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Russland - Mongolei - 2018

Mongolei

Samstag, 14.7. Grenze - Darka

Guten Morgen Mongolei. Die Weite der Mongolei überrascht uns aufs Neue. Wir sehen viele Jurten im Tal und an den Berghängen. Die Landschaft ist leicht gebirgig und sehr grün, auf den Weiden wachsen viele Blumen, auch Türkenbund. Pferde preschen durch die Steppe, eine Staubwolke hinter sich herziehend. In den Flüssen wird gebadet, bei den heute sommerlichen Temperaturen steht auch uns der Sinn nach Abkühlung.
Im ersten kleinen Einkaufszentrum steuern wir eine Bank an. Samstag geschlossen, aber der Bankautomat funktioniert. Für 1 Euro erhalten wir 2.800 Tugrik. Nun sind einige von uns Millionäre!
In Darkhan, der zweitgrößten Stadt der Mongolei, besorgen wir uns eine Sim-Card fürs Telefon und Internet. Peter hat den Shop Mobilcom (von 2016) gefunden und zielsicher angefahren. Mal schauen, ob es heute Abend klappt.
Obwohl wir für die Straßenbenutzung an der Grenze 300 Rubel bezahlt haben, müssen wir heute zweimal eine kleine Summe nachentrichten. Der Stellplatz in der Steppe am Fluss ist nach wenigen Kilometern gegen 14 Uhr erreicht. Es klart auf - blauer Himmel und weiße Wolken, so haben wir uns die Mongolei vorgestellt. Pferdeherden ziehen frei herum, wir sind der Natur so nah!
Sanfter Wind und Schatten vom Mobil lassen die Hitze des heutigen Tages, über 30°C, ertragen. Einmal nichts tun, lesen und in der Reiselektüre Mongolei informatives erfahren.
Gegen 21 Uhr treffen wir uns zum Lagerfeuer. Peter und ich stehen 50 m abseits von den anderen Mobilen. Gebannt schauen wir ins Lagerfeuer und lauschen den Gesprächen. Wir bemerken nicht, dass sich im Schutze der Dunkelheit ein Fremder an unser Mobil geschlichen und die Fahrertür geöffnet hat. Das Licht in der Fahrerkabine schreckt alle auf. Peter und einige Männer laufen zum Mobil. „Gott sei Dank“, der Fremde wurde durch das Licht abgeschreckt und es wurde nichts entwendet. Zum Wohnraum war die Tür verschlossen und auch von außen. Hier hätte ein Dieb „gute Beute“ gemacht.
Unsere Stimmung ist nun „im Eimer“ und wir verziehen uns bald in unser Mobil.
Was sagt uns das: „unter Schlitzaugen gibt es auch Schlitzohren“. Also: Augen auf!!!!


   |   Tages KM: 146   |   GPS Nord: 49°22'27   |   GPS Ost: 105°52'41

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Sonntag, 15.7. Darka - Ulan Bator

Ein starker Wind in den frühen Morgenstunden bringt Regenwolken. Da wir erst am frühen Nachmittag weiterfahren wollen, nutzen wir den Vormittag für PC Arbeiten. Kurz vor der Abfahrt fährt ein Unimog mit deutschem Kennzeichen vor. Sie kommen vom Kloster Amarbayasgalant – off Road. Wie viele Rentner haben sie ihren Traum vom Reisen verwirklicht und wollen nun die Welt entdecken, in diesem Jahr 6 Monate Russland und Mongolei. Die Kabine der Bundeswehr haben sie im Selbstausbau mit einem kleinen Bad und Bett „verfeinert“. Nach vielen Details folgt eine Besichtigung des Mobils.
Der Himmel ist wolkenverhangen als wir weiterfahren. Mit uns sind viele einheimische Kurzurlauber aus Ulan Baatar unterwegs. Sie haben das Naadamfest (11.7.-13.7.) und angrenzende Wochenende für einen Ausflug genutzt.
Ein breites Tal mit grünen Weiden wird durch Hügel begrenzt. Farbenprächtige Blumen in gelb, weiß, lila und rosa haben sich wie ein Teppich ausgebreitet. 200 Kilometer mit vielen großen Schlaglöchern liegen vor uns. Das soll die Straße in die Hauptstadt Ulan Baatar sein? Am Straßenrand verkauft man Airag, gegorene Stutenmilch. Sie ist bei den Einheimischen sehr beliebt. Unterwegs sehen wir viele Unfälle – die Mongolen fahren so wie sie reiten – wild! Über 80 % der Fahrzeuge sind Rechtslenker und beim Überholen sehen die Fahrer erst sehr spät den Gegenverkehr- ein guter Beifahrer ist notwendig.
Unseren heutigen Übernachtungsplatz planen wir um, da durch die letzten Regenfälle die unbefestigten Wege für uns nicht passierbar sind. Auf einem Parkplatz, nahe des Friedhofs Avid God Garden, stehen wir gut und ruhig.


   |   Tages KM: 199   |   GPS Nord: 47°45'58   |   GPS Ost: 106°37'22

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Montag, 16.7. Ulan Bator - Dschingis Khan Statue

Nicht alle haben in Friedhofnähe gut geschlafen – obwohl es sehr ruhig war.
Wieder wird Straßenmaut fällig, der Straßenbelag ist miserabel. Unser Ziel ist das Migrationsbüro in der Nähe vom Flughafen. 4 Wochen dürfen wir ohne Visum in der Mongolei bleiben. Sollten diese aber für eine Durchquerung des Altai nicht reichen, wollen wir vorsichthalber für weitere 30 Tage ein Visum beantragen.
Schon im Flur kopiert man unsere Pässe und wie bei allen Behörden müssen wir eine Nummer ziehen. Am Infoschalter werden uns die Antragsformulare (Text auch in Englisch) ausgehändigt. Nun sitzen wir alle beisammen und rätseln was in welche Spalte kommt. Wir mussten auch schriftlich unsere Verlängerung begründen. Alle schreiben wir Gudruns Text ab. Nachdem umgerechnet 44 Euro pro Person, bei der Behördenbank im gleichen Gebäude, entrichtet wurden, geben wir alle Unterlagen am Schalter zwecks Bearbeitung ab. Man will uns aufrufen, sobald die Eintragungen im Pass vorgenommen worden sind. Nach und nach Ausreisetermin ist der 11. Sept, das sollte reichen!
Eine äußere Umgehungsstraße führt uns um die Stadt. Wir wollen den Winterpalast des letzten Bogd Khan - Kaiser und religiöses Oberhaupt des Buddhismus in der Mongolei, besuchen. Der Bogd Khan ließ seinen Winterpalast 1893 an dieser Stelle errichten und verbrachte hier 20 Winter, bevor er 1924 starb. Die Residenz besteht aus 7 Haupt- und Nebengebäuden, 20 Toren in unterschiedlicher Größe, sowie kleinen Gärten. Die Bauten errichtete man überwiegend in chinesischem Stil. Die Tore und Tempel sind handwerkliche Kostbarkeiten. Der Bogd Khan galt als verschwenderisch und liebte Luxus. Im Wohnhaus werden sein Bett, seine Kleidung, Kunst- und Kultgegenstände, Skulpturen und Jagdtrophäen ausgestellt. Viele präparierte Tiere aus verschiedenen Ländern umfasste seine Sammlung – 1901 aus Hamburg geliefert.
Besonders gefallen hat mir seine Jurte – die Einrichtung und das verwendete Material sind wirklich „kaiserlich“.
Da wir die nächsten Tage einen Bekannten treffen wollen, er ist die südliche Tour Altai gefahren, suchen wir zunächst das 50 km entfernte Denkmal von Dschingis-Khan auf.
An dieser Stelle soll der berühmte Krieger einer Legende zufolge eine goldene Gerte gefunden haben. Die Statue ist 30 m hoch und aus 250 t Edelstahl gefertigt worden. Mit einem Fahrstuhl im Inneren erreicht man den Rücken des Pferdes, eine Treppe führt zu einer Aussichtsplattform. Von dort hat man eine gute Aussicht auf die hügelige, baumlose Steppenlandschaft mit den vielen Jurten. Ein Teil unserer Gruppe besteigt die Statue am späten Nachmittag, der Rest morgen Vormittag. Alle wollen wir auf dem Parkplatz übernachten.
Abends sitzen wir gesellig draußen beisammen. Um 21 Uhr, es ist bereits dunkel, kommt der Sicherheitsdienst des Geländes und bittet uns dieses zu verlassen. Nach 21 Uhr dürfen hier nur der Wachdienst und die Besucher, die in den Jurten übernachten, stehen. Reinhard fragt, ob wir auch eine Jurte zwecks Übernachtung buchen und unsere Fahrzeuge hier abstellen können. „Ja, das ist möglich und kostet 135.000 Tugrik (knapp 50 Euro)“, so die Antwort. Die Männer nehmen sogleich die Jurte in Augenschein. Außer den Betten gibt es ein Badezimmer mit Dusche und Warmwasser. Alles gut, warme Duschen, die Betten benötigen wir nicht. Reinhard bekommt den Schlüssel ausgehändigt, nachdem er die Zahlung von 135.000 Tugrik entrichtet hat.
Der Platz hat sich als sehr ruhig erwiesen.


   |   Tages KM: 90   |   GPS Nord: 47°48'22   |   GPS Ost: 107°31'49

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Dienstag, 17.7. Dschingis Khan - Tereli Nationalpark Turtle Rock

Wir fahren in den Gorkhi-Terelj Nationalpark – ein beliebtes Ausflugsziel der Städter an heißen Sommertagen. Doch heute sieht es nicht nach Hitze aus. Das erste Stück ist gut zu befahren, dann unbefestigter Sandweg bis zum Eingang in den Nationalpark. Für uns werden umgerechnet 2 € fällig. Am Flussufer des Tuul und Terelj Flusses wird campiert. Wir fahren bis die Asphaltstraße in eine Piste übergeht – Schlagloch an Schlagloch. Im Flussbereich liegen tonnenschwere, abgestürzte Granitblöcke. Ihre unterschiedlichen Ausformungen haben die Fantasie der Menschen angeregt. Wir parken bei der „Schildkröte“. Viele Jurten im Tal und an den Berghängen bieten Übernachtungsmöglichkeiten, Ferienunterkünfte. Bald erscheint Reinhard, er will weiter unten im Tal parken. Hans und Gudrun parken bei uns auf dem Hügel. Die schwarze Wolke bringt nichts Gutes, Gewitter mit Hagel und starkem Regen. Nach guten 2 stunden ist der „Spuck“ vorbei. Noro kommt. Sie berichten von den Unwettererlebnissen auf der Fahrt hierher. In einem Tal standen Jurten und Bewohner kniehoch in den Geröll- und Schlammmassen.
Bald ist die Gruppe vollzählig, auch Dietmar und Christiane aus Chemnitz. Wir bilden draußen im Sonnenschein eine große Runde, breiten die Landkarten aus. Dietmar zeigt, wo auf der Südroute die kritischen Passagen liegen. Sollen wir es wagen? Die Mobile mit Überhang werden es schwer haben, so Dietmar.



   |   Tages KM: 42   |   GPS Nord: 47°54'30   |   GPS Ost: 107°25'24

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Mittwoch, 18.7. Turtle Rock

Die Sonne lacht bereits früh morgens vom blauen Himmel. Es ist aber in dieser Höhe noch recht frisch morgens um 9 Uhr. Ein Großteil der Gruppe will um 10 Uhr zum Kloster (von hier am Berghang zu sehen) wandern. Mit und ohne Proviant kommen wir schneller voran als geplant. Unterhalb vom Kloster wird Eintritt fällig. Auf unserem weiteren Weg befinden sich auf Schildern buddhistische Weisheiten, auch in englischer Sprache. Wir erreichen einen Kreis von Gebetsmühlen, und dann nochmals 150 Weisheiten. Um alle zu lesen würden wir Stunden benötigen. Dann gilt es eine Hängebrücke zu überschreiten und nach wenigen Schritten sind die 108 Stufen Aufstieg zum Kloster erreicht. Das Dach ruht auf Holzbalken, die reichlich mit Holzschnitzereien aus der Tierwelt und Malereien Landschaft und „Unterwelt“ versehen sind. Der Tempel darf nur ohne Schuhe betreten werden. Es sind keine Mönche anwesend. Doch jeder Besucher würdigt die Räumlichkeiten. Man kann Andacht halten und sich im Gebet vertiefen.
Den Rückweg wollen wir über einen anderen Berggipfel nehmen, doch leider ist das Klostergelände eingezäunt. So geht es auf gleichem Weg zurück.
Bei den Mobilen bleibt Zeit zum Ausruhen, bevor wir um 16 Uhr uns zu einer Besprechung für den nächsten Tag treffen. Wir planen 1 1/2 Tage uns die Sehenswürdigkeiten von Ulan Bator anzuschauen, um dann Richtung Wüste Gobi zu starten.
Abends speisen wir im nahen Jurten-Restaurant lecker und sehr preiswert.
Liebe Chistiane, lieber Dietmar, ihr wart uns für unsere Entscheidungen eine große Hilfe – danke!


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Donnerstag, 19.7. Turtle Rock - Ulan Bator Shangri-La Hotel

Ulan Bator liegt in einem Talkessel am Fluss Tuul auf 1.350 m Höhe. Es ist eine Verwaltungs- und Industriestadt. Ungefähr die Hälfte der Bewohner des Landes, ca. 1,5 Mio. Menschen, leben hier. Das Stadtbild ist zu einem Drittel von Jurten geprägt, hinzukommen sozialistische Bauten, moderne Bürotürme und auch einige sehenswerte Klöster und Museen.
Es herrscht reger Verkehr, als wir in die Stadt einfahren. Peter hat über Google Earth einen zentralen freien Platz hinter dem Hotel Shangri-La entdeckt. Ob da parken möglich ist? Mit Stoßstangen- und Augenkontakt bewegen wir uns in die Innenstadt. Ist eine Lücke zwischen uns, schon zwängt sich ein Mongole mit seinem Auto rein. Gegen 11 Uhr ist der mit Schranke verschlossene Hotelparkplatz erreicht. Ich laufe zum Kassierer Häuschen. Pech, man versteht kein Englisch und mongolisch kann ich nicht. So zeige ich auf unser Mobil, welches bereits in der Einfahrt steht, erhebe 6 Finger und sage parken. Dann lege ich meinen Kopf auf meine seitlich zusammengelegten Hände: übernachten? Der Wärter nickt, öffnet die Schranke, drückt mir einen Parkschein in die Hand und weist in den hinteren Teil vom Gelände. Dort befindet sich eine unbefestigte Fläche, ausreichend für alle Mobile.
Peter gönnt uns nur 30 Minuten, dann laufen wir los zur Stadtbesichtigung. Die Mittagshitze macht uns allen zu schaffen. Schon bald erblicken wir die Tempeldächer des Chojin Lama-Klosters. Das Kloster war bis 1938 in Betrieb und seit 1942 dient es als Museum. Die Anlage mit mehreren Tempeln, ist ein architektonisches Meisterwerk seiner Zeit und wurde von 1904 bis 1908 erbaut. Es wurde 1930 nicht zerstört und es gibt Kunstwerke mongolischer Meister, Kostüme, Masken die für Tsam-Tanz-Zeremonien verwendet wurden, Musikinstrumente und Götterbilder zu sehen. Dieses Kloster wollen sich unsere Freunde am Nachmittag anschauen. Peter und ich kennen das Kloster bereits, wir wollen ins das Kunstmuseum Zanabazar.
Im Dramentheater besorgen wir uns Karten für die Abendvorstellung. Jeden Abend findet um 18 Uhr eine Folkloreshow mit Musik, Tänzen und Kehlkopfgesang statt. Wir haben bereits vor 2 Jahren so eine Aufführung gesehen und waren begeistert.
Schon bald stehen wir auf dem großen Suchbaatar-Platz. Er ist nach dem Nationalhelden Damdin Suchbaatar benannt, der die Mongolei 1921 in Unabhängigkeit von China führte. Sein großes Reiterdenkmal ziert diesen Platz. Der Platz ist umgeben von Regierungsgebäuden, Oper und Theater, einer Kunstgalerie, dem zentralen Kulturpalast und der Parteizentrale. Vor dem Parlamentsgebäude stehen die Statuen von Dschinghis Khan, seinem Sohn und seinem Enkel. Dann trennen wir uns. Wir besuchen das Kunstmuseum mit Sammlungen von buddhistischer Kunst mit Skulpturen, Bildern, Tankhas und Tsam-Masken. Herausragend sind zwei große Bilder „ein Tag in der Mongolei“. Es gibt so viele kleine Details zu entdecken.
Dann ist es an der Zeit zum Hotelparkplatz zurück zu kehren, damit wir pünktlich die Folkloreshow erreichen. Wir sind froh, dass wir bereits Karten in den vorderen Reihen besitzen. Es treten traditionelle Musikgruppen auf, die den typisch mongolischen Kehlkopfgesang und Tsan-Tänze mit Masken darbieten. Die farbenprächtigen Kostüme sind wunderschön. Begleitet werden die Sänger vom Spiel der Pferdekopfgeige, des zweisaitigen Nationalinstruments. Eine junge Frau ist artistisch so gelenkig, sie hat einen Körper „ohne Knochen“. Am Schluss der Veranstaltung zeigt ein Orchester mit asiatischen Musikinstrumenten ihr Können. Der Dirigent bringt auch europäische Melodien, wobei wir Gäste zum Mitklatschen aufgefordert werden – ganz so wie beim Neujahrkonzert aus Wien.
Begeistert verlässt unsere Gruppe die Show. Vor dem Theater machen wir noch ein Erinnerungsfoto.
Jetzt gilt es nur noch ein passendes Restaurant zu finden. Reinhard, Ingrid und Christiane wollen Vegetarisch Essen gehen. Wir anderen gehen in das Hangang Restaurant, über dem Goyo Cashmere Shop – unweit des Theaters. Das Koreanische Lunchmenü können wir auch am Abend bestellen. Nach der scharfgewürzten Kimchy-Suppe folgt das Hauptgericht. Schon bald stehen etliche kleine und größere Teller und Schalen vor uns. Dazu serviert man uns grünen Tee. Doch wir alle bevorzugen ein kühles mongolisches Bier. Wir können die vielen Portionen kaum bewältigen. Umgerechnet haben wir 7 € pro Person bezahlt.
Während wir gemütlich essen, regnet es kräftig. Die Straßen stehen unter Wasser. Wir warten eine Regenpause ab und laufen zügig zum Hotelparkplatz zurück. Die „Vegetarier“ haben weniger Glück, sie kommen pitschnass zurück.




   |   Tages KM: 62   |   GPS Nord: 47°54'43   |   GPS Ost: 106°55'15

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Freitag, 20.7. Ulan Bator - Zuunmod

Die Morgenstunden „verplempern“ wir bei Mobilcom – unser Internet funktioniert mal wieder nicht. Auch bei einigen in unserer Gruppe gibt es Probleme. Gegen 11 Uhr wollen wir mit den Mobilen den Hotelparkplatz verlassen, umgerechnet 9 € werden für den Parkplatz fällig. Dafür haben wir 24 Stunden sehr zentral gestanden und übernachtet.
Bis zum Gandan-Kloster ist es nicht weit. Doch leider biegen wir zu früh ab und müssen die ganze Strecke wieder zurück. Der zweite Versuch bringt uns alle bis fast vor das Kloster. Was uns zuerst auffällt, sind die Taubenscharen vor dem Kloster. Ältere Frauen verkaufen Futter, wir finden die vielen Tauben nur lästig. Am Eingang ist Eintritt fällig und auch für das Fotografieren benötigt man eine kostenpflichtige Genehmigung.
Das Gandan-Kloster wurde 1838 als religiöses Zentrum geründet. Während der antibuddhistischen politischen Phase der 1930er Jahre wurde das Kloster geschlossen und mehrere Gebäude schwer beschädigt. 1944 erlaubte die Regierung die Wiedereröffnung. Mit der politischen Wende 1992 erlebte der Buddhismus in der Mongolei eine neue Blütezeit und man begann mit der Restaurierung des Komplexes. Mit seiner Schule für buddhistische Lehre ist dieses Kloster heute eine der bedeutendsten Stätte des Buddhismus in der Mongolei. Im Haupttempel sehen wir eine über 26,5 m hohe und 42 t schwere Statue, im Volksmund „Buddha des Augenlichts“ genannt. Sie wurde durch Spenden finanziert. 2100 Edelsteine, 9 kg Gold, 25 kg Silber, 20 t Kupfer, 27 t Stahl, 15 t Gips und mehr als 30 t Zement wurden verwendet. Im Tempel wurde außerdem ein Thronsessel für den Dalai Lama errichtet. Wir betreten noch mehrere Gebäude und können den Mönchen beim Beten zusehen. Die Klosterschule von Gandan ist eine angesehene Ausbildungsstätte für Lamas – die jüngsten Schüler schätzen wir auf 9 Jahre. Einige sind nicht ganz bei der Sache, sie spielen unter dem Tisch mit ihrem Handy. Ob sie freiwillig hier sind? Das Gelände ist von Jurten-Siedlungen umgeben, die durch einen Bretterzaun abgetrennt sind.
Am frühen Nachmittag verlassen wir die Stadt gen Süden. Ein Einkaufsstopp ist fällig. Leider sind die Läden nicht so gut bestückt wie in Russland. Dort gab es selbst in den kleinsten Läden ein gutes Sortiment. Doch verhungern werden wir sicherlich nicht!
Nach 50 Km finden wir einen Stellplatz mit festem Untergrund für die Nacht.
Gegen 22 Uhr kommt starker Wind, wir werden kräftig durchgerüttelt. Peter parkt das Mobil in Windrichtung um. Fleißig sind wir mit den PC Arbeiten der letzten Tage beschäftigt. Just als wir uns um 23 Uhr schlafen legen, geht der Lärm los. Tanklaster fahren auf den Stellplatz, lassen die Motoren laufen und füllen Kraftstoff um. Verkaufen sie hier Kraftstoff und bessern ihr Taschengeld auf? Erst nach Mitternacht ist der Spuck vorbei.


   |   Tages KM: 77   |   GPS Nord: 47°41'42   |   GPS Ost: 106°58'31

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Samstag, 21.7. Zuunmod - Mandalgobi

Bereits morgens um 6 Uhr erscheinen wieder die Tanklaster und der Lärm beginnt von neuem. Völlig „gerädert“ stehen wir auf. Heute begeben wir uns in die Wüste Gobi.
Aus unserem Reiseführer: Für viele ist die Gobi-Wüste die Hauptattraktion einer Mongolei-Reise. Diese größte asiatische Wüste nimmt fast ein Drittel des Territoriums ein, sie bedeckt praktisch den ganzen Süden des Landes. Zugleich ist sie die nördlichste Wüste der Erde und beheimatet eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt: In den fast ausschließlich von Saxaulsträuchern bewachsenen Regionen sind das Baktrische Kamel und das Salzkamel zuhause, hier leben Lämmergeier, die sehr seltenen Gobibären, Schneeleoparden und Takhi-Pferde.
Doch zuerst erreichen wir die Steppenzone. Man unterscheidet in der Mongolei 4 Steppenzonen: Wermut-, Zwiebel, Federngras- und Wiesensteppe. Heute haben wir 250 km vor uns, die Straße, sowohl die Temperaturen, steigen langsam an. Wir haben starken Seitenwind. Es beginnt die Wiesensteppe mit sanften grünen Hügeln, davor Jurten und Viehherden –mit Schafen, Ziegen und Pferden. Nach etwa 100 Kilometern wird die Landschaft karger. Unbefestigte Wege führen mal links mal rechts der Straße in ein Nirgendwo. Doch auf der Landkarte sind kleine Orte verzeichnet. Die ersten Kamelherden ziehen des Weges. Es gibt entlang der Straße einige Straßendörfer, die überwiegend aus kleinen Rasthäusern und Minimärkten bestehen. Versorgungsmöglichkeiten für die Einheimischen und vielen Touristen. Ich habe gelesen, dass jährlich 450.000 Touristen die Mongolei (meist organisierte Flugreisen) besuchen. Ein Stopp in die Gobi-Wüste scheint unerlässlich. Wir passieren die Stadt Mandalgobi, der Stellplatz im Ort ist nicht ansprechend. Es geht weiter, und nach etwa 80 km hat Brummi für uns ein ideales Übernachtungsplätzchen entdeckt. Ingrid hat einen Hefeteig vorbereitet, die eine Hälfte backt sie, die andere ich – für unsere Gruppe zum Nachtisch. Den freien Nachmittag relaxen wir am Mobil. Ein junges Pärchen aus Passau hat uns von der Straße aus gesehen und hält. Sie berichten von der abenteuerlichen „Geierschlucht“ und das wir diese auch mit unseren Mobilen bis zum Ausgangspunkt der Wanderung fahren können. Bislang waren wir davon ausgegangen, dass die Strecke nur off-road zu befahren ist und wollten mit einem Geländebus den Ausflug machen.
Abends sitzen wir in dieser wunderschönen, einsamen Landschaft beisammen bis uns der kühle Abendwind in die Mobile vertreibt.
Erlebnis des Tages: Bei der Mittagsrast haben wir unsere Wohnungstür wegen der Hitze geöffnet. Ein Auto hält, wenig später steht der Fahrer bei uns im Mobil und schaut sich um. So eine „fahrbare Jurte“ hat er wohl noch nie im Leben von innen gesehen. Merke: Jurten in der Mongolei darf man ohne anzuklopfen betreten!


   |   Tages KM: 308   |   GPS Nord: 45°24'55   |   GPS Ost: 105°43'39

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Sonntag, 22.7. Mandalgobi - Wüste Gobi - Geierschlucht

Die Nacht war wunderbar ruhig in dieser Einöde. Besonders beeindruckt hat mich der gewaltige Sternenhimmel des Nachts: unendlich, kein störendes Licht, Stille – wie klein wir doch unter dem großen Himmelszelt sind!
Die Steppenlandschaft wird noch karger - rotbraune Erde mit wenig Grünzeug für die Tiere. Es wachsen hier wie Grasbüschel, Zwiebelgrün –wir sind in der Zwiebelsteppe. Am Straßenrand einige tote Tiere, aus Altersschwäche, durch den Straßenverkehr oder mangels Trinkwasser gestorben? Kein Flusslauf, nur einige Stellen mit Restwasser der letzten Regenfälle.
Mittags ist die kleine Stadt Dalanzadgad erreicht. Von hier starten die meisten Touren ihre Ausflüge. Wir benötigen dringend Wasser für unsere Mobile. Es gibt eine App iOverländer, diese hat Wasserhäuser, Waschmaschinen und diverse nützliche Informationen für Individualreisende vermerkt. Das erste Wasserhaus gibt Wasser nur gegen Scheckkarte aus, doch wo gibt es diese zu kaufen? Das zweite Wasserhaus ist bereits geschlossen – die Öffnungszeiten oft am Vormittag und in den späten Nachmittagsstunden. Die „Wasserfrau“ muss uns aber gesehen haben, sie eilt herbei. Wir versorgen uns mit ausreichend Wasser für die nächsten 3 Tage. Kostenpunkt pro Mobil 20 Cent. Auch die Einheimischen holen Wasser in großen Kanistern.
Nun kann unserem Ausflug nach Yolyn Am (Geierschlucht) nichts mehr im Wege stehen. Noro, HK und wir fahren los, der Rest der Gruppe will noch einiges erledigen und nachkommen.
Nach Dalanzadgad führt eine über 30 km gute Teerstraße Richtung Nationalpark. Dann folgt nur noch Piste. Eintritt wird fällig – egal wie lange man bleiben will. Eine abenteuerliche Strecke beginnt, wir fahren voran. Oft müssen wir uns entscheiden, Spur links oder rechts? Tiefe Auswaschungen im mittleren Bereich, so dass es für unsere Fahrzeugbreite so mal eben reicht. Alle sind schweigsam und die Fahrer hochkonzentriert, mal über einen Berg, dann wieder steil hinab. Eigentlich ist unser Tank noch knapp halbvoll, aber es piept die Kraftstoffanzeige, zu wenig Kraftstoff. Ob wir es schaffen werden, oder steckenbleiben? Die Strecke soll über 12 Kilometer bis zum Parkplatz sein. Einspurig mit Gegenverkehr, wann sind wir endlich da? Die wenigen Kilometer erscheinen uns endlos. Dann endlich, der Parkplatz ist in Sicht. Zugeparkt mit den Geländewagen der geführten Touren. Wir stellen uns ein wenig abseits und warten auf Brummi, Bimo und Kiki. Nach und nach kommen diese, außer Kiki. Für sie war bereits der erste Hügel zu steil. Doch dazu später, denn hier haben wir kein Telefonnetz und kein Internet um Kiki anzurufen.
Erst in den späten Abendstunden leert sich der Parkplatz von den Tagestouristen. Mit einigen Einheimischen verbringen wir hier die Nacht auf dem Parkplatz. Der eigenwillige Geruch (es riecht sehr stark nach Kraftstoff), ist ein kleiner Wehmutstropfen in dieser so schönen Landschaft.



   |   Tages KM: 296   |   GPS Nord: 43°29'23   |   GPS Ost: 104°03'48

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Montag, 23.7. Geierschlucht - Eingang zum Park

Um 9.30 Uhr wollen wir eine Wanderung in die Geierschlucht unternehmen. Vorher sind unsere hausfraulichen Fähigkeiten gefordert. Pickert, eine Art Pfannkuchen Teig mit geriebenen rohen Kartoffeln und Hefe. Das erfordert Zeit. Doch um die Mittagszeit sollte der Teig perfekt für die Zubereitung sein.
Bevor der erste Besucheransturm eintrifft, sind wir unterwegs nach Yolyn Am, ein enges Tal, das auch Geierschlucht genannt wird. Man vermutet, dass die Schlucht während der letzten Eiszeit durch Schmelzwasser eines Gletschers entstanden ist. Der Canyon befindet sich auf einer Höhe von 2000 Metern. Ein Bach schlängelt sich durch den Canyon und muss mehrmals überschritten/übersprungen werden. Eine gute Stunde, dann ist die Engstelle durchwandert. Nur Geier haben wir keine gesehen, dafür viele zutrauliche Murmeltiere. Wer hätte gedacht, dass diese possierlichen Tierchen die Pest verbreiten können? Nach einer kurzen Rast treten wir den Rückweg an. Inzwischen scheint die Sonne recht kräftig vom Himmel.
Am Platz beginnen wir sogleich mit den Vorbereitungen für unser Essen. Die lange Tafel befindet sich im Schatten der Markise, so lässt es sich aushalten! Während einige in den Wohnmobilen ruhen, sitze ich mit Ingrid und Reinhard draußen. Graue Wolken verdunkeln den Himmel. Plötzlicher Sturm rüttelt gefährlich an der Markise. Dank der Mithilfe einiger starker Hände ist diese dann schnell eingerollt. Großes Beratschlagen: Sollten wir nicht schon jetzt das Tal verlassen, bevor Regen die Straße für uns unpassierbar macht? Gesagt, getan. Noro, HK und wir machen uns auf den Rückweg. Bimo und Brummi wollen noch eine Nacht bleiben. Der Rückweg fährt sich angenehmer als der Hinweg. Noro voran, an einigen Stellen schwangt das Mobil gefährlich. Bald ist der Eingang vom Nationalpark erreicht. Unweit der Teerstraße hat Kiki ihr Nachtlager aufgeschlagen. Wir stellen uns dazu. Brigitte berichtet, dass am Nachmittag ein starkes Gewitter mit Regen für Sturzbäche an der Straße gesorgt hat. An einigen Stellen wurde die Straße überspült. Da haben wir doch noch einmal Glück gehabt auf unserem Rückweg.
Für den Abend lädt uns Kiki auf ein Glas Wein ein, sie wollen uns etwas mitteilen.
Mit 8 Personen finden wir Platz im LMC, prosten uns zu. Brigitte ergreift das Wort bedankt sich für Peters Ausarbeitungen dieser Reise. Doch sie und Rolf wollen die 8 Wochen Mongolei ausnutzen und noch gerne etwas im Süden der Mongolei verweilen, dann auf „eigene Faust“ weiterreisen. Außerdem planen sie an der türkischen Mittelmeerküste zu überwintern. Die Zwei leben seit dem Ruhestand im Wohnmobil und können sich nichts Schöneres vorstellen. Sie vermissen nichts. Das Mobil von den Beiden ist ein kleines Raumwunder!
Näheres zu Kiki, die Stromer: Brigitte wurde 1950 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium arbeitete sie erst als Lehrerin und anschließend 20 Jahre als Schulleiterin. Rolf wurde 1940 in Langenberg geboren. Er fuhr 5 Jahre zur See, dann studierte er und arbeitete 40 Jahre als Architekt. Brigitte und Rolf leben seit 42 Jahren zusammen und sind verheiratet. Seit 6 Jahren leben sie ausschließlich im Wohnmobil und sind immer auf Achse. So weit im Osten waren sie noch nie.
Ihr Motto: Mein Zuhause ist da, wo ich parke.


   |   Tages KM: 13   |   GPS Nord: 43°34'06   |   GPS Ost: 104°02'30

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Dienstag, 24.7. Dalandsadgad - Mandalgobi

Noro will vor der Weiterreise zum Friseur und Kiki begleitet Jan-Habbo. HK und wir tanken: Kraftstoff an der ersten Tankstelle und Wasser beim Wasserhaus. In der Markthalle im Ort gibt es eine kleine Auswahl an Gemüse und schon fahren wir weiter Richtung Ulan Bator. Die Strecke ist Jedermann/Frau von der Hinfahrt bekannt. Bereits um 10 Uhr haben wir 25°C, das kann ja „heiter“ werden. Mittags planen wir eine längere Rast, vielleicht kommen die anderen der Gruppe inzwischen vorbei – ich möchte die Zeit nutzen um den Reisebericht zu vervollständigen. Nur Noro erscheint und gemeinsam fahren wir weiter.
Während der Fahrt lese ich im Reiseführer über die Tierarten in der Gobi. Hier lebt das zweihöckrige Kamel, auch Trampeltier genannt, und ist als freilebendes Tier bedroht. Das Khavtgal wird auch Salzkamel genannt, weil es sogar Salzwasser verwerten kann. Nur so ist es in der absolut lebensfeindlichen Wüste Gobi überlebensfähig. Man schätzt, dass es in der Mongolei und der chinesischen Gobi heute nur noch 400 bis 500 dieser Tiere gibt. Das Baktrische Kamel hat sich ebenfalls perfekt an das Leben in der Wüste angepasst. Es kann Wasser schon aus einer Entfernung von einer Tagesreise wahrnehmen, aber auch drei Wochen ohne Wasser auskommen. Innerhalb weniger Minuten säuft es bei Bedarf mehr als 100 Liter. Vielleicht daher der Ausspruch: Du säufst wie ein Kamel.
Der Yak, auch Grunzochse genannt, ist in Zentralasien beheimatet. Er ist sehr gut an die extremen klimatischen Bedingungen angepasst. Der Hausyak wird in der Zentralmongolei und teilweise im Norden gehalten und liefert Fleisch, Leder, Fell und Wolle. Er dient den Nomaden auch als Last- und Reittier und ist weit verbreitet. Ich schätze Socken aus Yakwolle, sie wärmen wunderbar. Hier in der Mongolei recht preiswert zu kaufen.
Wenige Kilometer nach Mandalgobi findet Peter auf einer Anhöhe ein schönes Übernachtungsplätzchen. Es ist 17 Uhr und die Sonne hat noch eine enorme Kraft, wir bevorzugen den Schatten. Nach gut einer Stunde erscheinen Brummi und Bimo, es gibt einiges zu berichten. U.a., dass es kein Unwetter im Tal gab und das kleine Museum am Eingang Nationalpark sehenswert ist.
Abends verbrennt Noro das letzte Holz. Gemeinsam sitzen alle lange am Lagerfeuer. Hier auf 1.200m ist es bedeutend wärmer, als in der Geierschlucht auf 2.000m. Morgen wollen wir bereits um 8 Uhr starten um zeitig in Ulan Bator anzukommen.
Nach einem schönen Sonnenuntergang und funkelndem Sternenhimmel stellt sich die Frage: ändert sich das Wetter?


   |   Tages KM: 361   |   GPS Nord: 45°53'07   |   GPS Ost: 106°20'45

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Mittwoch, 25.7. Mandalgobi - Ulan Bator Hotel Sangri La

Die Zwiebelsteppe verströmt ihren Duft, sobald man die Gräser berührt. Links und rechts der Straße treiben Hirten Schaf- und Ziegenherden vorbei. Dann springt eine Gazelle über die Straße und links läuft eine ganze Herde davon. So etwas haben Peter und noch nicht in freilebender Wildbahn gesehen.
Aus unserem Reiseführer: Mongolische Gazellen leben in der Regel in den trockenen Steppen im Osten des Landes und im Übergang zur Wüste. Im Sommer haben die Herden eine Größe von 20 bis 30 Gazellen, im Winter sind sie mit bis zu 100 Tieren größer. Weil sie von ihren traditionellen Wanderwegen (Futtersuche) verdrängt werden, haben sie immer weniger Möglichkeiten gute Weidegründe zu finden. Der Bestand sinkt, so dass die Mongolische Gazelle in der Liste der stark bedrohten Tierarten erwähnt wird.
Wir nähern uns Ulan Bator und die Stadt liegt im Dunst. Nach einem Einkaufsstopp fährt die Gruppe ohne uns zum bekannten Übernachtungsplatz hinter dem Hotel.
Peter und ich wollen das Zaisan-Denkmal besichtigten. Es liegt auf einem Berg, über 700 Stufen führen zu dem Aussichtspunkt. Man kann die Strecke mit dem Auto ein gutes Stück hinauffahren, doch Parkplätze sind knapp - oder den Stufenweg mit dem Fahrstuhl im Kinocenter abkürzen. Wir nehmen alle 700 Stufen, Peters langen Beine überspringen jede 2. Stufe. Oben werden wir mit einem wunderbaren Rundblick belohnt. Inzwischen ist das Wetter aufgeklart. Das Denkmal wurde zur Erinnerung an die im 2. Weltkrieg gefallenen Sowjetsoldaten geschaffen. Die Wände des offenen Rundbaus zieren große Wandgemälde, die die russisch-mongolische Freundschaft thematisieren, z.B. auch die zur Unabhängigkeit der Mongolei 1921, die Kooperation während des 2. Weltkriegs und den Sieg über die Japaner und Deutschland, sowie russische Raumfahrt.
Der Rückweg zum Hotelparkplatz führt fast schnurgeradeaus, doch heute ist die eine Spur total unter Wasser. Wenn es in der Stadt wie aus „Kübeln schüttet“, dann können die Abflusssysteme die Wassermengen nicht aufnehmen und überschwemmen Straßenzüge. Wieder drängeln die Mongolen sich in die kleinste Lücke, Peter muss höllisch aufpassen.
Ich habe mir für den Abend eine weitere Folkloreshow bei Tumen Ekh gewünscht. Das Theater liegt nur 15 Minuten Fußweg vom Hotel entfernt. Die Vorstellung soll um 18 Uhr beginnen, Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Diese Show hatte uns 2016 total begeistert. Heute ist sie im Ablauf ein wenig verändert. Trotzdem erleben wir die Künstler hautnah. Besonders gefallen haben mir der mehrstimmige Kehlkopfgesang, die farbenprächtigen Kostüme der Gruppen und die der Tsam-Maskentänzer.
Unerwartete Begegnung im Theater. Neben uns sitzt ein junger Mann. Wie sich herausstellt, haben wir uns bereits auf der Insel Olchon gesprochen. Er und sein Freund kommen aus Spanien und warten auf ein Visum für China. Täglich werden nur 50 bearbeitet, sie kamen bereits zweimal umsonst. Sollten sie sich nachts vor der Botschaft schlafen legen? Vielleicht klappt ein dritter Versuch. Bei der Verabschiedung gebe ich ihm zu verstehen: In Deutschland sagt man alle guten Dinge sind drei!
Unsere sehr hungrige Gruppe ist auf Restaurantsuche. Schon wollen wir wieder zum Koreaner abbiegen, da zieht herrlicher Grillgeruch in unsere Nasen. Das gut besuchte Restaurant schiebt einige Tische zusammen, und schon kann unsere 8köpfige Gruppe daran Platz nehmen. Bald stehen Rinderfilet, leckerer Salat und Pizza vor uns. Auch das kühle Bier schmeckt lecker – Jedermann/Frau ist zufrieden. Ein kleiner Absacker vor den Mobilen – es weht ein kühles Lüftchen.
Leider ist die laute Discomusik vom Hotel nicht nach unserem Geschmack. Doch anstatt uns ärgern und unruhig hin und her zu wälzen, arbeiten wir am PC. Um 1 Uhr kehrt Ruhe ein.



   |   Tages KM: 265   |   GPS Nord: 47°54'43   |   GPS Ost: 106°55'15

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Donnerstag, 26.7. Ulan Bator - Tourist Camp

Den Vormittag nutzen Peter und ich für unsere Internetseite, hier am Hotel haben wir ein gutes Netz.
Gegen Mittag spazieren wir los, einmal ums Gelände. Der Hochzeitspalast, auch heute am Mittwoch wird geheiratet. Die Bräute sehen wie kleine Prinzessinnen aus, Drumherum der kleine Hofstaat: sechs hübsche, gleichgekleidete junge Frauen und auf der Seite des Bräutigams sechs junge Männer im Anzug. Die Kleidung der Gäste ist westlich orientiert. Nur die Großeltern tragen ihren Festtags Deel. Was wollen wir dem jungen Brautpaar wünschen: Frieden und ein zufriedenes Leben. Vielleicht noch einen Beruf, der in Ulan Bator ein Auskommen garantiert.
Ein Supermarkt im Keller eines kleinen Einkaufzentrums überrascht mit Produkten der Edeka Kette „gut und günstig“. Doch wer Den Vormittag nutzen Peter und ich für unsere Internetseite, hier am Hotel haben wir ein gutes Netz.
Gegen benötigt in der Mongolei schon Tortenguss? Wir!!!
Ich kaufe in den bekannten Filialen die letzten Kaschmirgeschenke – die Auswahl fällt mir schwer.
Wissendwertes: Die Mongolei und China sind wichtige Wollproduzenten der Kaschmirwolle.
Das Unterhaar der Kaschmirziege ist eine wertvolle und teure Wollfaser. Im Frühling wird der weiche Flausch aus dem Fell ausgekämmt. Jedes Tier liefert bis 150 g Rohkaschmir, von denen nach der Reinigung allerdings oft nur 50 g weiterverarbeitet werden können. Leider sind die mongolischen Verarbeitungsbetriebe nur zu einem geringen Anteil ausgelastet. Der Großteil der inländischen Wolle gelangt auf den Schwarzmarkt und in chinesische Hände. Damit kontrolliert China den Weltmarkt. Gobi Kaschmir hat das erkannt und besitzt bereits Filialen in Europa.
Leider hat wie immer jedes Ding zwei Seiten. Nach der Wende zur Marktwirtschaft hat der Bestand der Ziegen enorm zugenommen, denn die Kaschmirwollgewinnung ist für die Nomaden ein wichtiges Zubrot. Da die Ziegen die Gräser samt Wurzeln fressen, kann man sich ausmalen, was das für die Vegetation bedeutet. Die intensive Beweidung trägt seit einigen Jahren verstärkt zur Bodenerosion bei.
Um 16 Uhr verlassen wir Ulan Bator gen Westen. Unser Blick fällt auf eine riesige Ebene mit den unterschiedlichen Grünschattierungen und blaugraue Berge in der Ferne am Horizont. Tierherden ziehen durch die Landschaft. Wir befinden uns jetzt in der Wermutsteppe – ich rieche ihn förmlich.
Unser heutiger Stellplatz liegt inmitten der schönen Natur, unweit von einem Jurten-Camp. Kamele ziehen zu den Weiden, Pferde zur Tränke. Der Koch vom Touristencamp kommt vorbei und lädt uns zum Essen ein. Nein danke - sehr freundlich, aber wir haben bereits gegessen!
Wir erleben einen Sonnenuntergang wie im Bilderbuch.


   |   Tages KM: 73   |   GPS Nord: 47°54'04   |   GPS Ost: 106°55'14

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Freitag, 27.7. Tourist Camp - Mongol Els

Fast hätte ich wetten können, dass nach so einem schönen Sonnenuntergang es in der Nacht zu regnen beginnt – und so ist es! Ersten gegen Morgen hört der starke Regen auf. Zwar scheint keine Sonne, aber die Luft ist klar.
222 km sind es bis heutigen Übernachtungsplatz in den Dünen von Mongol Els. Wir können weit in die Landschaft blicken: Hügel, davor grüne Weiden –silbern hebt sich der Wermut ab. Reiter im Galopp, den Tierherden hinterher. Am Straßenrand Federngras und lila Blumenteppiche – dann Raps- und Getreidefelder, so haben wir uns die Mongolei vorgestellt. Die Sonne kommt raus.
Am frühen Nachmittag sind die Dünen erreicht. Das Gebiet ist etwa 180 Kilometer lang und nur wenige Kilometer breit. Die Wanderdünen breiten sich von West nach Ost aus. Sie entstehen, weil der Wind überwiegend aus Nord-West weht. Auf dem großen Parkplatz stehen nicht nur PKW, sondern auch Kamele und Pferde. Man kann so die Tour zu den Dünen, die höchsten sind 30 m hoch, bequem zurücklegen. Wir besteigen ohne Hilfsmittel die Dünen und blicken weit ins Tal: Tiere grasen auf grünen Weiden, weiße Jurten, Bergketten leuchten am Horizont. Peter und ich suchen auf dem Rückweg die Jurten auf. Einige Jurten werden zur Vermietung angeboten, wie ein Hotel – nur wesentlich einfacher.
Will man eine 2Bett Jurte für sich allein, so kostet das um die 50 Euro, incl. warme Duschen und Toiletten im separaten Sanitärhaus. Einfacher und billiger geht es auch, dann kostet das Bett 10 Euro, ohne Wasch- und Toilettenmöglichkeit. Da ziehen wir unser weiches Bett im Mobil vor. Wir übernachten vor den Dünen.
Heutiger Straßenbelag sehr wellig – es war ein auf und ab. Vor 2 Jahren war diese Straße noch in einem sehr guten Zustand.


   |   Tages KM: 231   |   GPS Nord: 47°19'55   |   GPS Ost: 103°41'25

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Samstag, 28.7. Mongol Els - Karakorum

Seit den frühen Morgenstunden regnet es kräftig. Nach knapp 80 Kilometern ist unser heutiges Ziel erreicht, das Kloster Erdene Zuu. Es wurde auf den Grundmauern von Karakorum errichtet. Wir parken seitlich am Kloster. Die Luft ist erfüllt vom Kräuterduft, sobald man über die Wiesen schreitet. Da möchte man tausend Nasen haben.
Wissenswertes aus unserem Reiseführer: An der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten in der heutigen Zentralmongolei wurde 1220 die Hauptstadt Karakorum gegründet, in der sich auch Menschen aus anderen Teilen Asiens ansiedelten.
Dschingis Khan historisches Vermächtnis erstreckt sich nicht nur auf seine kriegerischen Eroberungsfeldzüge. Er brachte die Länder des Westens mit denen des Ostens zusammen, festigte die Seidenstraße, die über Jahrhunderte wichtigste Handelsroute dieser Region, und holte bewusst fremde Handwerker ins Land, die für die Mongolen arbeiteten. Durch die tolerante Haltung gegenüber allem Neuen und Unbekannten entwickelte sich Karakorum zu einem Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Völker. Die Bewohner genossen Religionsfreiheit - Moscheen, Kirchen und buddhistische Tempel nebeneinander. Die Stadt hatte 140 Jahre Bestand und diente als Verwaltungssitz des Mongolischen Reiches. Im 13. Jh. stießen von Karakorum aus die Reiterarmeen der mongolischen Khane bis nach China und ins Gebiet des heutigen Ungarn und Polen vor. 1380 wurde die Stadt zerstört und 200 Jahre später teilweise mit dem buddhistischen Kloster Erdene Zuu überbaut. Dieses Kloster gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe. Von Erdene Zuu aus verbreitete sich der tibetische Buddhismus im ganzen Land. Über Jahrhunderte war es das wichtigste Zentrum des Buddhismus in der Mongolei.
Der Klosterkomplex ist von einem 400 x 400 großen Mauerquadrat im tibetischen Stil umgeben, in das über 100 Stupas und vier große Tore in jede Himmelrichtung integriert sind. Vier große steinerne Schildkröten, von denen heute nur noch 2 erhalten sind, standen für langes Leben und Ewigkeit. 300 Jahre dauerte die Bauzeit des Klosters. Von den ehemals 60 Tempeln stehen heute nur noch 3, damals lebten über 1000 Mönche in dem Kloster. Einige Male wurde es zerstört, zuletzt 1937 bei den stalinistischen Säuberungen. Über 50 Jahre war in der Mongolei religiöses Leben verboten. Erst 1990 wurde das Kloster wieder in Betrieb genommen.
Wir besichtigen am Nachmittag diese beeindruckende Klosteranlage. In einem kleinen Museum sind die Grundrisse des Klosters vor und nach der Zerstörung ausgestellt. Eine Karte zeigt anschaulich, wie sich im 13. Jh. die mongolische Armee ausgebreitet hat.


   |   Tages KM: 85   |   GPS Nord: 47°11'58"   |   GPS Ost: 102°50'46"

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Sonntag, 29.7. Karakorum - Arwaicheer

Letzte Einkäufe, Wasserversorgung und tanken, dann kann es losgehen, die 220 km bis zum heutigen Ziel. Wir fahren die bereits uns bekannte Strecke (A1601) zurück um dann Richtung Arvaikheer auf die A 1301 zu wechseln. Der Straßenbelag wird schlagartig schlechter, er ist sehr wellig und wir fahren oft nur 25km/h. Auf den sattgrünen Weiden laufen Pferde-, Ziegen- und Schafherden frei herum. Auf der Straße liegt eine kleine tote Ziege. Adler und Geier streiten sich um die besten Brocken. Wir sehen die Jurten der Nomaden, im Hintergrund sanfte grüne Berge – der Blick in die Landschaft ist über viele Kilometer unverändert. An der Strecke einige kleine Straßendörfer zur Versorgung und einfache Restaurants. Kurz vor der Stadt Arvaikheer erwartet uns Brummi. Ingrid und Reinhard sind mit ihrem VW wesentlich schneller als wir. Wenige 100 m noch den Fahrweg entlang, dann stehen wir ganz allein in der Einsamkeit.
Ein älterer Mann mit weiblicher Begleitung erscheint gegen 19 Uhr. Erst sitzen sie lange Zeit vor dem Mobil von Hans und Gudrun, später wir alle windgeschützt in der Abendsonne. Heute feiern wir Bergfest (wir sind 80 Tage unterwegs) und die Mongolen mit uns. Der ältere Herr ist Arzt und hat sein Blutdruckgerät mitgebracht. Bei Gudrun und Hans hat er bereits gemessen, nun sind wir anderen dran. Wir erhalten alle eine Visitenkarte von ihm. Obwohl wir ihn und seine Begleitung nicht verstehen, haben wir doch viel Spaß miteinander. Auch sind sie sehr trinkfest, wir müssen ihnen öfter Rotwein nachschenken. Peter überreicht ihm zur Erinnerung Bilder von unserer gesamten Gruppe, die hat er auf unserem Fotodrucker angefertigt. Er schenkt uns eine große Tüte mit interessanten Steinen, jeder kann sich davon nehmen. Zum Schluss packt er meine Glasflasche mit dem Bügelverschluss ein und geht mit seiner Begleitung zu der nahen Jurte.


   |   Tages KM: 228   |   GPS Nord: 46°16'43   |   GPS Ost: 102°48'27

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Montag, 30.7. Arwaicheer - Bayankhongor

Eine junge Frau sammelt hinter unserem Mobil Kräuter, Thymian. Wie sich bei unserem Gespräch (ein wenig russisch von uns beiden) herausstellt, ist sie Masseurin und pensionierte Polizistin. Sie fragt mich, ob ich eine Kopfmassage haben möchte. Ja, wir steigen in unser Mobil. Während wir plappern, massiert sie meinen Kopf, Nacken, Finger und Arme. Ich zeige ihr unseren Flyer und die Reiseroute. Sie erzählt von ihren bereits erwachsenen Kindern und das sie allein lebt, von ihrem Mann getrennt. Wir reden über unser Alter, sie ist Mitte 40 und schon pensioniert? Dann ist es Zeit zum Verabschieden, unsere Gruppe will weiter. Zum Abschied schenke ich ihr eine warme Steppweste und einen Schal, Jan-Habbo eine Überraschungstüte. Wir nehmen herzlich voneinander Abschied, immer wieder fragt sie nach meiner Telefonnummer.
Der „Doktor“ von gestern erscheint mit seiner Begleitung und einem Eimerchen Milch. Die Frau verteilt die Milch mit den Fingern in alle vier Himmelsrichtungen – gleichbedeutend für eine gute Reise. Danke!!! Brummi und Bimo kommen später nach, sie machen noch einen Besuch.
Außerhalb von Arvaikheer sehen wir auf einem Hügel eine Anlage mit lebensgroßen Pferdeskulpturen. Wie ich in Erfahrung bringen kann, handelt es sich hier um einen Pferdefriedhof.
Die Landschaft ist zuerst noch sehr grün mit vielen Tierherden. Ganz in unserer Nähe sehen wir eine große Anzahl Adler und Geier. Unweit der Straße liegt ein verendetes Zieglein. Kleine Ziegen nehmt euch in Acht, die Adler sind schnell zur Stell!!! Aus unserem Reiseführer: Große Vögel gibt es recht häufig zu beobachten. Der größte Vertreter seiner Art ist der Steinadler. Traditionell jagen die Adlerjäger im Westen des Landes mit weiblichen Tieren. Die Adler werden bis zu 1 m lang, haben eine Flügelspannbreite von 2,30 m und wiegen zwischen 3 und 7 kg. In freier Wildbahn machen sie Jagd auf Tiere, die mehr als das doppelte ihres eigenen Körpergewichts ausmachen können.
Wir kommen auf über 2.000m, die Landschaft wird karger, steiniger und die Felsen rücken näher. Es gibt weniger Grün für die Tiere der Nomaden. Hier im geschützten Tal haben wir um die 20°C. Bei einer Ortsumgehung bekommen wir zu spüren, was es heißt Piste zu fahren. Bald ist Bayankhongor erreicht.
Im örtlichen Supermarkt gibt es wenig frisches Gemüse und Obst im Sortiment. Peter fragt einige Männer nach der Strecke Altai. Viel hin und her und keine rechte Info. Doch der junge Mann fährt uns zu einem Wasserhaus und weiter dorthin, wo es morgen für uns weitergehen soll. Wir warten bis Bimo und Brummi erscheinen. Zwei Motorradfahrer nähern sich aus Süden kommend, einer Tankstelle. Wir fragen sie nach der Strecke Altai. Da kommen sie her. Heute sind sie 210 km in 8 Stunden gefahren, das ist ein Schnitt von 30km/h. Erst 15 km vor Altai ist die Straße asphaltiert, sonst nur unbefestigte Wege mit vielen Schlaglöchern. Nach starken Regenfällen stehen diese mehr oder weniger hoch voll Wasser. Doch wenn man langsam fährt, kann es für uns mit dem Reisemobil zu schaffen sein.
Abends setzt Regen ein, Peter und ich klappern noch einige Minimärkte im Ort ab. Die Wettervorhersage für Morgen: 100% Regen.



   |   Tages KM: 228   |   GPS Nord: 46°10'48   |   GPS Ost: 100°41'37

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Dienstag, 31.7. Bayankhongor - Bumbugur

Morgens, nach einer Nacht mit viel Regen, entscheiden sich Noro, HK und wir die Piste durchs Altai zu fahren. Der Regen hat aufgehört, die neueste Wettervorhersage hört sich lt. Peter gar nicht einmal so schlecht an. Die ersten Kilometer ist der Bodenbelag trotz mehrerer tiefer Pfützen gut zu befahren. Unsere kleine Karawane kommt mit etwa 15 km/h vorwärts. Bimo und Brummi wollen im Ort die Wetterlage abwarten. Die Infrastruktur ist gut und hier lassen sich Regentage gut überbrücken, so die zwei.
Wir anderen haben genügend Proviant an Bord und können auch ein paar Tage im Altai ausharren. Unser Weg besteht aus Schlaglöchern, dann wieder Kiesuntergrund, mal wellig und dann Lehmboden – doch immer ist der Untergrund fest. In dieser totalen Abgeschiedenheit sehen wir Jurten und Hirten bei ihren Schaf- und Ziegenherden. Man ist dabei eine Teerstraße von Bayankhongor nach Altai zu bauen. Streckenweise sehen wir auch schon PKW auf dieser Straße, doch sie ist noch nicht freigegeben. An einer dieser Baustellen müssen wir einen Fluss überqueren, es gibt eine Brücke. Oft fehlt bei den vielen Wegen eine Ausschilderung.
Dann schlägt das Wetter gegen Mittag um, heftiger Regen setzt ein. Die Schlaglöcher werden tiefer und beim Durchfahren spritzt das Wasser hoch. Wir fahren langsam und auf Sichtweite. Nach einer Mittagsrast, wir haben in 3 Stunden 48 Kilometer geschafft, rutschen dann die Fahrzeuge an einigen Stellen gefährlich hin und her. Plötzlich ein Funkspruch von HK, sie machen den Schluss, Noro steckt fest. Im strömenden Regen laufen wir zu Jan-Habbo, der bereits vor dem Mobil sich den Schaden besieht. Auch das Sperrdifferential befreit ihn nicht aus der Matsche – er steckt zu tief.
Abwarten und Tee trinken? Da naht aus unserer Fahrtrichtung ein Sattelschlepper und stoppt. Die zwei Mongolen erkennen die Misere, fahren vor Noro und fahren sich auch fest. Alles Rangieren, vor und zurück hilft nichts – der Sattelschlepper kommt nicht frei. Es regnet unaufhörlich. Ich bringe den Mongolen einen Plastikumhang, denn der eine wühlt nur im T-Shirt und Badeschlappen im Regen. Wir suchen Steine zum unterfüttern – die sind leider zu klein und bringen nichts. Inzwischen bin auch ich durchnässt und glitsche zu unserem Mobil zurück. Dort suche ich bei den Kleiderspenden Hemden und Westen für die nassen Mongolen. Peter kommt und holt unsere Schaufeln, zieht Gummistiefel an, er ist inzwischen bis auf die Haut nass. Auch Hans kommt mit einer Schaufel herbeigeeilt. Just als die Männer mit dem Graben beginnen, nähert sich von quer ein schwer beladener LKW. Der Fahrer des Sattelschleppers läuft zu ihm. Mit einer Kette zieht der LKW zuerst den Sattelschlepper und dann Noro aus dem Matsch. Ein spürbares Aufatmen. 1 ¾ Stunden hat die „Befreiung“ gedauert. Auch Noro hat noch trockene Kleidung für die Männer. Mit lautem Hupen und freundlichem Winken setzen die netten Mongolen mit ihrem Sattelschlepper ihren Weg fort. Ob man uns in Deutschland auch so selbstlos geholfen hätte?
Nach einer kurzen Verschnaufpause, trockener Kleidung und heißem Kaffee wollen wir die restlichen 30 km bis Bumbugur schaffen. Doch leichter gesagt, als getan. Ein tiefes trockenes Flussbett zwingt uns einen anderen Weg zu suchen. Wir finden einen anderen Weg und stoppen einen uns entgegenkommenden Tiertransporter. Sie wollen Richtung Altai, so wie wir. Hinter einem noch größeren LKW fahren wir nun Kolonne. Wir hoffen, dass der Fahrer des LKW den Weg kennt.
Dann eine tiefe Abfahrt, wir setzten auf und die Halterung vom Reserverad löst sich. Notreparatur, inzwischen ist der LKW über alle Berge. Das Glück ist auf unserer Seite, unweit von uns fährt ein anderer LKW. Während Peter repariert, schaue ich nach einem geeigneten Weg. Wir können die Fahrt fortsetzten und nach fast zehn weiteren Kilometern bergauf und bergab, haben wir unser Ziel um 18.30 Uhr erreicht: Bumbugur. Wir parken oberhalb vom Ort, ein starker Wind schüttelt unser Mobil kräftig durch.
Heute stelle ich Noro, Redine und Jan-Habbo vor.
Redine wurde 1949 in Norden (Ostfriesland) geboren. Sie war als Einzelhandels-Kauffrau tätig.
Jan-Habbo wurde 1948 auch in Norden geboren. Er ist gelernter Schriftsetzer und hat als Anzeigeleiter bei einer Tageszeitung gearbeitet. Sie sind seit 47 Jahren verheiratet und haben zwei Söhne sowie vier Enkelkinder. Außer Europa waren sie bereits mit uns im Iran, Georgien und Armenien.
Ihr Motto: Glück ist nicht das Ziel der Reise, sondern die Art, wie man reist.


   |   Tages KM: 106   |   GPS Nord: 46°12'22   |   GPS Ost: 99°36'29

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Mittwoch, 1.8. Bumbugur - Buutsagaan

Zwischen unseren Mobilen parkt ein kleiner Allradjeep. Ich sehe einen Kopf und Hände, die eine Landkarte halten. Auf den Vordersitzen liegt eine Person. Während ich das Frühstück zubereite, klettert diese Person, ein Mann, aus dem Auto. Das Fahrzeug hat ein russisches und ein italienisches Kennzeichen. Wie geht das? Auf einer seitlichen Landkarte ist die Tour Italien-Russland 2018 zu sehen. Ich gehe raus. Guten Morgen – er ist Italiener, die Verständigung erfolgt auf Englisch. Er will auch durch das Altai. Dann weiter nach Kyzyl ins Tuwa Tal und über Russland, Georgien, Türkei und Griechenland nach Italien. Bereits am 8.9. will er zu Hause sein. Er war bereits in Kamchatka (4000 km nur Piste) und Wladiwostok, seit Ende Mai ist er unterwegs. War der Straßenbelag gut, dann ist er 800 km am Tag gefahren. Hut ab! Da er keine Küche hat und die Temperaturen in 2000 m Höhe recht frisch sind, biete ich ihm einen Kaffee an, den er gerne annimmt. Hans und Gudrun kommen hinzu und so reden wir noch eine Weile. Mit Arividerchi und vielen guten Wünschen für die Reise fährt er weiter.
Heute hat Peter Geburtstag. Gegen 9 Uhr bringen Redine, Jan-Habbo, Gudrun und Hans Peter ein Geburtstagsständchen, dann machen wir uns auf den Weg nach Buuzagaan. Heute müssen wir zwei Flüsse überqueren, so der Italiener, der bereits vor 2 Jahren diese Reise gemacht hat. Aber es sollen Traktoren zum Ziehen bereitstehen, falls man steckenbleibt. Das Navi führt uns in ein breites, ausgetrocknetes Flussbett. Wir haben schon lange kein Fahrzeug auf unserer Strecke gesehen. Sind wir richtig? Gemäß unserem Navi ja. An einigen Stellen ist es im Flussbett sehr feucht, an anderen sandig und dann haben wir wieder festen Untergrund. Es gilt ständig den richtigen Weg zu finden. Wir steigen oft aus und beratschlagen. Es gilt für uns den richtigen Weg zu finden. So arbeiten wir uns tapfer weiter. An einer sehr sandigen Passage bleit Noro stecken. Es geht weder vor noch zurück – was tun? Wir schaufeln zunächst die Räder frei. Da kommen wie gerufen vier LKW von hinten. Natürlich befreit der eine Noro und zieht auch gleich KH hinterher. Kurze Zeit später sind die LKW über alle Berge. Wir kämpfen uns weiter vor, immer den frischen Reifenspuren nach. Doch nach wenigen Kilometern steckt Noro wieder fest. Keine Hilfe weit und breit. Noro fährt seine Stützen aus, wir anderen suchen Steine und legen sie unter die Reifen. Ein Jeep Allrad kommt aus der Gegenrichtung und hält. 1-2-3, ist Noro frei. Geld für seine Hilfsdienste lehnt der Fahrer ab. Es genügt ein Händeschütteln unter Männern. Bayerlalaa (danke) und weiter geht’s. Nach weiteren 10 Kilometern erwartet uns eine Brücke über den Fluss. Für 30 Kilometer haben wir 3 ½ Stunden benötigt. Darauf zur Beruhigung einen Ramazotti. Wir machen eine längere Mittagsrast, essen dann die Geburtstagstorte, die Redine zubereitet hat. Um 15 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Auf einer Anhöhe erreicht uns ein Anruf von Bimo. Sie sind mit 2 Mobilen heute Morgen in Bayankhongor gestartet und jetzt um 15.30 Uhr in Bumbugur. Wir geben ihnen die GPS-Daten und wollen dann am zweiten Fluss auf sie warten. Der 2. Fluss ist nach gut einer Stunde erreicht und wir sind überrascht wieder eine Brücke. Wir rechnen aus, dass die anderen noch mindestens 2 Stunden bis hierher benötigen werden. Da wir keinen geeigneten Übernachtungsplatz finden, fahren wir lt. Mehrheitsbeschluss weiter. Wir sehen dunkle Wolken und meinen, dass es noch am Abend regnen wird. Bis zum Ziel sind es noch 25 km. Auch hier hat es die Wegstrecke in sich: Waschbrettpiste, es gibt einige Wasserlöcher die es zu umfahren gilt. Unsere Männer nehmen sie vorher in Augenschein. Das kostet sehr viel Zeit. Die Landschaft wird immer karger. Endlich, um 19 Uhr, sind die ersten Häuser von Buuzagaan zu sehen.
Im Ort parken wir auf festem Untergrund. Wir kochen gemeinsam und essen im größten Reisemobil – bei Noro. Danke für die Mühe. Es fängt an zu regnen und hört erst gegen Morgen auf.
Pechvogel und Glückspilz des Tages: Jan-Habbo und Redine.
Doch es kommt noch ganz dicke:
Das Navi findet nicht die auf unserer Landkarte eingezeichnete Straße nach Altai, insgesamt etwa 200 km. Ist die Straße etwa nur geplant und noch nicht gebaut? Das Navi will uns von hier 50 km in den Süden (auf grauer Linie) und dann 250 km bis Altai schicken. Wenn rotmarkierte Straßen schlecht sind, was soll dann uns auf grauen bevorstehen? Was ist hier schief gelaufen? In dieser Nacht schlafen wir schlecht.


   |   Tages KM: 81   |   GPS Nord: 46°10'28   |   GPS Ost: 98°41'45

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Donnerstag, 2.8. Buutsagaan - 50km vor Delger

Peter geht bereits um 9 Uhr auf Infosuche, Tankstelle und Rasthaus am Ortsende. Im Rasthaus sagt man ihm: südliche Route nehmen Richtung Biger und dann bis Altai – 300 km von hier! Oh je! Gudrun und ich gehen um 10 Uhr los. Wir sprechen bei der Bank vor – Fehlanzeige, bei der Polizei – 80 km, dann eine Asphaltstraße bis Altai, bei einem Hotel – 78 km, dann Asphaltstraße bis Altai. Das hört sich doch gut an! Jetzt müssen wir nur noch die Straße finden, denn selten gibt es Hinweise.
Als wir zu den Mobilen mit unseren Infos zurückkehren, ein Jubelschrei: oben am Berg sehen wir Bimo, gefolgt von Brummi. Unten am Stellplatz große Umarmungen. Sie haben nur wenige Kilometer von uns entfernt übernachtet. Auf ihren Navis lässt sich die Straße (wie auf der Landkarte) nachverfolgen
Wir, dass wir in einer Stunde abfahrbereit sind. Um 12 Uhr sind dann alle Fahrzeuge mit Wasser versorgt und vereinbaren Bimo führt die Karawane an.
Unser Weg hat mehrere Möglichkeiten, nicht immer sind die Spuren eindeutig. Nach einigen Kilometern biegen wir nach links ab, um die großen „Wasserlöcher“ zu umfahren. Doch schon bald fährt sich HK in Noros Spur fest. Ein Allrad PKW stoppt – ihn schickt der Himmel – und Schwupps, ist HK frei. Wir wenden alle und setzen die Tour auf der „Busstrecke“ fort. Wir durchfahren eine Steinwüste, keine Jurten, keine Tierherden – alles total ausgestorben und dennoch überraschend schön. Manchmal müssen wir den Weg suchen, dann ist er wieder leicht auszumachen. Nach 40 Kilometern ein großes Wasserloch. Wir beobachten die Fahrzeuge, die die Furt meistern. Sie fahren mit Karacho durch. Ich stiefele los, um von allen Fahrzeugen von einer Anhöhe ein Foto zu machen. Doch leider ist es am rechten Seitenrand so matschig, dass ich mit meinen Botten im Schlamm versinke. Meine größte Sorge: hoffentlich stürze ich nicht mit dem Fotoapparat. Ich ziehe die Botten aus dem Schlamm und gehe auf Socken weiter. Oben am Mobil wird eine kleine Säuberung fällig.
So, jetzt haben wir uns eine Belohnung verdient, es gibt Kaffee und Kuchen. Ingrid zaubert aus einem „verunglückten“ Kuchen ein leckeres Etwas. Die Jurten Kinder (aus den Imbissjurten) sind sofort zur Stelle und begutachten alles neugierig.
Nach einer kurzen Rast geht es weiter. Unsere Fahrer wollen heute noch die letzten Kilometer bis zur Asphaltstraße schaffen. Wir befinden uns jetzt in einer Steinwüste, blauer Himmel und Wolkenbildung - geben immer wieder interessante Anblicke. Nur die Fahrer müssen höllisch auf den Weg achten, bergauf und bergab, über Steine und durch Wasserlöcher.
Kurz vor unserem Ziel stehen wir auf einer Anhöhe, vor uns mehrere tiefe Wasserlöcher, alles glänzt nass im Schein der Abendsonne. Ein Mofa nähert sich von der gegenüberliegenden Seite. Der ältere Mann weist den PKW Fahrern den Weg durch die tiefen Schlammlöcher – das Wasser spritzt hoch auf. Sollen wir, sollen wir nicht? Wir fahren links einer Spur nach, die im Nichts vor einem Feuchtgebiet endet. Wenden und kommen wieder zum Ausgangspunkt zurück. Während wir weitere Fahrzeuge bei der Durchfahrt beobachten, kommt ein Allradunikum. Der Fahrer spricht ein wenig deutsch, er hat in Frankfurt gearbeitet. Er testet die Schlammlochhöhe und meint, dass es für uns geht. Wir sollen nur zügig durchfahren. Er würde uns im Notfall alle einzeln durch die Wasserlöcher ziehen. Vorsichthalber versehen wir alle Fahrzeuge mit einem Abschleppseil, welche über die Seitenfenster auf der Beifahrerseite parat liegen. Bimo hat Allrad und macht den Anfang. Alles gut, wir folgen und nach und nach die anderen. Den Schluss macht der hilfsbereite Mongole. Hurra, es fällt uns ein Stein vom Herzen, wir haben es alle geschafft! Ein herzliches Dankeschön und Reinhard überreicht ihm einen Flyer von uns. Für seine Dienste möchte er keine Bezahlung.
Wir fahren noch wenige 100 Meter, zufrieden parken wir auf festem Grund. Nach all der heutigen Anstrengung fällt bei einigen das Abendbrot aus. Bei Bier und Wein sitzen wir draußen in der Abendsonne und plaudern über „Gott und die Welt“ bis sich die ersten Sterne am Himmel zeigen.



   |   Tages KM: 78   |   GPS Nord: 46°05'37   |   GPS Ost: 97°53'11

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Freitag, 3.8. vor Delger - Altai

Noch 12 Kilometer schlechte Wegstrecke, dann endlich ist die Asphaltstraße erreicht. Wir können es kaum fassen – es fährt sich einfach herrlich! Auch der Fahrer kann nun den Blick weit schweifen lassen: eine weite Steppe, blauer Himmel, Wolken und Sonnenschein – was kann es uns wieder gut gehen!!! Die Hügelketten in der Ferne schimmern in braunen Schattierungen, wir befinden uns im Gobi-Altai. Altai heißt „der Goldene“ und der Name leitet sich von den schönen Stimmungen des Abendlichts ab, das die überwiegend braunbeige Landschaft in goldene Farbtöne taucht.
Um den Ort Delger tauchen auf einem Hügel links riesige Steinmonumente auf. Wir halten und steigen auf den Hügel. Riesengroße Steine mit Aufschriften in Mongolisch und uns unbekannten Schriftzeichen, Tische mit Bänken, zwei große Ovoos– eine Kultstätte? Wir können es uns nicht erklären und im Reiseführer finden wir keine Beschreibung. Der Ausblick ist grandios.
Riesengroße Herden von Schafen und Ziegen, Pferde laufen frei herum, Adler kreisen über uns – so haben wir uns die Mongolei vorgestellt.
Mittags ist die Provinzhauptstadt Altai erreicht. Wir erledigen Einkäufe in den kleinen Supermärkten, bummeln über den „Schwarzmarkt“, eine Art Basar. Von Bekleidung (modern und traditionell), Haushaltsgegenständen, Elektroartikeln, Werkzeug, Jurten und Kleinmöbeln, Kleinkrafträdern (auf denen eine kleine Familie Platz findet) Stoffen und was sonst noch die Nomaden und Stadtbewohner benötigen. Alles in allem sehr interessant.
Unser Lager schlagen wir unweit der Tempelanlage am Berg auf. Wir haben reichlich zu tun um unseren Reisebericht zu vervollständigen – 6 Tage hatten wir kein Internet.
Wir stellen die Uhr um 1 Stunde zurück – jetzt haben wir 5 Stunden Zeitdifferenz zu Deutschland.
Anmerkung: Wir haben es tatsächlich geschafft mit unseren großen Wohnmobilen ohne Allrad diese Strecke, unwegsam, bergauf und bergab, durch Schlamm Löcher, große Wasserlöcher auf teils unbefestigten Wegen über 300km zu fahren. Wir alle sind überglücklich alle Mobile ohne nennenswerte Pannen über diese Strecke gebracht zu haben. Wir glauben das es für Wohnmobilfahrer ohne Allrad mit unserer Größe eine Pionierleistung war.


   |   Tages KM: 145   |   GPS Nord: 46°22'18   |   GPS Ost: 96°14'46

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Samstag, 4.8. Altai - Darvi

Auch in der Stadt können wir uns mit Wasser versorgen, Brummi gibt uns die Daten. An dieser Stelle gibt es keinen Außenanschluss. Wir müssen mit Kannen und Behältern das Wasser zum Mobil bringen. Ein kleiner Junge, etwa 5 Jahre, hilft mir die vollen 5 l Behälter zu tragen. Für 100 l Trinkwasser bezahlen wir seiner Mutter umgerechnet 10 Cent. Dem kleinen Jungen schenke ich eine kleine Keksrolle. Er nimmt das Geschenk mit beiden Händen entgegen und verbeugt sich und strahlt über das ganze Gesicht. Wie anders sind doch die Kinder in Deutschland.
Weil der Wetterbericht um Altai gutes Wetter verspricht, wollen wir einen Tag hier in der Nähe ausspannen. Unweit befindet sich ein See, wir geben den Ort Sharga als Ziel ein. Von der guten Hauptstraße sind es 30 km auf Schotterwege dorthin. Die Fahrer Peter, Hans und Jan-Habbo sind davon nicht angetan – liegen doch 300 km schlechte Wegstrecke just hinter uns. Bimo und Brummi fahren nach Sharga, wir anderen weiter Richtung Khovd. Unterwegs wollen wir an einem schönen Platz morgen die Anderen erwarten. Die gute Straße führt schnurgerade durch eine sehr einsame Steppe. Unterwegs stoppen wir bei einer Motorradgruppe. Die 5 Personen kommen aus Deutschland und Österreich und wollen auch nach Khovd. Sie sind nach Ulan Bator geflogen, eine Gesellschaft hat ihre Motorräder nach Ulan Bator versandt. Nun haben sie 6 Wochen Zeit für die Heimreise. Ein Fahrer aus Wien hat schon viele Fahrten in den Osten unternommen, das besagen die Aufkleber auf seiner Gepäcktasche. Gute Reise und auf Wiedersehen.
Nach der trostlosen Steppe wird es grüner. Wir sehen Jurten an den unteren Berghängen und Tierherden im Tal. Die Berge hier erreichen eine Höhe von 3400m, wir fahren auf 2000m. Das Tal wird enger, doch einen Stellplatz an einem See finden wir nicht, mehr ist das hier ein Sumpfgebiet. Gegen 15 Uhr sehen wir ein geeignetes Plätzchen unweit der Straße. Hier können uns nicht nur unsere Freunde sehen. Nein, auch die Einheimischen fahren vor, um die sonderbaren Fahrzeuge in Augenschein zu nehmen. Ein Mongole schenkt uns eine Flasche Wodka. So hochprozentige Getränke können wir tagsüber nicht vertragen. Wir müssen uns erst Orangensaft besorgen.
Abends besuchen uns die Mücken – sehr zahlreich.
Besuch von einem „fahrenden Händler“. Auf der Ladefläche von seinem Fahrzeug stapeln sich Kartoffelsäcke und Melonen. Auch Bier, Chips und Eier können wir kaufen. Sind das die „lebenswichtigen“ Dinge, die die Nomaden hier benötigen?


   |   Tages KM: 281   |   GPS Nord: 47°02'51   |   GPS Ost: 93°07'31

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Sonntag, 5.8. Darvi - Schlucht Altai Gebirge

Ein freier Vormittag. Schon um 8 Uhr bricht Peter zu einer Wanderung auf. In 4 Stunden will er wieder zurück sein. Er kommt bereits nach 3 ½ Stunden, total von Mücken zerstochen, zurück und
Bus biegt von der Straße ab – 2 bayerische Senioren auf der Fahrt durch die Mongolei. Sie haben berichtet: Die Berge haben sich immer mehr entfernt, dabei sahen sie so nach aus.
Ich mache in der Zwischenzeit fällige Hausarbeiten und räume ein wenig auf. Einige PKW erscheinen, die Insassen sind neugierig. Die eine Familie schenkt mir nach einer Mobilbesichtigung eine Melone. Ein VW eine andere Strecke durch den Süden als wir genommen und berichten über abenteuerliche Wege. Da haben wir wohl noch einmal „Glück im Unglück“ gehabt mit unserer Strecke. Das Ehepaar reist zum wiederholten Mal mit ihrem Allrad durch die Mongolei. Dieses Jahr haben sie mit einer polnischen Spedition ihr Auto nach Bischek (Kirgistan) transportieren lassen. Alles lief perfekt, Papiere ect., etwa 3000 Euro kostet so eine „Anlieferung“. 660 000 km hat dieses Fahrzeug sie bereits begleitet, eine beachtliche Leistung für einen VW. Zurück wollen sie die Nordroute nach Ulan Bator nehmen und dann durch Russland nach Hause reisen. Vor 2 Jahren hatten sie nach langen Regenfällen katastrophale Straßenbedingungen.
Nachricht von Bimo und Brummi: noch 20 km, dann sind sie bei uns. Wir raffen alles zusammen und fahren dann gemeinsam weiter. Bei Zereg gibt es viel Grün um einen See mit Sumpfgebiet. Hier stehen keine Filzjurten, sondern feste aus Stein. Daneben befinden sich Viehunterstände und das Brennmaterial für den Ofen (getrockneter Kuhdung) liegt aufgeschichtet daneben. Die gute Straße führt jetzt links an einem Berghang entlang, hier nur Steine und Geröll – kein Grün.
Auf einen Tipp von Werner zweigen wir in Manchan ab auf die A 14. Eine neue Straße mit guter Asphaltdecke führt durch die Bergwelt des Altai, die Berge hier sind bis zu 4000m hoch. Würden wir die Straße bis zum Ende fahren, dann wären wir nach etwa 300 Kilometern an der Chinesischen Grenze. Wir wollen nur bis Altai Soun, das sind 220 km.
Nach etwa 50 km finden wir ein geeignetes Übernachtungsplätzchen inmitten der Bergwelt. Ein Adler kreist über uns, an den schroffen Felsen lassen sich Adlerhorste vermuten.
Leider ist auch hier die Mückenplage groß und ein Sitzen im Freien unmöglich.


   |   Tages KM: 144   |   GPS Nord: 47°04'11   |   GPS Ost: 92°19'40

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Montag, 6.8. Schlucht - Altai Soun

Die bayrischen VW Bus Fahrer von gestern stoppen neben uns. Sie geben uns einen Tipp: von einem wundervollen Parkplatz mit schönem Panorama.
Unsere weitere Strecke steigt langsam bergan. In den Tälern gutes Weideland für die Herden der Nomaden. Zum ersten Mal sehe ich riesige Yak Herden. Auch Kamele ziehen durch die Landschaft. Die verstreuten Jurten der Nomaden leuchten weithin. Auch hier kreisen Adler.
Wir kommen an „Hirschsteinen“ vorbei. Das sind über 4000 Jahre alte Begräbnisstätten von Skyten-Kriegern – so der Reiseführer.
Auf 2800m begrüßt uns ein großer Ovoo. Weil Zeit ist, umlaufe ich ihn und werfe 3 Steine darauf – für eine gute Reise. Es geht bergab, durch das Tal schlängelt sich ein Fluss. Im Grün lassen sich gelbe Blumenwiesen erkennen. Eine große Yak Herde, darunter viele Jungtiere, läuft frei herum. Alles sieht so friedlich aus – wunderschön. Hier möchte man länger verweilen.
Auf einem großen Parkplatz stoppen wir für Fotos. Davor befinden sich einige Jurten Cafés. Die Frauen sitzen draußen und verrichten Arbeiten. Hier sind warme Jacken aus meiner Kleiderspende sicherlich willkommen. Ich werde zu Tee (grüner Tee) und Aruul (auf den Jurten Dächern getrockneter Quark für die Wintermonate) eingeladen. Die Besitzer sprechen, so wie ich, einige Brocken russisch. Sie wollen wissen woher wir kommen und wohin die Reise geht. Der Flyer macht die Verständigung leichter.
Mittagsrast nach einen Kilometern. Durch die vielen Fotostopps sind wir zurzeit allein unterwegs. Nicht weit von uns steht hinter einem festen Gebäude eine Jurte. Es kommt ein Mann auf Krücken langsam näher. Ich begrüße ihn und zeige auf unserer Landkarte unsere Reiseroute. „Nach China?“, will er wissen. „Nein, nur nach Altai und zurück“, erkläre ich ihm. Mit Blick auf seine Beine beginnt er zu berichten und zeigt auf der Karte Richtung Norden. Beide Oberschenkel gebrochen und er ist noch relativ jung. Hoffentlich wird das wieder. Denn was kann ein Nomade mit kranken Beinen bewerkstelligen? Er hält für jedes seiner Kinder einen Finger hoch – sechs an der Zahl. Peter holt einen Fußball und Fußballschuhe aus der Garage, ich packe etliche Kleiderspenden in einen alten Rucksack. Dann begleiten wir den Mongolen zu seiner Jurte. Seine Frau sitzt vor der Jurte und backt Teigtaschen im Fett aus. 3 Kinder, 6 bis 11 Jahre, sind gleich bei uns. Peter überreicht den Fußball, den Rucksack stellen wir ab. Auf dem Platz liegt neben einem UAZ ein zerlegtes Getriebe. Auto kaputt, Beine kaputt – was für ein Schicksal. Man bittet uns in die Jurte zum Tee, da fährt just auf der Landstraße Bimo vorbei. Wir weisen auf das Mobil: Drug (Freunde). Wir müssen leider weiter. Man gibt uns noch einige Gebäckstücke und Aruul mit auf den Weg. Bayrlaa. Als wir auf der Straße die Jurte passieren, steht neben der Jurte die ganze Familie und winkt uns nach.
Noch immer fahren wir auf sehr guter Straße, wir können unser Glück kaum fassen. Am Berghang sehen wir Glitzersteine, sie blinken wie Diamanten. An einem Fluss warten Noro und HK auf uns. Gemeinsam fahren bis Altai Soun. Das Angebot von frischen Waren in den kleinen Supermärkten ist sehr dürftig, auch Brot bekommen wir erst nach mehreren Anläufen.
Gemeinsam wird beschlossen soweit wie möglich zur chinesischen Grenze zu fahren.
Das Landschaftsbild wechselt, nur noch kahle Berge und davor Steinsteppe. Was aber auch sehr interessant aussieht. Noch 60 Kilometer, dann ist die schöne Teerstraße an einer Baustelle zu Ende. Wenige Meter weiter müssen wir eine Furt passieren und reißen uns zum wiederholten Male die Halterung vom Reserverad ab. Peter montiert es ab und legt es in die Garage. Zwei untätige Bauarbeiter von der Baustelle kommen zu uns, besehen sich den Schaden und schauen in alle offenen Stauklappen. Sie warten wohl auf Baumaterial. Können sie nicht mal rasch mit ihren Baggern die Furt zuschaufeln, damit für uns die Rücktour einfacher ist?
Inzwischen sind auch Bimo und Brummi da. Brummi checkt einige Kilometer Strecke, soweit das Auge reicht nur Piste. Gemeinsam kehren wir um und suchen ein gutes Schlafplätzchen für die Nacht.
Abends funkelnder Sternenhimmel über uns in 1500m Höhe.


   |   Tages KM: 303   |   GPS Nord: 46°03'15   |   GPS Ost: 92°31'56

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Dienstag, 7.8. Altai Sun - Tal Altai Gebirge

Da am Wochenende unser Grenzübergang nach Russland geschlossen ist, wollen wir uns alle am Freitag im nächstgrößeren Ort, in Khovd, treffen. Bimo und Brummi wollen über ein Seitental nach Must und dann zum Treffunkt – wir anderen wollen noch 3 Tage im schönen Altai Gebirge verbringen. Nachdem das Tal breiter wird, die Yak Herden am Fluss auftauchen, schauen wir nach einem für uns geeigneten Stellplatz. Nach mehreren Anläufen finden wir einen schönen auf einer kleinen Bergkuppe. Von hier lassen sich die Tiere gut beobachten.
Wir verbringen einen ganzen Nachmittag ohne Programm – das ist auch schön!
Vor dem Schlafengehen treten Peter und ich vors Mobil um den Sternenhimmel anzuschauen. Außer dem „großen Wagen“ sehen wir noch die Milchstraße und weit im Süden ein gelbglänzendes Etwas am Himmel. Wir holen das Fernglas, doch auch durch das ergibt sich für uns keine Erklärung. Während die anderen Sterne weißgelb leuchten, strahlt dieser große besondere Stern in goldgelb. Nachts gegen 2 Uhr schaue ich nochmals, jetzt steht der Stern im Westen.
Heute möchte ich HK, Gudrun und Hans vorstellen:
Gudrun wurde 1948 in Bremerhaven geboren. Sie hat eine Tochter und 3 Enkelkinder. Von Beruf war sie Lehrerin. Hans wurde 1951 in der Eulenspiegelstadt Mölln geborgen. Er hat 2 Töchter und 1 Sohn und 7 Enkelkinder. Von Beruf war er Lehrer. Sie leben seit 16 Jahren zusammen und lieben es, mit ihrem Wohnmobil zu verreisen. Sie wollen die Welt bereisen, unvergessliche Abenteuer erleben und Momente sammeln, die für immer bleiben.
Ihr Motto: Das wichtigste Stück im Reisegepäck ist und bleibt ein fröhliches Herz!


   |   Tages KM: 55   |   GPS Nord: 46°25'42   |   GPS Ost: 92°29'17

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Mittwoch, 8.8. Tal - Steppe Altai Gebirge

Der Pass in 2880m Höhe liegt vor uns. Vorher wollen wir noch tanken. Doch die Tankstelle ist um 10.30 Uhr geschlossen, Pech gehabt. Ob unsere etwa 20 l im Tank bis zur nächsten Tankstelle in Mankhan (100 km) reichen werden? Die Landschaft im Altai ist einfach grandios, besonders begeistern uns die freilaufenden Tierherden.
Bald nach dem Pass, Abzweig nach Must, in diesem Tal wollen wir bleiben. Einige der hohen Berge ringsherum tragen eine Schneehaube. Als unsere Fahrzeuge stehen, sehen wir Bimo und Brummi auf der nahen Hauptstraße. Sie haben uns auch bereits entdeckt und biegen ab. Die Nacht haben sie in Must verbracht und hatten überraschend gutes Internet. Heute wollen sie weiter nach Khovd, eine Wäscherei und Reifen-Werkstatt aufsuchen. Wir verbringen den Nachmittag in diesem weitläufigen Tal. Gudrun backt einen Kuchen – was kann es uns doch wieder gut gehen!
Ein starker Wind treibt dunkle Wolken über das Tal, doch wir bleiben vom Regen verschont.


   |   Tages KM: 68   |   GPS Nord: 46°44'59   |   GPS Ost: 92°37'47

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Donnerstag, 9.8. Steppe - Khovd

Weiterfahrt und Stopp auf einem Parkplatz. Das Panorama ist noch gewaltiger, wenn man die wenigen 100m zu dem Felsentor hinaufsteigt. Diese Landschaft hat einen Zauber in sich. Ich bin fast ein wenig betrübt, als wir die Kreuzung in Mankhan erreichen und Richtung Khovd abbiegen. Übrigens hat unser Kraftstoff bis zur Tankstelle hier gereicht. Es geht 70 km fast schnurgerade aus.
Die Straße führt über einen Berg, unten erblicken wir Khovd – eine grüne Oase inmitten eines kargen Felskessels. Diese Stadt lag früher an der nördlichen Seidenstraße, hier begann der Handelsweg nach Xinjiang und auch Verbindungsstrecken nach Russland führten hier vorbei. 1911 wurden die Chinesen gewaltsam vertrieben. Heute leben Monolgen, Tuwiner und Kasachen friedvoll miteinander in Khovd. Die Kasachen betreiben, Dank Bewässerungstechnik, hier Gemüse- und Obstanbau. Doch das Angebot auf dem Markt und Supermarkt ist sehr spärlich!
Wir empfinden die Stadt um die Mittagszeit als sehr heiß und erledigen unsere Einkäufe und die Wasserversorgung schnell. An den Ufern des Buyant Gol haben Bimo und Brummi im Schatten eines kleinen Platanenwalds einen schönen Stellplatz gefunden. Wir gesellen uns dazu und schauen dem bunten Treiben am Fluss zu. Die Erwachsenen machen Picknick und die Kinder baden im seichten Fluss. Über eine Brücke, auf der anderen Fluss Seite, steht eine Jurten Siedlung. Wir nehmen an, eine Feriensiedlung. Hier im Hohen Altai, soll die Luft besonders gut sein. Von Khovd gibt es eine gute Flugverbindung nach Ulan Bator. Ob unser Weg nach Ölgii und weiter nach Russland auch so gut ist, wird sich die nächsten Tage herausstellen. Einige Personen sprechen von 70 km schlechter Wegstrecke (Piste), andere von 140 km. Eine endlos lange Piste soll neben einer Baustelle die einzige Verbindung sein. Na, da kommt Freude auf!


   |   Tages KM: 178   |   GPS Nord: 48°00'38   |   GPS Ost: 91°38'03

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Freitag, 10.8. Khovd - Jurte

Peter und ich erkunden am Vormittag die Stadt. Wir schlendern über den Schwarzmarkt. Gassen mit Lebensmitteln, Beleidung, Haushaltswaren, Autozubehör, Reifen – der Verkauf findet überwiegend in Containern statt. Ausgediente Benzintanks von Tankstellen dienen auch als Verkaufsraum. Ich sehe erstmals „Ziegeltee“, das ist gepresster Tee in Form eines Ziegelsteins. Die Nomaden verwenden diesen gerne als Grundlage für ihren gesalzenen Milch Tee. In der Markthalle kaufen wir noch Obst und Gemüse – grad so viel, wie wir tragen können. Zu Fuß geht es zurück. Gegen 13 Uhr wollen wir mit Noro und HK Richtung Ölgii aufbrechen. Brummi und Bimo wollen noch Reste der chinesischen Mauer ausfindig machen und dann am nächsten Tag nachkommen. Außerdem fahren sie auf Pisten in einem schnelleren Tempo als wir.
Unser Navi (Garmin) zeigt die neue Straße nach Ölgii nicht an, so navigieren wir erstmals mit dem Handy über OsmAnd.
Die AH4 ist gleich hinter Khovd neu. Bis auf 4 km Umfahrung mangels Brücken, kommen wir auf der Asphaltstraße 69 Kilometer gut voran. Dann beginnt die Piste, mal links, mal rechts neben der neuen Straße. Wir sehen in dieser Landschaft nicht nur die Jurten der Straßenarbeiter, sondern vereinzelt auch die der Nomaden. Ihre Herden bestehen hier überwiegend aus Ziegen und Schafen. Doch es laufen auch etliche Pferde und Kamele frei herum. Die Piste ist sehr trocken und staubig, wir fahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 15 bis 20 Km/h. Gegen 16.30 Uhr machen wir für heute Schluss. Wir stehen auf einer Anhöhe, unter uns im Tal sehen wir eine Jurte, unweit fließt ein rauschender Bach. Wir winken den Bewohnern der Jurte zu und schon bald schwingt sich ein Mann auf sein Pferd und reitet zu unseren Mobilen. Vom nicht weit entfernten Jurten- Café nähern sich 2 Männer und 1 Frau. Unsere Mobile sind ja nicht zu übersehen. Kikis schöne Oberhemden wechseln die Besitzer, die Mongolen sind sichtlich erfreut. Die Frau erhält von Gudrun einen Pullover. Inzwischen ist auch der 8jährige Sohn des Reiters mit seinem Pferd eingetroffen. Für ihn haben wir einen Fußball. Nach und nach verabschieden sich die Zaungäste, wir sitzen im Sonnenschein und schauen dem Treiben vor der Jurte zu. Eine Ziegenherde wird zusammengetrieben. Mit einem Seil verbindet man die Hörner der Tiere, sie stehen nun Kopf an Kopf. Hans, Redine und ich laufen zu dem Geschehen. Die Nomadenfrau kniet sich hinter jedes Tier (es sind 61) und beginnt nach und nach mit dem Melken. Der kleine Junge hilft seiner Mutter. Der Ehemann schaut zu und schenkt uns Aarul (Trockenquark). Man fordert uns auf auch eine Melkprobe zu versuchen, doch lachend lehnen wir ab und gehen zu den Mobilen zurück.
Mit einem Handgriff ist nach dem Melken das Seil um die Hörner der Ziegen gelöst, man treibt die Herde auf die Weide.
Während wir vor den Mobilen einen Absacker genießen, frischt der Wind auf. Über den Bergketten zucken bereits die ersten Blitze und wir hören Donnergrollen. Wir verziehen uns in die Mobile und schauen aus dem Fenster. Die Frau richtet neben der Jurte einen Blitzableiter auf und der Mann und Junge treiben die Herde zurück, sie steht nun dichtgedrängt neben der Jurte. Die zwei Hunde werden sie beaufsichtigen. Rauch steigt aus dem Schornstein der Jurte. Nachdem alle Personen in der Jurte verschwunden sind, schließt man die Tür. Es ist bereits dunkel. Das Gewitter kommt näher, grell leuchten die Blitze und der donnerhallt von den Bergwänden zurück. Dann setzt heftiger Regen ein.
Trotz Regen und Finsternis passieren etliche Fahrzeuge die Schotterpiste in beide Richtungen.


   |   Tages KM: 89   |   GPS Nord: 48°25'12   |   GPS Ost: 90°58'26

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Samstag, 11.8. Jurte - Tolbo See


In der Nacht bellen die Hütehunde. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich eine Person mit einer grellen Taschenlampe die nähere Umgebung ableuchten.
Morgens ist um die Jurte schon emsige Tätigkeit zu bemerken. Die Ziegen sind unruhig und wollen auf die Weide. Das Flusswasser sieht heute ganz braun aus. Was machen die Nomaden jetzt, wo sie doch ihr Trinkwasser aus dem Fluss holen?
Ab 9 Uhr nehmen wir die restlichen 80 Kilometer Piste in Angriff. Wir kreuzen mehrmals die „neue“ Straße. An sehr vielen Stellen ist schon eine Asphaltdecke zu sehen, dann wieder ist man mit schweren Maschinen dabei einen Untergrund zu schaffen. Wir schätzen, dass in spätestens 2 Jahren alles fertig sein wird. Doch wo bleibt dann das Abenteuer?
Durch den Regen der letzten Nacht steht in einigen Vertiefungen Wasser, doch nie zu tief für unsere Fahrzeuge. Die Baustellen LKW fahren ohne „Rücksicht auf Verluste“ rasant hindurch.
Jurten Umzug – Uns begegnen eine Fahrzeuge mit Jurten auf der Ladefläche. Dort, wo früher das Jurtenrad ganz oben auf der Ladefläche lag, sind es heute die SAT Schüsseln. So hat auch bei den Nomaden die „große weite Welt“ Einzug gehalten.
Bald ist der eine Pass in 2570 m Höhe überschritten, es grüßt der Gletscher des 4202 m hohen Tsast Uul. Wir treffen einen Engländer mit Allrad – noch 50 Kilometer Piste, so seine Auskunft! Mit ihm sind viele buntbeklebte Kleinwagen unterwegs. Auf ihren Dächern Reservereifen und Benzinkanister. Eine Rallye von Engländern durch die Mongolei? Bei uns stoppt kein Fahrzeug, alle scheinen es sehr eilig zu haben.
Bis zur Mittagspause haben wir für 30 km 2½ Stunden benötigt. Auf dem Parkplatz möchte ein kleiner Junge seinen jungen Adler vorführen. Hier im Bezirk des Bajan Ulgij feiert man im Frühling das Adlerfest. Junge Tiere richtet man für die Jagd ab, gibt ihnen aber nach 10 Jahren die Freiheit. Adler können bis zu 50 Jahre alt werden – so der Reiseführer.
Die Landschaft hier in den Bergen ist wunderschön, wenn wir nur nicht so angestrengt auf die Piste achten müssten!!! Mal geht der Weg links, dann rechts der Ausbaustrecke. Mal sandig, dann steinig - was ist für uns der richtige Weg? Der zweite Pass befindet sich in 2655 m Höhe, auch hier gibt es einen Gletscher (auf der linken Seite) zu bewundern. Trotz der Gletscher, ist es sommerlich warm. Wir erreichen ein Hochplateau und sehen viele Jurten, die Berghänge werden grüner.
Nach etwa 83 km haben wir die Asphaltstraße erreicht. Wir schweben wie „auf Wolken“. Noch 25 km, dann sehen wir den blauen Tolbo See. Er liegt in 2000 m Höhe und an seinem Ufer zelten und picknicken viele Einheimische. Auch wir machen einen Abstecher. Der See ist im Uferbereich sehr flach. Peter macht eine Handprobe - das Wasser ist angenehm warm. Doch schon bald umschwirren uns die Mücken und der „Rummel“ und Müll am See ist nichts für uns. Wir fahren noch einige Kilometer bis zu einem weiteren Abzweig zum See. An der Straße hören wir einen Funkspruch von Bimo und Brummi – sie sind uns auf den „Fersen“. Wahrscheinlich sind sie an der ersten Möglichkeit zum See bereits abgezweigt. Bedauerlich: Kein Handyempfang.


   |   Tages KM: 112   |   GPS Nord: 48°38'06   |   GPS Ost: 89°58'26

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Sonntag, 12.8. Ölgii - Grenze

Im äußersten Westen der Mongolei liegt der Aimag Bajan Ölgii, der vor allem vom Mongolischen Altai beherrscht wird. Dieses höchste Gebirge des Landes zieht sich von hier in Richtung Südosten entlang der chinesischen Grenze. Von Ölgii sind es 1.700 Kilometer bis Ulan-Bator.
Wissenswertes aus dem Reiseführer: In Ölgii leben überwiegend Kasachen. Im 19. Jh. flohen viele Kasachen aus Kasachstan, sie wollten im Zarenreich nicht russisch werden. Zunächst gingen sie nach China, wo man sie erneut vertrieb. Schließlich durften sie im Westen der Mongolei bleiben. Die Kasachen sind Muslime und leben wie die mongolischen Nomaden als Selbstversorger in Jurten.
Schon wieder haben wir eine Staubpiste vor uns. Da unsere Mobile über 5t wiegen, müssen wir die Nebenstrecke nach Ölgii nehmen. Staub, Staub und nochmals Staub. In Ölgii fegt der Wind durch alle Gassen. Da macht ein Stadtbummel wahrhaft keinen Spaß. Obwohl Sonntag ist, haben alle Supermärkte – auch die ganz kleinen, geöffnet.
Im Ort Treffen wir Brummi und Bimo beim Einkaufen. Wir beschließen mittags gemeinsam essen zu gehen und dann Richtung Grenze zu fahren. Sonntags ist die Grenze Mongolei/Russland geschlossen, sie öffnet Montag um 9 Uhr.
Ein letzter Blick auf die Schönheiten der Mongolei: Die Berge mal sanft und grün, dann karg und teilweise mit Gletscher, die Jurten der Nomaden, die freilaufenden Herden, der blaue Himmel mit den weißen Wolken und Adler, die am Himmel kreisen. Da wird es einem ganz wehmütig ums Herz – morgen reisen wir aus.
Wir kommen über einen Pass auf 2616m. Bis zur Grenze fahren wir nochmals Piste, 24 Kilometer. So waren es insgesamt 140 km Piste von Khovd bis zur Grenze.
Vor uns stehen einige russische Tanklaster. Dann reihen wir uns ein. Wir werden die Nacht vor der Grenze verbringen und morgen zeitig aufstehen.
Keine Landesflagge, wie die der Mongolen, bezeichnet mit seinem Staatssymbol Soyombo für mich das, was ein Land ausmacht. Hier eine Erklärung aus dem Reiseführer: Das Piktogramm des Soyombo wurde schon von Marco Polo im 13. Jh. beschrieben. Bedeutung der Elemente: dreizüngige Flamme = Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Familie, hier des Volks – Sonne und Mondsichel stehen für die Herkunft der Mongolen (entsprechend vieler Sagen) – Dreiecke kennzeichnen die Wehrhaftigkeit – Rechtecke stehen für Geradlinigkeit, Rechtschaffenheit und Ehre – zwei ineinander verschlungene Fische symbolisieren die Einheit von weiblichen und männlichen Elementen (da Fische nie die Augen schließen, stehen sie auch für Wachsamkeit) – Begrenzungsblöcke gleichen Wällen oder Grenzmauern – Aufforderung zu starkem Zusammenhalt des Volkes.


   |   Tages KM: 145   |   GPS Nord: 49°36'13   |   GPS Ost: 89°27'50

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