Rimini. Ein leckeres Eis bildet den Abschluss und prompt fängt es zu regnen. Der Regen wird heftiger und Peter kauft den vierten Schirm für unser Reisemobil.
Im Fährhafen rechtzeitig angekommen heißt es warten. Unsere Fähre kommt erst um 18 Uhr mit 2,5 Stunden Verspätung an. Bei Sturm und Regen beginnt die Ausschiffung. Die Businsassen müssen draußen in ihre Busse steigen – welch ungemütlicher Empfang in Italien. Wir stehen in erster Reihe und sehen zu wie zuerst die LKW im Schiffsrumpf verschwinden. Die nassen Reifen rotieren auf der nassen steilen Rampe, und einige LKW schaffen es erst nach mehreren Anläufen. Wie mag es uns ergehen? Dann lässt man uns über Rampen in den ersten Stock. Eng an eng werden wir zum Parken eingewiesen. Für die Fahrer eine Meisterleistung! Schon bald ist die Fähre beladen – auf unserem Deck gibt es noch reichlich Platz. Warum eigentlich dieser „Zirkus“ eng einzuparken? Reine Schikane vom Personal!
Wir haben ein Fährticket „all inclusive“ gebucht. Das beinhaltet außer der Überfahrt die Übernachtung zu zweit in einer Kabine und einen Discount (30%) für den Verzehr der Speisen in den Restaurants.
Die kleinen Kabinen sind zweckmäßig eingerichtet, könnten aber etwas sauberer sein. Eine Klimaanlage schafft genügend Kühlung – vielleicht für den einen oder anderen mit einer dünnen Wolldecke zu kühl. Wir erkunden das Schiff und Peter hat als einziger einen gesunden Appetit. Wir anderen schauen etwas skeptisch. Die hohen Wellen im Hafen waren nicht unbedenklich.


   |   Tages KM: 1901

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Mittwoch, 3.9. Igoumenitsa - Vergina

Die Überfahrt verlief ruhig. Aber die Fähre holt die Verspätung nicht ein und erst gegen Mittag erreichen wir Griechenland. Sonne – Wärme!!!! Nach dem Volltanken geht es auf die Autobahn. Mit kleinen Pausen erreichen wir unseren Übernachtungsplatz in Vergina. Der große ruhige Parkplatz auf dem Ausgrabungsgelände der Königsgräber ist kostenlos. Die Dorfbewohner grüßen uns freundlich während wir vor den Mobilen zu Abend essen. Ein kleiner Spaziergang durch den Ort – dann heißt es: Arbeiten. Morgen Abend haben wir Internet und die ersten Berichte wollen geschrieben sein.





   |   Tages KM: 267   |   GPS Nord: 40°29'03"   |   GPS Ost: 22°19'20"

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Donnerstag, 4.9. Vergina - Alexandropoli

Redine und Jann-Habbo besichtigen die Königsgräber – das Museum ist ab 8 Uhr geöffnet.
Der Reisebericht ist nun auf dem Laufenden – ich hoffe, dass es heute Abend mit dem Internet klappt!
Ohne Staus schnurren unsere Mobile über die Autobahn. Nur an Mautstellen stoppen wir, es werden jeweils 6 € kassiert (insgesamt auf dieser Strecke 39€) und schon geht es weiter. Die Landschaft wird flacher. Hier lebt man von Obstanbau, Baumwolle, Tabak und Tomaten. Die Sonne ist heute unser Begleiter – wir haben um die 25°C. Nach dem obligatorischen Getränkeeinkauf bei Lidl ist der heutige Campingplatz bald erreicht. Abends spazieren wir in die nahe Stadt. In der „Freßmeile“ stärken wir uns. Der „Grillteller“ wird auf Papier serviert und die Reste später in diesem entsorgt.
Abends um 22 Uhr haben wir noch mollige 25°C .Zu warm um schlafen zu gehen – Peter plagt sich noch lange mit dem langsamen Internet.
Morgen wollen wir um 9 Uhr unsere Fahrt fortsetzen.


   |   Tages KM: 382   |   GPS Nord: 40°50'46   |   GPS Ost: 25°51'19

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Freitag, 5.9. Alexandropoli - Hendek Rasthof

Bis an der Rezeption die Rechnungen für die Übernachtung bezahlt (man findet unsere Campingausweise nicht) und die Fahrzeuge betankt sind, vergeht Zeit.
An der türkischen Grenze drängeln wir uns an allen LKW vorbei und fahren zügig an die Kontrollstellen. Doch der spanische Caravan vor uns muss erst für seinen Anhänger eine grüne Versicherungskarte beschaffen und bleibt in der Abfertigungsspur stehen – andere Länder, andere Vorschriften. Wir versorgen uns noch mit der Landeswährung. Eine türkische Lira (TL) sind zurzeit umgerechnet 2,70 Euro.
Dann endlich um 11.30 Uhr haben wir türkischen Boden unter den Reifen und brausen los. Die rechte Fahrspur ist durch die vielen LKW Reifen ausgewaschen und recht holprig. So fahren wir überwiegend links. Die Himmel ist zuerst bedeckt, am frühen Nachmittag kommt die Sonne raus und wir haben mollige 27°C. Da wir dieses Mal keinen Abstecher in dieser so großen Stadt Istanbul (fast 20. Mio. Einwohner) planen, wollen wir sie auf der Autobahn umfahren. Dafür benötigen wir eine Mautkarte und wir halten an der ersten Zahlstelle. Doch wo ist das Büro? Peter und Jann-Habbo überqueren waghalsig die Fahrbahn. Könnten wir doch türkisch, dann hätten wir den Hinweis rechts schon früher gelesen.
Unsere Männer benötigen sehr viel Zeit. Dabei stellt sich heraus, dass unsere vor 3 Jahren gekaufte Karte ungültig ist – der Betreiber hat gewechselt. Wir bekommen eine neue und umgerechnet 20 Euro Guthaben sollen bis Ankara reichen – inschallah.
Je näher wir Istanbul kommen, je mehr nimmt der Straßenverkehr zu. Um 16 Uhr beginnt der Berufsverkehr und LKW dürfen von 16 bis 22 Uhr hier nicht fahren – doch niemand hält sich daran. So fahren wir mit unseren Mobilen mittendrin, und es ist schwer sich nicht aus den Augen zu verlieren. Dann immer wieder drängeln sich Fahrzeuge zwischen uns. Doch alles jammern hilft nichts, bis zur Mehmet-Fatih-Brücke über den Bosporus müssen wir uns durchquälen. Oft kommen zu unseren 3 Spuren noch 3 weitere hinzu, die in unsere ohnehin verstopften Fahrbahnen eingefädelt werden müssen. Auf den Fahrbahnen (!!!) stehen Verkäufer die Bananen, Sesamkringel und Erfrischungsgetränke „an den Mann“ bringen wollen. Bei uns in Deutschland undenkbar!
Der Blick von der Brücke ist umwerfend. Der Stau nach der Brücke – ernüchternd. Unsere Freunde haben wir schon seit geraumer Zeit aus den Augen verloren – der Funkkontakt zu ihnen ist gänzlich abgebrochen. Auf ein: „ Hallo, hallo – hört ihr uns?“ bekommen wir keine Nachricht. Dann nach geraumer Zeit eine SMS: „Wir können euch verstehen, aber ihr anscheinend uns nicht“. Von uns der Hinweis: Immer Richtung Ankara hilft hoffentlich den Beiden. Für die zwei eine harte Bewährungsprobe!!! Als dann endlich der Verkehr läuft, sind wir wieder beisammen. So fahren wir noch bis 19 Uhr um dann auf einem Autobahnrasthof zu übernachten. Wir sind durch die Fahrerei um Istanbul und die Hitze fix und foxi (abends noch 27°C). Eine Jandarma (Polizei) hat hier eine Station und bewacht den Rasthof und LKW-Schlafplatz.
Nach einem Schlummertrunk vor den Mobilen vertreibt uns ein mieser Geruch (wo ist hier der Abwasserkanal?) in die Mobile.
Eindrücke: Wenn ich (Monika) die modernen Fabrikbauten, die Büro-Glaspaläste und die neuen Wohnblocks um Istanbul herum sehe denke ich:“ Wir in Europa können von den Städte- Straßen- und Industrieplanern der Türkei nur lernen. In Europa ist mir bislang vergleichbares nicht begegnet.


   |   Tages KM: 486   |   GPS Nord: 40°45'03   |   GPS Ost: 30°41'56

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Samstag, 6.9. Hendek Rasthof - Amasra

Schon früh setzt der Straßenverkehr ein und auch die große Hitze rauben uns den Schlaf (das Thermometer zeigt 25°C um 7 Uhr morgens). Wie hoch mögen die Temperaturen tagsüber noch steigen? Ab Gerede ist die Landstr. jetzt eine gut ausgebaute Schnellstr. und schon bald haben wir die uns bekannte Stadt Safranbolu erreicht. Diese kleine Stadt war bis ins 19. Jh. umgeben von Safranfeldern. Der kostbare Safran hat die Stadt reich gemacht und die reichen Kaufleute errichteten dreistöckige Villen. In den nun restaurierten Häusern befinden sich Hotels und Restaurants. Im Erdgeschoß von vielen Häusern preist man Souvenirs für die vielen Besucher an. Wir schlendern über alte Pflastersteine die schmalen Gassen rauf und runter und stärken uns mit türkischen Spezialitäten.
Das fiel uns auf: Am Wochenende viele Besucher mit aus Istanbul (Kennzeichen 34).
Wir kommen mit einem älteren Herrn (83 Jahre) ins Gespräch. Dieser hat über 20 Jahre in der Stadt Essen gelebt und gearbeitet. Heute lebt er mit seiner Frau in der Türkei und seine Kinder besuchen ihn hier. Nach 3 Stunden wird es Zeit zum Aufbruch. Wir wollen es noch bis Amasra schaffen. Die Strecke ist teilweise sehr gebirgig und kommt bis auf 1000 m. Amasra liegt zwischen zwei Buchten und soll das schönste Städtchen an der Schwarzmeerküste sein. Besonders die Einheimischen lieben es hier Urlaub zu machen. Ein Kastell, eine römische Brücke und einige antike Überreste zählen zu den Sehenswürdigkeiten. Wir finden mit Mühe auf dem kostenpflichtigen Parkplatz am kleinen Hafen ein Plätzchen, denn heute am Samstag stehen hier viele Ausflugsbusse und PKW. Wir laufen noch ein wenig durch die belebte Stadt. Schon bald verlassen nach und nach die Tagesgäste diesen schönen Ort.
Abends zieht ein Gewitter herauf, Regen setzt ein und es kühlt ein wenig ab.
Neben uns parkt eine Familie aus Izmit. Sie sind mit einem PKW samt Anhänger unterwegs. Dieser Anhänger macht uns neugierig. Stolz zeigen sie uns diesen, ein türk. Modell mit dem Namen „Caretta“ (Schildkröte) – und so sieht er auch aus. Für Kurztrips perfekt geeignet, er hat mich uns unseren „Klipp-Klapp“-Anhänger vor 40 Jahren erinnert.
Der Regen hört bald auf. Dann hören wir nur noch das Rauschen der Wellen.



   |   Tages KM: 334   |   GPS Nord: 41°44'58   |   GPS Ost: 32°22'55

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Sonntag, 7.9. Amasra - Camping Sinop



Wir fühlen uns ausgeruht. Redine und Jann-Habbo haben schlecht geschlafen. Sie hörten nachts Stimmen vor dem Mobil und dann haben sich noch drei Männer auf der Rasenfläche davor zum Schlafen nieder gelegt.
Nachdem wir uns von den netten Türken neben verabschiedet haben, machen wir uns zur heutigen ersten Etappe bereit. Bis Doganyurt sind es 140 km. Die Straße führt kurvenreich bergauf und bergab überwiegend am Meer entlang. Es ist eine beschwerliche, aber sehr schöne Fahrt mit grandiosen Ausblicken. Wir fahren sie heute bereits zum 4. Mal und sie ist immer wieder anders! Trotz relativ wenig Verkehr benötigen wir dennoch (einschließlich einer kleinen Pause) fast 4 Stunden. Unterwegs ein Unfall. Ein Betonmischer ist von der Fahrbahn abgekommen und hat sich in einer Kurve quer gelegt. Ganz knapp können wir die Unfallstelle passieren.
Das schöne Wetter lässt das Wasser türkisblau erstrahlen. Wir sehen malerische Buchten und Strände, doch wie soll man die an der Steilküste erreichen?
Mittagspause am Hafen von Doganyurt. Gemeinsam beschließen wir noch die 180 km bis Sinop zu fahren und uns morgen einen Ruhetag zu gönnen. Dann gleich nach Doganyurt bergauf kommt uns ein „dicker“ Laster entgegen. Ausweichen nach rechts für uns unmöglich, wir setzen zurück. Der LKW-Fahrer hat das wohl missverstanden und kommt immer näher. Der linke Außenspiegel ist bereits an geklappt und wir blicken dem Fahrer in die Augen. Peters ruft mit energischer Stimme: „ Stopp“, jetzt hält der Fahrer an. Um „ein Haar“ hätte uns der LKW den Alkoven „abrasiert“. Wir setzen noch ein weiteres Stück zurück und mit einem „danke“ fährt der Fahrer an uns vorbei bergab. Das ist noch einmal gut gegangen!
Weiter geht es kurvenreich bergauf und bergab. Müde Hunde liegen auf der warmen Straße, Kühe trotten allein auf der Suche nach leckerem Grün mal links und mal rechts. Diesen Streckenabschnitt schaffen wir (inklusive einer kleinen Tee- und Tankpause) in 3 ½ Stunden. Unser Kraftstoffverbrauch ist bei dieser extremen Belastung recht hoch, etwa 20 Liter auf 100 km. Der Liter Diesel kostet in der Türkei zurzeit umgerechnet € 1.50 bis 1.65. Wir freuen uns schon jetzt auf angenehm niedrigen Dieselpreise im Iran.
Der CP in Sinop liegt 10 km vor der Stadt an einem herrlichen Sandstrand. Es gibt außer Toiletten, Strom, warme Duschen und Internet inclusive. Hurra, auch eine Waschmaschine soll vorhanden sein. Die werden Regine und ich „zum Glühen“ bringen.
Abends: Mückenalarm durch die nahe Flussmündung.


   |   Tages KM: 318   |   GPS Nord: 42°01'56   |   GPS Ost: 35°03'28

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Montag, 8.9. Camping Sinop

Das Wetter ist super. Bereits um 8 Uhr bestücke ich die erste Waschmaschine. Leider kennen sich die jungen Männer in der Rezeption mit so einem Gerät nicht aus. Sie drücken einige Schalter und nach 2 Stunden soll die Wäsche fertig sein. Nachdem ich einige Male nach der angegebenen Zeit zur Maschine gelaufen bin und sie immer noch wäscht frage ich einen deutschsprachigen Gast. Dieser lebt mit seiner Frau schon seit über 20 Jahren in der Türkei und er kennt sich mit der Maschine wesentlich besser aus. Wir hätten das Schnellprogramm F wählen sollen, dann ist die Maschine nach 1 Stunde fertig. Das macht dann Redine und ist wesentlich besser dran. Als ich meine verschmutzen Hemden in die Maschine stopfe ziehen bereits dunkle Wolken heran. Prompt fängt es an zu regnen und nun schaue ich „dumm aus der Wäsche“.



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Dienstag, 9.9. Camping Sinop - Tirebolu

Bis zum heutigen Stellplatz sind es rund 400 km. Die überwiegend gut ausgebaute Küstenstr. lässt uns gut vorankommen. Bis zum Nachmittag wird es schwülwarm und die Sonne guckt raus.
Um Bafra herum gibt es ein sehr fruchtbares Delta, hier gedeiht auf den Feldern fast alles. Die Großstadt Samsun umfahren wir auf einer Schnellstr. und die Landschaft wird wieder beschaulicher. Ünye liegt in einer malerischen Bucht und viele Einheimische sollen hier ihren Urlaub verbringen. Sie flanieren auf der von Palmen gesäumten Promenade und die vielen Cafés sind gut besucht. Von Ünye bis Trabzon befindet sich das Hauptanbaugebiet der Haselnüsse. Die sanften Berghänge hinauf ziehen sich die Plantagen – mit bloßem Auge als grünbraune Fläche wahrzunehmen. An unserer Straße befinden sich verkehrsgünstig die zahlreichen Haselnuss Fabriken. Beim letzten Besuch in dieser Gegend hatte man am Straßenrand auf Plastikplanen die Nüsse zum Trocknen ausgebreitet. Ist vielleicht in diesem Jahr die Ernte schon vorbei?
Auch die Stadt Ordu hat Charme: Blumenrabatten, Parkanlagen, eine gepflegte Seepromenade und eine Gondelbahn auf den Burg Berg. Hier machen die Türken unter sich Urlaub. Die Großstadt Giresun begrüßt uns mit einem heftigen Gewitter und Regen. Schon bald ist unser heutiger Übernachtungsplatz in Tirebolu am Hafen erreicht. Doch leider ist in diesem Jahr das Hafengelände für Besucher abgesperrt. Wir parken vorerst auf einem Seitenstreifen und warten auf das Ende vom starken Regenguss. Inzwischen „peilen“ unsere Männer die Lage. Die netten Fischer im Hafen laden sie zum Tee ein und öffnen alsbald die Schranke, damit wir mit den Mobilen im Hafen übernachten können. Auch wir Frauen müssen nun einen Tee trinken – so bestimmt es die türkische Gastfreundschaft. Ein anwesender Student, der ein weinig englisch spricht, steht uns „Rede und Antwort“. Der Regen lässt nach und wir stiefeln los. In der nahen Stadt halten wir nach einem passenden Restaurant Ausschau, und landen in einem Pide-Salon. Umgerechnet € 2,50 pro Person bezahlen wir für essen und trinken - da kann man nicht meckern!


   |   Tages KM: 411   |   GPS Nord: 41°00'33"   |   GPS Ost: 38°38'48"

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Mittwoch, 10.9. Tirebolu - Batumi (Georgien)

Bereits um 5 Uhr morgens werden wir vom Muezzin geweckt. So laut und so lange wie hier hatten wir den Ruf zum Gebet bislang nirgendwo vernommen. Bis zum Aufstehen können wir uns beruhigt noch einmal umdrehen. Nach einem schnellen Frühstück erkunden Peter und ich den kleinen Fischereihafen. Ein „Fischhändler“ Informiert uns, dass so ein Schiff 2 bis 3 Tonnen Schwarzmeer-Sardinen pro Tag fischt. Der Fang von diesem Boot ist für Deutschland zur Weiterverarbeitung bestimmt. Bei diesen Mengen fragen wir uns: Wie lange gibt es noch im Schwarzmeer Sardinen?
Unser Streckenabschnitt ist eine gut ausgebaute zwei-spurige Schnellstraße. Bis weit hinter Trabzon begleiteten uns noch die Haselnussplantagen – dann wechselt das hügelige Landschaftsbild. Ab Rize wird Tee angebaut. Caykur ist der Hauptteehersteller. In der Türkei sollen pro Kopf 2 bis 3 Kilo Tee verbraucht werden. Wir fragen unsere Freunde: „Wieviel Tee trinkt ihr so in Ostfriesland?“ Redine schätzt 3 Kilo. Ich kaufe einen größeren Vorrat für daheim.
Gegen 14 Uhr erreichen wir die Grenze Türkei/Georgien. Alles verläuft problemlos innerhalb von 45 Minuten und auch ein kleiner Betrag Euro in Lari ist umgetauscht. Für 1 Euro erhalten wir 2,22 Lari. Die erste Betankung wird fällig. 1 Liter Euro-Diesel kostet umgerechnet 97 Cent – da macht das Tanken Spaß!!!
Leider wartet dieses Mal unsere kleine Reiseführerin Nino nicht auf uns an der Grenze. Wir müssen uns selbst zurechtfinden. Erstmals navigieren wir mit „Garmin-Montana“. Leider hat dieses Gerät keine sprachlichen Anweisungen. Trotzdem finden wir auf Anhieb den uns von der Reise 2011 bekannten Stellplatz in Batumi.
Schon bald zeigen wir Redine und Jann-Habbo diese schöne Stadt. Entlang der endlosen Seepromenade ziehen sich die steinigen Strände. Die Sonnenliegen sind gut besetzt und im Wasser tummeln sich viele Leute. Die Strandbars werden abends die Besucher mit Musik und „harten“ Getränken locken. In der Stadt werden alte Gebäude renoviert, dann ziehen dort Hotels und Filialen von „Edelmarken“ ein. Riesige namhafte Hotelbauten, unzählige Bekleidungsgeschäfte, Restaurants und Cafés warten auf zahlungskräftige Touristen. Beim Essen erfahren wir, dass wir die Uhrzeit um eine weitere Stunde vorstellen müssen. Um 19 Uhr herrscht bereits vollkommende Dunkelheit, die Gebäude und Bäume (Bambus und Palmen) sind nun farbig angestrahlt. Auf den Straßen und Plätzen ein reges Treiben bei hochsommerlichen Temperaturen. Wir kommen an den Wasserspielen mit internationaler Musik vorbei und verweilen dort eine geraume Zeit - einfach nur zauberhaft!
Unser Parkplatz ist taghell beleuchtet und wird bewacht. Wir hoffen auf einen ruhige Nacht.


   |   Tages KM: 302   |   GPS Nord: 41°38'48"   |   GPS Ost: 41°37'23"

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Donnerstag, 11.9. Batumi - Gori Cave City

Ruhig war die Nacht, aber viel zu hell und viel zu warm! Die riesigen Bogenlampen leuchteten taghell den Platz aus, strahlten aber auch in unsere weit geöffneten Fenster und so müden Gesichter. Ich fühle mich heute „erschlagen“ und nicht ausgeruht. Als erstes steckt Peter den Chip vom „Garmin Montana“ in sein Garmin Navi. Und siehe da es funktioniert – sogar mit Sprache!
Unsere Strecke führt etliche Kilometer an der Küste entlang und Souvenirstände preisen Holzgegenstände an. Dann wird es gebirgiger. An den bewaldeten Hängen, wachsen Sträucher und Rankengewächse, dazwischen stehen Wohnhäuser – alles ist sehr grün. Von Aussichtskuppen haben wir zauberhafte Ausblicke auf das Meer und die Landschaft im Binnenland. Mit uns sind etliche PKW, LKW und Kleinbusse unterwegs, denn diese Straße ist die Hauptverbindung nach Tbilisi, der Hauptstadt von Georgien. Die Bewohner der kleinen Straßendörfer sind überwiegend Selbstversorger. Vor ihren eingezäunten Gärten tummelt sich aller Viehzeug: Schweine, Kühe, Hühner und Gänse. Alle leben frei, nicht eingezäunt und nicht angeleint. Da kann es schon passieren, dass Schweine auf der Suche nach Futter urplötzlich über die Straße rasen. Dann heißt es bremsen und das Schwein hat noch einmal „Schwein“ gehabt.
Wo die Georgier (überwiegend fahren Männer) ihren Führerschein erworben haben wissen wir nicht. Sie überholen so risikoreich vor nicht einsehbaren Kurven und bei durchgezogenen Fahrbahnmarkierungen – wahrscheinlich fährt ihr Schutzengel mit! Ab Kutaisi geht es höher ins Gebirge (700m) und die Fahrerei wird durch die riskanten Überholmanöver der Einheimischen für unsere Männer anstrengender. Unsere Funken streiken heute, Funkkontakt ist nicht mehr möglich. Gott sei Dank hat Jann-Habbo noch seine Handfunken dabei. So können wir, sollten wir uns aus den Augen verlieren, noch Kontakt halten.
Bei Gori verlassen wir die M 1, wir wollen zur Höhlenstadt Uplistikhe. Gori ist die Geburtsstadt von Stalin und man hat ihm ein Museum gewidmet. Führungen sind in russischer Sprache möglich. Auf dem Parkplatz vor dem Besichtigungsgelände von Uplistikhe parken wir. Da wir für eine Besichtigung heute zu spät dran sind (es ist bereits 17 Uhr) beschließen wir hier zu übernachten. Bei angenehmen Temperaturen sitzen wir draußen und warten bis die letzten Besucher-PKW den Parkplatz verlassen haben. Nun sind wir mit den zahlreichen Hunden allein am Platz. Redine und ich kochen das Abendessen, die Männer trinken nach der anstrengenden Kurverei noch ein Bierchen. Gemeinsam essen wir draußen und für die Hunde fällt noch reichlich Nahrung ab. Jeder von uns füttert seinen Favoriten. Mir hat es ein kleiner Welpe angetan. Er bekommt den Namen Parmesan. Weil er bei der Spaghetti-Verteilung außer den Nudeln auch noch ein wenig Parmesan aufs Fell bekommen hat. So haben wir alle mit den Hunden unseren Spaß. Aber sie danken es uns nicht- nachts veranstalten sie wildes Gebelle.



   |   Tages KM: 344   |   GPS Nord: 41°57'59"   |   GPS Ost: 44°12'39"

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Freitag, 12.9. Gori - Mtskheta

Während ich den Reisebericht der letzten Tage vervollständige und einen Kuchen für Nino backe, klettern die anderen durch die Höhlenfestung Uplistikhe.
Auszug aus meinem Reisebericht 2011: Die in den Fels gehauene Stadt ist im Westen durch Felsen, im Osten durch eine Schlucht geschützt. In vorchristlicher Zeit wurden hier Gottheiten angebetet. Ende des 8., Anfang des 9. Jh. hatte Uplistikhe strategische Bedeutung und bei Kämpfen zogen sich die Bewohner der näheren Umgebung hierher zurück. Heute sind nur noch Überreste der Festung vorhanden, denn 1920 wurde bei einem großen Erdbeben viel zerstört.
Gegen Mittag sind wir abfahrbereit. Unser heutiger Stopp gilt Mtskheta. Fast 1000 Jahre (500 – 1500 n.Chr.) war sie die Hauptstadt der iberischen und kartlischen Könige, die hier bereits im 4. Jh. zum Christentum übertraten und es zur Staatsreligion erklärten. Dabei spielt die „heilige“ Nino eine wichtige Rolle. Sehenswert in und um Mtskheta sind die Kirchen, herausragend Sweti Zchoweli. Ein Schmuckstück altgeorgischer Baukunst und bis heute wichtiger Wallfahrtsort der Georgier. Betritt man die dunkle Basilika, dann geben die vielen kleinen Altäre, vor denen unzählige Kerzen brennen, die Lichterpunkte. Die Augen gewöhnen sich rasch an die Dunkelheit. Wunderschöne Ikonen befinden sich an den Wänden der Basilika. Eine Nachbildung der Grabeskirche in Jerusalem ist der größte Anziehungspunkt der Gläubigen.
Den schmucken kleinen Ort beleben unzählige Souvenirstände, Cafés und Restaurants. Auch wir verspüren Hunger und stärken uns mit einheimischen Nationalgerichten. Allgemeines Urteil: superlecker!
Abends treffen wir am Platz Nino, unsere nette Reiseleitung aus dem Jahr 2011. Es gibt viel zu berichten und gemeinsam planen wir ab Samstagnachmittag einige Ausflüge.
Nino ist jetzt im Büro einer Reiseorganisation voll beschäftigt. Dieses organisiert für Reisende aus Deutschland, Japan und China überwiegend geführte Touren durch Georgien. Sie arbeitet 6 Tage die Woche (Samstags bis 15 Uhr) und ist froh einen Job zu haben. Auch in Georgen ist die Jugendarbeitslosigkeit groß.
Die Stromversorgung bei Jann-Habbo ist auf bedenkliche 53% gesunken. Auf unsere Frage: „ Strom?“, bei der Klofrau. Fragt diese bei dem Parkplatzwächter nach. Die Antwort lautet: „nein“. Erst nachdem wir Bezahlung anbieten, lässt er sich erweichen. Eine Stromleitung wird vom Toilettenhaus gelegt. Für 2 Stunden bezahlen wir die stolze Summe von 10 Lari (fast 5 €). Bald sind seine Batterien randvoll.


   |   Tages KM: 78   |   GPS Nord: 41°50'35   |   GPS Ost: 44°43'22

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Samstag, 13.9. Mtskheta - Tbilisi

Um 9 Uhr kommt Nino. Gemeinsam fahren wir nach Tbilisi. In der Stadt lotst sie uns durch winzig kleine Gassen zur „Kaukasischen Post“. Der Redakteur hat mit Peter über das Internet Kontakt aufgenommen und will über uns einen Bericht schreiben. Auch hat er Möglichkeiten einen Stellplatz in Redaktionsnähe zu beschaffen. Doch in „seiner“ Straße finden wir nicht einmal geeignete Parkplätze für unsere Mobile, die ausladenden Äste der Straßenbäume kratzen ohnehin schon auf unseren Dächern. Nino ruft die Zeitung an. Diese vermeldet: „Der Redakteur kommt erst am Abend ins Büro“. Jetzt ist guter Rat teuer. Nach etlichen weiteren engen, kleinen Sträßchen und Kratzern finden mit Ninos Hilfe doch noch einen Stellplatz. Ninos „Geschenke“ werden umgeladen und mit einem Freund braust sie in dessen PKW an ihren Arbeitsplatz. Wir beschließen uns die Stadt anzusehen, denn Nino hat erst gegen Abend wieder Zeit für uns.
Bis zu der auf einem Hügel liegenden und weit sichtbaren Zminda-Smeba Kathedrale bringt uns ein Taxi. Von hier wollen wir die Stadtbesichtigung beginnen. Die Kathedrale ist der größte Sakralbau Transkaukasiens. Fast 10 Jahre (1995 – 2004) hat man an ihr gebaut. Nachts wird die Kathedrale angestrahlt. Von hier hat man einen guten Panoramablick - alte und neue Gebäude, u.a. die gläserne Brücke und der Präsidentenpalast. Wir laufen bergab zur ältesten Kreuzkuppelkirche, der Metechi Kirche. Es geht für unsere Verhältnisse durch sehr „arme“ Straßen – zum Renovieren fehlt das Geld. Fast 200 Jahre sowjetische Besatzung haben ihre Spuren hinterlassen. Wobei der 1801 vom russ. Zaren eingesetzte Vizekönig Graf Woronzow Prachtbauten im westlichen Stil errichten ließ. Sie stehen noch heute am Rustaweli-Boulevard. Er holte ital. Architekten und Fachleuchte für Gartenanlagen aus Deutschland. Bereits 1872 gab es einen Eisenbahnanschluss von Tbilisi an Schwarze und Kaspische Meer. Die Einwohnerzahl von Tbilisi wuchs enorm schnell an, Ende des 19. Jh. lebten 170.000 Menschen in der Stadt.
Den anstrengenden Fußweg zur Burg ersparen wir uns heute, denn es ist sehr warm. Vorbei an den Schwefelbädern, durch die schön angelegte Erekli-Straße mit ihren Restaurants und Cafés bis zum beliebtesten Fotomotiv, dem schiefen Uhrturm. Er beherbergt das Puppenmuseum. Über den Rustaweli-Boulevard schlendern wir bis uns die Füße schmerzen. Ein Taxi fährt uns zu den Mobilen zurück wo wir den Nachmittag verbringen.
Mit Nino beschließen wir morgen in die Weindörfer zu fahren. Ihre Freundin Natia betreibt dort mit ihrer Familie ein Weingut und wir sind eingeladen. Morgen will man mit der Weinlese beginnen.
Abends am Stellplatz: Hobbyvorführungen der jungen Männer, die mit ihren Autos Beschleunigung auf kurzer Strecke ausprobieren. Wollen sie ihren Freundinnen zu imponieren?
Nino erklärt uns: die supergroßen Geländefahrzeuge sind fürs Prestige. „Mann“ ist wer und kann es sich leisten. Überhaupt stellen wir fest, dass der Straßenverkehr in Georgien in den letzten 3 Jahren enorm zugenommen hat.


   |   Tages KM: 30   |   GPS Nord: 41°43'15"   |   GPS Ost: 44°44'49"

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Sonntag, 14.9. Tbilisi - Shilda

Bei bedecktem Wetter starten wir zu unserem Ausflug in die Bergdörfer Kachetiens. Dazu müssen wir einen Gebirgszug überwinden – den kleinen Kaukasus. Wir kommen bis auf 1700m. Bei den Schuamta-Klöstern legen wir einen Stopp ein. Das neue Kloster aus dem 16. Jh. wird heute noch von 10 Nonnen bewohnt, das um 1000 Jahre ältere steht leer.
Telawi ist die Hauptstadt Kachetiens und war einst Residenz der kachetischen Könige. Der alte Palast Iraklis II wird seit 2 Jahren restauriert und kann nicht besichtigt werden. An den südlichen Ausläufern der Gombori-Berge beginnt das Weinanbaugebiet. Das 150 km lange Alasani-Tal erfreut sich reicher Niederschläge und geringer Schwankungen der Tages- und Nachttemperaturen, was für den Anbau von Wein und Früchten und für die Schafzucht ideal ist. Dieses und ein weiteres Tal gelten seit Urzeiten als die Brot- und Weinkeller des Landes. Auch soll die Gastfreundschaft, mit denen sie Fremden begegnen, aus den Tiefen ihrer Seele kommen.
Zu so einer Familie führt uns heute Nino. Ihre Freundin Natia lebt mit den Eltern und dem jüngeren Bruder in dem kleinen Ort Shilda, unweit von Gremi. Natia und ihr Bruder Georgi haben mehrere Jahre in Deutschland studiert und sprechen gut deutsch. Eigentlich sollte heute die Weinernte beginnen, doch leider können die örtlichen Keltereien zurzeit keine Lieferungen annehmen. Der Vater ist unterwegs, um andere Keltereien aufzusuchen. Leider passen unsere „Dickschiffe“ nicht in den mit Weintrauben und Kiwis umranken Spalieren des Vordergartens – und auf der staubigen Dorfstraße übernachten? Nein danke! Während wir uns bei Tee und Kaffee stärken, fahren Georgi, die Mutter (sie ist Ärztin) und Peter zur örtlichen Arztpraxis – der Poliklink. Hier sollen wir auf dem eingezäunten Innenhof stehen. Doch leider ist der Schlüssel zum abgeschlossenen Tor unauffindbar. Kurzerhand holt Georgi eine Säge und schreitet zur Tat. Das Tor ist geöffnet, die Mobile rauschen heran und schon stehen sie wie in „Abrahams Schoß“.
Redine und ich haben uns währenddessen mit Natia ausgetauscht. Wir sollen zum Abendessen bleiben – Schaschlik ist bereits vorbereitet und im Hinterhof glüht die Holzkohle. Das ist uns außerordentlich peinlich, haben wir doch kein Gastgeschenk in den Händen. Wir besichtigen den alten traditionellen oberirdischen Weinkeller. In großen Tongefäßen (je 150 bis 300 l) lagert der Wein 1 bis 2 Jahre. Wir erhalten eine kleine Kostprobe, hmm lecker. Die Familie tischt auf was Haus und Garten zu bieten haben. Das Schaschlik schmeckt hervorragend und der rote Wein ist süffig. Es werden nun Trinksprüche auf die Kinder, die Frauen und die Männer ausgesprochen, und zu jedem muss ein Glas, bzw. Trinkhorn in einem Zug geleert werden. Es wird immer lustiger und weil Natia und Georgi so gut deutsch sprechen, wissen sie uns gut zu unterhalten. Doch wie heißt es so schön: „Wenn es am Schönsten ist, dann soll man gehen“. Wir verabreden uns für den nächsten Tag mit Natia, ihr Bruder will schon um 5 Uhr morgens in die Weinberge.
Unsere Sorge: Was sollen wir dieser so netten Familie als Gegenleistung für diese Einladung auftischen?


   |   Tages KM: 142   |   GPS Nord: 42°00'30"   |   GPS Ost: 45°43'16"

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Montag, 15.9. Shilda

Alle haben wir wunderbar geschlafen. Gegen 10 Uhr kommt Natia mit ihrer Mutter, der Ärztin. Die Krankenstation ist bereits von den Krankenschwestern kurz vorher geöffnet worden. Um 9 Uhr standen die ersten Männer vor der verschlossenen Tür. Peter geht hilfsbereit zu ihnen und sagt, dass erst um 10 Uhr geöffnet wird. Der eine Mann zeigt auf sein Herz. Eine Verständigung ist mangels Sprachkenntnisse nicht möglich.
Am Abend dann von Natia die Erklärung: Ihre Mutter wurde von den Patienten gefragt was für Autos unsere Mobile wären? „Röntgenärzte oder Kardiologen aus der Stadt?“, rätselten sie. Dazu muss man wissen, dass in diesem Dorf einige Male mobile Untersuchungsfahrzeuge erschienen sind. „Aber warum sprechen diese Ärzte nicht unsere Sprache?“, fragten die Dorfbewohner. Die Mutter hat dann den Verunsicherten erklärt, dass wir Freunde aus Deutschland sind und sie besuchen! „Auch so!!!“ Wir brechen in schallendes Gelächter aus.
Schon am Vormittag wird es sehr warm. Für die Weinberg-Besichtigung nehmen wir uns den späten Nachmittag vor. Die Frauen erledigen Hausarbeiten – die Männer reparieren. Peter und ich unternehmen gegen Mittag einen Rundgang durch das Dorf. Für die Wegesanierung hat der Staat Gelder zur Verfügung gestellt, doch es hat nur für die Hauptstr. gereicht. Die Dorfbewohner fragen sich wo das restliche Geld geblieben ist.
Nach einigen Internetarbeiten bei der Familie steigen wir mit 6 Personen in den tiefer gelegten Mercedes des Vaters. So fahren wir 16 km über Stock und Stein bis wir Natias Weinberge erreichen. Manchmal ist die Straße so schlecht, dass wir aussteigen müssen um Bodenvertiefungen zu umfahren. Dem Vater macht die Sache sichtlich Spaß. Das letzte Stück laufen wir gemeinsam zu Fuß. Ihre Weinberge liegen nicht am Berg, sondern in einem Tal und die Weinstöcke hängen voll mit reifen Trauben. Wir kosten sie – zuckersüß, Genuss pur. Hoffentlich kann Natia die nächsten Tage mit der Weinlese beginnen. Erst bei Dunkelheit treffen wir wieder in Shilda ein.
Ärztliche Versorgung auch für uns. Seit drei Tagen habe ich „Magenkneifen“ und inzwischen die anderen auch. Das für uns ungewohnte Essen? Natias Mutter verschreibt uns ein „Landespräparat“. Dieses Medikament und ein paar Tage keine fetten Speisen, dann soll alles o.k. sein.
Ein „besseres“ Wohnhaus in Georgien sieht so aus: Im Erdgeschoß befinden sich die Wohnräume, Küche, Bad und Vorratsräume. Im Obergeschoß wird geschlafen. Es gibt eine große geflieste und überdachte Terrasse. Hier spielt sich in den warmen Sommermonaten (Mai bis Ende Oktober) das Leben ab.


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Dienstag, 16.9. Shilda - Signagi

Um 11Uhr verabschieden wir uns bei unserer gastfreundlichen Familie Kantsarashvili. Mit ihnen verbrachten wir ein paar schöne Tage mit unvergesslichen Erlebnissen. Dank an Natia!
Wir besichtigen die Wehrkirche in Gremi – Reste der Hauptkirche Kachetiens. Im Ort Gremi befanden sich damals eine Karawanserei, öffentliche Bäder, ein Palast und andere Gebäude – die 1615 von der persischen Armee zerstört wurden. Die Festungsanlage thront weithin sichtbar auf einem Felsen und wurde vor kurzem restauriert. Neben der Erzengelkirche steht ein dreigeschossiger Glockenturm. Wir besteigen den kaminartigen Turm. Von oben blickt man weit in das Alasani Tal.
Weiter geht es nach Zinandali, zum ehemaligen Landsitz des Fürsten Alexander Tschawtschawadse. Der Sommersitz der Familie liegt in einem großen Park nach englischem Vorbild und ist heute Museum. Einige eingerichtet Räume können besichtigt werden. Wir haben Glück und bekommen die Geschichte der Familie Tschawtschawadse in Deutsch erklärt. Fürst Alexander T. (1786-1849) entstammte einer der vornehmsten und reichsten Familien Georgiens. Sie besaßen riesige Ländereien in Kachetien und etwa 1500 Leibeigene für ihre Bewirtschaftung. Zu dem Museum gehört auch ein Weinkeller. Bereits 1885 wurden Weine aus Zinandali prämiert. Wir spazieren noch ein wenig durch den schön angelegten Park – wobei mir der Buchsbaum-Irrgarten am besten gefallen hat.
Unser heutiges Ziel ist Signagi und auf dem Weg dorthin reiht sich ein Straßendorf an das andere. Um die Dörfer wird Wein angebaut und man ist mit der Lese beschäftigt. Voll beladene LKW-Anhänger sind auf dem Weg zu den Keltereien. Wir fragen uns: Sind die unteren Trauben nicht schon gepresst wenn sie ihr Ziel erreichen?
Von Natia haben wir den Tipp erhalten Signagi von südlicher Richtung anzusteuern, da im Norden 2 Stadttore für uns zum Hindernis werden könnten. Es geht nun in die Berge – hinauf, hinab und wieder hinauf. Ein kleiner Parkplatz vor dem Ortskern Signagis bietet sich für uns zur Übernachtung an. Nach dem Abendessen wollen wir noch einen kurzen Bummel unternehmen, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.


   |   Tages KM: 100   |   GPS Nord: 41°36'56   |   GPS Ost: 45°55'07

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Mittwoch, 17.9. Signagi - Tbilisi Flughafen

Direkt unserem Stellplatz gegenüber liegt eine kleine Bäckerei. Wir besorgen uns frische Brote aus dem Tonbackofen. Dazu wird unten ein Feuer angezündet und der Brotteig an den Wänden gebacken – lange schlanke Brote.
Danach besichtigen wir schönen Ort Signagi, der erst vor einigen Jahren aufwendig restauriert wurde. Doch leider stehen viele Gebäude leer. Vom Turm der St. Stefans-Kirche erblickt man die alte Stadtmauer, die St. Georgskirche und das weite fruchtbare Tal bis zu den Ausläufern des Kaukasus. Weinkeller, Restaurants und Cafés warten auf Besucher.
Nach gut 1 ½ Stunden Rundgang sind wir wieder am Ausgangsort und können unsere Fahrt fortsetzen.
Da wir uns bergab bewegen, geht nochmals der Blick über das weite Land. Die Mittagsrast verbinden wir mit einer Wagenwäsche – unsere Mobile haben es bitter nötig. Blitzsauber fahren wir nach Ninozminda. Diese Kirchenruine ist für die Georgier eines der wichtigsten Heiligtümer und die Gebäude eine architektonische Besonderheit aus dem 6. Jh. von der einst prächtigen Kirche stehen nur noch die Ruinen. Zerstörungen der Perser, Osmanen und zwei große Erdbeben brachten vieles zum Einsturz. Der Glockenturm ist aus dem 16. Jh. und seit der Zeit leben hier Nonnen, die das Andenken an die Heilige Nino bewahren.
Nach 50 km ist der Parkplatz beim Flughafen Tbilisi erreicht. Wir warten auf „unsere Nino“ um uns von ihr zu verabschieden. Sie kommt sehr spät und beschenkt uns mit Honig und Marmelade.
„Danke Nino, dass du Zeit für uns hattest! Und wenn wir beim Frühstück deine Mitbringsel verspeisen, werden wir an dich denken.“


   |   Tages KM: 100   |   GPS Nord: 41°40'23   |   GPS Ost: 44°57'42

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Donnerstag, 18.9. Tbilisi – Stepanavan (Armenien)

Heute ist ein trüber Tag – ideales Fahrwetter. Bis zur armenischen Grenze sind es etwa 120 km. Sobald wir Tbilisi verlassen haben wird es ländlicher. Die Bauern verkaufen am Straßenrand ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse: Mais, Tomaten, Gurken, Paprika, Bohnen, Zwiebeln und Kartoffeln. Für uns am Straßenrand zu parken ist unmöglich, denn der starke Regen der letzten Tage hat den Boden stark auf aufgeweicht. Die herumstehenden Männer schauen unseren Fahrzeugen bewundernd hinterher.
Wir erreichen das Städtchen Bolnisi. Dieser Ort wurde vor 200 Jahren von deutschen Siedlern unter dem Namen Katharinenfeld gegründet. Den Siedern wurden zahlreiche Rechte eingeräumt. Als 1921 die rote Armee Georgien besetzte, begann für die Deutschen eine schwere Zeit. 1935 kam es durch Stalin zur Zwangsumsiedlung nach Sibirien und Kasachstan.
Bis zur Grenze ist es nun nicht mehr weit. Inzwischen hat es angefangen zu regnen und Nebel zieht auf. Die Straße wird schmaler und teilweise fehlt der Bodenbelag gänzlich. Die Männer um kurven tiefe Schlammlöcher. Im Nu haben sich unsere gestern gewaschenen Mobile in schlammbesprenkelte Ungetüme verwandelt. Was wir jetzt noch nicht ahnen, ab der Grenze soll es noch „dicker“ kommen!
Doch alles der Reihe nach. Der Grenzübergang liegt auf 1500m Höhe. Die Formalitäten an der georgischen Grenze sind innerhalb von 15 Min. erledigt, und die Beamten waren sehr freundlich. Dann geht es über unbefestigten Boden, durch tiefe Schlammspuren, hinauf zur armenischen Grenze. Stopp! Der Beamte winkt unsere Männer zum Büro. Durch tiefen Schlamm stapfen sie mit den Pässen und Fahrzeugpapieren. Dann dürfen wir weiter bis zum Zoll fahren. Hier kassiert man 53 Euro (für Versicherung 7€ und Zollerklärung 46€). Für alle Grenzformalitäten haben wir insgesamt 1 Stunde benötigt. An der armenischen Grenze wird an einer neuen Straße gebaut. Planierraupen und LKW bewegen Unmengen Mutterboden, die Straße sieht dementsprechend aus. Auf unsere Frage bei den Zöllnern wie lange die schlechte Wegstrecke noch dauert, antworten sie: „sieben“. Na, das kann ja heiter werden! Und so gestalten sich auch die nächsten 7 Kilometer: rutschig in tiefen Schlammspuren – nur nicht anhalten!!! Diese Wegstrecke ist mit nichts in Russland (2013) zu vergleichen.
Im nächsten Ort versorgen wir uns mit Landeswährung, für 1 Euro erhalten wir 522 Dram. Tanken ist fällig und nur gegen Bargeld möglich. Die erste Waschanlage wird angesteuert um die Mobile grob abzuspritzen. Da bereits um 17.30 Uhr die Dämmerung einsetzt, suchen wir uns einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht.
Begegnungen: Während unser Mobil an der Waschanlage gereinigt wird, kommt mit Jann Habbo mit 4 Fahrradfahrern ins Gespräch. Der eine junge Mann grüßt mit „moin“, er kommt aus Bremen. Durch Türkei, Georgien und Armenien wollen sie in den Iran. Von dort fliegen sie am 23.10. nach Hause. Auf der „Schlammpiste“ sind sie mehrmals vom Rad gefallen und sehen nun dementsprechend aus. Na, da waren wir doch noch sehr gut dran!!!


   |   Tages KM: 150   |   GPS Nord: 41°01'10"   |   GPS Ost: 44°23'10"

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Freitag, 19.9. Stepanavan – Sevan See

Fast die ganze Nacht hat es geregnet. Hoffentlich klart es am Vormittag noch auf, denn wir wollen über einen 2000 m hohen Pass. Unsere Übernachtung auf 1500 m war recht kühl (9°C). Die Bevölkerung hier lebt von der Landwirtschaft und wohnt in kleinen Dörfern. Auf den sanft ansteigenden grünen Bergen weiden Kühe und Schafe. Durch den Berg führt ein Tunnel und kürzt so unseren Weg um einiges ab. Wir nähern uns der Stadt Vanadzor – verlassene Fabriken und Mietskasernen bestimmen das Bild. Hier denke ich: „War der Kommunismus gut für alle?“ Mit uns auf den geflickten Straßen sind alte Ladas und kleine Transportbusse, die bei uns niemals durch einen TÜV kommen würden, unterwegs. Auch die LKW sind stark durchrostet. Abseits der großen Stadt wirkt die hügelige Landschaft wie im Bilderbuch. Nach Dilijan haben wir nochmals eine Untertunnelung von einem Pass. Vor uns im Tunnel fährt ein langsamer Kleinlaster, wir zotteln mit 30 km/h hinterher. Obwohl überholen strengstens verboten ist, ziehen etliche PKW bei starkem Gegenverkehr an uns vorbei. Nicht auszudenken, wenn es im Tunnel zu einem Verkehrsunfall kommen sollte. Nach dem Pass scheint endlich die Sonne und schon bald glitzert die blaue Oberfläche des Sevan-Sees hinter den Bergrücken hervor.
„Ein Meer“, so nennen ihn die Armenier. 78 km lang, 56 km breit und in 1900 m Höhe, ist er einer der höchstgelegenen Seen der Welt. Wir suchen nach einem geeigneten Picknickplätzchen – doch es ist recht kühl und Nebelschwaden hüllen die Dörfer am See ein. So fahren wir zum nahen Sevan-Kloster. Zwei Kirchen auf einer Anhöhe gibt es hier zu besichtigen. Die Muttergotteskirche ist die interessantere. In ihr ist der berühmte Kreuzstein aus dem 17. Jh. zu betrachten. Der Blick über den Sevan-See von hier ist grandios. Unterhalb befinden sich die Strände der Großstädter und sollen im Sommer gut besucht sein.
Wir übernachten abseits neben dem Hubschrauberlandeplatz.
Chatsch’Khare (Kreuzsteine)bedeutet in der armenischen Sprache „Kreuz und Stein“ und sie sind den Armeniern heilig. Kreuzsteine dienen als Denkmal, als Sinnbild der christlichen Hoffnung, als Mahner für die anders gläubigen Eindringlinge aus aller Herren Länder, als Beschützer von Weiden und Quellen und vermutlich erst in zweiter Linie als Grabsteine, es soll tausende geben und keiner gleicht dem anderen. Wir werden auf unserer Reise noch vielen von diesen Kreuzsteinen begegnen.


   |   Tages KM: 110   |   GPS Nord: 40°33'57"   |   GPS Ost: 45°00'19"

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Samstag, 20.9. Sevan – Jerevan

Jerevan, die Hauptstadt Armeniens liegt 70 km vom Sevan-See entfernt und es geht immer nur bergab. Jerevan ist unbedingt einen Stopp wert. Wir haben Glück, und finden im Zentrum unterhalb Denkmals „Mutter Armeniens“ einen Parkplatz am Straßenrand. Mit einem Stadtplan machen wir uns zu Fuß auf Entdeckertour. Wir sehen: Die Kaskaden, Kunstmarkt, Oper, Fußgängerstraße Nördlicher Boulevard, (mit seinen Edelboutiquen wird zurzeit aufwendig renoviert), Platz der Republik, Rathaus, Markthalle (heute moderner Supermarkt) und persische Moschee. Über die Abovjanstr. bummeln wir zurück zu den Mobilen. 4 Stunden durch Jerevan verschaffen einen kleinen Überblick, aber dennoch haben wir nicht alles gesehen.
Das bedeutendste religiöse Zentrum der armenischen Christenheit befindet sich in Edschmiastin. Die Grundmauern der imposanten Kathedrale gehen auf das Jahr303 zurück. Die Kathedrale gehört zu den wenigen ausgemalten Kirchen Armeniens. Im Museum kann man eine Auswahl an Kirchenschätzen betrachten. Rings an den Mauern sind etliche Kreuzsteine aufgereiht. Der alten Anlage sind viele neue Gebäude für Seminarteilnehmer hinzugefügt, da Pilger und Gläubige aus der ganzen Welt nach Edschmiastin kommen.
Eigentlich wollen wir hier auf dem Platzplatz übernachten. Dafür will der Parkplatzwächter umgerechnet 12 Euro kassieren. Das ist uns für hiesige Verhältnisse entschieden zu viel und wir fahren weiter.
Der Stopp bei den Ruinen der Palastkirche von Zvarthnots verschafft uns einen Kunstgenuss besonderer Art. Drei Opernsänger (2 Männer und 1 Frau) präsentieren uns zwischen den Ruinen eine kleine Auswahl ihrer Lieder. Selbstverständlich kaufen wir die uns angebotene CD.
Auch hier fragen wir den Parkplatzwärter nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Zuerst möchte er für 2 Mobile 100, dann 50 Dollar. Das war’s – nein danke!
Vielleicht gibt es beim Kloster Geghard eine Übernachtungsmöglichkeit? Unser Navi führt uns auf kürzestem Weg quer feldein. Leider landen wir in der Walachei. Wir nutzen die Gelegenheit zum kostenlosen Übernachten. Morgen werden wir nach einem anderen Weg Ausschau halten.


   |   Tages KM: 118

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Sonntag, 21.9. Jerevan – Kloster Geghard – Kloster Chor Virap

Nachts wieder starkes Gewitter mit Regen. Doch wir schlafen wunderbar ruhig in dieser Einöde.
Der „neue“ Weg ist dann entschieden besser zu fahren, obwohl wir auch hier stellenweise schlechten Straßenbelag haben. Auf dem großen Parkplatz beim Kloster ist noch nicht so viel Andrang, es ist noch früher Vormittag. Auch die Armenier lieben Picknick Sie tragen Melonen, Getränke, Holz fürs Grillfeuer und Körbe mit Esswaren hinunter zu den schattigen Picknickplätzchen.
Das in 1850m Höhe liegende Koster ist Armeniens beliebtester Wallfahrtsort. Bereits vor vielen Jahren haben Menschen Höhlen in das Gestein geschlagen. Schon im 4. Jh. wurde hier ein Kloster geründet. Das zentrale Bauwerk ist die Muttergotteskirche – von dieser gehen Gänge zu den alten „Felsenkirchen“. Ein Erlebnis ist der Gottesdienst mit musikalischer Untermalung eines Frauenchors. Der Priester schreitet durch die Reihen und viele Gläubige wollen gesegnet werden, sie küssen das Handkreuz. Wir können uns nur schwer aus dieser feierlichen Zeremonie lösen, denn so ein Gottesdienst kann über mehrere Stunden dauern. Der Gesang des Chores ist noch lange in „meinem Kopf“.
Auf dem Parkplatz bieten Einheimische selbstgemachte Leckereien an: süßes Brot und Nussstangen.
Gerne würden wir auf unserer Weiterfahrt in einem Hotel Strom „tanken“ und unsere Internetseite pflegen – doch leiden ergeben sich bis zum Kloster Chor Virap keine Möglichkeiten. Heute strahlt die Sonne vom blauen Himmel und unsere Mobilbatterien werden etwas aufgeladen, die durch das regnerische Wetter der letzten Tage bedrohlich in die Knie gegangen sind..
79 Kilometer, dann ist das Kloster Chor Virap erreicht. Das besondere an diesem Koster ist die Lage. Es liegt unweit der türkischen Grenze und dahinter erhebt sich majestätisch der Ararat.
Um die Geschichte des Klosters gibt es eine Legende. „Der heilige Gigir soll hier wegen seines christlichen Glaubens 15 Jahre in einem Kerker verharrt haben. Erst als die Königsschwester ihn zum schwerkranken König rufen ließ, wurde er befreit.“
Heute am Sonntag lassen viele Eltern ihre Kinder taufen. Wir schätzen alles 30 Minuten eine Taufe. Viel Arbeit für den Priester.
Wir genießen den Blick auf den Ararat – der Gipfel ist leider wolkenumhüllt. Wir warten, dass der Parkplatzwärter seine Arbeit für heute beendet und wir uns auf den großen Parkplatz umstellen können. Diskussionen über Gebühren haben wir satt!!! Peter und Jan Habbo spazieren nochmals los und kommen mit einem einheimischen Bauern zurück. In den Händen halten sie Trauben, der Bauer roten Traubensaft – von dem wir alle kosten müssen. Wir reden mit „Händen und Füßen“, lachen und scherzen. Das ist Völkerverständigung pur! Nachts wacht über uns der Sternenhimmel.


   |   Tages KM: 151   |   GPS Nord: 39°52'46"   |   GPS Ost: 44°34'41"

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Montag, 22.9. Kloster Chor Virap - Kloster Noravank

Gestern war in Armenien Nationalfeiertag – 23 Jahre Republik Armenien und Loslösung von Russland.
Dieser Ort mit dem allgegenwärtigen Ararat hat etwas Mystisches. Liegt doch dieser von Sagen umwogende Berg nicht in Armenien, sondern in der Türkei. 5.126 m hoch ist er und sein mit Schnee bedeckter Gipfel ist fast immer von Wolken umhüllt. Die Grenze zur Türkei liegt spürbar nah. Brüder seit Urzeiten und dennoch kein Grenzübergang.
Da der Klosterberg uns den Blick zum Ararat versperrt, müssen wir in Stück über die Felder. Vor uns liegt (Beweisfotos) um 7 Uhr morgens der Gipfel wolkenfrei. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt!
Friedenstauben auf dem Parkplatz. Ein Symbol des Friedens seit ewigen Zeiten. Hat doch von hier Noah vom Ararat eine Taube ausgesandt. Doch wie soll es Frieden in der Welt geben, wo in der kleinsten Einheit, den Familien, oft auch kein Friede herrscht.
Unsere Tour geht weiter – heutiges Ziel ist das Kloster Noravankh. Im kleinen Ort Yeraskh versorgen wir uns an einer Tankstelle mit Strom. Nach 2 Stunden klemmen wir die Kabel ab – der nette Tankstellenbetreiber möchte kein Geld für seine Leistung. Schnorhakakluthjún (danke)!
Wieder müssen wir über einen Pass. Die Felsen leuchten in den unterschiedlichsten Farben – wir sind begeistert von dieser Bergkulisse. Die Landschaft wird karger, je höher wir kommen. Im Tal dann wieder Obst- und Gemüseanbau. Am Straßenrand kleine Verkaufsstände mit den Produkten. Die eine Frau spricht sogar etwas deutsch. „In der Schule gelernt“, erzählt sie uns stolz. Dann sagt sie die gelernten Sätze auf: „Guten Tag, auf wiedersehen, ich heiße….“ - man könnte mehr Zeit verplaudern.
Zum Abschied mache ich ein Foto.
Zum Koster Noravankh müssen wir die Hauptstraße verlassen. Nun geht es in einer Schlucht ständig bergan. Das Kloster liegt in völliger Einsamkeit am Ende der Schlucht und ist von einer Wehrmauer umgeben. Auf dem Busparkplatz findet sich für uns ein Plätzchen. Die letzten Meter laufen wir zum Kloster zu Fuß.
Das älteste Bauwerk ist die große Kirche und wurde dem heiligen Täufer geweiht. Teile wurden bereits im 9. Jh. von Gläubigen errichtet. Im 13. Jh. wurde das Kloster Bischofssitz von Grabstätte einer fürstlichen Familie. Die Mausoleum Kirche aus dem 14. Jh. steht etwas abseits. Sehenswert hier die wunderschönen Verzierungen um die Portale. Sie sind dem Baumeister Momik zu verdanken.
Wir übernachten in dieser Abgeschiedenheit. Nach Einbruch der Dunkelheit ist alles menschenleer – um uns die rotbrauen Felsen.
Nachts haben wir über Stunden ein starkes Gewitter mit heftigem Sturm und Regen. Taghell erleuchten die Blitze die Schlucht unter uns. Redine und ich verspüren durch unsere Mobile ein leichtes Zittern – es lässt uns nicht schlafen. Anzeichen von einem Erdbeben?
Am Morgen ist der ganze Spuk vorbei – doch wir fühlen uns wie gerädert.


   |   Tages KM: 85   |   GPS Nord: 39°41'03   |   GPS Ost: 45°14'02

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Dienstag, 23.9. Kloster Noravank - Kechut Stausee

Unser erster Stopp soll eigentlich dem Dorf Vernaschen gelten. Hier sollen sich in einem ehemaligen Kloster die Schule der Miniaturmalerei befunden haben – sehenswert. Doch leider gibt es keine Ausschilderung und schon bald kehren wir um. Dank Peters „Adleraugen“ finden wir an der Hauptstr. in Vayk ein Touristenhotel mit Wi-fi. Nun haben die Männer „Büro Tag“ und wir Frauen kaufen ein. Hier eine kleine Info über Preise: Fladenbrot 40 Cent, je 1 kg Gurken 50 Cent, Weintrauben 80 Cent, Pfirsiche 60 Cent, Joghurt (500ml) 60 Cent. Grundnahrungsmittel sind in jedem kleinen einheimischen Supermarkt preisgünstig zu erhalten.
Eine gut ausgebaute Straße (33 km) führt in den 2080m hoch gelegenen Kurort Jermuk. Hier gibt es warme Quellen und heilendes Mineralwasser. Dieses Wasser ist ein bedeutendes Exportgut in Armenien. Der Kurort selbst hat sicherlich schon „bessere“ Zeiten erlebt. In einem Hotel erkundigen wir uns nach den Thermalbädern. Sie meinen, dass die Bäder erst nach Genehmigung von einem Badearzt besucht werden dürfen. Na, das war es dann. Ein kleiner Bummel durch den Ort und schon fahren wir weiter. Auf der Hinfahrt sind wir an einem Stausee vorbei gekommen – dort muss sich doch etwas zwecks Übernachtung finden lassen. Wir parken auf dem Staudamm, doch die „Bewacher“ des Stausees lassen das nicht zu, und verweisen uns an eine andere Stelle. Unsere Frage nach Wasser wird mit „njet“ beantwortet. Doch der nette junge Mann zeigt auf die andere Staudammseite. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg und finde tatsächlich eine Wasserstelle. Die „Bewacher“ dort sprechen außer armenisch auch russisch. Und so frage ich mit meinen paar Brocken russisch nach Wasser. Die Antwort lautet: „ ja“. Ob der Wasserdruck ausreichend ist, muss sich noch herausstellen. Redine und ich bringen den 7 Männern zum Dank ein kleines deutsches Gastgeschenk. Nun müssen wir am gedeckten Abendbrottisch Platz nehmen. Man legt uns Brot, Wurst und Melone auf Teller und einen Wodka müssen wir auch trinken. Die Männer sprechen ein paar Worte englisch und russisch. Als das Gespräch auf den Preis solcher „Maschinen“ (Mobile) kommt stellen wir uns taub und verabschieden uns mit „spasiba „– danke!


   |   Tages KM: 87   |   GPS Nord: 39°47'27   |   GPS Ost: 45°39'05

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Mittwoch, 24.9. Kechut Stausee - Kloster Tatev Seilbahn

Der heutige Tag ist eigentlich ein „geplanter Ruhetag“ und hat es mal wieder in sich. Wir wollen auf dem Weg nur drei kleine Sehenswürdigkeiten besichtigen.
Der erste Abstecher sind bei Sisian die zwei Steinkreise von Zorats Karer. Steinkreise aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. – die größte und älteste prähistorische Kultstätte Armeniens. Die Historiker sind sich noch nicht einig, ob es sich hier um einen Ort handelt, bei dem die Toten feierlich begraben wurden und die massiven Steine scheinbar dem Weg der Sonne am Himmel folgen. Jedenfalls hat der Ort etwas Magisches.
2. Abstecher das Fürstengrabmal von Aghitu, direkt am Weg. Bald danach fahren wir durch eine schöne Schlucht und sehen von weitem das Kloster Vorotnovank auf einem Plateau vor uns liegen. Die Klosterkirche wird zurzeit restauriert, kann aber besichtigt werden. Mich beindruckt der nahe Friedhof. Die Inschriften von Grabkreuzen sagen so viel aus. Wie mag es in dieser Abgeschiedenheit der Familie ergangen sein, die im Jahre 1932 gleich 3 ihrer Kinder zu beweinen hatte? Wie weit war es mit der ärztlichen Versorgung zu der Zeit?
Im Reiseführer lesen wir von einer nahen Thermalquelle. Doch die Suche endet mal wieder in der „Pampa“. Den Irrweg zurück sehen wir Bauern bei der Kartoffelernte. Sie winken uns freundlich zu. Einkauf beim Erzeuger gefällig? Und schon laufe ich mit Tüten bewaffnet los. Man trägt mir Kartoffeln, Kohl, Paprika, Möhren und Zwiebeln bis zum Mobil und möchte für die Ware kein Geld annehmen. Ein kleiner Griff in die Geschenkekiste und die Bäuerin strahlt über das ganze Gesicht. Küsschen hier, Küsschen da – und weiter geht die Reise. Man gibt uns noch den Tipp einer Abkürzung mit auf den Weg. Kürzer sind die 4 km ja, aber die unzähligen Schlaglöcher zu umfahren ist zeitlich keine Ersparnis. Genervt erreichen wir die M 2.
Die letzten 20 km bis zur Seilbahn zum Kloster Tatev meistern wir ohne Probleme.
Seit 2010 gibt es eine über 5 km lange Seilbahn, diese kürzt den Weg zum Kloster gewaltig ab. Den Ausflug wollen wir morgen unternehmen.
Am Platz gibt es Wi-fi frei und wir arbeiten bis spät in die Nacht. Übernachtung auf dem bewachten Parkplatz vor der Anlage.


   |   Tages KM: 143   |   GPS Nord: 39°25'03   |   GPS Ost: 46°17'57

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Donnerstag, 25.9. Tatev Seilbahn - Kajaran

Unsere Fahrt mit der Seilbahn, für die erste Fahrt um 10 Uhr hatten wir schon gestern reserviert. Die Bahn fährt alle 15 Minuten, 25 Personen passen in eine Kabine. Mit 5,7 km gilt diese Seilbahn als die längste der Welt und soll mehr als 13 Mio. Euro gekostet haben. Mit Infos in verschieden Sprachen und musikalischer Untermalung gleiten wir durch den Nebel. In etwa 12 Min. ist die Klosterstation erreicht. Ein kleiner Fußweg, und schon befinden wir uns in der Koster Anlage. Eine große Befestigungsmauer umschließt das sakrale Zentrum. In ihr stehen die Peter und Paul Kirche mit der Grigor-Kapelle, die Muttergotteskirche, ein Glockenturm, die Dreifaltigkeits-Säule, sowie eine Anzahl von Gebäuden. Die Universität von Tatev war sehr berühmt. Das größte und älteste Gebäude ist die Peter und Paul Kirche, sie wurde bereits um 900 erbaut. Just als wir die Kirche besichtigen, findet ein Gottesdienst statt. Das unterstreicht den einmaligen Eindruck den wir erhalten. Die anderen Gebäude sind an den Eingängen näher beschrieben.
Etwa 1 km entfernt liegt ein Aussichtspunkt, von hier hat man den schönsten Blick auf die Klosteranlage. Mit der Seilbahn zurück haben wir um 12.30 Uhr den Parkplatz erreicht und fahren nach einer kleinen Rast weiter.
Bald nach Goris beginnt mit unzähligen Kehren (ich habe 32 gezählt) die mühsame Anfahrt zum-Pass in 1.835 m Höhe. Die Aussicht ist grandios, wir können bis in die Region Berg Karabach schauen. – karge Berge in allen Schattierungen.
Dann geht es bergab, bei Kapan nehmen wir die Straße über Kajaran Richtung Mehgri.
Wieder erwartet uns ein Pass, doch bis zum heutigen Stellplatz in 1500 m Höhe. Doch bei „sanftem“ Anstieg schaffen es die Motoren mühelos. Morgen soll es um 1000 m höher bis auf 2.544 m gehen. Danach haben wir bis zur Grenze vom Iran noch 70 km vor uns.


   |   Tages KM: 108   |   GPS Nord: 39°09'45   |   GPS Ost: 46°12'23

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