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Kasachstan - Russl. - Georgien - 2016

wir sind dann mal auf dem Weg in die Mongolei Teil 4

Donnerstag, 1.9. Tamga - Kyzart

Eine sagenhaft schöne Gebirgslandschaft begleitet uns – die Farben und Formen sind einzigartig. Tankstopp an einer „Aral-Tankstelle“. Nostalgie wie vor 25 Jahren. Leider füllt die Tankwartin den Tank randvoll, so dass wir den ganzen Tag Dieselgeruch schnuppern müssen.
1.9. Schulbeginn, die Ferien sind vorbei. Kleine Mädchen laufen herausgesputzt mit weißen Schleifen im Haar und Blumensträußen in den Händen – sie haben heute ihren 1. Schultag. Ob den Lehrern in Deutschland auch Blumen am 1. Schultag überreicht werden?
An unserer Fahrstrecke liegt ein besonderes Dorf, Kyzyl Tuu. In diesem sind fast alle Bewohner mit der Herstellung von Jurten beschäftigt. Ganz Kirgistan kauft Jurten aus Kyzyl Tuu.
Wir nehmen eine Abkürzung (Ersparnis etwa 25 km) zur A 367 und brauchen so nicht über Balykchy zu fahren. Der Straßenbelag ist wellig, aber dennoch gut zu befahren. Wir treffen Schweizer Teilnehmer von Abenteuer-Reisen. Sie berichten, dass seit heute die Grenzen nach Usbekistan geschlossen sind. Der Staatspräsident ist gestorben und man vermutet Unruhen wegen der Nachfolge. Auch Turkmenistan macht seine Grenzen dicht. Dieses Land war auch schon vorher nur mit einem Transit- Visum in 3 bis 5 Tagen zu durchreisen – immer nur mit „sauberem“ Auto. Nun können die 18 Fahrzeuge vorerst nicht wie geplant in den Iran reisen.
In der Stadt Kotschkor besuchen wir das Geschäft der Fraueninitiative „Altyn Kol“ und schauen, was die Frauen für schöne Sachen aus Filz angefertigt haben. Susanne ersteht ein Paar Hausschuhe.
Weiter geht es. Die Teerstraße wird nun eine Staubpiste, über 20 km werden unsere Reifen und Nerven strapaziert. Wir überqueren den Kyz-Art Pass (2664m) und kommen in das Dshumgal-Tal. Auf den Hochweiden laufen Schafherden, Kühe und Pferde frei herum. In den Jurten wird gekocht, Rauch steigt auf, Kinder laufen herum und Frauen melken Pferdestuten. Die Stutenmilch wird an Durchreisende verkauft. Uns kommen viele, mit Kohlebrocken hochbeladene, LKW entgegen – sie verlieren einen Teil ihrer Ladung auf dieser Rüttelstrecke.
Das nächstgrößere Dorf an unserer Strecke ist Kyzart. Bald nach dem Dorf suchen wir uns einen Übernachtungsplatz. Für heute ist Schluss mit dem Fahren. Wir sind gespannt wie morgen die restlichen 200 km Wegstrecke durch diese Einsamkeit zu fahren sind.


   |   Tages KM: 248   |   GPS Nord: 42°00'05   |   GPS Ost: 74°56'53

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Freitag, 2.9. Kyzart - Monoldor

Wir haben auf 2.200m übernachtet und morgens nur 10°C Außentemperatur. Schon bald fahren wir auf der Pistenstraße und werden kräftig durchgeschüttelt. Dann welch eine Freude, die kleinen Orte Tschajck und Aral sind mit einer guten Teestraße verbunden. Hat nun die Pistenstr. ein Ende? Nein, nun geht es für uns weiter durch die Schlucht des Kökömeren. Die schmale Waschbrettpiste erfordert höchste Konzentration – dafür sind die Aussichten grandios: gelb-rötliche Berge, grüne Auwälder und das schnell fließende Wasser des Flusses. Wir haben eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25km/h. Die vielen kleinen Orte an unserer Strecke rüsten sich für den Winter. „Haushoch“ türmen sich die Heustapel und Kuhmistfladen liegen ebenfalls getrocknet zum Heizen bereit. Wie mag es hier im Winter aussehen und wie gestaltet sich der Schulweg für die vielen Kinder?
Nachdem wir alles gut gemeistert haben, liegt der 3229m hohe Töö-Pass vor uns. Auf unserer Landkarte ist auf 2564m ein Tunnel eingezeichnet. Dieser ist aber erst noch einigen Serpentin bei 3200m erreicht. Unterwegs gönnen wir dem Mobil eine kleine Verschnaufpause, machen Fotos und schauen einem Mann zu, wie er seine Stuten melkt. Wir bekommen auch eine kleine Kostprobe mit auf den Weg. Die frische Milch schmeckt ein wenig nach Honigmelonen und frischem Gras.
Nach dem Pass geht es in vielen Serpentinen wieder abwärts, der Fluss Kara Balta wird öfters überquert. Im Tal eine Mautzahlstelle, von uns will man 20$. Einheimische zahlen in unserer Größenordnung nur1/10. Alle Gespräche helfen nichts, zähneknirschend übereichen wir die Summe in Som. Dann erst dürfen wir weiterfahren, „Ali Baba“ Methoden. An der Zahlstelle treffen wir Jenny und Arne. Gemeinsam übernachten wir abseits in einem kleinen Tal, es gibt so viel seit unserem letzten Zusammentreffen zu berichten.


   |   Tages KM: 213   |   GPS Nord: 42°39'59   |   GPS Ost: 73°53'43

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Samstag, 3.9. Monoldor - Grenze - Aysha Bibi

Sehr starker Wind in diesem engen Tal, er lässt erst gegen Morgen nach. Unser Weg führt zur Grenze. Schon morgens um 9 Uhr haben wir 26°C. Vor der Grenze tätigen wir für unsere restlichen Som Einkäufe. Dann noch eine Polizeikontrolle. Angeblich sind wir vor einem Zebrastreifen zu schnell gefahren. Der Polizist zeigt auf seinem Handy die Zahl 100. Das geht gar nicht, denn wir waren langsam unterwegs, auf der Suche nach einer Tankstelle. Lange Diskussionen – am Ende bekommt Peter seinen Pass zurück und wir können weiterfahren.
Heute müssen wir Abschied nehmen von Kirgistan. Das hat Peter und mir besonders gut gefallen:
Hohe Berge über 4000m mit Gletschern, ein See auf 1600m so groß, dass man das andere Ende nicht sehen kann und Badetemperaturen um die 20°C, in 3800m Höhe noch gute Piste und ein Verkehrsschild, dass man nicht schneller als 90 fahren soll, Täler weit und grün, Hochweiden über 2000m mit Jurten und freilaufenden Tierherden, Abgeschiedenheit von Dörfern (auf 130 km nur 5 Orte), die Bevölkerung überaus freundlich und liebenswürdig, Ende August noch sommerliche Temperaturen auf 1600m,
Das hat uns weniger gut gefallen: Polizei war überall präsent, aber auf „Abzocke“ eingestellt, Dienstleistung oft ein Fremdwort, die Kennzeichnung der Straßen auf unserer Landkarte(rote Straßen oft schlecht zu befahren, dafür gelbe oft sehr gut, Reiseführer (Trescher Verlag) für Reisemobile nicht aussagekräftig
An der Grenze getrennte Abwicklung von Fahrer mit Auto und Beifahrer. Ich bin relativ schnell fertig, wenig später sind auch Peter und Susanne durch. Der Zöllner hat sich in unserem Mobil alle Schränke öffnen lassen. Neugierig oder genaue Kontrolle? Ein Feuerzeug aus unserer Ablage verschwindet in seinen Taschen. „Willkommen in Kasachstan“, so die freundliche Begrüßung an der Grenze. Hoffentlich hält sich der Verkehrspolizei auch an diesen Spruch! Doch keine 20 km weiter, stoppt uns die Polizei. Peter ist ohne Fahrlicht gefahren. Der Polizist will ein Protokoll schreiben, die „Buße“ sollen wir bei einer Bank in Taraz einzahlen. Nach einigem Hin und Her ist ihm das zu viel Arbeit und er lässt uns weiterfahren. Am Schnellsten lassen einen die Ordnungshüter wohl weiterfahren, wenn man nichts versteht und vorgibt nur deutsch zu sprechen!
Bald nach der Stadt Merke beginnt die Autobahn. Nun kommen wir flott voran und können ein Blick auf die vorbeisausende Landschaft werfen. Flaches Land, wenig Dörfer, kaum Landwirtschaft, verdorrte Gräser – wir vermissen die Berge!
Gegen 16 Uhr erreichen wir die Innenstadt von Taraz. Wir finden einen Parkplatz am Kreisverkehr, nahe einem Park. Besichtigen wollen wir das Mausoleum von Aulie-Ata. Doch wir gehen die Suche wohl von der falschen Seite an. So dauert es einige Zeit bis wir das Mausoleum in einer gepflegten Parkanlage finden. Auch heute machen hier die Brautpaare mit ihrer Hochzeitsgesellschaft Fotos. Sie sind in riesigen Luxuskarosssen angereist.
Auf unserer Weiterfahrt passieren wir die Prachtstraßen von Taraz, kommen an Verwaltungsgebäuden, Parkanlagen und wunderschönen Blumenrabatten vorbei. Zum Übernachten fahren wir aus der Stadt, zum Mausoleum Aischa Bibi. Der Herrscher von Taraz, Karachan, hat im 11 Jh. für seinen Braut Aischa und deren Kinderfrau, hier zwei Mausoleen errichten lassen. Beste Baumeister und bestes Material hat er kommen lassen. Heute ist dieser Ort ein Wallfahrtsort für Liebende. Es fährt wieder eine Luxuskarosse mit Brautpaar und Gästen vor. Die Fahrer interessieren sich sehr für unsere Mobile. Eine neue Geschäftsidee?
Abends können wir bei sehr milden Temperaturen noch lange draußen sitzen.


   |   Tages KM: 275   |   GPS Nord: 42°50'03   |   GPS Ost: 71°12'41

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Sonntag, 4.9. Aysha Bibi - Sarikol

Die Schneegipfel des Tien Schan verabschieden sich von uns. Es geht auf einer Art Autobahn Richtung Shymkent. Wir kommen durch endlose Straßendörfer, am Straßenrand werden „Eimerweise“ Äpfel, Birnen, Zwetschen und Dörrobst verkauft. Die Landschaft bringt wenig Abwechslung – riesige Steppenflächen links und rechts – dann und wann einige Schaf- und Rinderherden. Shymkent, die drittgrößte Stadt Kasachstans, umfahren wir. Die M32 führt nach Norden, hier ist der Boden fruchtbarer, Getreide wurde bereits geerntet. Bei Tortköl biegen wir Richtung Temir ab. Unser Ziel ist Otrar, hier steht die vielbesuchte Grabmoschee von Aristan Bab. Er war Lehrer von Scheich Ahmed Jassawi, einem Nachfolger des Propheten Mohammeds. Aristan Bab starb zu Beginn des 13. Jh. Ihm zu Ehren wurde hier, über seinem Grab, ein Mausoleum errichtet. In der Nähe entstanden eine neue Wallfahrtsmoschee und eine Pilgerherberge. Morgen wollen wir uns in Turkistan das Mausoleum seines berühmten Schülers anschauen.
In Otrar gibt es noch Reste einer alten Stadt aus dem 13. Jh. auf einem Hügel anzuschauen. Otrar wurde bereits im 2. Jh. vor Chr. gegründet. Blütezeit durch den Handel an der Seidenstraße hatte Otrar im 12. Jh., damals hatte die Stadt über 200.000 Bewohner. 1219 wurde diese Stadt von Dinghis Kahn zerstört. Zu Beginn des 15. Jh. gab es die Stadt wieder, bis Anfang des 19. Jh. war Otrar bewohnt.
Wir fahren nicht auf direktem Weg in die Stadt Turkistan. Ich möchte gerne über einen Umweg, am Fluss Syrdaja entlang, nach Turkistan weiterreisen. An den Ufern des Syrdaja fanden Schlachten statt, entwickelten sich hochzivilisierte Ackerbauern und Handwerker, wurde Handel an der Seidenstraße betrieben. 2000 km fließt der Syrdaja durch Kasachstan. Wie bei so vielen großen Flüssen, die grenzüberschreitend fließen, hat Wasser eine kam zu unterschätzende Bedeutung für die Anliegerstaaten.
Übernachtungsplatz an der Brücke des Syrdaja. Bei den letzten Strahlen der untergehenden Sonne genießen wir ein Glas Wein. Vorbeikommende Kasachen überreichen uns 2 Wassermelonen, heute Mittag bekamen wir bereits eine Zuckermelone geschenkt. Ab Morgen „Melonendiät“.


   |   Tages KM: 351   |   GPS Nord: 42°36'40   |   GPS Ost: 68°13'11

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Montag, 5.9. Sarikol - Sauran

Ich höre von der nahen Straße bis weit nach Mitternacht den Fahrzeuglärm. Fast so, als würden die Autos über meine Bettdecke fahren.
Hier, am linken Ufer des Syrdaja, sehen wir nur wenige Dörfer, alle im gleichen Baustil. In der Steppenlandschaft wächst nur wenig. Kühe und Kamele ziehen frei umher, auf der Suche nach Futter. Melonenfelder – LKW stehen bereit um die Ernte Vorort abzutransportieren. Wohin geht die Fracht und wieviel mag der Erzeuger für eine Melone erhalten?
Der Straßenbelag ist wellig. Nach dem Abzweig über den Fluss sind es nochmals 40 km bis Turkistan. Diese Strecke war leider den Umweg (120km) nicht wert!!!
In Turkistan steht die Grabmoschee für Hodzha Achmed Jassawi und ist eine der bekanntesten islamischen Wallfahrtsstätten.
Hodzha Achmed Jassawi war ein islamischer Prophet, Poet und Mystiker, rechtmäßiger Nachfolger Mohammeds, den die Menschen bereits zu Lebzeiten verehrten. Seine Gedichte wurden von einfachen Menschen auswendig gelernt und weit über die Grenzen verbreitet. Jassawi predigte das Gute, Toleranz und Friedfertigkeit. Er wurde bereits zu Lebzeiten heiliggesprochen und starb im Jahre 1166. Um 1397 wurde mit dem Bau der Grabesmoschee begonnen. Die Moschee ist 44 hoch und weithin sichtbar. Im großen Kuppelsaal beeindruckt ein gewaltiges Becken. Es hat einen Durchmesser von 2.45m und 600 l Fassungsvermögen. Aus diesem Gefäß wurde früher gesüßtes Wasser nach dem Freitagsgebet an die Gläubigen ausgeteilt. Mehrmals wurde die Grabesmoschee renoviert, zuletzt 1990 für 20 Mio. Dollar. Ein anderes schönes Mausoleum, das für Rabiga Sultan Begim, steht auch auf dem Gelände. Die Besichtigung dieser Anlage ist sehr interessant, sie gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.
Wir werfen noch einen Blick in die neue Moschee vor der wir unsere Mobile geparkt haben. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten sind von hier zu Fuß zu erreichen.
Wir sind wir froh wieder mit den Mobilen „on tour“ zu sein, um die Mittagszeit hatten wir 32°C – für Besichtigungen viel zu heiß. Nach etwa 70 km parken wir vor dem Ausgrabungsgelände von Sauran, direkt an einer Eisenbahnlinie. Abends um 22 Uhr noch 26°C. Wir hoffen, dass der Wind Abkühlung bringt.


   |   Tages KM: 216   |   GPS Nord: 43°31'27   |   GPS Ost: 67°46'25

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Dienstag, 6.9. Sauran - Shaghan

Der Handelsknotenpunkt an der Seidenstraße spielte im 13. Jh. in Sauran eine zentrale Rolle. Im 18. Jh. verlor Sauran an Bedeutung, als der Seeweg nach Indien entdeckt wurde und man die „Schätze des Orients“ mit Schiffen nach Europa transportierte. Von den 7m hohen Mauern der Festung Saurans sehen wir heute nur noch Reste.
Schon bald befinden wir uns auf der Weiterfahrt. Die Straße ist immer noch gut zu befahren. Gegen Mittag erreichen wir Kyzylorda, bei Temperaturen über 30°C. Heute meint es die Polizei gut mit uns, in der Stadt gibt sie bereitwillig Auskünfte auf unsere Frage nach dem Basar. Dafür lassen wir sie gerne in unser Mobil schauen. Fußläufig erreichen wir den überdachten Basar, in diesem befinden sich überwiegend Handy- und Bekleidungsgeschäfte. Außen herum haben sich Stände mit Stoffen, Decken und Bekleidung aus China angesiedelt. Ein kleiner Gemüsemarkt, und schon streben wir schwerbepackt zu unseren Mobilen.
Die Ausfahrstrecke in nördlicher Richtung führt an Prachtbauten links und rechts mit Blumenrabatten, Parks zum Flanieren – alles ist recht großzügig angelegt. Wir fahren noch einige Kilometer um dann bei Shaghan vor einem Denkmal (abseits der M32) einen Übernachtungsplatz zu finden. Abends kühlt es rasch ab und rasch verschwinden wir in unsere Mobile.


   |   Tages KM: 321   |   GPS Nord: 44°54'27   |   GPS Ost: 64°58'21

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Mittwoch, 7.9. Shaghan - Qamystybas

Wir nähern uns dem Denkmal von Khorkhyt Ata, dem Erfinder der Kobyz – einer Art Violine. Seine Musik war bei vielen Turkvölkern bekannt und beliebt. In diesem Park soll sich sein Mausoleum befunden haben. Auf einer Anhöhe befindet sich das Denkmal. Die 4 Stahlbetan-Halbröhren, jede 8m hoch, sind kreisförmig nach den 4 Windrichtungen ausgerichtet. Der hier ständig wehende Wind wird durch die Halbröhrenöffnungen aufgefangen und über 40 Metallröhren als Klangkörper in die Mitte getragen. Wir haben es ausprobiert – es funktioniert, auch mit wenig Wind.
Heute sind viele Arbeiter dabei die Anlage zu pflegen. Unzählige Blumentöpfe mit Chrysanthemen sind bereits in die harte Erde gesetzt, Rasenmatten werden verlegt und bewässert, Ornamente aus farbigem Sand zieren die Seitenstreifen – Farbanstriche werden erneuert – alles glänzt vorbildlich. Man erzählt uns, dass der Staatspräsident Nazarbajev noch in diesem Monat hier vorbeikommen wird. Wir kombinieren: Sicherlich wird er in Baikonur (etwa 100 km von hier) beim Start einer Rakete ins Weltall am 23.9. anwesend sein.
Russland begann 1954 in Baikonur mit der Planung eines Raketenstartplatzes. Bereits 3 Jahre später wurde der erste sowjetische Sputnik von hier gestartet, der erste bemannte Raumflug 1961 mit Juri Gagarin, 2001 flog der erste Kosmo-Tourist, ein Amerikaner, für 20 Mio. Dollar ins Weltall. Einige machten es ihm für leichte gestiegene Preise (30 Mio.) nach. Bis auf weiteres werden zurzeit keine Touristen mehr in den Weltraum befördert.
Wir suchen das „Museum für Kosmodroms“ in Baikonur. Doch am Kontrollposten heißt es „njet“ – so fahren wir „dumm“ weiter. Vielleicht ist man hier ein wenig aufgeregt, denn in gut 16 Tagen soll von hier eine neue Rakete ins Weltall starten. Wir sind zu früh dran. Aber noch über 1.000 km Entfernung soll der Raketenstart zu beobachten sein!
Um Baikonur sieht es aus wie auf einer Mondlandschaft – eine Hügellandschaft mit Betontrümmern. Für die Einheimischen wahrlich kein schöner Anblick! Nicht unbedenklich die Umweltschäden und gesundheitlichen Auswirkungen der vergifteten Absturzteile. Zwar ist die Steppe dünn besiedelt, aber nicht menschenleer.
Wir fahren weiter an den Krambasch See. Ein Süßwassersee mit schönen Sandstränden. Man plant ein Erholungsgebiet für die Großstädter aus Kyzylorda – eine Tagesreise von hier entfernt. Wir baden – schwimmen ist nur weit draußen möglich. Durch das flache Wasser ist der See sehr warm.
Am Abend wollen alle Insekten in unser Mobil, das Fliegengitter ist für sie kein Hindernis. Licht anmachen und Fenster öffnen unmöglich – abends im Mobil noch 29°C.


   |   Tages KM: 358   |   GPS Nord: 46°11'27   |   GPS Ost: 61°54'18

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Donnerstag, 8.9. Qamystybas - Karabutak

Heute ist der Himmel bewölkt, der angekündigte Regen kommt nur „Tropfenweise“. Wir streifen das Gebiet Aralkum. Wo früher das „mittelasiatische Meer“, der Aralsee, lag, befinden sich nur noch zwei Rest Seen. Der südwestlichste von ihnen, der keine Verbindung mehr zu den Zuflüssen hat, wird bald ganz verschwunden sein. Die gigantischen Bewässerungsprojekte der sowjetischen Aufbauzeit haben den See das Leben gekostet. Man wollte Russland zu einem bedeutenden Bauwollexporteur machen. Doch in den Kanälen ohne Abdeckung versickerte und verdunstete das Wasser bevor es zu den Pflanzen gelangte. Das Klima von ganz Mittelasien wurde früher von den Wassermassen des Aral geprägt. Der See war groß genug, um Niederschlagswolken zu bilden. Jetzt reicht die Fläche dafür nicht mehr, die Region verwüstet – Sommer werden heißer, Winter kälter.
Wir machen einen Stopp im Ort Aralsk – früher am See, jetzt weit entfernt. Selbst der kleine Aralsee, in den der Syrdaja fließt, liegt 40 km entfernt.
Als wir im Ort tanken wollen, heißt es: „no Diesel“. Wir fahren einige Tankstellen an und werden mangels Diesel weitergeschickt. Glücklicherweise findet sich eine Tankstelle mit Diesel, aber nur gegen Barzahlung. Man informiert uns, dass es die nächsten 400 km Richtung Norden keine Tankstellen gibt.
Steppe - Steppe – Steppe, ganz selten ein kleiner Ort und keine Tankstellen. 60 km vor Karabutak hört der gute Straßenbelag auf. Auf welligem Untergrund und teilweise tiefen Löchern geht es bedeutend langsamer vorwärts. An einem Friedhof bei Karabutak finden wir ein ruhiges Plätzchen für die Nacht.
Heute haben wir die Uhr um eine Stunde zurück gestellt, 3 Stunden Zeitdifferenz zu Deutschland.


   |   Tages KM: 509   |   GPS Nord: 49°55'20   |   GPS Ost: 60°07'49

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Freitag, 9.9. Karabutak - Feldweg 200km vor Oral

Heute Regen und nur 14°C Außentemperatur. Im nächsten Ort können wir bei unserer Favoritentankstelle in Kasachstan „KAZMUNAIGAZ“ (übersetzt) mit Visa Card tanken – bislang immer möglich. Dann hat uns die Steppe wieder. Ab und zu eine Rinder- oder Schafherde, die Kamele sind gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Felder sind zwischen baumhohen Sträuchern angelegt und so vor Wind (der hier ständig weht) geschützt. Gegen Mittag erreichen wir Aktöbe und parken bei einem modernen Einkaufszentrum. Gleich dahinter erblicken wir die Moschee Nurgasyr und die Heilige Nikolskij-Kathedrale. Beide Gebäude wurden erst 2008 fertig gestellt. Der heftige Regen hat immer noch nicht aufgehört. Bei dem Wetter macht eine Stadtbesichtigung keinen Spaß. Wir werfen nur einen Blick in die Kathedrale und sind auf dem kurzen Weg schon völlig durchnässt. Im Einkaufszentrum macht das Bummeln mehr Spaß. Schicke Bekleidungsgeschäfte ohne Kundschaft, Schmuck- und Spielwaren – alles für die „besserverdienenden“ Kasachen. Wir lassen uns in einem Gourmettempel im Obergeschoß mit Cappuccino und leckeren Torten verwöhnen. Haben wir vor ein paar Tagen noch ein Mittagsmenü mit Getränken für umgerechnet 2.50 € (pro Pers.) verspeist, so kostet heute das Tortenstück einiges mehr. Nach einem kleinen Supermarktbesuch setzen wir unsere Fahrt Richtung Norden fort. Die Landschaft wird gebirgiger, wir sind in den Ausläufern des Urals. Gegen Abend hört der Regen auf. Wir beabsichtigen noch gute 100km zu fahren um dann einen Übernachtungsplatz zu suchen. Doch wir finden keinen geeigneten Rasthof. Durch den starken Regen sind die unbefestigten Plätze aufgeweicht mit tiefen Schlammpfützen – aussteigen unmöglich! Auf Rastplätzen mit Teerdecke parken dicht an dicht LKW. Da geht es sicherlich die ganze Nacht unruhig zu – ein Kommen und Gehen. Verzweifelt fahren wir gegen 19 Uhr auf einen Feldweg – abseits der Straße. Hoffentlich will nachts Niemand mehr diesen Weg benutzen – oder schlimmer noch, starker Regen und Schlamm verhindern morgen ein Weiterfahren.

   |   Tages KM: 476   |   GPS Nord: 50°11'10   |   GPS Ost: 53°58'22

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Samstag, 10.9. Feldweg vor Oral - Kamenka

Heute erstmals morgens Temperaturen im einstelligen Bereich. Die Feuchtigkeit der Nacht liegt noch auf den Fensterscheiben. Der Sonnenaufgang zaubert ringsherum ein violett-blaues Licht – in alle 4 Himmelsrichtungen. Wir kommen ohne Probleme auf die M 32, doch streckenweise ist diese sehr wellig. Mittags erreichen wir Uralsk. Sie ist die älteste Stadt Kasachstans und liegt im europäischen Teil des Landes. Nachdem wir in einer Seitenstraße eine Parkmöglichkeit gefunden haben, laufen wir die lange Straße „Prospekt der Freundschaft“ in beide Richtungen. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind hier zu sehen. An alten Holzhäusern vorbei bis zur alten Erlöserkirche und dann zurück. Mittig stehen das Heimatmuseum und einige andere alte Gebäude aus dem 18. Und 19. Jh., weiter oben die Erzengel-Michael-Kathedrale mit ihren goldenen Zwiebeltürmen.
Zurück bei den Mobilen beschließen Susanne und ich den 3 Bettlern vor der Kathedrale unsere restlichen Kleiderspenden zu schenken. Was die sich wohl gedacht haben, nachdem sie die „Wundertüten“ geöffnet haben?
Bis zum Grenzübergang nach Russland (Saratov) sind es gute 130 km. Doch sobald wir die Außenbezirke der Stadt verlassen haben, endet schlagartig der gute Straßenbelag. Wir fahren eine Landstr., die mit ihrem Belag mit keiner der bisher gefahrenen Straßen zu vergleichen ist. Tiefe Löcher, wellig und „Wellblechpiste“ – so hüpft unser Mobil mal links, mal rechts. Etliche Einheimische suchen mit ihren Fahrzeugen seitlich einen geeigneteren Weg. Man ist dabei eine neue Straße zu bauen, doch soll diese erst 2018 fertiggestellt sein – so die Aussage auf den Schildern. Für 60 km benötigen wir 3 Stunden und werden unterwegs noch von der Polizei gestoppt – alles ok. Waren wir zu langsam unterwegs?
In Kamenka, dem einzigen kleinen Ort an unserer Strecke, beenden wir für heute die mörderische Tour. Morgen wollen wir die restlichen 30 km bis zur Grenze schaffen. Hoffentlich ist die Straße in Russland in einem besseren Zustand.
Das fiel uns auf: Neben japanischen PKW, fährt man in Kasachstan gerne alte Modelle von Audi und VW Passat – fährt + fährt + fährt.


   |   Tages KM: 335   |   GPS Nord: 51°06'21   |   GPS Ost: 50°17'16

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Sonntag, 11.9. Kamenka - Grenze - Pridorozhnyi

Angenehmer Übernachtungsplatz, direkt im Ort auf dem Parkplatz vor der Post.
Die weitere Tour zur Grenze. Die Löcher im Straßenbelag werden weniger, dafür aber werden sie größer und tiefer –Badewannengröße. Wir müssen öfter zurücksetzen um die Löcher anders zu umfahren. Für die 30 km bis zur Grenze benötigen wir 1 Stunde. Obwohl mit uns nur 4 PKW warten, lassen sich die Grenzer Zeit. Gruppenweise werden wir vorgelassen. Nach 45 Min. sind wir mit den Formalitäten in Kasachstan durch. Der Zöllner hat lediglich innen sich 2 Schränke öffnen lassen und den Wasserhahn im Bad aufgedreht. Dann wollte er wissen was so ein Auto kostet.

Gesamteindrücke Kasachstan:
Das Land ist im Aufbruch – bis 2050 (so die Plakate an der Straße) will der Präsident vieles erreicht haben, das benötigt noch eine Generation,
Städte im Umbruch, vieles wird modernisiert,
Steppe, Steppe und nochmals Steppe - jetzt wissen wir, wie sich ein Steppenland anfühlt
preiswerter Kraftstoff, Kartenzahlung war möglich
Menschen in Kasachstan – freundlich aber zurückhaltend
Überangebot von Bonbons und Keksen – in kleinen Läden sind 1/3 der Verkaufsfläche nur Süßwaren.
Daher die schlechten Zähne? – ab 40 schmücken Goldzähne

Auf der russischen Seite sind die Zöllner besonders gründlich. Es werden alle Staufächer außen, der Motorraum, der Unterboden von der Grube aus und die Radkästen untersucht, dann ist der Innenraum dran. Sämtliche Schränke müssen geöffnet werden und mit seiner Taschenlampe leuchtet der junge Mann in die geöffneten Fächer. Dann müssen wir und Susanne die Mobile in die Röntgenanlage fahren. Während wir im Nebengebäude warten, werden unsere Mobile durchleuchtet. Nach einem ok, dürfen wir die Grenze passieren. Auf russischer Seite haben wir etwa 1 Stunde benötigt. Da wir an der Grenze unsere Uhrzeit gleich um 2 Stunden zurückstellen können, haben so gut wie keinen Zeitverlust – ha ha.
Unsere weitere Straße auf russischer Seite hat zwar keine Löcher, aber die Teerdecke ist dermaßen oft ausgebessert worden, dass wir die „russische Massage“ über 300 Kilometer spüren. Nach 7 1/2 Stunden reiner Fahrzeit geben wir entnervt auf, obwohl wir unser heutiges Tagesziel (noch 100 km) nicht erreicht haben.
Der Himmel war tagsüber bewölkt, die Landschaft nach der Grenze ähnlich wie in Kasachstan. Dann beginnt die „Kornkammer Russlands“. Riesige Getreideanbauflächen. Man ist dabei das Stroh von den abgeernteten Weizenfeldern einzubringen und riesige Maschinen pflügen die Äcker. Gerste ist bereits aufgelaufen und ein hellgrüner Teppich erfreut das Auge, Sonnenblumenfelder müssen noch geerntet werden. Riesige Getreidesilos in den Orten erkennen wir schon von weitem, sie sehen aus wie Hochhäuser. Die Eisenbahnlinie verläuft mit der Straße und verbindet die Orte miteinander.



   |   Tages KM: 322   |   GPS Nord: 51°23'09   |   GPS Ost: 46°17'27

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Montag, 12.9. Pridorozhnyi - Elshanka

Wir überqueren die Wolga, mit 3.530 km längster Strom Europas. Er mündet in das Kaspische Meer. Der uns bekannte Stellplatz an der Wolga, den gibt es noch. Zwar parken einige PKW von Einheimischen in Flussnähe – doch sie stören uns nicht weiter.
Heute ist eine gründliche Reinigung der Mobile – außen, innen und die Stauklappen fällig. Mit Wolgawasser waschen wir den Staub der letzten 4 Wochen ab. So arbeiten wir einige Stunden. Nun, wo das Mobil glänzt, sehen wir nicht nur die Dellen von Hagelschaden auf dem Dach, auch der Alkoven hat etwas abbekommen.
Die Hunde und Katzen auf dem Platz sind dankbare Abnehmer von den Resten des Abendessens. Die kleine Katze streckt sich wohlig im Fußraum unseres Fahrerhauses aus. Sie möchte so gerne mit!!!
Abends Lagerfeuer mit Holz aus dem Altay. Der Mond bescheint die Wolga – erste Sterne funkeln am Abendhimmel. Die Müdigkeit steckt uns in den Knochen – 2 Stunden Zeitumstellung, unsere innere Uhr „tickt“ immer noch anders.
Wetterbericht für Morgen: Regen – so eine Sch…… (schlechtes Wetter brauchen wir nicht).


   |   Tages KM: 86   |   GPS Nord: 51°47'57   |   GPS Ost: 46°24'17

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Dienstag, 13.9. Elshanka - Karawainka

Der Regen verschont uns, so bleiben die Mobile sauber. Ein schöner Platz an der Wolga, wenn nur nicht der viele Müll wäre. Für die Entsorgung fühlt sich niemand zuständig.
Die Stadt Saratov lassen wir „links“ liegen, ein Abstecher vor 3 Jahren hat keinen großen Eindruck hinterlassen. Es wird Herbst, heute weht ein kalter Wind und es ist diesig - das Laub färbt sich bereits.
Auf unserer Strecke haben wir einige Baustellen wegen Brückenverbreiterung. Dabei fällt uns auf, dass es an diesen Engstellen zu schweren LKW-Unfällen gekommen ist – ungenügend abgesichert?
Wir fahren einen Reifendienst an. Der Reifen hinten links innen hat zu wenig Luft. Eine Schraube ist die Ursache, sie hat sich durch die Manteldecke gebohrt. 10 Euro sind für 30 Minuten Arbeit nicht viel, bald sind wir wieder auf Piste.
Die Temperaturen steigen, wir kommen gut voran. Gegen 16 Uhr erreichen wir den kleinen Ort Karawainka. Bevor wir auf den Übernachtungsplatz an der Steilküste fahren, füllen wir noch unsere leeren Wassertanks – Wasserstellen im Dorf auf dem mittleren Grünstreifen. Der Ort selbst hat nur noch wenige Bewohner, viele Häuser sind baufällig und stehen leer.


   |   Tages KM: 323   |   GPS Nord: 49°43'14   |   GPS Ost: 45°14'07

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Mittwoch, 14.9. Karawainka - Wolgograd

Kleine Begegnung mit einem älteren Dorfbewohner. Am Morgen machen Peter und ich noch einen Spaziergang durch das Dorf. Ein älterer Mann kommt auf uns zu. Er fragt woher wir kommen. „Aus Deutschland?“ Er erzählt uns wie alt er ist (80 Jahre) und zeigt wohin seine nächste Reise geht – auf den Friedhof. Im Dorf sehen wir nur ältere Personen, keine jungen Familien, Kinder und Jugendliche.
130 km, dann ist Wolgograd erreicht. Zarytin – Stalingrad und jetzt Wolgograd, diese Stadt hatte bereits mehrere Namen. Doch der Name Stalingrad, wie die Stadt von 1925-1961 hieß, weckt unweigerlich Erinnerungen an den 2. Weltkrieg. Die höchste Erhebung Wolgograd ist der Mamajew-Hügel. Über einer Gedenkstätte erhebt sich das weithin sichtbare Standbild „Mutter Heimat ruft“, größtes Standbild Europas. Die incl. Schwert 86 m hohe Frauengestalt stellt Nike dar, die Göttin des Sieges. Zu ihren Füßen sind 34.505 sowjetische Soldaten begraben. Die Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen in Stalingrad wurde hier 1967 errichtet. 200 Stufen führen auf den Hügel, die die 200 Tage Belagerung symbolisieren. Beeindruckend ist die Ruhmeshalle mit der ewigen Flamme und der Ehrenwache russischer Soldaten. Die Wachablösung ist sehr eindrucksvoll. Die lauten Stechschritte hallen wie Pistolenschüsse durch die große Halle.
Susanne und ich zünden in der neuen Kathedrale auf dem Mamajew-Hügel Kerzen zum Gedenken der im 2. Weltkrieg gestorbenen Angehörigen an.
91.000 deutsche Soldaten kamen bei Stalingrad in Gefangenschaft – nur 5.000 kehrten heim.
Nicht weit von dieser Gedenkstätte gibt es ein Panorama-Museum mit einem 120x16m großen Rundbild. Es zeigt die „Schlacht von Stalingrad“.
Aber die Stadt bietet mehr als die Monumente des Krieges. Vor allem im Sommer lädt die Millionenstadt zum Prominieren am Wolgaufer ein.
Wir spazieren am Nachmittag die Uferpromenade entlang und gelangen zum Portal der Freitreppe zur Heldenallee. Die Straßen sind breit angelegt mit Parkanlagen – so lässt es sich endlos schlendern: Zur „Ewigen Flamme“ und über den Lenin-Prospekt mit seinen „Edel-Geschäften“. Am Wolga Kai warten Ausflugsdampfer auf Gäste. Doch Mitte September neigt sich die Saison dem Ende.
Viel Leid bringen Kriege. Das wird mir heute wiederholt bewusst. Im „großen vaterländischen Krieg“ hatte Russland über 20 Mio Tote zu beklagen.




   |   Tages KM: 149   |   GPS Nord: 48°41'49   |   GPS Ost: 44°30'45

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Donnerstag, 15.9. Wolgograd - Elista

Wolgograd hat eine Ausdehnung von 75 km – immer an der Wolga entlang, die Stadt nimmt kein Ende. Wir überqueren den Wolga-Don-Kanal, 101 km lang. Er verbindet nicht nur Wolga und Don, sondern auch das Schwarze mit dem Kaspischen Meer. Unser heutiges Ziel ist Elista und liegt in der autonomen Teilrepublik Kalmückien – etwa 300 km südlich von Wolgograd.
Wir fahren durch die südrussische Kalmücken Steppe, fast „schnurgerade“. Es gibt nur wenige Ortschaften. Die Landschaft ist leicht hügelig, Rinder- und Pferdeherden ziehen frei umher. Alle „gefühlte“ 50 km an der Straße eine Ansammlung von Gaststätten und Cafés mit reichlich Parkraum für Busse und LKW.
Wir fahren ins Zentrum von Elista. Die Hälfte der Bewohnerin in Kalmückien sind Buddhisten. Am Lenin-Platz liegt eines der Wahrzeichen von Elistra – die Sieben-Tages-Pagode. Der Dachaufbau besteht aus sieben Reihen, die jeweils einen Wochentag symbolisieren. Da Elista auch eine Schach-Metropole ist, gibt es auf dem Lenin-Platz ein entsprechendes großes Schachbrett am Boden. In den Schulen ist Schach ein Unterrichtsfach.
Nicht weit entfernt befindet sich in traditioneller buddhistischer Bauweise das goldene Tor. Man sagt: Wer das Tor durchschreitet, vollzieht eine geistige Reinigung und darf Wünsche aussprechen.
Die größte Sehenswürdigkeit aber ist der goldene Tempel mit der größten Buddha-Statue Europas - 9m hoch und mit Blattgold überzogen. Der Tempel wurde 2005 eingeweiht im Gedenken an die Deportation der Kalmücken unter Stalin.
Wir fahren zu einer kleinen buddhistischen Klosteranlage außerhalb. Diese wurde am 6.10.1996 eingeweiht und seitdem National-Feiertag in Kalmückien. Der 14. Dalai Lama segnete den Tempel bei seinem Besuch 2004.
Wir finden den Tempel verschlossen vor. Aber der nette Hausmeister öffnet für uns und wir können ihn mit einem weiteren Besucher besichtigen. Ein vergoldeter 3.50m hoher Buddha erwartet uns im Inneren, die Wände sind mit kanonischen Tempelzeichnungen verziert.
Am Fahrradträger von Susannes Mobil flattern jetzt die Buddhistischen Gebetsfahnen. Ob das was hilft bei unserer weiteren Strecke?
Unser Übernachtungsplatz befindet sich bei einem Jurten-Café. Um uns herum Wermut-Steppe – fast wie in der Mongolei.


   |   Tages KM: 315   |   GPS Nord: 46°17'10   |   GPS Ost: 44°13'27

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Freitag, 16.9. Elista - Sayukovo

Und weiter geht es durch die Steppe. Auf sehr guter Straße, die nicht auf unserer Landkarte verzeichnet ist. Steppe und riesige Ackerflächen (bereits gepflügt) wechseln sich ab. Wir passieren nur wenige Ortschaften. Rinder- und Schafherden ziehen ohne Hirten umher.
Weiter im Süden nimmt der Verkehr auf der M 29 zu. Hier wachsen Mais und Sonnenblumen. Auch Äpfel gedeihen gut, die Plantagen sehen ähnlich aus wie in Südtirol. Am Straßenrand verkaufen Einheimische Äpfel und Weintrauben aus dem eigenen Garten.
Das fiel mir auf: In Russland fährt man die neueren Auto Fabrikate – blitzsauber und schnell sind die Fahrer mit ihnen unterwegs.


   |   Tages KM: 408   |   GPS Nord: 43°39'42   |   GPS Ost: 43°26'12

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Samstag, 17.9. Sayukovo - Grenze - Stepansminda

Auch heute ist sind die russischen Straßen unverändert gut. Aber in fast jeder Ortschaft, die wir durchfahren, gibt es eine Polizeikontrolle. Susanne wird angehalten und muss ihre Papiere vorweisen. Gegen 10.30 Uhr erreichen wir die russische Grenze, wir befinden uns auf 1.100m. Der lange Stau vor der Grenze hat die längste Zeit in Anspruch genommen. Am Schlimmsten waren an der Grenze die „Zwischendrängler“. Es gibt eine PKW und eine LKW Spur. LKW Fahrer müssen auch schon mal 2 Tage warten. An der Grenze selbst ging es zügig voran – auch der Zöllner hatte nichts zu meckern.
An der georgischen Grenze muss ich separat die Grenze absolvieren, Fahrer werden an der Fahrbahn abgewickelt. Nach gut 3 Stunden sind wir in Georgien. Eine Schüttelstrecke empfängt uns, doch schon bald ändert sich der Straßenbelag zu unseren Gunsten. Wir passieren die Darjal-Schlucht, die Ausblicke sind grandios. Der Terek fließt durch das enge Tal. Zur Schneeschmelze wird er sicherlich um einiges ansteigen (die Berge im Großen Kaukasus sind über 5000m hoch). Wir befinden uns nun auf der Georgischen Heerstraße.
In Stepantsminda buchen Susanne und ich einen Ausflug zum „alten Kloster“ Zminda Sameba. Die Kirche stammt aus dem 14.Jh. und liegt auf dem Kwemi Mta (2170m). Die Einheimische und Touristen besuchen gerne diese Kirche, früher führte eine Seilbahn hinauf. Heute kann man die Tour zu Fuß oder mit dem Geländewagen angehen. Unser Fahrer ist ein Nachfolger von Schumacher (so sagt er). In Rekordgeschwindigkeit kommt er auch an den engsten Stellen an Fahrzeugen mit ängstlichen Fahrern vorbei, den Abgrund haben wir immer vor Augen. Oben angekommen genießen wir die Ausblicke, doch der Gipfel des 5033m hohen Kazbegi ist in Wolken gehüllt. Dann steigen wir zu dem „alten Kloster“ hinauf. Großer Andrang von Besuchern. Kleine Kinder in Festtagsgewändern werden herumgetragen und in der Kirche wird ein junges Paar getraut. Vielleicht sollte man die Stimmung in dieser Höhe allein spüren, es lohnt sich allemal. Heute ist zu viel Trubel.
Wir übernachten wenige Kilometer außerhalb an der Georgischen Heerstraße.


   |   Tages KM: 190   |   GPS Nord: 42°38'34   |   GPS Ost: 44°38'10

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Sonntag, 18.9. Stepansminda - Tbilisi

Die inzwischen sehr gut ausgebaute Straße führt uns rasch bergan. War sie noch vor 5 Jahren an sehr vielen Stellen ohne Straßenbelag, so ist heute das Fahren auf der Georgischen Heerstraße eine wahre Freude.
Schon im 1. Jh. v. Chr. war diese Route eine der beschwerlichsten zwischen dem Norden und dem Orient. Die Karawanen hatten bei der Überquerung des Kaukasus nicht nur mit Lawinen, Steinschlag und Nebel zu tun, auch die Menschen – Räuber und selbstherrliche Bergfürsten - waren den Reisenden und Händlern eine Plage. Um den Weg zu schützen wurde die Festung Darjal erbaut. 1799 wurde der 207 km lange Weg wegen seiner strategischen Bedeutung offiziell zur Heerstraße.
Befahrbar ist die Trasse über den Kreuzpass (2375m) nur von April bis Oktober. In den Wintermonaten wird sie von meterhohen Schneebergen blockiert.
Bei dem heutigen schönen Wetter entdecken wir die Farbschattierungen der Berge, Wasserfälle rauschen über Felsen und tief im Tal schlängeln sich die Flüsse. Wir kommen durch das Gudauri, eines der beliebtesten Skiportzentren in Georgien. Es gibt Sessellifte und eine Reihe von Hotels.
In Serpentinen geht es abwärts, unser nächster Stopp ist die Festung Ananuri. Von hier wurde das strategisch wichtige Aragwi-Tal kontrolliert. Die Burg wurde mehrmals belagert. Es gibt zwei Kirchen in der Anlage, in der Maria-Himmelfahrts-Kathedrale sind die meisten Besucher anzutreffen. Das Gelände befindet sich am nordwestlichen Ende des Stausees mit vielen schönen Fotomotiven.
Wir fahren weiter nach Tbilisi und der Verkehr nimmt rasant zu. Heute wollen wir uns noch einige Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt ansehen. Das Navi führt uns durch enge Gassen immer bergauf zur Sameba-Kathedrale – eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt. Erst 2007 fertiggestellt, ist sie nicht nur von außen sehr imposant. Innen ist man dabei die Kathedrale mit Gemälden zu verzieren.
Wir haben nicht bedacht, dass heute am Sonntag viele Einheimische ihre wichtigste Wallfahrtskirche besuchen, so bekommen wir nur mit Mühe einen der wenigen Parkplätze (dank Bezahlung an den Wärter). Unweit des Flusses Mtkwari parken wir, um dann mit der Gondelbahn zum Aussichtspunkt „Mutter Georgiens“ zu fahren. Von hier hat man einen guten Blick über die Stadt. Zu Fuß geht es über Stufen abwärts Richtung Festung Narikala. Unterhalb befinden sich die alten Schwefelbäder. Sie sind im iranischen Stil gehalten und restauriert. Einige können noch heute benutzt werden, das Wasser aus den warmen Quellen ist 24-38°warm. Das alte Viertel wurde gründlich restauriert und ist hübsch anzusehen. Morgen wollen wir nochmals in diese Gegend kommen.
Für heute haben wir genug gesehen und fahren zum Stellplatz an der alten Trabrennbahn. Hier wollen wir Nino, unsere Reiseleitung von 2011 treffen. Mit Nino gehen wir Telefonkarten kaufen und besuchen ein kleines Restaurant, Es gibt so viel auszutauschen.
Unser Stellplatz hat sich zum Treffpunkt für junge Leute gemausert. Bis weit nach Mitternacht stehen sie in Gruppen zusammen und quatschen laut. Da wünsche ich mir Regen – damit sie nach Hause verschwinden.


   |   Tages KM: 165   |   GPS Nord: 41°43'15   |   GPS Ost: 44°44'49

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Montag, 19.9. Tbilisi - Mtskheta

Unser weiterer Weg führt an der Mtkwari entlang, zuerst eine Autobahn, dann ab Khashuri eine Landstraße. Bald ist der Heilwasserort Borjomi erreicht. Gedrängel im Ort, danach wird es einsamer. Man kann am schnell dahinfließenden Fluss picknicken oder angeln. Stetig geht es bergan.
Nach dem Abzweig zu den Höhlenklöstern von Vardzia sind diese nach gut 18 km erreicht. Etwa 500m ragt eine Felswand vom Ufer der Mtkwari in die Höhe. Im zerklüfteten Hang sind Öffnungen erkennbar, durch Treppen, Galerien und Terrassen miteinander verbunden – über mehrere Etagen.
Die Höhlen waren die ersten Behausungen der Menschen. Der heilige Dawit legte den Grundstein zu einem Kloster. Später lebten hier bis 800 Mönche, die diesen Komplex verwalteten und Lebensmittelvorräte anlegten. Die Höhlen konnten bis 50.000 Menschen aufnehmen, wenn feindliche Heere sich näherten. Man hatte Mineralquellen für die Trinkwasserversorgung und Windkanäle für die Frischluftzufuhr. Auch wurde Wein in mächtigen Aushöhlungen bevorratet. Es heißt, dass jedem Mönch am Tag 1½ l Wein zustanden. Zugänglich war das Kloster über Leitern, die bei Gefahr eingezogen wurden. Die Osmanen plünderten das Kloster und vertrieben die Mönche. Ein Erdbeben im 19. Jh. brachte die meisten Gänge und Höhlen zum Einsturz. Georgische Archäologen restaurierten bereits mehr als 500 Höhlen. Besonders sehenswert sind die Fresken in der Klosterkirche. Wir haben Glück, für eine deutsche Gruppe wird die Kirche aufgeschlossen und wir dürfen mit hinein.
Zurück an unserem Stellplatz an der Brücke, bestellen wir im kleinen Restaurant gebackene Forelle. Mit Beilagen und Getränken bezahlen wir umgerechnet 6 € p. Pers., dafür ist die Übernachtung gratis.
Nachts werden die Höhlen angestrahlt, das ergibt unter dem Sternenhimmel eine besondere Atmosphäre.


   |   Tages KM: 36   |   GPS Nord: 41°50'35   |   GPS Ost: 44°43'22

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Dienstag, 20.9. Mtskheta - Vardzia

Unser weiterer Weg führt an der Mtkwari entlang, zuerst eine Autobahn, dann ab Khashuri eine Landstraße. Bald ist der Heilwasserort Borjomi erreicht. Gedrängel im Ort, danach wird es einsamer. Man kann am schnell dahinfließenden Fluss picknicken oder angeln. Stetig geht es bergan.
Nach dem Abzweig zu den Höhlenklöstern von Vardzia sind diese nach gut 18 km erreicht. Etwa 500m ragt eine Felswand vom Ufer der Mtkwari in die Höhe. Im zerklüfteten Hang sind Öffnungen erkennbar, durch Treppen, Galerien und Terrassen miteinander verbunden – über mehrere Etagen.
Die Höhlen waren die ersten Behausungen der Menschen. Der heilige Dawit legte den Grundstein zu einem Kloster. Später lebten hier bis 800 Mönche, die diesen Komplex verwalteten und Lebensmittelvorräte anlegten. Die Höhlen konnten bis 50.000 Menschen aufnehmen, wenn feindliche Heere sich näherten. Man hatte Mineralquellen für die Trinkwasserversorgung und Windkanäle für die Frischluftzufuhr. Auch wurde Wein in mächtigen Aushöhlungen bevorratet. Es heißt, dass jedem Mönch am Tag 1½ l Wein zustanden. Zugänglich war das Kloster über Leitern, die bei Gefahr eingezogen wurden. Die Osmanen plünderten das Kloster und vertrieben die Mönche. Ein Erdbeben im 19. Jh. brachte die meisten Gänge und Höhlen zum Einsturz. Georgische Archäologen restaurierten bereits mehr als 500 Höhlen. Besonders sehenswert sind die Fresken in der Klosterkirche. Wir haben Glück, für eine deutsche Gruppe wird die Kirche aufgeschlossen und wir dürfen mit hinein.
Zurück an unserem Stellplatz an der Brücke, bestellen wir im kleinen Restaurant gebackene Forelle. Mit Beilagen und Getränken bezahlen wir umgerechnet 6 € p. Pers., dafür ist die Übernachtung gratis.
Nachts werden die Höhlen angestrahlt, das ergibt unter dem Sternenhimmel eine besondere Atmosphäre.


   |   Tages KM: 250   |   GPS Nord: 41°22'39   |   GPS Ost: 43°16'57

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Mittwoch, 21.9. Vardzia - Shekvetili

Morgens haben wir nur 13°C Außentemperatur, Vardzia liegt 1200m hoch. Die jungen Leute neben uns packen ihr Zelt zusammen. Da das Café noch nicht geöffnet hat, bringen wir ihnen rasch einen Kaffee zum Aufwärmen und ein paar Kekse. Sie kommen aus der Ukraine uns wollen nach Kobuleti ans Schwarze Meer. Sie fragen wohin wir wollen – nach Kutaisi? Das liegt auf dem Weg. Ob wir sie mitnehmen können? Ja, das machen wir (ausnahmsweise) gerne. Eigentlich nehmen wir keine Anhalter mit, denn in unserem Mobil gibt es Anschnallgurte für nur 2 Personen.
Wir wollen aber vorher zum Frauenkloster, 3,5 km von hier. Unser Abstecher führt aufwärts in eine unberührte Landschaft. Das Kloster besteht aus einigen neueren Wohnhäusern und der Kirche, leider ist sie verschlossen.
Dann steigen Julia und Vitali aus Kiew zu. Julia spricht russisch (ihre Familie kommt aus Sibirien) und ein wenig deutsch – Vitali spricht russisch und ein wenig englisch. Mal sitzt Vitali, mal Julia in unseren Mobilen. Das ergibt einen regen, aber anstrengenden Austausch.
Am Nachmittag setzt starker Regen ein. Das gefällt Peter und mir überhaupt nicht, denn ab Morgen wollen wir von Kutaisi nach Mestia ins Gebirge fahren, ein Geländewagen für den 2 Tage-Ausflug ist bestellt. Diesen Ausflug in den Großen Kaukasus hat uns Nino wärmstens empfohlen. Doch bei Regen ist so gut wie nichts von der grandiosen Landschaft zu sehen. Wetterbericht für die nächsten 3 Tage: Regen, erst ab Sonntag soll das Wetter besser werden. Wir sagen den Ausflug „schweren Herzens“ ab, vielleicht ein anderes Mal?
Weiter geht es zum Schwarzen Meer, Julia und Vitali fahren mit. In Korbuleti steigen sie aus. Hier haben sie eine Adresse zum Übernachten – Couch-surfing. Hoffentlich ändert sich die nächsten Tage das Wetter. Denn bei Regen am Meer, das keine wahre Freude.
Wir bleiben an einer Strandzufahrt über Nacht. Nachts - Trecker fahren Strandgut sammeln – wann gehen diese Leute hier ins Bett? Morgen wollen wir weiter nach Batumi.


   |   Tages KM: 364   |   GPS Nord: 41°53'45   |   GPS Ost: 41°46'18

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Donnerstag, 22.9. Shekvetili - Batumi

Batumi ist eine grüne Stadt, mit vielen schönen Gebäuden, Parks, Alleen und einer Kilometer langen Uferpromenade. Sie macht einen sauberen, freundlichen und geschäftigen Eindruck. Palmen, Oleander und viele Blumen ergeben ein südländisches Flair.
Wir parken beim Aquarium. Gegen Mittag machen wir uns auf um „neues“ in Batumi zu entdecken, Peter und ich sind bereits das 3. Mal in dieser Stadt. Wir schlendern die Uferpromenade entlang bis zum Denkmal von Ali und Nino. Es gibt viele interessante Kunstwerke in der Stadt. Mit der erst 2013 fertiggestellten Gondelbahn fahren wir zu einem Aussichtspunkt. Von hier blicken wir auf die Stadt hinab. Unten angekommen, laufen wir durch hübsch restaurierte Gassen mit schmucken Häusern, über Plätze mit Cafés. Alles neu im alten Stil erbaut, schöner als in Italien – eine tolle Stimmung. Hotels übertreffen sich in ihrer auffälligen Gestaltung – sie dienen als gute Orientierung. Zurück über den großen Maidan-Platz. Hier steht die Statue der Medea mit dem „Goldenen Vlies“. Wir kommen an den Springbrunnen vorbei. Am Abend werden die Wasser-Fontänen musikalisch untermalt, mit farblicher Beleuchtung - das sollte man unbedingt gesehen haben.
Das fiel uns auf: Arabische Großfamilien in Batumi – die Frauen gehen mit Schador.


   |   Tages KM: 38   |   GPS Nord: 41°38'46   |   GPS Ost: 41°37'23

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Freitag, 23.9. Batumi - Grenze - Girebolu

Kleine betrügerische Versuche bei Tanken vor der Grenze – doch wir durchschauen den Trick.
Noch 18 km bis zur Grenze. Ehe wir uns versehen sind wir in die Türkei eingereist – Zeitaufwand insgesamt 15 Minuten. Über eine sehr gute Autobahn rasen wir entlang der Schwarzmeerküste. Bald hat uns der Regen auch in der Türkei eingeholt. Kleiner Einkaufsbummel in Rize, doch vorher wollen wir noch Geld umtauschen. Wir müssen uns mehrmals nach einer Wechselstube erkundigen – will man unsere Euro nicht? Da war es in Georgien doch ganz anders!
Unser Magen knurrt bereits um 11 Uhr – in der Türkei haben wir die Uhr um eine Stunde zurück gestellt. Wir gehen in ein Schnellrestaurant. Am langen Tresen sind viele Fertiggerichte appetitanregend ausgestellt, auch Grillgerichte sind zu haben - alles schnell und preiswert.
Schwer bepackt laufen wir durch den Regen zu unseren Mobilen. Die Kühlschränke sind jetzt wieder randvoll mit Joghurt, Käse, Obst und Gemüse. Auch von meinen Lieblingstee (Hersteller Caykur) habe ich einen größeren Vorrat eingekauft. Hier um Rize befinden sich an den Berghängen die Teeplantagen. Die Wachstumsbedingungen an der Schwarzmeerküste sind für Tee ideal. In fast jeden Ort gibt es eine Teefabrik von Caykur.
Das fiel mir auf: Die Lebensmittelpreise in der Türkei sind keineswegs so preiswert wie in Russland, Kasachstan und Georgien – europäische Verhältnisse?
Der Regen nimmt zu und der Sturm peitscht den Regen über die Fahrbahn. Die Fahrer müssen hochkonzentriert auf die Straße und den Verkehr achten. Wir „verlieren“ Susannes Auto aus den Augen. Erst am Hafen von Tirebolu finden wir dank SMS zusammen.
Abends müssen wir nochmals um parken, aufkommender Wind rüttelt furchterregend die Mobile – an Schlaf ist nicht zu denken.


   |   Tages KM: 324   |   GPS Nord: 41°00'33   |   GPS Ost: 38°49'02

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Samstag, 24.9. Girebolu - Sinop

Heute fährt Susanne schon mal voraus. Peter und ich wollen unterwegs noch einige Dinge erledigen. Das Wetter hat sich etwas gebessert. Wir fahren durch das Hauptanbaugebiet der Haselnüsse, es liegt zwischen Trabzon und Samson. Die Plantagen erstrecken sich die Hänge hinauf. Dazwischen schmucke Häuser, die der „Nussbarone“? Die Ernte wird bereits am Straßenrand (6 € das Kilo) verkauft. Wir kaufen einen kleinen Vorrat, den neuen Nussknacker probieren wir sofort aus.
In fast jeder größeren Stadt schießen die Neubau-Hochhäuser wie „Pilze“ aus dem Boden. Viele sind noch unbewohnt. Die heutige Schnellstraße gleicht einer Autobahn und wir kommen gut voran.
Die Polizei ist präsent und kontrolliert die Autofahrer. Auch wir werden einmal gestoppt. Wohl mehr aus Neugierde, denn gerne möchten sie einmal in unser Reisemobil schauen.
Das Schwemmland um Bafra ist sehr fruchtbar, wir sehen Gemüse- und Reisfelder. Säckeweise wird der Reis am Straßenrand verkauft.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Halbinsel Sinop. Hier hat man die neue Straße und die Landebahn vom Flughafen direkt ins Meer gebaut. So kann man auch Land gewinnen! Als wir auf dem Campingplatz vor Sinop ankommen, ist Susanne bereits da. Durch den starken Regen der letzten Tage ist der Platz aufgeweicht. Wir stehen auf den befestigten Zufahrten – sicher ist sicher.
Geplant ist Morgen ein Ruhetag, doch bei Regen wollen wir weiterfahren.


   |   Tages KM: 414   |   GPS Nord: 42°01'55   |   GPS Ost: 35°03'25

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Sonntag, 25.9. Sinop - Amasra

Der Himmel ist bedeckt und es sieht nicht nach Sonne aus – so fahren wir weiter. Unsere Straße windet sich durchs Gebirge, überwiegend am Meer entlang. Es geht ständig bergauf und bergab. Wir entdecken Buchten mit Sandstrand. Doch bei miesen 17°C (Lufttemperatur)ist niemand im Wasser. Bei Ayancik nehmen wir die Verbindung nach Türkeli durchs Binnenland. Wir kommen durch ursprüngliche kleine Dörfer, hier ist wirklich der „Hund verfroren“. Diese liegen auf der Straße und träumen vom Sonnenschein.
Ab Türkeli Straßenbauarbeiten. Man ist dabei eine neue Straße am Meer zu bauen – ohne viele Steigungen und Windungen. Aber die Dörfler werden dann nicht mehr über die neuen vielspurigen Straßen ans Meer gelangen. Uns kommen auf der alten schmalen Straße die vollbeladenen Baustellen LKW entgegen – sehr enge Passierstellen.
Gegen Mittag ist Inebolu erreicht. Die Sonne kommt raus, Sonntagsspaziergänger (überwiegend ältere Herren) auf der Strandpromenade. Vom Ort zweigt eine Straße gen Süden nach Kastamonu. Es ist die schnellere Verbindung Richtung Istanbul.
Wir fahren weiter auf der Küstenstraße (010), immer am Meer entlang mit schönen Aussichten. Weiterhin bergauf und bergab, sehr zeitaufwendig. Auf dem Meer befinden sich viele Fischerboote. Nach dem starken Sturm und Regen der letzten Tage sind sie heute alle draußen auf Fischfang. Wie lange gibt es noch genügend Fische im Schwarzen Meer?
Auf dem Streckenabschnitt Inebolu – Cide kann man die Verwüstungen vom Unwetter der letzten Tage noch gut erkennen: Teile der schmalen Straße sind weggebrochen, Erdrutsche am Hang. Mit schweren Gerätschaften ist man eifrig dabei die Schäden auf dieser kurvenreichen Straße zu beheben. Vor Meydan wurde im Tal eine Brücke von den Wassermassen weggerissen. Im Flussbett liegen noch die angeschwemmten Baumwurzeln und Stämme.
Oft müssen wir steil bergan fahren (12%Steigung) Bei starken Regenfällen rauscht von hier das Wasser abwärts wie auf einer Wasserrutsche und reißt alles mit. Leitplanken liegen abgebrochen am Hang – einfach weggerissen.
Nach 7 ½ Stunden reiner Fahrzeit erreichen wir unseren heutigen Stellplatz in Amasra.
Peters GPS-Aufzeichne Gerät hat folgendes festgehalten: Durchschnittsgeschwindigkeit 42 km/h, insgesamt 6.449m hoch gefahren und 6.433m runter gefahren. Das ist zweimal den Großglockner von 0 bis auf den Gipfel. Eine große Kurverei für den Fahrer.
In Amasra ist die Saison vorbei. Die vielen Souvenirshops liegen verwaist. Ein schöner Blick am Abend von der Brücke, die die alte und neue Stadt verbindet.



   |   Tages KM: 320   |   GPS Nord: 41°44'52   |   GPS Ost: 32°22'55

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Montag, 26.9. Amasra - Istanbul

In Amasra begannen oft unsere Reisen – heute endet sie hier (fast). Wir werden ab hier nur noch auf eintönigen Autobahnen und Schnellstraßen unterwegs sein – schnell heimwärts.
Von Susanne müssen wir uns heute leider verabschieden. Sie fährt weiter nach Edirne und trifft dort einen Bekannten. Über Sarajewo geht ihre Fahrt dann nach Hause. Wir wollen uns noch einen Tag in Istanbul gönnen und dann über Griechenland mit der Fähre nach Italien und weiter gen Norden.
Total „platt“ sind wir über Istanbul. Die Vorstädte hochmodern – auch die Moscheen. Bepflanzungen an der Autobahn sehr akkurat – Rasen, Sträucher und Blumen, alles pikobello und ohne Unkraut. Wenn das alles in Istanbul so weiter fortschreitet, dann wird sie die Vorzeigestadt Nummer 1 in Europa!!!
Leider, leider wird es am Londra-Camping keine Stellmöglichkeiten mehr geben. Es entstehen auch hier Hochhäuser. Wir dürfen noch für eine Nacht bleiben


   |   Tages KM: 495   |   GPS Nord: 40°59'30   |   GPS Ost: 28°49'57

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Dienstag, 27.9. Istanbul - Yenice

Peter und ich haben schlecht geschlafen. Mich hat der Verkehrslärm der nahen Straße gestört, Peter musste nachts auf Mückenjagd gehen.
Gegen 10 Uhr fahren mit der U-Bahn in die Innenstadt, in Ataköy steigen wir aus. Zuerst wollen wir in ein Hamam. Peter hat ein uns noch unbekanntes sehr altes Hamam in der Türkeli Cad. ausfindig gemacht. So früh am Vormittag sind wir die einzigen Gäste. Wir genießen die Reinigungs und Seifenmassage. Wie „neu geboren“ verlassen wir das Hamam und stürzen uns in das Einkaufsgewühl vom Großen Basar. Schmuck glänzt und funkelt hinter Glas, bunte Keramik, Teppiche, Lederwaren, Tücher aus Seide und Kaschmir, T-Shirts, Jeans, Süßwaren, Gewürze, Kaffee und Tee – die unzähligen Verkäufer wollen uns zum Kaufen bewegen. Uns fällt auf, dass viele ausländische arabische verschleierte Frauen auf Einkaufstour sind. Wir vermissen die europäischen Touristen. Istanbul für sie zu unsicher?
Da wir heute den Stellplatz vor dem einsetzenden Berufsverkehr verlassen wollen, sind wir schon bald zum Mobil unterwegs. Wir fahren noch etwa 100 Kilometer Richtung Grenze. Am Strand sehen wir einen Campingplatz. Die Saison ist vorbei, es gibt nur noch einige wenige Dauergäste. Die Sanitäreinrichtungen sind sehr einfach. Will man dafür etwa noch Geld? Lassen wir uns überraschen.


   |   Tages KM: 117   |   GPS Nord: 41°00'10   |   GPS Ost: 27°40'33

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Mittwoch, 28.9. Yenice - Grenze - Nea Peramos

Auch diese Grenze von der Türkei nach Griechenland ist innerhalb von 15 Min. passiert. Wir durchfahren Alexandroupolis und sind überrascht, wie viele Menschen schon morgens um 11 Uhr in den Cafés sitzen. Also haben die meisten Griechen doch noch genügend Geld!!!
Unser 1. Stopp gilt dem Lidl außerhalb der Stadt. Rechnung in Euro -, so verhalten sich auch die Preise. Unsere Vorräte sollten bis Österreich reichen!
Wir verlassen die Autobahn Richtung Neo Peramos. Biegen falsch ab und landen an einem fantastischen Sandstrand. Es ist bereits Nachsaison. Die Strandabschnitte liegen verwaist, die meisten Liegestühle und Sonnenschirme befinden sich bereits im Winterquartier. Das Wasser hat noch angenehme 24°C und das Wasser 21°C. Gegen 15 Uhr verlassen die wenigen Besucher den Strand und bald sind wir mit den vielen Hunden allein in dieser abgeschiedenen Bucht.
Morgen Abend geht unsere Fähre ab Igouminitsa.


   |   Tages KM: 363   |   GPS Nord: 40°48'45   |   GPS Ost: 24°17'29

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Donnerstag, 29.9. Nea Peramos - Igomenitsa

Diese schöne Bucht muss man sich merken! Flach ins Wasser fallender Sandstrand und sauber. Für Übernachtungen in der Vor- und Nachsaison ideal. Allerdings steppt hier im Sommer der „Bär“.
Fast 700 Kilometer insgesamt fuhren wir die neue Autobahn: Grenze Türkei bis zum Hafen Igouminitsa. An den Mautstellen der „Egnatia Odos“ werden wir (für unsere Größe, Kleinlaster und Busse) insgesamt 39 € los. An einer der Zahlstellen erhalten wir einen Flyer. Unsere Größenordnung wird sich um mehr als das Doppelte verteuern. Auf unsere Fragen wann und warum, informiert man uns wie folgt: Die noch staatliche Autobahn soll verkauft werden. Der neue Besitzer wird die Gebühren erhöhen. Genaues ist aber noch nicht bekannt. Jedenfalls wurde diese Autobahn mit EU-Geldern gebaut. Vor Jahren stand noch an jedem Teilabschnitt die Summe der Baukosten auf Schildern – weit über 50 Mrd. Euro.
Wir kommen zügig voran. Was war es doch noch vor 15 Jahren für eine irrsinnige Kurverei über Landstraßen hoch ins Gebirge. Zeitraubend und anstrengend mit viel LKW Verkehr. Heute kann man die Strecke an einem Tag schaffen.
Ankunft im Hafen von Igouminitsa um 16 Uhr. An einer Tankstelle: Einmal volltanken und Wagenwäsche bitte. Wir brauchen erst gegen 21 Uhr im Hafenbüro sein.


   |   Tages KM: 483   |   GPS Nord: 39°29'14   |   GPS Ost: 20°15'35

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30.9. - 5.10. Igomenitsa - Grenze - Carpi - Glinde

Diese schöne Bucht muss man sich merken! Flach ins Wasser fallender Sandstrand und sauber. Für Übernachtungen in der Vor- und Nachsaison ideal. Allerdings steppt hier im Sommer der „Bär“.
Fast 700 Kilometer insgesamt fuhren wir die neue Autobahn: Grenze Türkei bis zum Hafen Igouminitsa. An den Mautstellen der „Egnatia Odos“ werden wir (für unsere Größe, Kleinlaster und Busse) insgesamt 39 € los. An einer der Zahlstellen erhalten wir einen Flyer. Unsere Größenordnung wird sich um mehr als das Doppelte verteuern. Auf unsere Fragen wann und warum, informiert man uns wie folgt: Die noch staatliche Autobahn soll verkauft werden. Der neue Besitzer wird die Gebühren erhöhen. Genaues ist aber noch nicht bekannt. Jedenfalls wurde diese Autobahn mit EU-Geldern gebaut. Vor Jahren stand noch an jedem Teilabschnitt die Summe der Baukosten auf Schildern – weit über 50 Mrd. Euro.
Wir kommen zügig voran. Was war es doch noch vor 15 Jahren für eine irrsinnige Kurverei über Landstraßen hoch ins Gebirge. Zeitraubend und anstrengend mit viel LKW Verkehr. Heute kann man die Strecke an einem Tag schaffen.
Ankunft im Hafen von Igouminitsa um 16 Uhr. An einer Tankstelle: Einmal volltanken und Wagenwäsche bitte. Wir brauchen erst gegen 21 Uhr im Hafenbüro sein. Während wir warten kommen wir mit einem LKW-Fahrer ins Gespräch. Er will auch mit der Fähre nach Italien. Seine Fracht, Frischfisch und Muscheln, sind für Frankreich bestimmt. Was für ein Irrsinn in Frankreich Meerestiere aus der Türkei zu verspeisen!
Die Fähre geht fahrplanmäßig und legt kurz nach 23 Uhr ab. Da befinden wir uns bereits in unserer Kabine. Am nächsten Tag verschlafen wir fast das Frühstück, die Zeit wurde um eine weitere Stunde zurückgestellt. Wir vertreiben uns die Zeit bis zur Ausschiffung mit Lesen und Ausruhen. Gegen 14 Uhr ist der Hafen von Ancona erreicht. Aus Sicherheitsgründen dürfen die Garagen erst nachdem die Fähre festgemacht hat aufgesucht werden. Wie immer herrscht eine arge Drängelei vor den Fahrstühlen und an den Treppen. Um 15 Uhr haben wir festen Boden unter den Rädern und über Autobahnen geht es gen Norden. Mit einem Übernachtungsstopp in Italien wollen wir Morgen in Peters Heimat Österreich erreichen, dort einige Tage verbringen bevor wir weiter gen Norddeutschland reisen.
Glinde erreichen wir am 5. Oktober.



   |   Tages KM: 1695

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Am Ende der Reise ein kurzer Rückblick

Insgesamt war es eine tolle Reise mit vielen schönen Erlebnissen. Besonders begeistert haben uns die Mongolei, Kirgistan und auch Russland. Aber Russland kannten wir bereits seit 2013.
Unsere Gruppe hat sich nach 2 Monaten im Altai getrennt, Harald und Rosemarie wollten „eigene Wege fahren“. Das haben wir akzeptiert. 4 Monate mit einer Gruppe von morgens bis abends unterwegs zu sein erfordert viel Disziplin – lässt wenig Freiraum für eigene Interessen.
Unser PhoeniX hat sich wieder einmal auf dieser langen Tour bestens bewährt. Lediglich 2 Halterungen für die Schubladen sind gebrochen (für Peter eine 5 Min-Sache). Die zweite Zündsicherung (eine war schon vor der Reise defekt) von unserem Gasherd funktionierte die letzten 3 Wochen nicht mehr. So musste ich auf einer Flamme kochen – wie die Naturvölker. Das hat aber die Kochergebnisse nicht weiter beeinträchtigt.
Gestört haben uns die korrupten Polizisten in Kasachstan und Kirgistan. Die uns wegen Kleinigkeiten oder nur so angehalten haben. Oft wollten sie 200 Dollar haben. Genervt hat uns die verlorene Zeit und die endlosen Diskussionen – bezahlt haben wir aber nie.
Grenzen: Die Beamten waren immer korrekt und freundlich – Zeitaufwand 15 Minuten bis 3 Stunden. Manchmal haben sie nicht ins Auto geschaut, dann wieder in jede Schublade. Gefragt wurde immer nach Waffen und Drogen.
Nach der Grenze ging immer die Suche los nach einer Bank zum Geld wechseln (wieviel brauchen wir, wie lange bleiben wir?) und der nächste Schritt die Suche nach einer Telefonkarte. Internet oft sehr gut über das Smartphone via Thetering.
Straßen: Schlimmste Straßen in West-Kasachstan – hin und wieder auch mal schlechte Strecken, aber meistens gut bis sehr gut.
Kraftstoffpreise: Am teuersten in Italien (1.30 bis 1.50 €), preiswert in Kasachstan (unter 30 Cent – volltanken für unser Mobil 24 €) Russland und Kirgistan (50 Cent), in der Türkei (1,23 €) - vor 2 Jahren lag der Literpreis noch bei 1,50€. Diesel zu bekommen war für uns nie ein Problem. Bezahlt haben wir an Tankstellen fast immer mit Visa. Euro Diesel gibt es sehr oft, auch AdBlue haben wir öfter mal entdeckt. Kraftstoffverbrauch im Schnitt 15,6 l Diesel. Gas (Gastank 80l) hat bis zu Hause gereicht, wir brauchten uns um Gas nicht weiter zu kümmern, es gibt aber überall Gastankstellen.
Lebenshaltungskosten: Die meisten Lebensmittel weitaus preiswerter als in Deutschland – mit Ausnahme von Fleisch. Was uns sehr verwundert hat, in den Regalen der Supermärkte sind sehr viele deutsche Produkte auch von Edeka zu finden. Auch das Essen in den Restaurants ist recht preiswert.
Land und Leute: Begeistert hat uns die Freundlichkeit der Bevölkerung. Wir trafen nur freundliche Menschen – auch in Russland waren sie ohne Vorurteile gegen die Deutschen.
Politische Gespräche haben wir vermieden. Wenn wir sagten woher wir kommen hörten wir: „Ah – deutsch, Frau Merkel“ und man hielt den Daumen hoch!
Vieles klappt auch ohne Regeln, da könnten wir hier in Deutschland noch so einiges lernen.
Die Landkarte auf der Rückwand von unserem Wohnmobil ist sehr gut angekommen und allen Interessierten konnten wir so erklären woher wir kommen und wohin wir wollen. Die zweitwichtigste Frage war: Was kosten solche Autos? Wir haben bei den Angaben stark untertrieben!
Urlaub im weitesten Sinne ist solch eine Reise nicht. So gilt es jeden Tag einen Stellplatz zu finden. Er sollte ruhig sein und am liebsten in der Natur. Der Kampf mit den Mücken hielt sich in Grenzen, wie auch bereits 2013 hatten wir damit kaum zu tun. Wasser für das Mobil zu finden war nicht immer leicht, da muss man schon suchen. Fündig wird man in kleinen Orten, dort gibt es häufig eine zentrale Wasserstelle mitten im Dorf. Trinkwasser haben wir in 5 l-Behältern im Supermarkt gekauft. Kleine Geschäfte für Lebensmittel gibt es reichlich. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass das Angebot der Saison entspricht.
Wir sind insgesamt 28.317 Km in 130 Tagen gefahren, haben 10 Länder bereist und 14 Grenzübergänge überstanden.
Zu den Kosten: wir haben für alles (Kraftstoff, Visa, Krankenversicherung, Fähren, Stadtführungen usw. insgesamt nicht mehr als 7800.- Euro ausgegeben. Wenn man abzieht was wir in 4 Monaten zu Hause verbraucht hätten, dann war die Reise ausgesprochen günstig.
Was bleibt: Unglaubliche Eindrücke, Begegnungen und Erlebnisse mit Menschen der unterschiedlichsten Couleur. Zu sehen mit welchen widrigen Umständen sie zurechtkommen müssen und welche Zufriedenheit sie trotz allem ausstrahlen. Erinnerungen an eine schöne Zeit!!!


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