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Russland - Mongolei - 2018

Russland Teil 3

Montag, 25.6. Irkutsk Stadtrundgang

Bereits kurz nach 8 Uhr liefert uns Vladimir unsere Wäsche. Da waren er und Marina aber fleißig am Wochenende! Marina holt uns gegen 10 Uhr zur Stadtbesichtigung ab.
An der ewigen Flamme ist Wachablösung der Schüler. Marina erzählt: Schüler halten Wache an der ewigen Flamme. Damit sie nicht vergessen, wieviel Schreckliches ein Krieg mit sich bringt. Aus dem letzten großen Vaterlandskrieg ist jeder zweite Soldat nicht zurückgekehrt. Die jetzige Generation und auch unsere haben „Gott sei Dank“ keinen Krieg miterlebt.
Wir betreten eine Brücke vor der Angara. Hier entstand 1661 eine hölzerne Festung am Angara-Ufer zum Kampf gegen die Burjaten. 1661 ist auch das Gründungsdatum von Irkutsk. Die Kaufleute der Stadt mehren ihren Reichtum durch den Handel mit sibirischen Pelzen und Tee aus China.
Marina sagt: Der Stolz einer sibirischen Frau ist ihr Pelzmantel. Dieser wärmt und schmückt die Frau bei über minus 40° im langen Winter.
Wir besichtigen die Erlöserkirche. Sie war eine der ersten steinernen Gebäude in dieser Stadt. Zur Sowjetzeit geschlossen beherbergte sie verschiedene Werkstätten. Auch die Gotteserscheinungskathedrale mit den wunderschönen Malereien im Inneren ist sehenswert. Da wir oft stehen bleiben und Marina uns auf das eine oder andere aufmerksam macht, vergehen die vereinbarten 3 Stunden Stadtführung wie im Fluge.
Die Mittagspause verbringen wir in einem netten kleinen Restaurant. Schon bald rinnt frisch gezapftes Bier durch unsere durstigen Kehlen. Die leckeren Gerichte stehen bald vor uns auf dem Tisch. Es ist eine lustige Runde mit Marina in unserer Mitte. Oh je, ein Gewitterregen – ein zweites Bier wird bestellt. Dann dauert es einige Zeit bis wir die Gesamt- Rechnung aufgeteilt haben. Wir bringen Marina zum Bus und laufen zu den Mobilen. Einige ruhen, andere haben einen Friseurtermin. Für lange Zeit vielleicht der einzige in Russland und Mongolei.
Abends in der Hotelbar verfolgen wir das Fußballspiel Russland gegen Uruguay. Es endet mit 0:3. Das ist bei den Russen die Stimmung im „Eimer“.
Zum Nachdenken: Auf der Promenade sehen Plakate mit russischen Kindern aus dem Waisenhaus, die auf diesem Wege Pflegeeltern suchen. Mit Kindern aus Burjatien würde das nie geschehen, so sagt Marina. In diesem Volksstamm gehen Kinder über alles. Diese Familien haben oft 2 oder mehr Kinder.




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Dienstag, 26.6. Ausflug Listwanka

Heute steht uns ein anstrengender Tag bevor. Wir wollen nach Listvjanka. Auf der Strecke dorthin liegt Freilichtmuseum Talzy. Als in dieser Gegend gewaltige Staudämme errichtet wurden, versanken ganze Dörfer im Wasser. Einige Kirchen, Bauernhäuser und Wehrtürme wurden gerettet und hier, 47 km von Irkutsk entfernt, am Hang der Angara originalgetreu wieder aufgebaut. Auch hier weiß Marina sehr viel Wissenswertes zu berichten. Im Herbst baute man die Häuser, alle im Dorf halfen. Drei Männer waren erforderlich, und man benötigte für den Bau keinen einzigen Nagel. Die jungen Mädchen hatten für die Aussteuer eine bestimmte Anzahl an Tischdecken und Handtüchern zu weben und zu besticken. Es lebten mehre Generationen im Haus auf engstem Raum. Sehenswert ist auch eine alte Dorfschule. Damals besuchten die Kinder nur 2 Jahre eine Schule. Wer 4 Jahre ging, konnte Lehrer oder Ingenieur werden. Damals verdiente ein Lehrer im Monat 200 Rubel, heute 25.000 Rubel. 200 Rubel waren seinerzeit einer sehr hoher Lohn, davon träumen die Lehrer heute.
Besonders gefallen haben mir die mehrstimmigen Gesänge von 3 jungen Männern. Natürlich haben wir eine CD sofort gekauft.
Dann fahren wir weiter nach Listvjanka. Der Ort ist die „Pforte zum Baikal“ und liegt an der Angara, dem gewaltigen und einzigen Abfluss vom Baikalsee. Über 363 Flüsse fließen in ihn. An dieser Stelle ist die Angara 860 m breit. Der Baikal wird von den Burjaten auch „das heilige Meer“ genannt. Seine Ausmaße sind gigantisch. Er ist mit 1624m der tiefte See der Erde, sein Wasserinhalt übertrifft den der Ostsee und er nimmt von der Fläche her die Größe Belgiens ein. Listvjanka ist 7 km lang und 2 Straßenzüge breit – von hier geht es nur noch zu Fuß oder mit dem Schiff weiter. Der Ort hat unzählige Souvenir- und Imbissstände. Man bekommt hier den Omul, das ist eine Fischart aus dem Baikal, geräuchert oder gesalzen serviert. Doch woher diese Ware hier kommt ist mir ein Rätsel, denn der Omul ist geschützt und darf bis 2025 nicht gefangen werden.
Das Mittagessen hat Marina bei einer typischen russischen Familie organisiert. Wir werden mit einem Kleinbus in Listvjanka abgeholt. Irina und Sergej erwarten uns bereits. Stolz führen sie uns durch ihren Garten. In den 2 kleinen Treibhäusern gedeihen Gurken, Tomaten und Paprika. Die Sommer in Sibirien sind kurz und alles muss in kürzester Zeit heranwachsen, geerntet und verarbeitet werden. Weiter hinten im Garten gibt es Himbeersträucher und die Erdbeeren sind bereits reif. Wir dürfen naschen, einen besonderen Baum umarmen und uns etwas wünschen. Pilze und Beeren wachsen im Wald, alles wird konserviert für den Winter. Marina meint, in Sibirien brauchte nie Jemand zu hungern, er musste nur fleißig sein.
Sergej hat auf dem Hof ein kleines Museum. Er hat alte Sachen zusammengetragen, damit man nicht vergisst, wie es früher war. Auch eine Banja wird uns gezeigt. Die Russen benutzen die Banja getrennt nach Geschlechtern und nie würden sie völlig nackt in eine Banja gehen.
Dann bittet man uns in einem gesonderten Raum zu Tisch. Marina erklärt den Ablauf. Zuerst wird bei den Russen immer in Glas Wodka getrunken und ein Trinkspruch dazu gesagt. Wir bekommen Salat, Gemüsesuppe mit Huhn, Koteletti (eine Art Frikadellen) mit Kartoffeln und zum Nachtisch selbstgebackenen Kuchen mit Tee oder Kaffee serviert. Wir hätten hier noch Stunden verbringen können. Ein Abschiedsfoto im Garten und weiter geht es im Tagesprogramm. Marina führt uns zu einer Robbenshow. Diese putzigen Tierchen führen uns allerhand Kunststücke vor. Einstimmige Meinung: Mehr etwas für Kinder. Unser Rückweg führt am Baikal entlang. Wir tauchen unsere Hände in den Baikal, das Wasser ist noch eiskalt, so um die 7°C. Nach diesem langen Winter ist der See in diesem Jahr erst Mitte Juni eisfrei. Ist gibt sogar Personen, die kurz im Wasser untertauchen.
Es fängt an zu tröpfeln und wir suchen ein Café auf. Bei Kaffee und Kuchen, Martini und Bier vergessen wir die Zeit. Marina möchte von uns spaßige Sprüche für Touristen wissen. Da einige im Dialekt sind, wird es eine lustige Angelegenheit. Nun wird es Zeit zu den Mobilen zurückzukehren. Peter und Hans haben sich schon vorher auf den Weg gemacht. Das Donnergrollen bringt Regen, wie unter einer Dusche. Wir stellen uns unter, es will und will nicht aufhören. Was tun? Rettung kommt von Peter und Hans, sie kommen uns mit den Mobilen entgegen und sammeln uns ein. Danke, das war Rettung in höchster Not. Gemeinsam steigen wir noch einmal aus um Marina ein Ständchen zu bringen. (Text von 2013) nach Marina, Marina, Marina, du bist ja die beste der Welt….. Peter hat mit unserem Fotodrucker ein Foto der ganzen Gruppe angefertigt. So hat Marina von uns eine kleine bleibende Erinnerung. Auf der Rückfahrt schaut Marina gespannt in die kleinen Tüten, die Brigitte und ich ihr überreicht haben. Sie freut sich bei jedem Teilchen wie eine „Schneekönigin“. Reibt hier eine Creme auf die Arme und schnuppert da an einem Duft, knappert an der Schokolade und freut sich über andere Kleinigkeiten. Kleine Gastgeschenke sind üblich in Russland.
In Irkutsk lassen wir Marina an einem Parkplatz aussteigen, hier wird sie Vladimir abholen. Wir fahren weiter zum großen Supermarkt. Es ist bereits 21 Uhr und um 22 Uhr schließt der Supermarkt. Nach so einem anstrengenden Tag habe ich überhaupt keine Lust mehr einzukaufen. Ich möchte den heutigen Tag gemütlich ausklingen lassen. Abendbrot essen und noch die Erlebnisse des heutigen Tages notieren. Es wird 24 Uhr, als ich hundemüde ins Bett falle.
Hier etwas zum Schmunzeln:
Marina berichtet von einer Reisegruppe mit der sie im Minibus unterwegs war. Reisender: „Bitte schnell anhalten, ich muss dringend“. Sie stoppen an einem Wald. „Wo, Marina, ist ein Klo?“ Marina weist auf den Wald. Der Reisende läuft in den Wald und kommt nach einiger Zeit zurück. „Marina, ich habe kein Klo gefunden.“



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Mittwoch, 27.6. Irkutsk - Baganta

Schon um 9 Uhr gehen wir im Supermarkt einkaufen. Wir werden 7 Tage auf der Insel Olchon verbringen. Einkaufsmöglichkeiten sind dort nicht in großer Auswahl vorhanden. Gegen 11 Uhr werden wir zur Weiterfahrt starten. Brigitte und Rolf sind schon vorgefahren, sie wollen unterwegs einkaufen.
Es verspricht ein heißer Tag zu werden. Bereits um 11 Uhr zeigt das Thermometer 27°C. Unsere Straße ist mal wellig, dann wieder mit gutem Straßenbelag. Es ist eine Berg- und Talfahrt. Wir fahren mal auf 900m dann auf 500m. Lärchen und Kiefern entlang der Straße. Es gibt etliche schamanische Haltepunkte. Reisende steigen aus, „schnipsen“ mit den Fingern der rechten Hand eine weiße Flüssigkeit (Milch oder Wodka) in alle 4 Himmelsrichtungen, in die Luft und auf die Erde. Bedeutend für eine gute Reise. Es soll Glück bringen, auch einige Kleingeldmünzen auf den Boden zu werfen, oder bunte Bänder an Holzpfähle zu binden.
Am frühen Nachmittag ist unser Stellplatz bei einem Café am Straßenrand erreicht. Unsere erste Frage: „Fernsehen?“ Antwort der Besitzerin: „Ja“. Wir: „Können wir hier parken und um 22 Uhr das Fußballspiel Deutschland gegen Südkorea anschauen?“ Die Dame zögert, denn eigentlich schließt sie um 20 Uhr. Wir: „Wenn Sie für uns öffnen, kommen wir mit 10 Personen zum Essen“. Damit ist sie einverstanden. Bis 20 Uhr relaxen wir vor den Mobilen. Dann gehen wir in das Lokal. Die Portionen sind klein, aber kosten umgerechnet zwischen 1 und 1,50 Euro. Jann-Habbo fragt nach Bier, denn in den Kühlschränken können wir keins entdecken. Ja, unter der Ladentheke. Schell räumt die Gastwirtin eine größere Anzahl in die Eis Truhe. Jetzt ist alles für das Spiel vorbereitet. Die Deutschlandfahnen und Trillerpfeife für die Tore liegen bereit. Als endlich im Fernsehen das richtige Programm läuft, sehen wir leider kein spannendes Spiel. Uns fehlt außerdem eine deutschsprachige Reportage. Mit Ende der ersten Halbzeit gehen Peter und ich schlafen. Somit verpassen wir das Resultat. Deutschland verliert 2:0 gegen Südkorea. Warum regen sich alle nur so auf, es war doch nur ein Spiel und der Bessere hat gewonnen.

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   |   Tages KM: 187   |   GPS Nord: 52°50'32   |   GPS Ost: 106°04'57

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Donnerstag, 28.6. Baganta - Taskay Cup

An der Straße verkauft man Brennholz. Jedes Mobil muss 2 Pakete mitnehmen. Was gibt es schöneres, als am Abend am Lagerfeuer mit Freunden zu sitzen.
Die Riesenbaustelle von vor 2 Jahren ist beendet und eine Super-Straße führt uns zum Fährhafen. Einige Fotostopps zwischendurch werden fällig. Da jetzt 3 Fähren zur Insel Olchon pendeln, ist die Wartezeit wesentlich entspannter als vor 2 Jahren. Damals warteten vor uns 60 Fahrzeuge und wir mussten an der Fähre übernachten! Wir und 4 weitere PKW können sofort auf die kleine Fähre fahren. Das andere Ufer ist schnell erreicht und wir begeben uns auf 19 km unbefestigte Piste bis zum Stellplatz in der Bucht Tashkay Cape. Wir langsam, die Einheimischen brettern in ihren PKW und Kleinbussen an uns vorbei, Staub und sogar Steine werden aufgewirbelt. Nachdem wir uns auf dem schönen Stellplatz eingerichtet haben, sehen wir auf der ersten Bergkuppe bereits Noro, HK und Bimo. Sie sind mit der Fähre nach uns gefahren, Kiki muss noch eine weitere Fähre abwarten. Bald sind wir alle beisammen – wir haben die Bucht für uns allein. Noch genießen wir den herrlichen Sonnenschein, doch aus der Ferne vernehmen wir Donnergrollen. Der Himmel verdunkelt sich, es wird unangenehm kühl. Alle verziehen sich auf ein Mittagsschläfchen ins Mobil. Doch schon nach einiger Zeit zeigt sich wieder die Sonne. Um 20 Uhr flackert bereits ein kleines Lagerfeuer vor den Mobilen. Wir sitzen Drumherum und prosten uns zu. Just, als auf der einen Seite die Sonne glutrot versinkt, erscheint auf der anderen Seite gelb und rund der Vollmond. Kein Dorf, keine Stadt stört mit ihren Lichtern!
Vom Feuerschein angelockt kommt ein PKW und hält. Vater und Tochter wollen einen Tag auf Olchon verbringen. Der Vater spricht sehr gut Englisch und ein wenig deutsch. Die Tochter ist 17 Jahre alt und besucht in Deutschland eine Schule Warum? Nach seinem Ermessen wird es noch 50 Jahre dauern, bis in Russland eine Änderung eintritt. Die überwiegende Bevölkerung in Russland ist Putin treu. Seine Tochter soll nach dem Studium in Europa Fuß fassen. Wir trinken auf die Zukunft der jungen Generation Russlands.



   |   Tages KM: 99   |   GPS Nord: 53°07'35   |   GPS Ost: 107°06'00

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Freitag, 29.6. Taskay Cup

Nachts kühlt es auf angenehme 13°C ab. Doch bereits am Morgen brennt die Sonne aufs Mobil. Es verspricht ein heißer Tag zu werden. Peter hat heute Reparaturdienst. Er repariert bei Jann-Habbo den durch Steinschlag abgerissenen Schmutzfänger und bei Kiki den beschädigten hinteren Querträger. Jann-Habbo ist nun Peters Lehrling.
Ich backe für Werner den Geburtstagskuchen (nachträglich), und sicherlich bekommen wir zum Kaffee alle ein Stückchen ab. Mittags schmeißen wir den Grill an und Papp Satt strecken wir „alle viere“ von uns. Was kann es uns doch wieder gut gehen!!!
Abends brennt wieder ein Lagerfeuer. Heute weht ein kalter Wind vom Baikal. Weht der Wind vom Baikal Meer, müssen dicke Jacken her!
Der Baikal ist erst einige Wochen eisfrei. Am Ufer hat das Wasser 13°C, Peter hat als einziger gebadet.
Peter und ich beschließen morgen in aller Frühe ein Gesundheitszentrum in Chuschir aufzusuchen. Vor ca. 14 Tagen wurde Peter von einer Zecke gebissen. Nun ist die Stelle stark gerötet.


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Samstag, 30.6. Taskay Cup - Chuschir

Was macht die Insel Olchon so beliebt, bei Einheimischen sowie Touristen? Diese Insel, die so ziemlich genau in der Mitte des Baikalsees liegt, ist etwa 72 km lang und 14 km breit. Es leben hier nur 1.800 Bewohner, die meisten von ihnen sind Burjaten. Sicherlich besteht die Anziehungskraft nicht allein in den Kontrasten von hügeliger Steppenlandschaft, schroffer Steilküste, hellen Kiefernwälder und weißen Sandstränden. Hauptattraktion ist die Schamanenhöhle. Bei Chuschir ragt der Schamanenfelsen aus dem Wasser. Außerdem ist die Insel bekannt für 2.300 Sonnenstunden, wenig Niederschlag und kaum Mücken.
Schon früh machen wir uns auf den Weg. Die Anderen wollen später nachkommen. Nachdem wir die 21 km Rüttelpiste fast hinter uns haben, fängt es an zu regnen. Auch in Chuschir sind die Straßen ohne Teerdecke, und schon bald gleicht die Fahrbahn einem durchpflügten Acker. Selbst am Seitenrand geht man auf dem Lehmboden wie auf Schmierseife.
Wir suchen Gregori auf, er spricht etwas deutsch. Das Gesundheitszentrum sprich: Krankenhaus, liegt gleich gegenüber. Ohne Wartezeit führt man uns in das Behandlungszimmer. Wir tragen der Ärztin unser Problem vor. Zeckenbiss vor ungefähr 2 Wochen, Zecke entfernt, aber erst jetzt starke Rötung und Juckreiz. In Deutschland haben wir uns vor Reiseantritt noch geben FSME impfen lassen. Doch das ist keine Garantie. Die Ärztin fragt nach der Zecke, aber blöd wie wir waren haben wir sie entsorgt. Sie misst Fieber bei Peter, er hat eine leicht erhöhte Temperatur. Auch hat er starke Kopfschmerzen und Schmerzen in den Beinen. Das sind die Begleiterscheinungen, so die Ärztin. Das Serum, dass sie ihm verabreichen will ist hier nicht vorrätig. Es muss gekühlt aus Irkutsk beschafft werden. Auch wäre eine Blutuntersuchung ratsam. Was tun? Da unserer einziger Sprachdolmetscher mein Handy ist und manchmal nur „Quatsch“ übersetzt wird, ruft die Ärztin Gregori an. Wir vereinbaren, dass Peter und ich morgen nach Irkutsk zurückfahren und dort alles Weitere veranlassen werden. Jetzt möchte sie Peter an einen Tropf hängen, das ganze benötigt 2 Stunden. Währenddessen soll ich in der Apotheke mit dem Rezept die Medikamente beschaffen.
Inzwischen ist unsere Gruppe vollzählig und steht auf dem Hügel, mit Blick auf den Schamanenfelsen.
Ich erzähle kurz was die Ärztin veranlasst hat und das wir morgen nach Irkutsk zurück fahren werden. Die Gruppe kann gerne die geplanten Tage hier auf Olchon verbringen und dann nachreisen.
Am Abend um 21 Uhr soll Peter ein Spritze erhalten, und dann nochmals morgen früh. Wir sollen regelmäßig die Körpertemperatur prüfen. Das Fieber steigt in den späten Nachmittagsstunden weiter bis auf 39° an. Die eine Arzthelferin verabreicht Peter 2 Spritzen (unsanft). Zurück am Mobil geht Peter gleich schlafen und fällt in einen Genesungsschlaf, er schwitzt das Fieber förmlich raus.
So hatten wir unseren Urlaub auf Olchon nicht geplant. Die Gruppe wird morgen einen organisierten Ausflug in den Norden unternehmen. Wir werden telefonisch in Kontakt bleiben. Denn Olchon ist für uns das schönste Fleckchen in Russland.
Merke: Die Zecke unbedingt mit zum Arzt nehmen und nach einem Zeckenbiss sofort einen Arzt aufsuchen. Peter und wir alle waren zu „blauäugig“!


   |   Tages KM: 20   |   GPS Nord: 53°11'55   |   GPS Ost: 107°06'00

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Sonntag, 1.7. Chuschir - Irkutsk Hotel

Gleich nach dem Frühstück binde ich meine bunten Freundschaftsbänder an das kleine Bäumchen hinter unserem Mobil. Die 5 Farben bedeuten folgendes: weiß/Reinheit und Luft, blau/Himmel, grün/langes Leben, gelb/Freude und rot/Feuer. Für alle unsere Freunde in nah und fern flattern sie jetzt im Wind – symbolisch sind wir euch allen so nah!!!
Die Ärztin ist um 8.30 Uhr bereits auf ihrem Posten. Eine Spritze in den Po, ein „balschoje spassiba“ an die Helfer, einen Kasten Pralinen für die Ärztin Larissa und schon können wir die Fahrt fortsetzten. Die Behandlung hat nix gekostet. Wir lassen die restlichen Medikamente und einen größeren Betrag als Spende im Gesundheitszentrum.
Die 38 Kilometer Rüttelpiste fahren wir im Schritttempo bis zur Fähre. Durch den starken Regen gestern ist die Fahrbahn stark aufgeweicht. Die kleinen UAZ bringen Touristen zur Fähre und fliegen förmlich über die Piste. An der Fähre hüllt uns Nebel ein. Wir kommen bereits mit der nächsten Fähre ans Festland. Von hier sind es 240 km bis Irkutsk. Mit uns sind viele Städter unterwegs. Rückreiseverkehr von den Datschas. Die Straße ist wellig, dann wieder sehr gut. So hatte ich die Hinfahrt gar nicht mehr in Erinnerung. Ein Gewitter naht. Starker Regen wäscht die Straßen rein. Nach einer Kaffeepause ist gegen 17 Uhr das Hotel Irkutsk in Irkutsk erreicht. Dank Wi-Fi vom Hotel können wir unsere Internetseite vervollständigen.
Heute Abend werden wir uns im Hotel das Fußballspiel Russland gegen Spanien ansehen. Das Spiel endet nach Elfmeterschießen 5:4 für Russland. Die Stimmung der Einheimischen, die mit uns hier das Spiel auf Breitwand verfolgen, ist überschwänglich. Die überwiegend jungen Leute sind „total aus dem Häuschen“ und fahren laut hupend vom Parkplatz. Der Sieg sei den Russen gegönnt!!!
Mit Marina haben wir Kontakt aufgenommen. Sie wird uns morgen Vormittag zum Arzt begleiten.

Hier der Bericht von Gudrun vom Ausflug auf der Insel Olchon:
Wir erleben eine abenteuerliche Fahrt zum Norden der Insel (Kap Choboi), die mit dem UAZ von Chuschir durch den Nationalpark durch tiefe Rillen, Furchen und Löcher – eine richtige off-road Piste - führt. Wir werden durchgeschüttelt und sind froh, angeschnallt zu sein. An mehreren Aussichtspunkten machen wir kleine Pausen zum Fotografieren. Leider ist es bis zum Mittag sehr diesig, so dass die Felsenformationen nicht klar zu sehen sind. Gegen etwa 13 Uhr halten wir an. Unser netter Fahrer bereitet die Fischsuppe vor. Wir erkunden die Gegend. Überall duftet es nach würzigem Thymian und wir entdecken sogar Edelweiß. Keiner geht zum Kap. Es ist zu weit in der Mittagshitze.
Nach einem guten Mahl bestehend aus Fischsuppe, Käsebrot, Tomaten, Tee und Gebäck treten wir die Rückreise an. Erschöpft von der Tour, aber mit vielen schönen Eindrücken erreichen wir die Wohnmobile.



   |   Tages KM: 302   |   GPS Nord: 52°16'57   |   GPS Ost: 104°16'25

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Montag, 2.7. Irkutsk

Marina wird von Vladimir mit dem PKW gebracht. Zu Fuß geht es weiter. In der Karl-Marx-Str befindet sich das Arztzentrum für Blutuntersuchungen. Warteschlagen vor der Arztpraxis – viele Personen haben die Zecken (von denen sie am Wochenende gebissen wurden) in Behältern bei sich. Marina berichtet: Im März beginnt bereits die Zeckensaison, dann stehen hier über 100 Personen und warten auf eine Blutuntersuchung. So eine Untersuchung kostet umgerechnet 40 Euro. Für uns nicht viel, aber für die Einheimischen? Drei Untersuchungen sind bei Peter erforderlich. Das erste Ergebnis sollen wir bereits am Nachmittag erhalten, die weiteren erst am Donnerstag. So heißt es abwarten und Tee trinken. Was wir auch sogleich in der belgischen Bäckerei machen. Dort beratschlagen wir gemeinsam mit Marina wie wir die nächsten Tage bis zum Ergebnis gestalten wollen: Zahnarzttermin Peter für den Nachmittag holen, unseren Telefonanbieter Beeline aufsuchen und ein paar Einkäufe tätigen. Danach bis zum Eintreffen der Gruppe am Donnerstag ein wenig an der Angara relaxen. Doch es kommt alles anders. Aber ich berichte der Reihe nach, weil für andere Privatreisende unsere Erlebnisse sicherlich von Bedeutung sind.
Peter erhält in einer 24 Stunden Zahnarztpraxis mit über 40 Zahnärzten (so etwas kennen wir aus Deutschland nicht) für den Nachmittag den gewünschten Termin. Beeline wird mit Marina aufgesucht. Warum ist unser Guthaben von 700 Rubel innerhalb von 7 Tagen verbraucht? Wir haben, Dank Internet vom Hotel, Beeline so gut wie gar nicht benutzt. Der Angestellte kann die Benutzung verfolgen und stellt fest, dass wir eine Werbung bestätigt haben (mangels Sprachkenntnisse) und diese uns 430 Rubel gekostet hat. Wir lassen Werbungen sperren und laden nochmals ein Guthaben bis zum 15.7. auf, in der Mongolei wird die Sim-Card aus Russland nicht funktionieren.
Marina und ich gehen in einem Kaufhaus shoppen und schlagen zu: Sommerkleid und Bluse. Marina weiß zu berichten warum die Läden so gut wie ohne Kunden sind: für die normale Bevölkerung einfach zu teuer. Peter hat Dank Guthaben auf dem Handy anderweitig eine Beschäftigung. Danach verabschieden wir uns von Marina. Sie wird uns am Nachmittag die Blutergebnisse telefonisch mitteilen.
Am Mobil verbleibt nur wenig Zeit, kurz vor 3 Uhr marschiert Peter zum Zahnarzt. Ich benutze die Waschmaschine vom Hotel und hole für Peter einen Friseurtermin. Noch schwitze ich bei den hochsommerlichen Temperaturen. Kaum hängt die Wäsche auf dem Trockenständer, entladen sich die dunklen Gewitterwolken mit Hagel und es schüttet wie aus Eimern. Kein Wunder, dass Peter nicht erscheint – sicherlich hat er sich untergestellt.
Was ich nicht weiß: Noch in der Zahnarztpraxis hat Marina Peter angerufen. Das erste Blutergebnis ist negativ, es muss sofort eine weitere Behandlung im Krankenhaus veranlasst werden. Empfehlung des Ärzteteams 2 Wochen Aufenthalt im Krankenhaus. Das Krankenhaus liegt am anderen Ende der Stadt. Vladimir wird uns alle hinfahren. Im Mobil beratschlagen wir was zu tun ist. Durch den starken Gewitterregen mit Straßenüberschwemmungen und Berufsverkehr wird es noch einige Zeit dauern, bis Vladimir am Mobil ist. 2 Wochen Krankenhaus für Untersuchungen unmöglich und kann die Behandlung mit Medikamenten in unserem Zuhause (sprich Mobil) durchgeführt werden? Wie auch bei uns in Deutschland ist man auf das „Gutwill“ der Ärzte angewiesen. Schon bald sitzen wir alle bei Vladimir im Auto und suchen trotz Navi das Krankenhaus. Keine Ausschilderung, kein Eingang zu finden. Nein, dieses Gebäude kann doch unmöglich das Krankenhaus sein, es sieht eher wie eine Abbruchfabrik aus! Und wo ist der Eingang für die Patienten? Marina und Peter verschwinden mit den Unterlagen im Krankenhaus. Ich muss wegen der hygienischen Bestimmungen draußen bleiben bei Vladimir. Im Auto reden wir mal russisch, dann wieder deutsch – irgendwie klappt die Verständigung. Dann erscheinen Marina und Peter und berichten haarsträubende Geschichten auf dem Weg zu einer Apotheke. Es ist kurz vor 20 Uhr, in 10 Minuten schließen die Apotheken. Marina hat mit viel Redegeschick bei der Ärztin erreicht, dass Peter mit Medikamenten außerhalb vom Krankenhaus versorgt werden kann. Gott seid Dank! Er würde wohl eher kränker in 2 Wochen dieses Krankenhaus verlassen. Peter hat Fotos mit dem Handy gemacht. Wir können uns nicht vorstellen, wie kranke Menschen in so einem Krankenhaus gesund werden. Wir schlagen vor, die Kuppeln der Kirchen nicht mehr zu vergolden, sondern das Geld in die Ausstattung der Krankenhäuser zu stecken!
Medikamente waren alle vorrätig und Marina erklärt im Auto die Einnahme. Eine Spritze muss sofort im Mobil verabreicht werden. Ich? Ich habe noch nie Jemandem eine Spritze gegeben!
Auf dem Parkplatz stehen inzwischen die Mobile von Kiki und Noro, sie wollen uns hilfreich zur Seite stehen. Auch HK und Biomo sind bereits auf dem Rückweg nach Irkutsk. Es ist bereits 21 Uhr, wir sind hundemüde und hungrig. Nach dem Essen bereiten wir die Spritze vor. Mit viel Herzklopfen steche ich die Spritze Peter in den Po und drücke ab. Kommentar von Peter: Es hat gar nicht wehgetan!
Danke, danke liebe Marina – was hätten wir ohne dich getan!!! Hier für alle die Irkutsk besuchen wollen und eine versierte und kompetente Reiseleitung benötigen, die Kontaktadresse von Marina: m.leo2012@mail.ru Marina kann auch Reisen aus Deutschland nach Irkutsk und Baikal organisieren. Ich möchte sehr gerne einmal im Winter hierher reisen – mit dem Flugzeug.
Abends mit Noro und Kiki Fußballübertragung im Hotel bei Bier und entspannten Gesprächen.

Resümee des heutigen Tages: Wir könnten so viel zu den Einrichtungen der Arztpraxen und im Krankenhaus berichten, aber es würde den Rahmen sprengen. Doch für alle die, die in Deutschland über die Krankenhäuser und das Essen dort meckern: Kommt doch mal für 3 Tage in ein Krankenhaus in Russland! Was können die Russen dafür, dass sie hier und nicht in Deutschland geboren wurden! Danke, für mein Heimatland Deutschland!!!



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Dienstag, 3.7. Irkutsk

Fast den ganzen Vormittag benötigen für den aktuellen Reisebericht. Peter holt den Friseurtermin nach. Den Tag gestalten alle der Gruppe nach Lust und Laune.
Beim Fußballspiel am Sonntag kamen wir mit Grigory ins Gespräch, er spricht perfekt Englisch. Nach dem üblichen vorher und wohin erzählen wir ihm von Peters Gesundheitsproblem. Er ist sofort bereit uns zu helfen bei den Arztbesuchen. Das finden wir sehr nett und erklären ihm, dass Marina bereits morgen für uns Zeit hat – und sie spricht deutsch. Grigory wohnt gleich neben dem Hotel.
Am Dienstag besucht er uns mit seinem kleinen Sohn am Mobil. Wir berichten über die schlechten Bedingungen im Krankenhaus und fragen nach privaten Einrichtungen, denn dafür haben wir doch unsere Auslandskrankenversicherung. Er will sich erkundigen und uns morgen Bescheid geben.


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Mittwoch, 4.7. Irkutsk

Ruhetag. Am Nachmittag treffen Bimo und HK ein. Die Hitze des Tages 33°C macht uns allen zu schaffen.
Grigory erscheint. Er hat für uns einen Arzt ausfindig gemacht, der private Patienten berät. Morgen um 16 Uhr sollen wir dort vorstellig werden. Wir hoffen, dass Marina dann Zeit hat um uns zu begleiten. Um 15 Uhr erwarten wir weitere Ergebnisse der Blutuntersuchung.
Gegen Abend kühlt es ab und wir sitzen noch lange vor den Mobilen. Es gibt viel zu erzählen. Bimo und HK waren 3 Tage gemeinsam unterwegs.
Wetterbericht für Morgen: Regen zu 75% und die Temperaturen sollen auf 15°C herabsinken.

Heute Informationen zu Bimo, Christiane und Werner.
Christiane wurde 1954 in Rheinsheim/Baden geboren. Nach der Ausbildung war sie in einer Bank beschäftigt. Werner wurde 1950 in Germersheim geboren. Nach dem Studium arbeitete er als Fahrlehrer. Beide leben seit 40 Jahren zusammen in Berlin. Von 2014 bis 2016 haben sie Südamerika bereist. Als einzige der Gruppe fahren sie ein Allradfahrzeug.
Ihr Motto: Niemand kommt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist. (Graham Geene)


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Donnerstag, 5.7. Irkutsk

So ein Ärger: Beeline funktioniert schon wieder nicht, Guthaben 0 Rubel. Über das Wifi im Hotel kommen wir ins Internet. Was soll werden, wenn wir Irkutsk verlassen?
Marina bitten wir per E-mail uns heute Nachmittag 16 Uhr zum Arztbesuch in der Uniklinik zu begleiten. Den Vormittag nutzen wir für Internetarbeiten. Bezahlen dann beim Hotel unsere Parkplatzübernachtungen. Die kommende Nacht wollen wir beim Eisenbahnmuseum (gratis) stehen.
Weil wir bis zum Nachmittag noch viel Zeit haben, nutzen wir diese für einen ausgiebigen Einkaufsbummel im Komsomoll. Regen –Regen – Regen, die meisten von uns halten am Nachmittag einen Schönheitsschlaf. Um 18 Uhr wollen wir uns alle im Bier-Haus zum Abendessen treffen.
Peter und ich machen uns zu Fuß zur Klinik auf. Doch wo ist der Eingang zur Klinik? Iryna sei Dank, kann ich inzwischen die Kyrillischen Buchstaben, und so entziffere ich an der Außenwand den Namen der Klinik. Wir sind richtig, doch wo bleibt Marina? Die Angestellte in der Anmeldung spricht etwas englisch und so kann ich im vorab schon einige Fragen klären, während Peter draußen im Regen auf Marina wartet. Wir haben nur 10 Minuten, von 16.00 bis 16.10 Uhr für das Arztgespräch Zeit – dann hat der Professor Dienstschluss. Pünktlich auf die Minute, der Arzt schaut schon aus seinem Zimmer, kommt Peter mit der total abgehetzten Marina. Die Zeckengeschichte wird dem Arzt vorgetragen. Das Gespräch wird doch länger als die angesetzten 10 Minuten, weil wir auch noch einiges privates berichten. Das 2. Ergebnis der Blutuntersuchung liegt auch vor. Es wurde keine Zecken-Enzephalitis nachgewiesen. Die Impfung in Deutschland gegen FSME war eine gute Entscheidung. Die Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden. Das ist auch die Meinung vom Uniarzt Dr. Sergej Malov. Spassiba, da fällt uns ein Stein vom Herzen, denn nun können wir unbesorgt unsere Reise fortsetzten.
Wohlgelaunt spazieren wir mit Marina ins nächste Café. Verzehren leckere frischgebackene Waffeln zum Kaffee. Pünktlich erscheinen wir im Bier-Haus – doch wo ist die Gruppe und Vladimir? Die Kellnerinnen bedienen im feschen Dirndl und bald stehen die ersten vollen Bierkrüge vor uns. Nach und nach treffen alle ein, auch Vladimir. Es wird es lustiger Abend, Marina weiß die Gruppe spaßig zu unterhalten. Die Speisekarte ist umfangreich und alles schmeckt sehr lecker.


Freitag, 6.7. Irkutsk - Arshan

Von Gregory haben wir erfahren, dass dieses Wochenende in Irkutsk ein Burjatien-Festival stattfindet. Heute im Theater in Irkutsk von 10 bis 16 Uhr, ein Tag in Burjatien. Für die Veranstaltung benötigen wir keine Karten – der Eintritt ist frei. Fast alle der Gruppe haben sich für den Besuch um 10 Uhr auf den Weg gemacht. Schon im Park sehen wir Burjaten in ihren farbenprächtigen Kleidern.
Gespannt verfolgen wir in unseren Logen die Veranstaltung. Nach der Begrüßungsansprache geht es los mit dem Programm. Viele kleine Aufführungen mit jungen und alten Teilnehmern, Gesang, Tänzen und Musik. Wunderbar vorgetragen – trotz fehlender Sprachkenntnisse können wir uns die Aufführungen „zusammenreimen“. Nach 1 ½ Stunden verlassen diese interessante Vorführung. Am Ausgang begegnen wir Gregory und können uns gleich bei ihm persönlich für diesen guten Tipp bedanken.
Wir müssen noch unseren Telefonvertrag ändern. Im Moment können wir weder telefonieren noch eine E-Mail schreiben. Man kann uns nur anrufen. Mal schauen, ob es klappt!
Weiterfahrt um 13 Uhr. Das Wetter ist bewölkt, aber trocken. Auf unserem Weg nach Ulan-Ude machen wir einen Abstecher in das Tunka-Tal. Die M 55 ist überwiegend gut zu gefahren. Wir kommen durch Wälder und bis auf 1036 m. Bei Kultuk geht es in Serpentinen abwärts und schon bald sehen wir den Baikalsee. Unten stehen Verkaufsstände. Hier werden die im Baikal gefangenen Fische frisch geräuchert und gesalzen verkauft. Auch wir können nicht widerstehen und kaufen Fisch.
Die A 164 führt in den Tunka Nationalpark und Eintritt von 200 R wird fällig. Wir durchfahren ein großes, grünes Tal, begrenzt von bis zu 3.000 m hohen Bergen. Heute sind die Gipfel in Wolken gehüllt. Sie erinnern uns an die Alpen und die Gegend wird auch das Davos Russlands genannt. Wir kommen durch kleine Dörfer mit Holzhäuschen, sehen eingezäunte Weiden, die Kühe laufen überwiegend frei herum. Ein weiter Abzweig führt nach Arshan. Diesen Ort werden wir uns morgen ansehen.
Unser heutiger Stellplatz befindet sich am Fluss Irkut in idealer Lage. Wir genießen die warmen Strahlen der Abendsonne. Später flackert ein Lagerfeuer, an dem wir uns wärmen. Als die vorbeifahrenden Autos uns beim Überqueren der Brücke entdecken, grüßen sie uns fröhlich hupend. Was für ein wunderschöner Platz, hier könnte man noch einen weiteren Tag verweilen!


   |   Tages KM: 194   |   GPS Nord: 51°43'07   |   GPS Ost: 102°35'09

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Samstag, 7.7. Arshan - Bistraya

Gestern haben uns junge Mädchen am Platz besucht und uns gebeten, den Stellplatz heute Nachmittag zu räumen. Es soll hier eine Trauung im Freien stattfinden.
Bereits um 8 Uhr bringen Fahrzeuge Holzbalken für ein Zelt, einen Tisch und andere Dekorationen. Wir haben ohnehin vor, einen Tagesausflug in das 35 km entfernte Arshan zu unternehmen.
Die Bevölkerung des Tals bestand bis ins 17.Jh. nur aus Burjaten und die Religion war schamanisch. Nach der Missionierung durch die Russen nahm der Buddhistische Glauben zu. An den Gebetsstätten befinden sich Bäume, die mit bunten Bändern über und über behangen sind, meistens in der Nähe vom Wasser. Besonders viele befinden sich am Flüsschen Kyngara. Die Besucher schöpfen Wasser in mitgebrachte Gefäße. Ein beliebter Spazierweg führt zum Wasserfall. Ein Großteil unserer Gruppe unternimmt diese Wanderung. Peter und ich laufen zu dem 2 km entfernten kleinen Kloster. Später versuchen wir mit Larissa Kontakt aufzunehmen und die geplanten Ausflüge in Ulan-Ude abzustimmen. Nur in Arshan verfügt man über ein gutes Netz, die Seitentäler sind ohne Empfang. Reinhard und Ingrid schreiben von einem sehr schönen Stellplatz am Baikalsee – etwa 330 km von hier entfernt. Morgen Abend werden wir bei euch sein, schreiben wir zurück.
Wir kommen an einer Stupa vorbei. Eine Stupa ist ein Denkmal, das symbolisch für Buddha steht. Außen und an den Seiten sind Gebetsmühlen angebracht.
Am Nachmittag heftige Regenfälle. Auch unser gestriger Platz am Fluss ist davon betroffen. Auf der Wiese können wir nicht stehen und auf dem Weg ist nicht genügend Platz für alle.
So beschließen wir weiterzufahren. Unweit des Ortes Bystraya finden wir etwas Geeignetes mit festem Untergrund. Hoffentlich lässt der Lärm vom Straßenverkehr in den späten Abendstunden nach.

...


   |   Tages KM: 150   |   GPS Nord: 51°43'56"   |   GPS Ost: 103°27'53"

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Sonntag, 8.7. Bistraya - Posolskoe

Der Verkehrslärm hielt sich in Grenzen. Wir werden aber nachts von unserem Rauchmelder durch einen Dauerpiepton geweckt. Was ist nun los?
Um 9 Uhr sind wir alle abfahrbereit. 250 km sind es bis zu Reinhard und Ingrid (Bummi). Sie erwarten uns beim Kloster Podolskoe.
Mittags erreichen wir den Naturlehrpfad in Tanhoj. Am Straßenrand haben wir alle Erdbeeren gekauft. Daraus zaubern wir in Gemeinschaftsarbeit eine Torte für Brummi.
Dann spazieren wir 2 Stunden den Naturlehrpfad. An einigen Stellen weisen Schilder auf Wissenswertes über Fauna und Flora. Wir haben Glück mit dem Wetter, die Regenwolken verziehen sich. Alles in allem ein sehr interessanter Spaziergang und dazu noch völlig gratis.
Nur noch 100 km, davon viel schlechte Wegstrecke und wir kommen nur langsam voran. Vor dem eigentlichen Ziel noch einige Kilometer Landstraße. Dann sehen wir das Kloster und gleich dahinter sich eine Dünenlandschaft. Auf dem Baikal tragen die Wellen weiße Schaumkronen. Möwen gleiten lautlos über uns hinweg. Brummi und Kiki stehen mit der „Schnautze“ zum Wind. Auch für uns ist bald ein geeignetes Plätzchen gefunden. Der starke Wind rüttelt uns mächtig durch. Leider wird es nichts mit Kaffeetrinken in Freien. Jeweils 6 Personen hocken in einem Mobil um dort den leckeren Erdbeerkuchen zu verspeisen.
Abends machen Ingrid und Reinhard „Antrittsbesuche“ in den einzelnen Mobilen. Beide sind vom „Fernen Osten Russland“ total begeistert. Als einzige der Gruppe haben sie Wladiwostok erreicht. Überall wurden sie von der Bevölkerung herzlich begrüßt.


   |   Tages KM: 258   |   GPS Nord: 52°00'49   |   GPS Ost: 106°10'23

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Montag, 9.7. Posolskoe - Ulan Ude

Was für ein tolles Plätzchen befindet sich hier! Ich unternehme einen langen Strandspaziergang, sammle angeschwemmtes Treibholz, flache Steine und Federn für eine Collage. Schaue hin und wieder über den Baikal, das andere Ufer ist nicht zu erkennen. Auf dem Rückweg habe ich den Wind von vorn. Herrlich, ich fühle mich wie an der Ostsee!
Vor dem Kloster befindet sich eine Wasserpumpe. Dahinter parken zwei polnische Reisemobile. Wir kommen mit Andrej ins Gespräch. Zu zweit haben sie die Südroute durch den mongolischen Altai gewagt. Über 500 Kilometer keine befestigten Straßen. Dafür haben sie eine Woche benötigt. Andrej zeigt Bilder der Straßenzustände auf seinem Handy. Wir wollen die Strecke aus der entgegengesetzten Richtung fahren. Sollen wir es wagen? Peter meint ja, eine kleine Herausforderung!
Gegen Mittag Weiterreise nach Ulan-Ude. Wir parken seitlich am Freilichtmuseum. In Windeseile sortieren wir unsere Stauräume, die vielen Mitbringsel für Larissa und Sarana. Dann machen wir uns mit Jann-Habbo auf den Weg. Er und Peter tragen die Gegenstände zu den Beiden in den 4. Stock.
Freudige Begrüßung. Sarana war von Mitte April bis zum 1. Juli bei uns in Glinde. Sie hat bei unseren Nachbarn gewohnt und das Gymnasium in Glinde besucht.
Wir sprechen gemeinsam das Programm für die nächsten 3 Tage ab.
Morgen Vormittag wollen wir das Kloster Iwolginsk besichtigen und am Nachmittag die Altgläubigen in Nadaeino besuchen.



   |   Tages KM: 185   |   GPS Nord: 51°53'03   |   GPS Ost: 107°39'00

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Dienstag, 10.7. Ulan Ude - Ausflug Kloster Ivolginsk und Altgläubige

Heute lernen unsere Freunde Larissa kennen, unsere Reisebegleiterin für die nächsten drei Tage. Wir holen sie und Sarana beim Denkmal „Mutter Burjatien“ ab. Das Buddhistische Koster Iwolginsk liegt 40 km von Ulan Ude entfernt.
Eine Gruppe von Lamas hat dieses Kloster 1945 gegründet. Das kleine Kloster wuchs schnell, heute stehen auf dem Gelände mehrere Tempel. Der Haupttempel ist der „Grünen Tara“ geweiht. Es gibt eine buddhistische Universität und etwa 200 Studenten studieren hier die Lehre Buddhas. 8 Jahre dauert das Studium, dann erhält man den Titel Lama. Sie dürfen auch heiraten und sind später so etwas wie „die Mutter“ vom Kloster. Burjaten sind eng mit dieser Religion verwachsen und holen sich oft den Rat bei Mönchen oder dem Lama. Larissa erklärt uns wie wir uns in so einem Kloster verhalten müssen, denn sie ist praktizierende Buddhistin.
Gebetsmühlen nur im Uhrzeigersinn drehen 1-3-5-7-21 oder 108mal. In den Mühlen befinden sich viele tausend auf Zetteln geschriebene Gebete. Diese werden beim Drehen der Mühlen auf den „Weg“ gebracht. Je öfter diese Mühlen betätigt werden, je mehr Gebete werden verbreitet – so erklärt Larissa. Auch sollte man beim Verlassen des Klosters sich rückwärts bewegen, dem Buddha-Altar das Gesicht zusenden. Die Göttin „Grüne Tara“ ist die Beschützerin der Familie.
Immer wieder setzten uns andere Religionen in Erstaunen, vermitteln doch auch sie die Glaubensgrundsätze unserer Religion. Buddhas wichtigstes Gebet: Es leben friedlich und gesund alle Lebewesen.
Im Buddhismus gibt es zwei wichtige Regeln: Regel 1) direkten Schaden vermeiden, etwas nicht mit Absicht tun. Regel 2) mit allen Lebewesen Mitleid haben.
Das Kloster ist auch ein Wallfahrtort. Seit 2002 befindet sich der Körper des Lama „Daschi Dorscho Etigelow“ hier. 1927 gestorben und im Lotossitz beerdigt zeigt der berühmte Gelehrte keine Spuren der Verwesung. Die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel. Zu seinen Ehren wurde der Tempel gebaut und nur an einigen Tagen im Jahr ist er geöffnet. Früher durfte man seine Hände berühren, heute nur seinen Körper hinter Glas anschauen. Seit gut 3 ½ Jahren dürfen Mongolen ohne Visum nach Russland einreisen und besuchen den für sie wichtigen Tempel, sie können ihn jederzeit betreten. Schön anschauen sind die Mongolen, da sie in ihren landestypischen Gewändern das Tempelgelände betreten.
In einem gesonderten Gebäude schauen wir uns ein von Mönchen angefertigtes Mandala an. Das ist ein farbiges Sandgebilde und verheißt Glück. Dieses Mandala ist schon länger ausgestellt. Normalerweise wird nach einer Woche der Sand in kleine Säckchen abgefüllt und Gläubigen mit nach Hause gegeben. Den Rest streut man in den Fluß. Bedeutung: Das Leben ist vergänglich.
Zum Schluss noch die 8 Regeln Buddhas: rechte Rede, rechte Ansicht, rechter Entschluss, rechtes Verhalten, rechter Lebensunterhalt, rechte Achtsamkeit, rechte Anstrengung und rechte Meditation.
Larissa meint, wenn man nur 2 Regeln davon täglich beherzigt, dann ist man auf dem „richtigen Weg“.
Ohne größere Pausen starten wir unserem Ausflug zu den „Altgläubigen“ in Tarbagatai. Unsere Straße führt an dem Fluss Selenga entlang nach Süden. Die M 55 ist die längste Straße Russlands und führt fast 11.000 km von Moskau nach Wladiwostok. Sie wurde auch Straße der Tränen genannt. Hierher sind die Personen oft nicht freiwillig gefahren, sie fahren in die Verbannung.
Unterwegs stoppen wir beim Löwenberg, oder auch Omulberg genannt. Oben am Schamanenfelsen haben wir einen herrlichen Weitblick, im Tal fließt die Selenga. Hierher kommt im November der Omul zum Laichen.
Ab Tarbagatai, dem ersten Dorf der Altgläubigen, sind es noch knapp 30 km bis Nadeino.
Die Altgläubigen sind eine russische Bevölkerungsgruppe, die sich im 17. Jh. von der Mehrheit der russ. Bevölkerung absonderte, weil sie nicht bereit war die Reformation des orthodoxen Glaubens (1652) anzunehmen. Sie wanderten ab nach Polen und Weißrussland. Zarin Katharina II zwang sie sich in den weiten, damals noch unerschlossenen Gebieten Südsibiriens niederzulassen. Ihre Häuser haben farbige Fassaden und reich verzierte Hoftore, hinter denen sich oft mehrere Gebäude befinden.
Wir kommen an riesigen bestellten Ackerflächen vorbei, sehen Wälder und viel Grün. Dann ist das kleine Dorf Nadeino erreicht.
An der Hoftür werden von Doucia und Tochter Lena begrüßt, sie reichen uns Brot und Salz – so will es die Tradition. Wir nehmen etwas Brot, streuen Salz darauf und sagen unsere Namen. Peter und mich hat Doucia wiedererkannt, wir waren bereits vor 2 Jahren in diesem gastlichen Haus. Dann bittet sie uns in den Hof. Um den Innenhof grenzen das über 300 Jahre alte Wohnhaus (Holzblockhaus), ein neueres Holzwohnhaus, der Stall, die Banja und es gibt ein Plumpsklo. Alles wird von Doucia, ihren zwei Töchtern und deren Ehemännern und Kindern bewohnt. Nach dem obligatorischen Händewaschen bittet man uns ins Sommerwohnzimmer. Dieses Zimmer ist nicht zu beheizen und wird nur im Sommer benutzt. An den Seitenwänden stehen Betten, Schrank und Kommode aufgereiht, in der Mitte ein großer Tisch mit Bänken Drumherum. Auf dem Tisch befinden sich etliche Speisen, frisch zubereitet was Keller und Garten zu bieten haben: Zwiebellauch, grüner Salat, Gurken, eingelegte Tomaten, Paprika mit Kartoffeln, selbstgebackenes Brot, Pilzpastete und warmer Milchreis. Die Töchter bringen weißen Käse (eine Art Mozzarella), Rauchfleisch, und Salzkartoffeln. Doucia reicht uns die gefüllten Suppenteller, mein Appetit ist groß. Zu allem darf das obligatorische Gläschen Wodka nicht fehlen. 1. Trinkspruch auf die Gesundheit. Larissa zeigt wie man es richtig macht. Linken Ringfinger kurz in den Wodka tauchen, dann mit der Flüssigkeit den Tisch berühren (für das Essen danken), etwas nach vorn, zu den Seiten und nach hinten schnippen und dann das erste Glas trinken. Achtung: es wird immer wieder nachgeschenkt. Wir greifen zu und lassen es uns schmecken. Es folgen weitere Trinksprüche: 2. Auf die Einladung 3. Auf die Liebe 4. Auf die Freundschaft 5. Auf das gute Essen 6. Auf das Reise. – dazu immer ein Glas Wodka trinken. In den nur 3 Sommermonaten gibt es so viel Arbeit die verrichtet werden muss: Pilze und Beeren sammeln, Gemüse ernten und einwecken, Kartoffeln, Getreide und Heu fürs Vieh ernten und Holz für den Winter machen. Für den langen Winter benötigt diese Familie 37 m³.Gefeiert wird ab Mitte Oktober, besonders die Hochzeiten.
Doucia erklärt die Hochzeitsrituale. Wenn ein Mädchen 17 Jahre alt ist, dann ist sie im richtigen Alter um zu heiraten. Über 25 Jahre galt sie früher als „nicht mehr zu verheiraten“ und musste ihr Leben lang bei den Geschwistern arbeiten und leben. Ähnlich verhält es sich bei den jungen Männern. Oft wurden die Ehen arrangiert. Dazu besuchten die Familie des jungen Mannes die des jungen Mädchens. Die Eltern beider Seiten rühmten die Vorzüge ihrer Sprösslinge. Aussteuer - ein Mädchen musste bis zu ihrer Hochzeit außer der Tisch- und Bettwäsche 12 Kleider genäht haben, für jedes religiöse Fest im Jahr eins. Besitz und Tugenden standen im Vordergrund. War man sich einig, wurden erst dann die „jungen Leute“ gefragt. Meistens stimmten diese zu. Denn was ihre Eltern wollten, konnte nur gut sein!
Wir feiern eine Hochzeit, Gudrun ist die Braut und Reinhard der Bräutigam. Vor unseren Augen kleidet man Gudrun an. Zuerst das Unterkleid mit der Bluse, dann folgt der Sarafin (mindestens 6 m Stoff) mit drei breiten farbigen Streifen (Erde, Himmel und Wasser), darüber eine Art Schürze – alles gehalten von einem gewebten breiten Gürtel, der unterhalb der Brust gebunden wurde. Als Kopfbedeckung ein aufwendig gestricktes weißes Tuch. Der Bräutigam trägt als Oberteil einen Kasak mit Gürtel über einer weiten Hose, die in kniehohen Filzstiefeln steckt. Als Kopfbedeckung trägt er eine Schirmmütze.
Eine Hochzeit wurde 3 Tage gefeiert, im Haus der Braut, des Bräutigams und zusammen. Die jungen Frauen ziehen immer in das Haus der Schwiegereltern. Gibt es mehrere Söhne, erbt der jüngste Sohn den Hof. Natürlich gehört Musik immer dazu.
Bei uns spielt ein Mann auf seiner Ziehharmonika, Doucia und eine junge Frau singen dazu. Dieser dreistimmige Gesang hört sich außerordentlich gut an. Gudrun und Reinhard schwingen das Tanzbein. Wir sind alle dank Wodka in Stimmung, klatschen und stampfen im Takt dazu. Es folgt noch eine „Schulung“ des jungen Brautpaares. Damit sich dieses gegenseitig und auch den Schwiegereltern Achtung erweist, gibt es kleine „Schläge“ mit einem Stock auf das Hinterteil des jungen Brautpaares. Doucia erklärt: Altgläubige schlagen nur bei der „Schulung“, niemals während der Ehe ihre Partner. Mit etlichen Gesängen wird das Fest beendet.
Wir verabschieden uns mit herzlichen Umarmungen von Doucia.
Es ist bereits dunkel, als wir an unserem Stellplatz beim Freilichtmuseum eintreffen, wir sind rechtschaffen müde. Danke Larissa für den so informativen und erlebnisreichen Tag!






   |   Tages KM: 180

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Mittwoch, 11.7. Ulan Ude - Ausflug Stadtrundgang und Burjatendorf

Larissa zeigt uns ihre Stadt. Wir beginnen am Platz der Räte. Hier steht eines der größten Lenin-Denkmäler der Welt – ein riesiger Bronze-Kopf. Schon bald erreichen wir das prächtige Opernhaus. In der Opern und Ballette mit burjatisch-folkloristischen Elementen aufgeführt werden. Eine Skulptur aus Bronze davor – Tänzer anmutig dargestellt. Die Ballerina Larissa hat 42 Jahre aktiv an der Oper getanzt. Hinter der Oper befindet sich seit 2006 eine Nachbildung des Triumphbogens, der Ende des 19. Jh. die heutige Leninstr. schmückte. Danach laufen wir die Straße bergab, seitlich gesäumt von Kaufmannsvillen aus dem 19. Jh. – reiche Kaufleute und Unternehmer bauten sich prächtige Villen. Das Geld verdienten sie aus dem Handel der „Teestrasse“, die von hier bis nach China und weiter führte. Schon bald befinden wir uns in der Fußgängerzone. Mit gepflegten Anlagen und Blumenbeeten eine Augenweide. Am Ende befindet sich die älteste Kirche der Altstadt. Benannt ist sie nach der Ikone der Gottesmutter von Odigitrija, der Beschützerin der Reisenden. Ich zünde eine Kerze für den weiteren guten Verlauf unserer Reise an. Ob das hilft?
Unser Stadtrundgang im Regen ist hier beendet. Mit dem Bus geht es zur Oper zurück, dort parken unsere Mobile. Dabei hat Ulan Ude die meisten Sonnenstunden in Russland. An 310 Tagen im Jahr scheint hier die Sonne 2.700 Stunden.
Wir fahren weiter in das Burjarten-Dorf Arbizhil. Gelja empfängt uns in ihrem Burjaten Gewand vor der Hoftür. Über beide Hände hat sie einen blauen Schal ausgebreitet, als Willkommensgruß. In der rechten Hand hält sie eine Schale mit Milch. Es ist Brauch, dass der älteste Mann der Besucher einen Schluck davon trinkt. Bedeutung: Man kommt in friedlicher Absicht.
Gelja führt uns in den Hof. Im Kreis aufgereiht stehen: eine Filzjurte, Holzjurte, einfaches Holzhaus, überdachter Holz Pavillon, Holzgestell einer Filzjurte, Plumpsklo mit Waschmöglichkeit.
Sie bittet uns die Hände zu waschen und bittet uns in der Filzjurte Platz zu nehmen. Sie erklärt uns die Aufteilung einer Jurte. Die Tür befindet sich immer gen Süden, den kalten Nordwinden abgewandt. Der Tür gegenüber steht der kleine Hausaltar. Links der Männerbereich mit den Werkzeugen, rechts der Frauenbereich mit Kisten für Bekleidung, Schränken für Geschirr und Zubereitung der Speisen. In der Mitte der Jurte ist eine offene Feuerstelle. Der Rauch kann durch das geöffnete Dach entweichen. Die Seitenwände bestehen aus einem Scherengitter, 5 bis 8 werden mit dünnen Lederriemen miteinander verbunden. Außen spannt man Filz, von innen Stoff. Dieser Innenstoff ist blau und symbolisiert den Himmel. 108 Streben werden in das „Sonnenrad“ oben im Dach gesteckt und mit dem Scherengitter verbunden. Auch als Dachbespannung dient Filz. So eine Jurte kann von 4 Personen – in jeder Himmelsrichtung eine – in einer Stunde aufgestellt werden.
Wir können draußen an einem Jurtenmodell praktische Übungen durchführen. Im Pavillon veranstaltet Gelja mit uns „Knöchelspiele“ am großen Tisch. Diese werden schon seit Generationen in den langen Winterabenden von Jung und Alt in den Jurten auf dem Fußboden gespielt – manchmal auch um Geld. Die Gewinner erhalten jeweils ein kleines Geschenk und werden zu den Meisterschaften im Februar 2019 eingeladen. Gelja ist eine Meisterin in diesem Spiel und hat schon viele Preise (Schafe) gewonnen. Wir haben alle viel Spaß.
Dann geht es in die Holzjurte, in der die Tische schon für uns gedeckt sind. Wir sitzen nicht getrennt nach Geschlechtern. Aber wir müssen das Nationalgericht, Posy, (gefüllte Teigtaschen) selbst zubereiten. Auf die Handfläche legt man eine dünne Teigscheibe, in diese wird etwas Hackfleisch gegeben und dann mit dem Zeigefinger der Teig in dünnen Falten zu einem kleinen offenen Ball geformt. Auf einem Siebeinsatz werden die Teigtaschen im kochenden Salzwasser 15 Minuten gedämpft. Es gibt auch Weltmeisterschaften im Posy-Essen, über 33 Stück konnte der Meister verdrücken, so Gelja. Außer diesem Nationalgericht bewirtet uns Geja mit frisch zubereiteten Salaten, Brot, Rahm Brei, Tee und Gebäck.
Weiterhin wird uns die Kleidung der Burjaten erklärt. Redine und Jann-Habbo stellen sich als Modelle zur Verfügung. Bei den Frauen konnte man an der Kleidung erkennen, ob ledig oder verheiratet.
Draußen können wir uns im Bogenschießen versuchen. Auch hier werden die besten Schützen zum Festival eingeladen. Gut abgeschnitten haben Ingrid, Reinhard und Jann-Habbo.
Reinhard spaßt: er will in Glinde einen Bus zu diesem Festival chartern.
Gutgelaunt verlassen wir diesen gastlichen Ort. Danke Gelja – Du hast uns die Tradition der Burjaten näher gebracht.
Bei Interesse können diese Ausflüge von Larissas organisiert werden. Sie begleitet und übersetzt.


   |   Tages KM: 82

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Donnerstag, 12.7. Ulan Ude - Ausflug Schamanendorf - Opernhaus

Heute besuchen wir das Schamanenzentrum in Ulan Ude. Wir bekommen in einer Jurte von einer Schamanin ein Ritual erklärt. Es gibt weiße, schwarze und Schmiedeschamanen. Und den höchsten Rang hat man nach 8 Stufen erreicht. Weiße Schamanen können Frauen und Männer sein, deren Väter Schamanen waren. Schwarze Schamanen, bei ihnen waren auch die Großmütter bereits Schamanen. Schmiedeschamanen nur in männlicher Linie und nur Männer werden beraten, Frauen nicht.
Unsere Schamanin ist eine weiße und sowohl schwarze Schamanin. Sie zeigt uns ihre Bekleidung, man behält sie ein Leben lang. Unsere Schamanin hat bereits die 8. Stufe erreicht. Für das Ritual zündet sie Weihrauch an, vor ihr stehen auf einem Tisch 1 Glas Milch und ein Glas Wodka. Mit „Murmelgesang“ nimmt sie Verbindung zu den „Geistern“ auf. Dabei gleiten die 108 türkisfarbenen Perlen ihrer Kette unermüdlich durch ihre Finger.
Dann bricht der Gesang ab. Sie stellt an die Anwesenden drei Fragen. Die betreffenden Personen melden sich dazu und die Antworten der Schamanin sind richtig – wir haben ihr vorher keinerlei Hinweise gegeben. Alle sind sehr erstaunt. Nach diesem Ritual erfolgen 4 Einzelgespräche, bei denen Larissa als Übersetzerin fungiert. Selbstverständlich bleiben diese Ergebnisse unter uns und werden nicht bekannt gegeben.
Es war besonders für mich eine sehr spannende Erfahrung.
Da einige unserer Gruppe in die Stadt wollen, andere einkaufen und wir zum Kloster Rinpochie Baghsha, verabreden wir uns alle um 17.30 Uhr vor der Oper. Heute gibt es ein kleines Burjatisches Folkloreprogramm für den „Zarengold“. Ein Sonderzug, der von Moskau nach Peking und zurück verkehrt und in Ulan Ude einen Besichtigungsstopp einlegt.
Wir fahren mit Larissa zum Kloster, das auf dem „kahlen Berg“ liegt. Von hier hat man einen phantastischen Blick über die Stadt. Im Tempel befindet sich ein 6 m hoher Buddha, vergoldet mit Blattgold. Um die Klosteranlage führt ein kleiner und großer Rundweg. An vielen Stellen wehen die tibetischen Gebetsfahnen im Wind.
Zurück am Freilichtmuseum treffen wir nur Kiki und Noro an. Gemeinsam besuchen wir das nahe gelegene Restaurant und werden nicht enttäuscht.
Mit Kleinbussen kommt man von hier preiswert in die Innenstadt von Ulan Ude. Vor der Oper erwarten uns bereits HK , Brummi und Bimo. Larissa begleitet uns in die Oper und erklärt uns ein Wand-Relief und die Deckenbemalung im Saal.
Das Programm beginnt pünktlich. Farbenprächtige Kostüme, Tanz und Gesang. Besonders begeistert hat uns der Kehlkopfgesang eines sehr bekannten Burjaten. Larissa erklärt, dass er Konzerte „in aller Herren Länder“ gibt.
Danach wird es Zeit von Larissa und Sarana Abschied zu nehmen. Danke, liebe Larissa, für die so interessanten Informationen, die Ausflüge, die kleinen spaßigen Witze und besonders Deine warmherzige Art - Du hast uns Dein Burjatien „stimmig“ gemacht. Hier die Kontaktadresse von Larissa: larsag@mail.ru


   |   Tages KM: 41

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Freitag, 13.7. Ulan Ude - Grenze Mongolei

Heute, am Freitag dem 13., ein gutes Omen über die Grenze zu fahren? Ein vorerst letzter Einkauf in
Russland und weiter geht’s. Der erste Streckenabschnitt ist neu und gut zu befahren, dann eine 10km lange Baustelle. Die Landschaft ist wunderschön, weit mit Bergkuppen im Hintergrund. Bei einem Tempel (weiße Tara) gönnen wir uns eine längere Mittagspause. Hier gibt es auch eine Wasserstelle. Gegen eine geringe Bezahlung (wir mussten vorher einen Mönch vom Kloster fragen) stellen die Bauarbeiter die Pumpe an. Eine Spende im Kloster wäre angebracht. Als wir den Tempel betreten, werden just Gebete für die Anwesenden verlesen. Diese halten Gefäße mit Milch und anderen Spenden in ihren Händen. In der Mitte des Tempels haben drei Mönche damit begonnen ein Mandala aus farbigem Sand zu formen – es ist fast fertig. Wir dürfen ihnen dabei über die Schultern schauen und Fotos machen.
Es folgen noch 100 km wellige Straßenbeläge. Vor der Grenze füllen wir alle noch einmal unsere Diesel-Tanks. Als wir alle vollzählig sind, fahren wir an um 15.30 Uhr die russische Grenze. Alle Fahrzeuge werden getrennt abgefertigt. Wir sind bereits nach 45 Minuten fertig, wobei die Zollkontrolle im Innenraum sehr genau ausfällt. Der Zöllner hat sich fast alle Schranktüren öffnen lassen und sogar unter einige Gegenstände geschaut.
Alles gut und rüber an die mongolische Grenze. Zuerst müssen wir durch ein Desinfektionsbad fahren (60 Rubel). Am Zoll öffnen wir alle Stauklappen. Dann schaut ein netter Zöllner (er spricht ein wenig englisch) in einige Klappen und im Mobil muss ich nur den Kleiderschrank öffnen. Die zwei anderen Beamten waren wohl nur interessehalber mit eingestiegen. Dann in einem Gebäude Passkontrolle, vor uns stehen die Teilnehmer einer Busreise. Am nächsten Schalter stellt man fest, dass uns ein Formular fehlt. Wir müssen zu Fuß noch einmal zurück, um am ersten Häuschen die Einreiseformulare zu besorgen. Die Dame am letzten Schalter, die mit dem wichtigen Stempel, schaut auch noch einmal interessiert in unser Mobil. Nach einer letzten Passkontrolle an der Schranke will man von uns 300 Rubel für die Straßenbenutzung und möchte, dass wir eine Kasko-Versicherung für die Mongolei abschließen. Wir legen eine Bestätigung unserer deutschen Agentur vor, dass wir in der Mongolei, Kasachstan und Georgien Versicherungsschutz in Höhe von 100 Mio haben – das sollte reichen! Ein wenig Diskussionen hin und her, weil das Schriftstück in deutscher Sprache verfasst ist. Der Anstellte winkt „genervt“ ab, und schickt uns per Handzeichen fort. Es öffnet sich für uns das letzte eiserne Tor, wir sind in der Mongolei. Insgesamt 2 Stunden haben wir für die Grenzabwicklung benötigt.
Per Funk versuchen wir einige der Gruppenteilnehmer zu erreichen, doch leider befinden sich die meisten an irgendwelchen Schaltern und nicht im Mobil. Endlich, Noro meldet sich und ihm können wir die Info mit der Versicherung weitergeben.
Wir fahren die 6 Kilometer bis zum Übernachtungsplatz und erwarten die Gruppe. Ein PKW mit Einheimischen parkt neben uns. Eine ältere Dame begrüßt uns mit sain bain uu (guten Tag). Ich frage nach den Orden auf ihrem Gewand. Der Sohn spricht ein paar Worte englisch und erklärt: diese sind für die 8 Kinder, die seine Mutter geboren hat.
Nach und nach erscheinen die Mobile und berichten den bereits Anwesenden von ihren Erlebnissen. 4 Stunden insgesamt hat die Grenzabfertigung für die Gruppe gedauert. Wir sitzen draußen und prosten uns zu. Auf der Anhöhe umschmeichelt uns ein kühles Lüftchen, in der Ferne sehen wir Jurten und Pferde, eine ungewöhnliche Ruhe. Wir können es alle kaum fassen – wir haben die Mongolei erreicht!!!
Abends am Lagerfeuer mache ich ein Ritual: Jeweils 1 kleines Glas Milch und Wodka gieße ich ins Feuer. Auf dass wir uns alle vertragen und ein jeder den anderen toleriert.
Nachts: Sternenhimmel in der endlosten Weite!


   |   Tages KM: 253   |   GPS Nord: 50°16'59   |   GPS Ost: 106°27'22

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