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Russland - Mongolei - 2018

Kasachstan

Mittwoch, 22.8. Grenze - Semey

Der heftige Wind in der Nacht jagt alle Mücken fort. Die Luft kühlt sich auf 13°C ab. Unser heutiges Ziel ist Semij, 100 Kilometer entfernt. Wir durchfahren überwiegend eine Steppenlandschaft und sehen nur wenig Ackerbau. Hier, wenige Kilometer nach der Grenze, sieht die Landschaft ganz anders aus als gestern in Russland. Der Straßenbelag ist sehr wellig und wir kommen nur langsam voran. Das Navi führt uns ins Zentrum – Peter hat einen Platz über Google ausfindig gemacht. Kurz davor finden wir geeignete Parkplätze. In der Stadt versorgen wir uns mit der Landeswährung Tenge (für 1 Euro erhalten wir 413 Tenge) und kaufen eine SIM-Card. Warten macht hungrig. Und schon bald sitzen wir in einem „Plüschrestaurant“ und lassen uns Pizza und Bier schmecken.
Gestärkt machen wir uns auf zu den Mobilen und kommen am Abaj Gedenkmuseum vorbei. Das Museum wird in unserem Reiseführer als sehr sehenswert erwähnt. Abaj war ein großer kasachischer Dichter, der mit seinen Gedichten sehr zutreffend die Kasachen beschrieben hat. Vor dem Museum herrscht ein buntes Treiben. Junge Mädchen in farbenfrohen Trachten stehen aufgereiht, dahinter Schüler/innen, Eltern und Lehrer. Man bittet uns näher zu treten und der Direktor und seine Vertreterin begrüßen uns. Sie laden uns ein das Museum nach der Veranstaltung zu besichtigen. Es ist auch bald ein junger Mann zur Stelle, der englisch spricht. Gudrun wird stellvertretend für die Gruppe von einem Fernsehteam befragt: Wie wir Kasachstan finden und was wir uns anschauen wollen. Das ist natürlich schnell beantwortet, denn wir sind ja erst einen Tag in diesem Land. Wir sehen uns die Darbietungen an. Es werden Gedichte vorgetragen und Lieder gesungen. Dann legt man Blumen vor dem Denkmal von Abaj nieder.
Mit dem jungen Mann gehen wir durch die Ausstellungsräume des Museums. Da er uns viel erklärt, können wir viele interessante Details von dem großen Dichter Abaj erfahren.
Fuß müde erreichen wir um 17 Uhr die Mobile. Wir fahren weiter. In einem Park befindet sich das Denkmal: stärker als der Tod. Es erinnert an die Opfer der Atomversuche.
Wissenswertes aus dem Reiseführer: der Großraum um Semij war bis in die 1980 Jahre Sperrgebiet wegen Atomversuche. Hier lebte eine halbe Million Menschen die keinen Besuch von außerhalb empfangen durften. Seit 1991 gibt es keine Versuche mehr.
Im 17. Jh. entstand diese Stadt (sie hatte früher einen anderen Namen) wegen der vorteilhaften Lage in der fruchtbaren Ebene am Ufer des Jertis. Sie lag an der Kreuzung von Handelswegen, war Umschlagplatz von Waren aus Russland, China und Mittelasien.
Wir übernachten im Park unweit vom Denkmal: Stärker als der Tod.


   |   Tages KM: 101   |   GPS Nord: 50°23'18   |   GPS Ost: 80°15'43

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Donnerstag, 23.8. Semey - Pavlodar

In der Steppe südlich von Semej wurden in den Jahren 1949 bis 1989 über 400 Atomtests durchgeführt - einmal im Monat, meistens am Sonntagvormittag. Üblich war es am Samstag Unmengen Wodka zu trinken, angeblich um die Auswirkung der Strahlen zu mindern.
350 Kilometer Strecke bis Pawlodar liegen vor uns und wir wollen Diesel tanken. Doch an den Tankstellen die wir passieren gibt es keinen Diesel. Das kann ja heiter werden, denn mit nur 25 Liter im Tank kommen wir nicht weit. So fragen wir bei jeder Tankstelle nach. Irgendwann klappt es tatsächlich und wir können volltanken – Glück gehabt!
Außerhalb der Stadt beginnt die Steppe, mit Sanddünen und Kiefern, Federngras wiegt sich im Wind. Es sind nur wenige Tierherden unterwegs, kein Ackerbau. Man baut eine neue Straße. Wir müssen diese zeitweise verlassen und auf einer Piste nebenher fahren. Diese ist wellig und staubig und wir kommen nur mit 20 Km/h voran. Wenn wir ein Stück Teerstraße fahren dürfen, dann ist wegen der Baustellen nur 60 km/h erlaubt. Die heutige Fahrt scheint kein Ende zu nehmen – Piste insgesamt 70 km.
Endlich kommen wir in Pawlodar an. Es begrüßen uns schon von weitem die 4 Minarette der Maschchur-Zhusup Moschee. Sie ist eine der größten Kasachstans. Wir Frauen bekommen einen Mantel mit Kapuze gereicht, ein Kopftuch allein genügt nicht. In den Gebetsraum dürfen wir nur einige Schritte, denn für Frauen ist die erste Etage zum Beten vorgesehen. Durch eine Art Scherengitter blicken wir hinunter.
Religion ist in Kasachstan keine Staatsreligion. Verbreitet sind ein gemäßigter sunnitischer Islam und russisch-orthodoxes Christentum. Doch nach dem Tod werden die Muslime in Kasachstan in aufwendigen Grabstätten beigesetzt, eine Totenstadt mit Kuppeln und Mondsicheln.
Bimo und Brummi haben ein nettes Eiscafé ausfindig gemacht und wir schließen uns gerne an. Die Bedienung ist extrem langsam – vielleicht sind wir auch nur genervt von der langen Fahrt und ein Platz für die Nacht ist auch noch nicht gefunden. Bis wir in der Nähe vom Fluss stehen, vergeht noch eine Weile. Leider wird es nichts mit draußen sitzen, denn die Mücken erwarten uns schon!


   |   Tages KM: 356   |   GPS Nord: 52°15'22   |   GPS Ost: 76°56'14

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Freitag, 24.8. Pavlodar - Torghay

Das war ein ruhiger und schöner Platz den Brummi und Bimo ausfindig gemacht haben.
Peter und ich wollen noch einen Stadtbummel durch das alte Pawlodar unternehmen, bevor wir die 300 km bis zum heutigen Ziel weiterfahren. Noro und HK machen sich schon auf den Weg – während Bimo und Brummi sich auch noch einiges in der Stadt ansehen wollen.
Wir schlendern durch die Leninstraße und bewundern die ehemaligen Kaufmannshäuser aus rotem Backstein, die hier Ende des 19. Jh. gebaut wurden. Weiter im Süden der Stadt befindet sich am Fluss das alte Wohnviertel. Wir sehen noch etliche alte Holzhäuser, dazwischen hat man neue, festungsartige Villen gebaut. Hier begrenzt eine Steilküste den Fluss, Treppen führen hinab und wir sehen stadteinwärts einen langen schönen Badestrand. Sehenswert ist auch die Segenskathedrale. Sie wurde erst 1999 fertiggestellt, nach dem Vorbild der Kreml Kirchen in Moskau. Wir verweilen ein wenig länger in der Kathedrale und lauschen dem schönen mehrstimmigen Frauen-Gesang.
Nun wird es aber Zeit für die Weiterfahrt, es ist bereits 11 Uhr. Doch wir haben die Rechnung ohne die Verkehrspolizei an der Brücke gemacht. Wir wechseln 100m vor dem Polizeihäuschen die Spur um geradeaus weiterzufahren. Ein junger Polizist stoppt uns, stellt sich mit Namen vor und auch Peter nennt seinen Vornamen – Pjotr (russisch für Peter). Alle Papiere reichen wir ihm nach und nach aus dem Fenster: Pässe, Fahrzeugschein, Führerschein und Versicherungsschein. Er stutzt: da steht doch Karl-Heinz als Vorname. Peter zeigt im Pass auf alle seine Vornamen. Ok. Dann macht er Peter auf seinem Handyübersetzer auf den Verkehrsverstoß Fahrbahnwechsel aufmerksam und schaut uns dabei durchdringend an. Weiter übersetzt er: Er will uns nur verwarnen und wünscht uns eine gute Fahrt. Da fällt uns aber ein „Stein vom Herzen“. Verabschiedung erfolgt per Handschlag unter Männern. Nichts wie weg hier!!!
50 Kilometer haben wir 1a Straßenbelag, dann wechseln sich Piste und sehr welliger Asphalt ab. Auch hier wird eine neue Straße gebaut, mit max. 40 km/h kommen wir vorwärts. Der Himmel bewölkt sich und es sieht nach Regen aus. Die Steppe hier nennt man Sary-Arka – gelber Rücken. Die Steppe leuchtet in vielen Gelbschattierungen. Wir befinden uns im Mutterland der Kasachen und sehen nur ganz selten eine Ortschaft. Gegen 16 Uhr melden sich Noro und HK: den Stellplatz am See kann man nicht anfahren – Leitplanken rechts und links begrenzen eine Autobahn. Sie werden die 200 km bis Astana noch heute fahren und dort auf uns warten. Ab da wird durch eine Art Autobahn die Fahrt auch für uns angenehmer.
Um 17 Uhr suchen wir einen geeigneten Stellplatz für die Nacht, Brummi und Bimo sind noch weit hinter uns, sie sind in Pawlodar erst nach einer Mittagsrast gestartet.
Als wir auf der festen Wiese aussteigen, bemerken wir sehr starken Dieselgeruch. Verdammt, das sind wir. Peter schaut unter die Motorhaube. Eine Dieselleitung ist durch die Rüttelei durchgescheuert und wir verlieren Kraftstoff. Während Peter fieberhaft über eine Notreparatur nachdenkt, hänge ich draußen Wäsche zum Abtropfen auf. Doch kaum hängt diese, naht eine Gewitterfront. Sturm und Regen peitschen in Sekundenschnelle über die Steppe. Da können wir nur das Unwetter abwarten und die Reparatur auf morgen verschieben. Peter hat ein Stück Wasserschlauch in seiner Werkzeugkiste gefunden. Ob das hält und wir die restlichen 130 km bis Astana schaffen, das steht in den Sternen. Tankstellen, und Tankstellen mit Diesel, sind auf dieser Strecke Mangelware.
Gegen 19 Uhr treffen Bimo und Brummi ein. Ein kurzer Plausch im Freien, es regnet schon wieder. Wir verkriechen uns alle in die Mobile. Nachricht von Noro und KH, sie sind gut in Astana eingetroffen.
Erkenntnis: Für uns ist es heut nicht gut gelaufen!


   |   Tages KM: 333   |   GPS Nord: 51°44'44   |   GPS Ost: 72°42'19

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Samstag, 25.8. Torghay - Astana

Regen, Regen und nochmals Regen – die ganze Nacht. Der Boden um uns herum ist aufgeweicht. Wir fahren zwecks Reparatur zu der benachbarten Tankstelle unter das Dach. Peter setzt den Wasserschlauch ein, hoffentlich hält die Notreparatur bis Astana. Auch die Tankstelle hier hat kein Diesel – wir nur 20 Liter Reserve. Wir bitten Bimo hinter uns zu fahren. Falls wir liegenbleiben können sie vielleicht Hilfe holen. Der gefüllte Reservekanister von Brummi liegt bereits in unserer Garage. Reinhard und Ingrid fahren mit dem kleinsten Mobil, doch was sie alles an Ausrüstung und Ersatzteilen dabeihaben: Hut ab!!! Da merkt man schnell die Erfahrung von Weltreisenden.
Unser Mobil schnurrt und die Reparatur scheint geglückt zu sein. Wir wollen trotzdem die richtigen Kraftstoffschläuche in Astana bei IVECO einbauen lassen. Eine Adresse haben wir (dank Dietmar) bereits rausgesucht. Auch Christiane war auf dem Navi nicht untätig, sie nennt uns sogleich die Straße der Werkstatt.
Kurz vor Astana eine Verkehrskontrolle, warum winkt man uns ausgerechnet raus? Peter ist sauer. Keine Kontrolle draußen, denn es regnet ja schon wieder in Strömen. Wir müssen ins Gebäude. Das übliche: alle Papiere vorlegen. Dann fragt der Polizist woher wir kommen. Er tippt umständlich in sein Handy, welches für uns übersetzt: Sein Klassenkamerad ist 1994 nach Deutschland ausgewandert und lebt in Hamburg. Dann – wie es uns geht. „Danke, gut“, ist unsere Antwort. Er: „Auf Wiedersehen und eine gute Reise“. Da sind wir platt. Wir verabschieden uns freundlich mit Sau bol (das heißt auf Kasachisch Tschüss) Als wir im Auto sitzen fühlen wie uns „sauwohl“. Das war ja mal ein Polizeigespräch wie unter Freunden.
An der nächsten Tanke erwartet uns Bimo und wir können Diesel tanken – 80 Liter. Die IVECO Werkstatt liegt auf dem Weg zum Stellplatz. Bimo fährt schon weiter, während wir auf den Hof der Werkstatt rollen. Das Team ist mehr auf Verkauf und Reparatur kleiner Fahrzeuge (mehrere Marken werden hier verkauft) spezialisiert. Nachdem der Annahmemeister unter die Motorhaube geschaut hat, wird ein passender Schlauch aus dem Ersatzteillager geholt und eingebaut. Wir nehmen noch einen Reserveschlauch und zwei H7 Lampen mit. Die Rechnung beläuft sich auf umgerechnet 10 Euro. Da ist ein Trinkgeld für die Monteure selbstverständlich. Noch schnell ein Foto von dem kompetenten Team und weiter geht es wohlgelaunt zum Stellplatz.
Noro und HK sind „ausgeflogen“ und besichtigen Astana, so berichtet uns Bimo. Gemeinsam versuchen wir eine Adresse aus dem Reiseführer für organisierte Stadtführungen anzurufen. Doch unter den angegebenen Telefonnummern meldet sich Niemand. Brummi kommt und weiß Rat. In der VW Werkstatt (sie haben einen Ölwechsel vornehmen lassen), haben sie eine Fernsehreporterin kennengelernt und sie haben Telefonnummern ausgetauscht. Das Team drehte einen Film in der Werkstatt. Diese Reporterin ruft Reinhard an und bittet sie für uns eine Stadtführung zu organisieren. Während wir alle bei dem scheußlichen Wetter zusammen in unserem uns Mobil Kaffee, Tee und Kuchen uns schmecken lassen, führt Reinhard die Verhandlungsgespräche. Nach etlichen Telefonaten bekommt der die Nachricht: morgen früh 10 Uhr geht es los mit einem Minibus und einer deutschsprachigen Reiseleitung. Kostenpunkt: 25 Euro die Stunde für alle. Das ist doch super! Danke Reinhard für die Kontakte!
Am Abend besuchen wir auf dem Gelände eine Show. Redine hatte schon gestern die Möglichkeit einen Blick auf die Bühne zu werfen. Viele Familien, auch mit Kleinkindern, sitzen im Publikum. Ein kleines Orchester in traditionellen Kostümen begleitet die Show auf ihren Instrumenten. Tänzer und Tänzerinnen in farbenprächtigen Bekleidungen tanzen auf der Bühne, die Kulisse wird mit Großwandbildern untermalt. Wir sehen Jurten in der Steppenlandschaft mit blauem Himmel und bunten Blumen. Das waren die Anfänge der Turkvölker. Artisten schwingen sich durch die Lüfte, tanzen auf dem Seil, reiten auf Pferderücken. Ein Mann hat sich Riesenschlangen um seinen Körper gewickelt, auch eine Kobra windet sich auf der Bühne. Freiwillige aus dem Publikum lassen sich die Schlangen während einer Pause um den Hals legen und machen gegen Bezahlung Fotos. Diese unterhaltsame Show geht über 2 Stunden. Brummi unternimmt danach noch eine Abendfahrt durch das festlich erleuchtete Astana. Sie sind total begeistert.


   |   Tages KM: 142   |   GPS Nord: 51°03'55   |   GPS Ost: 71°23'06

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Sonntag, 26.8. Astana

Überpünktlich erscheint unsere Reiseleitung Aliya. Ein Kleinbus wird uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt fahren, 4 Stunden haben wir dafür veranschlagt.
Während der Fahrt in die Stadt berichtet Aliya geschichtliches von Astana. Astana bedeutet übersetzt Hauptstadt und das ist seit 1997 diese Stadt auch. Bis dahin war es Almaty, im Süden des Landes. Seit dem Jahr 2000 entstehen laufend neue Gebäude. Die Mischung der Gebäude erweckt den Eindruck, man befinde sich in einer westöstlichen Hauptstadt. „Ak Orda“, der Sitz des Präsidenten, der Aussichtsturm Bajterek als neues Wahrzeichen der Stadt und des Landes, die allergrößte Moschee von Kasachstan, zahlreiche Firmenbauen mit gläsernen blau- oder goldglänzenden Fassaden, gigantische Wohnkomplexe, Einkaufs- und Vergnügungspaläste, Sportstätten, Kongress und Messezentren, die Nazarbajev-Universität, die Nationalbibliothek mit dem Archiv in Eiform, die Astana-Oper der Superlative, das Nationalmuseum, die gläserne Pyramide als „Palast des Friedens und der Eintracht“ – und kein Ende des Baubooms ist abzusehen.
Alle Straßen und Plätze sind sauber und gepflegt – nirgendwo liegt Müll oder Unrat. Es wird überall gefegt, gewischt und die Pflanzen begossen.
Aliya weiß viele Einzelheiten zu den Gebäuden zu berichten. So können z.B. die Studenten kostenfrei in Studentenwohnungen leben. An der Universität unterrichten Professoren aus Cambridge. Seit 2010 sind viele Sportstätten entstanden, die gigantisch anzuschauen sind. Das neue Shoppingcenter und Erholungszentrum „Khan Schatyr“ (Zelt des Khans) hat die Form eines riesigen zeltförmigen Kegels und wurde von Norman Foster entworfen, wie viele andere Gebäude auch. Selbst im kalten Steppenwinter bietet es angenehme 25 °C. Wahrhaft königlich ist auch schon die Fläche im Erdgeschoss: 100.000 qm. Es sind Wohngebäude im Bau, von denen man unterirdisch ins Khan Schatyr gelangen kann. Doch wer will schon jeden Tag Shopping gehen?
Wir stoppen im neuen Stadtkern um den Bajterek: mit Regierungsgebäuden, Firmenresidenzen, Hotels und Wohnhäusern. Das Monument Bajterek werden wir uns morgen ansehen. Heute statten wir der Hazret Sultan Moschee, der zweitgrößten Moschee der Welt (2012 fertiggestellt) einen Besuch ab. Die 4 Minarette sind 77 m hoch und in der Moschee finden bis zu 10.000 Personen Platz. An den Seitenwänden befinden sich silberne Koranseiten, sie gehören zu den ältesten Koranseiten der Welt. Weiterhin fahren wir zum Gelände der gläsernen Pyramide und schauen uns eine neue Brücke über den Jesil an. Aliya zeigt nicht nur die Schönheiten ihrer Stadt, sie kann auch viele unserer Fragen beantworten. Als letzten Stopp fahren wir auf das Expo Gelände von 2017. Aliya hat dort im deutschen Pavillon gearbeitet.
Danke, liebe Aliya für die gute Führung durch deine Hauptstadt. Für alle, die auch gerne begleitet durch die Stadt geführt werden wollen, hier die Internetadresse und Telefonnummer
Aliya Bakirova Tel 8701 395 62 93 in Astana E-Mail: bakirova-1977@inlox.ru
Am Abend wollen wir gemeinsam mit Aliya essen gehen. Den Nachmittag verbringen Peter und ich im Einkaufszentrum „Silk Way“ auf dem Expo-Gelände. Die Besucher erwartet an 7 Tagen in der Woche von 10 bis 22 Uhr: Boutiquen, Cafés, Restaurants, Kinderparadies, ein riesiger Supermarkt, selbst am Sonntag kann man sich hier die Haare schneiden lassen. Hier werden fast alle Wünsche erfüllt.
Abends fahren wir in die Stadt, parken bei der Moschee Nur-Astana. Aliya kommt in männlicher Begleitung und führt uns in ein usbekisches Restaurant. Die gemütlichen Räume sind von Familien und Gruppen besucht. Die Speisen enttäuschen uns nicht. Zu später Stunde treten eine Sängerin und Sänger auf, die Tanzfläche füllt sich schnell mit Einheimischen. Auch wir werden aufgefordert mitzumachen. Das machen wir doch gerne!!! Nach einigen Tänzen machen wir uns auf den Weg zu unseren Mobilen.
Peter und ich machen noch eine Lichterfahrt durch das abendliche Astana: Beleuchtung an Gebäuden, Plätzen und Bücken in allen Formen und Farben – wohin das Auge schaut. Eine Lichtershow vom allerfeinsten. So eine Nachtfahrt können wir wärmstens empfehlen!


   |   Tages KM: 26

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Montag, 27.8. Astana

Redine und Jan-Habbo begleiten uns. Der erste Stopp liegt ganz in der Nähe, ein Space-Center. Auf dem Außengelände befinden sich 3 Kopien von Raketen und 1 Spaceshuttle. In einer Halle sind Themen zur Raumfahrt näher erklärt. 2. Stopp Stadtzentrum. Nochmals wollen wir zu Fuß Astana mit den vielen imposanten Gebäuden erkunden. Wir parken bei der Nur Astana Moschee – ein Geschenk des Emirs von Katar 2005. Schon von weitem sehen wir das Monument Bajterek, 97 m hoch. Bajterek bedeutet Baum des Lebens. Nach einer alten Legende legte der Wundervogel Samruk sein goldenes Ei auf jenem Baum ab, unerreichbar für die Menschen. Im Ei verborgen sind alle Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, alle Erwartungen an die Zukunft.
Mit einem Fahrstuhl schweben wir nach oben in die goldene Kuppel. Die Aussicht ist trotz des bedeckten Himmels umwerfend. Nochmals 2 Treppen aufwärts kann man die Hand in Präsident Nazarbajens vergoldeten Handabdruck legen und sich etwas wünschen. Wir treffen oben Christiane und Werner. Wieder unten, schlendern wir über einen Boulevard mit Blumenrabatten, Plastiken und beleuchteten Springbrunnen und erreichen die Shopping Mall „Khan Schatyr“ – von Norman Foster entworfen. Es wirkt aus der Ferne wie ein riesengroßes Zelt. Von einer Veranstaltungsbühne im Erdgeschoss schlägt uns Lärm entgegen. Die Bühne ist umringt von Teenies, eine Gruppe von Mädchen führt einen Tanz vor –danach kommt eine Gesangsgruppe. Edle Boutiquen, Cafés, Restaurants, Kinderbespaßung und im 5. Stock, ganz oben in der Kuppel, ein Schwimmbad mit Sandstrand. Der Sand kommt von den Malediven - 15 Min. Rundgang durch das Schwimmbad kosten umgerechnet 4 Euro, 1 Tagesticket 25 Euro.
Vom Vorplatz des Centers haben wir einen guten Blick auf die neue Oper. Inzwischen scheint die Sonne und schnell ist es warm. Wir laufen durch den Park der Verliebten und erreichen Fuß müde unsere Mobile. Unser nächster Stopp ist der Friseur im Shoppingcenter Silk Way. Haare waschen, schneiden und föhnen kosten für mich und für Peter einheitlich je 12.50 Euro. Peter ist wesentlich später fertig, da sage noch einer: „auf Frauen muss man warten“! Abends Übernachtung auf dem altbekannten Platz Ethnopark.


   |   Tages KM: 26

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Dienstag, 28.8. Astana

Brummi und Bimo verabschieden sich für die nächsten 3 Tage. Sie wollen nach Burabaj, in die Kasachische Schweiz. Wir anderen wollen uns die Ausstellung „Legacy of „Expo 2017“ auf dem Expo Gelände ansehen. Die Expo 2017 in Astana hatte das Motto: „.Future Energy“. In der gläsernen Kuppel kann man über 8 Stockwerke zu den Energien: Wind, Sonne, Wasser, Space, Biomasse, Bionetik und Erdwärme viel erfahren. Man kann an einigen Modellen Versuche starten. Nur schade, dass einige (bereits nach einem Jahr) so beschädigt sind, dass sie nicht benutzt werden können. Wir benötigen fast 4 Stunden für diese Ausstellung und haben längst noch nicht alles gesehen. Erklärungen zu den Themen in Kasachisch, Russisch und Englisch. Nach einer kleinen Ruhepause fahren wir am Nachmittag nochmals in die Stadt. Wir wollen uns den Ethnokomplex Atameken ansehen. Auf 1,7 ha sind Miniaturen vieler architektonischer und anderer Sehenswürdigkeiten aus Kasachstan zu bewundern. Leider gibt zurzeit keine Mappe für den Rundgang. So können wir die einzelnen Gebäude und nachgeformten Landschaften nicht zuordnen. Mir sind zwei junge Leute behilflich und so kann ich vieles, was ich bereits 2016 und in diesem Jahr angeschaut habe, zuordnen.
In den Abendstunden bewundern wir die Glaskuppel von Futur Energy. Die Motive und Farben wechseln laufend.
Morgen werden wir diese schöne Stadt Astana Richtung Grenze Russland verlassen. Für die 1000 km haben wir3 Tage veranschlagt.


   |   Tages KM: 36

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Mittwoch, 29.8. Astana - Rastplatz

Die Stadt Astana ist wirklich gigantisch. Auch die Ausdehnung der modernen Wohnanlagen ist gewaltig. Doch man wohnt in modernen Hochhäusern – wir sehen keine Einfamilienhäuser, Reihenhäuser oder ein-bis zweigeschossige Wohnblocks.
Gleich danach beginnt die Steppe. Stallungen für viele Tiere. Reinhard hat gestern einen Milchbauern mit 1.500 Kühen besucht. Es wechseln sich Steppe und Getreidefelder ab. Mit bis zu 8 Maschinen in einer Reihe, ist man dabei die Ernte einzubringen. Die riesigen Felder reichen bis zum Horizont. Der Straßenbelag ist gut und pararell verläuft die Eisenbahnlinie. In jedem Dorf sehen wir Getreidesilos, die wie Hochhäuser anmuten. Am Straßenrand, selbst auf der Straße, hocken Scharen von Krähen. Sobald wir nahen, fliegen sie fort – um uns herum verdunkelt sich der Himmel. Wir überlegen, ob die Krähen sich hier für einen Flug in den Süden versammeln. Im Winter können hier bis zu – 40°C herrschen.
Übernachtung auf einem Stellplatz für LKW mit festem Untergrund in Straßennähe. Leider sind die unbefestigten Fahrwege durch den Regen, fast jeden Tag für eine kurze Zeit, für uns nicht zu befahren.


   |   Tages KM: 325   |   GPS Nord: 51°49'49   |   GPS Ost: 67°51'51

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Donnerstag, 30.8. Rastplatz - Kostanay

Morgens Nebel über den Feldern – doch dann kommt die Sonne raus. Die heutige Tagesetappe beträgt 400 Km, auf der guten Straße kommen wir zügig voran.
Wir fahren durch die „Kornkammer Kasachstans“ – bis zu 50 Kilometer sind die Felder lang und erstrecken sich bis zum Horizont. Ernteeinsatz. Während bei uns die Mähdrescher mähen und sogleich das Stroh bündeln, sind es hier noch mehrere Arbeitsvorgänge. Wie lange braucht es um ein Feld in diesen Ausmaßen zu mähen? Wochen?
Erstmalig sehen wir einen kleinen Kiefernwald. Eine Frau sitzt am Straßenrand und verkauft Steinpilze. Auch Peter und ich können nicht wiederstehen und wir hoffen, dass kein Giftpilz dabei ist.
Vor der Stadt Kostanaj befinden sich die Friedhöfe. Wir passieren so eine Totenstadt für Muslime. Die Mausoleen, Umfriedungen, Stelen und Grabplatten in allen möglichen Formen erzählen Geschichten über die Herkunft des Toten, über seine Arbeit und seine Lieblingsbeschäftigungen. Ein Mausoleum durfte man in früheren Zeiten nur für einen Heiligen errichten. Den Status eines Heiligen erwarb man sich zu Lebzeiten durch besondere Weisheit und durch Wohltaten, die man seiner Umgebung angedeihen ließ. Heiler, Wahrsager und Lehrer wurden heiliggesprochen. Die „Heiligen“ der Neuzeit sind meistens Funktionäre oder Geschäftsleute, deren Erben mit den prächtigen, oft aufwendig mit Ornamenten verzierten Kuppelbauten die Bedeutung des Dahingeschiedenen und des eigenen Clans unterstreichen wollen – so unser Reiseführer.
Auf einen größeren Parkplatz am Fluss Tobol wollen wir übernachten. Doch für die Bewohner der Stadt Kostanaj ist hier ein beliebter Treffpunkt. Auch eine Hochzeitsgesellschaft mit jungen Leuten trifft ein. Man tanzt und trinkt, auch wir werden zum Mittanzen aufgefordert. Die Eltern und Verwandte erwarten dann das junge Paar und die Freunde in einem Lokal.
Wir parken nochmals um, der Trubel auf dem Parkplatz bringt uns sicherlich um die verdiente Nachtruhe. In Kasachstan hört man gerne laut Musik.


   |   Tages KM: 406   |   GPS Nord: 53°11'57   |   GPS Ost: 63°38'45

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Freitag, 31.8. Kostanay - Karabalyk

Unser Reiseführer informiert: Schon immer dominierte in Kostanaj der Handel. Der Platz dafür an der Furt über den Fluss Tobol war günstig gewählt. Später legte man mit der Erschließung der Eisenerz- und Bauxitvorkommen südlich der Stadt die Grundlage für den Bergbau. Auch Kaolin, Titan, Zirkonium, Gold und Braunkohle werden im Gebiet Kostanaj gefördert. In den 1950er Jahren wurden hier große Neulandflächen erschlossen. 1954 kamen die ersten freiwilligen Neuland-Pioniere nach Kostanaj. Es siedelten sich große Getreidebetriebe an, Lebensmittelindustrie entstand – die Region kann als wohlhabend bezeichnet werden.
Kasachstan ist sehr reich an Bodenschätzen. Steigende Rohstoffpreise machen einen Abbau lohnenswert. Man fördert u.a.: Erdöl, Erdgas und Steinkohle, Eisen und Chrom, Blei und Zink, Gold und Silber, Uran und Belyllium.
Wir machen einen Bummel durch das Stadtzentrum. Besonders am Fluss wirkt die Stadt mit ihren Blumenrabatten und Skulpturen sehr einladend. Nach einigen Einkäufen fahren wir gegen Mittag weiter. Im Ort Karabalyk, 45 Km vor der Grenze, finden wir einen Übernachtungsplatz. Morgen wollen wir nach Russland einreisen und hoffen auf eine schnelle Grenzabfertigung.


   |   Tages KM: 153   |   GPS Nord: 53°45'30   |   GPS Ost: 62°03'56

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