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Altai - Kasachstan - Kirgistan - 2016

wir sind dann mal auf dem Weg in die Mongolei Teil 3

Montag, 1.8. Tashkay Cape - Fähre

Heute ist unser letzter Tag auf Olchon. Nachts hatten wir starkes Gewitter mit heftigen Regengüssen. Doch am Morgen scheint die Sonne vom blauen Himmel. Wir haben eine super Sicht auf die andere Seite der Bucht. Alles erstrahlt in den schönsten Farben: weiße Wolken türmen sich am Horizont über sanft grüne Hügel, der Baikal schimmert blau-türkis – einfach nur traumhaft. Geburtstagswetter, denn heute hat Peter Geburtstag. Wir bringen ihm alle ein Geburtstagsständchen – gedichtet von Susanne. Danke für diese liebevolle Geste und die Geschenke. Die Koreaner überreichen Peter ein Reisgericht aus Korea – Vakuumverpackt. Wer nicht an „scharfe“ Speisen gewöhnt ist, dem treibt es die Tränen in die Augen.
Ich bereite eine Obsttorte für den Nachmittag und wir Frauen schnippeln Zutaten für einen Nudelsalat in die Schüssel. Abends soll es deutsche Bratwurst geben – darauf freuen wir uns alle.
Ich möchte erwähnen, dass es viele Nahrungsmittel in Russland zu kaufen gibt – man muss nicht verhungern und alles aus Deutschland mitschleppen. Nur schmecken die Sachen halt manchmal etwas anders.
Den Nachmittag vertreiben wir uns mit Gesprächen, Spielen, Baden und Lesen im Schatten. Die Sonne schickt uns ihre wärmsten Strahlen – wir haben um die 30°C. Es kommt starker Wind auf – so wird es wohl nichts mit dem Lagerfeuer am Abend?
Nach dem gemeinsamen Abendessen im Freien erledigen wir Frauen den großen Abwasch vor den Mobilen. Dabei macht Harald, der zuschaut, einen grandiosen Vorschlag: Schon heute mit der Fähre übersetzen und auf dem Festland übernachten – dann haben wir morgen weniger Strecke bis Irkutsk. Und – wir müssen morgen nicht bereits um 5.30 Uhr aufstehen. Der Vorschlag wird freudig angenommen und rasch sind unsere „Siebensachen“ verstaut. Um 20 Uhr rollen wir Richtung Fähre. Die Piste schüttelt uns noch einmal kräftig durch. An der Fähre stehen bereits 91 Fahrzeuge – das hatten wir nicht erwartet! Die Abwicklung geht nur langsam vonstatten – zumal die Einheimischen wieder bevorzugt abgewickelt werden. Nur mühselig geht es voran. Dann nach Mitternacht, vor uns stehen noch 30 Fahrzeuge, machen die Fährleute Feierabend. Wir müssen in starker Schräglage die Nacht verbringen. Zumindest haben wir ein Bett zum Austrecken – die PKW-Fahrer schlafen im Sitzen.
Von Olchon Abschied zu nehmen fällt uns allen schwer. Just heute, bei dem Traumwetter, weckt diese Insel eine tiefe Sehnsucht nach Stille und Einsamkeit in einer abgeschiedenen und wunderschönen Landschaft in uns.


   |   Tages KM: 20

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Dienstag 2.8. Fähre - Irkutsk

Wie gerädert wachen wir um 6.30 Uhr auf. Ein schnelles Frühstück und dann geht es auch schon „schrittweise“ zum Anleger. Um 8.30 Uhr kommen wir mit 2 Mobilen auf die größere Fähre, Susanne bleibt zurück. Auf dem Festland erwarten wir ihre Ankunft, wo sie1 Stunde später eintrifft. Gemeinsam fahren wir weiter, um 15 Uhr ist Irkutsk erreicht. Und wen treffen wir da? Unsere Südkoreaner – sie sind auf Stadtbesichtigung, freudiges Wiedersehen auf beiden Seiten. Großeinkauf beim Oken Supermarkt, abends wollen wir Marina zu einem kleinen Abschiedsessen treffen. Die Zeit bis zum Treffen überbücken wir mit Büroarbeiten, der Internetempfang ist hervorragend. Marina führt uns in die neue „Fußgängerpassage“, das Restaurant Raccolnik begeistert nicht nur durch guten Service – auch die Speisen sind außerordentlich schmackhaft und erschwinglich. Peter bekommt, weil er gestern Geburtstag hatte, einen kleinen Kuchen – er wird sofort von uns allen verspeist. Es ist ein sehr informativer und gemütlicher Abend. Marina fragt, was uns auf der Reise besonders aufgefallen ist und schon bald diskutieren wir über die Jurten Bewohner in der Mongolei. Sind diese nun arm oder unglaublich reich, weil sie so frei leben dürfen?
Es ist fast Mitternacht, als wir unsere Mobile erreichen – inzwischen regnet es sehr stark. Wir übernachten auf dem Supermarkt Parkplatz. Susanne hat morgen Vormittag eine Blutuntersuchung in einem Labor. Danach wollen wir weiterfahren Richtung Krasnojarsk.


   |   Tages KM: 261   |   GPS Nord: 53°01'08   |   GPS Ost: 106°53'49

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Mittwoch, 3.8. Irkutsk - Sheberta

Es geht wieder gen Westen, die uns schon bekannte Strecke. Wie hat sich doch die Landschaft in den letzten 5 Wochen verändert. Auf Wiesen und Wegrändern, befinden sich Blumenteppiche in den Farben weiß, gelb, lila und blau. Der Mais steht hoch, schaute er doch auf der Hinfahrt nur mit den Spitzen aus der Erde. Getreidefelder leuchten nun gelb, Kartoffeln werden bereits geerntet und am Wegesrand verkauft.
Die Schüttel/Rüttelstrecke hat einige Baustellen, aber wir kommen überwiegend gut voran. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir nach 460 km unseren Stellplatz im kleinen Ort Sheberta. Es ist angenehm warm und so unternehmen wir einen Spaziergang durch den Ort. Die Kinder dürfen bis zur Dunkelheit draußen herumtoben, dann kehrt Stille ein. Nur aus der Ferne hören wir das Rattern der „Endloszüge“.
Unterwegs Straßenverkauf von Pilzen, Himbeeren, Walderdbeeren, Johannisbeeren und Honig. Mit der Ware in 5 Liter und 10 Liter Eimern sitzen überwiegend Frauen und warten auf Abnehmer. Kleinere Mengen werden selten verkauft. Wie viele Stunden mögen täglich dort auf Kunden warten?


   |   Tages KM: 462   |   GPS Nord: 54°38'29   |   GPS Ost: 99°53'10

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Donnerstag, 4.8. Sheberta - Bolshaya

Wir haben in einem typisch sibirischen Dorf übernachtet. Die alten Holzhäuser sind oft baufällig (mit unseren Augen) und trotzdem bewohnt. Durch die Giebelfronten dringt Helligkeit. D.h., sie sind undicht und der Wind kann hindurchblasen. Wie bekommen die Bewohner bei minus 35°C im Winter ihre „Bude“ warm? Die Fensterscheiben haben nicht immer Glas – Plastiktüten erfüllen auch ihren Zweck. Oft stehen Anbauten schief und man befürchtet, dass beim nächsten Sturm alles zusammenbricht. Holz zum Heizen liegt vor den Häusern, zur Straße hin, aufgeschichtet. Hinter den Häusern gibt es den Kartoffelacker, während die kleinen Gewächshäuser sich im geschlossenen Innenhof befinden. In den Häusern gibt es keine Trinkwasserleitungen, das Wasser muss aus dem Brunnenhaus (jedes Dorf hat so eine Versorgung) in Kannen und Behältern transportiert werden. Die Dorfstraße ist oft unbefestigt und bei Regen verwandelt sich sie sich in eine Schlammpiste, bei Hitze ist sie staubig und im Winter (er beginnt im Oktober und endet Ende April) durch den Frost gut passierbar.
Martina hat uns erzählt, dass in der Stadt keine Namensschilder die Türen der Bewohner kennzeichnen. Man schreibt lediglich die Haus- oder Wohnungsnummer an seine Tür. Niemand hat Vertrauen, so Marina, zu den Nachbarn – ein Überbleibsel aus der Stalinzeit? Wo Jeder Jeden bespitzelte? Ob das im Dorf ähnlich ist? Wir denken schon, dass man sich dort mit Familiennamen kennt.
Heute sind die bunten Blumenwiesen wieder eine Augenweide. Es blüht gelb das Leinkraut, weiß die Margeriten und Kamille und rosa die Weidenröschen. In den Kiefern- und Birkenwäldern bedecken Farne den Boden. Wo bleiben die Pfifferlinge? Stände mit Blaubeeren gibt es genügend – wir kaufen einen Vorrat, den wir zum Abendessen zubereiten wollen. Doch es kommt anders, denn schon bald werden uns Pfifferlinge (der 5l Eimer zu 200 Rubel = 2.80€) angeboten. Wir greifen freudig zu, zumal wir uns im letzten Ort mit jungen Kartoffeln eingedeckt haben. Hm, das wird ein Festtagsschmaus: Pfifferlinge mit neuen Kartoffeln!
Am Nachmittag serviert uns Rosemarie Himbeertorte mit Sahne – oberlecker. Was kann es uns doch wieder gut gehen!
Heute Fackellauf. Während wir mit Susanne tanken, kommen Harald und Rosemarie mit jungen Leuten ins Gespräch. Diese machen mit beim Friedenslauf Asien-Pazifik (Läufer/innen aus 150 Ländern beteiligen sich daran). Seit 1987 findet der Lauf statt – doch ich habe davon noch nie gehört. Wir sehen 2 Läufer auf unserer Strecke.


   |   Tages KM: 422   |   GPS Nord: 56°00'44   |   GPS Ost: 95°30'08

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Freitag, 5.8. Bolshaya - Divnogorsk

Sonnenschein, die Fahrt geht weiter. Ich kaufe nochmals Pfifferlinge, die ich trocknen möchte. Die Landschaft ist jetzt überwiegend flach. Getreideäcker sind bereits abgeerntet und gepflügt. Die Blumen sind stellenweise schon arg verblüht, so wie bei uns im Oktober. Man ist bei der Heuernte, auf den Feldern liegen hohe Heustapel oder –rollen. Je mehr wir uns Krasnojarsk nähern, je mehr Blitzer sehen wir – da heißt es auf die Geschwindigkeit achten. Wir streifen die Stadt und fahren Richtung Divnogorsk. Die Ausblicke von der Uferstr. auf den Jenissey sind grandios, es geht bergauf und bergab. Bald ist der uns bekannte Stellplatz am Jenissey erreicht. Er fließt über 3.487 km durch Sibirien und hat auch im Sommer nur einstellige Temperaturen (Peter misst 7 °C). In Divnogorsk befinden sich eine riesige Staumauer und das größte Schiffshebewerk der Welt. Morgen wollen wir eine Wanderung dahin unternehmen. Auf der gegenüber liegenden Seite ragen bewaldete Hügel und Felsen in die Höhe.
Den Nachmittag hat jeder zur freien Verfügung. Einige waschen ihre Mobile, andere erledigen den Hausputz oder kleinere Reparaturen. Es kommen viele Besucher auf diesen Stellplatz, entweder zum Grillen oder Angeln. Etliche Russen ziehen ein Motorschlauchboot auf einem Trailer hinter ihren Fahrzeugen her. Ruck zuck haben sie die Boote im Wasser und werfen dann in der Flussmitte ihre Angeln aus. Wir sitzen am Ufer im Abendsonnenschein und schauen auf den schnell dahinfließenden Fluss – über uns ziehen Rot Milane ihre Kreise.
Zeitig sind wir im Bett. Nach Mitternacht beginnt die „richtige Angelzeit“, Fahrzeuge mit Booten treffen ein und werden mit viel Krach zu Wasser gelassen. Bis zum Morgengrauen fischen sie mit voller Beleuchtung. Für mich beginnt erst der Schlaf nachdem die Russen mit ihren Booten abgezogen sind.
Nachts Sternenhimmel – direkt gegenüber sehe ich den „großen Wagen“. Weißt du wieviel Sternlein stehen?


   |   Tages KM: 242   |   GPS Nord: 55°57'38   |   GPS Ost: 92°19'44

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Samstag, 6.8. Divnogorsk

Der Fluss Nebel lichtet sich erst spät. Doch die ersten Angler werfen bereits um 7.30 Uhr ihre Angeln aus. Peter repariert seinen Fahrersitz, seit geraumer Zeit quietscht dieser bei jedem Schlagloch – das ist Nerv tötend. Gegen 10 Uhr beginnt unsere Gruppe die Wanderung zur gegenüberliegenden Flussseite. Wir überqueren die Brücke, und blicken auf die hohe Staumauer. Hinter dieser befindet sich einer der größten Stauseen der Erde, mit einer Länge von 388 km und Breite bis 15 km. Seitlich der Staumauer sehen wir das Schiffshebewerk. Näher betreten ist nicht möglich, da der Staudamm bewacht wird.
Auf der anderen Flussseite stehen auch viele Wildcamper. An vielen Stellen raucht bereits der Grill. Viele Familien nutzen das schöne Wochenendwetter zum Picknicken.
Wir nehmen den gleichen Weg zurück und verbringen am Ufer einen faulen Nachmittag. Morgen soll es weitergehen.
Wissenswertes: Das Schiffshebewerk kann Schiffe bis 1.500 t transportieren und wird z.Zt. nur im September/Oktober für den Transport der landwirtschaftlichen Erzeugnisse benutzt. Die Technik ist eine 1.5 km lange Zahnradbahn, mit einer Spurweite von 9 m, mit 10 % Steigung und wird elektrisch/hydraulisch angetrieben. Durch den Staudamm, errichtet 1967, hat sich das Klima in der Gegend gewaltig geändert. Es ist feuchter und regenreicher geworden. Der Fluss, der vorher nur 196 Tage im Jahr eisfrei war, ist dies nun auf einer Strecke von etwa 300 km das ganze Jahr eisfrei. Das Kraftwerk besitzt 12 Turbinen mit einer Leistung von 6.000 Megawatt und gehört auch damit zu den größten der Welt.


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Sonntag, 7.8. Divnogorsk - Marinsk

Diese Strecke ist Peter und mir bekannt. Wir fahren eine Umgehung, damit wir nicht wieder nach Krasnojarsk auf die M 53 zurück müssen. Die wenig befahrene Straße steigt bergan. Es geht durch Nadel- und Birkenwälder und unbewohnte Landschaft. Nach Bortsov erreichen wir die M 53, die uns über Achinsk weiter nach Mariinsk bringt. Dieser Ort ist uns bei der Hinfahrt durch seine schmucken Häuser und Blumenrabatten angenehm aufgefallen.
Wir parken beim Kriegerdenkmal mitten im Ort. Hinter uns im Park befindet sich eine Art Vergnügungspark. Heute am Sonntag sind viele Familien mit ihren Kindern dahin unterwegs.
Wir erkunden zu Fuß den Ort. Das Thermometer zeigt 30°C und es ist schwülwarm. Bestimmt gibt es heute noch ein Gewitter. Sehenswert: die schön verzierten Holzhäuser und die überlebensgroßen bunten Holzfiguren am Straßenrand.
Für ein Abendessen im Freien reicht unsere Zeit knapp. In der Ferne hören wir Donnergrollen und die ersten Blitze zucken am verdunkelten Himmel. Das Unwetter bricht total überraschend über uns herein. Ein plötzlicher Sturm bringt Regen. In Windeseile verstauen wir unsere Campingmöbel und schließen alle Fenster. Platzregen mit Hagel prasselt auf unser Mobil, es hört sich unheimlich an - hoffentlich halten die Kunststofffenster dicht! So warten wir eine geraume Zeit und schauen uns das Spektakel von innen an. Das Unwetter dauert fast 1 Stunde.
Sobald es trocken ist, besehen wir was der Regen und Hagel angerichtet haben. Für uns alle ist es noch einmal gut ausgegangen.
Die Luft ist kräftig abgekühlt und schon bald fallen wir müde in unsere Kojen.
Das stimmte uns heute nachdenklich: Eine alte Frau wühlt in Mülleimern nach Esswaren, in Russland gibt es für Flaschen kein Pfand. Spontan beschließen wir Frauen ihr etwas Geld zu schenken. Susanne überreicht ihr 100 Rubel (ungefähr 1.40 €). Die Frau bedankt sich mit einem Lächeln, verneigt sich und schlägt mehrmals das Kreuz. Das berührt mich sehr. Wie gerne hätte ich ihr Kleidung aus meiner Spendensammlung in die Hand gedrückt. Doch das Mobil steht am anderen Ende von Mariinsk.


   |   Tages KM: 379   |   GPS Nord: 56!12'21   |   GPS Ost: 87°44'35

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Montag, 8.8. Marinsk - Poslednikovo

Heute verabschieden wir uns leider von Rosemarie und Harald. Wegen unterschiedlicher Reisevorstellungen haben wir uns getrennt. Wir wünschen ihnen eine gute Weiterreise und bedanken uns für die vielen schönen Stunden die wir gemeinsam verbracht haben.
Das Regenwetter trägt zu unserer Abschiedsstimmung bei – nebelfeucht und tief hängen die Wolken nach dem starken Regen der letzten Nacht. Das Wetter ist den ganzen Tag sehr wechselhaft – mal Regen, dann Sonne. Wir wollen ins Altay-Gebirge. In Kemorowo biegen wir nach Süden Richtung Novokuznetsk ab. Das erste Stück ist eine neue Autobahn und fährt sich sehr gut, die weitere Autobahn wird gerade saniert und ist inzwischen recht brauchbar. Im Allgemeinen kommen wir gut voran. Die Landschaft ist hügelig mit riesigen Getreidefeldern, begrenzt durch Birken- und Kiefernwälder. Wir kaufen am Straßenrand einen Eimer Pfifferlinge von hervorragender Qualität.
Nach Novokuznetsk biegen wir Richtung Biysk ab. Es gibt jetzt nur noch wenige Orte. Im beschaulichen Straßendorf Poslednikovo (übersetzt das letzte Dorf) übernachten wir am Ortsende vor einer alten Scheune. Wir laufen durch den kleinen Ort und ich kaufe bei den Straßenhändlern Zirbelkiefer-Zapfen (als Anschauungsmaterial). In diesen befinden sich die Zirbelnüsschen. Um an die schmackhaften Kerne zu gelangen müssen die Nüsschen (so große wie eine Kaffeebohne) geknackt werden. Für Einheimische und Bären eine Delikatesse – für uns Gewöhnungsbedürftig.
Am Abend klart es auf und ein wunderschöner Sonnenuntergang entschädigt uns für das heutige schlechte Wetter.


   |   Tages KM: 488   |   GPS Nord: 53°11'33   |   GPS Ost: 86°33'41

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Dienstag, 9.8. Poslednikovo - Tuyekta

Bald nach unserem Übernachtungsplatz beginnt die schlechte Wegstrecke. Stellenweise nur 20 m Asphalt, dann Schotter oder Spurrillen auf festem Untergrund – so geht das über 70 Kilometer. Die Straße ist aber breit genug, um sich einen geeigneten Weg zu suchen. Am Straßenrand ein Verkehrsschild über Höhenbegrenzung von 3.50 m. Für uns reicht das, aber für höhere mag dieser Hinweis zu spät kommen. Ab Tselinnoye guter Straßenbelag. Wir entscheiden uns nicht die Ortsumgehung für LKW zu fahren – eine gute Entscheidung! Die hügelige Landschaft bietet, außer Äckern die bis zum Horizont reichen, nur wenig Abwechslung. Wir halten einige Male um die Pflanzen auf den Äckern zu bestimmen. Weißes Kraut (weiß wie Schnee), was mag das sein? Kleine Erbsenschoten mit getrockneten, hellfarbenen Erbsen? Wir haben Nieselregen und nur noch eine Außentemperatur von 12 °C. In kleinen Dörfern verkaufen die Erzeuger ihren Honig (Taiga Honig) in 1 l Plastikflaschen direkt am Straßenrand.
In Biysk treffen wir auf die M52 - nach Süden führt sie in das Altay-Gebirge und weiter in die Mongolei. Der erste Teil der Strecke geht am Wasser entlang. Der Katun, er verbindet sich bei Biysk mit der Biya. Dort wo sie zusammentreffen entsteht der Ob, einer der größten Flüsse Russlands.
Wir kommen durch viele Orte die von Touristen bevorzugt werden. Am Straßenrand Hinweise zu Übernachtungsmöglichkeiten und Banjas. Cafés und Souvenirstände sind in reichlicher Auswahl vorhanden. Die Berge hier haben bereits eine Höhe von 1.500m, das Altay wird auch als die Russische Schweiz bezeichnet. Wir kommen immer höher, bis auf 1.720m – ohne Serpentinen durch breite Täler. Oben am Seminsky-Pass stehen viele Buden – heute bei Dauerregen, machen nur wenige Ausflügler hier einen Stopp. Einige Kilometer bergab finden wir in Tuyekta am Fluss ein geeigneten festen Untergrund zum Übernachten.
Informationen: Auf unserer Strecke bis Bijsk gab es nirgendwo eine Durchfahrt bis 3,50 m.
Die M52 ins Altay-Gebirge gehört zu den besten Straßen die wir bislang in Russland gefahren sind.
Abends lesen wir im Internet über die weißblühenden Pflanzen - es handelt sich um Buchweizen.
Tanken im Altay ist an vielen Tankstellen nur gegen Barzahlung möglich.
Wir können unsere Uhren um eine weitere Stunde zurückstellen, Zeitdifferenz zu Deutschland jetzt 4 Stunden.


   |   Tages KM: 430   |   GPS Nord: 50°50'40   |   GPS Ost: 85°51'43

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Mittwoch, 10.8. Tuyekta - Kuray

Brr, wir haben morgens nur 9°C Außentemperatur, es ist bewölkt. Der Regen hat aufgehört und gegen Mittag kommt die Sonne raus. Die Landschaft ist grandios, es geht wieder bergan. Auf den entfernten Gipfeln der über 4000 m hohen Berge liegt noch Schnee. Ein Fluss begleitet uns und am seichten Ufer zelten Urlauber. Der Fluss verbindet sich mit einem Zufluss, wird noch breiter und fließt mit großer Geschwindigkeit. Wir sehen Rafter den Fluss hinunterfahren. Die immer noch gute Straße erreicht wieder einen Pass (1300m). Viele schöne Aussichtpunkte laden zum Fotografieren ein. Uns begeistern die vielen „Grüntöne“ der Weiden und Berge, fast wie in der Mongolei und der Duft der silbernen Kräuter (Beifuß?) ruft Erinnerungen wach. Augen schließen, einatmen und an die Mongolei denken. Pferdeherden ziehen frei herum. Hier im Altay entstand 2013 bei uns der Wunsch, bei einer wiederholten Russlandreise, bis in die Mongolei zu reisen.
Bei einem anderen Stopp sind Felsmalereien aus der Bronzezeit zu bewundern. Eine Besucherin erzählt uns, dass früher Frauen zu diesen Felsen zu Fruchtbarkeitsritualen gepilgert sind, um für Nachwuchs zu beten. An anderer Stelle steht eine Menschen Stele, dahinter befinden sich weitere Felszeichnungen. Wir nehmen uns Zeit und benötigen einschließlich vielen Foto-Stopps und Besichtigungen 6 Stunden für etwa 200 Kilometer.
Bei Kuray verlassen wir die Straße und fahren auf ein Plateau, unser Stellplatz liegt auf 1500m. Wenn das Wetter sich hält, wollen wir zwei Tage bleiben. Unser Panoramabild – die Schneeberge des Altay.


   |   Tages KM: 221   |   GPS Nord: 50°14'49   |   GPS Ost: 87°58'42

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Donnerstag, 11.8. Kuray

Heute war es noch kälter, nur 4 °C. Wir stellen morgens erstmals die Heizung an. Bald kommt die Sonne hinter den Bergen hervor und es wird rasch warm.
Es gibt einiges zu tun: Wäsche waschen im Bach, kleine Reparaturen am Mobil ausführen, Holz hacken fürs Lagerfeuer. Aber auch die Sonne und schöne Landschaft genießen – Peter unternimmt eine Wanderung zu einer Almhütte.
Hier im Tal: Kein Internet und kein Telefonnetz.


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Freitag, 12.8. Kuray - Kupchegen

In der Nacht hat es geregnet, dadurch war es am Morgen weniger kalt. Sobald die Sonne scheint, unternehmen wir gemeinsam eine kleine Wanderung in den nächstgelegenen Ort. Im „Tante Emma-Laden“ kaufen wir frisches Brot. Uns fällt auf, dass die Menschen hier einen starken mongolischen Gesichtsausdruck haben, dazu schwarze Haare und braune Augen. Das verwundert nicht, denn die mongolische Grenze liegt von hier nur etwa 140 km entfernt.
Susanne kann ihre E-Mails abfragen – wir kommen nicht ins Netz. Zurück laufen wir über den Sportplatz und werfen einen Blick in die Gemeinschaftstoiletten (siehe Bild). Auch dem nahen Friedhof statten wir einen Besuch ab. Uns fällt auf, dass die Männer nicht besonders alt geworden sind – harte Arbeit und harte Getränke!!!
Zurück am Stellplatz machen wir nach einer kleinen Ruhepause die Mobile startklar. Wir wollen heute noch etwa 200 km Richtung Biysk fahren, einige kleine Fotostopps einlegen, um dann einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden. Die Berge zeigen sich nochmals in den schönsten Farben. An uns von der Hinfahrt bekannten Sehenswürdigkeiten geht es zurück. Wir sehen Hängebrücken über den Katun, über die sich abenteuerlich Personen bewegen. In Schlauchbooten stürzen Rafter sich über Stromschnellen. Rafting auf dem Katun soll eine der anspruchsvollsten Touren sein. Da, wo der Katun das Tal verlässt und in einer Schleife um die Felsen nach Nordosten fließt, finden wir auf einem Hochplateau einen ausgezeichneten Übernachtungsplatz. Von hier können wir in die Schlucht blicken. Unten befinden sich in Ufernähe Hütten zum Übernachten. Viele Stromschnellen bringen den Katun zum „Brodeln“. Schade, dass just jetzt keine Rafter mehr unterwegs sind.
Informatives:
Etwas abseits der Straße besichtigen wir ein Kriegerdenkmal zur Zeit der Khans. Übersetzung der Inschrift: Die Körper der Krieger ruhen unter der Erde. Die Steine oberhalb, das sind ihre Seelen.
Früher führte hier die Seidenstraße durch das Altay, jetzt Straßen für die Touristen.


   |   Tages KM: 154   |   GPS Nord: 50°36'19   |   GPS Ost: 86°30'20

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Samstag, 13.8. Kupchegen - Svetloozerskij

Wunderbarer Übernachtungsplatz. Weiter geht die Fahrt Richtung Biysk. Zwei Pässe müssen überquert werden. So geht es bei Sonnenschein bergauf und bergab mit wunderschönen Aussichten. Die Lärchenwälder werden im Tal von Birkenwäldern abgelöst. Auf den Wiesen ist die Blumenpracht des Sommers bereits verblüht. In den eingezäunten Gärten der kleinen Holzhäuser hingegen blüht alles in den schönsten Farben. Wir füllen die Kühlschränke mit den Erzeugnissen der kleinen Gartenbesitzer – Gurken, Tomaten, Zwiebeln und auch Honig werden reichlich angeboten. Auf dem Katun sind auch heute viele Rafter unterwegs. Auf Wiesen am Flussufer zelten Urlauber und Ausflügler machen Picknick im Wald. Die Souvenirs-Verkaufsstände und Imbissbuden sind stark umlagert. Auch wir kaufen ein - für die Lieben daheim!
Gegen 15 Uhr haben wir unser Ziel, den Ethik-Park (30 km vor Biysk) erreicht. Marianne und Uli haben uns diesen nach einem Besuch sehr ans Herz gelegt.
Artjom ist Schamane und Künstler zugleich. In der Schule hat er etwas Deutsch gelernt. Sein Bruder und Schwägerin leben in Freiburg/Deutschland. Artjoms Ehefrau führt uns herum. Wir haben Glück und können, weil eine Gruppe Russen an einer Schamanen-Zeremonie teilnimmt, diese auch miterleben. In dem wunderschön, terrassenförmig angelegten Garten befinden sich mehrere interessante Holzhäuser. Auf dem erhöhten Schamanenplatz stehen um eine Feuerstelle überlebensgroße farbige Holzfiguren. Leider können wir von der Zeremonie so gut wie nichts verstehen, da Artjom nur russisch spricht und unsere Kenntnisse nicht ausreichend sind. In einer kleinen Grotte steht die goldene Figur der Urmutter „Baba“ und darf berührt werden. Über ihr sind kleine Holzscheiben mit Wünschen angebracht. Ein Steinkreis und andere spirituelle Einrichtungen im Garten laden zum Ausprobieren ein. Im hinteren Teil eines Holzhauses hat der Künstler mit seiner Frau ein riesiges Rundgemälde geschaffen. Mit Bildern, die Geschichten aus „alter“ Zeit erzählen. So in etwa muss es sich zu Zeiten Dschinghis Khan abgespielt haben.
Der Künstler und seine Frau bitten uns noch bis morgen Abend zu bleiben, da er am Sonntag tagsüber zwei Gruppen-Veranstaltungen hat. Wir geben dem netten Ehepaar zu verstehen, dass unsere Zeit in Russland leider begrenzt ist – die nächsten Tage werden wir nach Kasachstan ausreisen.
Vielleicht kommen wir ja einmal wieder. Das schreiben wir auch ins Gästebuch.
Übernachtung auf dem asphaltierten Parkplatz vor der Anlage möglich.
Direkt an der Hauptstraße befindet sich ein kleiner Skulpturenpark. In diesem haben junge Künstler ihre geschnitzten Kunstwerke unter freien Himmel ausgestellt. Leider sind seit 2013 etliche Figuren schon stark verwittert.



   |   Tages KM: 309   |   GPS Nord: 52°25'37   |   GPS Ost: 85°34'13

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Sonntag, 14.8. Svetloozerskij - Staroalejskij

Bereits um 6 Uhr bringt ein Reisebus eine Gruppe von Besuchern. Nun ist es mit dem Schlaf vorbei, er parkt direkt neben uns. Susanne und ich gehen nochmals in den schönen Garten um Abschied zu nehmen, wir laufen den Steinkreis. Artjom befindet sich mit der Reisegruppe bereits auf dem Schamanenhügel. Wir verabschieden uns bei seiner Frau und bedanken uns herzlich für die gestrige Führung und Möglichkeit der Übernachtung.
Die Straße bis Barnaul ist sehr gut zu befahren und wir kommen zügig voran. Die Landschaft wird von Feldern bestimmt die bis zum Horizont reichen – es werden Weizen, Buchweizen, Sonnenblumen und Mais angebaut. Man ist bei der Heuernte und Mähdrescher ernten den Weizen. Das gute Wetter muss ausgenutzt werden. Über 500 Kilometer sind es bis zur Grenze nach Kasachstan. Im letzten Ort vor der Grenze schließen wir eine KFZ-Haftpflicht-Versicherung (Pflicht) für Kasachstan ab. Für einen Monat werden umgerechnet 20 € fällig. Die meiste Zeit benötigt der junge Mann um die lateinischen Buchstaben in seinen Computer einzugeben. Wir haben zwei Angaben für Übernachtungen in diesem Ort und entschließen uns für den Friedhof – sehr ruhig und abgelegen.
In Staroalejskij haben wir sehr guten Internetempfang. Schon bald „glühen“ die Computer! Morgen wollen wir nach Kasachstan einreisen.
Heute am Straßenrand: noch einmal preisgünstig Pfifferlinge eingekauft.


   |   Tages KM: 548   |   GPS Nord: 50°59'49   |   GPS Ost: 81°59'51

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Montag, 15.8. Staroalejskij - Grenze - Öskemen

Wir haben wie die Toten geschlafen. Kein Wunder, so nah am Friedhof! Um 8.45 Uhr sind wir bereits an der Grenze. Die Ampel zeigt rot, doch vor uns steht niemand. Just als wir den Motor ausstellen, springt die Ampel auf Grün. Gemeinsam fahren wir mit Susanne vor. In einem Büro müssen wir unsere Pässe und Fahrzeugpapiere zwecks Austragung vorlegen. Dann kommt der Zöllner, lässt uns alle Stauklappen öffnen um einen Blick hineinzuwerfen – schaut im Mobil in alle Schränke und fragt Peter nach Waffen. Peter verneint, denn so etwas haben wir natürlich nicht dabei! 15 Min späten fahren wir an die Grenze nach Kasachstan. Der Zöllner begrüßt uns und steigt gleich ins Mobil. Er wirft nur einen anerkennenden Blick hinein und reicht uns Emigrationskarten, die wir ausfüllen und mit unseren Pässen zum Eintragen vorlegen müssen. Das ist innerhalb von 10 Minuten geschehen. Der Zöllner verabschiedet uns mit Handschlag: Willkommen in Kasachstan! So nett wurden wir noch nie an einer Grenze begrüßt.
Vor den schlechten Straßen in Kasachstan hat man uns bereits gewarnt. Heute erleben wir die welligen Asphaltdecken selbst und werden fast 100 km durchgeschüttelt. Weite Ackerlandschaften breiten sich vor uns aus – von Hügelketten am Horizont begrenzt. Mittags erreichen wir Öskemen. Wir halten beim Registrierungsbüro und erfahren, dass man eine Registrierung nicht mehr braucht. Bedingungen geändert? Jetzt fehlt uns nur noch die nötige Währung. In Kasachstan bezahlt man mit Tenge, für1 € erhält man 380 Tenge.
Unser heutiger Stellplatz ist der Parkplatz neben der neuen Moschee von 2014. Gleich nebenan liegt ein großes Freizeitgelände mit diversen Sportmöglichkeiten und Ausstellungen. Uns interessiert die Ausstellung mit alten Häusern aus dem 20. Jh. Doch zuerst laufen wir 3 km stadteinwärts. In einem Shoppingcenter können wir Geld umtauschen und in einem Telefonshop eine Sim-Card erwerben. Dank Musa, einem netten Kasachen der gut englisch spricht, klappt der Kauf. Vor dem Center treffen wir ihn mit seinem PKW, er fährt uns bis vor die Mobile. Dabei erfahren wir, dass ein Onkel von ihm in Hamburg lebt – was ist die Welt doch klein. Abends laden wir ihn zu einem näheren Informationsaustausch in unsere Mobile ein.
Am Nachmittag schauen wir uns die alten bzw. nachgebauten Häuser im Freizeitpark an. Sie sind liebevoll eingerichtet und geben einen guten Einblick wie man vor 100 Jahren gelebt hat.
Fuß müde und suchen unsere Mobile auf. Im Schatten relaxen wir vor den Mobilen. Es kommen viele Interessierte zu uns ans Auto. U.a. auch 2 Imame, sie wollen uns ihre Moschee zeigen. Mit dem Fahrstuhl geht es in die 3. Etage, Eingang zur Moschee. 2 weitere Etagen ist sie hoch. 63 m betragen die jeweils 4 Minarette. 63 ist auch das Geburtsjahr vom Propheten Mohammed, so erklären uns die Imame. Susanne und mir gefallen vor allem die hellen Grüntöne. Es kommen andere Interessierte auf uns zu und sie fragen was uns gefällt in ihrem Land. Wir sind voll des Lobes und erwähnen, dass wir im Internet anderen Reisenden von unseren Erfahrungen täglich berichten. Nur der gekaufte Internet-Stick funktioniert leider nicht. Kurzerhand bieten uns die Imame ihr Wlan-Modem an. Nett, ob auch in Deutschland ausländischen Touristen so geholfen wird? Musa ist eingetroffen. Ein Gruppenfoto mit allen Gesprächspartnern bildet den Abschluss. Verstehen und verstanden werden benötigt so wenig!


   |   Tages KM: 172   |   GPS Nord: 49°55'52   |   GPS Ost: 82°37'08

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Dienstag, 16.8. Öskemen - Ayaguz

Wir müssen nochmals in die Innenstadt, weil es mit der Sim-Card in Peters Telefon nicht klappt. Außerdem wollen wir auf dem Zentralmarkt frisches Obst und Gemüse kaufen. Susannes Mobil dient uns als Taxi, kein Problem bei der Parkplatzsuche.
Mit reichlich Gemüse, Obst und auch Fleisch kehren wir vom Einkauf zurück. Bei Tele2, unserem Netzanbieter, ist Peters Handy schnell aktiviert. Bereits um 9.45 Uhr sind wir on tour. Doch schon nach 8 Kilometern geraten wir in eine Polizeikontrolle. Licht ist an, Tempo eingehalten – was ist los? Man bittet uns ins Gebäude und will die Pässe, den Fahrzeugschein und die Autoversicherungspolice (bereits in Russland abgeschlossen) sehen. Alle erforderlichen Angaben trägt der Beamte fein säuberlich in ein Buch ein. Dann dürfen wir weiterfahren - 20 Minuten Zeitverlust. Dabei wollen wir heute Strecke schaffen. Von Özkemen bis Almaty (unserem Ziel) liegen über 1000 Kilometer. Da der Straßenzustand außerordentlich schlecht sein soll (so Marianne und Uli), können wir davon ausgehen, dass wir für 300 Kilometer am Tag über 6 Stunden reine Fahrzeit benötigen werden.
Wir durchfahren eine weite Steppe, die Heuernte hat begonnen. Auf den meisten Flächen wächst nur Steppen- und Federngras. Der Wind wogt die Halme über die Steppe – zauberhaft.
Ab 17 Uhr suchen wir einen Stellplatz für die Nacht. Da aber unsere Fahrbahn auf einem erhöhten Damm liegt, ist es schwer für uns links oder rechts abzubiegen. Erst außerhalb des Ortes Ayagöz finden wir einen Stellplatz auf einer Wiese – der moslemische Friedhof liegt nur wenige Schritte entfernt.
Die Pflanzen auf der Wiese duften wie in der Mongolei, Susanne und ich fühlen uns sofort heimisch. Während wir Frauen gemeinsam kochen, repariert Peter die Reserveradhalterung unter dem Mobil.
Im Schein der untergehenden Sonne unternehmen Susanne und ich noch einen kleinen Spaziergang über den Friedhof. Die Gräber hier sehen so ganz anders aus als bei den russ/orthodoxen Gräbern. Die meisten bestehen aus quadratisch gemauerten Außenwänden, auf diesen befindet sich das Symbol der Mondsichel. An den Außenwänden sind Schilder oder auch Bilder der Verstorbenen angebracht. Es gibt keinen Blumenschmuck.
Unser Stellplatz liegt 650 m hoch und wir haben heute (so der Bordcomputer) 6 Std 20 Min für 311 km benötigt – einen Schnitt von etwa 45 km die Stunde. Den Fahrern wurde auf dieser Schlaglochpiste viel abverlangt – immer höchste Konzentration.
Heute habe ich auf dem Markt einen kleinen Eimer (5 kg) Einmachgurken gekauft, für umgerechnet 2,50 €. Meine Oma hat zu diesen immer „Russengurken“ gesagt. Warum, das habe ich sie nie gefragt.


   |   Tages KM: 311   |   GPS Nord: 47°57'13   |   GPS Ost: 80°24'02

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Mittwoch, 17.8. Ayaguz - vor Cherkooskoye

Das war ein guter Übernachtungsplatz. Schon bald sind wir auf der Schlaglochpiste – 300 Kilometer ist unser gestecktes Ziel. Bei einem Kriegerdenkmal ist der erste Stopp fällig. Als wir anhalten, kommt eine alte Frau mit einem Kind hinter dem Denkmal hervor. Sie sieht verhärmt aus. Susanne und ich begrüßen sie freundlich und beginnen ein Gespräch mit ihr. Sie schimpft auf die „Russen“, zeigt ihre abgearbeiteten Hände mit dem Vermerk raboti – raboti. Vielleicht musste sie als junge Frau hart für die „Russen“ arbeiten. Ich hole aus dem Mobil eine warme Winterjacke (danke Renate, hier leistet dein Mantel gute Dienste) und für das Kind ein Schmusetier. Die alte Frau bedankt sich vielmals. Wir haben um 9 Uhr nur 12°C und es weht ein frischer Wind über die Steppe – tagsüber steigen die Temperaturen auf 28°C an. In Kasachstan herrscht kontinentales Klima, heiße Sommer und sehr kalte Winter.
Dann, wenige Kilometer weiter, 2 Reisemobile am Straßenrand, Gunwiltrack.com und Paulchen-on-tour.de. Die Freude über ein Zusammentreffen mit Gunilla und Wilfried (wir trafen uns auf Olchon) ist auf beiden Seiten groß. Es entsteht ein reges Gespräch, zum Abschied werden die E-Mail Adressen ausgetauscht. Und weiter geht die Fahrt. Gunilla und Wilfried haben auch Almaty als Ziel. Nur wollen sich die Zwei für die Strecke etwas mehr Zeit lassen. Nach der Steppenlandschaft kommen wir an die Salzseen und überlegen, ob wir einen Abstecher zum Alaköl unternehmen sollen. Badetemperaturen im Sommer angenehme 26°C. Doch das Nachlesen im Reiseführer ergibt, dass viel Schilf am Ufer das Baden erschwert. So nehmen wir schweren Herzens Abstand – zumal der Abstecher 120 km hin und zurück betragen hätte.
Wir fahren noch gute 70 km, dann ist Schluss für heute. Bei sommerlichen Temperaturen können wir draußen zu Abend essen. Grillen zirpen und der Vollmond lässt grüßen.


   |   Tages KM: 294   |   GPS Nord: 45°48'45   |   GPS Ost: 80°23'42

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Donnerstag, 18.8. Cherkooskoye - Qapshaghay See

Die schneebedeckten Gipfel des Zhongghar Alatau (Grenzgebirge zu China) begrüßen uns schon am frühen Morgen. Bereits um 8 Uhr sind wir on tour. Heutiges Ziel ist der Qapshaghay Stausee – 400 km von hier. Nach unserem Stellplatz erreichen wir eine fruchtbare Tiefebene. Hier gedeihen Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Melonen. Alles wird an Straßenständen angeboten. Wir benötigen dringend Wasser für unsere Tanks. An der ersten Wasserstelle klappt nur das Auffüllen der Behälter, der Druck ist einfach zu gering. In einem anderen Straßendorf erblicken wir eine weitere Pumpe. Als sich Peter an dieser zu schaffen macht, winkt ihn ein Mann an seinen Gartenzaun. Wir können gutes Trinkwasser aus einem Anschluss bei seinem Haus erhalten. Schon bald laufen wir mit Eimern und Kannen zwischen dem Haus und den Mobilen hin und her. Das braucht alles seine Zeit – der Gartenbesitzer schenkt uns eine Wassermelone und Basilikum aus seinem Garten. Susanne überreicht ihm ein Glas Nutella. Der Mann bringt uns eine große Tüte Tomaten und Zucchini aus seinem Garten. Alles ökologisch wie er betont. Inzwischen sind seine Frau und vier Kinder (3 Töchter, 1 Sohn) aus dem Haus getreten und begrüßen uns. Sie bauen unter einem schattigen Baum im Vordergarten Tisch und Hocker auf und deuten uns Platz zu nehmen. Eine Decke wird ausgebreitet, darauf stellen sie Teekanne, Becher, Melonenstückchen und selbstgebackenes Brot. Wir sind überwältigt und überreichen unsererseits kleine Gastgeschenke. Zum Abschluss führen sie uns in den Innenhof und die angrenzenden Wohnräume. Dann heißt es Abschied nehmen – Erinnerungsfotos werden gemacht. Wir müssen leider weiter, haben wir doch heute noch eine lange Strecke vor uns.
Wir kommen bis auf über 1000 m, um dann wieder einige 100 m abwärts zu fahren. Oft liegt Schlagloch an Schlagloch – ein Ausweichen ist unmöglich. Aber die Aussichten sind grandios. Mal Steppe, dann wieder sanfte Berge, wenig Bäume – nur in Tälern wo sich Flüsse befinden.
Ab Taldyqorghan wird die Straße schlagartig besser und wir kommen sehr gut voran. Es gibt allerdings einige Baustellen. Nach einem kleinen Pass hat Susanne einen „Reifen Platzer“. Den Reifen hinten rechts hat es erwischt. Peter macht sich an die Arbeit und montiert das Reserverad. Bald ist das geschafft und wir können die Fahrt fortsetzen. Jetzt müssen wir uns in Almaty noch nach einem neuen Reifen umsehen. Gegen 18 Uhr erreichen wir den Qapshaghay Stausee. Für den Parkplatz wird eine kleine Gebühr fällig, dafür können wir bis morgen früh bleiben. Sofort springen wir in den angenehm warmen Stausee. Doch wir haben die Rechnung ohne die Diskotheken um uns herum gemacht. Mit lauter Musik werben sie um Kundschaft. Um 23 Uhr parken wir um.


   |   Tages KM: 425   |   GPS Nord: 43°56'43   |   GPS Ost: 77°19'26

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Freitag, 19.8. Qapshaghay See - Sharyn Canyon

Schon bald nach unserem ruhigen Übernachtungsplatz ist die Hauptstr. erreicht. Auf dem Staudamm geraten wir in eine Polizeikontrolle. Zuerst geht der Beamte zu Susanne, dann zu uns. Wir müssen mit ins Polizeigebäude und der Polizist nimmt unserer Führerscheine an sich. Vergehen: Wir sind auf der rechten und nicht auf der linken Spur am Polizeigebäude vorbeigefahren. Strafe umgerechnet 33 € pro Fahrzeug. Warum so viel, wir haben doch niemand behindert? Für uns „Touristen“ war das nicht verständlich vorher auf Verkehrsschildern erklärt. So geht das Gespräch (englisch) hin und her. Susanne besteht energisch auf ein Protokoll in Englisch. Aber das können sie hier nicht erstellen und verweisen uns auf die Polizeistation in Almaty, etwa 100 km von hier. „Gut, dann fahren wir nach Almaty“, so Susanne - nimmt dem verdutzten Polizisten die Führerscheine aus der Hand und weg sind wir. Brauchten die Polizisten „Spielgeld“ für die vielen Casinos die jetzt folgen?
Etwa eine Stunde später, auf dem Abzweig zum Sharyn Canyon, werden wir wieder gestoppt. Zu schnell, so die Aussage der Polizisten. Gemessen haben sie 54 km, das sind 14 km zu viel. Wieder sollen wir umgerechnet 33 € zahlen – ein Festpreis? Diskussionen hin und her. Ein PKW stoppt und ein Kasache fragt in bestem deutsch nach unserem Problem. Erfreut über so viel Hilfsbereitschaft, ist die Geschichte schnell berichtet. Der Kasache aus Wilhelmshafen „haut“ uns raus. Er hat den Polizisten folgendes gesagt: „Man behandelt in Deutschland die Kasachen so freundlich – und was macht die Polizei hier mit ihnen? Man gibt uns unsere Papiere zurück und mit „rachmet“ (danke) verabschieden wir uns. Mit unserem Helfer (Korben) tauschen wir noch die Telefonnummern aus. Über ein Zusammentreffen auf der Rückfahrt aus dem Canyon würden wir uns sehr freuen.
Wir versorgen uns mit frischem Gemüse und Fladenbrot, welches an den Straßenständen in reichlicher Auswahl angeboten wird. Der Straßenbelag ist von sehr gut bis „da muss was getan werden“. Eine fruchtbare Ebene wird abgelöst von einem Hochplateau mit kahler Steppe. Wir lesen, dass man hier mit Greifvögeln auf Jagd geht. Bald nach einem Pass erfolgt der Abzweig in den Canyon, eine 18 km lange Piste. Dann stehen wir vor der Schranke zum Nationalpark. Es werden pro Person 2€ Eintritt erhoben – dafür stehen auf dem Gelände einige Picknickhäuschen und viele Mülleimer für die Abfälle. Sobald wir einen geeigneten Parkplatz gefunden haben, laufen wir einige der unzähligen Wege oberhalb. Von Aussichtspunkten hat man die Möglichkeit in den Canyon zu schauen. Der rote Sandstein hat durch Erosion viele Formen hervorgebracht. Am Grund des Canyon fließt strömend der Sharyn – er hat ein 154 km langes und bis zu 350 m tiefes schroffes Tal in den Sandstein gewaschen. Man kann hinabsteigen und viele Touren Wander- und Klettertouren unternehmen.
Das wollen wir morgen Vormittag machen. Abends gesellt sich noch ein weiteres deutsches Reisemobil zu uns. Jenny und Arne aus Potsdam wollen um die Welt reisen – solange das Geld reicht. Bemerkenswert diese jungen Leute und sehr sympathisch.


   |   Tages KM: 297   |   GPS Nord: 43°21'30   |   GPS Ost: 79°03'12

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Samstag, 20.8. Sharyn Canyon

Den Tag verbringen wir mit Wanderungen in den Canyon. Am Vormittag und Nachmittag sind die Lichtverhältnisse zum Fotografieren am besten.
Am Abend wieder gemütliches Beisammensein mit unseren netten Nachbarn aus Potsdam.


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Sonntag, 21.8. Sharyn Canyon - Almaty

Die Rückfahrt aus dem Canyon geht wesentlich schneller, da wir uns nicht auf unser Navi verlassen, sondern den offiziellen nur 11 km langen Pistenweg nehmen. Obwohl wir auf der Hauptstr. bereits alles von der Hinfahrt kennen, ist die Landschaft eine ganz andere, wenn man aus der anderen Richtung kommt. Gegen Mittag sind wir mit Kobn verabredet. In seiner Heimatstadt Jesik möchte er uns zu einem schönen Ausflugsziel, dem Jesik-See, führen. Kobn steigt zu Peter als Reiseführer ins Mobil, Susanne und ich düsen hinterher. Schon bald führt uns die asphaltierte Trasse in das bewaldete Tal des Jesik-Flusses zum Jesik-See der auf 1.756 m liegt. Der See war ehemals viel größer und wurde früher die „Perle des Tien Schau“ genannt. Nach einem Unwetter 1963 und Muren Abgängen wird er nur noch zu ¾ seiner ursprünglichen Höhe aufgestaut. Der See ist bei Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Auch wir sind beeindruckt. Zurück im Ort ist ein Besuch bei Kobns Schwester geplant. Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft und vielen verschiedenen Speisen die auf dem Tisch stehen – wollten wir doch nur Tee trinken. Wir müssen alles probieren und bekommen dann noch vieles als Wegzehrung mit. Danke, für die herzliche Bewirtung.
Kobn fährt mit uns nach Almaty, er will uns beim Ersatzreifenkauf für Susannes Mobil behilflich sein. Wir nehmen mehrere Anläufe bis es endlich klappt. Auf einem Großmarkt für Autoteile bekommen wir einen günstigen Ersatzreifen. Nur aufziehen, dafür finden wir heute am Sonntag keinen Reifendienst – sie haben alle geschlossen. So beschließen wir den Stellplatz in Almaty aufzusuchen. Doch unser Navi arbeitet nicht – alle Straßen sind im „grauen Bereich". Das kann ja heiter werden! Nun versuchen wir Frauen mit der Handy-App „Here“ zu navigieren. Kommen nicht punktgenau zum Stellplatz, aber landen bei einem Reifendienst der geöffnet hat. Kobn kann alles vermitteln. Wenige Minuten später ist Susannes Reifen auf Felge montiert. Wir nehmen die Gelegenheit wahr und lassen vorne unsere zwei Ersatzreifen aus der Garage aufziehen. Marianne und Uli treffen ein, sie waren heute im Gebirge wandern. Auch sie benötigen 2 Reifen vorn. Um diese will sich Kobn morgen bemühen, während wir uns Almaty ansehen wollen.
Abends sitzen wir noch lange draußen bei hochsommerlichen Temperaturen beisammen und berichten was wir seit dem 12.7. (da haben wir uns in Karakorum getrennt) erlebt haben. Um 23 Uhr fallen wir alle die Betten. Ob wir bei dem Straßenlärm Ruhe finden?


   |   Tages KM: 262   |   GPS Nord: 43°16'25   |   GPS Ost: 76°53'25

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Montag, 22.8. Almaty

Wir haben alle wegen des Verkehrslärms nicht so gut geschlafen. Peter löst alsbald das Naviproblem von gestern, indem er den Chip für Kasachstan und Kirgistan einlegt. Nun können wir unbesorgt die Weiterreise antreten, das Navi sollte alle GPS Daten finden.
Heute Stadtbesichtigung von Altmaty, der heimlichen Hauptstadt Kasachstans.
Mit einem „Privattaxi“, das sind Autos die auf Handzeichen halten und Personen zu günstigen Preisen zum gewünschten Ziel befördern, fahren wir mit Susanne zum Panfilov-Park. Für umgerechnet 2.50 € Gesamtpreis für alle fahren wir 7 Kilometer. Hier beginnen wir unseren Stadtrundgang.
Zuerst besichtigen wir die Himmelfahrts-Kathedrale, die nicht nur von außen in den schönsten Farben erstrahlt. Hinter der Kathedrale befindet sich im Park das Denkmal der 28 Garde-Soldaten des General Panfilov. Die Soldaten haben in einer Schlacht bei Moskau 50 deutsche Panzer vernichtet und starben dabei. Ein beeindruckendes Denkmal, vor dem Braupaare ihre Blumen niederlegen.
Auf breiten Flanierwegen, unter schattenspendenden Bäumen, laufen wir weiter zum Astana-Platz, dem alten Paradeplatz. Das Lenindenkmal hat man durch 2 Soldatinnen ersetzt, die im 2. Weltkrieg einen „Heldentod“ starben. Weiter zu Fuß zum Platz der Republik. Früher residierte hier der Präsident bis zu seinem Umzug in die neue Hauptstadt Astana. Am meisten fotografiert: Die Stele mit dem sakischen Krieger auf einem geflügelten Schneeleoparden, sie gehört zu den nationalen Symbolen.
Unter den Glaskuppeln auf dem Platz liegt ein unterirdisches Einkaufsparadies mit Boutiquen und Souvenirgeschäften in der höheren Preislage.
Auf keinen Fall sollte man den Panoramablick (aus 1070 m Höhe) vom Köktöbe versäumen. Wir fahren mit dem Minibus hinauf und mit der Seilbahn hinab. Besonders interessant war es, einen Blick von oben in die Gärten und Anlagen der Häuser zu werfen.
Zu Fuß an Universitäten vorbei – soweit die Füße tragen. Ein Blick in den Hochzeitspalast darf nicht fehlen. Auch heute am Montag wird geheiratet. Durch die Glastür im Vorraum können wir einen Blick auf das Brautpaar und die Gäste erhaschen.
Mit dem „Privattaxi“ geht es zu den Mobilen zurück. Der Reifenkauf war erfolgreich und Marianne und Uli sind bereits abfahrbereit, gemeinsam geht’s zum Supermarkt um noch einige Einkäufe zu tätigen. Hier verabschieden wir uns von unserem Helfer Kobn, der uns von einem anderen netten Kasachen zu einem Grillrestaurant führen lässt – unentgeltlich mit seinem PKW.
Abends suchen wir uns ein stilles Übernachtungsplätzchen in einem Industriegebiet. Peter und ich sind bis Mitternacht fleißig am PC, denn die nächsten 7 Tage werden wir vermutlich keinen Internetzugang in Kirgistan haben.


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Dienstag, 23.8. Almaty - Grenze - Bishkek

Einkaufserlebnis auf dem „Grünen Markt“. In der Nähe der überdachten Hallen befinden sich viele Parkplätze (gegen eine geringe Gebühr) auch für Fahrzeuge unserer Größenordnung. Die größere Halle hat zwei Stockwerke. An unzähligen Ständen sind die Waren dekorativ präsentiert: polierte Äpfel aus Almaty, Aprikosen aus Usbekistan, Gewürze, Trockenobst, Honig, Gemüse und Obst in großer Vielfalt, Brot, Fleisch nach Tierarten getrennt. Die freundlichen Händler/innen lassen uns probieren – wir geraten in einen Kaufrausch. Um die Hallen befinden sich Gänge mit kleinen Geschäften, hier wird auf engstem Raum alles für Haus und Hof angeboten.
Wir sitzen nach 1 ½ Stunden Einkaufserlebnis wieder hinter dem Lenkrad – es geht Richtung Grenze Kirgistan. Mit viel Staus und Drängelei, obwohl es schon Mittag ist. Unterwegs treffen wir den Gunwiltrack. Auch sie wollen heute nach Kirgistan einreisen. Um 16.45 Uhr ist die Grenze erreicht. Gruppenweise werden etwa 8 Fahrzeuge vorgelassen. Die Beifahrer müssen einen separaten Übergang nehmen. Ich bin bereits nach 30 Minuten drüben, Peter gute 15 Min. später.
Geldumtausch, in Kirgistan heißt die Währung Som. Für 1 € erhalten wir 70 Som. Das Land hat eine Ausdehnung Nord/Süd von 435 km und West/Ost von 900 km. 90% der Landesfläche liegt über 1.500m, 70% sogar über 3.000m. Etwa 6 Mio. Einwohner leben in diesem Hochgebirgsland.
An der Grenze erwarten uns bereits Uli und Marianne. Gemeinsam (4 Mobile) suchen wir auf dem Weg nach Bishkek eine Möglichkeit zum Übernachten – Fehlanzeige. So fahren wir zum Busparkplatz, hier sollen schon Mobile (lt. Internet) übernachtet haben. Zwar kommen wir alle gegen ein geringes Entgelt auf den Parkplatz, doch übernachten sollen wir aus Sicherheitsgründen in unseren Mobilen nicht. 100 Dollar möchte der Sicherheitsdienst (wofür?), oder Mobile hier parken und Personen im Hotel übernachten – nein danke. Wir verlassen wieder den Parkplatz und fahren etwa 16 km bis zu einem Seengelände. In der Dämmerung wird es zunehmend schwerer einen geeigneten Platz ausfindig zu machen. Endlich klappt es - an einem Fluss und abseits der Straße. Wir Frauen machen uns an Kochen und bald sitzen wir in geselliger Runde beim gemeinsamen Essen vor den Mobilen. Gunilla und Wilfried wissen von ihren Reisen so viel Interessantes zu berichten. 1-2-3 ist es Mitternacht – gute Nacht!!!


   |   Tages KM: 265   |   GPS Nord: 43°00'00   |   GPS Ost: 74°32'02

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Mittwoch, 24.8. Bishkek - Ysyk Köl

Wir wünschen Gunilla und Wilfried eine gute Weiterreise und fahren mit Susanne Richtung Isyk-Kul See – Marianne und Uli wollen später nachreisen. Um Bishkek herum ist der Boden sehr fruchtbar. Es werden Getreide, Mais, Kohl, Tomaten und Paprika angebaut, es ist Erntezeit. Eine gute Straße führt uns durch ein schroffes Tal, durch das schon die Seidenstraßenkarawanen zogen. Immer am Grenzfluss zu Kasachstan entlang kommen wir auf 1600m. Schon bald blitzt der Isyk Kul hinter den Bergrücken hervor. Der See ist 6.000 qkm groß und 692 m tief. Er ist der größte Hochgebirgssee der Welt und friert auch im Winter nicht zu. Wir wollen ihn einmal umrunden. In Balykchy kaufen wir eine Sim-Card und biegen bald nach dem Ort zum See ab. Auf dem Küstenstreifen weiden Tiere und Einheimische picknicken am Ufer. Es weht ein frischer Wind vom See. Hinter ihm erhebt sich das Tien-Schan-Gebirge mit seinen weißen Gipfeln, der höchste Berg ist 7.439 m hoch. 95% von Kirgistan werden durch das Gebirgssystem des Tien Schan eingenommen, der restliche Teil gehört zum Gebirgssystem des Pamir.
Auf unserer Seite vom See liegt das Grenzgebirge zu Kasachstan, das Kungej Alatoo. Hier liegen die Gipfelhöhen bei 4.000m.
Den Nachmittag verbringen wir in dieser grandiosen Landschaft und gehen baden. Der Isyk Kul ist weitaus wärmer als der Baikal. Abends funkeln über uns die Sterne am nachtschwarzen Himmel.


   |   Tages KM: 202   |   GPS Nord: 42°28'15   |   GPS Ost: 76°15'54

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Donnerstag, 25.8. Ysyk Köl - Korumdu

Auf der Suche nach Trinkwasser verkauft uns ein Supermarkt von seinem Außenwasseranschluss eine größere Menge. Die Wasserpumpen in den kleinen Ortschaften funktionieren alle nicht – wahrscheinlich haben die Einwohner Wasseranschlüsse im Haus. Im Supermarkt begegnen wir einer Deutsch-Kirgisin aus Stuttgart. Sie macht zurzeit bei ihrer Familie Urlaub. Falls wir Probleme haben will sie uns behilflich sein. Elena gibt mir ihre Telefonnummer. Wir erfahren von ihr, dass das Nomadenfest am 3.9. in der Stadt Tscholpon Ata beginnt – Nomaden aus vielen Ländern Asiens nehmen daran teil. Bemerkenswert sollen die Trachten der Teilnehmer sein.
Am Vormittag ist die Luft noch sehr klar und wir können viele weiße Berggipfel erkennen. Unser nächster Stopp ist das Petroglyphenfeld bei Tscholpon Ata. Ein riesiges Feld mit über 5.000 Felsgravuren aus dem 2. Jahrtausend v.Chr. Wir entdecken viele Gravuren von Steinböcken.
Tscholpon Ata ist die Touristenhochburg der Region. Der Strand wird von den großen Hotelanlagen vereinnahmt. Wir finden Kilometerweit keine geeignete Zufahrt zum Strand. Tscholpon Ata rüstet sich für das Nomadenfest. Das neue Station leuchtet weithin – nur die Außenanlagen sind noch nicht fertig, aber man hat noch über eine Woche Zeit.
15 km außerhalb finden wir ein nettes Strandplätzchen ohne Hotel. Wir schließen sofort Bekanntschaft mit einem Kirgisen, der mit seiner Familie einen Grill vorbereitet. Schon bald bringt er uns einige Kostproben. Stolz überreicht er uns seine Visitenkarte, er arbeitet für die Polizei. Bei Problemen will er uns helfen. Na, das ist doch mal was!!! Für Morgen schlägt er einen gemeinsamen Ausflug in ein schönes Gebirgstal, unweit von hier, vor. Wir sollen ihn Morgen Vormittag gegen 10 Uhr anrufen.
Abends planen wir unsere Kirgistan-Reise neu, denn wir wollen das Nomadenfest miterleben. So können wir uns eine Woche Zeit lassen: für den See und Ausflüge in Seitentäler – am 2.9.wollen wir dann wieder in Tscholpon Ata sein. Wir müssen nur noch einen geeigneten Stellplatz für diese Zeit finden.


   |   Tages KM: 107   |   GPS Nord: 42°40'53   |   GPS Ost: 77°20'08

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Freitag, 26.8. Korumdu

Unser Polizist aus Bischkek hatte uns schon gar nicht mehr im Programm, als Susanne ihn gegen 10 Uhr anruft. Er ist bereits im Tal des wilden Tschong Ak-Suu. Doch er hat eine Telefonnummer von einer Kirgisin die deutsch spricht, sie ist bei Verwandten im Tal zu Besuch. Jepara, so heißt die junge Frau, gibt Susanne Beschreibungen wie wir sie finden. Schon bald sitzen wir zu dritt in Susannes Mobil und folgen der Beschreibung. Nach dem Ort Grigorjewka biegen wir auf einen unbefestigten Weg ins Tal. Ein bisschen so wie über „Stock und Stein“ bergan – der Wildwasserbach Tschong Ak Suu begleitet uns. Eine Schlucht tut sich auf, so fahren wir einige Kilometer. Dann die ersten Jurten, die hier als Cafés dienen. Man kann sich ein Pferd mieten und dann mit diesem weiterreiten. Bald ist die Jurte von Jeparas Familie erreicht. Sie begrüßt uns akzentfrei in unserer Heimatsprache. Kein Wunder, denn sie arbeitet als Deutschlehrerin in Berlin. Neben uns stoppt ein „Spaßmobil“ und bietet uns seine Fahrdienste an. Für 2 Stunden Ausflug möchte der Mann 30 €. Wir stimmen zu, zumal die Straßen noch schlechter werden sollen als bislang. Bei Jepara bestellen wir Forelle gegrillt mit Beilagen, das Essen soll bei unserer Rückkehr fertig sein. In den „Spaßmobil“ haben wir Rundumblick und bei schönen Fotomotiven halten wir. Das Fahrzeug bleibt einige Male stehen, dann schaut der Fahrer unter die Haube, kühlt den Motor, füllt Benzin nach und schon geht es rasant (wir sind alle nicht angeschnallt) weiter.
Zurück bei Jepara, brutzelt unsere Forelle schon auf dem Grill. In der Jurte serviert man uns frisches Brot, selbstgekochte Marmeladen, die gerillten Forellen mit Salzkartoffeln und gemischten Salat. Dazu reichlich Tee aus dem Samowar. Für dieses leckere Essen gibt es *****Sterne. Jepara weiß viel auf unsere Fragen zu berichten – wir hätten ihr noch Stundenlang zuhören können. Aber wir wollen gegen 15 Uhr am Platz sein, Marianne und Uli sind eingetroffen.


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Samstag, 27.8. Korumdu - Kojoyar

Einkäufe im nächsten Ort. Ich finde einen Schuster. Dieser näht mit der Hand eine gerissene Naht am Schuh. Sein kleiner Sohn leistet ihm Gesellschaft. Er malt die Ziffern auf ein Blatt Papier, die er vorher in ein Handy getippt hat.
In Semjonowka biegen wir in das Kyrtschyn-Tal ab. Diese Straße ist wesentlich besser als die gestrige. Wir fahren 15 Kilometer - zuerst über Asphalt, dann über eine glatte Piste. Am Wegesrand stehen Jurten, in denen man übernachten kann – es werden auch Speisen und Getränke angeboten. Immer aufwärts bis auf 2.200m, dann ist ein riesiges Hochplateau erreicht. Auf diesen Sommerweiden sehen wir Schafe, Pferde und Kühe frei weiden.
Hier hinten im Tal wird ein Teil des Nomadenfestes stattfinden. Man baut emsig an Holztoren und einer Tribüne. Soldaten bereiten den Untergrund für 300 Jurten vor. Man erwartet Nomaden aus vielen Ländern. Vorort treffen wir eine Dame der Organisation, sie kann uns einiges über das Fest erzählen. Eröffnungsfeier am 3.9. um 20.30 Uhr in Cholpon Ata, die Eintrittskarten können in der Stadt auf dem Postamt erworben werden. Am 4.9. ab 15 Uhr sollen hier im Tal einige Spiele stattfinden. Z.B. müssen Reiter lebende Schafe fangen und sie dann auf einen Lehmhaufen werfen – für die Schafe sicherlich schmerzhaft (hart wie Beton).
Parkplätze werden eingerichtet, für Ehrengäste oben - weiter unten für PKW und Minibus Shuttle-Dienst.
Wir richten es uns auf einer Wiese häuslich ein und beabsichtigen hier zu übernachten. PKW stoppen und wollen unsere Mobile anschauen – laden uns auf ein Schnäpschen ein.
Wir genießen die klare Bergluft, den Sonnenschein und die Rundumsicht. Nachts über uns ein Sternenhimmel, unter dem wir uns unendlich klein vorkommen.


   |   Tages KM: 35   |   GPS Nord: 42°50'04   |   GPS Ost: 77°30'07

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Sonntag, 28.8. Kojoyar - Pristan

Morgens haben wir draußen nur 11°C. Ein Ausflug weiter zum See in den Bergen ist nicht möglich, die Straße wird für unsere Fahrzeuge zu schlecht. Wir kehren um und fahren die gestrigen 15 km zur Hauptstraße zurück.
Mal führt die Straße uns am See entlang, dann wieder durch fruchtbare Landschaft und Berge.
Wir machen einen Stopp beim Prshewalskij-Museum – 12 km vor Karakol. Dem berühmten russischen Forschungsreisenden N. Prshewalskij wurde ein Museum gewidmet. Aufzeichnungen über seine 4 Expeditionen zur Erforschung des russ. Fernen Ostens, Zentral- und Westchina, der Mongolei, Tibets und Zentralasiens hat er akribisch dokumentiert. In 16 Jahren (1872-1888) hat er in unzulänglichen und nicht ungefährlichen Gegenden 30.000 km zurückgelegt.
Die Parkanlage ist auch ein beliebtes Fotomotiv-Ziel von Brautpaaren. Heute am Sonntag kommen sie Non-Stopp – eine Braut schöner als die andere.
Zum Übernachten hat Peter von hier oben einen Platz am Hafen ausgesucht, den wir alsbald ansteuern. Wir sitzen noch lange gemeinsam unter dem Sternenhimmel vor unseren Mobilen.
Wie hat sich doch die „Reisegeschwindigkeit“ über Land verändert: vor 130 Jahren 30.000 km in 16 Jahren, wir reisen 30.000 km in 16 Wochen!!!


   |   Tages KM: 123   |   GPS Nord: 42°34'39   |   GPS Ost: 78°18'21

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Montag, 29.8. Pristan - Karakol - Ak-Terek

Nur wenige Kilometer sind es von hier bis Karakol. Wir besichtigen die dunganische Moschee in Form einer buddhistischen Pagode, die ausschließlich aus Holz gefertigt wurde. Wir Frauen müssen außer unserem Kopftuch einen unförmigen Übermantel tragen. Die Moschee darf nicht betreten werden, nur ein Blick von außen ist erlaubt.
Die russ.-orthodoxe Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit ist ebenfalls aus Holz erbaut. Wir Frauen benötigen auch ein Kopftuch, aber die Kirche darf betreten werden. Am Montag leider ohne Gesänge.
Wir schlendern über den nahen Dshakschylyk-Basar. Hier werden Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs angeboten. Gerne wären wir auch noch über den großen Basar gelaufen, doch es war dort so voll und für uns leider nicht möglich in der Nähe einen Parkplatz zu finden.
Wir fahren in das Tal Dshety-Oguz, das Tal der „7 Stiere“. Wind- und Wassererosion haben aus dem porösen roten Gestein bizarre Formen hervorgebracht. Die berühmtesten sehen aus wie angreifende Stiere. Auf der Rückseite von diesen Steinen befindet sich ein mit Fichten bewachsener roter Felsen, der in der Mitte gespalten ist – das gebrochene Herz. Auch hierzu gibt es natürlich eine Legende.
Wir steigen auf eine Anhöhe. Von hier haben wir einen schönen Blick auf die roten schroffen Felsen und weit ins Tal.
Weiterfahrt an den Issyk-Kul-See. Wir sehen von der Straße schöne Sandstrände, doch leider sind diese nur über steile, steinige und ausgewaschene Zufahrten zu erreichen – nein danke! Fast haben wir unseren Traum, hier in der Abgeschiedenheit, an den See zu gelangen schon aufgegeben, da ergibt sich ein für uns geeigneter Weg.
Im Sonnenschein können wir an unserem Traumplatz vor den Mobilen einen Aperitif trinken. Mit heraufziehenden dunklen Wolken wird es merklich kühler. Wir bedauern es nicht gleich Schwimmen gegangen zu sein, denn das Wasser hier hat angenehme 20°C!


   |   Tages KM: 111   |   GPS Nord: 42°13'58   |   GPS Ost: 77°42'51

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Dienstag, 30.8. Ak-Terek - Hochgebirge 3800m - Ak-Terek

Wir lassen unser Mobil stehen und fahren zu dritt mit dem Mobil von Susanne. Uli und Marianne bleiben am Platz. Zuerst fahren wir ständig bergan in das bewaldete Tal des Barskoon. Besucher fahren gerne hierher wegen der herabstürzenden Wasserfälle. Am Ende des Tals führen mehr als 20 Serpentinen hoch zum Barskoon-Pass (3754m) und weiter zu den kahlen Hochebenen des zentralen Tien Schan.
Die Piste durch das Tal ist gut ausgebaut, denn es ist die Zufahrt zur Goldmine Kumtor. An der Schranke müssen wir uns registrieren lassen. Erst 1978 wurde hier ein Goldvorkommen entdeckt. Seit 1993 hat eine kanadische Firma die Lizenz zur Förderung. Am Ertrag ist der Kirgisische Staat beteiligt. 2.700 Arbeiter und Ingenieure (überwiegend Einheimische) sind hier in 4.000m Höhe beschäftigt.
Den Kirgisen bereiten vor allem die Umweltprobleme, die die Förderung von Gold mit sich bringt, Sorgen. Riesige Mengen des giftigen Zyanid sind in einem Rückhaltebecken gespeichert. Unfälle machen Umweltschäden dramatisch. Zumal bei dem riesigen Petrow-Gletscher das bedeutendste Trinkwasser-Reservoir liegt.
Wir fahren noch einige Kilometer zu den Gletschern, kommen an vielen Bergseen vorbei, in denen sich die Gipfel und Gletscher spiegeln. Eine grandiose Landschaft in 4.000m Höhe, wir sind alle restlos beeindruckt. Trotz enormer Höhe blühen auf den Wiesen Edelweiß, Enzian und Alpenveilchen in Miniaturausgabe. Wir sehen einige Murmeltiere.
Auf gleichem Weg geht es mit vielen Fotostopps zurück. Das Wetter hält sich, der angekündigte Regen kommt erst am späten Abend.



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Mittwoch, 31.8. Ak-Terek - Tamga

Am frühen Morgen ziehen Gewitter und Regen über den See – doch um 9 Uhr scheint bereits wieder die Sonne. Ich koche Aprikosenmarmelade und für den Nachmittag bereiten wir Frauen einen „Schüttelkuchen“. Wir bekommen vom Besitzer der nahen Plantage Besuch, er schenkt uns einen großen Beutel Aprikosen. Zur Erinnerung möchte er ein Foto von ihm und uns Frauen. Marianne erledigt das prompt mit ihrem Drucker.
Nun wird es Zeit für uns alles zu verstauen und uns auf die Weiterfahrt zu begeben. In einem Dorf versorgen wir die Mobile mit Frischwasser aus einer Pumpe am Straßenrand. Wenn wir jetzt noch unseren Müll entsorgen könnten – doch wir finden keine Abfalleimer. Müllentsorgung ist in Kirgistan ein Problem, die Einheimischen lassen ihn einfach am Strand oder Picknickplatz zurück. Der Wind und die Tiere tragen ihn in viele Richtungen.
Weiter geht es am tiefblauen See entlang bis zu dem Ort Tosor. Hier gibt es einen etwa 5 km langen Canyon. Im Volksmund heißt er übersetzt „Märchen“. Durch Erosion von Wind und Wasser haben die Felsen sehr unterschiedliche Formen und Figuren angenommen. Sie leuchten in rot, gelb, weiß, grau und grün. Wir wandern und klettern – immer wieder ergeben sich phantastische Aussichten.
Zurück an der Ringstraße beschließen wir noch einen Nachmittag am See zu verbringen. Morgen reisen wir mit Susanne weiter – Marianne und Uli wollen zur Goldmine und dann noch einen Abstecher zum Song-Köl-See unternehmen. Abends feiern wir Abschied. Uns bleiben noch 6 Wochen für die ungefähr 10.000 km bis Daheim.
Wir hoffen, dass auch der Rest der Strecke ohne größere Pannen verläuft. Bislang sind wir 18.000 km gefahren.


   |   Tages KM: 55   |   GPS Nord: 42°09'19   |   GPS Ost: 77°29'46

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